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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
stockfinster bis stockfischessen (Bd. 19, Sp. 88 bis 97)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) stockfinster, adj. überaus finster, so dasz man keine hand vor augen sehen kann; eigentlich so finster, wie es im stock (4 f) stockhaus, gefängnisz ist; stockfinster wie im tiefsten gefängnisz, tenebricosus, spissae tenebrae Frisch 2, 337c; doch das gefühl für diesen zusammenhang verblaszt früh auch in den wörterbüchern: so erklärt Corvinus: stockfinster nox caliginosa, wenn es stock- oder stickfinster ist, da man keinen stich oder stock vor ihm sehen kann fons latin. (1660) 130. in der ursprünglichen sphäre: stockfinsterer kerker; (in) einem stockfinstern tieffen keller Guarinonius grewel der verwüstung 341.
1) es ist stockfinster: es ist allenthalben stockfinster omnia tenebris circumfusa sunt Steinbach 1, 446; weil es in der hölle gantz stockfinster ist Prätorius Blockesberges verrichtung 48; und dann ist's schon so späth, und stockfinster Bräker 1, 108; wenn man die augen einmal zumacht, ist es auch am tage stockfinster Raupach dramat. werke kom. gattung 1, 18; während es auf der andern (sternenhälfte) nacht und stockfinster ist Hebel 2, 71 Behaghel — zumalen es so stockfinster ware, dasz wir einander selbsten kaum gesehen Zendorius teutsche winternächte (1682) 21; als wir hineingetreten, war es anfangs stockfinster darinnen (in dem tempel) Ziegler asiatische Banise 178; unten in der archen ... war kein himmelsliecht, sondern stockfinster Abraham a. s. Clara etwas für alle 1, 513; an dem tage war es stockfinster nubes undique obductae obruerant tenebris diem Steinbach 1, 446; da wurden die lichter auf einmal alle ausgeputzt, das hörte er deutlich, und wie's nun stockfinster war, so kriegte er so etwas wie eine ohrfeige ins gesicht brüder Grimm kinder- und hausmärchen 2, 35;

es war vor licht und tag, stockfinster, ohne nacht
Hoffmannswaldau auserl. gedichte 7, 101;

ich kann das abendmahl darauf (was ich als gesehen berichte) nicht nehmen,
stockfinster war's, und alle katzen grau
Kleist 1, 373 (zerbr. krug 7);

wär es nicht so stockfinster, dasz man schlechterdings keinen gegenstand auf schrittweite entdecken kann, ich wäre noch nicht heimgekehrt Meisl theatralisches quodlibet 1, 176. — in einem huy ward es stockfinster Simpl. 143 (2, 17) neudr. (vgl. auch 137); da erlosch das feuer, und wie von dickem rauch erfüllt, wurde es stockfinster in der stube E. Th. A. Hoffmann 1, 206. da es stockfinster geworden, wurde (dem zuge) eine fackel vorausgetragen Häusser deutsche geschichte 2, 231 (vgl. Laube 8, 116); (es) wird gleich stockfinster sein Nestroy werke 2, 201. — neben nacht: es lest sich ansehen, als wolle es geschlagene nacht und stockfinster werden Mathesius Syrach (1586) 3, 82b; nun überfiel uns die nacht ... es ward stockfinster Göthe 33, 173 Weim.; denn durch den aufenthalt wurde es nacht und stockfinster, ehe ich

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nach Waldau kam Pückler briefwechsel 4, 303. — als ohnmachtserscheinung vgl.: nun wird es stockfinster für meinen augen Rist das friedejauchzende Teutschland 176; es wurde mir bei dem gedanken an deinen verlust stockfinster vor den augen Lenau an Sophie Löwenthal 479.
2) stockfinstre nacht nox atra, obscura, opaca Stieler 1322; stockfinstere nacht densissima nox Dentzler 277a; eine stockfinstere nacht nox omnibus noctibus nigrior densiorque Steinbach 1, 446. (nur vereinzelt: stockfinsterer abend E. Th. A. Hoffmann 10, 41). es ist stockfinstre nacht: den es ist noch itzunder stockfinstere nacht Elisabeth Charlotte 5, 306; ohne dasz ... eins das andere sieht, denn's ist stockfinstere nacht Ayrenhoff 5, 329; das ist eine stockfinstere nacht Nestroy 3, 44. ungeachtet es schon stockfinstere nacht war Lohenstein Armin. 2, 1003a; es war stockfinstre nacht Hebbel 8, 31; auch: es war stockfinstre nacht um sie Bettine Günderode 1, 188;

ja zu sauer
wird der lange weg mir,
und diese nacht, stockfinster
Herder 25, 188;

