| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
stockfinster bis stockfischessen (Bd. 19, Sp. 88 bis 97) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| 1) es ist stockfinster: es ist allenthalben stockfinster omnia tenebris circumfusa sunt 1, 446; weil es in der hölle gantz stockfinster ist Blockesberges verrichtung 48; und dann ist's schon so späth, und stockfinster 1, 108; wenn man die augen einmal zumacht, ist es auch am tage stockfinster dramat. werke kom. gattung 1, 18; während es auf der andern (sternenhälfte) nacht und stockfinster ist 2, 71 Behaghel — zumalen es so stockfinster ware, dasz wir einander selbsten kaum gesehen teutsche winternächte (1682) 21; als wir hineingetreten, war es anfangs stockfinster darinnen (in dem tempel) asiatische Banise 178; unten in der archen ... war kein himmelsliecht, sondern stockfinster etwas für alle 1, 513; an dem tage war es stockfinster nubes undique obductae obruerant tenebris diem 1, 446; da wurden die lichter auf einmal alle ausgeputzt, das hörte er deutlich, und wie's nun stockfinster war, so kriegte er so etwas wie eine ohrfeige ins gesicht kinder- und hausmärchen 2, 35; es war vor licht und tag, stockfinster, ohne nacht ich kann das abendmahl darauf (was ich als gesehen berichte) nicht nehmen, [Bd. 19, Sp. 89] nach Waldau kam briefwechsel 4, 303. — als ohnmachtserscheinung vgl.: nun wird es stockfinster für meinen augen das friedejauchzende Teutschland 176; es wurde mir bei dem gedanken an deinen verlust stockfinster vor den augen an Sophie Löwenthal 479. 2) stockfinstre nacht nox atra, obscura, opaca 1322; stockfinstere nacht densissima nox 277a; eine stockfinstere nacht nox omnibus noctibus nigrior densiorque 1, 446. (nur vereinzelt: stockfinsterer abend 10, 41). es ist stockfinstre nacht: den es ist noch itzunder stockfinstere nacht Elisabeth Charlotte 5, 306; ohne dasz ... eins das andere sieht, denn's ist stockfinstere nacht 5, 329; das ist eine stockfinstere nacht 3, 44. ungeachtet es schon stockfinstere nacht war Armin. 2, 1003a; es war stockfinstre nacht 8, 31; auch: es war stockfinstre nacht um sie Günderode 1, 188; ja zu sauer sie haben mich stockfinstrer nacht ich kam dort durch in stockfinstrer nacht, wem nie mit liebesmacht [Bd. 19, Sp. 90] dieser stockfinstern nacht lieber ins antlitz schaut, als einer negerin! 3, 315; dazu (in der steigerung): ich bleibe ... bis zum einbruche der stockfinstersten nacht neue schauspiele 7 (3), 49. — begrifflich weiter ausgeführt: in der stockfinstern regennacht schriften 1, 9; eine stockfinstere, neblige nacht werke 1, 97; es war an einem regnerischen, stockfinstern novemberabende 3, 134; (gesteigert:) in der auszerordentlich stockfinstern nacht insel Felsenburg 4, 309. 3) ein stockfinsteres zimmer u. s. w. vgl. dram. werke 2, 133; drei sommer in Tirol 1, 80; ich ging über die stiege ... die stiege war stockfinster lustspiele 1, 10; der ganze gang bis zu meinem zimmer ist stockfinster lustspiele 1, 806; wir stiegen hinab ... in die vormalige stockfinstere richtstätte 5, 14; helles licht fällt in die stockfinstere gasse geschichten aus dem kleinleben (1894) 342. der stockfinstere wald: wenn man mit einer fee fünf volle stunden durch einen stockfinstern wald spaziert 5, 136 (ein deutscher krieger 2, 3); da musz man in dunkler nacht ... in dem stockfinstern wald herum kajolen leute eigener art 264; auch stockfinstere gründe vgl.: da, wo sich, in stockfinstern gründen, 4) in übertragener bildlichkeit: a) stockfinsteres gesicht: das stockfinstere gesicht und das augenblitzen eines menschen (1739) 234; als ausdruck geistiger unfreiheit, beschränktheit, mangelnder erleuchtung: und sie (die tristen formeln religiösen betrugs) sind noch immer wirksam, denn sehen sie dort die stockfinsteren gesichter? 3, 402; auch: ahndete mirs nicht, da er die abendtheuer des Julius Cäsar und Alexander Magnus und anderer stockfinsterer heyden lieber las als die geschichte des buszfertigen Tobias? 