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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
stube bis stubenfarbe (Bd. 20, Sp. 157 bis 166)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) stube, f.
A. herkunft und form.
das wort ist in allen germ. sprachen bis in die gegenwart lebendig. auf deutschem boden hat es noch das verbum stoben (s. o. th. 10, 3, 1) 'schmoren, dämpfen' und das deminutivum stübchen 'feuerkieke' neben sich: ags. stofa, stufbæþ, anord. stofa, norw. stova, schwed. stuga, ält. dän. stove, dän. stue, mnl. stove, nl. stoof. meist 'warmer wohnraum', auch 'bad, ofen'. aus dem germ. drang das wort in die slavischen sprachen, mit vorschlag russ. poln. izba (altruss. istŭba), weitere formen bei Berneker etym. wb. 1, 436. neben der germ. steht eine weitverbreitete romanische sippe: ital. stufare 'wärmen', span. estovar, estofar, ital. stufa 'ofen', afrz. estuver 'ein warmes bad nehmen', frz. étuver 'brühen, schmoren', étuve 'badestube'. es liegt nahe, für beide gruppen denselben ursprung anzunehmen und mit rücksicht auf sachlich verwandte lehnworte ihn auf romanischem boden zu suchen Gamillscheg et. wb. 395. doch sprechen gegen eine entlehnung aus dem roman. gewichtige

[Bd. 20, Sp. 158]


lautliche bedenken, die Meyer-Lübke Prag. dtsche stud. 8, 78 dargelegt hat. nimmt man für beide gruppen gesonderten ursprung an und sieht in der lautlichen ähnlichkeit nur zufällige gleichklänge, so findet wohl die roman. sippe in einem postverbalen *estufa 'baderaum' (griech. τῦφος vulgärlat. *tūfus 'rauch, dampf') eine ansprechende grundform, während alle herleitungen des germ. wortes in der luft schweben. auch die häufig versuchte zurückführung auf das verbum stieben (vom 'stiebenden' dampf des wasserbades) Heyne dt. wb. 3, 884; Franck etym. wb. 670b und oben th. 10, 3, 1 bleibt unwahrscheinlich, vgl. noch Hoops reallex. 4, 294, C. Schuchardt zs. f. d. wortf. 1, 66.
mnd. ist stube masc., so auch bei Richey hamb. 288; Schütze schlesw. 4, 189, hochd. stets fem., so auch in den wbb. (den stuben kehren Orsäus nomencl. [1623] stammt aus dem nd.). in älterer zeit wird das wort nur schwach flectiert, im 16. jahrh. sind die starken formen des singulars noch selten, werden im 17. aber häufiger und haben zu beginn des 18. bereits das übergewicht, nur selten gelangt noch ein schwacher singular ins 19. jahrh. stuben als nom. sing. häufig bei den älteren lexikographen: hypocaustum ... badstuben oder sunst ein stuben Frisius dict. (1556) 638. heute noch mundartlich: Schmeller 2, 720; Lexer kärnt. 244; Hentrich Eichsf. 65. der stammvocal zeigt reichen wechsel. nd. herrschen stawe, stowe, stuwe, stuawe s. Peszler plattd. wortatlas 44; der westen hat eine kurzform stub(b): Martin-Lienhart 2, 569; Follmann lothr. 509a; Hönig Köln 178b; štuff lux. wb. 432; ebenso Kisch Nösen 150; auch in den hist. wbb.: Diefenbach gl. 278a; Alberus 24b; Maaler 393c; Dasypodius 478. neben den gebräuchlicheren pluralformen stuben, stum, stun erscheint auch stiwe Follmann 509a; Martin-Lienhart 2, 569a; stewen Hertel Thür. 239; štiim, šteem, štööm Müller-Fraureuth 2, 581b; bei Fischer schwäb. 5, 1888 auch stubenen; vereinzelt: fur die krancken 3 stublach mit kamern Knebel chron. 332 lit. ver.
B. bedeutung und gebrauch.
mit der unsicherheit der herleitung ist auch die schwierigkeit, den ursprünglichen bedeutungskern schärfer zu umreiszen, gegeben. die ältesten belege bleiben unsicher: si quis stubam, ovile, porcaritiam, domum alicuius concremaverit lex. Alemann. tit. 83, 3. stupa stupa ahd. gl. 3, 10, 48; aber stoppa padestub (12. jahrh.) diutisca 3, 149. als das wort dann im 13. u. 14. jahrh. ins volle licht der litterarischen überlieferung tritt, erscheint es bereits, regional verschieden, in mehreren selbstständigen bedeutungen. immerhin weist die entwicklung bis in die gegenwart darauf hin, dasz der begriff des wärmespendenden von jeher wesenselement des wortes gewesen ist, mag es nun ursprünglich den wärmenden ofen oder den erwärmten raum, baderaum,diese bedeutungen stehen auch in anderen sprachen in wechselseitigem austauschbezeichnet haben. von hier entwickelte sich der begriff nicht weit, noch wechselte das wort die höhenlage in merklichem grade; anders die synonyma: gemach, einst der wohnraum, raum schlechthin, ist in eine höhere schicht emporgestiegen, von zimmer konnte noch Eberhardt syn.3 5, 289 (1828) sagen: 'was in einem gemeinen bauer- oder bürgerhause eine stube ist, heiszt in den prächtigern häusern der reichen und groszen, ein zimmer oder gemach', vgl. auch durnitz u. sp. 160. stube dagegen findet weder in der frühe die anerkennung der höfischen epiker, noch bürgert es sich in der dichtersprache des 19. jahrh. ein. in der schriftsprache stark zurückgedrängt durch zimmer, hat es sich mehr und mehr auf die häusliche umgangssprache zurückgezogen als bezeichnung des warm-behaglichen wohnraumes.
vorangestellt seien die bedeutungen, in denen der ursprüngliche begriff noch deutlich fühlbar ist:
1) nur niederdeutsch, westlich der Elbe in der nachbarschaft des niederländischen, begegnet stube als 'feuerkieke', im niederl. als stoof noch heute, im südniederländischen auch allgemein der 'ofen', von den Niederlanden ins englische als stove 'ofen' s. Murray 9, 1, 1050. gebräuchlicher die deminutivform stübchen (s. sp. 155), ndl. stoofkijn Verwijs-Verdam 7, 2253; stoue, stofken aethranon, scabellum, quod fovendis brumali tempore pedibus subjiciunt femine, sedile