bei stockfinsterer nacht Treuer deutscher Dädalus 1, 70; Döbel jägerpractica 2, 210; Zimmermann über die einsamkeit 2, 377; nehmlich das er (der maler) diese (seine kinder) bey stockfinsterer nacht bilde, seine zierliche contrafect aber beym hellen sonnenscheine Prätorius anthropodemus plutonicus 1, 237; (es ist verwunderlich,) dasz ein (verfolgtes) thier bey stockfinsterer nacht ... durch dickungen und stangen, mit einer solchen flucht und geschwindigkeit fliegen kan Göchhausen notabilia venatoris 276; wie kommt es, dasz wir in unsern häusern, darinnen wir geboren und erzogen sind, ... auch bey stockfinsterer nacht alle zimmer und thüren, tische, stühle und bette, ja auch andre dinge öfters so gut finden können, als wenn es licht wäre vernünft. tadlerinnen 2, 50; wir sind gestern bei stockfinstrer nacht durch Münster gekommen Droste-Hülshoff briefe 314; eine reizende gegend bei stockfinsterer nacht Bauernfeld 4, 44; als steigerndes moment in der redensart: (einer,) dem man die malize und bosheit bei stockfinstrer nacht ansehn konnte Gaudy 2, 107. als bloszer temporaler genitiv:

sie haben mich stockfinstrer nacht
in diese welt hereingebracht
Lenau 2, 83;

lebendiger fügt sich in die schilderung in stockfinsterer nacht: wohin, wohin willst du in der stockfinstern nacht? Pestalozzi 1, 252; ein unhold, ein satanskopf wars, wie seine karfunkelaugen in stockfinstrer nacht hell und klar zeigten Herder 15, 87; sehr viele waren zurückgeblieben, ... weil sie sich in der stockfinstern nacht verirrt hatten Laukhard leben 3, 190; alles stach, hieb und raufte in der stockfinstern nacht, dasz ... die funken von den klingen sprühten Eichendorff 3; 428; wie in stockfinstrer nacht ein blinder unser bester wegweiser ist Heine 7, 409; hast du das elend erlebt, wenn nun so in stockfinsterer nacht diese (getreide-) wagen in hohlwegen stecken bleiben? Goltz jugendleben 1, 364; die trappe in stockfinsterer nacht beschleichen Naumann vögel 7, 45;

ich kam dort durch in stockfinstrer nacht,
sah nirgendswo ein lichte
Heine 1, 251;

wir kommen vor stockfinstrer nacht nicht wieder Schröder dram. werke 3, 45. — in mehr poetischen ausführungen: die stockfinstre nacht bedeckte mich Simpl. 18 (1, 5) neudr.; (bildlich:)

wem nie mit liebesmacht
beyde glühende arme gezogen,
bis sie entwichen, er verlacht,
von stockfinsteren nächten umzogen,
der hört mich nicht ...
und hat sich lieb gelogen trösteinsamkeit 331;

mit zunehmender personification: Franciscus ... (ist) auf dem weeg von der stockfinstern nacht überfallen worden Abraham a. s. Clara etwas für alle 1, 59; die stockfinstere nacht ist eingebrochen vgl. Lohenstein Arminius 1, 51a; nun, ihr seid gewisz ein weiszer, dasz ihr

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dieser stockfinstern nacht lieber ins antlitz schaut, als einer negerin! Kleist 3, 315; dazu (in der steigerung): ich bleibe ... bis zum einbruche der stockfinstersten nacht neue schauspiele 7 (3), 49. — begrifflich weiter ausgeführt: in der stockfinstern regennacht Bräker schriften 1, 9; eine stockfinstere, neblige nacht Arndt werke 1, 97; es war an einem regnerischen, stockfinstern novemberabende Laube 3, 134; (gesteigert:) in der auszerordentlich stockfinstern nacht insel Felsenburg 4, 309.
3) ein stockfinsteres zimmer u. s. w. vgl. L. Schröder dram. werke 2, 133; Steub drei sommer in Tirol 1, 80; ich ging über die stiege ... die stiege war stockfinster Hafner lustspiele 1, 10; der ganze gang bis zu meinem zimmer ist stockfinster Petrasch lustspiele 1, 806; wir stiegen hinab ... in die vormalige stockfinstere richtstätte Gaudy 5, 14; helles licht fällt in die stockfinstere gasse W. Sommer geschichten aus dem kleinleben (1894) 342. der stockfinstere wald: wenn man mit einer fee fünf volle stunden durch einen stockfinstern wald spaziert Bauernfeld 5, 136 (ein deutscher krieger 2, 3); da musz man in dunkler nacht ... in dem stockfinstern wald herum kajolen Kröger leute eigener art 264; auch stockfinstere gründe vgl.:

da, wo sich, in stockfinstern gründen,
ihr (der zwietracht) schwarzer vater grämt und quält
Gottsched neuestes aus der anmuthigen gelehrsamkeit 3, 17.


4) in übertragener bildlichkeit:
a) stockfinsteres gesicht: das stockfinstere gesicht und das augenblitzen eines menschen Liscow (1739) 234; als ausdruck geistiger unfreiheit, beschränktheit, mangelnder erleuchtung: und sie (die tristen formeln religiösen betrugs) sind noch immer wirksam, denn sehen sie dort die stockfinsteren gesichter? Heine 3, 402; auch: ahndete mirs nicht, da er die abendtheuer des Julius Cäsar und Alexander Magnus und anderer stockfinsterer heyden lieber las als die geschichte des buszfertigen Tobias? Schiller 2, 17 (räuber 1, 1); er ... erklärte das buchstabenherbeten für eine von stockfinstern zeiten herrührende gewohnheit allgemeine deutsche bibliothek 49, 215; mein charakterbild ... auf einen stockfinstern grund von dummheit mit bierkreiden gezeichnet Nestroy werke 2, 53; vgl.: da wird es erst stockfinster, das man solch finsternis und irthum schmücket mit dem namen der wahrheit Luther 32, 449 Weim.
b) zum mannigfachen bildlichen ausdruck des dunkels, in welchem sich der erdenwandel des gläubigen vollzieht, und im gegensatz zum strahlenden licht des himmlischen Jerusalems: aber solche stockfinstere welt lassen wir fahren Luther 34, 2, 225 Weim.; du, mein geist, der du dein bewuszt bist, du, der du dich selbst anredest, du funke gottes, in dieser stockfinstern erde Hippel lebensläufe 3, 1, 193; wir gehen in der dämmerung, gleichsam in der mitte zwischen stockfinstrer nacht der blindheit und dem tage des gerichts Herder 4, 85;

