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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sau bis saubalg (Bd. 14, Sp. 1843 bis 1848)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sau, f. scrofa, porca.
I. Formen und herkunft. das wort geht durch fast alle germanischen sprachen, ist nur goth. und altsächs. nicht belegt; ahd. sû, flectiert sûwi, sûe Graff 6, 63, mhd. sû, flectiert siuwe, altnord. sýr, ags. sû, und mit entwicklung von g statt w sugu, mittelengl. sowe, engl. sow, schwed. dän. so; analog der ags. form sugu mittelengl. soghe, schwed. sugga, mnld. soech, soegh, seughe Kilian, holl. zeug, zog, mnd. soge, nnd. brem. söge brem. wb. 4, 911, holtsein. söge Schütz 4, 228, westfäl. sûege Woeste 261b, nordwestfäl. sûge Frommanns zeitschr. 4, 27, oldenburg. sœge, sâge 3, 497. neben der gewöhnlichen nhd. form sau findet sich saue Picander 5, 333, saye Dief.-Wülcker 830; mundartlich lippisch sûe Frommanns zeitschrift 6, 487. von der doppelten pluralform des wortes im nhd. gehört säue der älteren sprache an, und ist noch mundartlich lebendig (z. b. im hennebergischen Frommann 2, 397), sonst durch die bibelsprache bekannt (sew Matth. 8, 30—32 u. ö), und daher alterthümelnd und scherzhaft etwa noch verwendet; der plur. sauen erscheint erst im 18. jahrh., von Gottsched noch zurückgewiesen (säue, nicht sauen d. sprachkunst 1762 s. 137), von Adelung neben säue als den jägern und oberdeutschen mundarten eigenthümlich bezeichnet; ein von ihm angedeuteter unterschied, wonach der plur. sauen laute, wenn wilde schweine, und gewöhnlich säue, wenn zahme gemeint seien, ist dem sprachgebrauch seit dem späteren 18. jahrh. nicht gemäsz, der auch in letzterem falle sauen setzt:

sauen ihres trogs vergessen,
und die eignen ferkel fressen.
Bürger 297b.

das wort ist gemein-indogermanisch, vgl. zend. hu (eber), griech. ὗς, lat. sus. als wurzel wird von den einen sanskr. su = gebären, dieselbe wurzel wie in sunus, angenommen wegen der groszen fruchtbarkeit der sau, so dasz das wort 'prolifer' bedeutet Fick4 1, 141; von anderen wirdals nachahmung des naturlautes, des grunzens angesehen. Kluge4 282b.

[Bd. 14, Sp. 1844]



II. Bedeutung und gebrauch.
A. im eigentlichen sinne.
1) sau, ausgewachsenes schwein überhaupt, ohne unterschied des geschlechts, im gegensatz zum ferkel oder frischling. Adelung: es war aber ferne von jnen eine grosse herd sew an der weide. Matth. 8, 30; und er begerte seinen bauch zu füllen mit trebern, die die sew essen. Luc. 15, 16;

ir sît ein ander als getriu
als die wolve und die siu. buch d. rügen 540;

ich ge umb unter sew und rindern.
H. Sachs fastn. sp. 2, 32;

erst rewet mich mein weyb und kinder,
mein ecker, wisen, sew und rinder,
und auch mein eingegraben gelt. 4, 60;

nd. ein kriegsman und soldat, wenn em die seel entföhr,
keem se woll in ein peerdt, edr in eine olde sör.
Lauremberg 5, 18 neudruck

(die form sör ist dem dän. entnommen, vgl. das register);

ihr dummen sauen ihr, wie dasz ihr euch nicht schämt.
Lichtwer (1762) 64.

wilde sau:

wilde sauen musz man sengen.
Picander 3, 476;

in gleichem sinne auch sau allein, bei den jägern:

wenn du wilt ein jagersjung sein,
so sprich ein sau, sag nicht wilt schwein.
Jac. Ayrer schön. Melus. 1, 326b;

oder die borstige sau in blinkende lanzen sich stürzet.
Zachariä 4, 124.

der jagdruf für die wilden sauen ist huy sau: als einem jäger traumet, wie er in einem fruchtbaren aichwald ein wolgewaffnetes wildschwein antreffe, dessentwegen mitten im schlaf aufschreyet huy sau. Abr. a S. Clara Judas 1, 2;

da höret man: juch schwein! hu sau! hu säulein! schreien.
Opel u.
Cohn 279, 71.