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pedes fovens Kilian (1605) 535a; foculos suppedaneos ..., quos Batavi hiberno frigore subjiciunt pedibus, stovas vocant Vossius vit. serm. (1666) 642. dies auch die vorherrschende bedeutung im nd., seltener als 'gluthpfanne'; neben stove Richey hamb. 293, auch stūw Schmidt-Petersen 130a; stof Müller-Weitz Aach. 237; stave Doornkaat-Koolman 3, 323a; Schütze holst. 4, 207. daneben häufig in der zusammensetzung feuerstube, fürstave Schütze a. a. o.; boltstâve flachrunde wärmekruke Doornkaat-Koolman 1, 200, s. stove th. 10, 3, 588.
2) stube als 'badestube', 'bad' ist in älterer sprache mit sicherheit nur nd. nachzuweisen, wie denn die sich hier anschlieszenden composita fast nur nd. (s. u. DWB C 1) auftreten. vgl. weiter die scharf getrennte bedeutung einzelner zusammensetzungen, etwa stubengeld, stubenfrau auf obd. und nd. gebiete. auch beim mittellat. stupa, stuba zeigt sich dieser wortgeographische unterschied, s. Zappert badewesen, zs. f. österr. geschichtsqu. 21, 70. ags. balneum stofa Wright-Wülker 1, 8, 33, vgl.stufbæþ a hot-air bath, vapour bath Bosworth-Toller 930; svie des anderen svert oder kleid oder becken oder scheremesze oder sime gelik na mer lüde wane von me stoven dreget Sachsensp. 1, 267 Homeyer (von den handschriften in bastoben, bad geändert); in eme stoven weren vorgaddert Dudeschen unde Denen unde wurden kivende chron. d. d. st. 26, 58; na'm staven gahn in die badstube gehen Richey 288; weitere reiche belege bei Schiller-Lübben 4, 421; darnach ervolgete ein sehr schwere zeit wegen der grausamen pestilentz, die im winter, da das volck in den stuben unter einander ging, grausam rumorte Boregk behm. chron. (1587) 110; wenn man die pest mit in die stuben nimpt, so ist so bald kein auffhören Petri d. Teutsch. weish. (1605) C cc 7b, (hier nicht mehr verstanden, wie der zusatz beweist: das ist, wenn sie gegen den winter anfehet). die badestuben kamen durch die freien badesitten in den ruf öffentlicher häuser, s. Martin deutsches badewesen (1906) 86: in deme veylen stoven eder stoffhuse mach men wol vorstendige lüde unde overhorige lüde opholden script. brunsvic. 3, 506 Leibnitz; ebda 513.
3) am lebenskräftigsten ist jenes ursprüngliche bedeutungselement in dem heute allgemein herrschenden gebrauch von stube als warmem wohnraum. winterkälte und stube sind begriffe, die sich gegenseitig fordern, häufig bei mhd. dichtern:

winder, uns wil dîn gewalt
in die stuben dringen
von der linden breit
Neidhart 35, 2;

Engelmâr, dîn stube ist guot.
küel ist an der lîten.
der winder schaden tuot ebda 20 u. ö.;

für sîn (des winters) stürmen,
für sîn slîchen,
für sîn ungefüege drô,
sul wir in die stuben wîchen,
dâ mit wîben wesen frô
Ulr. v. Lichtenstein 446, 19;

so ich den langen tag erfros,
müedlichen rait, gen abent zwar des klain genoss.
ain stuben gross, die ward mir oft zu enge
Oswald v. Wolkenstein nr. 102, 9 Schatz;

macht ein grosz feuer in das kamin, das der sal warm ward wie ein stub Pauli schimpf u. ernst 1, 310 B.; da man ... on aufhören schwitzen, schwensten und stinken mus, wie in einem bade oder stuben Luther bücher u. schr. 8 (Jena 1562) 22a; wider solche grausame kälte nun haben die Chinesen in ihren stüben auch öfen, gleichwie wir in Teutschland Arnold wahrh. berichte (1672) 404; in der stube an den winterabenden war auch von diesen dingen selten ungestört die rede H. Grimm volk ohne raum 1, 37. an langen winterabenden, aber auch sonst, geht man zur stube, um bei spinnen und nähen kurzweil und unterhaltung zu finden (vergl. unten stubete und stuben, verb. (štywə), 'besuch machen', auch mit gehen verbunden, Martin-L. 2, 570, lichtstube th. 6, 893, rockenstube th. 8, 1104, kunkelstube th. 5, 2663, karz th. 5, 246):