wanns auch stockfinster were,
wirds doch hell leuchten sehre
für deinem angesicht
Wackernagel kirchenlied 5, 406;

was vielen tausend andern
stockfinster, ist dir tag
Sporck streitgedichte 195.


5) substantiviert: da stund nun Philurt vor dem bette im stockfinstern politischer maulaffe (1679) 41; ob nun gleich Caraffa in stockfinstern mit fortschleichen muste und sich öffters an unterschiedene steine und thürschwellen, darüber er gienge, hefftig stiesze Kuhnau der musicalische quacksalber 106; so werden wir im stockfinstern lange hin- und hergeworfen (im kahne auf einem sturmbewegten strome), bis sich endlich in der ferne ein licht und damit auch hoffnung aufthat Göthe 33, 174 Weim.; im stockfinstern suchen die kanoniere das zündkraut und lösen alle kanonen E. Th. A. Hoffmann 15, 53; im stockfinstern sitzt du?! Hauptmann einsame menschen 132 (5). — dem vorigen entsprechend: stockfinsternis, f.: ideo lassen wir die stockfinsternis mundi fahren Luther 34, 2, 225 Weim.; damit (hat er) alle die ungeheure stockfinsternuss, blindheit und unermässlichen seelenschaden ... veranlasst Dannhawer catechismusmilch

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1, 154; und konden wir in solcher stockfinsterniss weder ein ende noch enderung ... sehen Birken ostländischer lorbeerhayn 6a; auch wurde mir sehr langweilig zu muthe in dieser stockfinsternisz Laube 8, 237.
 
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stockfisch, m. gadus morrhua L. (Brehm 8, 209 Pechuel-Lösche), gadus merlucius (Oken 6, 151); getrockneter dorsch (th. 3 sp. 1303) oder kabeljau [(th. 5 sp. 10) das wohl aus portug. bacalhão, span. bacallao verderbte wort gehört zu lat. baculus und stellt sich so begrifflich zu unserm wort, vgl. auch das besser erhaltene ndl. bakkeljau. die angleichung erfolgte vermuthlich an kabel (zu mittellat. capulum 'fangseil'), weil der fisch an (oft 2000 m) langen leinen (der 'grundschnur', von welcher mehr als 1000 angelschnüre sich abzweigen) gefangen wird]. unser wort geht auf eine art der warenbereitung: der gefangene fisch wird durch schnellen schnitt in zwei, oder auch vier theile zerlegt und an stangengerüsten zumeist unter freiem himmel zum trocknen ausgehängt; von der luft klapperdürr gemacht, wird er bündelweise wie reisig (s. 1stock m. 2) in speichern aufgeschichtet: die (käse) legt und setzt er auffeinander stafelsweisz für pollwerck wie die gerber jre loskäsz, und die in Nordwegen jre stockfisch Gargantua 80 (4) neudr. (vgl. dazu Eyrbyggja saga c. 52. 53). dasz die namengebung an das trockengerüst (vgl. auch 2stock n. m. in der einleitung, ganz abgesehen von der allgemeinen bedeutung stock, kleine stange) anknüpft, verdeutlicht auch die entsprechende bildung klippfisch (th. 5 sp. 1208 unter 1, wenn er nach reichlichem fang gleich auf die klippen des meeresstrandes zum trocknen ausgehängt wird); ablehnen wird man die erklärung stockfisch, weil er vor dem genusz mit stöcken geschlagen werde (s. unten), ebenso wie stockfisch asellus, a trunco, dieweil man ihn uff dem stock (s. 1stock m. 1) blewet Corvinus fons latin. 1, 72a; der hansische handel brachte das deutsche wort auch in die nordischen fanggebiete, ohne dasz es aber das einheimische an. skreið verdrängen konnte: mittimus vobis ... unum centenarium piscium, qui vulgo skreið sive stokkfisk appellantur. quelle bei Fritzner 3, 558a.
1) stockfisch salpa Alberus q 4b, asellus piscis, salpa Maaler 389c, asellus, piscis fustuarius Stieler 487, asellus Dentzler 277a; die erwünschte fastenspeise der altgläubigen kirche und so (neben dem schon älteren hering, s. th. 4, 2 sp. 1104) ein hauptgegenstand des deutschen handels seit dem späten mittelalter; neyn gast, de harink, stokvis eder want bringet to Gottingen Göttinger statuten 7, 3 (v. jahre 1334); vil stogfische, figen, rosin, mandeln, zugker Stolle thüring. chron. 107; die seerappen, die stockfisch Heyden Plinius 340; platteysen, stockfisch, hering Kirchhof discipl. milit. 31; item 5 m. vor 100 stocvysch dem köchemeister of dy reyʒe handelsrechnungen des deutschen ordens 2; item 4 m. vor 100 stocvisch Marienburger tresslerbuch 191 (vgl. auch s. 37); item ain micheln stockfisch umb iii β Richental chronik des Constanzer conzils 41; item 180 stockfisch ist ein stück A. Riese rechenbuch 111b; ein ballen stockfische Bettine die Günderode 2, 46; er sollte mit einer ladung stockfische nach Spanien Smidt tagebuch eines nordischen seemannes 144; für den handelsartikel charakteristisch im collectiven singular: ein pfundt stockfisch galt zwen weisspfennig Franck chron. 253 (vgl. Steinhöwel chron. 74a): die französischen schiffe ..., welche stockfisch fangen sollten allgem. deutsche bibliothek 13-24, 1281 (anh.); deutlicher im genit. sing.: neen man schal vorkopen myn wen ene halwen stighe stocvisches buten marketdagen, he en hebbe en sulven over de zee bracht, men de hokere ndd. quelle von 1377 in Krauses archiv 1, 142.
a) von fremden orten kommen der häring, platteissen, stockfisch Hohberg 1, 208; der dorsch ... ist der art, darauss der stockfisch in Bergen wird Micraelius altes Pommerland (6) 389; weiter hinauffwärts in Norwegen, als zu Bergen, daher der stockfisch, hering ... zu uns kmpt Prätorius saturnalia (1663) 18; stockfisch fängt man im januario bey Bergen in Norwegen Abraham a. S. Clara etwas für alle 2, 97 (deshalb auch stock- oder Berger fisch Gröben Guineische reisebeschreibung 103); der stockfisch aber lohnte schon ... eine atlantische überfahrt Peschel völkerkunde 219; die küste von Nordamerika, wo der stockfisch gefangen wird Sonnenfels schriften

