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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
stock bis stocksachse (Bd. 19, Sp. 10 bis 43)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) stock, m. , truncus, stirps, fustis, caudex. einleitung: gemeingerm., nur im got. nicht bezeugtes wort: ahd. stoch und stoc; mhd. stoc(k), daneben noch stoch; as. afr. stok (mndd. stok, mndl. stoc); ags. stocc (nengl. stock); anord. stokkr (schwed. stock, dän. stok). als lehnwort bietet es sich im ital. stocco, span. portug. estoque, prov. franz. estoc in der bedeutung 'stoszdegen' (span. und afr. auch in der bedeutung von stock 1). dazu noch bask. estoka der schraubstock (worauf franz. étau zu beruhen scheint Diez 306). die bedeutungsverzweigung unseres wortes reicht weit zurück, und für einzelnes zeigt der nhd. wortgebrauch keinen entsprechenden ansatz: so erhebt ital. stocco als 'geschlecht' (gewisz ursprünglich ein terminus der langobardischen rechtssprache) die engl. redensart to come from a good stock über ein gelegentliches bild (vgl. auch ndl. stock stirps, stemma, genus, progenies Kilian). die allgemeine bedeutung der oben herangezogenen romanischen gruppe als 'stoszdegen' hat in der zusammensetzung stockdegen (s. unten) nicht einmal eine völlige sachliche entsprechung und brachte zu uns die fechterische figur der stockade (die mancherley gekünstelten volten, stocaden, prisen, passaden werden zwar auf den fechtböden gelernet, schicken sich aber im geringsten nicht zum ernst Fleming teutscher soldat 23); (ital. brandistocco 'wurfspeer' zeigt wohl die allgemeine bedeutung 'stoszwaffe' als ausgangspunkt dieser entwicklung). daneben kam aus der ursprünglichen sphäre unseres wortes die stockade als technische bezeichnung für eine besondere art von palisadenwerk (die einrichtung ihrer stockaden Ritter erdkunde 4, 336). aus der überlieferung der schwestersprachen ist noch hervorzuheben die interessante ags. glosse bêma vel stocc tuba Bosworth-Toller 923b, und ndl. stoc 'mörser', die beide im folgenden keine entsprechung haben. innerhalb des germ. besteht eine unsichere, aber wahrscheinliche verwandtschaft zu stecken, verb., bez. stechen, verb., und die schwer erkennbare structur dieser weitverzweigten sippe, die durch das sicher verwandte stück noch erweitert wird, mit ihrer nasalierten nebenform in stange, f., (von der auch eine entsprechende für stock in prov. estonc 'knittel' sich in ihren spuren erhalten hat) spricht nur für ihr hohes, in urzeitliche cultur sich erstreckendes alter; auszerhalb des german. besteht nur eine sprachliche und sachliche beziehung zu lit. stgti 'steif in die höhe stehen'.
aus der declination des wortes ist hervorzuheben, wie der ältere unumgelautete plural ahd. stoccha (mhd. stocke) im ausgehenden mittelalter durch die umgelautete form stöcke so vollständig abgelöst wird, dasz sich jene nur in der besonderen bedeutung von 2stock (contignatio) vereinzelt gehalten hat (s. darüber unten); versteinert erhält er sich in einzelnen fällen der verbindung stock und stein (s. an den verschiedenen stellen unten), im gegensatz zu der unter umlaut stehenden wendung:

der witwen sie sich nicht erbarmen,
helfen auch nicht den waisen armen,
sie sind selbs hülflos gantz gemein,
eben gleich wie die stöck und stein
Hans Sachs 15, 233 Keller-Götze.

bemerkenswerth ist noch ein besonders auf niederdeutschem gebiet gebräuchlicher plural stöcker, hauptsächlich 'reisigholz', der neutral gebildet ist in anlehnung etwa an spreuer, den plural von spreu: n poor stöcker Wossidlo 2, 48; en mann hett den adeboor nich liden künnt; dee hett ümmer stöcker fallen laten, dat hett em argert 2, 405.

[Bd. 19, Sp. 11]


(auch mit steen und mit stöcker einen zudecken 2, 165). (unumgelautet): den wie die Seine zugefrohren war, hatt man kein holtz bekommen; man hatt sich drumb geschlagen, wasz aber ahm possirlichsten war, ist dasz man ein ander stocker holtz undt scheydt wie ein bijou zum neuen jahr mit groszem danck geschenckt hatt Elisabeth Charlotte 3, 511. auch in soldatischer sphäre (vgl. unten 3 c): allons unteroffiziere, stöcker los! Laukhard 3, 343.
1) truncus, der in der erde stehen gebliebene stumpf eines baumes mitsamt den wurzeln. im gegensatz zum stamm (s. th. 10, 2 sp. 635 unter II 1 a) mit seinen zweigen: der von der wurzel ... aufgenommene nahrungssaft wird dazu verwendet, dass der mit dem stamme seiner vielen abnehmer beraubte stock eine menge stocklohden treibt Roszmässler der mensch im spiegel der natur 30; eine grosse menge mehrere fusz starker eichener stöcke Hoops waldbäume 209; der holzverkauf auf dem stocke (Bernhardt geschichte des waldeigenthums 2, 271) d. h. der stämme, noch ungefällt.das theilverhältnisz zum baume (th. 1 sp. 1188): ist aber ein baum also alt, dasz die rinde seiner zweig alz sere geruntzelt oder geschrumpfen sein und ire füchtigkeit verzeret, so hauwe den baum gantz ab und lass den stock stan ein gantz jar Petrus de Crescentiis 27b; denn etliche stelleten ihre gefangene auf der abgehauenen bäume stöcke empor, und liessen ihre knaben nach ihnen ... schüssen Lohenstein Arminius 1, 60b; wenn die stöcke von den alten abgehauenen bäumen etliche jahr stehen Döbel jägerpractica 3, 23. — bearbeitung und nutzung der stöcke: die stöcke ausroden (exstirpare): es ist gut pflugen, wenn der acker gereinigt ist. aber den wald und die stöcke ausrotten, und den acker zurichten, da will niemandt an Luther 30, 2, 636 Weim., wo sich die forsttechnische sprache der gegenwart mit stöcke roden begnügt: nachdem die bäume abgefahren und auch die stöcke gerodet worden sind Rossmässler der wald 40 ; daneben das ausgraben der stöcke (Steinbach) Wimmer geschichte des deutschen bodens 4; vgl. noch das verb. ausstocken (th. 1 sp. 988). hierauf den stock des baumes zersägen Steinbach, schlagen (zerspalten) Hartmann volksschauspiele in Bayern und Österreich 136; zuletzt: die schmatzen (s. th. 9 sp. 947 unter 2) und stocke in haufen zu setzen und zu verkaufen Heppe lehrprinz 160; so sollen die laitter und ire knecht und schaffer die ordnung halten, dasz sy kein holtz vom gries füren, es sey dann davor aufzaint, ... auch die stöck, so sy vor auskhert, oder geschaiden haben, füran nit mer auskhern Lori baier. bergrecht 140 (v. j. 1509). im landschaftsbilde: kleines, ziemlich steiles ehemaliges waldamphitheater, auf dem die stöcke der abgehauenen bäume noch stehen, zum kartoffelfelde mühsam umgearbeitet Göthe III 28, 140 Weim.; das Lidenholz wurde vor vielen jahren an vielen stellen ausgehauen, dass man überall die durchsicht hat und an vielen plätzen auf freien, mit stöcken und hohem grase besetzten flächen dahingeht Stifter 2, 290. verschiedenartige nutzung: aber die trög hawent sie (die bergleute) auss eim jeden stock der bäumen Agricola-Bech bergwerckbuch (1621) 118; er musste sich auf den stock des abgehauenen baumes niedersetzen Chr. von Schmid 2, 231; besonders als nistgelegenheit für vögel: dieses (nest der rothkelchen) steht immer sehr nahe an der erde, ... hinter grasbüscheln an den alten stöcken Naumann naturgesch. der vögel Deutschlands 2 1, 410; als wohnstätte der waldbienen (vgl. bienenstock th. 1 sp. 1820 und unten stock 4 a) und ameisen: (der bär sucht) in denen faulen stöcken, welche er nacheinander zerbricht und daraus die ameissen suchet Göchhausen notabilia venatoris 41, daher die bezeichnung ameisenstock für ameisencolonie überhauptin älterer zeit als characteristicum der verwilderung in der landschaft; so denkt Suso bei dem biblischen gleichnisz vom unkraut im acker an einen ungerüteten acker, der vol stöcke und unkrutes stat 495 vgl. Mathesius postille 1, 78a; besonders gerne benutzt zur schilderung von hindernissen für den wanderer, für das querfeldein und ohne weg und steg:

bald stöst sie sich an einem stocke
Stoppe Parnasz 268.

[Bd. 19, Sp. 12]


in der zusammenstellung mit entsprechenden begriffen: die weg ... vber wasen, dann vber stöck, wider vber stein und velsen Guarinonius grewel der verwüstung 1204; von welchen (den fliehenden feinden) einige in der flucht einander selbst beschädigten, andere über die stöcke oder in moraste stürtzten Lohenstein Arminius 1, 53a; so gings fort zwischen den stämmen und sträuchern über stock und wall Rosegger 12, 265;

waldwärts über stock und dorn
Müllner dramat. werke 2, 34.


in dichterischer verbindung
a) heben sich hier aber hervor reimformeln wie stock und block, gewisz von tautologischem werthe, wie z. b. deutlich macht: alii treffen den stock und plock, prallen und müssen fallen Luther 34, 2, 544 Weim.; man msz etwa groszknorrend, wimmerig, ästig block und stock also gantz onzerspalten lassen (d. h. man musz bisweilen durch die finger sehen) Franck sprüchwörter 2, 170b; s. auch block (th. 2 sp. 137); von den alten blöcheren oder stöcken essen sye vast gern (die elephanten) Eppendorff Plinius 8, 47; besonders über stock und block reiten, rennen, laufen u. ä., in der gröszten eile und ohne sich durch irgend ein hindernisz aufhalten zu lassen: die Engländer, das waren noch leute. wie sie hier waren, jagten sie nach einem kirchthurm über stock und block, hecken und graben Möser werke 1, 347; ohne sich lange zu besinnen, bestieg der bräutigam das erste beste pferd und jagte über stock und block (den entfliehenden nach) brüder Grimm sagen 1, 213; (bildlich, vom Pegasus:)

und wär' es gleich verhasst (zu dichten): so lass' ichs doch nicht bleiben.
mein gaul muss über stock und block geritten seyn
Weichmann poesie der Niedersachsen 2, 178.

zuletzt wird sie ein ziegenbock,
da rennt er über stock und block
Rückert 2, 268;

auch: ein andern ... bunden sie einem schewen ross an schwantz, und schlaifften jhn bey zwo meyl wegs ... über blöck und stöck Nas antipap. eins und hundert 2, G 7b; unpersönlich: es geht über stock und block (Caroline 1, 174; Jahn 1, 436): die strapatze zur see, und dann bei Stettin geriethen wir Polen in die hände, ... und dann tag und nacht über stock und block Alexis Isegrim 2, 265; (bildlich:) Zelter war der erste, der die stille (nach einer improvisation Felix Mendelssohns auf dem klavier) ... unterbrach, indem er laut sagte: 'na, du hast wohl vom kobold oder drachen geträumt! das ging ja über stock und block!' Göthe gespräche 4, 141. — auch sonst im bilde: qualvolles wort! welches seine einbildungskraft über stock und block führte, und ihn, eh' es ihn los liess, gar erbärmlich zurichtete Bode Tristram Schandi 1, 99; du wirst ... augen machen, wenn du mein anticritisches kriegsheer auf den unwegsamsten der pfade, durch moor und durch acker, über stock und block, durch korn und durch dorn ... seinem ziele entgegen rücken gesehen Cramer Neseggab 1, 101; in ergebnem gottvertrauen setz die sporen ein und lass das wilde rosz des lebens mit dir fliegen über stock und block Bismarck briefe an seine braut 67.
b) in allitterierender verbindung:
α) stock und staude (s. auch die belege unter staude 2 b th. 10, 2 sp. 1146), wo das landschaftsbild der vom unterholz (vgl. DWB staude besonders in haselstaude th. 4, 2 sp. 534) wieder überwachsenen wurzel stöcke deutlich hervortritt. bei den Oberdeutschen das landschaftliche gegenstück zu dem niederdeutschen rusch und busch (s. th. 8 sp. 1536):

zwen burger kamen in die stadt
geloffen uber stock und stauden
Hans Sachs 9, 438 Keller;

auf eine solche weise lieffe ich über stock und stauden, dass es taugte Zendorius teutsche winternächte 33; mich dauert mein ehrlicher gaul. der wird, beym teufel, über stock und stauden springen müssen Petrasch lustspiele 2, 94;

Esopus uns ein fabel saget,
wie auff ein zeit ein jeger jaget
ein wolf, der sprang mit grossem schnaudn
hin uber stöck und uber staudn
Hans Sachs 5, 91 Keller;

auch:

[Bd. 19, Sp. 13]


das frewlein hb sich ausz dem wald
über stöck und über stauden,
das tor z Nürnberg fand si bald
mit laufen und mit schnaufen
Uhland volkslieder 348;

da war mir wie einem der aus einer vermeinten ewigen gefangenschaft, oder gar schon auf dem schaffot, mit eins auf ledigen fuss gestellt wird, und nun über stauden und stöcke rennt Bräker 1, 231;

er ritet mit ihm über studen und stöck;
es schreit: 'o we, mini sidige röck!' bibliothek älterer schriftwerke der Schweiz 1, 5, 171.

die präposition begrifflich nach staude gewählt: darinn ich den gantzen langen tag durch staudt und stock hin und wider ritte theatrum amoris 125; welches diese zween also erschreckte, dasz sie sich alle beyde durch stöcke und stauden so geschwind davon trolleten, als wan sie das höllische feuer gejaget hätte Simplic. 138 neudr.;

indem ich nun fortgehen will
der stimm nach in den dicken wald
durch stock und stauden gleicher gstalt
Dähnhardt griechische dramen 2, 107.

völligen begrifflichen ausgleich in der wahl der präpositionen findet Ayrer:

dass die pferdt sein worden gar schich
und geloffen unsinniglich
mit groser macht, springen und schnauden
uber die stöck und durch die stauden dramen 1288 (Theseus 6).


β) ohne rechtes bluth ist die verbindung über stock und stiel; ohne zweifel übernommen aus der redewendung ein (unkraut) mit stock und stiel austilgen, vernichten u. s. w., d. h. völlig auch ohne schonung des wurzel stockes (vgl. ich will mein schwert und feuer dergestalt in Assyrien, Susiana und Meden hausen lassen, dass, alwo ich komme, weder stock noch stiel übrig bleiben sol Bucholtz Herkuliskus 803 und unter stumpf das gewöhnlichere mit stumpf und stiel): er wäre lieber die gantze nacht über stock und stiel fortgeritten Happel akadem. roman 592; was? ist das permittirt, führt mich über stock und stiel mit sich in Spanien hinein maler Müller 2, 180; im volkslied bei Göthe:

er flog wohl über stock und stiel
wie vögel unterm himmel 38, 243 Weim.;

diese formelhaftigkeit fehlt vollends in der wendung über stock und stengel Pfeffel poet. versuche 2, 21.
γ) mehr tautologisch (wie oben stock und block) ist stumpf und stock:

den kürasz hatt er (Rinaldo) an, die wehr auch an der seiten,
mit schild und helmen war gantz fertig er zu streiten,
lieff schneller durch den wald her über stumpf und stock,
als der halbblosse bawr, umb einen roten rock
D. v. d.
Werder rasender Roland 6.


δ) in besonderer beliebtheit die verbindung stock und stein als ausdruck der noch nicht gerodeten (wald)landschaft: die kaufbriefe über die sieden ... fertigte man daher mit den gewöhnlichen formeln aus: mit wald und bach, stock und stein, grund und boden, das obrist zum nidrigsten, sie liegen in des herzogen lande Lori baierisches bergrecht XXXVII 5; immer zunächst der frisch abgeholzte waldboden (als begriffliche vorstufe zu oben stock und stauden, dem schon wieder mit unterholz bewachsenen schlage): andere pflügen (bei einem waldbrande) eyligst über stock und stein tieffe furchen Fleming teutscher jäger 40, und im gegensatz zu äcker und wiesen: so wateten sie (die sieben Schwaben) denn durch die Wertach, weil die brücke abseiten lag, und gingen weiter über stock und stein, über wiesen und felder, berg auf berg ab, bis sie an ort und stelle kamen Aurbacher volksbüchlein 198;

so ging er gleich frisch querfeldein,
und zwar nicht über stock und stein;
sondern über acker und grüne wiesen
Göthe 16, 114 Weim.

(bildlich:) nichts verdriesslicher für einen historiographen als wenn er ... hin und her sprengen muss, über stock und stein, über acker und wiesen E. Th. A. Hoffmann 10, 47. dann überhaupt als ausdruck des unwegsamen im gegensatz zum gebahnten wege und in dem sinne von querfeldein (th. 7 sp. 2359): alszdenn laufft und tobet derselb frey metwill als ain schieher lediger gawl, aus rechtem

[Bd. 19, Sp. 14]


weg uber stöckh und uber stain Berthold von Chiemsee tewtsche theologey 296 (vgl. auch s. 652); man habe sie (die dienerin) ... querfeldein über stock und stein springen sehen, auf eine versteckte quelle zu, wo sie ihren durst gelöscht Göthe 25, 285 Weim.;

und sprangen aus dem weg allein
beseyts hin uber stock und stein
Hans Sachs 8, 497 Keller.

in der älteren sprache die völlige versteinerung durch den umgelauteten plural gehindert: der hecker leget das vass auf ein karren und fr zu dem dorf hinnaus uber stöck und stein nachtbüchlein 292; (Wigalois) gienge zu seinem rossz, und nam dasselbige bey dem zaum, und zoch es an der hand uber stöck und stein buch der liebe 390b;

ir obersten strafft er zu stund,
den rossen an die schwentze bund
und schlaipfft sie uber stöck und stein
Hans Sachs 8, 551 Keller;

vgl. auch:

si wurfen vor uns ab die steg,
durich hochs gepirig di posen weg
über stöcch und über stain
mst wir laufen all gemain
Liliencron hist. volkslieder 1, 160, 179 (schlacht bei Schiltarn 1396).

der grad der erstarrung in der neueren sprache durch die pluralsetzung des zweiten gliedes allein gekennzeichnet: dasz es wie der wind über stock und steiner hinausgeht! Bettine dies buch gehört dem könig 1, 50;

frisch, holpert es gleich,
über stock und steine den trott
rasch in's leben hinein!
Göthe 2, 65 Weim.;

holpernd über stock und steine,
streifend äst' und wurzelfasern
Rückert 1, 429.

fortbewegung in solch unwegsamer landschaft: (die) czugen in da mit uber stock und uber stein der heyligen leben (summerteil) 18a; er rant auf den hirsch, der vor jm flohe, über stock und stain S. Franck chronicon 266b;

fahr bald hin uber stein und stock
Hans Sachs 21, 21 Keller-Götze;

(vgl. Ayrer processus juris 395; Musäus volksmärchen 1, 57); (der postillon) fuhr immer über stock und stein, dass ich aus einer ecke des wagens in die andere flog Eichendorff 3, 47. — über stock und stein laufen Prätorius anthropodemus plutonicus 2, 261; man rennet dabey (bei der parforcejagd) über stock und stein Fleming teutscher soldat 29; die Kurden ... jagen über stock und stein ohne barmherzigkeit Ritter erdkunde 9, 624;

ich war bereit,
sasz auf, und über stock und stein wir traben
wie solche, die den feind im nacken haben;
nie macht ich gleichen ritt
Droste-Hülshoff 2, 109;

besondere rücksicht nimmt:

ich muss steigen vber stock vnd stein Königsberger dichterkreis 52 neudr.;

also habe der gute Peter seiner ziege über stock und stein nachklettern müssen Weise die drei klügsten leute 106; ich kletterte über stock und stein Bettine die Günderode 1, 154; wenn ich frischen athem bei ihnen (gemeint ist Savigny) geschöpft hatte, ... schritt ich frohgemut, über stock und stein springend, die stufen hinab nach haus in mein kleines stübchen Jacob Grimm kl. schriften 1, 116. — allgemeiner: es ging über stock und stein: und wie er sich darauf (auf den schwanz des fuchses) gesetzt hatte, fing der fuchs an zu laufen, da gings über stock und stein, dass die haare im winde pfiffen brüder Grimm kinder- und hausmärchen 1, 263; über stock und stein ging es ... vorwärts bei wind und wetter Treitschke deutsche geschichte 2, 386;

und gieng es über stock und stein,
so will ich doch nicht auweh schreyn
Henrici gedichte 4, 437;

und die umstellung der formel unter dem reimzwang:

die hexen zu dem Brocken ziehn,
die stoppel ist gelb, die saat ist grün,
dort sammelt sich der grosse hauf,
herr Urian sitzt oben auf.
so geht es über stein und stock,
es f—t die hexe, es st—t der bock
Göthe 14, 200 Weim. (Faust I).