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Maria, wo bist du zur stube gewesen?
Maria, mein einziges kind!
ich bin bei meiner grossmutter gewesen ...
A. v. Arnim 13, 20 Grimm,

vgl. zur verbreitung Fischer schwäb. 5, 1890; gleichbedeutend steht durnitz th. 2, 1734; dornitze ader heise gadim oder stobe voc. vrat. 1422, gegenüber stube jedoch 'nur bei den bauren und gemeinen schlechten leuten gemein' Buchner anleitg. (1665) 28. bis in die gegenwart ist warm stehendes epitheton zu stube, häufig mit dem begriff behaglicher ruhe und geborgenheit: unser kürzweil hengt an einer warmen stuben und einem guten trunck (a. d. j. 1472) privatbr. 1, 157 anm. Steinhausen;

wann ich in warmer stub' alsdann am fenster steh', ...
denk' ich, und zwar mit recht, in meinem sinn,
wie glücklich ich in meiner stube bin
Brockes ird. vergn. 2, 407;

nur die aussicht auf eine warme stube ... hielt unsere lebensgeister aufrecht Moltke ges. schr. 1, 132. vgl. auch stellen wie: soltent ir in einer heissen stuben nacht und tag ligen, es solte úch ze swere dunken Tauler 236, 11 Vetter; in verschlossenen verdumpffen stuben, wie dann bei uns Teutschen der brauch ist, darinn der lufft keinen freien durchgang haben mag Ryff confectb. (1548) 298b. die warme stube ist der aufenthaltsort in kranken tagen und im alter: halb krank, an die stube gewöhnt, wahrscheinlicher weise nicht lange mehr zu leben bestimmt Rabener s. w. 6, 250; der alt musz seine stärke in guter kost, gutem wein, weichem beth, und warmen stuben suchen Lehmann flor. pol. 1, 15, vgl. stübchenvater (sp. 156) und stübelleute (s. stüblein) als bezeichnung für die altsitzer, ausgedinger. die stube hüten, nicht von der stube kommen u. ä. werden feste bezeichnungen für den krankheitszustand: aber derhalben, das er umb seiner krankheit nicht lange ausz der stuben bleiben kann Hutten op. 2, 180, 31 Böcking. der cathar ist zwar auf dem abmarsche, doch soll ich noch die stube hüten Göthe IV 12, 55 W.
4) in älterer sprache ist stube als 'warmer raum' vereinzelt gleichbedeutend mit darr-, trockenstube: solche farben müssen an der sonnen oder in einer stuben gefärbet werden Böhme rosz-artzney (1608) 139; dennenhar sie gemeinlich in fenen, stuben und bey dem fewr gederrt werden Stumpf Schwytzerchr. (1606) 4b; oder wenn ein zeug zu feucht, so wirt er ... sommers zeiten an der sonnen, und winterszeiten in der stuben gedörrt Fronsperger kriegsb. (1578) 1, a 2r. vgl. die noch heute gebräuchliche form stove für den geheizten raum in zuckersiedereien Karmarsch-Heeren 3, 727b; Schütze holst. 4, 190; in reepschlägereien Bobrik naut. wb. 671 und beim schiffbau ebda 410 und th. 10, 3, 588.
5) eine leichte verschiebung der bedeutung findet statt, wenn stube zum unterschied von anderen räumen des hauses verstanden wird als der wohnraum über tag, als die 'wohnstube', die das familienleben in sich birgt, meist mit einem warmen gefühlston verbunden, von der obigen bedeutung nicht immer zu trennen: stuba est principalis pars domus in qua tota familia congregatur tempore hiemali Dief. ml. hd. böhm. wb. 261 (a. d. j. 1470); das familienzimmer wurde gewöhnlich die 'stube' genannt C. Schurz lebenser. 1. 9; aber die mutter ... raffte sich ... nochmals auf, um die stube ... zu reinigen und nicht zu ruhen, bis ... die stille sauberkeit der sonntagsfrühe harrte G. Keller 2, 120; als ich heute früh nach hausz kommen, da war kein weib daheim, ... alles lag im hausz in der stub ubereinander, stühl und bänck, dischduch, schüssel, löffel, eines da, das ander dort herumb Moscherosch ges. (1650) 2, 348. je nach dem haustyp kann die wohnstube eine bestimmte lage im grundrisz haben, je nach den socialen verhältnissen gleichzeitig auch als küche und kammer dienen, immer ist sie daneben das wohnzimmer über tag: (der zimmermann mit seiner frau) ging haim in sein herberg, sambstag den ersten april, was der heilig osterabendt, fandt man si baide todt in irer stuben chron. d. d. st. 15, 237; (der bauer) gab ihnen seine einzige stube ein, schlief ... in der scheune Nicolai Seb. Noth.