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2, 285; (vgl. DWB zuerst hat mich der indianische stockfisch über's meer getragen Pocci komödienbüchlein 61);

ein stockfisch ward in Newfoundland gefangen
Pfeffel poet. versuche 3, 25;

seine weitere verfrachtung: stockfisch aus Holland Meisl theatralisches quodlibet 1, 65; Holländischer ingewässerter(!) stockfisch, die roll. 4 albus Casseler zeitung von 1731 s. 378; besonders als Rheinfracht: wo wir nicht thäten, es wirde bald in allen stätten an stockfischen mangel erscheinen (sprechen rheinische schiffer) Moscherosch gesichte 2, 341;

also ausz dem see gleicher weisz,
häring, bückling, stockfisch, blatteisz
(werden auf dem Rheine zugeführt)
Mangold marckschiff C;

ein gantzes heer der Gallier, ... welchem boszhafte kaufleute gedörrtes fleisch erschlagener mohren für stockfisch verkauften Lohenstein Arminius 1, 1034a.
b) die speise und ihre werthung: das glück hatte es also gefügt, dasz ... in der gantzen schencke nichts zu essen vorhanden, als etliche stücklin ... von eim stockfisch Bastel von der Sohle junker Harnisch aus Fleckenland 33; ich esse nichts liebers, als kohl, sauerkraut undt stockfisch Elisabeth Charlotte briefe 4, 193 (deshalb in der verkehrten welt: stelt sich als ein esel, auf dasz er kleine hett, asz gebrants für gebraten, stockfisch für kraut, meint ein beltz dient für ein schusz, ein harnisch für die kält Gargantua 199 neudr.);

die speisen, so man euch wird tragen auf den tisch,
sind hasen, leberwürst, auch eyer und stockfisch
Chr. Reuter Harlequins hochzeit- und kindbetterinschmaus 65 neudr.;

willst karpfen, willst hechten, forellen,
gut stockfisch und frische sardellen?
Mittler volkslieder 805;

als fastenspeise: (Forster 1, 47) stocvisch, heringh, spirling, botter, buckinc, mandeln, rosin eder ander vestelspise Göttinger statuten 60 (v. jahre 1386); item es sol ein besatzung ... deszgleichen auch mit fastenspeisz, als mit stock-, plateiszen, und andern fischen, versorgt ... gehalten werden Fronsperger kriegsbuch 1, x 5b; an den fasttägen ... musten wir uns mit stinckenden bückingen, versaltznen polchen, faulen stock- und andern abgestandenen fischen herumbeiszen, dan er (der hausvater) kaufte alles der wolfeile nach, und liesz sich die mühe nicht dauren, zu solchem ende selbst auf den fischmarckt zu gehen, und anzupacken, was jetzt die fischer auszzuschmeissen im sinn hatten Simpl. 285 (3, 24) neudr.; wenn ich fromm und artig bleibe, darf ich mir allemal freitags einen teller stockfisch bei ihm abholen Holtei erz. schriften 15, 5; hierauf fuszt die redensart: bis zu einem ereignis noch viel stockfisch essen müssen, noch viel freitage (s. auch unten stockfischtag) gehen ins land:

sorgn wol, werd noch vil stockfisch essen,
bisz jhr werdt, was jhr vor seit gewesen lieder auf den Winterkönig 112;