[Bd. 19, Sp. 15]


die wirkung solcher fahrt mehr ausmalende verbindungen: nun war der kasten des vielen rennens und polterns über stock und stein auszeinander geschuttert Kirchhof wendunmuth 2, 129; über stock und stein rumpelnd bin ich ... wohlbehalten eingetroffen Görres briefe 1, 468; unter diesem diskurs stolperten sie, von schweisz triefend, im dunkeln über stock und stein Eichendorff 3, 237;

drauf rasselten die schimmel
stracks über stock und stein davon
Hölty gedichte 23.

mit weiterer nebenordnung entsprechender begriffe: die kinder sprangen mit einander von fels zu fels, über stock und stein, über bach und quelle, und ohne einen pfad vor sich zu haben, drang Fritz ... eilig hinauf Göthe 24, 40 Weim.; (vgl. Döbel jägerpractica 2, 94);

und fürt in hin zu hon und spodt
uber stock und stein, dreck und koht
zu Pilato gleich einem thoren
Hans Sachs 11, 29 Keller-Götze;

über graben, stock und stein,
reit ich heute ohne scheu
Goekingk lieder zweier liebenden 21;

über gräben über stock, über stein
springen die hasen und hirschelein
Brentano 5, 351;

kurze zeit darauf hatt' unser pflanzer
auf der jagd im walde sich verirret.
über stock und stein, durch thal und bäche,
stieg er schwer auf manchen jähen felsen
Seume gedichte 80.


αα) in bildlicher verwendung, so von leidenschaften, welche sich durch nichts aufhalten lassen wollen: weil er wol verstund, dass verzweifelte liebe wie die kollernden pferde sich über stock und stein in euserste gefahr zu stürtzen gewohnt wäre Lohenstein Arminius 2, 708b; besonders von schriftstellerischer arbeit allerlei art, ohne dasz der ritt des Pegasus (vgl. Goekingk gedichte 1, 128; Lenz vertheidigung des herrn W. 3) diesen gebrauch zu befördern brauchte:

der andre (der neuen heldendichter) sprengt durch dorn und hecken,
und setzet über stock und stein
Gottsched neuestes aus der anmuthigen gelehrsamkeit 3, 880;

weil uns die materie entschädigt und gleichsam über stock und stein gewaltig mitreisst Herder 5, 358; bey dem zweyten punkt, der schreibart, muss sie nicht blos harmonisch voll rauschen, sondern melodisch herabrauschen, nicht über stock und stein rasseln 1, 70; einen wildwuchernden styl, einen gedankengang über stock und stein hasste er Gutzkow werke 12, 426. — auch die bedeutung von 'rücksichtslos' mit tadelndem beisinn fehlt nicht: und sind nicht wie St. Petrus Luc. 5, der erst den befehl erwartete von Christo, ehe er in die höhe oder ins meer mit seinem fischerkahne fuhr; nein, also sind die herrschsüchtigen weiber nicht, sondern sie fahren wider gottes ordnung und befehl gerne stets in die höhe, über stock und stein, mann und knecht hin, nur dass sie herr bleiben Schmidt rockenphilosophie 2, 53; von hier aus versteht sich die wendung mit stock und stein drein schlagen, d. h. ohne weitere rücksichtnahme: wenn meine mutter meinen vater nicht bisweilen eines bessern belehrt, er hätt' mit stock und stein drein geschlagen Bräker schriften 1, 70; und scheint nicht eine ableitung aus redensarten wie etwa in Bürgers hund aus der pfennigschenke:

er, ohne stock und stein zu heben,
noch sonst sich mit ihm abzugeben,
hub ruhig weiter fusz und stab.


ββ) einer erwähnung bedarf noch stock und stein als verstärkung der negation, wie es in völliger versteinerung erscheint bei Andr. Gryphius geliebte dornrose 3 (310 Palm): sis mer e flus fürs uhre gefallen. ich hüre stock steen nischt. nicht genügen will die herleitung aus wendungen wie man siehet weder stock noch stein (Arnim 17, 58);

lerns in deinem käfigt recht;
dass wir vor dem ohrgebrümmel
nimmer gottes blauen himmel,
nimmer sahen stok und steine,
knakten auf die lieben beine
Schiller 1, 213;

oder:

[Bd. 19, Sp. 16]


greiff in die reine lufft hinnein
und fühlte weder stock noch stein
Ringwaldt christlich warnung B 5b.

näher liegt die beziehung zum völligen niederbruch eines gebäudes: und wo nit prelaten ynn klostern sind, die solchs leren, were viel besser, das keyn stock noch steyn desselben klosters stünd Luther 10, 1, 1, 487 Weim. — stock und stein in der sphäre des rechtes und des cultus s. unten.
2) der grund- und hauptschosz einer pflanze; eine erweiterung der vorigen bedeutung in der mittelalterlichen gärtnersprache (vgl. mhd. rôsenstoc, wînstoc u. s. w. Müller-Zarncke 2, 2, 655a und unten), eigentlich der wurzelaufschusz einer staude oder eines strauches, welchem die veredelung aufgesetzt wird: wie ain zweyl edler natur, so auf ainn wilden stockh gepeltzt wirt, die wild natur desselben stocks an sich zeucht und daraws ainn edeln pm macht, der guete frucht bringt Berthold von Chiemsee tewtsche theologey 137; nach dem tzweig so wirt alle frucht, die der stock tragen wirt und nit nach seiner aigen art Thauler (1508) 184a; wiewol doch die wurtzen da bleibt, darumb billich transplantatio, dann es ist kein erjüngerung, allein ein newe pflantzung auf den alten stock, des frücht widerwertig sind dem menschen Paracelsus opera 1, 556 A; die palmbäume werden auch nicht zu datteln, wenn nicht ... die männlichen blüthen in ihren stock eingespündet werden Lohenstein Arminius 2, 134b; diese bedeutungsentwicklung beförderte der umstand, dasz die unterscheidung zwischen stamm und stock auch bei den bäumen stark schwankte: der stamm an einem baum oder stock caudex Frisius (1558) 198b; stock, stump, der stamm desz baums, wöllichem die äst abgehauwen sind truncus, caudex Maaler; der underst stock des baums am understen allzeyt am dicksten ... ist Ryff anatomi E 6b; auss so schönem stamm und stock kein andere und schönere früchten entspringen können Guarinonius grewel der verwüstung 321; vgl. auch: stehendes holz ist, was noch auf seinem stock oder stammen stehet Heppe lehrprinz 187;

kein eisen hat biszher meinen (des baumes) stamm verletzet!
ich war noch unberührt! mein stock ist gantz zerschlitzt!
A. Gryphius 1, 704.

die erweiterung hat sich völlig durchgesetzt in einer nebeneinanderstellung von stock und baum: hat auch (die natur) die stöck vnd bäum vnderweil mit dupeler rynd bevestiget Eppendorff Plinius 3 (Heyden Plinius 2); das aber oft mannicher baum, stock, zu einem stein wird, ist eben die ursach, das der stock ausgestorben Guarinonius grewel der verwüstung 42;

dan deiner (des gartens) aignen sonnen glantz
kan all deine gewächs erlaben,
und deine gäng, stöck und bäum gantz
mit bequemer jahrszeit begaben
Weckherlin 1, 205.

auch die stärkere unterscheidung zwischen stock und wurzel beförderte diese entwicklung:

man sol den stock mit seiner wurtz
noch lassen bleiben in der erden
H. Sachs 11, 46 Keller-Götze,

vgl. Daniel 4, 12so sind denn auch junge stöcke möglich (im gegensatz zu dem gebrauch unter 1): die jungen stöcke sind voll augen ausgeschlagen Albinus Salomon. gartenland C 1a; junge edlere stöcke Droste-Hülshoff briefe 220; selbst die bedeutung von gerte (th. 4, 1, 2 sp. 3742 unter 2 c) wie setzling (th. 10, 1 sp. 691 unter 1) und steckling (th. 10, 2 sp. 1365) wird erreicht: man mag die maulbeer auch vom samen aufpflantzen ... es ist aber besser, das man sie von gerten oder stocken setze Herr feldbau (1551) 131a, aber gewisz erst unter dem einflusz der folgenden reichen gebrauchsweise.so ist denn die kunst der veredelung ganz allgemein die ursprungssphäre dieser begriffserweiterung.
a) der wilde stock und der veredelte stock sind die im eingange liegenden gegensätze:

da vormals frische lust, da grüne gärten waren,
da der und jener ort vol bunter rosen stund,
ist itzt ein wilder stock selbst von sich aufgefahren
Fleming gedichte 1, 104.


b) der grüne stock, der noch nicht verdorrt ist, u. ä.:

[Bd. 19, Sp. 17]


du vormals grüner stock, wie stehst du jetzt so wüste? Königsberger dichterkreis 8 neudr.;

der dürre stock Mildheimisches liederbuch 2, vgl.:

dein lusthauss steht bey dürr- und wilden stöcken
Lohenstein Ibrahim 116.


c) strauch, busch, staude u. s. w., mehr oder weniger hervorgegangen aus künstlicher züchtung.
α) weinstock (selten dafür ein stock wein, so Paracelsus: so ein stock wein, oder ein geschlecht von eim stock, an zehen örther gesetzt wirdt, ... dasz sein wein, den es gibt, am letzten nicht gleich ist für ein gewächs zu erkennen opera 1, 1102 B): der stock der weinräben crus vitis Maaler; uf ein mal was ein reicher man, der wolt ein nüwen rebacker machen, und liesz stöck und holtz als usz rüten Pauli schimpf und ernst 324; an den bergen war der wein gebawen mit schönen trauben blaw und goldfarb, da hiengen die stöck so vol, das sie sich zur erdn bogen nachtbüchlein 6;

lachen nur künftig wie nun, in allen bezwungenen staaten
reifende trauben am stock
Löwen schriften 2, 46;

wo der stille winzer wirkte, dort auf einmal wird's lebendig,
und es rauscht in jedem laube, raschelt um von stock zu stock
Göthe 15, 1, 243 Weim. (Faust II).

und allmählig am stock drängt sich die traube hervor
Geibel 2, 213.

wie man die trauben frisch kan an dem stock behalten, biss in den früling Herr feldbau (1551) 68b; anno 1258 war ein so feucht unnatürlich jar, das die trauben unzeytig an den stöcken erfroren S. Franck chronicon 284; auch uff dem stocke Stolle thüring. chronik 166; die stibeln, daran man die stöck bindt, oder hefft tigna Alberus (1540) Nn 3b; über lange niedrige lauben sind die stöcke gezogen und die blauen trauben hängen gar zierlich und reich von der decke herunter. Göthe III 1, 174 Weim.; den stock legen:

denn freilich werd ich mich der lauben
von rosen, die ich selbst daran
gepflanzt, der blauen süszen trauben,
wozu ich selbst den stock gelegt, ...
sehr ungern schon so früh berauben
Gökingk gedichte 2, 183;

daneben den stock setzen:

auch dank ich dir, du gott der reben,
für deinen saft, der mich ergötzt;
und dessen ruhm müss ewig leben,
der uns den ersten stock gesetzt
Gellert 3, 421;

die trauben vom stock geniessen Bettine die Günderode 1, 233;

denn es stehen reben geflanzt im sonnigen weiten
raum, es trocknet daselbst ein theil der trauben am stocke
Göthe 4, 327 Weim.;

mit adj. bestimmung: (beim kauf eines gutes ist zu erforschen,) ob sie (die weingärten) wol gelegen, bey guten bau und früchtigen guten stöcken? Hohberg 1, 10;

er (Zeus) schüttelt sein allmächtig haupt:
gleich steigt der edle stock belaubt
mit schlanken armen in die lüfte
Götz gedichte (1785) 2, 70;

wie von den zweigen rings der Horen liebling, die traube
allersüssesten stocks, lustig herunterhangt
Arndt werke 6, 69;

auch:

es praalet hie und da mit türksen und safiren,
die manches weingeränk am schwanken stokke ziehren
Neumark musik.-poet. lustwäldchen 2, 279;

wie kann es immer möglich seyn,
dass ein so dürrer und schwindsüchtger stock,
der ohne saft und kraft, und sonder schal und rock, ...
so eine himmlische, so süsse frucht, den wein,
erzeugt, ernähret und gebiehret?
Triller betrachtungen 1, 8.

das verhältnisz der reben zum stock: gleich wie die rebe nicht kan frucht bringen von yhr selbs, (sie) bleibe denn am stocke Luther 26, 392 Weim.; zu dem schneidet der weingartner etliche reben ab, damit nicht der gantze stock verderbe Dannhawer catechismusmilch 2, 198; zur rechten weinberge, in denen die reben in kleinen stöcken ... dem boden entlang gezogen werden Gaudy 5, 116;

weinbau und politik sind dir verwandte geschäfte:
denn du ziehest am stock völker und reben herauf
Herwegh gedichte eines lebendigen 2, 125 (auf den fürsten Metternich).

[Bd. 19, Sp. 18]


die süszigkeit der traube wohnt schon im stock: der wein schmeckt nach dem stock S. Franck sprüchwörter (1545) 1, 87b;

zu einem stock will ich euch führen,
das ist ein stöckchen wie ein taus!
um seine süssigkeit zu spüren,
sucht eine traube euch heraus
Novalis 1, 192 Minor;

dennoch:

ein traubenleerer stock ist wenig liebe werth
Neukirch anfangsgründe zur teutschen poesie 127;

collectivisch, die gesammtheit aller weinstöcke in einem rebgarten: der weinbauer gab von seinem stocke einen eimer weins Möser 1, 249, (wo es denn zur bedeutung eines landmaszes nur noch ein schritt ist) vgl.:

noch mehr in disem schildt betracht,
war ein weingarten auch gemacht,
so voller guldin trauben hieng;
der stock weit in die höhe gieng
Spreng Ilias (1610) 265b.


β) stock auch als himbeerstrauch, johannisbeerstrauch u. s. w.: inzwischen weil er nichts zu reden hatte, spielte er mit den johanniszbeerblättern, und riesz eines nach dem andern vom stocke Weise erznarren 75 neudr.
γ) besonders aber der blumenstock (s. th. 2 sp. 166): dargegen hab ich under einem stock mehr dann hundert körnlein funden Bock kreutterbuch 194; darunter als ehrwürdigster und alles recht begründend der rosenstock (th. 8 sp. 1221), auch hier im ursprünglichen gegensatz zur wilden rose, dem einheimischen hagedorn (th. 4, 2 sp. 141 unter 2), der hagebutte (sp. 140), der hagerose (sp. 154): die rose blüht am stock (Zachariae 4, 72); doch auch:

die rosen solln verblühn auf ihren stöcken
Hoffmannswaldau gedichte 2, 252;

die oberste von den dreien (rosen), die gestern noch als knospen an dem stocke hingen Thümmel reise 3, 11; in poetischer sprache:

über ihr hängt eine rose,
die verschämt am stocke nickt
Boie 349 Weinhold;

nun weisz man erst was rosenknospe sei,
jetzt da die rosenzeit vorbei;
ein spätling noch am stocke glänzt
Göthe 4, 114 Weim.

der gegensatz der lieblichen rose zum dornichten schwärzlichen stocke: der purper der rosen behielte seinen glantz und geruch auf den dornichsten stöcken Lohenstein Arminius 1, 342a;

ein dorn und hesslich stock trägt rosen und den wein rosen (1680) 25;

rosen blühn auf schwarzen stöcken
Gleim 2, 64.

die rosen vom stock pflücken (Keller 5, 137) u. s. w.:

er pflückte eine rose
vom nahen stocke dort
Rückert 1, 147.

