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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
pinn bis pinselei (Bd. 13, Sp. 1861 bis 1863)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) pinn, m.pinne,f. aus nd. pin, pinne, mlat. pinna (vgl. pfinne).
1) kleiner spitziger pflock, nagel, stift zu verschiedenen zwecken: der pinn brem. wb. 3, 318. Schmidt westerw. idiot. 137; md. pin, pinne (in der form pinne besonders pfrieme, schusterahle. Schiller-Lübben 3, 327a), die pinne Schambach 155a. Schütze 3, 211. Vilmar 302 (schusterzweck): wenn er eine pinnen davon (vom senkel) in eines schlosz loch gesteckt, ist es aufgangen. Henneberger landtafel 469; die pinnen sind all, sagte frau Mullrich, und meinte unter pinnen gewisse kleine nägel, die unter die schuhe geklopft werden. Gutzkow ritter4 4, 70; pinne als ziel des schusses im centrum der scheibe (vergl. DWB nagel III, 1) Dähnert 349a.
2) kleiner spitziger stab beim feldmessen. mathem. lex. 1, 1010; nautisch jedes scharfe oder spitze ende, oder auch ein stumpfer holz- oder eisenzapfen, der in ein dazu passendes loch eingelassen ist. Bobrik 530a.
3) die schwungfeder des falkenflügels.
 
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pinne, f. aus griech.-lat. pinna, pina die steckmuschel. Oken 5, 349. vergl. pinnenwächter.
 
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pinnen, verb. nageln, annageln, die schuhe mit pinnen beschlagen. Danneil 155b. Vilmar 302; nautisch pinnen, einpinnen, die pinne einzapfen. Bobrik 530a.
 
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pinnenwächter, m. eine art krabben, die zwischen den schalen der steckmuscheln (pinnen) leben, pinotheres. Oken 5, 349 f. Voss Arist. die wespen 1521; pinnewächter (holl. pinnewagter) Nemnich 1, 802; muschelwächter Brehm thierl. 6, 632.
 
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pinnholz, n. das holz des faul- und spindelbaumes, woraus schusterzwecke (pinnen) gemacht werden. Nemnich 3, 440.
 
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pinsch, pintsch, m. das löwenäffchen, franz. pinchon (der binche Brehm thierl. 1, 129); was pinscher.
 
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pinscheback, m. eine gelbe, geschmeidige, goldähnliche metallegierung, engl. pinchbeck, so genannt nach dem gleichnamigen erfinder. Jacobi handlungslex. 389. Schedel 2, 216b; aus spinspeckichte uhr (hausball 4, 15 neudruck, vergl. einleitung vi anm.) hat Göthe 5, 272 H. eine pinschbeckene uhr gemacht.
 
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pinscher, pintscher, m. canis gryphus (Brehm thierl. 1, 388 ff.), eine art glatt- oder stachelhaarige stöberhunde, besonders der affen- und rattenpinscher, denen gewöhnlich in der jugend schwanz und ohren gestutzt werden (engl. pinch, franz. pincer abkneifen, stutzen, woher der name): mit poeten und künstlern pflegt es zu geschehn wie mit pferden und hunden, die man zu Engländern (gestutzten pferden) oder pinschern macht, ohne ihnen mehr futter zu geben, wenn man ihnen nicht gar die operationskosten vom futter abzieht. Zelter an Göthe 245 (2, 264); in euern himmel will ich nicht, in den rattenhimmel will ich — dahin, wo keine ... hunde sind, insbesondere keine pinscher. Grabbe 2, 283; alle pintscher sind äuszerst kluge, höchst muntere und über alle maszen jagdbegierige hunde. Brehm a. a. o.
 
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pinsel, m. die im schriftdeutschen durchgedrungene md. und nl. form statt oberd. pensel, denn mhd. pënsel, bënsel, md. pinsel (Müglin lieder 2, 2) mit franz. pinceau, ital. pennella, engl. peneil aus mlat. pinsellus und dieses aus lat. penicillus, dim. von peniculus schwänzchen.
1) ein haar- oder borstenbüschel an einem stiele, flüssiges damit aufzutragen, besonders der malerpinsel (s. DWB bensel th. 1, 1475): mhd.

in allen sînen sorgenstuont er in der gebære,
als er mit einem penselan einer wende wol entworfen wære. Gudrun 1601, 4;

ir sitzt sam ir gemâlet dar
mit einem pensel schône sît.
Lichtenstein 598, 13;