als speise der genügsamkeit (sprüchwörtlich): er hält stockfische für forellen Wander 4, 873;

in seiner schlechten schüssel werd' ein stockfisch ihm
zum karpfen oder gar zum stör
Herder 27, 240;

was ihm geflügel, wild, pasteten, welsches hun,
das alles kan mir auch ein guter stockfisch thun
Rachel gedichte 61 neudr.;

doch gewöhnlich: stockfisch, plateyszlin sind eine verworffene speisz Dryander der ganzen arzenei gemeiner inhalt (1543) 35a; deshalb die gegenüberstellung:

die welt ist wie ein meer; ein ieder geht und fischt,
nur dasz den walfisch der, den stockfisch er erwischt
Logau 276 (30);

schuhsohlenzähe maccaroni, ein stockfisch, welcher für honnettgebildete nasen etwas schroffes beibehielt, das waren so die hauptstückchen Gaudy 2, 89; aber ich kaute ... wie an altem schiffszwieback oder vertrocknetem stockfisch Hebbel briefe 1, 103; sprüchwörtlich: stockfisch ohne butter ist ein schlechtes futter Wander 4, 873;

schreien, die würst sein uns genomen,
der stinckend stockfisch wider komen
Burkhard Waldis das päpstisch reich (1555) Kk 1a;

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(bildlich:) alle gerichte waren schmackhaft zubereitet und wollten mir besser behagen, als die abgeschmackten akademischen gerichte, die salzlosen, ledernen stockfische mit ihrem alten kohl, die mir in Göttingen vorgesetzt wurden Heine 3, 20. doch der gesalzne und trockne stockfisch (Forster 1, 47, wohl mehr der klippfisch) reizt den durst:

deszgleichen auch des sewsacks streit
mit einem stockfisch, welcher schreit,
das auf jhn schmack ein gter trunck
Fischart flöhhaz 68 neudr.;

deshalb wohl:

ein weib, das ihr gesind nicht allzu kärglich speist,
und auf den stockfisch nicht nur lauter wasser geust
Rachel gedichte 39 neudr.


2) in den sprüchwörtlichen vergleich bringt ihn die besondere art seiner bereitung: stockfische, die weder zu sieden noch zu bratten sind, und rauhe auch nicht zu fressen Moscherosch 2, 182; im gegensatz zum klippfisch (s. oben) ist er gewöhnlich ungesalzen und von weiszlicher farbe; erst durch starkes klopfen erhält das fleisch seine röthe und rechte genieszbarkeit: der stockfisch will auch ehe nicht lieblich schmecken, bis er durchgeklopffet ist Treuer Dädalus 1, 618; (vgl. das rezept: stockfisch zu wässern. klopffet stockfisch mit einem hölzernen hammer oder schlägel, gieszet regenwasser drauf, darinnen er einen gantzen tag liegen musz Amaranthes 1900); deshalb das sprüchwort: mit vil streychen würt der stockfisch lind Franck sprüchwörter (1545) 1, 12a (so noch bei Platen 2, 206); ein stockfisch und nuszbawm und ein bös weib wollen geplewet seyn Mathesius Syrach 1, 164a;

hurn und stockfisch ungeblewet
die nutzen weder vieh noch leut
Hans Sachs 7, 92 Keller;

stockfisch, esel, weiber, musz
man zum guten schlagen musz
Gaal 1476;

ein stockfisch wirt auch nimmer gt,
den man nit weidlich plewen tht
Scheit Grobianus 3950 neudr.;

wan mans stockfischs genieszen soll,
musz man ihn zuvor kloppen wol.
so findet man viel fauler leut,
die nichts thun, wan man sie nicht bleuwt inschrift des von herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig im jahre 1614 geprägten stockfischthalers (s. u.);

gebluwen, das ist geschlagen wie einen stockfisch Terenz (1499) 97a; ich wil euch also peren die langen seyten und faulen rucken als ainem stockfisch Albrecht von Eyb deutsche schriften 2, 107 (spiegel der sitten); wir hielten uns mit unsern knitteln sehr fertig, und, als sie nahe an uns kamen, fielen wir zugleich hinaus, und klopften sie ärger als die stockfische Zendorius teutsche winternächte (1682) 125; er ist wie ein stockfisch, dem gilt es gleich, ob man ihn klopft oder in rosenwasser einweicht der keusche Joseph 671;

so wolt ich wol abschmiren dich
wie eines stockfischs leib
Ayrer singsp. 164b;

was gelts, ich wil dich lehren tragen
und dich so weich, als stockfisch schlagen?
Fischart Eulenspiegel v. 7004 Hauffen;

drum es kein wunder wär,
wann all die edle Deutschen
wären hinter uns (den stutzern) her
mit geiszlen und mit peitschen
und schlügen auf uns zu,
als wann wir stockfisch wären
Opel-Cohn dreiszigjähr. krieg 415;

sonstiger vergleich: von einem alten groszen kerl, der so mager und dürr, wie ein stockfisch Happel akadem. roman 33; ich aber wie ein ungesaltzener stockfisch, den man auch keiner fernerer versuchung würdigt, verachtet Simplic. 2, 10 Keller; (aussehen), wie ein gewässerter stockfisch Stoppe Parnasz 523 (vgl. eine niederfallende sündfluth, die mit uns bis nach Schwarzenbach an der Saale zog, wässerte den pastor Sturm aus versehen wie einen stockfisch ein Jean Paul 3, 210); der Spiegelschwab hatte bedauern mit dem gesellen, obwohl er überall so unmär war, wie der stockfisch am ostertag Aurbacher volksbüchlein 2, 241; lasz eine flasche portwein kommen ..; ich bin heute morgen noch so trocken, wie ein stockfisch