älter:

die weil gieng sy rosen platen,
zu ainem stock stnd sy ym schatten
und prach rosen ain gêren vol,
die sy dar strät
Clara Hätzlerin liederbuch 237.

auch in der gehobenen sprache der neueren noch als terminus technicus:

und sinnend bricht er eine rose
vom stocke, der am simse grünt
Lenau 510;

gröblich:

er riss die rose von dem stock,
im hui sie übers fenster flog
Blumauer gedichte 32.

geduldige abwendung von den freuden der welt aber predigt: zeit bringt rosen, nit der stock Franck sprüchwörter 1, 20b. — daneben vereinzelt ihre gleichaltrige schwester im deutschen garten, die lilie, der lilienstock:

lasst an dem stock die lilje,
lasst ros' und holderblüth'
am stengel, holde mädchen,
und horchet meinem lied
maler Müller 2, 322.

erwähnt seien noch rosmarinstock (th. 8 sp. 1237): nim rosmarin, mit wurtzlen und kraut, und allem, also grün vom stock Gäbelkower artzneybuch 2, 66, vgl. Thomasius

[Bd. 19, Sp. 19]


gedanken (1720) 1, 7. — rautenstock, wie oben rautenstrauch (th. 8 sp. 321); hier bildlich:

die hohe raute sey befreyt vom todeszahn,
weil noch der werthe stock kan printz und zweige weisen
Ziegler asiatische Banise iii.

nelkenstock (th. 7 sp. 598) auch nägeleinstock (sp. 266). — balsamstock wie oben balsamstaude (th. 1 sp. 1094): ja er (der balsam) könte ohne freygebigkeit nicht leben, sintemal sein gantzer stock vertirbe Lohenstein Arminius 2, 307a. — auch epheustock bezeichnet wohl zunächst die cultivierte (stuben)pflanze: und so steht der stock (des epheus) winter und sommer ..., bis der stamm gemach absterbe und seine blätter verdorren Gaudy 17, 139 (hier zugleich als der dem stamm übergeordnete begriff). — dagegen ist liebstock besonders im deminut. liebstöckel eine umdeutschung von lat. levisticum mit angleichung an stock (s. th. 6 sp. 979, vgl. auch labestock th. 6 sp. 8 und liebesstöckel sp. 955).
d) stärker gründet sich wieder auf 1 der wurzelstock (s. unten) z. b. des grases, des klees, der kartoffel u. s. w. (vgl. Oken 3, 3, 1450): da die pflanze mehrere jahre perennirt, sollte man nicht durch zerreissung der stöcke und pflanzung diese kleeart vermehren und durch eine bessere cultur zur fructification bewegen? Göthe IV 31, 111 Weim.; wie aufs geratewohl hingesät standen die zeilen (der kartoffelstauden), ein stock wie auf einem berge, ein andrer wie in einem thale O. Ludwig 2, 183; der von den maschinen aufqualmende dampf ... vergifte die stöcke (der kartoffeln) Laistner nebelsagen 262. s. auch unten stockfäule f. und stockverlauf m.
e) im vergleich besonders beliebt in der geistlichen sphäre der weinstock, welcher frucht bringt, befördert wohl durch das gleichnisz im munde des herrn vom rebacker:

so gantz das geistlich leben
in Christo ist gegründt
als in eim stock die reben;
on jn alls gt verschwindt
Clemen reformationsflugschriften 3, 312;

der durch gottes geist geregt,
Jesum in dem hertzen trägt,
der ist gleich den jungen reben,
so da jhren lebenssaft
nehmen von des stockes kraft
M. A. von Löwenstern bei
Fischer-Tümpel 1, 342;

doch auch sonst, so von der guten hausfrau:

dein geliebtes weib wird eben
umb dein reiches hausz her seyn
wie ein stock mit fruchtbarn reben Königsberger dichterkreis 278 neudr.;

entsprechend im vergleich der geliebten mit einer rose, wo das brechen vom stock den genusz der liebe in seiner mannigfachen form darstellt: er geniesst eines mädchens wie einer rose, die er von dem stocke abbricht Klinger 3, 129 vgl.:

wenn die rosen ewig blühten,
die man nicht vom stock gebrochen,
würden sich die mädchen hüten,
wenn die bursche nächtlich pochen
Hebbel I 6, 437;

auch sonst stellt die rose am stock eine verstärkung der entsprechenden verwendung von einfach rose dar, so entsprechend rose 6 (th. 8 sp. 1175): sie blühete ... im angesicht wie eine rose am stock Simplic. 477 neudr.
f) bildlich, so mehr sprüchwörtlich als scherzhaft vertheidigende benennung des weinschwelgs:

je mehr man auff den stock geusst,
je mehr er auffscheusst Gargantua 57 (3) neudr.

vgl.: darauf that er einen schrecklichen trunck weissen weins, jm alle strümpff und stöck des leibs zu begiessen und zu erquicken 257 (24); in geistlicher sphäre:

dein (gottes) weinberg ist für mich, ach lass mich trauben bringen,
und keine heerlinge an meinem stocke stehn
Schmolcke trost- und geistreiche schriften 1, 276;

ein glücklicher rühmt sich hinter ihm:

ich lasse meinen stokk viel junge zweige treiben
und hoff in stoltzem glükk beharrlich grün zu bleiben
Harsdörffer frauenzimmergesprechspiele 6, Dd 7a.

in der neueren sprache verfeinern sich die bilder (so vom wirken des genius): Shakespeare reicht uns im gegentheil die volle reife traube vom stock Göthe 41, 1, 353

[Bd. 19, Sp. 20]


Weim.; von der geschichte (im gegensatz zum zeitroman): warum schreiben sie nicht lieber geschichte selbst? da hätten sie die volle traube am stocke vor sich und könnten uns einen reinen gesunden wein zubereiten Immermann epigonen 3, 8, 3; und sonst: so sind die blüthen unserer heilsamen hoffnung gepflückt und der alte verwaiste dürre stock steht noch Göthe an frau von Stein 3, 71; (so bleibt) nichts übrig, als still auf eigenes glück zu verzichten und bloss fremdes zu befestigen, den ganzen stock von weltlicher lust aus deiner seele zu reissen Emma Förster briefe (1843) 154; und wie unter e) als eine steigerung des bildes von der rose:

Achilles duft deiner süszen lippen
Penthesilea es sind die rosen, die gerüche streun.
— nichts, nichts!
Achilles ich wollte sie am stock versuchen.
Penthesilea sobald sie reif sind, liebster, pflückst du sie
Kleist 2, 105;

mein lieb ist eine rothe ros',
die frisch am stocke glüht
Freiligrath 2, 108.


3) fustis, baculum, das aus solchem schöszling mit wenig oder viel kunst gefertigte geräth, von stecken (s. th. 10, 2 sp. 1289 unter 1) und der durch nasalierung davon getrennten stange (th. 10, 2 sp. 792 unter 2 a) im allgemeinen durch die geringere länge unterschieden.
a) dem bengel (th. 1 sp. 1471), knüttel (th. 5 sp. 1531) und prügel (th. 7 sp. 2188) entsprechend und stärker als rute (th. 8 sp. 1559) in der verwendung einer primitiven waffe der urzeit (vgl. Schopenhauer 3, 248); oft auch noch ohne jede glättung in der vollen rinde, deshalb der vergleich: der ist knorrechtig als ein stock Morhof unterricht in der deutschen sprache 1, 354. — und ein groszer stock bewehrte die braune, runzlichte faust Immermann 3, 15;

jezt such' ich einen stock
und klopfe wieder diesen dummen block
Tieck 1, 211;

wahrhaftig ich habe meinen stock zurechte gestellt, wenn mir eine solche canaille auf die stube kommt, ich schlage ihr wahrlich den kopf entzwey Lichtenberg briefe 1, 4; deshalb sprüchwörtlich: der stock steht im winkel Wander 4, 868 d. h. nimm dich in acht und nimm dir nicht zu viel heraus, doch: ein stock in der hand wirkt mehr als zehn an der wand 869; mit einem stock in der hand könne man sie (die Venezianer) jagen, wohin man wolle Ranke 42, 204 (hier zugleich zur charakterisierung der angst und feigheit des gegners). —einen stock ergreifen u. s. w.: Delphina ... einen stokk ergreifft, ihr mit schlägen das maul zu stopffen Harsdörffer frauenzimmergesprechspiele 8, 238; ich entsinne mich, als wärs heute, dasz sie meinetwegen einen stock ergriff Hippel lebensläufe 1, 66; so griffen sie voll zorn nach den stöcken, verjagten den guten hund Göthe 43, 150 Weim.; so kann ich doch gewiss keinen stock nehmen und sie zum hause hinausprügeln! Gottsched deutsche schaubühne 1, 266; wie der schuster das hörte, glaubte er, sein sohn habe ihn belogen, ward zornig, sprang hinauf, nahm seinen stock von der wand und prügelte ihn fort brüder Grimm kinder- und hausmärchen 1, 162; dann den stock aufheben: Astyochus antwortete ihnen ziemlich trotzig und drohete dem Dorier, der seinen bootsleuten den rücken hielt, indem er den stock gegen ihn aufhob Heilmann Thukydides 1129; der hund billt immer mehr, wenn der stock gegen ihn aufgehoben wird! Lavater 2, 12; ein jesuit, der den stock gegen einen schüler erhob Ranke werke 39, 87;

er eilte also wie eine Furie
mit aufgehobenem stocke auf sie
Kortum Jobsiade 1, 127.

einen mit dem stocke prügeln ( Adelung), durchhauen, schlagen u. s. w. (s. auch unten stockhieb, stockprügel, stockschlag u. a.): man sagt wohl im sprüchwort: 'wer zum schlagen lust hat, findet leicht einen stock' Fouqué altsächsischer bildersaal 4, 145;

das alte sprichwort wird bewährt sich zeigen:
ein'n hund zu schlagen, find't sich bald ein stock Shakespeare 2, 214;

in anlehnung an die wendung eine gute klinge schlagen (s. klinge 3 g th. 5 sp. 1173) auch einen guten stock schlagen

[Bd. 19, Sp. 21]


seinen stock beim prügeln wohl zu gebrauchen wissen Campe (belegt es als holsteinische redensart); einem den stock geben Campe; veraltet einen mit dem stocke schmeiszen d. i. heftig schlagen (vgl. schmeiszen 2 d th. 9 sp. 1003); unser werkzeug im accus.: der richter erzürnet sich dergestalten, dasz er dem Liendel seinen stock über den rücken schmisse Abraham a. S. Clara etwas für alle 2, 34; selten mit einem stock stoszen: und stöst sie (die frau) mit einem stocke eines armes lang ... in die seiten Pape bettel- und garteteuffel P 4; auch in mehr verbergender wendung: mit einem stock reden oleribus verba facere Dentzler 277a;

ein guter deutscher stock
soll dir die rippen waschen
Göthe 12, 249 Weim.;

der stock soll auf eines rücken tanzen u. s. w.,

wer denn ist jener tölpel dort, der sich
die freiheit nimmt, als wär er hier zu hause,
mit pfeifen mir die ohren vollzuleiern?
soll hier mein stock vielleicht ihm dazu tanzen?
Kleist 1, 207 (Amphitryon 1, 2).

der stock wehrt sich heiszt es scherzhaft, wenn einer geprügelt wird, schon beim Frauenlob:

nu trif, nu traf! der stoc sich wert (198, 8);

den stock bekommen, damit geschlagen werden Adelung; dass ihn der stock treffe und nicht wie jenen die peitsche Mommsen röm. geschichte 5, 561. — hierher gehört auch das spielen des stockes, das austheilen von prügeln:

da werden knecht und die rossbuben
mit uns mancherley spiel anfahen,
des stocks spielen und öl ausschlahen
Hans Sachs 14, 26 Keller-Götze.

das regiment des stockes: der stock regiert die welt Wander 4, 868; der stock lehrt den hund parieren ebenda, vgl. und wenn man das gewissen beim hunde nicht ganz mit unrecht auf den stock zurückführt Strausz 6, 137; ein guter stock ist das beste rezept vor böse hunde Wander 4, 869; der stock ist ein friedensstifter 868; die fabel von den fröschen, die den frommen stock nicht zum könig haben wollten Schmidt geschichte der Deutschen 4, 296; man muss es wissen, was dazu gehört, mehrere menschen ohne stock und subordinationsgesetze zu einem zweck zu lenken Görres briefe 3, 128; die orientalische zeit, in welcher die geistige freiheit den stock noch fühlte Steffens was ich erlebte 10, 434. mit hervorhebung des erziehlichen momentes, so von dem väterlichen stock Arndt werke 1, 50; den vätern, welche den stock gebrauchen ebenda 1, 49; das hat mir mein vater selig mit dem stock ausgetrieben Fontane i 4, 107. — (mit beziehung auf rutenbündel und beil des römischen lictors, hier als zeichen der römischen herrschaft:)

jetzund beil und stock und römsche rechte kommen
Anton Ulrich von Braunschweig Octavia 3, 684;

Armin hat stock und beil den Deutschen abgerissen
Lohenstein Arminius 1, e 3,

wie auch in der hand des deutschen büttels, vgl. (bildlich:)

'bessern, bessern soll uns der dichter!' so darf denn auf eurem
rücken des büttels stock nicht einen augenblick ruhn?
Schiller 11, 121

ebenfalls in bildlicher rede: du brauchst dich nur mit dem kurzen stock zu wehren Wander 4, 869; d. h. widersprich nicht so sehr, denn du hast keinen grund dazu; 'Lowise' szage ich 'nu wehr dich mant mit ne kleinen stocke! ich möchte wissen, werr' schuld anne isz? Honig geschichten aus dem Göttinger bürgerleben 57; auch redensarten beim kartenspiel gehören hierher wie: 'vergiszt so ein alter kerl noch die stöck zu weisen — vor angst! Federer berge und menschen 475.
b) zweifelhaft, ob zu 1 oder 2 in beziehung zu setzen, bleibt die wendung einen stock in den weg werfen, legen (moram, praepedimentum objicere Dentzler 277a): die andern halten hinden wider und hemmen oder werffen stöck und blöck in den weg Dannhawer catechismusmilch 2, 49; deutlich zu 2:

denn ich habs als ein trewer freund
mit einem jedern gut gemeint,
und nach dem ampt aus meiner hand
unter die hund ein stock gesand
und nur dieselben wollen treffen,
die sich vom teuffel lassen effen
Ringwaldt lauter wahrheit 423;

[Bd. 19, Sp. 22]


ich ... schleuderte meinen schweren knotigen stock ihm in die lenden maler Müller 1, 72; auch einem einen stock zwischen die beine werfen, so dasz er zu falle kommt. u. a.
c) der stock in bestimmter sphäre.
α) als züchtigungsgeräth in der hand des lehrers (wie oben stecken 2 c th. 10, 2 sp. 1291):

fällt ihm nicht alles bey (dem schüler) sofort in einem nu,
schlägt ein Orbilius mit stock und prügeln zu
Weichmann poesie der Niedersachsen 1, 292;

den schülern mit hochgeschwungenem stocke drohen (vgl. Holtei schriften 5, 123); wir haben in der schule auf einer bank gesessen, sind von dem hölzernen rektor mit einem stock geprügelt worden Klinger neues theater 2, 262; beim unterricht spielte der stock seine rolle Mommsen röm. geschichte 1, 444;

dieser mann hatte vorzügliche gaben
zu erziehen mutwillige knaben,
und auf ihre hosen und rock
spielte sehr oft sein mächtiger stock
Kortum Jobsiade 1, 21.

hierher auch das skeptische sprüchwort: der stock macht den guten schlimm und den schlimmen schlimmer Wander 4, 868; zugleich als taktstock (s. th. 11 sp. 95 unter taktstab wie auch in der hand des capellmeisters): als ihr da ... mit stock und tact lectionen vorsunget maler Müller 1, 309.
β) der stock der officiere und unterofficiere, als sichtbares zeichen ihres züchtigungsrechtes, welches in dem gebrauch der fuchtel (des breitklingigen degens, s. th. 4, 1, 1 sp. 359) gipfelte: manche dramatische schriftsteller glauben, die advocaten müssten von weitläuftigen zeilen und langen prozessen, ... junge offiziere vom stock sprechen und fluchen Lichtenberg aphorismen 3, 173; der taugenichts, der seines wohledlen groszvaters rang noch mit geerbtem stock und degen behauptet Möser 1, 233; entweder seinen degen oder seinen stock gebrauchen Archenholz England und Italien 1, 2, 293; ein alter offizier vom garnisonsregimente sasz in der dritten reihe, auf seinen stock gelehnt Knigge roman meines lebens 2, 7; der hauptmann ... versprach mir die kur, den stock in der hand Körner 4, 46; der stock, welcher auch die englische armee noch regiert Pückler briefwechsel 2, 429;

mit finsterem gesicht in reih und gliedern gehn;
den teufel in dem mund, den stock in händen haben:
diesz alles kann ein herz mit stolzen lüsten laben
Schönaich bei
Gottsched neuestes aus der anmuthigen gelehrsamkeit 2, 381;

wer ist doch jener dort, der in dem scharlachroke
mit seinem federbusch, und silberreichen stoke
so prächtig einher trit
Grob dichterische versuchgabe 74 (2, 73);

in diesem rock
führ' ich, sieht er, des kaisers stock
Schiller 12, 32 (Wallensteins lager 7);

der herr korporal
ist was für dich, der würd'ge Holzgebein
der seinen stock im militair geführt,
und nicht dort der maulaffe, der dem stock
jetzt seinen rücken bieten wird
Kleist 1, 351 (zerbr. krug 6);

in der hand der preuszischen könige, so besonders Friedrich Wilhelms I.: also der erbitterte könig den stock aufhub ... und nach dem vermeynten Vaumillon zuschlug Schwabe belustigungen 2, 535; nicht die barbarische disciplin seines stocks, sondern das volle bewusztsein seiner königlichen aufgabe, wie er sie überkommen zu haben glaubte und wie die unterthanen sie fühlten, das war es, was in ihm die prinzipien dieses staates zu einem so singulären ausdruck brachte Nitzsch deutsche studien 102; als typisch gehört er auch zum kostüm Friedrichs des Groszen, so auf kupferstichen und den zum theil köstlichen tabaksdosen, welche der erinnerung des volkes immer neue nahrung geben, vgl. Hegel 10, 2, 416. — der militärischen sphäre gehören noch an der stock des tambourmajors, das letzte harmlose überbleibsel des vorigen gebrauchs: den allmächtig grossen, silbergestickten tambourmajor, der seinen stock mit dem vergoldeten knopf bis an die erste etage werfen konnte Heine 3, 147;

er (der tambourmajor) balancierte den groszen stock,
mit lachendem gesichte 1, 305;

die beiden stöcke des trommlers, mit welchen er die trommel

[Bd. 19, Sp. 23]


schlägt (s. auch unten trommelstock): ein solcher tambourjunge muss sich alle tage haussen vor dem thore, oder im freyen felde mit trommelschlagen exerciren, zum fundament aber vornehmlich der sogenannten mühle einen würbel mit doppelt prellenden stöcken schlagen lernen, immassen der würbel der gantze grund des trommelschlagens bey der compagnie Fleming teutscher soldat 144 der trommler ohne stock Erlach volkslieder der Deutschen 2, 466. — der ladestock (th. 6 sp. 52) vgl. Iffland 2, 9 (jäger 1, 2); auch sonst in der sprache der feuerwerker:

das brandrohr presst den stock, der schnelle stock die lufft,
bisz die racketen sich als sternennachbar zeigen
König gedichte 155.