2) sau, im besonderen das ausgewachsene zahme oder wilde schwein weiblichen geschlechts: suu suangoriu Graff 6, 63; und sicht sonst am leyb wie eine beschorne oder besengte saw, das ist ein schweinsmter. Lindner schwankbücher 118 neudr.;

dâ 'r di sû mit trîzig jungin vant. Annolied 384;

es hört's sein weib, die sau, und läszt ihr sumpficht haus.
Lichtwer (1762) 63.


3) der gebrauch des wortes sau im eigentlichen sinne ist ein sehr ausgedehnter. die sau ist die verkörperung alles schmutzigen, wälzt sich deshalb gern auf der erde und im kothe:

die saw sprach: das is warlich fein,
das ich dir muss ein bresum sein,
du sihst nicht wol ich bin ein schwein,
das ist die grösste wollust mein
wann ich mich leg in dreck hinein.
Alberus fab. 78;

erst am spalier, da, wo der sprung geschehen,
seht einen weiten, schneezerwühlten kreis,
als ob sich eine sau darin gewälzt.
H. v. Kleist 3, 151;

ihr seid ja voller schmutz und glänzet wie die sauen.
Lichtwer (1762) 143.

schmutz und unsauberkeit der sau im sprichwort: wenn man einer saw gleich ein güldin stück anzühe, legt si sich doch damit in dreck. Franck sprichw. (1555) 243b; wen man die sau kitzelt, so legt sie sich in drek. Schottel 1141b; säu sind säu und bleiben säu. Simrock 8720; es stirbt keine sau ob einem unsaubern troge. 8742. krächzende, grunzende sau: der erste, der uns aufstiesz, war ein büchsenmeister: der kroch auff allen vieren daher, krächzete wie eine saue und sagte immerfort: 'maltz! maltz!' der meinung, weil er sich einbildete, er were zu einer sau worden, wir solten im maltz zu fressen geben. Simpl. 2, 257 Kurz. sau im behagen:

uns ist ganz kannibalisch wohl,
als wie fünfhundert säuen!
Göthe 12, 115.

in vergleichen gebraucht, um die dummheit jemandes hervorzuheben: und baldt darnach is er onustus linguis, disciplinis et scientia juris in Teutschlandt kommen, wie ein saw mit baumwollen. Zimm. chron. 4, 172, 27;

und wölt ein suw die luten schlan,
das wär on zwifel selzen.
Manuel 306, 41 Bächtold;

weil er zu dieser kunst so gar gerecht ist ⋅chier,
als eine sau zur leyr, der esel zum clavier.
Rachel satiren 91.

in anspielungen auf biblische gleichnisse: dasz er nochmals muszte bey den säuen in die kost gehen. Abr. a S. Clara gäck 167 (gleichnis v. verlor. sohn); frewet euch mit mir, dann mein groschen ist gefunden, mein sau ist wider kommen. Garg. 73a (verwechselung mit dem gleichnis vom verlornen schaf, Lucas 15, 6). in der fabel als schulmeister erscheinend:

da war das wildt schwein cantzeler,
der fuchss des königs prediger,
die saw schulmeister in der stat.
Alberus fab. 167.