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Spielhagen problematische naturen 2, 488. — besonders unter dem einflusz von 1stock m. 7 a mit dem beisinn des dummen, tölpischen wesens (vgl. dazu auch unten 4): dumm, wie ein stockfisch Hippel lebensläufe 1, 473; hierauf beschlosz er seine lippen und augen sänftiglich, ich aber stund da wie ein stockfisch, und meynte nicht, dasz seine liebe seele den leib gar verlassen haben solte Simpl. 35 (1, 12) neudr.; ich stund da vor ihm wie ein stockfisch, und wuste nicht was zu thun war 87 (1, 33) neudr.den eindruck der melancholie weckt der kopflose fisch, deshalb der vergleich bei Weckherlin:

lasz uns unverdrüszlich leben
recht auf gut philosophisch,
unsere sehl nicht einweben
melancolisch wie stockfisch,
sondern fliehen und vermeiden,
so vil möglich, alles leiden 1, 180.


3) in übertragenem sinne 'prügel, schläge' (mit dem stock vgl. dort 3 a): die schildwacht mit stockfischen aufwecken und wieder munter machen redensart bei Horn soldatenspr. 5; sprüchwörtlich: er sehnt sich nach stockfischen, er beträgt sich so, dasz es gleich prügel gibt Wander 4, 873; in entsprechender einkleidung: es wer dann, dasz sie schweizerisch stockfisch essen wollen, welche des papsts trabanten allbereit zur hand haben, doch ohn butter Fischart bienenkorb 145b; vgl. ick wil dy mit stockvische also spysen, dat du bruen unde blaw schalt werden Gryse wedewenspegel P 1.
4) bildlich:
a) im anschlusz an das vorige einen zum stockfisch machen, ihn gehörig durchprügeln; vgl. unterbrich das ungeheuer noch mit einem worte, und bey dieser faust, ich gebe meiner barmherzigkeit den abschied, und mache einen stockfisch aus dir Shakespeare 3, 85 (sturm 3, 2, entsprechend dem engl. and make a stockfish of thee); ähnlich:

zu dem so ist es klopfens zeit,
bis der stockfisch (gemeint sind die Lutheraner) ist zubereit
Opel-Cohn dreiszigjähr. krieg 106.


b) merkwürdig genug von menschen, welche mit vorsicht und überlegung ihren weg durchs leben nehmen, ohne doch ihr gewissen durch übelthaten zu beschweren; diese erläuterung gibt der hildesheimische superintendent Johannes Riemer, welcher 1681 den politischen stockfisch veröffentlichte, und setzt hinzu: solche leute nun habe ich jederzeit stockfische nennen hören, kann aber die stunde von keinem Teutschen eine ursache erfahren, warum sie dieses sprüchwort aufgebracht und einen kurtzweiligen klugen menschen mit dergleichen fische vergleichen polit. stockfisch 4; vgl. auch: deswegen ein solcher mensch, welcher sich und seinen vortheil mit unschädlicher list dienet, und die wieder sich versuchte klugheit zu seinem interesse brauchet, ein kluger stockfisch genennet werde ebenda 5; zuletzt: eine klugheit, umb welcher willen er verdienet, dasz ich ihn einen listigen und klugen stockfisch nenne ebenda 345; der kopflose fisch in seinem dürrgetrockneten zustande so völlig dem wasser, dem sanguinischen elemente, entrückt, als sinnbild der erdgebundenen menschlichen melancholie, die aber gleich Albrecht Dürers Melencolia alle menschliche tüchtigkeit beherrscht, hat wohl diese merkwürdige bedeutungsentwicklung veranlaszt; vgl. stockfisch ... und alles melancholisch schwerköpffig nasz geschlecht, und langweiliges gemächt Fischart aller praktik groszmutter 15 neudr. und den beleg bei Weckherlin unter 2; hierher gehört wohl noch:

wie schedlich jemandt ist verwundt,
so mach ich jhn doch baldt gesundt, ...
ein wurtzel thu ich jhm in mundt,
von stunden an ist er gesundt,
darumb mich billich alle welt
für einen groszen stockfisch helt
Er. Alberus fabeln 171 (40, 20) neudr.