2, 17 (räuber 1, 1); er ... erklärte das buchstabenherbeten für eine von stockfinstern zeiten herrührende gewohnheit allgemeine deutsche bibliothek 49, 215; mein charakterbild ... auf einen stockfinstern grund von dummheit mit bierkreiden gezeichnet werke 2, 53; vgl.: da wird es erst stockfinster, das man solch finsternis und irthum schmücket mit dem namen der wahrheit 32, 449 Weim. b) zum mannigfachen bildlichen ausdruck des dunkels, in welchem sich der erdenwandel des gläubigen vollzieht, und im gegensatz zum strahlenden licht des himmlischen Jerusalems: aber solche stockfinstere welt lassen wir fahren 34, 2, 225 Weim.; du, mein geist, der du dein bewuszt bist, du, der du dich selbst anredest, du funke gottes, in dieser stockfinstern erde lebensläufe 3, 1, 193; wir gehen in der dämmerung, gleichsam in der mitte zwischen stockfinstrer nacht der blindheit und dem tage des gerichts 4, 85; wanns auch stockfinster were, was vielen tausend andern 5) substantiviert: da stund nun Philurt vor dem bette im stockfinstern politischer maulaffe (1679) 41; ob nun gleich Caraffa in stockfinstern mit fortschleichen muste und sich öffters an unterschiedene steine und thürschwellen, darüber er gienge, hefftig stiesze der musicalische quacksalber 106; so werden wir im stockfinstern lange hin- und hergeworfen (im kahne auf einem sturmbewegten strome), bis sich endlich in der ferne ein licht und damit auch hoffnung aufthat 33, 174 Weim.; im stockfinstern suchen die kanoniere das zündkraut und lösen alle kanonen 15, 53; im stockfinstern sitzt du?! einsame menschen 132 (5). — dem vorigen entsprechend: stockfinsternis, f.: ideo lassen wir die stockfinsternis mundi fahren 34, 2, 225 Weim.; damit (hat er) alle die ungeheure stockfinsternuss, blindheit und unermässlichen seelenschaden ... veranlasst catechismusmilch [Bd. 19, Sp. 91] 1, 154; und konden wir in solcher stockfinsterniss weder ein ende noch enderung ... sehen ostländischer lorbeerhayn 6a; auch wurde mir sehr langweilig zu muthe in dieser stockfinsternisz 8, 237. 1) stockfisch salpa Alberus q 4b, asellus piscis, salpa 389c, asellus, piscis fustuarius 487, asellus 277a; die erwünschte fastenspeise der altgläubigen kirche und so (neben dem schon älteren hering, s. th. 4, 2 sp. 1104) ein hauptgegenstand des deutschen handels seit dem späten mittelalter; neyn gast, de harink, stokvis eder want bringet to Gottingen Göttinger statuten 7, 3 (v. jahre 1334); vil stogfische, figen, rosin, mandeln, zugker thüring. chron. 107; die seerappen, die stockfisch Plinius 340; platteysen, stockfisch, hering discipl. milit. 31; item 5 m. vor 100 stocvysch dem köchemeister of dy reyʒe handelsrechnungen des deutschen ordens 2; item 4 m. vor 100 stocvisch Marienburger tresslerbuch 191 (vgl. auch s. 37); item ain micheln stockfisch umb iii β chronik des Constanzer conzils 41; item 180 stockfisch ist ein stück rechenbuch 111b; ein ballen stockfische die Günderode 2, 46; er sollte mit einer ladung stockfische nach Spanien tagebuch eines nordischen seemannes 144; für den handelsartikel charakteristisch im collectiven singular: ein pfundt stockfisch galt zwen weisspfennig chron. 253 (vgl. chron. 74a): die französischen schiffe ..., welche stockfisch fangen sollten allgem. deutsche bibliothek 13-24, 1281 (anh.); deutlicher im genit. sing.: neen man schal vorkopen myn wen ene halwen stighe stocvisches buten marketdagen, he en hebbe en sulven over de zee bracht, men de hokere ndd. quelle von 1377 in archiv 1, 142. a) von fremden orten kommen der häring, platteissen, stockfisch 1, 208; der dorsch ... ist der art, darauss der stockfisch in Bergen wird altes Pommerland (6) 389; weiter hinauffwärts in Norwegen, als zu Bergen, daher der stockfisch, hering ... zu uns kmpt saturnalia (1663) 18; stockfisch fängt man im januario bey Bergen in Norwegen etwas für alle 2, 97 (deshalb auch stock- oder Berger fisch Guineische reisebeschreibung 103); der stockfisch aber lohnte schon ... eine atlantische überfahrt völkerkunde 219; die küste von Nordamerika, wo der stockfisch gefangen wird schriften [Bd. 19, Sp. 92] 2, 285; (vgl. DWB