[Bd. 14, Sp. 1845]


in mancherlei sonstigen verbindungen, redensarten, festen wendungen.
a) getreu sein wie wolf und sau, im ironischen sinne (buch d. rügen 539, s. die stelle oben unter 1).
b) etwas behandeln, wie die sau den hafersack, ohne tieferes verständnis: das ist aber yn keinen weg zu leyden, das er die schrifft, unssern trost, nit anders behandelt, dann wie die saw den habbersack. Luther krit. ausgabe 1, 385.
c) einen niederstechen wie eine sau:

dieweil kompt unser gsell hernider,
den stech wir wie ein saw darnider.
H. Sach (1588) 3, 1, 194c.


d) etwas vor die säue werfen, einem unwürdigen zutheil werden lassen: ir solt das heiligthum nicht den hunden geben, und ewre perlen solt ir nicht fur die sew werffen. Matth. 7, 6; ich werde schon noch einen ehrlichen mann dazu finden, ehe ichs vor die säue werfe. Lessing 1, 322; ich will meine perle nicht vor die säue werfen. 524.
e) keine geringe sau sein, nicht unbedeutend sein: fragte einen vornehmen jubilier z N., welcher meint, er sey keine sau in erkenntnis der kleinodien. Schuppius schr. 226; wenn ich hernach an einen vornehmen mann schrieb, so wolt ich nicht heiszen M. Philander, sondern Philander M. dann ich dachte, ich sey keine geringe sau, sondern primus bey der promotion gewesen. 240; darneben dünkte ich mich keine sau zu seyn, sondern hielt mich recht stutzerisch. Simpl. 1, 429 Kurz.
f) einer sau den sattel auflegen, wol in dem sinne eines besonders schwierigen bändigens:

wiewol ich selber bin so grob,
ei, gröber vil denn das bonstro,
ein ungeschickter schadenfro,
und west vor unverstand dagegn
einer sau kein sattel aufzulegn.
H. Sachs spruchged. 60, 52 Tittmann.


g) mit jemandem nicht die säue gehütet haben, gebraucht zur abweisung von zudringlichkeiten: er nennt mich ungetreue! denk doch als ob ich die säue mit ihm gehütet hätte. Lenz 1, 281. aargauisch: i ha no nie mit euch söu g'hüetet. Hunziker 244.
h) jemandem die kleie mit den säuen nicht gönnen, ihm gar nichts gönnen: rings umbher hat sie (die stadt Jerusalem) eitel feinde, und den teufel selbs, umb meinen willen, die jr nicht die kleien mit den sewen, auch nicht das leben günnen. Luther 6, 157a.
i) die schwarze sau gegen jemand anlaufen lassen, einen betrüben: sie möge es nicht übel nehmen, dasz er dermaszen die schwarze sau gegen sie anlaufen lasse und seinen brief verbrenne. Rommel hess. gesch. 4, 1, 770.
k) eine sau anhängen, einen streich spielen: ich mein das wer ein feine saw vom kayser dem concilio (zu Nicäa) angehenckt. Franck chron. 320b.
l) mit der sau läuten, dasselbe wie mit der sauglocke läuten, zoten reiszen:

wenn ein poet nur mit der saue leutet,
und gern auf schändlich ding mit groben possen deutet.
Rachel satiren 58.


m) sau in verwünschungs- oder fluchformeln:

nu laufet hin mit einander drothe,
das euch ein alte sau berathe! fastn. sp. 904, 3;

sih da! sih du mein huderputz,
sih! da ligt er in allr sew nahmn.
Hollonius somn. vitae humanae 256.


n) eine anzahl von sprichwörtern gehört hierher: das wol ein kue oder sawe mit jren klawen an der wand greiffen möchte. Luther 6, 9a; das ey leret das hun, und die saw meistert gott. 139b; wer sich menget unter die kleyen, der wird gefressen von den sewen. Variscus ethograph. mundi 1, E vii; wer sich unter die treber mengt, den fressen die säue. Campe; he is so wol entfangen, als de söge in des joden hûs, Tunnicius 1305; ähnlich ankamen as de söge in't juden-huus, häszlich bewillkommnet werden, übel anlaufen. brem. wb. 4, 911. Schütze 4, 228. sattel eine sau, es wird kein zelter daraus. Simrock 8730; man verklagt keine sau, die einen besudelt. 8732; ne guede sûege frietet alles. Woeste 261b; wenn de sûege satt sind, dann stülpet se den truog ummen. Wander 4, 13. 190 u. a.
B. in übertragenem sinne.
1) auf menschen.
a) wegen der unreinlichkeit des schweins wird das wort für schmutzige personen gebraucht: einen unlustigen, unflätigen menschen heyszen wir ein saw. Franck sprichw.