über den militärischen kreis hinaus verbreitung fand der fahnenstock (neben fahnenstange s. th. 3 sp. 1243) Keller 3, 77; fahne, deren stock in einem breiten gurt steckte Fontane I 2, 210.
γ) der stock des thürstehers: er trug einen langen stock, woran ein silberner knopf war. Brentano 5, 107.
d) alterthümlicher sphäre gehört noch an der stock des hirten (für das hier gewöhnlichere stecken th. 10, 2 sp. 1291 unter 2 d): wenn meine schaafe zur ruhe gebracht sind, habe ich in der ganzen welt nichts zu sorgen; auf dem felde denk ich an dich und unsre liebe, schnitze einen künstlichen stock, oder dichte ein lied für uns Tieck 2, 24; aber wüthend stürzte der schäfer mit seinem stock auf ihn (den wärwolf) ein brüder Grimm deutsche sagen 1, 152; die keulenartigen stöcke der hirten (vgl. hirtenkolbe unter kolbe II 1 b th. 5 sp. 1604) Brunn kleine schriften 1, 39;

kein schäfer war, ...
der nicht an seinem stock liesz bunte bänder wehen
König gedichte 53;

als primitives grabgeräth: hat dir nicht gott ausdrücklich geboten, oder vielmehr deinen vätern in der wüsten, dass sie schauffeln und stöcke sollen mitnehmen, damit sie nach abgelegter nothdurfft, den mist verscharreten Prätorius saturnalia (1663) 133.
e) stock nicht nur als waffe, sondern besonders als stütze bei wanderungen, als gehstock, wanderstock (th. 13, 1 sp. 1700), seit Adelung an stelle von stecken (th. 10, 2 sp. 1289 unter 1) völlig durchgesetzt:

seine füsze lagen in betten, und dicken verbänden,
und ein knotichter stock ward sinkenden armen zur stütze.
Zachariae poet. schriften 1, 276.

er geht strack ohne stock, sicht ohne brill, hat noch seine zähn undt den verstand, eben wie er ihn gehabt hatt Elisabeth Charlotte briefe 3, 67. am stocke gehen: als er dann am stocke wieder ausgehen konnte, kam er auch in anregenden verkehr Meinecke v. Boyen 1, 157; neben uns wohnt der alte Frühling, ihr wiszt, wie er daher geht und so an seinem stocke zittert Jung-Stilling 1, 103; als scenarische bemerkung: Sandel, hinkend am stock maler Müller 2, 37. seltener mit dem stocke gehen ( Adelung), von kranken oder schwachen und alten. das beim hinabsteigen stützende moment wird mehr herausgearbeitet: auf dem stock die (steilabfallende) strasze hinabgehen; auch sich auf den stock lehnen (Fleming teutscher soldat 273; Arndt werke 1, 113). sprüchwörtlich: der stock thuts nicht, wenn die beine morsch sind Wander 4, 868; zwei stöcke stützen gut 870; ein derber stock ist gut bei schlechtem wege 869; hierher auch der stock des schwersichtigen, welcher tastend seinen weg sucht, in der redensart: das kann ein (blinder) mann mit seinem stocke fühlen, so deutlich ist eine sache; vgl. DWB das kann 'ne alte frau mit 'm stock fühlen Fontane I 4, 259 — besonders als spazierstock (s. th. 10, 1 sp. 2024) von oft kostbarem holz und kunstvoll gearbeitet: einen stock (in der hand) tragen; damals der brauch war lange spanische rieth oder stöck zu tragen Schupp 43; (dagegen um eine freie bewegung der hände und arme zu erlangen, tragen die acteurs niemals einen stock Göthe 40, 156 Weim.); mit dem stock in der hand unten stehn und warten Tieck 4, 61; mit stock und degen spatzieren gehen Adelung. mit hut und stock Schiller 3, 361: den hut auf dem kopfe und den stock in der hand W. H. Riehl novellen

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5, 215; seine schwächliche gesundheit rieth ihm zeitlich nach haus zu gehen, ... und damit nahm er stock und hut, und wischte fort Schiller 3, 536; er nahm also hut und stock und wandelte gemessenen schrittes dahin Brunner erzählungen 1, 15, (Storm 1, 37); er griff also zu hut und stock, um gegen elf ... in Wolfshau zu sein Fontane I 6, 48; ich will nur meinen hut und stock holen Schröder dramat. werke 1, 18; der doktor legte stock und hut ab W. H. Riehl novellen 5, 119; hut und stock in die ecke stellen, den hut auf den stock gehängt, wie das noch alter leute gewohnheit ist: der pfarrer stellt hut und stock in die ecke Bettine dies buch gehört dem könig 2, 498; nachdem der alte hut und stock in die ecke gestellt hatte Storm 1, 4; die zwei kinder nahmen ihm nun voll mitleid hut und stock und das bündelein ab Chr. von Schmid 1, 84; auch beim besuchgang werden sie abgelegt, dabei stöcke und hüte verwechseln Bahrdt geschichte meines lebens 2, 37. neben dem mantel:

geh hol mir den mantel,
geh hol mir den stock,
jetzt musz ich von dannen,
musz nehmen b'hüt gott!
Arnim 17, 22;

im straszenbild: wer an einer kirche wohnt, darf nur die leute beobachten, die am tage die einwärtsgehenden winkel derselben stehend einnehmen; was das oft für umstände setzt, einige müssen sogar den stock wegstellen, und beide hände brauchen Lichtenberg verm. schriften 2, 318seine kunstvolle bearbeitung: (sie) lehnte sich auf einen kleinen stock von ebenholz mit rundem griffe Laube 4, 35; er nahm seinen stock mit einem grossen silbernen knopf Miller briefwechsel dreier akad. freunde 1, 21; stock mit dem silberknopf Alexis Roland von Berlin 1, 106; (er) verlor mir beim ausfahren meinen stock mit dr. Syntax bildnisz Pückler briefwechsel 7, 195; auch schraubte er das perspektivfässchen auf den stock Keller 5, 74; mit klopfendem herzen hält John Kabys seinen stock ans auge und betrachtete die erscheinung durch das perspektivchen von perlmutter 75 (vgl. dazu 68); ich sah, dass dieser stock als knopf einen silbernen totenkopf trug Seidel vorstadtgeschichten 3; dann allgemein: der stock zierte mehr einen klugen mann als er ihn stützte Keller 5, 83.
f) über den stock springen besonders von hunden (hier bildlich zur charakterisierung hündischer naturen): dem, der jederman aportirt, jederman aufwartet, über jedermans stock springt, dem alles so vorkommt, wie es der mann haben will, der ihm die peitsche, oder die ketten der finsterniss oder den geldbeutel vor den kopf schüttelt Lichtenberg aphorismen 3, 93. doch auch sonst: er (Maszmann) springt wirklich sehr gut übern stock Heine 3, 221.
g) in wirthschaftlicher sprache als rührstock (s. th. 8 sp. 1473): wehren dem sieden muss er (der jäger) es (die frischung) mit einem stock ... umrühren, dass es nicht überlaufe Heppe lehrprinz 463. — der tragstock im wurstwiemen: Constanze hat, dank deiner fürsorge, die hälfte davon (von dem schwein) in ihre küche bekommen, woselbst jetzt 20 würste am stock hängen Theodor Storm briefe in die heimat 98besonders der in die erde getriebene stock, so als halt für eine pflanze, durch seine geringe stärke vom pfahl (th. 7 sp. 1597) im allgemeinen unterschieden: und glycher wyse als die jungen zwy und schosse niderfallend und nit ufrecht belyben mugent; sy hangen danne an jren pfeln und stöcken mit den banden angeheft Niclas von Wyle 135; und wenn nun der stock vergeht; haben die citronen mehr als ihre stütze verloren? Engel schriften 1, 211; s. auch blumenstock, an welchen die blumen mit bast gebunden werden (th. 2 sp. 166 unter 2). auch sonst: hinter dem hamen wird auf einem eingesetzten pfahl oder stock eine leuchte mit einem liecht gesetzt Aitinger jagd- und weidbüchlein (1681) 99. — (mit pfahl begrifflich völlig eins: und so der übelthäter ergriffen wirt, bindt man jn lebendig an ein stock Seb. Münster cosmographie 126; an statt des disputierens, wurden sie beide (Husz und Hieronymus von Prag) an einem stock und pfal verprennet Fischart bienenkorb 5a, vgl. hierzu insbesondere oben brandstock palus rogi th. 2, sp. 301, vielleicht ein in

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kirchlicher sphäre geprägter terminus der ketzerverbrennung), — der riegelstock, welcher die thür verschlieszt, besonders in der übertragenen wendung: einem in einer sache einen stock vorstecken Droste-Hülshoff briefe 197, ihn in seinem freien thun und lassen hindern.der kerbstock (th. 5 sp. 565), besonders in niederdeutschen gebieten: (die reichen) de it (das brot) up de stocke halet Krauses archiv 1, 130, d. h. auf borg; dann etwas auf dem stocke haben, gemeiniglich schulden (dann auch in moralisierender übertragung) Campe; von der thatsache, dasz das kerbholz aus zwei (zusammenpassenden) hälften besteht, welche vom gläubiger und vom schuldner zur gegenseitigen controlle aufbewahrt werden, empfängt wohl die folgende stelle ihre erklärung: seyle vmb bottern, senyff, erbeys, brymel, salcz, eckysse, hauwen, nrsche, schuppen, vmb wympeln, vmb fasse z fleyssche, vmb lichte, vmb korbe, daʒ geczeld z placken vnde anders vmb menchirley cloterode, als sie vns von stocken z stocken in eyme zedeln beschriben gabin, daʒ in dem schrancke lyd rechenbuch von 1375. — in niederdeutschen gegenden stock auch als längenmasz, so nach Adelung gleich der elle (th. 3 sp. 414) ein stock leinewand: können sie (die mägde) nicht ... so viel lein gesäet und so viel stock linnen jährlich erhalten, so gehen sie in die holländischen bleichen Möser 1, 172, gewöhnlich aber von der grösze der ruthe (th. 8 sp. 1535 unter 1 b) gleich 8 rhein. fusz, dann auch als entsprechendes raummasz ein stock torf und in Hamburg ein stock gerste (das sind 3 wispel oder 72 scheffel); ein e. rath wil den bruwerknechten uperlecht hebben, dat een jeder sine daren (korndarre), so oft he enen stock korns affdrögen will, reinfegen schall hamburger zunftrollen 15.
h) wie oben stecken (th. 10, 2 sp. 1294 unter 7) bisweilen als geräth des kinderspiels nach der weise der steckenpferde (sp. 1352): ein mann, um dessen stock, um auf ihm zu reiten, sich oft meine brüder schlugen Kerner bilderbuch 6; ein stock, auf dem ich selbst zu reiten pflegte Hebbel 8, 100; hierher gehört wohl auch ursprünglich die wendung am stock fahren; dann besonders im übertragenen sinne 'närrisches zeug treiben' u. ä.:

vil geuch verfaren an dem stock,
die vmb ein krentzlin gendt ein rock
Murner narrenbeschwörung 119 neudr.,

wo das verfahren die verirrung, das verlassen des geordneten lebensweges noch deutlicher macht. der beginn eines zustandes soll geschildert werden: an einen stock fahren operam ludere; praepostere agere Dentzler 277a: da solches der breutigam vername, gedacht er wol, wie er an ein stock gefahren were und brot für kchen genommen hette Montanus schwankbücher 11;

wer mich dingt (als diener), der fart an stock
und msz myr geben eyn groen rock
Murner schelmenzunft 19, 39 neudr.;

verdinst noch zwlff growen rock,
so farstu dennocht an ein stock 68, 175;

geh, frag die ursach diser sachen,
du fehrst wie ich an einen stock
Hans Sachs 20, 122 Keller-Götze.

wird ein sociales niedersteigen hier angedeutet, so kann nicht zweifelhaft sein, dasz unsere (hier schon mehr versteinerte) wendung aus der sphäre der landfahrenden armuth sich entsprechenden inhalt geholt hat; der bettelstock, bettelstab bot die vermittlung und gibt so unserer wendung zuletzt den ernsthaften sinn 'ins unglück gerathen' (vgl. im folgenden den weiszen stock als rechtliches symbol).
i) selten auch an stelle des stabes als gerichtliches symbol (vgl. DWB stab II 8 f th. 10, 2 sp. 346 f und Amira der stab in der germanischen rechtssymbolik 1909): bei der urtheilssprechung der ambtsgreve bricht den stock halsgerichtsprotocoll von 1698 bei Grote geschichte von Northeim 35;

drumb brech ich diesen stock entzwey
Krüger spiel von den bäurischen richtern 110;

(von Christus als weltrichter:)
kom Christe vnd den stock zubrich
vber den alten drachen
Ringwaldt evangelia R 6a (vgl. auch L l 1b);

s. noch den entsprechenden, reicheren gebrauch unter stab II 8 g θ (sp. 349) — der rechtlichen sphäre scheint auch

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ursprünglich anzugehören einen über den stock stoszen ihn überlisten, in nachtheil bringen; eigentlich 'durch proceszränke über den gegner ein obsiegendes urtheil erringen'. auch hier ist der stock in der hand des richters gemeint, und als entsprechend sind wendungen wie einen über die klinge springen lassen (th. 5 sp. 1173), von der kanzel fallen, kirchlich aufgeboten werden (sp 177), einen von der kanzel stoszen ihm die kirchlichen ehren bei der trauung nachträglich absprechen u. ä. zu vergleichen: bothschafter wären die fürnehmsten kundschafter, und einen andern über den stock stossen ihr handwerck Lohenstein Arminius 1, 1017b; und auf diese art haben diese arglistige leute, welche nur in kleinen dingen treu und glauben halten: dasz sie ihnen den weg bähnen, andere völcker über den stock zu stossen .., die leichtgläubigen Deutschen unzehlich mal bevortheilt ebenda 1, 872a; denn auf fabeln haltet ihr viel, damit kan man euch am besten kürren, und übern stock stossen Prätorius saturnalia (1663) 138; das cabinet zu durchkriechen, einander aufzulauern, zu verunglimpfen, über den stock zu stoszen, sind sie (die Italiener) besser Leibniz deutsche schriften 1, 227; auch sich über den stock stoszen lassen: denn erstlich alle republiken den königen verhasset seynd, weil solche ... sich nicht leicht übern stock stoszen lassen 1, 243. — besonders zu erwähnen ist noch der weisze (seiner schäle beraubte) stock: tu deme ersten male: dat ich schal dragen eynen witten stock, und schal van nymande bröcke nemen, ich en hedde den vor gewarnet quelle von 1370 bei Schiller-Lübben 4, 406b; so in der hand des bankrotteurs, heute noch allgemein in den redensarten: er musz mit dem weiszen stock vom hofe (aus dem hause) gehen; vgl.: de bestrickede drog nene wehre, denn einen kleinen witten stock to kerke und to marke wendisch-rügian. landbrauch 85. — der geschälte stock wird auch sonst gefordert: gänse haben kein recht, dan so sie mit dem hals zwischen zwei planken her können reichen: giengen sie weiter, soll man sie mit den hälsen auf dem stück an dem ort hangen. ist der ort zu kurz, soll er einen weiszen stock splitten und hangen sie mit den hälsen dazwischen Bochumer landrecht 45. (ein zurückbiegen in die allgemeinere sphäre von 1stock m. 3 bietet die im Sollinge gebräuchliche wendung dei mott met 'n langen stocke las, wenn der bauer vom hofe eilt, um die hebamme zu holen Sohnrey dorfkalender 1912 s. 49: hier doch nur zum ausdruck des rüstig ausschreitens).
k) bildlich, so von dünnen gliedmaszen; im sprichwort auf dünnen stöcken (stöckern) kann man schlecht stehen, dünne beine tragen schlecht; auch dünner stock wehrt sich schlecht, ein arm ohne muskelkraft; vgl.

sieh, ob du mich mit blicken übermeisterst;
setz glied an glied, du bist bey weitem schwächer.
bey meiner faust ist deine hand ein finger,
dein bein ein stock mit diesem stamm verglichen Shakespeare 2, 253.


4) stock als bezeichnung eines aus dem klotz oder stumpf eines baumes (s. oben unter 1) gefertigten geräthes in der älteren sprache in reicher verwendung:
a) alveus, alveare, stock der bienen (s. bienenstock th. 1 sp. 1820), ursprünglich ein ausdruck der zeidelwirtschaft (s. u.) d. h. der nutzenden hegung der (wilden) waldbienen, die ihre wohnung in den höhlungen der morschen stöcke (s. oben unter 1 sp. 11) des wilden waldes nehmen. es wurden dann auch bei der weiteren ausgestaltung dieses wirthschaftszweiges aus einem abgehauenen baumstumpf (s. oben unter stock und block sp. 12) tragbare stöcke (oder beuten s. th. 1 sp. 1750) hergerichtet, wie einer in Ryffs übersetzung des thierbuches Alberti Magni Cc 1a abgebildet ist (s. auch bei Heyne hausalterthümer 2, 214): der von unten her ausgehöhlte und seitlich mit einem flugloch versehene klotz wird auf einen rohgezimmerten tisch oder dergl. gestellt. der heimische 'stock' der zeidelweide steht im gegensatz zum mannigfach geflochtenen korbe (s. bienenkorb th. 1 sp. 1819) der uns aus der fremde zugekommenen zucht der hausbiene; dasz sich unser wort auch in dem kreise der letzteren überwiegende geltung verschaffen konnte, spricht für die ehemalige bedeutung der zeidelgenossenschaften (vgl. hierzu Heyne hausalterthümer 2, 215): es soll

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kein zeidler ausz der zeidelwaid keinen schwarm nicht tragen, oder in ein andern stockh und fasz fassen, die auszer der zeidelwaid weren weisth. 3, 898; die stöcke der wilden bienen Forster schriften 5, 156; auch ihre verwandten, die hummeln hausen ähnlich: an einem stocke, dar hummeln in seyn, sol man nicht klopfen, denn sie fliegen gern auss und stechen Petri 2, 408; doch nur die drohne im bienenstock meint Shylock in folgendem:

der laff' ist gut genug, jedoch ein fresser,
'ne schnecke zum gewinn, und schläft bey tag
mehr als das murmelthier; in meinem stock
baun keine hummeln: drum lass ich ihn gehn Shakespeare 4, 54 (kaufmann von Venedig 2, 5).


α) von den bienen, so um die stöcke herumschwärmen Bodmer von dem wunderbaren 289; die bienen summten um den stock Fontane I 1, 80 (vgl. Gessner schriften 1, 70);

wie man im frühling sieht bey aufgeklärtem himmel
die bienen um den stock im rauschenden gewimmel
Besser schriften 1, 53;

wie bienen ihre stöcke mit honig ... bereichern Dusch verm. werke 77; (bildlich:) endlich erscheint ... das auf erden arm geborne neue wunderkind ..., nährt sich von säften süszer blüthen und bringt den goldnen honig zum stocke Göthe 41, 2, 383 Weim.

sehet, ihr gebrochnen augen,
nur auf Jesus wunden hin:
wie die bienen honig saugen,
die zu ihrem stocke fliehn
Schmolcke trost- und geistreiche schriften 1, 790;

die (rose) durch geruch und saft die bienen oft ergötzet,
wenn sie aus selbiger ihr süsses hönig ziehn,
bald voll gesaugt davon zu ihrem stocke fliehn
Hoffmannswaldau gedichte 7, 283;

vgl.:

so manches bienelein der bunten auen säfte
zu stocke führt mit sich,
so ofte herze mich mein herz
Fleming gedichte 1, 68;

(regenwetter gibt es), wann die bienen aus ihren stöcken nicht heraus wollen Hohberg 1, 103; die alten bienen bauen noch immer im stocke fort Görres briefe 2, 454; die bienen arbeiten in ihrem stocke, tragen honig ein, halten in den zellen ihre kleinen kriege ab Immermann epigonen 3, 8, 3; rohes reines wachs, wie es vom stocke kommt Böttiger kleine schriften 2, 127 — wie die bienen im frühling ... ihre volkreiche jugend sich in langen trauben um den stock herum anhängen lassen Bodmer crit. poetische schriften 1, 47 (die schwärmende jugend aus dem stocke vertreiben Zachariae 6, 97) — ein (von den bienen verlassener) leerer stock Eulenspiegel 12 neudr.; sprüchwörtlich: der weisel darf den stock nicht verlassen (Freytag 11, 265) musz der geschworenen sache treu bleiben.

den dieb, den Amor hat die schlimmste bien gestochen,
als er den honigseim aus einem stock gebrochen
Pietsch 293;

so treibt man wohl
mit dampf die bienen, tauben mit gestank
von ihren stöcken und vom schlage weg Shakespeare 2, 114.


β) im vergleich: die (feuermänner) an dem gefährt hingen, wie bienen am stock Ebner-Eschenbach 2, 258;

stock, honig, stachel, bienen: buch, reime, feder, sinnen;
so werden deine wercke sich, freund, vergleichen künnen
Logau 560 (93);

alte jungfern sind ein stock, da noch wachs noch honig innen 312 (4).


