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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
stinkfaul bis stinkichtig (Bd. 18, Sp. 3166 bis 3167)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) stinkfaul, adj., steigernd für faul 'träge', vgl. DWB jemand ist so faul, dasz er stinkt, stinkendfaul (sp. 3159); mundartlich weit verbreitet. seit dem 17. jh. bezeugt: es sein aber etliche bedellen so stinckfaul Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 492; noch seltzamer aber ist, dasz einige zum beischlaff stinckfaul und gantz unvermögend gewesen, wann ihnen die lenden nicht zuvor weidlich gegerbt waren Chr. Frz. Paullini zeitkürtzende erbaul. lust (1695) 158;

doch legst du dich ein anders mal
so stinkfaul hier an diesen pfahl
Cl. Brentano Gustav Wasa 19 dt. lit.-denkm.;

ich bin nur thätig am geiste, aber faul, stinkfaul (sit venia verbo!) am leibe Ludw. Feuerbach br. 1, 309 Bolin; die sau sollst du futtern gehen, stinkfaule dirn! Rosegger schr. III 3, 360; ein ganz stinkfaules wasser, das so langsam dahinschleicht wie ein torfwagen H. Löns haidbilder 16.
 
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stinkfisch, m., bezeichnung des stintes, nach seinem geruch, vgl. v. d. Borne hdb. d. fischzucht (1886) 152: apuarum generi affines mihi videntur etiam illi pisciculi, qui ad germanicum spiring vel spirling et stinckeling vel stinckfisch appellantur Bas. Faber thes. (1587) 1015b; tinca ... ein schleien ... quidam tincas vocant stincks vel stinckfisch, sed alii isti sine dubio sunt pisciculi a foetore sic appellati ebda 869b; stint, stinckfische a sort of little seafish, which must be eaten very fresh, being very apt to grow stinking Ludwig teutsch-engl. lex. (1716) 1871; salmo eperlanus Nemnich lex. d. naturgesch. 5, 575. in verwechslung des stintes mit der schleihe (tinca), s. schon oben bei Faber: stinckfisch tinca ..., apua cobitis Aler dict. (1727) 2, 1841a; stinckfisch tinca Steinbach (1734) 1, 447. — anders: stinckfisch pesce che puzza, merluzzo salato Kramer 2 (1702) 978a.
 
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stinkfliege, f., ein insekt: die sprenklichte stinkfliege (aphidivorus) allg. dtsche bibl. (1765 ff.) 50, 497; hemerobius Nemnich lex. d. naturgesch. 5, 575:

frau kreuzspinne fasset tänzelnd
todtenkäfer, den gesetzten,
und stinkfliege wedelt schwänzelnd
mit dem junker wurm, dem fettsten
v. Sallet s. schr. 4, 244.


 
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stinkgäszchen, n., unsaubere, häszliche strasze: dasz so ä reiche frau in so äm stinkgäszche wohne bleibt

[Bd. 18, Sp. 3167]


C. Röszler d. fünf Frankfurter (1912) 8. —
 
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stinkgasse, f., dass. Kramer 2 (1702) 978a. —
 
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stinkgips, m.: dichter gyps. ... die dichten abänderungen ... enthalten ... bituminöse theile, und geben alsdann beym reiben einen unangenehmen geruch aus (stinkgyps) Oken allg. naturgesch. 1, 247; s. auch Zappe mineral. handlex. 3, 130; Muspratt chemie (1889) 2, 339. —
 
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stinkhafen, n., dass. wie stinkbombe: kamen auch viel brennender stinkhäfen hinein geflogen, durch welche zu weilen brand entstunde. diese waren innerlich mit allerley leichtlich brennenden sachen gefüllt, unten und oben mit eisernen deckeln geschlossen Chr. B. v. Galen lebens- u. kriegsbeschr. (1679) 317; stinckpott, stinckhafen specie di bomba Kramer 2 (1702) 978a. —
 
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stinkhahn, m., bezeichnung des wiedehopfes, vgl. sp. 3149 u. 3153, s. Nemnich lex. d. naturgesch. 5, 575; Brehm tierleben 5, 29 P.-L.; Martin-Lienhart elsäss. 1, 341.
 