[Bd. 14, Sp. 1846]


(1555) 244a; bildlich, von seelischer unreinlichkeit: ein schwein oder saw desz teufels. Faustbuch (1587) 104.
b) ein trunkenbold wird sau gescholten: rülp, grober bengel, volle sau. Simpl. 1, 30, 29; kaum hatten die vollen sauen ihren rausch ausgeschlaffen. Felsenb. 1, 322;

kompst jetzt vom weine du volle saw.
H. Sachs (1591) 4, 4, 19c;

lasz lign den geck,
eine saw gehört nur in dreck.
Hollonius som. vitae humanae 273;

wenn einen Bacchus-knecht ich voll von weine schaw,
ist solche saw halb mensch, und solcher mensch halb saw.
Logau (1654) 1, 82, 37.


c) ein grober mensch wird als wüste sau bezeichnet:

pfui sich der groben wüsten saw.
H. Sachs (1590) 1, 839a.

in anders gewendetem bilde von einem zornigen menschen: Joseph (pochet an die thür, und rüft:) holla, holla ... Dina (kümpt heraus, und spricht:) wo nu? hastu abermal von der tollen saw gefressen? H. J. v. Braunschweig 233.
d) sau, von einer unsittlichen person, besonders weiblichen geschlechts: niederd. êne löpske söge, êne horaatske söge, geiles weib, gemeine hure. brem. wb. 4, 911;

on zucht so ist ein schöne fraw
(spricht Salomon) gleich einer saw
mit gülden spangen auff der nasen.
H. Sachs 1, 364d.


e) sau, sonst als scheltwort: trolle dich, du sau, sagte der secretarius zu mir, zu anderen säuen in stall, mit denen du rülp besser zustimmen, als mit anstendigen leuten conversiren kanst. Simpl. 1, 95 Kurz;

pfui! sagte sie, du kleine saue,
ich weisz mir einen bessern mann.
Picander 5, 333;

im Faust zur meerkatze:

verdammtes thier! verfluchte sau!
Göthe 12, 126.


f) dialektisch wird sau für denjenigen gebraucht, der den letzten streich mit dem flegel auf das letzte drasch der ganzen ernte thut. Birlinger volksthüml. 2, 425.
2) auf sachen.
a) sau, klecks, tintenklecks Adelung.
b) damit im zusammenhang steht der gebrauch für fehler überhaupt: wir wissen noch nicht, ob wir bestehen werden, vielleicht machen wir eine sau und kriegen gar nichts. A. Gryphius 1, 726; das war eine erschreckliche sau! 745; es wären keine sauen gemacht. Felsenburg 2, 438; dasz wir nur das geringste ferckel, geschweige denn solche sauen in der music gemacht hätten. ebenda; mein federn ist kain teuffl ninx nutz, sintemalen es nit schreyben wil, und ich lauter säu mach (metavorice zu verstehn). Schwabe tintenf. A iijb; hoff es wird kainer kain solcher unbhilfflicher lalex sein, und auf mein conto schreiben, wan der buchtrucker brav seu gemacht hat. 78.
c) beim rennen und wettschieszen war früher der letzte preis eine sau. Schm. 2, 199:

das schafft, jm würt die suw kum wol,
wann man z letst verschyessen soll.
Brant narrensch. 75, 22 Zarncke;

gwinnst allmal das nechst nach der saw.
H. Sachs (1578) 5, 361b.