γ) stock dann auch das 'bienenvolk' selbst; auf dem wege dieser entwickelung liegt: der bienen könig hat keinen stachel, so doch alle andere im stock umb sich hauen und stechen Dannhawer catechismusmilch 1, 304; oft gerathen zwey könige (der bienen) in heftigen zwist, das sieht man lange vorher schon an den gemeinen, und an ihrem feindseligen betragen gegen den andern stock Bode Montaigne 3, 578; da die menschen in grossen staaten und die bienen in grossen stöcken muth und wärme einbüssen, so heftet man jetzt an kleine länder andre kleine länder, wie an bienenstöcke koloniestöcke Jean Paul 7—10, 277; dann völlig durchgesetzt: und da neulich seine bienen geschwärmet, und ein junger stock sich davon verflogen polit. maulaffe 234; die bienen hatten ihren weisel verloren, und der ganze stock war

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unlustig und traurig Musäus volksmärchen der Deutschen 4, 87 (vgl. allgem. deutsche bibliothek 25—36, 3334); wie sich im wachskuchen die drohne erzeugt nur als eine krankheit des stocks Schleiermacher Platon 6, 417; bei begräbnissen fällt wenig ungewöhnliches vor, ausser dass der tod eines hausvaters seinen bienen angesagt werden muss, wenn nicht binnen jahresfrist alle stöcke abzehren und verziehen sollen Droste-Hülshoff 2, 375; hierher gehört die zusammensetzung mutterstock (th. 6 sp. 2828) in der bedeutung von 'muttervolk'.
b) der stock oder sewel, daraus der born springt tubus Alberus Pp 3b, der brunnenstock, aus dessen röhre das wasser in den brunnentrog fällt, ursprünglich nichts anderes als ein in der länge durchbohrter baumstumpf: in demselben kasten ist ein zapf und ein spunt in die rör, und dopei steet der stock, darausz das wasser felt in den kasten Tucher baumeisterbuch 174; und als er an dem schulhause vorbeiging, da stand der doppelröhrige brunnen mit dem schönen stock und dem wappen der freiherren von Susenhard, aber es lief kein wasser mehr, und die röhren hatten grünspan angesetzt Burte Wildfeber der ewige Deutsche 52; bekanntmachungen aller art werden hier angeschlagen und die wasserholenden frauen und mägde tragen die neuigkeit bald in alle häuser; auch in der folgenden begrifflich undeutlichen wendung ist wohl nur der brunnen stock gemeint: ee man dieselben beut gab, so seczten die beutmaister einen tag und slugen des ain zetel an an den stock bei dem schonen brunnen städtechron. 2, 261, vgl.:

ir herren, seit mir all wilkummen,
ir habt am stock heut wol vernummen,
wie ich offentlich an hab gschlagen,
wen ein heimlich kranckheit thet blagen,
derselb zu mir herkummen solt
Hans Sachs 14, 35 Keller-Götze.

der pumpenstock (th. 7 sp. 2230) ist aber gemeint: das ventilthürlin aber der büchsen wirdt aufgethon, dasz also das wasser, welches in stock ist gelauffen, mit dem windt geführt, widerumb aufsteige in das ror Agricola-Bech bergwerckbuch (1621) 140.
c) opferstock (th. 7 sp. 1309), ursprünglich ein nur roh ausgehöhlter klotz (ein holer stock Nigrinus von zäuberern 298) mit einem verschlusz, dazu bestimmt, almosen aufzunehmen; zur gröszeren sicherheit ist er oft in die erde eingegraben oder sonst stark befestigt, auch mit eisenbeschlag mannigfach versehen: solche opfer stöcke aus dem ausgehenden mittelalter sind noch reichlich erhalten vgl. Otte 15, 370; zugleich die unversiegliche quelle für die materielle machtstellung der mittelalterlichen kirche:

sagt an, hêr Stoc, hât iuch der bâbest her gesendet,
daʒ ir in rîchet und uns Tiutschen ermet unde pfendet?
Walther 34, 14 (vgl. auch 10 und 22);

ein stock da man phenning einlät gazetum Diefenbach nov. gloss. 189b; de ... wisede on einen groten beslagenen stok vol goldes und silvers städtechron. 7, 158; von seinem standpunkt heiszt er der kirchenstock (s. th. 5 sp. 812): sacristey vel stockch gazetum Diefenbach nov. gloss. 189b (wörterbuch von 1502); stock in der kirchen aerarium templi, gazophylacium Dentzler 277a (Stieler 1691), doch kann er auch sonst auf plätzen, an öffentlichen wegen (stock uf dem tamme zum Elbinge Marienburger tresslerbuch 13, 40) und auf brücken (so auf der Mainbrücke zu Frankfurt) seinen stand haben als almosenstock (th. 1 sp. 245) oder armenstock (sp. 558). den stock aufrichten: auch ward hie ain stock aufgericht und darz ablas geben städtechron. 4, 323; so sol in oder vor der kirchen ein stock aufgerichtet und gesetzt werden Braunschweiger kirchenordnung (1569) 413 — die handlung des opfers: das almsen, das man gab in den stock bibliothek älterer schriftwerke der Schweiz I 1, 68; durch den ablasz understat ein kouffman oder kriegsman oder ein richter, mit eim pfennig, den er in stock würfft, ablegen uff ein mol allen hauffen der sünd seins läbens Eberlin von Günzburg 1, 155 neudr.; derselb pabst gebot ouch, dass man stöck in allen pfarrkilchen machen sölt, und dass man allmusen darein sölt legen Tschudi chronic. Helveticum 1, 247; neben dem opfer auf dem altar: opfergeldt auf den altter oder inn stock legen Clemen reformationsflugschriften 1, 13; für gmain almsen opfert man dem hailigen in stock und dem

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reichen pffaffen auf den altar, das man tailhafftig werdt seines opfers und gten wercks des meszhaIten Eberlin von Günzburg 2, 187 neudr.; neben geldkasten (th. 4, 1, 2 sp. 2914): er liess auch in allen kirchen stöck und geltkasten machen, dareinn man die hilff wider die Türcken samlen solt S. Franck chronicon 146aals eine erwünschte beute für diebe und räuber: der vormals hat gelernet stelen und stöck uffbrechen. Leo Iud ein klag des fridens F 4b; item so eyner eyn stock, darinn man das heylig almusen samlet, aufbricht, sperret, oder wie er argklistig darausz stilt, ... der ist auch an leib oder leben zu straffen Carolina 173 — als das budget der armenkasse kurzweg: liess ein raht alle kleider und kleinot der kirchen verwenden in den stock armer leuten Stumpf Schwytzerchronik 389aaus der sphäre der (kirchlichen) mildthätigkeit führt heraus in seinem wortkleide der schatzstock (erste deutsche bibel 3, 37, 30): und ging mit on in de gerkamere ... und wisede on einen groten, beslagenen stok vol goldes und silwers und sprak: dit gut heft juwe vader laten Magdeburger schöppenchronik 158, 14, und der geldstock (th. 4, 1, 2, 2923), der auch in der sache völlig in die organisierte geldwirthschaft des kaufmanns hinüberleitet (s. unten 1stock 5): stock in der kaufmannssprache eine schwere eisenbeschlagene kiste, in welcher geld verwahrt wird Jacobsson 7, 456b; Adelungebenso stock in den münzstätten ein behältnisz, wo beispiele jeder münzprägung für künftige untersuchungen aufbewahrt werden Campe.
d) der totenstock ähnlich dem totenbaum (s. u.) ein aus einem baumklotz durch aushöhlung gefertigter sarg; in der technik der herstellung ähnlich den seit der älteren broncezeit in unserem alterthum allgemeiner benutzten baumsärgen (s. die abbildungen bei Müller nord. alterthumskunde 1, 341 und Lindenschmidt handbuch der deutschen alterthumskunde 1, 122 f), nur dasz lade und deckel aus den ungleichen hälften des längsgespaltenen klotzes gefertigt sind: beispiele aus dem späteren mittelalter 1829 zu Elliehausen bei Göttingen gefunden (Müller-Reimers vor- und frühgeschichtliche alterthümer 52): der boum schosz in das grab, das Vlenspiegel kumbt vff die füss z ston in dem stock Eulenspiegel 145 neudr.
e) heiligenstock (s. th. 4, 2 sp. 841; s. auch unten stockbild und bildstock th. 2 sp. 21), ein aus einem baumstumpf oder klotz (vgl. die entsprechende bedeutung unter klotz II 2 (th. 5 sp. 1250)) gefertigtes heiligenbild (und als an die wand gestelltes bild gewöhnlich von der rückseite trogartig ausgehöhlt wie die aus dem backtrog gefertigte Madonna Hansjakobs); besonders bei den anhängern der reformation als verächtlicher terminus im kampf wider den heiligencult beliebt; in der Zerbster handschrift (von 1523) hat Luther 2. chron. 14, 5 noch übersetzt; er thett weg ... die hohen und heyligen stock, nachher aber in die gotzen geändert; ein stock und ein holtz, das geferbt ist und ölgetrenkt, auf das die farb bleibe und vom regen nicht abgewaschen werd, ist ein ölgötz Agricola sprichwörter N 2b: stumme und dumme uberschrifften, inn leblose seulen, stöck und egiptische thürn eingegraben Gargantua 428 neudr.in der verbindung stock und stein werden solche aus stein gefertigte bilder daneben aufgeführt; weniger wird an den steinernen sockel des hölzernen bildes zu denken sein: was lauffestu denn noch als ein unsinniger mensch zum stock und stein, da kein gotteswort gepredigt wird Luther 32, 527 Weim.; aber daneben mus er auch nicht anders wehnen, denn gott sey ein götze odder affe und alle welt sey eitel stock und stein, die schlecht yhn lassen benügen, wenn sie solche verachtung hören 26, 49 Weim.; so schon bei den Isländern: bera gull á stokka eða á steina oder trúa á stokka eðr steina vgl. Jac. Grimm kl. schriften 5, 94; das häufig über dem bilde angebrachte tabernakel will die sonst unverstandene glosse eyn hilgenstock (Diefenbach nov. gloss. 88a) als übersetzung von ciborium hervorheben (nd. wörterbuch von 1417). alterthümlich muthet an, wenn in der höhlung eines morschen baumes im walde ein solches heiligenbild unterkunft fand; auch dergleichen scheint stock genannt zu sein, wie das folgende erschlieszen läszt: ein grosse bircken, da ist ein creutz angeschnitten, und unter diesem stock ist ein loch Thurneysser alchymia (1583) 122.

[Bd. 19, Sp. 30]



f) gefangenenstock, schwerer holzblock, der aus zwei hälften gearbeitet, die füsze und hände, seltener den hals eines gefangenen festhielt; ein sicheres gelasz konnte bei seiner benützung entbehrt werden; oft fand er sogar unter freiem himmel aufstellung; stock der gefangenen cippus, catasta, robur Stieler 2161, Dentzler 277a, compes Diefenbach nov. gloss. 104b; ein aus dem ende des 14. jahrh. erhaltener stock in der Göttinger alterthumssammlung (auf ihn bezieht sich wahrscheinlich die notiz: ad structuram to stocken und vangen keller ... item 10 sol. to dem stocke carpentariis Göttinger kämmereirechnung von 1394 bl. 22b).
α) mit rücksicht auf die halbliegende, halbsitzende stellung des gefangenen: einen in stock legen Frisius 197a (223a), Maaler 389c; stock, darein man einen mit dem halss und füssen gefangen legt ebenda; in den stock legen umb die schuld Terenz (1499) 125a; als wann ein richter ein in stock legt, so ist er allein sein artzt: wann, der stock ist sein, und der schlüssel sein, er mag aufthun Paracelsus opera 1, 2 A (Musäus volksmärchen 1, 66); genauer: (er) warff sy in das innerste gefengknuss, und legt jre füss inn den stock Zürcher bibel (1531) apostelgesch. 16; so auch bei Luther 6, 312, 24; vgl. du hast meinen fus in stock gelegt, und hast acht auff alle meine pfadte, und sihest auff die fusstapffen meiner füsse Hiob 13, 27 (vgl. auch Liscow 355);

ir trabanten, nembt gfencklich an
Gerhart, den jungen reuttersmann,
und legt ihn in den kercker ein!
schliest in den stock die füsse sein!
Hans Sachs 16, 119 Keller-Götze.

entsprechend: der einem, der in dem stock gevangen lit, mit schönen kleidern die gefangen bain bedecket Suso 484; aber nichts destoweniger ist der gefangen im stockh gelegen Thomas von Absberg 22;

tieff unden ich erplicket
ein kercker, fest beschlagen
mit eysen, darinn lagen
in eynem stock vier weyb
Hans Sachs 3, 274, 7 Keller.

auch: hat er des geltes niht, so sol er ainen tac und ain naht sitzen bei dem stocke Nürnberger polizeiordnungen 38 (63); desshalben stellten wir ihn zur rede, und satzten ihn in den stock medizin. maulaffe 644; auch alte genossen kränkten ihn (den ritter), sie hatten ihm bauern geschlagen und gepfändet, knechte in den stock gesetzt, und seine reiterehre heischte rache Freytag 18, 302. die beiden hälften des stockes werden zusammengeschlagen und liegen dann mittels der zapfen fest aufeinander; deshalb (einen) in den stock schlagen Gueintz rechtschreibung 64; allgem. deutsche bibliothek 2, 2, 101; in den stock schlahen compedire, mit fussbanden compedibus Diefenbach glossar 137a, vgl. ndl. in den stock slaen of in den veeter setten compedire (wörterbuch von 1500) nov. gloss. 104b;

wir nemen in kue, gaisz und pock
und wollen sie schlahen in die stock fastnachtspiele 195, 1;

dann denckt jhr an die flöhfall nicht,
die sie heut haben zgericht ...
oder an eisen, schwere plöck
da sie euch schlgen in die stöck
Fischart flöhhaz 36;

ergriffen ihn die schergen,
sie schlugen ihn in stock
Arnim 13, 314 (wunderhorn);

nur die hände sind gefesselt in einem hoch gestellten stock (besonders beim stäupen): der kerl, der sperlingsnester holen zu wollen scheint, steht ... im stock des stockhauses Lichtenberg erklärung der Hogarthischen kupferstiche 2, 243; — (ein mit nur einer hand in den stock geschlossener, sonst mit ketten gefessellter gefangener wird dargestellt im mittelalterlichen hausbuch taf. 6); die hände des gefangenen werden mit einem strick besonders gefesselt: waʒ pöser puben gefangen wurden, ... liess man herdurch in dem stock mit gepunden henden städtechron. 2, 267; auch anschmiedung an den stock Haller restauration der staatswissenschaft 1, 198; vgl. auch noch keichenstock (th. 5 sp. 439) und unten zwingstock; zuletzt wie kamest du aus dem gefängnisz? ich zog die füsse aus

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dem stock, und flohe zum fenster hinaus Widmann Fausts leben 279.
sprüchwörtlich: ist besser teidingen ausser denn ym stock Luther sprichwörtersammlung 200; ja, gnädiger herr, ausser dem stock ist besser handeln! 5, 31 Weim. d. h. armer gefangener mann kann seine sache schlecht führen, seines vortheils nicht recht wahrnehmen; dagegen den dieb im stock tröstet der gestohlene (und verheimlichte) beutel:

in senen tröstet mich mein lieb,
als der pewtel ym stock den dieb
Clara Hätzlerin liederbuch 72.


β) stock und stein in der gerichtlichen landschaft, schon von Haltaus gefaszt als 'signum juris dictionis criminalis'; der gefangenen stock neben dem stark erhöhten stein, auf welchem der richter sitzend den hinrichtungen beiwohnt, sodasz er auch über das herandrängende volk hinweg gesehen werden konnte, ein bedeutender ausdruck mittelalterlicher rechtsplastik (s. auch oben staffelstein th. 10, 2 sp. 528): zu dem ersten so sprichet men eime appete von Ebersheimmunster twing und ban, stoc und stein, und einen frigen hof mit allem sime begriffe weisthümer 1, 673 (Grussenheim von 1320) und deutlicher: unde swa der abbet het twinc unde ban, unde stoc unde stein in den dorfern, da sol der abbet sezzen einen wissenhaften schultheissen unde einen buttel, unde sullent die dis gerihtes phlegen 1, 669 (Ebersheimmünster von 1320); und sol dirre hof han zweine staffelsteine unde einen stok, von zweien kunigen, die heissent beide Ludewige, unde von eime herzogen, der hies Etheche, also das weder keiser, noch kunig, noch lantgrave dikein gerihte hinne haben sol, der abbet der lade si danne har in 1, 667 (ebendort). vgl. die gegen 1220 geschriebene notiz im güterverzeichnisz des Benedictinerklosters Ruprechtsberg bei Bingen: an drin stucken under demo staffelsteine Beyer mittelrhein. urkundenbuch 2, 386, wo zugleich deutlich wird, dasz der lasterstein (th. 6 sp. 263) hier nicht herangezogen werden darf, ein niedriger steinsitz mit ketten, um einen missethäter anzuschlieszen. — (stock und stein als grenzbezeichnung s. im folgenden.)
γ) mit entsprechenden begriffen verbunden: zu stok und blok bringen incarcerare Schottel 784;

ettwan tht man si weiter fragen,
würfft si inn thürn zu mancher fart
und martert si durch schatzung hart,
sitzen inn stöck und blöcken krumb welschgattung 887;

dasselbig ist aber nichts anders dann ein Fulcanischer anbosz, darauff der teuffel solche böse gifftige pfeyl schmidet; die bösen nachretigen leut aber seint solche seine pfeyl, darwider die herren zur gegenwör brauchen sollen schwert, thurn, stöck, plöck und anders, dasz sie gt fug und recht haben Montanus schwankbücher 35; in stock und eisen schlahen Mathesius Sarepta 214b; die allmacht des eisens und stocks J. v. Müller werke 1, 540;

die morschen glieder hangen
zerkwetscht von schraub und stock, von marck und kräfften leer
Lohenstein Epicharis 77;

zwischen den zw seulen stnd ein lediger stock oder fessel mit zw ketten Nas antipap. eins und hundert 1, 75a;

ein jeder stümper schraubt bey dieses tages schein
die syllben, als tyrann, in stock und fessel ein
Triller poet. betrachtungen 2, 259;

auch:

dafern bewuste zwey sich zu der that bequemen,
soll, eh der abendstern wird aus der see aufstehn,
der könig frey von angst und stock und band entgehn
Andr. Gryphius 1, 287;

hatschiere, auf! legt ihn in ring und stock
Kind gedichte 2, 77.

zu der folgenden verallgemeinerung leitet schon hinüber: das er myr aber zum stock, kercker, wasser und fewr beutet, kan ich armer bruder nit wegeren Luther 1, 391 Weim.; dieser grund wil eben das der vorige, das Christus sey ym hymel als ym kercker und stock gefangen 26, 437 Weim.; die armen ... verlassen werden und gesundert von den reichen, als so man einen in den stock oder kercker leget Paracelsus opera 1, 311 C — das wir in den stocken unde tornen als phe gemartelt werden

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Wigand Gerstenberg chroniken 114; und wie der römische radherr Cato sprach: schlechte diebe ligen ynn thormen und stocken, aber offentliche diebe gehen ynn gold und seyden Luther 15, 313 Weim.; der Christen fiess (wurden) noch vol frischer wunden in die stöck und gwelb eingeschlossen Hedio chronicon germanic. M 3b; jhr bemühet euch tag und nacht, unsere hellische gefengnis und stöcke zu erfüllen Flacius Lucifers sendbrief (1550) D 1b; und mehr auf das bayrische sprachgebiet eingeschränkt: wo dann ainer ain straff oder puss an gelt ye nit vermöcht, ... der söll etlich tag mit lyferung wasser und brot, nach gestalt seiner verbrechung im stogkh oder in der keichen gestrafft werden Lori baierisches bergrecht 221 (v. j. 1532), vgl. DWB keuchen, eyn stock carcer Diefenbach gloss. 100a und keiche f. (th. 5 sp. 434). — ungewöhnlich ist die verbindung mit staub (s. DWB staub II 4 th. 10, 2 sp. 1081):

der purpur ist entzwey, der scepter gantz zustücket;
als man uns von dem thron in staub und stock gedrücket
A. Gryphius 1, 159.