α) doch der übergang in die schelte lag nahe genug, wurde von dem gebrauch unter 2 geradezu gefordert: stockfisch könnens nicht lernen verstehen, bisz sie auf marck und bein geklopft werden; darnach sind sie in schmaltz gut zum niessen Lehmann 815. so wird denn ein dummer, auch steifer, ungelenker mensch damit bezeichnet: ich wünsch nicht wie jener keyser, dasz alle römische

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burger ein kopf hetten, sie des geringer in eim streich hinzurichten, sonder dasz alle bücher ein buch weren, und dasselbig hinder mir leg, ich wolt damit fahren, wie der canonist mit den episteln Pauli, wann ers allein hett, nemlich zundel drausz machen, so wer ich nit allein ein stockfisch Gargantua 387 (42) neudr.; auch hinter dem hieroglyphischen versteckbilde esel ein stockfisch ebenda 189 (12) verbirgt sich entsprechend der wölfin ein hur die personenschelte; er wäre dann ein stockfisch oder gar ein narr und kein doctor gewesen Simpl. 4, 541 Keller; anfangs hatte ich einen hofmeister auf der academie und wenn ich ihn nicht fortgejagt hätte, so wäre ich ein stockfisch geworden Gellert 2, 283; in ansehung (der erziehung) ligt es freilich an den eltern, ob sie durch eine gute oder böse erziehung ihr kind zu einem stockfisch oder Aberdaen, zu einem menschen oder viehe machen wollen Lindenborn Diogenes 1, 46; unerträglich hingegen ist die lage, wenn man es mit einem stockfische zu thun hat, der sich für einen halbgott hält Knigge umgang mit menschen 1, 194; sie wären gewisz wohl zu brauchen; sonderlich der grosze da ist wohl gewachsen, kann ja auch lesen und schreiben, und ist sicher kein stockfisch Ulr. Bräker schriften 1, 179; ist das ein stockfisch, sagte der kürschner; glaubt die, beim bücherbinden bleibt dem arbeiter zeit, die bücher zu lesen Holtei erz. schriften 18, 12;

ein schweigender stockfisch, in butter gesotten,
behaget den radikalen rotten
viel besser, als ein Mirabeau
und alle redner seit Cicero
Heine 2, 204;

mehr in der bedeutung 'narr': wer nicht eben alle subtilitäten alsobald fassen ... kan, der musz ein narr, stockfisch, bengel und esel seyn Dannhawer catechismusmilch 2, 363; du bist so ein eingemachter narre, so ein stockfisch, ... so ein überstudirter pickelhering, nimm mirs nicht übel, mein sohn Lessing 1, 278; was kümmert mich das? meinen namen hab' ich schon manchem stockfisch genannt, und es hat mich keinen heller gekostet Beck quälgeister 92 (4, 5); wenn sie das schnapsgläschen übervoll gosz ... und dann mit spitzen lippen daran nippte, muszte schon einer ein stockfisch sein, der diese roten lippen nicht gern hätte plaudern hören Viebig das schlafende heer 2, 339;

ach, herr gott, wie hab ich ein weib,
die ist an seel, vernunfft und leib
ein dildap, stockfisch, halber nar
Hans Sachs 14, 78 Keller-Götze;

hab gefürcht meines herr ungnad,
der den stocknarrn gar lieb hat,
so will ich dich der maszen zahln.
du solst nicht thun ein ander mahln!
schau! dort geht gleich der stockfisch her
Ayrer dramen 2851 Keller;

die bedeutungsentwicklung von oben stocker 1 b wird auch aus unserm gebrauch nahrung gezogen haben; so verwendet Rätel-Curäus (chron. des herzogth. Schlesiens) stockfisch ganz in jenem sinne. auch jener Hans Stockfisch, der wohl selbst schauspieler, 1620 vom grafen Schwarzenberg 1000 gulden zurückfordert, welche er für anwerbung von komödianten verausgabt habe (Gödeke 2, 538), gehört hierher; vgl. noch Nicolai an Lessing 13, 592. — mit entsprechender adject. bestimmung: wer ... beghert einen lebendigen stockfisch zu sehen, der beschawe sich in dem nosce te ipsum Albertinus hirnschleiffer (1664) 72; es müste dann ein sauertopff, und ungesaltzner stockfisch seyn, der ohne unterlasz in dem Cornelio studirte Simpl. 1, 121; der ungepleut stockfisch Dähnhardt griech. dramen 2, 71; auch mehr kosend: der gt stockfisch gelaubett alles, das man im sagt Wickram 2, 72;

gott grsz dich, mein lieber stockfisch!
Manuel weinspiel 146;

besonders von verliebten leuten: ein anderer stockfisch ollapatrida des Fuchsmundi 121; er musz doch ein verschlagener kopf seyn. wenigstens machet mir die wahl zwischen ihm und den andern beeden stockfischen, die mich begehren, kein groszes kopfzerbrechen Petrasch lustspiele 1, 78 (tiefsinn 3, 5); die drei töchter halten lange angelruthen übers wasser — vater und mutter plätschern die stockfische her — und haben an die angelhaken

[Bd. 19, Sp. 96]


gespieszt staatsuniformen oder ihre eignen gesichter Jean Paul 7-10, 294;

denckt ihr, ihr jungfern, ihr wolt mich betriegen!
dasz ich ein stockfisch, wie mancher ist, sey
Hoffmannswaldau gedichte 4, 144;

ich liesz den stockfisch (den lächerlichen liebhaber) in das wasser, das ist, ich zwang ihm thränen ab
Günther gedichte 431;

stockfisch, der eifersüchtige ehemann Wickram rollwagenb. 90; mein alter stockfisch theater der Deutschen 4, 376; stockfisch auch als schelte für einen geizhals Martin-Lienhart elsäss. wörterb. 1, 153b.
β) im weiteren vergleich: fantasier wie ein stockfisch Scheit Grobianus 470 (auch 3069) neudr.; mancher stellt sich wie der esel in der löwenhaut oder wie ein stockfisch im weiszen herrenmantel Lehmann 32 (zugleich mit einer anspielung auf die weiszliche farbe des gedörrten fisches); man hielt es für sündlich, mich als einen stockfisch wieder nach hause zu schicken Merck ausgewählte schriften 196;

etlicher, wenn er hat getrunckn,
red wie ein stockfisch, nach gedunckn
Ringwaldt lauter wahrheit 70.