[Bd. 13, Sp. 1862]



oder het eʒ (wappenthier) ein meisterlîchiu hant
mit benseln dran (an den schild) gestrichen,
die varwe man verloschen vant,
von slegen gar verblichen. Virginal 53, 8;

nhd. pensel damit man malet Maaler 316a, pensel und pinsel Alberus, Stieler, Rädlein, Frisch, bair. pemsel Schm.2 1, 393;

mahler, wenn der pensel alt, werfen ihn zur seite.
Logau 3, 8, 32;

so will ich ihn anstreichen
mit wasser und benseln nasz.
Ayrer 3117, 7;

ein pensel so subtil.
Weckherlin 611;

o stellte doch mein kiel die schönheit deiner (des malers Huber) werke
so, wie du die natur mit farb und pinsel, vor!
Drollinger 76;

mit dem pinsel mahlen. Lessing 8, 5;

feder wird dem geiste dienen
und der pinsel dient dem blick.
Göthe 47, 153;

ihr (künste) aber, der gestalten bildnerinnen
mit meiszel oder pinsel.
A. W. Schlegel poet. werke (1811) 1, 94;

er (St. Lucas) legt den pinsel nieder. 189;

es käme darauf an, ob Raphael nicht den pinsel würde weggeworfen haben, wenn er älter geworden wäre! Heinse Ardingh. 1, 301; aufs neue tauchte er den pinsel in die zartesten aquarellfarben. Gutzkow ritter4 3, 189; den pinsel (gut oder schlecht) führen Lessing 8, 9, daher uneigentlich:
2) die art der pinselführung, die kunst und weise des malers (nnl. een goet, een vry penseel Kramer 291b vergl. 3, b): grosze schönheit der zeichnung und des pinsels. Winkelmann 5, 184; diese gemälde .. scheinen noch einen wunsch übrig zu lassen, welcher auf gröszere stücke von einem freieren pinsel und keckerer manier ging. 180; die heilige dämmerung, die der heroische pinsel des Rubens um den einsam sterbenden Christus ergosz. Clodius Phocion (1780) 75; keuscher pinsel (des St. Lucas) A. W. Schlegel poet. werke 1, 191; diese art malerei (votivgemälde) .. schickt sich besonders gut für meinen ungeübten, flüchtigen pinsel. Thümmel reise 2 (1791), 27; (maler) Seekaz, dessen pinsel ihm besonders bei natürlichen und unschuldigen vorstellungen höchlich gefiel. Göthe 24, 137; er war ein schüler von Brinkmann, dessen pinsel in staffeleigemählden nicht zu schelten ist. 138; die so geistreichen als naiven einzelheiten seiner compositionen, durch einen freien pinsel empfohlen, hatten sich mir lebendig eingedrückt. 25, 305; hier konnte man den auftrag der farben, hier den pinsel nicht loben. 38, 123; der gute künstler hat sich gemartert, und doch erfindung und pinsel, geist und hand verschwendet und verloren. 27, 161; ein bild der heiligen Veronika .. mit niederländischem weichem heitern pinsel gemalt. 29, 339 H.;

(ihre schönheit,) die keines mahlers pinsel noch erreicht.
Schiller 13, 350 (Turandot 1, 1);

durch seines (Michel Angelos) pinsels züge wird entsiegelt
was bange sterblichkeit kaum ahnden darf.
A. W. Schlegel poet. werke (1811) 1, 95;

züge, die sein pinsel scheu entwirft. 182;

(Apelles,) der in reiz den pinsel taucht. 181;


die blumen zur blumenmalerin.

lasz uns nicht vergehen!
tröste unser flüchtiges geschick!
deinen zauberischen pinsel tauche
eilig noch in unsre sterbehauche,
küss die seele auf in deinem blick!
Lenau (1880) 1, 232.

scherzhaft wohl auch der pinselführende, der maler: als wolltest du eine anstellung haben als officieller pinsel, der die verbrecher malt, die man in effigie verbrennt. Gutzkow ritter4 2, 116.
3) übertragen und bildlich.
a) denn eines jeden thun wäre ein pinsel seines gemüthes. Lohenstein Arm. 2, 795;

vom pinsel der natur geschildert.
Brockes 9, 393.


b) die kunst und weise mit worten etwas zu schildern, besonders die dichterische schilderungsgabe (vergl. DWB malen 5, a, gemälde 2, c und schildern):

zürnet, groszen dichter! nicht, dasz der verdorbne kiel
in euren nectar-saft den pinsel tauchen will.
Günther 779;