δ) stock behält dann besonders in der jüngeren sprache, nachdem die sache schon verschwunden war, den allgemeinen sinn von 'gefängnisz', wobei die zuletzt angeführten verbindungen den vorgang gewisz beförderten: ein stock, ein gefängniss Gottsched deutsche sprachkunst 105; die frau meines collegen war wenige stunden vorher in den stock abgeführt Hoffmann von Fallersleben schriften 7, 212 (vgl. DWB da führet man etliche zu stocke, kompt für die obrigkeit, folget straff theatrum diabolorum 1, 182b); wenn du dich noch einmal unterstehst, schurke, so ehrenrührig von meiner frau zu träumen, so lasse ich dich in den stock sperren, wo dir alles schlafen und träumen vergehen soll Raupach dram. werke kom. gattung 1, 19; wer besonders rege theilnahme an den schandthaten der bande ... durch vorlautes geschrei kund giebt, der brummt mir nächsten tages vierundzwanzig stunden im stock, so wahr ich amtmann bin Holtei erz. schriften 35, 145; wollen sie herrn Bratzky sprechen, so müssen sie sich nach der stadt bemühen, er sitzt im stock Freytag 5, 15;

in meiner brust war eine art von kampf,
der mich nicht schlafen liess; mich dünkt', ich läge
noch schlimmer als im stock die meuter Shakespeare 3, 339 (Hamlet 5, 2).

für entsprechende ältere belege musz aber die durchgeführte begriffserweiterung mehr zweifelhaft bleiben: der pfleger nimpt den pfaffen und wirfft in in stock und fragt den pfaffen, ob er noch so böse sey, und strafft in hart Lindener Katzipori 69; ihr habt mich geschimpft und davor müst ihr drey tage im stocke pernoctiren Stoppe Parnasz 526; auch (bildlich): unde den de gebunden synt, doit he (Christus) den stock vp, dat ys, he löset unde maket fry, unde dat gelick Rotmann restitution 36 neudr.; der selbe jude wart von dem forsten dem jungen hern gefangen und umme syne schalkeit vorhort und so sere geworget, das her starp jn deme stocke Stolle thüringische chronik 42.
ε) im vergleich:

wan sie sas in dem rock
gleich wie in ainem stock
gefangen und ellent
Hans Sachs 22, 442 Keller-Götze;

bahnt sich vereinzelte bildliche verwendung an: er hab wider solche gefenknuss und stöcke der gewissen, von der christen freyheit geschriben Nas antipap. eins und hundert 3, 224b; die füsse unserer wissenheit liegen in dem stock der zeit und des raums Claudius 6, 79.
g) wohl als eine übertragung des vorigen ist unter den folterwerkzeugen noch besonders zu nennen der daumenstock (th. 2 sp. 853) an stelle von daumenschraube (sp. 852) — auch in der jägersprache wird das schwere mit stacheln versehene eichene brett der maulwurfsfalle stock genannt: wer eine maulwurfsfalle will verfertigen, der muss wissen, dass derselben zwey vornehmste stücke seyen, nemlich ... der stock, und zum andern der bock Hohberg 3, 373a; dagegen wird der ruhrstock, welcher den lockvogel des vogelstellers festhält (th. 8 sp. 1473), soviel begriffliche ähnlichkeit er auch mit unserm geräthe hat, als 'baculus fissus' mehr oben zu stock 3 gehören.

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h) selten der beinklotz der gefangenen, welcher eine wenn auch beschränkte fortbewegung ermöglicht (gewöhnlich dafür klotz s. th. 5 sp. 1251 unter 4 b): da brachten sie yhn ynn eynes mans haus ... und wolten yhm eynen stock mit eysern ketten angehenget haben, aber der hausvater hatte mitleyden Luther 18, 238 Weim.
i) stock als grenzbezeichnung: eyn blok, eyn dene stok, eyn landscheydunge cippus Diefenbach nov. gloss. 91b (nd. gloss. von 1417); die unten zu besprechende wendung stocken und steinen spricht für die vermuthung, dasz nicht in der erde gebliebene wurzel stöcke (s. oben 1stock m. 1) hier als grenzzeichen zunächst in frage kommen, sondern zugehauene und mit zeichen versehene klötze, welche in die erde eingelassen wurden. der stock wird dadurch vom malbaum (th. 6 sp. 1499), der lache (sp. 14) oder dem lachbaum (sp. 11) stärker geschieden und ist eine begriffliche entsprechung zum grenz stein (s. oben); besonders in der verbindung stock und stein markzeichen von holz und von stein (Schmeller2 2, 729): stock, stein, rein mon. boic. 25, 429; mit allen den rechten, nutzen und ern und zuogehorung, eʒ sey aker oder wismat, gewapn oder ungewapn, pesucht oder unpesucht, stokch und stain, weg, waʒʒer und gemain ainfart und auʒfart urk. von 1398 bei Lexer kärnt. wörterb. 242; mit aussfart und infart, mit wasser, stock und stain urk. von 1429 ebenda; so eyn armer in den wald fert, so derselbe haut, so ruft er, so er leth, so beyt er, so er fert, so fleucht er, kompt dan der forster und brengt eyn wartzeichen von stock und von stain und haut in den wagen, ee her in hoff kompt, so sal er im eyn pfant geben weisthümer 3, 542 (Wartmansrode o. j.); auch ist nicht unmöglich, dasz die geheimniszvolle losung der fehme stock und stein neben gras und grein von hier ihren ausgang nimmt (doch hat das weisthum des Arnsberger oberfreistuhls von 1490 strick, stein, gras, grein Wigand das fehmgericht Westfalens2 202; 406) — stock und boden als rechtliche formel in dem sinne von grund und boden, hier eine begriffliche verstärkung von boden nach der seite des rechtes, eigentlich der fest eingegrenzte boden(besitz): wann ünser herr der kayser zuo der plaich stock und podem und behausung gefreyt hat, swer darüber an der plaich und auʒ der freyung v pfenning wert stilt, der hat daʒ leben verloren an alles übersagen stadtrecht von München 146 (378), doch vergl. unter 5 e.
k) in handwerk und technik:
α) der hutstock (th. 4, 2 sp. 1994), ein aus mehreren stücken zusammensetzbarer klotz, welcher dem hut seine form gibt: den hut übern stock schlagen instaurare pileum Stieler 2162; ich kan ihn (meinen neuen hut) nur zum chapeau bas gehen brauchen, aber auf den kopf kan ich ihn nicht bringen und über den stock schlagen will ich ihn nicht lassen G. Chr. Lichtenberg briefe 1, 29;

der erbe trägt ihn (den hut) in sein haus,
und sieht, er ist sehr abgetragen;
er sinnt und sinnt das kunststück aus,
ihn über einen stock zu schlagen
Gellert 1, 45.

ähnlichen zwecken dient der haubenstock der frau (th. 4, 2 sp. 567) und der perückenstock (th. 7 sp. 1570): (in scherzhafter übertragung auf den menschlichen kopf:)

mit des hauptes locke,
die auch weissliches geflock
trägt auf dunklem stocke
Rückert 2, 16.


β) der amboszstock (th. 1 sp. 277) oder schmiedstock (schmidstock acmotheton Frisius 25a, schon ahd. smitstok cudo Graff 6, 630), der grosze klotz, worin der ambosz eingelassen ist (schon im broncezeitlichen pfahlbau Möringen fand sich ein solcher klotz mit einem zu schmiedezwecken darin eingelassenen harten kieselstein) vgl. auch M. Heyne handwerk 21: allda zuckt er grimmig ainen schweren grossen ampass, setzte jn auf ain stock Schaidenraisser Odyssea 32b;

(Vulcan) den ambaysz in ein stock einschlug
Spreng Ilias 264a.

erwähnung mag hier auch finden der haustock (th. 4, 2 sp. 693), klotz, auf welchem holz zerkleinert wird ( Adelung).
γ) der prägstock in der münze (th. 7 sp. 2057) der holzblock, in welchem der (untere) stempel (das prägeisen

[Bd. 19, Sp. 34]


sp. 2055) befestigt ist: der stock, darauf das blicksilber zerschlagen wirdt Ercker mineralertz 1580; zuletzt so legt man das silber des königs oder fürsten oder gewercken der schichtmeister auf den stock, und hawt ausz ... zwey stücklin Agricola-Bech bergwerckbuch 401; unde wanne me nigge penninge sleyd in unseme lande, de schal men varen unde kesen vor deme stocke, dar men de sleyd Göttinger urkundenbuch 1, 301 (v. j. 1382). — dann ist der stock auch das prägeisen selbst und musz seinerseits wieder in eine unterlage eingelassen werden, vgl. Luschin von Ebengreuth münzkunde 70. — ähnlich der arbeitsstock der petschaftstecher, ein hohler cylinder, worin das petschaft während des gravierens befestigt wird ( Adelung). — auch der stock bei den zinngieszern ist ein kleiner klotz, worauf der zinngusz während der arbeit des abdrehens befestigt ist.hierher gehört auch der kittstock (th. 5 sp. 867) der goldschmiede, glasarbeiter und steinschneider.
δ) nur zweifelhaften zusammenhang mit dem vorigen prägstock hat der stock der buchdrucker, die in holz oder metall geschnittene verzierung, welche die einzelnen buchabschnitte bezeichnet; nach Klenz (druckersprache) nimmt der ausdruck seinen anlasz vom holzstock (s. th. 4, 2 sp. 1782 unter 2), und noch Adelung bemerkt, dasz nur die in blei oder messing geschnittene verzierung so bezeichnet werde, nicht aber die in kupfer gestochene; doch sein beschränkter gebrauch bleibt auffällig, und so hat die zusammenstellung mit der allerdings erst um die mitte des 18. jahrh. zu belegenden franz. vignette (von vigne wein- stock, eigentlich das rankenwerk dieser zierschnitte bezeichnend) sachlich und sprachlich gleich viel für sich, ohne doch die sache gegen den holzstock völlig zur entscheidung zu bringen, besonders im hinblick auf die wendung den stock schneiden: die stöcke in oberzehlten wehren als schwerdt, dusacken, ... (sind) in holtz zu schneiden Sutorius fechtbuch (1612) M 3b; dass der anfangsbuchstabe in einem zierlich geschnittenen stocke stehen muss, versteht sich von selbst Rabener 1, 156 (Schwabe belustigungen 1, 213); von demselben künstler, der die beiden ersten copien verfertigt und die stöcke geschnitten Göthe IV 31, 127 Weim. — das wort eingang steht nur hier, dass der buchdrucker einen schönen stock mehr anbringt, sonst wüsste man doch, dass am anfange jederzeit der eingang ist Mayr päckchen satiren 55; leider konnt ich von unserm geschickten holzschneider nur die paar stöcke erhalten Göthe IV 27, 67 Weim.; der stock und die buchstaben (für den propyläendruck) IV 14, 19 Weim.; (ich) ersuche sie aber mir anzuzeigen, wie ich die kupferplatten und den stock zur decke am besten übersenden kann IV 13, 211 Weim.; s. auch buchdruckerstock (th. 2 sp. 469). — auch der buchbinder benutzt den stock, einen stempel von messing, um verzierungen in den buchrücken hineinzupressen Jacobsson 7, 456b. — eine erweiterung in dem sinne von buchdruckerpresse (th. 2 sp. 469) scheint vorzuliegen: der vierte band ... ist erst zu neujahr ... unter die presse gelegt worden, und es ist unmöglich, dass er ... schon glatt und blank aus dem stocke hervorgeht Görres briefe 3, 587.
ε) im musikalischen instrumentenbau besonders der pfeifenstock (th. 7 sp. 1652), das schmale, aber dicke brett, worin die orgelpfeifen stecken (vgl. auch oben stiefelstock): wem beliebet, der mache ihm eine kleine probirlade, ohngefähr von ein canzellen 6 biss 10 nach belieben, theils grosse, theils kleine, und dergestalt mit stöcken versehen, dass man gross und klein pfeiff- so wohl rohr- als flötwerk darauf setzen könne Bendeler organopoeia C 2b; die windladen bestehen aus dreien stücken: aus der unterlade, aus den registern, und aus den sogenannten stöcken, darauf das pfeiffenwerk zu stehen kömmt Mattheson vollkommener capellmeister 460; auf die register (der orgel) aber werden die stöcke, welche bey andern auch blöcher oder klötze heissen, mit schrauben befestigt ebenda; genauer heiszt er der windstock (pinax Stieler 2161). — auch sonst in dieser sphäre, so als bezeichnung für den lautenhals (s. th. 6 sp. 377): seine instrumente sind von mittelmässigem stock fast vor jedermanns faust Baron instrument der lauten (1727) 97. — in der sprache der clavierbauer; vgl.: unter den

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rührstöcken verstehen wir die langen gekrümten höltzgen auf den clavichordien, so wol, als die springstöcke auf den spinetten, ... sonst tangenten geheissen Mattheson kleine generalbasschule (1735) 73, wo aber die herleitung von 1stock 3 sich mehr empfiehlt. zu 1stock 1 stellt sich aber im clavier der stimmstock (s. oben), in welchem die wirbel zum stimmen der saiten befestigt sind.
ζ) stock, das kurze dicke holz, worin die wagenwinde sich bewegt Adelung. ähnlich als theil einer geschützausrüstung: item ein wagen mit vier pferden zum haspel, zum stok, zum krieg und zu den sayln städtechron. 1, 177; vgl. auch unten stockwinde f.auch die bewegliche säule an der drechselbank heiszt der stock (s. auch reitstock th. 8 sp. 790).
η) der lichtstock (th. 6 sp. 892 unter 3), ursprünglich aus einem holzklotz (s. oben 1stock 1) gemäsz altheimischer kunstübung gedrechselt: eine klotzartige säule, welche in der oberen aushöhlung den rund geformten brennapf (wie ihn Mor. Heyne hausalterth. 1, 61 aus den beständen der Göttinger alterthumssammlung abgebildet hat) aufnahm; wie denn auch noch später der ölkrüsel ähnlich aufgestellt werden konnte:

odá suech dár an stock
und stöll's öhlpfándel dráf
Stelzhamer dichtungen 1, 19.

vgl. DWB uns gebürt allein das wort zu predigen, und das liecht uff den stock zu setzen, das es scheine und leuchte O. Brunfels zum evangelischen anstosz D 4a. — auch als der kerzenstock (th. 5 sp. 618) den antiken candelaber ersetzen muszte, wird für den wortgebrauch der einflusz von stock 3 nur gering anzuschlagen sein (trotz der entsprechenden ags. glosse candelabrum: candelstäf Wright-Wülcker 1, 326, 30): das werck der VI rör war gleich: die do fúrgiengen von dem stock des kertzstals erste deutsche bibel 3, 350; wohl neben dem feuerblock, welcher in der asche des herdes die gluth hält:

würff auch benck, stöck, und plöcher umb,
des morgens dann der haussherr kumb,
und stell ein jedes an die statt,
da es dein grobheit funden hat
Scheit Grobianus 3878 neudr.

so heiszt denn auch der föhrenklotz, aus welchem die lichtspäne gehauen werden, lichtstock (Schmeller2 1, 1430). — auch die klotzförmig aufgerollte wachskerze, der wachsstock (th. 13, 1 sp. 146 unter 1) behält die nächste beziehung zu stock 1.
5) im übertragenen sinne in mannigfacher verwendung:
a) der stock des gebirges (s. auch gebirgsstock th. 4, 1, 1 sp. 1787), der hauptzug des gebirges, von dem sich die seitenerhebungen 'abzweigen' (wie die äste eines pflanzen- stocks), gewisz in anlehnung an oben 2: es ist eben der stock von bergen, der in einemfort vom Genfersee bis auf den Gotthard läuft Göthe 16, 264; die ... Aboriginer ... im stocke des Apennin, waren aus Achaja herüber gekommen K. O. Müller Etrusker 1, 5. eine begriffliche verstärkung zeigt der hauptstock (oder auch hauptgebirgsstock) vgl. Cannabich lehrbuch der geographie (1825) 555 und die pflanzliche entsprechung th. 4, 2 sp. 633 unter 1. — dagegen stock 1 musz vorgeschwebt haben, wenn auch der gebirgsknoten (s. Wagner lehrbuch6 322) besonders in der Schweiz als stock bezeichnet wird: bey geringerer gebirgshöhe sind die formen durchaus mehr gerundet, die gipfel kuppen- und glockenförmig, und werden köpfe, koppen, stöcke, belchen genannt Oken 1, 549; bergnamen wie Blankenstock, Eckstock, Ortstock gehören hierher.
b) in bergmännischer sprache der erzgang; hierfür an das vorige anzuknüpfen, wird kaum nahe gelegt, vielmehr entstammt wahrscheinlich der gebrauch dem unterirdischen weltbilde der bergleute, welche den mit erzen gefüllten gang gleichsam wie einen von den berggeistern angesammelten schatzstock (oben 4 c) ausräumen, wozu auch die geschichte von kobalt (th. 5 sp. 1537) und nickel (th. 7 sp. 735 unter 3 e) zu vergleichen ist, deren namen, von den arbeitenden bergleuten ausgesprochen eine bannende wirkung auf das sonst entrückte gute metall haben sollten. neben dem unordentlichen geschütte (s. th. 4, 1, 2 sp. 3975 unter 5): ein anderer (gang) aber, der sich in die lenge und breite gezogen hat, nimmet ein grossen theil des orths eyn, welchen ich pfleg ein geschütte oder stock zu nennen,