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(1773) 1, 62; den leutn gehts gar sehr kimmerlich — den regnts in de stube G. Hauptmann weber (1892) 15. deutlich sichtbar wird die unterschiedliche bedeutung neben anderen räumen des hauses:

im leben weichet maus und ratz
vor ir (der katze) aus haus, kuechen und stueben
H. Sachs 22, 259, 7 Götze;

propnigeon ein warm kammer bei der stuben Frisius dict. (1556) 1078b;

ist etwas zuschlagen oder zubrochen,
in der stuben oder in der küchen ...
Albertinus hirnschl. (1664) anh.

seit jeher am häufigsten die verbindung stube und kammer, mitunter zur formelhaften bezeichnung für die wohnung überhaupt erstarrt: einem frummen christen seind gleich geweyhet ... sein stub und kamer als der tempel Eberlin v. Günzburg 2, 10 ndr.; aber in dem ehestand ist solches (kreuz) gar kein wunder, zumahlen nit allein creutz auff dem hausz, sondern auch im hausz, stuben und cammer, ja allenthalben wachsen Abr. a s. Clara Judas (1686) 1, 22; wer sich des bezauberns befürchtet, ... der sol nehmen des edlen hypericon ... und henge das in die 4 winckel des hauses, stuben, kammern und keller J. Prätorius Blockesberg (1668) 128.
6) auszerhalb des familienlebens auch der gemietete wohnraum des einzelnen, so ehedem in der studentensprache statt des heute üblichen bude: habe meine stube im collegium gehabt neben Christoph Kreckwitzen Schweinichen denkw. 21 Österley; wo wir anders seind recht berichtet worden, so soll er seine stube hierumb haben Schoch stud.-leb. (1657) e 6b;

fast wie eines burschen stube,
fast so wie ein opernhaus ...
sieht sie aus, die beste welt
Göthe 4, 179 W.

auch auszerhalb dieses kreises allgemein, so in der verbindung stuben und tisch bei einem haben tecto et mensa alicuius uti Corvinus (1660) 1423;

vier jahre brauchten wir fast einen tisch und stube
Stieler geh. Venus 5 ndr.;

hast du nicht freie stube darzu bei mir? Stranitzky ollapatr. 11, 20 Wiener ndr. vgl. die zusammensetzungen sp. 168.
7) über das 'familienzimmer' hinaus bezeichnet stube auch jeden anderen wohnraum des hauses: welche ire heuser und stuben machen aus lerchinem holtz ... seind sicher vor der aussetzigkeit S. Münster cosm. 402: durch die reinlich gehaltenen fenster sah man in zierliche und heiter geschmückte stuben hinein Steffens was ich erlebte 1, 59; vereinzelt štuff 'aufboden' an der Mosel und in Siebenbürgen Kisch vgl. wb. 219a; Nösner wb. 150. stube verliert so mehr und mehr den gefühlsmäszigen beiklang, es wird zum leeren begriff, der alle räume des hauses umfassen kann; heute meist zimmer: ein ... haus von sieben stuben mit einem garten Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 2, 6; die nur drei stuben zählende wohnung Fontane I 5, 9; neben verwandten begriffen: manchmahls wahr es aus einem zimmer oder stube in die andere gelauffen Prätorius glückstopf (1669) 64; gee ... in dein frawenzimmer und stuben Schaidenreisser Odyssea (1537) 4a; dusse hoichgeborne furste hefft to Iborch einen schonen sadell mit stoven unde gemaken ... nie gebouwet nd. bisch.-chron. 194 Runge. unterschieden wird innerhalb des wohnhauses durch zusätze: obere, untere, hintere stube oder composita: ober-, vorderstube; fest geworden in der bürgerlichen, auch bäuerlichen, umgangssprache sind die verbindungen gute, beste stube zur bezeichnung des raumes, der, besser ausgestattet, nur bei besonderen anlässen benutzt wird, insbesondere dem empfang der gäste dient, vgl. Hofmann niederhess. 234b; Leihener Cronenb. 118a; lux. wb. 432; Blumer nordwestböhm. 89a; auf dem Eichsfeld putsštomn Hentrich 65: die sog. gute stube war sanft durchwärmt H. König d. familien 1, 198; ich fand eine menge schöner bücher in ihrer besten stube Gellert w. 4, 216; auch grosze stube Frischbier 2, 383, schöne stube Lexer kärnt. 244. verbale verbindungen:

[Bd. 20, Sp. 162]


stuben kleiben (d. i. mit lehm abdichten bei nahendem winter) in der alten kalenderregel: kleyb stuben Calixti Lehmann flor. pol. (1662) 3, 323, s. o. th. 5, 1067; stuben binden d. i. weiszen: weisse oder bindleymen, damit man stuben bindt Alberus dict. (1540) 166b; tectorium parietibus induco ich bind stuben 56a, vgl. stubenbinder; stuben spannen und die wol usbereiten mit tach und wanden Staub-Tobler 10, 252 (a. d. j. 1570).
8) etwas negativ wertendes wurde in den begriff stube hinein getragen, sobald man die schützende abgeschlossenheit als enge empfand und sie von auszen her im gegensatz zum tätigen leben, zur freien natur, zur wirklichkeit sah, eine bedeutung, die in zusammensetzungen auszerordentlich gewuchert hat (s. u. DWB C 2 bis 5), nach grad und art verschieden schattiert. in älterer sprache häufig die gegenüberstellung von kampf und gefahr und sicherer ruhe daheim: das feld und die stub mechten sich im ratschlag, und vil weniger in der that, nit vergleichen bei Baumann bauernkrieg 573 lit. ver. mit ironischem unterton vom stubenkrieger (s. d.):

er gibt ein dapffern kriegmans held
vorm ofen in der stuben zelt
Eyering prov. (1601) 1, 777;

die durch ihre tapfferkeit eroberte ... lande würden meistentheils auf diejennige spendiret, welche ... in den stuben hinterm ofen gesessen v. Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 101. sprichwörtlich: ausz der stuben ist gut tdigen Lehmann flor. pol. (1662) 3, 20; so schon öfters bei Seb. Franck z. b. chron. Germ. (1538) 112a. daneben auch ausz der stauden, s. th. 10, 2, 1151 und 11, 1, 234. von träger behaglichkeit: endlich, da es nicht erger noch tieffer kund fallen, bleib junker official auch daheim inn warmer stuben und schickte etwa einen schelmen odder buben (zur beaufsichtigung des kirchen- und schulwesens) Luther 26, 196 W.; damit geschichts, dasz ... die müssigen reichen nicht leren dann ... im bret spilen oder der stben, weinkrausen hten S. Franck sprichw. (1541) 1, 160; anders: was noch von physischer kraft aus den lenden unserer väter zu uns übergedunstet sein mag, ist durch schöne wissenschaften und warme stuben ... verdünnet oder versäuret Lavater phys. fragm. 1, 171; fühlt doch der bergsteiger nach jedem in stube und salon verbrachten winter sich wieder ... neuling in den bergen v. Barth Kalkalpen 546; durch und durch künstliche zustände, enge stuben, wirthshäuser, ... das sind die orte, an denen wir unsre besten stunden verbringen de Lagarde deutsche schr. 38. den gegensatz von theorie und praxis heraushebend: weil sie (die jagd) durch eigenen fleisz, übung ... aber nicht durchs sitzen in der stuben ... erlernet sein will C. v. Heppe aufr. lehrpr. (1751) 14. seit dem 18. jh. häufiger übertragen auf den gelehrten und seine tätigkeit, um das enge, lebensfremde zu charakterisieren:

wo die gelehrsamkeit in enger stuben wänden
in stillem kerker liegt
Pietsch geb. schr. (1740) 187;

der umkreis derselben (volkslieder) war auch nicht eine fakultät oder enge stube Herder 25, 323 S.; diese bedeutung besonders in zusammensetzungen (s. sp. 167), doch auch in anderem bezirke, mit dem sinn des bürokratischen: der preuszische gesetzgeber verlegt das contrahiren von dem markt und der strasze auf die stube und den schreibtisch Jhering röm. recht 2, 2, 514.
9) redewendungen und sprichwörter schlieszen sich in reicher fülle an die obigen bedeutungen an. von der warmen stube: ein hübsche fraw und ein hübscher offen in einer stuben, sind ein schön hauszier Petri weish. (1604f.) 2, V 6b; ein scheit holtz gibt kein fewer, die stuben zu wärmen Lehmann flor. pol. 1, 188; offt läst sich ein klein stub mit einem scheid nicht erwärmen ebda 1, 434 unter 'hurerei'; er hat eine warme stube gehabt tota hora vexatus, exagitatus est Stieler (1691) 2435. von gelassener gleichgültigkeit: der sorglosz ... sihet das wetter in der warmen stuben zum fenster ausz an Lehmann flor. pol. (1662) 2, 743. häufig ausgehend vom kehren der stube: im auszkeren würt es sich finden, wer in die stben hofiert hab Franck sprichw. (1545) 1, 88a, ebenso

[Bd. 20, Sp. 163]


sch. w. klugreden (1548) 8a unter: das werck zeugt vom meister; der hauszknecht sprichwort ist, wer in die stube pfercht und ders auszkehrt, werden gemeiniglich gleich belohnt Lehmann flor. pol. (1662) 1, 88, vgl. DWB wer in die stube hofiret und wider ausskehret, da ist einer so gut wie der ander Herberger hertzpostille 2, 419 nach Wander sprichw. 4, 927; die stube fegen ist der niedrigste hausdienst, so in der klage des entrechteten ehemannes:

die frau die hat die buchsen an,
ich musz die stube kehren
Mittler volksl. 596;

schon bei Murner

fechten von der wiber wegen
und sunst nach er und eidt nit fregen,
das heiszt am sampstag stuben fegen gäuchm. 158 Uhl.