zuerst hat mich der indianische stockfisch über's meer getragen komödienbüchlein 61); ein stockfisch ward in Newfoundland gefangen also ausz dem see gleicher weisz, b) die speise und ihre werthung: das glück hatte es also gefügt, dasz ... in der gantzen schencke nichts zu essen vorhanden, als etliche stücklin ... von eim stockfisch junker Harnisch aus Fleckenland 33; ich esse nichts liebers, als kohl, sauerkraut undt stockfisch briefe 4, 193 (deshalb in der verkehrten welt: stelt sich als ein esel, auf dasz er kleine hett, asz gebrants für gebraten, stockfisch für kraut, meint ein beltz dient für ein schusz, ein harnisch für die kält Gargantua 199 neudr.); die speisen, so man euch wird tragen auf den tisch, willst karpfen, willst hechten, forellen, sorgn wol, werd noch vil stockfisch essen, in seiner schlechten schüssel werd' ein stockfisch ihm was ihm geflügel, wild, pasteten, welsches hun, die welt ist wie ein meer; ein ieder geht und fischt, schreien, die würst sein uns genomen, [Bd. 19, Sp. 93] (bildlich:) alle gerichte waren schmackhaft zubereitet und wollten mir besser behagen, als die abgeschmackten akademischen gerichte, die salzlosen, ledernen stockfische mit ihrem alten kohl, die mir in Göttingen vorgesetzt wurden 3, 20. doch der gesalzne und trockne stockfisch ( 1, 47, wohl mehr der klippfisch) reizt den durst: deszgleichen auch des sewsacks streit ein weib, das ihr gesind nicht allzu kärglich speist, 2) in den sprüchwörtlichen vergleich bringt ihn die besondere art seiner bereitung: stockfische, die weder zu sieden noch zu bratten sind, und rauhe auch nicht zu fressen 2, 182; im gegensatz zum klippfisch (s. oben) ist er gewöhnlich ungesalzen und von weiszlicher farbe; erst durch starkes klopfen erhält das fleisch seine röthe und rechte genieszbarkeit: der stockfisch will auch ehe nicht lieblich schmecken, bis er durchgeklopffet ist Dädalus 1, 618; (vgl. das rezept: stockfisch zu wässern. klopffet stockfisch mit einem hölzernen hammer oder schlägel, gieszet regenwasser drauf, darinnen er einen gantzen tag liegen musz Amaranthes 1900); deshalb das sprüchwort: mit vil streychen würt der stockfisch lind sprüchwörter (1545) 1, 12a (so noch bei 2, 206); ein stockfisch und nuszbawm und ein bös weib wollen geplewet seyn Syrach 1, 164a; hurn und stockfisch ungeblewet stockfisch, esel, weiber, musz ein stockfisch wirt auch nimmer gt, wan mans stockfischs genieszen soll, so wolt ich wol abschmiren dich was gelts, ich wil dich lehren tragen drum es kein wunder wär, [Bd. 19, Sp. 94] problematische naturen 2, 488. — besonders unter dem einflusz von 1stock m. 7 a mit dem beisinn des dummen, tölpischen wesens (vgl. dazu auch unten 4): dumm, wie ein stockfisch lebensläufe 1, 473; hierauf beschlosz er seine lippen und augen sänftiglich, ich aber stund da wie ein stockfisch, und meynte nicht, dasz seine liebe seele den leib gar verlassen haben solte Simpl. 35 (1, 12) neudr.; ich stund da vor ihm wie ein stockfisch, und wuste nicht was zu thun war 87 (1, 33) neudr. — den eindruck der melancholie weckt der kopflose fisch, deshalb der vergleich bei Weckherlin: lasz uns unverdrüszlich leben 3) in übertragenem sinne 'prügel, schläge' (mit dem stock vgl. dort 3 a): die schildwacht mit stockfischen aufwecken und wieder munter machen redensart bei soldatenspr. 5; sprüchwörtlich: er sehnt sich nach stockfischen, er beträgt sich so, dasz es gleich prügel gibt 4, 873; in entsprechender einkleidung: es wer dann, dasz sie schweizerisch stockfisch essen wollen, welche des papsts trabanten allbereit zur hand haben, doch ohn butter bienenkorb 145b; vgl. ick wil dy mit stockvische also spysen, dat du bruen unde blaw schalt werden Gryse wedewenspegel P 1. 