[Bd. 19, Sp. 36]


dann es ist nichts anders, dann ein ort, das mit etwas deren dingen, die auss der erden gehawen, uberschüttet wirdt Agricola-Bech bergwerckbuch (1621) 34. von dem gang (th. 4, 1, 1 sp. 1228) wird unser wort begrifflich unterschieden: stöcke nennt man zum unterschiede von schichten oder gängen oder bänken, kleine unregelmässige massen eines gesteins, welche von einem andern, der masse nach weit überwiegendem, rings umschlossen sind Rossmässler der mensch im spiegel der natur 2, 157, warum sich denn der sonst so naheliegende ausgang vom adernstock (s. unten) nicht empfiehlt, wenn er auch späterhin gewisz auf unsern fall gewirkt hat, so in der collectivbildung das gestöcke (th. 4, 1, 2, sp. 4242 unter 2) entsprechend dem geäder (th. 4, 1, 1 sp. 1630 unter 6 a); in verstümmelter form: zu letzt so theilen die bergmeister in viel und mancherley massen ein geschütte oder stöck Agricola-Bech bergwerckbuch (1621) 64. — neben nest (th. 7 sp. 624 unter 3 e) und niere (sp. 832 unter 5 b), die zugleich auch das zusammenschieszen der beiden verschiedenen bildbegriffe veranschaulichen: neben dem aber ... ist zu mercken, das unsere bergwerck sonderlich auch deshalben gelobet werden, das man alhier ... mehr gediegens und lauters silbers, und in grossen stocken, nesten oder nieren beisammen angetroffen und gehawen, als auf allen andern bergstedten, davon man jrgendt wissen hat P. Albinus meissnische bergkchronica (1590) 126neben gang (s. oben): viel geschb und fletz, so die sündflut von gengen und stöcken abgestossen, und inn die gründe geflöst und uber einander geschoben hat Mathesius Sarepta 2b; in grösseren und kleineren gängen und stöcken, im granit, gneis, glimmerschiefer, thonschiefer, kalkstein (findet sich der gemeine serpentin) Oken 1, 222. als redensart ein gestein bricht in stöcken, wird stockweise angetroffen (vgl. DWB brechen I 27 th. 2 sp. 346): selten bricht es (das silber) in stöcken Mathesius Sarepta 63a.
c) heustock (th. 4, 2 sp. 1294), heuhaufen, heuschober, von der form eines groszen klotzes (s. oben 1), ganz entsprechend schwed. stock 'haufen': dass manches futter entweder auf der wiesen halb verfaulet, oder wanns ja noch in den heustadel geführet worden, im stock erbittert und verschimmelt Hohberg 3, 4b; wenn ein stock heu, der ein klafter breit, 2 klafter lang, und ein klafter hoch ist, 200 fl. 40 kr. kostet; wieviel wird ein stock, der 2 klafter breit, 3 lang und 2 klafter hoch ist, kosten? Pestalozzi 14, 283; jetzt gehe es ihm mit dem gelde, wie mit einem selbstgemachten gutgelegenen stock heu; wie man davon nehme, so scheine es einem, er würde nicht geringer Gotthelf 2, 84; der in der niedergebrannten scheune stehende und rauchende stock von heu konnte zwar nicht gelöscht werden Stifter 5, 1, 333 (vgl. hierzu auch unten 2stock n. m. in der einleitung). zu erwähnen sind hier noch zusammensetzungen wie elsäss. fueterstock aufgeschichtetes futter; garbenstock garbenhaufen in der scheune; gerstenstock aufgeschichtete gerste in bansen; kleestock kleehaufen Martin-Lienhart 2, 586.
d) eierstock (th. 3 sp. 87): der hette ein hennen, die jhm alle tag ein güldens ay legete, da gedacht der geytzig hundt, ey es wirt ein grosser schatz in jhr sein, sie wirdt einen gar lauteren güldenen ayerstock haben, gedacht derhalben auf einmal reich z werden, und erwürgt die henne, und nam den stock aus Nas antipap. eins und hundert 4, 361b. — der eiterstock, die feste eitermasse als kern eines geschwürs (s. th. 3 sp. 393) Adelung; ebenso der stock eines bandwurmes, sein kopfende und eigentlicher sitz, von wo aus er sich immer neu erzeugt (bildlich): die menschlichen gebrechen sind rechte bandwürmer, man reist wohl einmal ein stück los und der stock bleibt immer sizzen Göthe III 1, 118 Weim.; in allen diesen fällen ist die anlehnung an stock 2 deutlich, wie auch bei dem stock einer ader (verzweigung), der hauptader, welche aus dem geäder am stärksten hervortritt Uffenbach neues roszbuch 1, 130. — auch der stock der korallen, die organische vereinigung der einzelthiere.
e) der 'häuserblock', die von straszen und gassen umschlossene häusermasse: auch sol man zwischen den husern gassen machen, also, das allweg siben heuser einen stock geben Dürer befestigung der stett E 3a; die stadt Einbeck brandte gar aus, dasz nicht ein stock denn

[Bd. 19, Sp. 37]


die kirchen stehen blieb Grote geschichte von Northeim 115. gegen halbe 8 uhr (hat) ... der prälat das wunderbarliche ... um den nächst angelegenen gassenstock herumgetragen. festkalender bei Birlinger schwäb. augsburgisches wörterbuch 412a. dann auch der im stadtgrundrisz dafür vorgesehene grund und boden (Schmeller2 2, 729): an disen gassen (der königsburg) enden die stöck oder pletz, darauf die heuser gesetzt werden Dürer befestigung der stett D 3b. — noch begrifflich erweitert: spazierwege um den stock, d. h. um die stadt herum Birlinger schwäb. augsburgisches wörterbuch 412a.
f) unsinnlicher, ein capital im gegensatz zu seinen zinsen, aber doch auf lebendiger anschauung beruhend mit benutzung des bildes vom wurzel stock, welcher selbst fest im boden, nun immer neue schöszlinge treibt; das simplex ist aber bei uns besonders durch das engl. (auch schwed. und ndl.) stock in aufnahme gekommen, vgl. z. b. den indischen stock, das grundcapital der englisch-ostindischen compagnie (Jacobsson 7, 456b; dann auch als bezeichnung der einzelnen für ein solches bei einer bank oder sonst einzuzahlendes grundcapital gezeichneten actie; der plural entsprechend engl. stocks: er hat drey röcke an; denn in jenen ... zeiten standen rock und weste noch al pari, so wie die stocks Lichtenberg erklärung der Hogarthischen kupferstiche 4, 275); die aufforderung der lords, einen hinreichenden stock für die erhaltung der armee zu bilden Ranke werke 16, 144; vgl. noch den entsprechenden gebrauch von stamm (th. 10, 2 sp. 643 unter II 4 d), dazu stammkapital (sp. 665). während bei uns auch die neuere sprache die verstärkende zusammensetzung grundstock (s. oben) vorzieht (zugleich eine übersetzung von fond, fonds, eigentlich das grundvermögen, vermögen, welches in grund und boden angelegt ist): es giebt leute, die ein ererbtes gut und vermögen besitzen, und ihr leben zubringen mit der beschäftigung, die einkünfte davon zu geniessen, und den stock zu erhalten Abbt verm. werke 6, 1, 286; es war wirklich ansehnlich — das erste gold, das ich, zum grund des künftigen stocks, auf zinsen legte Klinger werke 9, 147; es wäre so richtig gewesen, dass man einen stock gesammelt hätte, der nur im höchsten nothfalle angegriffen worden wäre Gervinus in dem briefwechsel zw. Jac. u. Wilh. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 2, 165; dass wir zwanzig jahr die unbill ungerächt hinnehmen mussten, dadurch ist der zins zum stock worden Alexis Roland von Berlin 2, 185; es hatte sie nur gereizt, ihrem bruder für die hundert thaler auch einmal etwas auf den stock zu thun Storm 6, 36;

die zinsen nahn dem stock von allen wegen
Rückert gedichte 2, 237;

beim kartenspiel entspricht stock, der in der mitte liegende kartenhaufen, von welchem die einzelnen spieler ihren bestand ergänzen Adelung (ganz wie ndl. stock Verwijs-Verdam 7, 2182 unter 15). — (bildlich:) wir (financiers) machen die person deiner (des sultans) unterthanen ... zu einem lebendigen stocke des gewinstes für dich Klinger werke 10, 150.
g) auch sonst grundbestand, grund stock, stamm (II 4 th. 10, 2 sp. 643): man weisz dasz die beiden Zaluski, bischöfe, den stock dieser büchersammlung der republik schenkten Chr. Fr. Schulz reise eines Livländers (1795) 4, 42; ein stock vieh, der zu einem grundstück gehörige viehbestand Adelung (entsprechend engl. stock). — der stock einer armee: wenn wir nur erst den stock einer armee ... hätten! Ruge briefwechsel und tagebuchbl. 2, 90; auch der alte stock, die mannschaft des älteren jahrgangs; ähnlich: auch fehlte ihr (der neuen stadt) die population; als stock der bevölkerung wurden in ihr 7000 ... sclaven angesiedelt Ritter erdkunde 8, 282; ein kleiner stock geistlicher herren (war) in diesem vorderen, älteren hause an der spitze der abtei herrschend geblieben Laube 2, 154; sogar: jener altstadt ist der eigentliche stock der bürgerstadt ... treu geblieben Görres briefe 1, 163.
h) als grundbestand von erfahrungen, gedanken, glaubenssätzen, so in deutlicher anlehnung an f: sie (die menschen) geben gewöhnlich eben das von ihrem eignen stock im voraus aus, was zum rechten gebrauch das nöthigste und beste wäre. was sie aber dafür gegeben haben,

[Bd. 19, Sp. 38]


kann mann, da der eigne stock des menschen aus vielerley besteht, nur dann erfahren, wenn sie es uns praktisch zeigen Klinger werke 12, 70; wenn ich den stock des menschlichen denkens und wissens betrachte, so deucht mich beynahe, der grosse denker über uns hat ursache, damit zufrieden zu seyn, wie wir seine mitgabe angewandt haben 12, 52; (die figur des Faust) ward eine schatzkammer, in der die bewegenden zeitideen ... sich niederlegen und wuchern können, bis sie, zu einem ganz veränderten stock geworden, eine neue anlage bedingen Gervinus gesch. der deutschen dichtung 5, 122; sogar ganz wie der englische stock als öffentliche capitalsammlung durch einzahlung von actien gedacht: aber auch die philosophen selbst werden in zukunft nicht ermangeln ... ihren antheil zum allgemeinen stock der von ihnen bescholtenen sache beyzutragen Klinger werke 12, 121; in anlehnung an oben g: wodurch sowohl die hausandacht ungezwungener, als die kirchenandacht feierlicher geworden wäre, während jetzt der ganze stock unserer hymnen zu planverständlich ist, um feierlich-kirchlich zu sein Gervinus geschichte der deutschen dichtung 3, 27; (die frauenlitteratur) konnte nur die schönen formen nachahmen, die materien musste sie immer aus dem stocke der männerliteratur hernehmen 5, 329; sogar: (die poeten,) die sich von dem stock der schlesischen dichtung zuerst loslösten 3, 464; versuche, die sphäre der zu grunde liegenden anschauung mehr herauszuarbeiten: wie dan das wort himmel in der natursprache seinen eigentlichen scharffen verstand hat vom durchdringen und eingehen, und dan mit der wurtzel bleiben im stock der ewigkeit sitzen, darinnen recht die allmacht verstanden wird Jak. Böhme schriften 3, 324; auch in dem nebeneinander von stock und stamm (II 4): ja man kann wohl mit grund annehmen, dass die thyatirische gemeinde stock und stamm der philadelphischen ist, und vermuthlich noch mehr werden wird Jung-Stilling 3, 85; es (das erste motiv) ist ... in vielfachem wechsel der stamm und stock des ganzen satzes, aus dessen ... strömung jene anderen motive hervortreten O. Jahn Mozart 1, 472. weniger hilft die zusammenstellung mit kern (th. 5 sp. 597 unter 10): so man ein corpus ansiehet, so siehet man erstlich den stock oder kern aller qualitäten, der aus allen qualitäten gebildet ist Jak. Böhme Aurora 114; so unentbehrlich ist es jedoch ebenfalls, diese krisis zu mildern und die totale zerfliessung zu behindern, damit ein stock übrig bleibe, ein kern, an den die neue masse anschiesze, und in neuen schönen formen sich um ihn her bilde Novalis 2, 152.
6) collectivisch stock contignatio, dasselbe wie unten stockwerk, auch mit gewandeltem geschlecht, doch beruhend auf oben 1, s. unten 2stock n., m.
7) stock als schelte
a) auf dem wege dahin liegt verschiedenartiger gebrauch im vergleich, um das unbewegliche, schwerfällige, fast leblose usw. bei einem menschen sinnfällig zu charakterisieren (vgl. die entsprechende entwicklung von klotz th. 5 sp. 1250 unter 3 und die ausführungen von R. Much wörter und sachen 1, 43): die tochter sagt, fast ubel, denn er ist mir am bett als ntz, als leg ein stock bey mir buch der liebe 296a; besonders stille liegen wie ein stock: so das kind in mutterleib sich nit mehr beweget oder reget, im leib schwerlich ligt wie ein stock Ruff hebammenbuch (1580) 125 (vgl. auch Agyrtas grillenvertreiber 26);

sus lag er stille alsam ein stok,
mit bluote gar berunnen Wigalois 5345.

stille halten wie ein stock: denn sie (die erscheinung der Roxane) ihm wie ein stock still hielte, und hernach widerumb verschwandt volksbuch vom dr. Faust 76 neudr. auch sich stille halten wie ein stock:

da thet ich jhn heimlich entrinnen,
erschrocken und aller verzagt,
sasz ich bald einer kammermagt
in das bräm, so sie hat am rock,
und hült mich stiller dann ein stock
Fischart flöhhaz 8 neudr.

— er nicht mer weste, was er thun oder lassen sölt, sasse als ein stocke Arigo 113, vgl. 479; sie weinte, und ich sasz wie ein stock, gegen donner und regen abgehärtet

[Bd. 19, Sp. 39]


Schubart leben 2, 70 (Polenz Grabenhäger 1, 81). — steif und unbehülflich dastehen wie ein stock ( Campe): von grossem wunder und freuden überwunden er sten beleybe als ein stock Arigo 140; Xemindo fiel neben sie nieder, printz Zarang stund als ein stock Ziegler asiatische Banise 222;

wir sind da gstanden wie ein stock
N. Manuel klagred des armen götzen 145;

warumb habt jhr zum krieg verdrusz,
was steht jhr also wie die stöck?
Spreng Ilias (1610) 44a;

gleich da stehen, wie ein stock vom holtz Paracelsus opera 2, 403; in neuerer sprache auch: kaum habe ich die ersten vier mit mühe fortgeschafft, so kommen zwei andere, und pflanzen sich hin wie stöcke Raupach dram. werke kom. gattung 2, 182.
α) mit dem beisinn des verstummens und sich ausschweigens (vgl. unten stockstill und stockstumm adj.): er ward hiemit also voller schrecken, dass er darob verstummet, und aller sein leib erzittert, stund da wie ein stock buch der liebe 186b (als wir das höreten, stunden wir wie die stöck, waren gantz erstummt 204c); doch weil sie nochmahls als ein stock da stehet, wird der schlusz gemacht, sie habe im hertze ja gesagt Weise politischer redner 783; ich aber muss stehen, als ein stock, und darf kein wort reden Petrasch lustspiele 1, 211; deutlicher: da schweygestu wie ein stock, da zu reden ist, und schwetzist, da nit not zu reden ist Luther 6, 304 Weim.; ich mus ... stille schweigen wie ein stock 18, 495; wenn er nach hause kommt, sitzt er stumm wie ein stock Lenz 1, 30 (hofmeister 2, 6).
β) sich anstellen wie ein stock: das machen aber manche weiber mit jhrer unachtsamkeit und schläfferey, wann sie jhnen das hauszwesen nit angelegen sein lassen, und eben darin sich stellen als ein stock, den die hauszhaltung nichts angienge Moscherosch insomnis cura parentum 75 neudr.
γ) mit einer weiteren bestimmung aus der neuen sphäre: als nun die Samniter das feld geräumt ..., ermunterte Marssfeld ... die Deutschen, dass sie nicht wie todte stöcke sich aufreiben solten Lohenstein Arminius 1, 768a;

ich sagte oder sunge,
daʒ eʒ noch paʒ vernæme ein boc
odr ein ulmiger stoc Parzival 241, 30;

dann es sind etliche menschen also tumm und unverstanden wie die stöck Leo Iud von warem und valschem glouben (1526) F 4a; einer solchen frau gegenüber kalt wie ein stock zu sein! das ist himmelschreiend Kotzebue dramat. spiele 3, 224;

der Omer, dölpisch als ein stock,
und sein weib, liebloss als ein block,
beed träg zu der lieb süssen sachen
Weckherlin 2, 424;

auch ironisch:

der Itzig ist freundlich wie ein stock,
sein schweisz, der stinck, als wie ein bock
Ayrer dramen 99, 20.

d. h. in wahrheit unfreundlich, mürrisch u. dergl.
δ) neben entsprechenden begriffen: aber er ist dumm, wie ein stock, und hartnäckig, wie ein kiesel Weisse lustspiele 3, 310; unser beständiger feind ist der dr. Sch., der von dem ersten buchstaben unsrer schrifften, bis zu dem ende derselben ... keinen eintzigen comma findet, der so viel witz habe, als ein kürbss und ein stock bibliothek älterer schriftwerke der Schweiz II 1, 76;

doch lieb ich gleichwol nicht, so bin ich wie ein scheit,
ein stock und rawes bley
Opitz deutsche poeterei 16 neudr.

neben bild (d. h. der bildseule, s. th. 2 sp. 9 unter 3 und bildstock sp. 21): sie ... den unbeweglichen cörper oft als ein stock und bild stehen liess theatrum amoris 192; blieb er ... stehen, als ein stock und todtes bildt 61. — stock und klotz: (ein handwerksmann,) welcher so bezecht, dass er aller empfindlichkeit beraubet, für ein stock oder klotz dargelegen Harsdörffer frauenzimmergesprechspiele 2, 92 und besonders gerne stock und block: was mgen wyr hie anders sagen, denn das solch menschliche satzunge so offentlich und schendlich widder gottis wort tobend, uns nicht anders denn fur

[Bd. 19, Sp. 40]


stöck und blöche halten, das wyr sollen gleuben, hurerey sey besser denn ehlich leben? Luther 12, 112 Weim.; wer hat kaiser Carl den fünften ... mehr für einen verblenten stock und block gehalten. die catholischen oder die lutherischen? Nas antipap. eins und hundert 3, 8a; er ligt da wie ein stock und block, ohne stimm und bewegung Dannhawer catechismusmilch 4, 221; der leib ohn ein seel ... ist wie ein unbewechlicher stock oder block Aegid. Albertinus hirnschleifer 64. — neben stein:

da sie der hauptman merckt so hart
an sinnen gleich wie stein und stock
H. Sachs 1, 321 Keller.

im folgenden wohl der bildstein (s. th. 2 sp. 21): als weren wir nicht menschen ..., sondern als weren wir stöck und stein Luther 30, 2, 625 Weim.; denn so di bewegligkait menschlichs gemüts hindan gesetzt, so ist alsdann kain unterschid ... zwischen ainem menschen und stock oder stain Schwarzenberg teutsch Cicero 72;

sie stehen da wie stock und stein,
bis sie die stein gezählet ein
Mittler volkslieder 309.


b) das durchgeführte bild bezeichnet einen menschen als derb, roh, rücksichtslos, unempfindlich oder dumm, ganz entsprechend den lat. truncus, caudex, stipes. diese schon durch den allgemeinen sinn unseres wortes der menschlichen spottlust nahe gelegte verwendung empfängt noch ihre besondere nahrung aus seinem schlagwortartigen gebrauch in den kämpfen der reformation durch bezugnahme auf den heiligen bildstock (s. oben 4 e), wozu die ähnliche geschichte von ölgötze th. 7 sp. 1279 unter 1 zu vergleichen ist:

so seh man hie disz schlecht exempel
von den bildhawern, die disz haben
zu Strassburg ghawen und erhaben
im münster vor dreyhundert jahren,
da im schwang römisch miszbräuch waren.
dann da die priester worden stöck,
mussten die stein eh reden keck
Fischart thierbilder 63 Hauffen;

dannocht solich stöck in müssiger zyt hinztretten und uffzehören, verschmahend süssikeit und bittern worten oder ungespräch des priesters Riederer spiegel der waren rhetoric (1493) a 4b; diesem nach wäre es einem gemeinen wesen nicht so schädlich, leute, oder vielmehr stöcke, die keinen gott glaubten ... zu dulden Lohenstein Arminius 2, 277a; wenn man itziger zeit etwas mehr fleiss darauf wendete, so würde man gewiss mehr redner als stöcke auf unsern kanzeln finden Lessing 4, 54; (da) die tendenz der rechtgläubigen kirche immer dahin gieng, den menschen gegen die natur zu waffnen, ihn der gnade so zu versichern, dass er endlich vor lauter höheren wirkungen zum stock uud stein werden sollte Herder 20, 16; der mensch sollte fortan in der sogenannten bekehrung durchaus ein stock und block bleiben. stöcke und blöcke fand man auf dem wege der seligkeit dergestalt unentbehrlich, dass das verschlagene tridentinische concilium selbst sich des menschlichen verstandes anzunehmen gut fand, und einen feinen semipelagianismus decretirte 69.
α) wendungen, die auf der grenze zu dem bildlichen gebrauch liegen; so soll ein schöner und reizvoller eindruck in seiner grösze geschildert werden (gern sind dabei verwandte begriffe wie holz s. th. 4, 2 sp. 1764 unter 1 d, klotz th. 5 sp. 1250 unter 3, stein u. a. unserm wort zur verstärkung beigeordnet): o, wären sie minder schön, weniger im allerstrengsten verstande liebenswürdig! so aber müsst' ich stock und stein seyn, um beständig so vielen reizen zu widerstehen Heinse 5, 171; jhr seyd ja kein holtz, kein stock, sondern ein schönes mägdlein engl. comedien und tragedien (1624) Bb 6a; die grösze eines jammers oder elends, eines schmerzes wird zum ausdruck gebracht: Susanna brach in eine thränenfluth aus — wir sind weder stein noch stöcke Bode Tristram Schandi 5, 52; dies (menschenelend) sollte doch wirklich einen stock zum heulen bringen (beim anblick eines halb verhungerten) Raabe Horacker 180;

schaut das leiden seiner armen,
dass es einen stein erbarmen,
und einen stock bewegen solt'
Silesius heilige seelenlust 74 neudr.

auch sonst charakterisiert unser wort ästhetische, ethische,

[Bd. 19, Sp. 41]


moralische oder andere unempfindlichkeit: lieber, welchs gewissen kan sich doch des bereden lassen, wenn er gleich ein klotz und stock were? Luther 26, 593 Weim.; ich bin kein stock, ich habe auch gefühl Arnim schaubühne 1, 39;

komm, küsse mich, so küss ich denn dich wieder,
was hilft uns denn zu bleiben stock und stein?
Hoffmannswaldau gedichte 1, 71;

mensch bin ich und ein mensch will ich ganz in leiden und lust seyn;
nirgend ein stock oder fels
Herder 27, 150.