Drollingers pinsel läszt sich nicht daran begnügen,
dasz er blosz todten stoff, doch mit belebten zügen
auf seine blätter mahlt.
Bodmer krit. ged. 68 (2, 171) neudr.;

wo der kenner einen zug seines (des wahren dichters) schmeichelnden pinsels wahrnimmt. Lessing 4, 32; ein gemüthszustand,

[Bd. 13, Sp. 1863]


dessen abschilderung über die kräfte unsers pinsels geht. Wieland 1, 255;

der pinsel fällt mir willig aus den händen;
wer lust hat mag das bild und — dieses werk vollenden.
Wieland Idris 5, 119;

das resultat meiner hiesigen einsiedelei kriegen sie hier in einem skizzo (d. i. die erste bearbeitung des Götz von Berl.), das zwar mit dem pinsel auf leinwand entworfen, an einigen orten sogar einigermaszen ausgemalt, und doch weiter nichts als skizzo ist. Göthe an Herder (ende 1771). d. j. Göthe 1, 302; sein (Matthissons) zauberischer pinsel in der darstellung des sanften und lieblichen. Schiller 10, 250; eine würgscene fing jetzt an, für welche die geschichte keine sprache, die dichtkunst keinen pinsel hat. 8, 174; doch meine farben reichen bei diesem bilde (schilderung) nicht aus, und mein pinsel ist zu stumpf. Immermann Münchh. 1, 58;

begeistert taucht er in des busens tiefen
den pinsel und er malte warm und mild
dem selgen horcher dein entzückend bild.
Lenau (1880) 1, 127.


c) ein unselbständiger, willenloser, einfältiger, dummer mensch (weil er immer, wie der pinsel vom maler, geführt zu werden bedarf. Kant 10, 134, der niemals etwas mehr als blos lernen und nachahmen kann. 7, 169), vergl. einfaltspinsel:

(willst du) wie ein philister stehn und wie ein pinsel handeln?
Zachariä renommist 4, 242;

der pinsel hätte gestern mehr als eine (ohrfeige) verdient. Lessing 1, 243; der pinsel (vorher narr) muszte sich doch einbilden ... Reiske an Lessing 13, 447; ganz will ich nicht ohne hofmeister bleiben, .. aber so ein pinsel mus es nicht wieder sein. Hermes Soph. (1776) 4, 226; und wer am zoll sitzt, ohne reich zu werden, ist ein pinsel. Göthe 10, 97; da steht der pinsel! Klinger Otto 62, 34 neudruck; ich musz jetzt aufs rathhaus, ein pinsel hat mich verklagt. Lenz 1, 216; der schwache Bürger 49a, der alte pinsel! Körner 251a; hochmuth ist es, der den pinsel von sechszehn jahren aufbläst. Knigge umg.3 1, 131; ein alter, eigensinniger, mistrauischer pinsel. 177; wenn man es mit vornehmen pinseln, mit menschen zu thun hat, die zugleich hochmüthig, unwissend, dumm u. s. w. sind. 3, 28; bair. pemsel, grober, einfältiger mensch. Schm.2 1, 393; zoologisch pinsel, sterna stolida, die dumme meerschwalbe Nemnich 2, 1370.
4) überhaupt ein abgesonderter haarbüschel am thierischen körper (s. ohrpinsel); weidmännisch (pemsel, pimsel, pensel, pinsel) die lang hervorstehenden haare an der scheide der brunftrute des hirsches und rehbocks, sodann (der ursprünglichen bedeutung am nächsten stehend) die brunftrute selbst beim edel-, eber-, dam-, reh- und schwarzwild. Heppe leithund 206. Kehrein 224. vergl. fisel th. 3, 1690 und nd. pesel brem. wb. 3, 309; bair. im scherze der haarzopf Schm. a. a. o.
 
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pinselei, f. das pinseln, vergl. pinslerei.
1) verächtlich für schlechtes malen und das dadurch geschaffene gemälde, vergl. sudelei:

(sie) machen bilder jetzt, jetzt pinselei.
Klopstock 6, 556 II.;

von alledem steht noch nichts in der pinselei (flüchtigen skizze). Gutzkow ritter4 3, 183. vergl. nachpinselei.
2) das thun und treiben eines pinsels (3, c): weg mit den pinseleien (einfältigem tadel). Bürger 141a; so wird dir ein einziger fehltritt höher angerechnet, als andern ein ganzes regiment von ... pinseleien! Knigge umg.3 1, 40; pinselei (dummes zeug)! dir steckt noch immer der elende bursche im kopfe. Kotzebue dram. sp. 2, 317.
 
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pinselei, f. das wehklagen, gejammer. Albrecht Leipz. mundart 183a. s. pinseln (2).