4) bildlich: a) im anschlusz an das vorige einen zum stockfisch machen, ihn gehörig durchprügeln; vgl. unterbrich das ungeheuer noch mit einem worte, und bey dieser faust, ich gebe meiner barmherzigkeit den abschied, und mache einen stockfisch aus dir Shakespeare 3, 85 (sturm 3, 2, entsprechend dem engl. and make a stockfish of thee); ähnlich: zu dem so ist es klopfens zeit, b) merkwürdig genug von menschen, welche mit vorsicht und überlegung ihren weg durchs leben nehmen, ohne doch ihr gewissen durch übelthaten zu beschweren; diese erläuterung gibt der hildesheimische superintendent welcher 1681 den politischen stockfisch veröffentlichte, und setzt hinzu: solche leute nun habe ich jederzeit stockfische nennen hören, kann aber die stunde von keinem Teutschen eine ursache erfahren, warum sie dieses sprüchwort aufgebracht und einen kurtzweiligen klugen menschen mit dergleichen fische vergleichen polit. stockfisch 4; vgl. auch: deswegen ein solcher mensch, welcher sich und seinen vortheil mit unschädlicher list dienet, und die wieder sich versuchte klugheit zu seinem interesse brauchet, ein kluger stockfisch genennet werde ebenda 5; zuletzt: eine klugheit, umb welcher willen er verdienet, dasz ich ihn einen listigen und klugen stockfisch nenne ebenda 345; der kopflose fisch in seinem dürrgetrockneten zustande so völlig dem wasser, dem sanguinischen elemente, entrückt, als sinnbild der erdgebundenen menschlichen melancholie, die aber gleich Albrecht Dürers Melencolia alle menschliche tüchtigkeit beherrscht, hat wohl diese merkwürdige bedeutungsentwicklung veranlaszt; vgl. stockfisch ... und alles melancholisch schwerköpffig nasz geschlecht, und langweiliges gemächt aller praktik groszmutter 15 neudr. und den beleg bei unter 2; hierher gehört wohl noch: wie schedlich jemandt ist verwundt, α) doch der übergang in die schelte lag nahe genug, wurde von dem gebrauch unter 2 geradezu gefordert: stockfisch könnens nicht lernen verstehen, bisz sie auf marck und bein geklopft werden; darnach sind sie in schmaltz gut zum niessen 815. so wird denn ein dummer, auch steifer, ungelenker mensch damit bezeichnet: ich wünsch nicht wie jener keyser, dasz alle römische [Bd. 19, Sp. 95] burger ein kopf hetten, sie des geringer in eim streich hinzurichten, sonder dasz alle bücher ein buch weren, und dasselbig hinder mir leg, ich wolt damit fahren, wie der canonist mit den episteln Pauli, wann ers allein hett, nemlich zundel drausz machen, so wer ich nit allein ein stockfisch Gargantua 387 (42) neudr.; auch hinter dem hieroglyphischen versteckbilde esel ein stockfisch ebenda 189 (12) verbirgt sich entsprechend der wölfin ein hur die personenschelte; er wäre dann ein stockfisch oder gar ein narr und kein doctor gewesen Simpl. 4, 541 Keller; anfangs hatte ich einen hofmeister auf der academie und wenn ich ihn nicht fortgejagt hätte, so wäre ich ein stockfisch geworden 2, 283; in ansehung (der erziehung) ligt es freilich an den eltern, ob sie durch eine gute oder böse erziehung ihr kind zu einem stockfisch oder Aberdaen, zu einem menschen oder viehe machen wollen Diogenes 1, 46; unerträglich hingegen ist die lage, wenn man es mit einem stockfische zu thun hat, der sich für einen halbgott hält umgang mit menschen 1, 194; sie wären gewisz wohl zu brauchen; sonderlich der grosze da ist wohl gewachsen, kann ja auch lesen und schreiben, und ist sicher kein stockfisch schriften 1, 179; ist das ein stockfisch, sagte der kürschner; glaubt die, beim bücherbinden bleibt dem arbeiter zeit, die bücher zu lesen erz. schriften 18, 12; ein schweigender stockfisch, in butter gesotten, ach, herr gott, wie hab ich ein weib, hab gefürcht meines herr ungnad, gott grsz dich, mein lieber stockfisch! [Bd. 19, Sp. 96] gespieszt staatsuniformen oder ihre eignen gesichter 7-10, 294; denckt ihr, ihr jungfern, ihr wolt mich betriegen! ich liesz den stockfisch (den lächerlichen liebhaber) in das wasser, das ist, ich zwang ihm thränen ab β) im weiteren vergleich: fantasier wie ein stockfisch Grobianus 470 (auch 3069) neudr.; mancher stellt sich wie der esel in der löwenhaut oder wie ein stockfisch im weiszen herrenmantel 32 (zugleich mit einer anspielung auf die weiszliche farbe des gedörrten fisches); man hielt es für sündlich, mich als einen stockfisch wieder nach hause zu schicken ausgewählte schriften 196; etlicher, wenn er hat getrunckn, γ) in der narrenwelt ist die scholle, die platteise (th. 7 sp. 1909) seine weibliche ergänzung: wan du disz nicht verstehest, und der eltern qualitäten auf die kinder erben, so musz ich davor halten, dein vater sey ein stockfisch, und deine mutter eine plateissin gewesen Simpl. 