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stinkholz, n., 'unter diesem namen kommen die bei frischem anschnitt widerlich riechenden hölzer mehrerer exotischer bäume in den handel' Karmarsch - Heeren techn. wb.3 8, 559. besonders als bezeichnung für olax Zeylanica L.: stinkholz, ein unangenehm riechendes holz, das ein baum auf der insel Ceylon liefert, welchen hr. v. Linné olax genannt hat Jacobsson technol. wb. (1793) 7, 455b; s. auch allg. dtsche bibl. (1765 ff.) 48, 203. auch für anagyris foetida L., wie stinkbaum, s. Marzell wb. d. dt. pflanzenn. (1937) 1, 260; Chomel 8, 1669. ohne botanische bestimmtheit: zwar gleicht ein böses buch dem stinkholz; es äuszert seinen ketzerischen geruch am meisten, wenn man es verbrennt Jean Paul w. 40/41, 98 Hempel.seltener als name heimischer bäume: 'vogelbeerbaum' Martin-Lienhart elsäss. 1, 333; 'faulbaum' luxemburg. ma. 424; wachholder, stinkender: juniperus sabina L. ... stinkholz Holl wb. dtsch. pflanzenn. (1833) 392a.
 
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stinkicht, adj., älter stinkecht, häufig auch stinket, in gleicher bedeutung und anwendung wie das part. präs. stinkend. seit dem 15. jh., heute dafür stinkend und stinkig: stinckecht rancidus md. voc. d. 15. jhs. bei Diefenbach gloss. 483c; stingket fedus ebda 229a;

die gassen eng, stincket und kotig
Hans Sachs 17, 377 K.-G.;

solcher thurn sey rund und vast, stincket und ungeheuer Thomas v. Absberg 26 lit. ver.;

dein eingebissen neidig maul,
und stinckecht wie ein ackergaul
Fischart nachtrab 1670 Kurz;

die menschen ... sollen zuschauen, dasz sie keine stinckichte böcke sein Val. Herberger Jesus Sirach (1698) 546b;

die stincketen eyr lagen herumb auf der erden,
dasz einer hät todtenkranck mögen werden!
Stranitzky lustige reyszbeschr. 35 Wiener ndr.;

(eine) stinckichte rothe weiche beere v. Göchhausen notabil. venat. (1741) 204; 'der ein fürst!' und ein hochmüthig lächeln schwebte um des jungen gesellen lippen. 'dann ward stinkicht die hoheit im langen grabe' W. Alexis d. falsche Woldemar (1842) 1, 208. in den von stinken her bekannten bildlichen und übertragenen anwendungen: der bawr war so stincket faul, ... mit faulen worten sprach Val. Schumann nachtbüchlein 273 Bolte; die ketzer ... alles, was sie mit iren stincketen zänen berüren, verwüssten und vergifften Joh. Nas antipap. eins u. hundert (1567) 1, 147a; du unnützer floh, du stinckigte wantze Chr. Weise grün. jugend überfl. ged. 223 ndr.; und (die seele) wird sehen, dasz sie ein eitel stinkicht greuel vor gott ist Jacob Böhme s. w. 4, 230 Schiebler; das ... ihr name inn aller welt stincket und veracht ist Luther 28, 86 W.; wann einer under euch einen groben zotten und stincketen bossen vorbringet Moscherosch gesichte (1650) 1, 217; das dise centonovella sehr nach einer lugen brinselt und nach einer evangelischen warhait mehr dann zuvil stincket ist Joh. Nas antipap. eins u. hundert (1567) 1, 50b. —
 
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stinkichtig, adj., nur als stinkechtig im älteren nhd., weiterbildung von stinkecht: stinckachtig randiculus voc. d. 15. jhs. bei Diefenbach gloss. 484a;

[Bd. 18, Sp. 3168]


exolere ... stinckachtich ruyken gemma gemm. (1512) h 3b; faul, stinckechtig, schimmelt brot Junius nomencl. (1567) 98a;

damit niemand spül seinen mund
mit irem stinckechtigen harm,
dieweil er frisch, lauter und warm
Nigrinus affenspiel (1571) c 3a.