noch schärfer, als ausdruck häuslicher tyrannei mit jemand die stube fegen: der teuffel, der von hertzen gern sihet, das man im haus schnurt und murrt, ... mit der frawen die stuben keret Luther 34, 1, 64 W. auch umschichtig:

aber weil sie deutsch gesinnet,
schaut sie, wie sie sich erwehrt,
wie sie oberhand gewinnet
und die stube mit ihm kehrt
Logau sinnged. 79 lit. ver.;

die stube ist nicht gekehrt ungefähr dasselbe wie die luft ist nicht rein Spiess henneb. id. 247, auch in der Schweiz d' stuben ist (no) nid gewüscht u. ä. Friedli Bärnd. 1, 231. zu jemand ein rauch in die stuben machen (so Grimmelshausen 3, 337 Keller) vgl. DWB man hat ihm ein rauch ins hausz gemacht, ein floh ins ohr gesetzt Lehmann flor. pol. (1662) 95; lessestu einen ins hausz, er kompt bald in die stuben Petri d. Teutsch. weish. (1604f.) 2, m m 6a. statt des heute üblichen mit der thür ins haus fallen in älterer sprache mit der thür in die stuben fallen: dasz man nicht ... hineinplumpe, und wie man spricht, mit der thür zur stuben hineinfall Dannhauer cat. milch. 1 (1657) 429; nicht alsobalden ohne einiges nachdenken mit der thür in die stuben hineinfalle Weickhmann königssp. (1664) 46; Kramer 2 (1702) 1017b; Ludwig (1716) 1904; mit der tür i d' stube g'heit Friedli Bärnd. 1, 203; 231. von hierher auch zu verstehen: durch diese worte ware ich mit der brühe völlig in die stube gefallen H. Lindenborn Diogenes (1742) 1, 59; die stube zum fenster hinauswerfen, s. Borchardt-Wustmann (61925) 466; weitere redensarten bei Wander 4, 926; Fischer schwäb. 5, 1888 f.
10) über die bisher gezogenen grenzen ging stube in älterer zeit noch beträchtlich hinaus: ob ein schedlich oder ein unschedlich mensch fluchtig wirt zu der schlachstuben, wenn es kumbt zu der tur derselben stuben (1277) gesch.-qu. d. st. Wien I 1, 36; smyddestobe fabrilla Dief. gl. 221b; zwo labstuben und die ubrig stuben (im pfannhaus) (1478) bei Chmel mon. habsb. 2, 639; ir bergleut, ir wisset, das ir hie auch cobeltstuffen gebrochen, wenn man sie in stuben pochet und zuschlegt Matthesius Sarepta (1562) 155b, s. scheidestube th. 8, 2413. vereinzelt auch selbständiges, kleines gebäude, heute noch in back-, bräustube sichtbar, so in der bergmannsprache, hier synonym mit grubenkaue 'jenes kleine gebäude, welches am eingange ... eines stollens oder schachtes stehet, wo sich die bergarbeiter vor der anfahrt versammeln, ihre grubengebet verrichten, wo die anstalt erfolgt, das grubengezähe aufbewahrt und vertheilt wird' Scheuchenstuel 238; 112, vgl. DWB zechhaus th. 15, 428, huthaus th. 4, 2, 1990: es sol auch nemant kain stuben abprechen, das es sey verprennen wolt, es sei hoh oder nider am perg v. Wolfstrigl-Wolfskron tirol. erzbergb. 428 (a. d. j. 1408).
hierhin rechnet auch eine verwendung für einen raum (ein gebäude), der öffentlichen, allgemeinen zwecken dient, fast nur älterer zeit angehörend:
a) bereits im 14. jh. ist stube versammlungsraum und gemeinschaftshaus der geschlechter und zünfte in oberdeutschen städten: sodalitas geselschaft uff einre stube Dief. nov. gl. 342a; und slg do das für über den weg oberwendig der metziger stube städtechron. 9, 754 (a. d.

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j. 1397); (der ankommende handwerksgesell) sol sich ... von solcher sach wegen, bei desselben seines gelehrten handwercks zunft- oder stubenknecht, oder wo keine zunfft oder stuben währen, bei desselben hantwercks-gesellen angenommen wirth oder vater ... anzeigen A. Beier der handwercks-gesell (1691) 121 (a. d. j. 1548); do sach er noch ein gross liecht uff der metzgern stuben Tschudi chron. helv. (1734) 1, 326. auszerhalb Oberdeutschlands steht vereinzelt: wan der elterman (der schuhmacher) eine stueben kundiget, welcher bruder dar nicht kumpt, der soll geben 1 mrc. Stieda-Mettig schragen d. gilden in Riga 540; in den gehegeten stuben ebenda, anscheinend übertragen von der dortigen vereinigung der hansafahrer s. u. b). von den geschlechtern: wie die konstofeler in gewonheit bizhar hant gehalten, das uf ir stuben nit dantzen sol dehein burgersfrow, sie habe dann einen konstofeler zur ee städtechron. 9, 965;

die woltens wagn,
und die vom adel all erschlagn,
auff jhrer stub zum hohen stäg
M. Kleinlawel straszb. chr. (1625) 47;