118 (2, 10) neudr. δ) als scheltende anrede: stockfisch! 2, 546; 2, 46; (neue schauspiele 10, 10); weiter du stockfisch! drei kl. leute 188; auch ich stockfisch! schauspiele 345; vgl.: er flucht wie ein heide, und hat uns alle zusammen schon stockfische genannt kom. theater 4, 63. 5) im anschlusz an Riemers politischen stockfisch (s. oben 4 b) allgemein 'politische kannengieszerei' (vgl. dänische schaubühne 5, 360 republik 1, 6; geschichte der deutschen dichtung 3, 453): so wurde der grundgelehrte mann ... durch andere von anderen ausgeworffene politische stockfisch gereitzet mediz. maulaffe (1719) 5a; können die heringe und schellfische des münsterschen intelligenzblattes meine politischen stockfische ersetzen? 2, 318. 6) als sprüchwörtliche redensart die alten stockfische verschlucken, im vergangenen wurzelnde vorurtheile aufgeben, miszstände beseitigen: wer das alte wesen will reformieren, der musz zuvor die alte stockfisch verschlucken 100; vgl. auch unten stockfischfresser und stockfischklopfer. 7) weitere zusammensetzungen: stockfischangel, f. , angel an der für den stockfischfang ausgelegten grundschnur (s. oben die einleitung) — stockfischangeln, n. , substant. infinit.: wer noch kein kabeljau- oder stockfischangeln gesehen 7-10, 294; vgl. unten stockfischfang — stockfischaristokrat, m. , spöttisches schlagwort auf das snobthum amerikanischer kaufleute, welche durch stockfischhandel oder sonst reich geworden sind: er ist ein stockfischaristokrat 4, 873; die deutschen blätter Nordamerikas haben sich schon darüber lustig gemacht, dasz die dortigen thran- und stockfischaristokraten ... während ihrer reisen in Europa sich gern an die höfe drängen und für vornehme leute gelten wollen gartenlaube von 1860 ebenda; vgl. unten stockfischnabob — stockfischbereitung, f. : bei dem zum zweck der stockfischbereitung betriebenen dorschfang chemie 2, 1078; der schellfisch ... in frischem zustand, weil er sich für stockfischbereitung nicht gut eignet geschichte des deutschen bodens 417, vgl. 8, 213 Pechuel-Lösche — stockfischbrühe, f. , magere brühe, zum stockfisch bereitet: zudeme seye es auch kein feiste suppen, sondern nur ein stockfischbrühe gewest etwas für alle 2, 651; übertragen (mit beziehung auf stockfisch 4 b α): dann so er sich möchte in dem flusz hinein sencken, wurde solcher den namen verliehren, und nachmals ein stockfischbrüh genennt werden, in bedenckung seiner thorheit Judas der erzschelm 1, 19. sogar von der sintfluth: so lang die welt steht, ist kein gröszere stockfischbrühe [Bd. 19, Sp. 97] gewest, als dise, dann was waren die menschen darzumahl anderst, als solche fisch ohne köpff, ja gar ohne sinn und verstand 2, 409 — stockfischcompagnie, f. (mit rücksicht auf stockfisch 4 b): creantes haben creandum in einen korb gesetzet, in rauch etlich stund gehenckt, ins wasser geworffen ... so nun einer disz ausgestanden, hat er sich der stockfischcompagnia fähig gemacht: ist ein modus depositionis academici etwas für alle 2, 97 — stockfischei, n. : kabliaurögner, in welchem Leuwenhök 9 millionen stockfischeier zählt 11-14, 103 — stockfischerei, f. , anlagen für den stockfischfang; bildlich (in anlehnung an 4 b): stockfischerey nugae, ineptiae, joci, affaniae 488; von der sucht, fremdsprachliches deutschen versen unterzumischen: uber welche stockfischerey apophtegmata 293 — stockfischessen, n. , subst. infinit. (als charakteristisch für die fastenzeit): vierzig tage kurz vor ostern dreuen dir alzeit gefahr,
|
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| © 1998—2013 by Trier Center for Digital Humanities / Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier Home | Impressum | Kontakt | ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||