γ) in der narrenwelt ist die scholle, die platteise (th. 7 sp. 1909) seine weibliche ergänzung: wan du disz nicht verstehest, und der eltern qualitäten auf die kinder erben, so musz ich davor halten, dein vater sey ein stockfisch, und deine mutter eine plateissin gewesen Simpl. 118 (2, 10) neudr.
δ) als scheltende anrede: stockfisch! Lessing 2, 546; Schiller 2, 46; (neue schauspiele 10, 10); weiter du stockfisch! Weise drei kl. leute 188; auch ich stockfisch! Babo schauspiele 345; vgl.: er flucht wie ein heide, und hat uns alle zusammen schon stockfische genannt Bäuerle kom. theater 4, 63.
5) im anschlusz an Riemers politischen stockfisch (s. oben 4 b) allgemein 'politische kannengieszerei' (vgl. Holberg dänische schaubühne 5, 360 republik 1, 6; Gervinus geschichte der deutschen dichtung 3, 453): so wurde der grundgelehrte mann ... durch andere von anderen ausgeworffene politische stockfisch gereitzet mediz. maulaffe (1719) 5a; können die heringe und schellfische des münsterschen intelligenzblattes meine politischen stockfische ersetzen? Droste-Hülshoff 2, 318.
6) als sprüchwörtliche redensart die alten stockfische verschlucken, im vergangenen wurzelnde vorurtheile aufgeben, miszstände beseitigen: wer das alte wesen will reformieren, der musz zuvor die alte stockfisch verschlucken Lehmann 100; vgl. auch unten stockfischfresser und stockfischklopfer.
7) weitere zusammensetzungen: stockfischangel, f. , angel an der für den stockfischfang ausgelegten grundschnur (s. oben die einleitung) — stockfischangeln, n. , substant. infinit.: wer noch kein kabeljau- oder stockfischangeln gesehen Jean Paul 7-10, 294; vgl. unten stockfischfang — stockfischaristokrat, m. , spöttisches schlagwort auf das snobthum amerikanischer kaufleute, welche durch stockfischhandel oder sonst reich geworden sind: er ist ein stockfischaristokrat Wander 4, 873; die deutschen blätter Nordamerikas haben sich schon darüber lustig gemacht, dasz die dortigen thran- und stockfischaristokraten ... während ihrer reisen in Europa sich gern an die höfe drängen und für vornehme leute gelten wollen gartenlaube von 1860 ebenda; vgl. unten stockfischnabob — stockfischbereitung, f. : bei dem zum zweck der stockfischbereitung betriebenen dorschfang Muspratt chemie 2, 1078; der schellfisch ... in frischem zustand, weil er sich für stockfischbereitung nicht gut eignet Wimmer geschichte des deutschen bodens 417, vgl. Brehm 8, 213 Pechuel-Löschestockfischbrühe, f. , magere brühe, zum stockfisch bereitet: zudeme seye es auch kein feiste suppen, sondern nur ein stockfischbrühe gewest Abraham a. S. Clara etwas für alle 2, 651; übertragen (mit beziehung auf stockfisch 4 b α): dann so er sich möchte in dem flusz hinein sencken, wurde solcher den namen verliehren, und nachmals ein stockfischbrüh genennt werden, in bedenckung seiner thorheit Judas der erzschelm 1, 19. sogar von der sintfluth: so lang die welt steht, ist kein gröszere stockfischbrühe

[Bd. 19, Sp. 97]


gewest, als dise, dann was waren die menschen darzumahl anderst, als solche fisch ohne köpff, ja gar ohne sinn und verstand 2, 409 — stockfischcompagnie, f. (mit rücksicht auf stockfisch 4 b): creantes haben creandum in einen korb gesetzet, in rauch etlich stund gehenckt, ins wasser geworffen ... so nun einer disz ausgestanden, hat er sich der stockfischcompagnia fähig gemacht: ist ein modus depositionis academici Abraham a. S. Clara etwas für alle 2, 97stockfischei, n. : kabliaurögner, in welchem Leuwenhök 9 millionen stockfischeier zählt Jean Paul 11-14, 103stockfischerei, f. , anlagen für den stockfischfang; bildlich (in anlehnung an 4 b): stockfischerey nugae, ineptiae, joci, affaniae Stieler 488; von der sucht, fremdsprachliches deutschen versen unterzumischen: uber welche stockfischerey Zinkgref apophtegmata 293stockfischessen, n. , subst. infinit. (als charakteristisch für die fastenzeit):

vierzig tage kurz vor ostern dreuen dir alzeit gefahr,
denn man treibt das stockfischessen niemals strenger durch das jahr
Grob dichter. versuchgabe (1678) 88