nit lang nach solcher abgestelten zwietracht hat gemelter Herbrot als erwecker alles unfrids abermals in die geselschaft der merern stuben sein samen der uneinigkeit eingeworfen städtechron. 32, 134. auch für die gesamtheit der stubenfähigen Fischer schwäb. 5, 1890 und als solches gleichbedeutend mit niederrheinischem gaffel (th. 4, 1, 1, 1135), oberdeutschem zunft (th. 16, 574), niederdeutschem gilde. hierhin auch wohl, als innung: den stangendregern und dienstknechten ire stoben zu weren (1447) Bücher Frankf. berufswb. 120b; ebenso 76a. oft ähneln diese zunft- und geschlechterstuben öffentlichen wirtshäusern: nemlich als etlich antwerck ir stuben hinweg geluhen haben den houbtkannen, die dann yedermann essen und trincken geben haben als jn eim wurtzhuse, soliches sol fürter nit me sin (a. d. j. 1475) Brucker Straszb. zunftordn. 600. so werden die folgenden wendungen verständlich: als wenn einer früg und spot uff der stuben steckt, so spricht man, er lit tag und nacht uff der stuben Keisersberg post. (1522) 14; (sie) nemen ire weiber mit inen, ... sie lauffen auf die stuben, in des scherers hausz ders. funfz. staffelen (1517) 41; so es nun darzu kompt, dass solch wegfürer zu denen dingen lauffen, zur speis, zum tranck, zur pfrndt, zur stuben, zur genugsamen bauchvölle Paracelsus op. (1616) 2, 170b; zu hofstube vgl. th. 4, 2, 1701 und Fischer schwäb. 3, 1755.
b) stuben (staven) sind in der sprache der hansafahrer die niederlagen und handelscontore auszerhalb des landes, seit dem 14. jh. nachweisbar: Richey id. hamburg. 288; brem.-nds. wb. 4, 1009; so bei den Bergenfahrern: ok gheve ik den beiden dat verde pard ... van den stoven, de ik to Bergen hebbe mit aller reschop hans. geschqu. n. f. 2, 32 a. d. j. 1387; bei der auflassung eines vermögens: alle sine guder unde schulde ... alse sinen staven, boden, sin parth ame elthuse, stavenware, reeschup, huszgerede ... ebda 188 und weitere belege im register; von der gesamtheit der mitglieder der Soester stube in Riga: dat na der bort unses heren 1300 jar an deme twe unde viiftigesten jare ... de schra des stoven van Soest ... in dutsch gebracht ward Stieda-Mettig schragen 366.
c) namentlich in zusammensetzungen älterer zeit begegnet stube zur bezeichnung öffentlicher dienststellen, so als ratsgerichts-, bau-, losungs-, steuerstube, heute rats,- gerichtssaal, bau-, steueramt. vgl. DWB gantstube th. 4, 1, 1, 1286; ratsstube th. 8, 203; landstube th. 6, 145, losungsstube th. 6, 1204; poststube th. 7, 2035. seltener im simplex: ein paumeister soll auf den tag, und man die rechnung hören will, zu den losungern geen, wenn sie nach mittag in die stube geen Tucher baumeisterb. 240; ist nit in die stuben komen actennotiz zu einer aufrechnung städtechron. 10, 235 anm. 5; di gross stuba der grosze rathaussaal Bühler Davos 2, 64; die ganze gerichtsstube (s. d.) lacht über ihre ... vorträge portraits (1779) 236. mit ähnlichem klang: dinstags ... seind wir ... für unsern g. h. den bischof in seiner g. stuben gefordert

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und ... daselbst verhrt ref. flugschr. 1, 84 Clemen; wie eim ieglichen ammeister als eim houbt der statt Straszburg zu eren sin und siner gesellschaft stube mit der gemeinen statt silberin trinckgeschirre löblich geziret (1481) bei Eheberg verfgesch. von Straszburg 1, 313;

nach disem man die gselschaft nam
und aufs ammaisters stub gleich kam
Fischart glückh. sch. v. 974 ndr.;