d) daraus hat sich die allgemeine bedeutung entwickelt 'eine schlappe, niederlage erleiden', posteriores ferre Schm. 199 (voc. von 1618): potz marter, herr! wo wölt ir mit den süwen allen hin, die ir diese jar mit üch heim bringend. Manuel 231 Bächtold; sodann die altarschellen gib ich den süwen, so die bed doctor Eck und Faber z Baden, Spir und anderen orten disputieren gewunnen hand. 234; so hetten doch die herren zum wenigsten die saw darvon getragen und behalten. Zimm. chr. 3, 233; dasz diser Eck mit doctor Luther z Leipzik gedisputiert hab und hab eine grosze sau darvon getragen. sat. u. pasqu. 2, 152; als nun disz zun ohren der geistlichen kam, eilten sie zuhand zum könig, begerend, dasz er den sententz nicht eilet zu erklären, sondern verzüge, bisz sie den dingen fleisziger nachdencken mochten, damit sie in einer so groszen sach kein saw einlegten. Franck weltbuch (1567) 111a;

so kombt jr darvon ungeschlagen
und musz der herr die saw heimtragen.
H. Sachs (1578) 4, 3, 20a.

mit dieser bedeutung von sau hängt auch wol die redensart eine sau machen in der bergmännischen sprache zusammen (s. C, 1).
e) da auf alten kartenspielen das asz eine sau zeigte, so steht sau auch für asz: assa delle carte, l'as d'une carte, das aasz oder die saw in der karten. Hulsius dittion. (1616) 39; so seynd ja in der karten vier saü: aichelsau, schellensau, herzsau,

[Bd. 14, Sp. 1847]


grassau, und weilen die saü mehrer gelten als ein könig, so ist das ja ein säuisch spiel. Abr. a S. Clara bei Schmeller 2, 199; kein karten ohne sau. Judas 1, 146; die sau sticht den könig. Simrock 8753; und sihet ein ieder in eins andern spil unnd hand, allein was er triumph, bilder unnd künig, aber nit wie vil er sew darinn hab. Franck sprichw. 1, 126b; darnach das spil ist, macht man einen strohwisch zum könig, musz das herz wählen, und nicht schellen, sticht die sau den könig, sticht der bub die dam'. Eiselein 573;

hie kompt das stichblatt nun herfür,
darauff ich setz mein glück gar durr,
ich hab vor das ass, sau oder dauss,
der schellen, klee, hertz gworffen ausz;
aber hie bhalt ich zu den stich
die eycheln saw, die regt nun sich.
Fischart 2, 253, 451 Kurz.


f) vom kartenspiel ist das wort in der studentensprache in die allgemeine bedeutung von glück übergegangen: ich verwechselte oft 'sau', was 'glück', mit 'pech', was 'unglück' bedeutet. Hauff 7, 33 (mem. d. sat. 1, 6).
g) sau für rüge, verweis: er fraget nach den zweyen frembdlingen, findet sie zu hof, begeret sie wieder, aber es wirdt jhm ein grobe saw von der Arsace, musz ungeschafft abziehen. buch d. liebe 214d; das der burgenmeister seim nachbauren nit ein sundere saw gab oder geltstraf aufflegt. Wickram rollwagenb. 51. für unglück: es giebt eine sau; heiliger Andreas, komm und tuh ein wunder, oder es giebt eine sau. Göthe briefe 1, 185.
h) bei den schuhmachern heiszt sau die am sonnabend nicht fertig gewordene arbeit, die für die künftige woche zur vollendung übrig bleibt. Schm. 2, 199.
i) das sau treiben ist ein ballspiel: fieng er an mit ihnen sau zu treiben. Schummel spitzbart 61.
C. im technischen sinne.
1) im bergbau, sau, kupfersau, eine masse schwarzkupfer Jacobsson 3, 521b: kupferschlacken, so gemeiniglich blau und braun seyn, daraus man die mostkräuszlein schmelzet, geben auch neben den geschlieszenen scheiben kinstöcken und kupferseuen gute kupferbad. Mathesius Sarepta (1571) 71b. schlacken bei der blei- und kupferarbeit, die nicht rein ausgearbeitet sind und noch viel metall bei sich führen. Jacobsson a. a. o. fehler beim abtreiben auf dem herde, wenn das silber in den herd gräbt, solchen aufhebt und das werk nicht zum blick bringt. ebenda; wenn man im schmeltzen, treiben oder brennen ein saw macht, wie jr bergleut redet, oder probirer einen fehlschusz thut, gehet bergherren und gewercken sehr vil dran abe. Mathesius Sar. 155b.
2) namentlich von verschiedenen einrichtungen.
a) eine flache grube unter dem herde des pochwerks, in welcher der schlich, der mit der trübe abfällt, aufgefangen wird. Adelung.
b) ein klotz, an den der baum des göpels, woran der wagen ist, angehängt, und die maschine aufgehalten wird, wenn etwa das seil reiszt, und die last sie zurückschleudert. Jacobsson 3, 521b.
c) eine pfanne mit deckel und füszen. Campe.
d) die viereckige, bis 20 zoll weite ausgetünchte röhre einer malzdarre. öcon. lex. 1495.
e) der ofen in der krappdarre, welcher die hitze verursacht, wodurch die wurzeln der färberröthe getrocknet werden. Jacobsson 3, 521b.
3) im kriegswesen eine art der belagerungsmaschinen. Schultz höf. leben 2, 408, mnl. soge:

si brochten mangen ende pedrieren,
slingren tribuken van manieren,
talpen sogen ende catten. Renout van Montalbaen bei
Schultz a. a. o.

eine gattung von geschützen: item eine gattung so man saw, affen, bawr .. nennt, die wiegt 28 centner, scheust 20 pfundt stein. Fronsperger kriegsb. 2, 6a.
 
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sauaas, n. 1) cadaver porci Frisch 2, 151a. 2) alles, was den schweinen zur nahrung dient Adelung. 3) die geringste sorte mehl, farina e mola impurior quae porcis datur. Frisch 2, 151a. 4) übertragen für schlechtes unreinliches essen, wie für sauen. Campe. 5) auch als gemeines schimpfwort Campe.
 
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sauacker, m. acker, auf dem die säue gehütet werden: uff sauacker Dief.-Wülcker 830.
 
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sauapfel, m. pirus malus silvestris. übertragen für die äpfel vom baume der erkenntnis im paradies: mutter Heva liesz sich nach des teufels sauäpfeln gelüsten. J. Böhme Aurora (Stuttgart 1835) 99.
 
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sauapfelbaum, m. holzapfelbaum Pritzel-Jessen 287.

[Bd. 14, Sp. 1848]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sauarbeit, f.
1) arbeit, das arbeiten in schmutz, daher dann überhaupt unangenehme, schwere arbeit.
2) schlechte, unsaubere arbeit, leistung.
 
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sauarsch, m.
1) hinterstück einer sau; in muthwilliger weise als becher nachgebildet: unnd darnach wann man inn die sprüng kommen, die mutwilligste geschirr herfür gesuchet, als gebichte armbrost, jungfrawschülein .. windmülen, sauärs, lastwagen. Fischart Garg. 19b.
2) auch grobes schimpfwort für einen unflätigen menschen.
3) in einigen gegenden wird das wort für den wirbelwind gebraucht. Schmidt westerw. idiot. 172.
 
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sauart, f. art, benehmen der schweine. übertragen: so schickt es sich noch weniger, so der mensch gar ein sau - arth an sich ziehet und mit dem maul in stettem koth und unflat stecket. Abr. a S. Clara Judas 4, 354.
 
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sauarzt, m. bezeichnung für einen kurpfuscher:

der säwartz kehrt sich nichts daran.
H. Sachs (1591) 2, 4, 55c.


 
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sauauge, n. 1) das auge einer sau. 2) pflanzenname, paris quadrifolia Pritzel-Jessen 265.
 
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saubalg, m. 1) scheltwort, ein säuischer häszlicher balg Campe. 2) pflanzenname, chenopodium rubrum Pritzel-Jessen 92.