β) ungewöhnlich im erkünstelten gegensatz zu verstockt (s. th. 12, 1 sp. 1761 unter D, das in diesem gebrauch von stock recht eigentlich wurzelt):

beständig musz man sein
verstockt ist halb verlohrn: doch wer im gutten kan
ein stok und eysen seyn, steht auf dess lebens bahn
Angelus Silesius cherub. wandersmann 55 neudr.

(erinnerungen wie an den mann von (stahl und) eisen sollen hier das übrige thun, die sphäre unseres wortes zu verfeinern.)
c) im unmittelbaren gebrauch: stöcke allein sind die unverbesserlichen, sie mögen nun aus eigendünkel, dummheit, oder hypochondrie ungelenk und unbiegsam sein Göthe 22, 123 Weim.; er ist aber doch kein stock, wie der ältere bruder, und scheint fähigkeiten zu besitzen G. Chr. Lichtenberg briefe 1, 334; und dieser stock, indem er auf seinen bruder nicht wohl zu sprechen ist, hat, ich weiss nicht, welchem erdensohne sein vermögen vermacht! Heinse 2, 86; endlich da er sahe, dass er einen stock vor sich hatte, stand er mit den worten auf: luderjunge! du wilst mich nur nicht Bahrdt geschichte seines lebens 1, 108; anfangs war ich nur maler, ich bemerkte aber bald, dass die menschen nach und nach zu stöcken wurden, und legte mich auf die schneiderkunst Brentano 7, 91. (in liebesdingen:) ich war ein stock, hab' es fast gemacht wie meister Mirk, die dirnen kaum ordentlich angesehen Fr. Arndt bei E. M. Arndt, schriften für und an seine lieben Deutschen 1, 84; versteh's, hab ich mir g'denkt, der Staberl ist kein stock, nun wart galanter herr, du sollst mich sogleich veneriren Bäuerle kom. theater 1, 13; doch:

ein stock, der bleibt ein stock, ob ihn gold, seide decken
Hoffmannswaldau gedichte 2, 114;

hab' einen stock von holz, der überzogen
mit leder ist, gemahl sich nennt; doch holz
ist holz
Heine 1, 138.

in der anrede: (Orsina) so lachen sie doch! (Marinelli) gleich, gnädige gräfin, gleich! (Orsina) stock! und darüber geht der augenblick vorbey Lessing 2, 166;

du stock, liesz her! wie, dast erstumbst?
Hans Sachs 6, 151 Keller;

wann ich zu fusze geh' und Struma prächtig fähret,
der zwar so viel nicht kan, doch aber mehr verzehret,
dann einer der nichts weisz, als nur verständig seyn.
du stock, die gantze stadt, die kennet deinen schein;
kreuch in ein löwenfell, so reden doch die ohren
Opitz 1, 56;

nun höre (Jupiter) mich weiter, und schweige, du stock!
der mann von dem weibe hat sich hinterm rock
der saubern frau Venus, des ziferls, verkrochen
Meisl theatralisches quodlibet 2, 18.


α) mit einem adject.: es mste einer ein rechter stock und klotz sein Dedekind der christliche ritter A 4a; du bist allezeit ein rechter stock, wenn du verse im kopfe hast Gottsched deutsche schaubühne 4, 276; sie sind ein rechter stock! sagte sie darauf, indem sie von ihm abliesz, und ich eine thörin, dasz ich so viel freundlichkeit an sie verschwende Göthe 21, 212 Weim.; sie muss mich für einen rechten stock halten, ohne augen, ohne gefühl Holtei erz. schriften 11, 356; besonders beliebt für einen alten mann:

du alter stock, lass dirs vergan
und schwyg
Manuel weinspiel 3210 neudr.;

unter den mädels fand ich vollends so reitzende gesichtgen, dass ich, alter stock, nicht umhin konnte, mit einem aus ihnen mich näher einzulassen Bräker schriften 2, 204; wie wohl that nicht das elende (auf den geigen vollführte) gekritzel den jungen ohren — und mir alten

[Bd. 19, Sp. 42]


stock wahrlich wenig minder 100; ich mein', mit den dummen liebsg'schichten, habt ihr's lang g'nug trieben; ist euch nicht gut angestanden, ihr alten stöck' Rosegger II 9, 322;

nim bald von im (dem alten narren) den seckel schwer,
und bring jm bald ein hoffkleid här,
züch jm auch ab den sydin rock,
schick vff dgouchmat den alten stock
Gengenbach 146, 1089;

alter stock beim militär auch die scherzhafte bezeichnung für einen mann des älteren jahrgangs; so spricht man auch von einem ungehobleten, unartigen stock, der sonsten zu nichts ist, dann allein den erdboden unnützer weiss zu tretten Guarinonius grewel der verwüstung 462; ebenso ein ungestudierter ist ein dummer stock discourse der mahlern 4, 39 (vgl. unten stockdumm adj.); aber die jungen stutzer, weil sie frech daher springen und sich in einem jeden geputzten stock verlieben, bilden sich ein, ein jedes weibsbild liebe auch sie sogleich Petrasch lustspiele 2, 382.
β) mit beigeordneten begriffen, welche die menschliche sphäre deutlich machen: darumb bleibens stöck, grobe tolpel und faule schelmen Luther 19, 307 Weim.; denn gott wil nit, dasz wir stöck und klötzer, hensel sorgenfrei und rabenartig sein A. Lang sorgeteuffel (theatrum diabolorum 2, 349b); die da lieber wollen uber solche stöcke und nerrische, unsinnige menner herrschen Barth weiberspiegel (1565) J 1b; der stock, der strick, der gauner, der superklug u. s. w. leben noch zu unsern zeiten, wie zu denen des Menander Falk Amphitryon 1, viii;

der baur ist gar ein narr und tropf,
ein stock und rechter eselskopf
Dähnhardt griechische dramen 2, 190;

wer nicht die schönheit kenn't und prüfet, ist stockblind;
wer sie nicht preiss't und lieb't, ein stock, ein alber kind
Lohenstein Ibrahim 6.


8) auf dem vorigen beruht eine reiche möglichkeit verstärkender zusammensetzungen, deren mehr gelegentliche bildungen im folgenden durch eine auswahl von beispielen geschildert werden sollen.
a) in verbindung mit völkernamen.
α) von einem ausländer, der in den anschauungen seines landes völlig befangen ist, was sich für unseren wortbegriff besonders darin äuszert, dasz er nur seine sprache spricht. stockwelsch, adj.: stockwälsch Hafner lustspiele 2, 91; nun hatte ich zum ersten male einen stockwälschen postillion, der wirth spricht kein deutsch und ich musz nun meine sprachkünste versuchen Göthe 30, 39 Weim. (III 1, 180 Weim.); manches zerlumpte weib zeterte mit seiner halbnackt umhergeisternden brut in einer stockwelschen sprache Rosegger 1, 189; sie sprächen schreckbar schlecht deutsch, und wenn sie sängen, so sei alles 'stockwällisch' 3, 70. subst.: kinder, welche ein französisches mundstück führen, als wären sie Pariser vom vierten gliede her und im nothfalle nur noch etwas deutsch hacken, als wenn sie stockwelsche wären quelle von 1859 bei Martin-Lienhart elsäss. wörterb. 2, 824bdaneben stockitaliener m. und stockitalienisch, adj.: das ganze buntbewegte, laute hafenleben stockitalienischen charakters betäubt sie Rosegger II 7, 409. — stockfranzose, m. : bayr. stockfranzos Schmeller2 2, 729; nur eines versprechen sie mir: dass sie kein deutsches wort vorbringen und sich anstellen wollen, als wären sie ein stockfranzose Holtei erzähl. schriften 11, 58; ein ... hauswirt, der seinen einquartierten für einen stockfranzosen hält Hebel 2, 124; versteh'n sie gar nicht deutsch? sind sie also stockfranzose Pocci komödien 165; dazu stockfranzösin, f.: unsere wirthin, eine ehrliche stockfranzösin ist recht bekümmert um uns Hoffmann von Fallersleben 7, 98 und stockfranzösisch, adj.: ich hatte sie ... in vorschlag gebracht zum directorat des französischen gymnasii: allein P. ist es geworden, der es nun recht stockfranzösisch erhalten wird Schleiermacher leben 4, 207. — stockgrieche, m. Niebuhr 2, 213. — stockrusse, m. schriften der Goethegesellschaft 9, 963; ein rechter stockrusse Holtei erz. schriften 1, 122. — besonders in den mittel- und süddeutschen landen ist verrufen der stockböhme (Jecht 108b, Kleemann 22b bayr. stockböhm Schmeller2 2, 729 besonders der czeche

[Bd. 19, Sp. 43]


im gegensatz zum deutschböhmen Unger-Khull steir. wb. 579a): unter lauter stockböhmen Bräker 1, 158; ein ehrlicher stockböhme des Wolfenbüttelschen regiments Ayrenhoff 1, 16, 9; (Jean Paul 11-14, 102); blauhosige stockböhmen Schopenhauer briefe 156. auch stockczeche, m.: die stockczechen in Deutschland Laube 9, 90stockpole, m. : es ist ein stockpole wie ich noch keinen gesehn, kein Litthauer oder Posener, wie die meisten, die hieher kommen, sondern ein ächter nationalpole Droste-Hülshoff briefe 182 (dazu schriften der Goethe-gesellschaft 14, 30 und Frischbier 2, 374b).
hervorzuheben ist noch der stockengländer: zu andern zeiten kommen diese stockengländer mir vor wie ein öder spuk Heine 6, 327; O. Ludwig 6, 137; Treitschke hist. politische aufsätze 1, 383; dazu stockengländerei, f.: er nennt ihn ... einen Don Quixotte voll stockengelländerey allgem. deutsche bibliothek 111, 285 und stockenglisch, adj.: Walter Scott's 'Napoleon' könne man nur dann mit behagen lesen, wenn man sich einmal entschliesze, eine stockenglische sinnes- und urtheilsweise über jene grosze welterscheinung kennen zu lernen Göthe gespräche 8, 73. — seltener daneben der stockbrite: Corinna, welche diesem eingefleischten erz- und stockbriten immer mehr die liebe erklärt ... als abgewinnt Jean Paul 52 -53, T1.
β) mehr als politisches schlagwort, mit rücksicht auf die deutschen wünsche in den vierziger jahren des vorigen jahrhunderts, erscheint der stockösterreicher: es ist höchst charakteristisch, dass in der neuern zeit die stockpreussen — namentlich die Pommern — und die stockösterreicher für die deutschen Böotier gelten W. H. Riehl naturgeschichte des volkes 1, 251. (dazu das adj. stockösterreichisch: der altconservative, stockösterreichische dichter blieb zeitlebens wie ein verkappter revolutionär angesehen Kürnberger literar. herzenssachen 286) — und besonders der stockpreusse, m.: die stockpreussen Varnhagen tagebücher 6, 113; der einflussreiche, langjährige adjutant des kaisers Wilhelm, graf Karl von der Goltz ... war ursprünglich ein eleganter und gescheidter gardeoffizier, stockpreusse und hofmann, der an dem ausserpreussischen Deutschland nur so viel interesse nahm, als seine hofstellung es mit sich brachte Bismarck gedanken 1, 112; dazu das specifische stockpreussenthum als illustriertes schlagwort der gegenwart im kladderadatsch von 1848 s. 104 (n. 26): alle, die die anspielungen auf das starre stockpreussenthum nicht vertragen können Görres briefe 3, 103, vgl. auch gesammelte schriften 3, 462; was uns gehalten hat, war gerade das specifische preussenthum. es war der rest des verketzerten stockpreussenthums, der die revolution überdauert hatte Bismarck reden 1, 113 und stockpreussisch adj.: Varnhagen tagebücher 6, 148weniger politisch ist der stockschwabe: und wenn man nicht gar ein stockschwab ist, sondern im gegentheil in der welt umhergekommen Immermann 1, 166. — stockbayer m. : und einmal hörte ich sogar einen stockaltbayern auf den perron hinausrufen M. Greif nachgel. schriften 99. — stocksachse, m. (dazu stocksächsisch, adj.): hier sprach er (der sächsische kriegsminister) mich, ich glaube mit einem kurzen reim an, den ich wegen seines erstaunlich stocksächsischen dialects nur ganz im allgemeinen verstand Dahlmann an Jac. Grimm, (briefwechsel 1, 117) und gar der stockmeissner: Voss krit. blätter 1, 433.
b) stockreligiös adj.: wenn mein buch (die reisebilder) dazu beiträgt, in Deutschland, wo man stockreligiös ist, die gefühle in religionsmaterien zu emanzipieren, so will ich mich freuen und das leid, das mir durch das geschrei der frommen bevorsteht, gern tragen Heine 3, 372. mit rücksicht auf das religiöse bekenntnisz stockorthodox, adj. und stärker noch als unten stockgläubig, adj. Hippel lebensläufe 2, 214 und stockbigott, adj.: ein stockbigotter jesuit vgl. allgem. deutsche bibliothek 84, 551.
α) stockjude, m.:

(Nathan) so ganz
stockjude sein zu wollen, geht schon nicht —
und ganz und gar nicht jude, geht noch minder;
denn, wenn kein jude, dürft er mich nur fragen,
warum kein muselmann?
Lessing 2, 275.

[Bd. 19, Sp. 44]


daneben stockisraelit, m.:

Hesekiel, du stockisraelite,
mit einem namen, den in's griechische
so leicht kein mensch dir übersetzt!
Rückert 9, 226.


β) stockkatholik, m. und stockkatholisch, adj.:

und nannten's stockkathol'schen graus,
den bildstock anzubeten
Rückert 7, 174;

mit dem gegensatz stocklutherisch, adj.: er (Lessing), der so unparteiisch über den katholicismus dachte, neckte Jacobi'n mit seinen stocklutherischen paradoxen Gervinus geschichte der deutschen dichtung 5, 286; denn der verliebte truchsess war leider gutcalvinisch und die kurfürsten von Sachsen, Brandenburg, Pfalz stocklutherisch Immermann 20, 120; der vetter Wolfgang hatte früher einen prozess mit dem pfarrer ... gehabt und zur rache dafür war er jetzt stocklutherisch geworden Rosegger 5, 11.
c) in bezug auf das politische glaubensbekenntnisz stockreactionär, adj.: der stockreactionäre philister ... klatscht sich die hände wund, wenn Don Juan singt: hier gilt kein stand, kein name W. H. Riehl naturgeschichte des volkes 2, 217; subst.: sie ... gehen hin und wählen einen stockreaktionär Rosegger nixnutzig volk 75. — die beschränktheit besonders auf politischem gebiete vertritt der stockphilister (vgl. philister th. 7 sp. 1827 unter 3) deutsche stockphilister und basen Vischer altes und neues 1, 111;

besser klingt das schiffsregister ...
als wenn uns ein stockphilister
von dem letzten budget spricht
Hoffmann von Fallersleben schriften 4, 160;

drauszen fand ich versammelt würd'ge männer
vom unsterblichen stamm der stockphilister
Immermann werke 11, 308.

dazu stockphiliströs adj.: auf der stockphiliströsen insel (Irland) Laube schriften 8, 357.
d) in den ansichten und oft vorurtheilen seines standes befangen.
α) stockaristokrat, m.: stockaristokraten ... kann man es nicht begreiflich machen, was christlich ist Gotthelf 17, 121; den deputierten oberstleutnant von Arnim, den bösen stockaristokraten Varnhagen tagebücher 4, 95; bald wird der liberalste deputirte ein stockaristokrat sein Moltke schriften 6, 160; dazu stockaristokratisch, adj.: seine natur war vollkommen gräflich, d. h. stockaristokratisch Göthe IV 23, 198 Weim.; vgl. auch stockpatricier, m. und stockpatricisch, adj. (adv.): ein stockpatricisch gesinnter senator Göthe 40, 315 Weim.ungewöhnlich und nur historisch construiert ist stockritterlich, adj. (hier subst.): das reinmenschliche des Käthchens hätte das stockritterliche des Wetter von Strahl besiegen, oder gar nicht damit in verbindung gebracht werden müssen Hebbel 11, 90.
β) besonders zu erwähnen ist noch der vor andern am alten hängende stockbauer: der ächte stockbauer, welcher sagt und singt, dass es gut steht im deutschen land, wo man noch trägt eigen gewand, ... zeigt wahrlich mehr takt und naive bildung als solche sogenannt gebildeten leute Riehl die deutsche arbeit 103; ich möchte ... den hexenmeister sehen, der es solchen stockbauern in den kopf brächte, dass ein getheertes schiff, welches doppelt so lange hält, als ein ungetheertes, darum fast noch einmal so wohlfeil sey, als dieses naturgeschichte des volkes 1, 185. zuletzt: ein solcher stockbauer kennt nur den unterschied zwischen zehn und zwanzig kronen, aber nicht den unterschied zwischen menschen und menschen Gotthelf 1, 198; wie diese unserm wort hier innewohnende härte des urtheils zuletzt auf der schelte (s. oben 7 b) beruht, macht deutlich: er schwieg und dachte bei sich, 'stock von einem bauern, hast du mir was gegeben?' Meyr erzählungen aus dem Ries 3, 391.
γ) auch stockkaufmann, m.: wodurch ich denn wirklich das ansehn eines reisenden stockkaufmann's en gros erhielt Holtei vierzig jahre 1, 187, —