item mer im 1535 jar haben mir eingewert dem herren richter in seiner stuben qu. z. gesch. d. st. Kronstadt 2, 383, 15. etwas vom charakter der öffentlichkeit bleibt auch heute noch fühlbar in zusammensetzungen: schreib- (s. d.), plätt-, kaffee-, barbier-, wechsel-, wirtsstube, nie -zimmer.
d) in der soldatensprache der aufenthaltsraum der einzelnen mannschaft: der stubenälteste ist in seiner stube für ordnung verantwortlich samml. der im kgl. gardekorps best. dienstvorschriften (1831) 1, 94 (s. DWB stubenkamerad, -ältester). auch sonst bei einer lebensgemeinschaft: (im stift) wohnen auf jeder stube entweder drei oder sechse Nicolai reisen (1783f.) 2, 509. vgl. DWB stubenaufseher, -präceptor, -zensor, auch stubenmutter, -vater.
e) neben häufigerem stüblein (s. d.) war stube das gefängnis, in der gaunersprache noch heute Polzer gaunerwb. 89a; Ostwald rinnsteinspr. 150; Avé-Lallemant 4, 612: ist ... gefangen und gen Gmund in ein stuben an ein ketten gelegt worden württemb. geschqu. 6, 291 (16. jh.); da leit man siu in ein stuben in îsen gevangen bei Wackernagel lesebuch2 943, 3.
11) auf technischem gebiete verlieren sich die grenzen der ursprünglichen bedeutung: zunächst noch als der umschlossene raum, so wenn stube gelegentlich als vereinfachung von glocken-, brunnen-, radstube erscheint. im salzbergbau 'unterirdische kammer': zu einigen der sogenannten stuben, welche erleuchtet waren, hinabgleitend Fr. Jacobs verm. schr. 7 (1840) 129, hier auch sonst: 'soolenmass welches 2000 eimer oder 4000 cubicfusz soole hält' Scheuchenstuel 238, dann 'ein wasserdicht ausgezimmertes oder ausgemauertes bassin, in welchem die soole ... aufbewahrt wird' Veith bergwb. 477 (vgl. DWB labstube th. 6, 10; salzstube th. 8, 1723; solenstube th. 10, 1, 1450); so auch im compositum: das gerinnlein, welches durch das theil der bereitstuben gehet Ph. Bech Agricolas bergwb. (1621) 255, vgl. th. 1, 1501; ähnlich 'wasserlöcher', gelegentlich in ortsnamen: der wasserfrauen, holtzfrauen stuben Fischer 5, 1890, vgl. dazu: wo ... noch heut zu tage die spuren groszer wasserstuben und seebassins im innern zu sehen sind B. Weber Meran (1845) 110; sich weiter entfernend: raum zwischen den ruten für die arbeiter bei der rammaschine Mothes baulex. 4, 284. im oberdeutschen sind stuben eindämmungen des wassers aus holz, bretterverschläge: der rath soll ein radt an der Eysackprugkhn vestigen und machen lassen und die stuben dafür auffüern Schöpf tirol. 723, quelle von 1517. vgl. Fischer schwäb. 5, 1890; Lexer kärnt. 244 und th. 13, 2523 s. v. wasserstube.
12) die verbindung eine stube voll als bezeichnung einer das masz übersteigenden menge ist früh formelhaft geworden: er ist ein narr, und wenn er eine stuben vol geldes hette Friedr. Wilhelm sprichw. (1577) h 2b; und wenn sie meine stube voll gold steckten Laroche frl. v. Sternheim 2, 119; am häufigsten eine stube voll kinder Kramer 2 (1702) 1018a, einst ein gegenstand des glückes und stolzes, aber auch der sorge:

was soll wir mit den kindern than,
der wir vor ein stuben vol han?
Ayrer 50, 9 lit. ver.;

es wird ... geschrieben von einem ... schuster, der ein gantze stuben voll kinder ... hatte Abr. a s. Clara etw. f. alle (1699) 1, 431; eine stube voll braver kinder U. Bräker s. schr. (1789f.) 1, 51, voll artiger enkelchen Schiller 14, 137 Göd.; selten sonst: gab es gelächter einer stuben voll Mörike schr. 2, 92; der schnauft wie eine stube voll bettelleute bei Fischer schwäb. 5, 1588; auf eine stubenvoll nix kann der mensch nit heiraten Rosegger schr. III 6, 106.

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C. compositionstypen: zusammensetzungen, soweit sie nicht eine ausgedehntere verbreitung und entwicklung aufweisen, seien hier in gruppen zusammengestellt. die übrigen folgen an alphabetischer stelle:
1) als badestube hat das wort nur in älterer sprache und fast nur im mnd. einige seitentriebe entwickelt, z. b. stowenbad, -dele, -lach, -quaste u. a. Schiller-Lübben 4, 422 f.; Lübben-Walther hdwb. 384.
2) an stube im eigentlichen sinne als behaglichen, schützenden wohnraum (s. sp. 159) schlieszen sich nur wenige zusammensetzungen an: stubenfroh: man wurde so aufs schönste nasz und müde, hungrig und stubenfroh Strobl wilder Bismarck 289; -idyll: als starke schneefälle eintraten, ... spannen wir uns ... in ein heimeliges stubenidyll ein Hesse Camenzind 229; -sinn: stuben- und wintersinn Jean Paul 48, 347 H.; -wetter: drauszen regnets und ists kühl, stubenwetter Freytag br. an. s. gattin 501; Kramer 2 (1702) 1339a. weit häufiger wirkt der abschätzige sinn von stube als dumpfem, engem raum, der von der frischen, freien natur abschnürt und den körper ermüdet und entkräftet: stubenaufenthalt:

wer früh an ihrer (der natur) brust getrunken durstge züge,
wer früh genas vom stuben aufenthalt
J. D. Falk an die erzieher 456 lit. denkm.;

-bewohner: ein stubenbewohner gegen den genossen des mittagsbrandes und des sturmes Stifter s. w. 1, 240; -bleich: wie warf er (der spiegel) ihr jetzt ein so braunes sonnenverbranntes antlitz entgegen gegen das frühere kreideweisze, stubenbleiche Gutzkow ritter v. geiste 9, 352; -dasein: das stubendasein behagt mir nicht; über den büchern zu sitzen macht mich ungeduldig Holtei erz. schr. 7, 29; -enge s. d.; -erziehung: (ich) war für dieses alter und meine stubenerziehung schon stark und rüstig genug Holtei erz. schr. 5, 163; -farbe: trotz des fahlen wachsgelbs der stubenfarbe Kahlenberg fam. Barchwitz 19;