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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
nebeln bis nebelsäule (Bd. 13, Sp. 485 bis 486)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) nebeln, nibeln, verb. nebulare. ahd. nibuljan, nibulen, mhd. nibelen, nëbelen, nd. nevelen. in dem späteren hochd. vocab. noch nibelen, nibeln neben nebelen, nebeln Dief. gl. 377a, nov. gl. 362a. voc. 1482 x 3a. Stieler 1321. bei Maaler 305c nur nibeln, wie noch mundartlich, s. Stalder 2, 236. Schmid 406. Schm. 1, 1713 Fromm. Spiesz 173.
1) intransitiv.
a) nebel entstehen lassen, neblicht sein: das (todte meer) reucht und nibelt ser. Faber pilgerbuch bei Schmid schwäb. wb. 406; feuchte gegenden nebeln immer. Frisch 2, 10b; die dunkeln wolken träufeln ab! nebeln! Herder älteste urk. 1, 84; nur die tiefe nebelt, nicht der berg. J. Paul nachdämm. 108; übertragen: das auge hat hier nichts zu nebeln. antiquar. aufsätze 268. — partic. nebelnd nebel erzeugend, in nebel gehüllt, neblicht, nebelhaft; eigentlich und bildlich:

aus den wäldern und aun, aus denen bäche des todes
dunkel von nebelndem quell nach satans throne sich wälzen.
Klopstock Mess. 2, 372;

wie die nebelnde ferne ein mann durchspäht mit den augen.
Voss Il. 5, 770;

als aus nebelnder ferne
sich zween römische krieger, dem schlosse nähernd, ihm zeigten.
Wieland Hermann 3, 492 neudruck;

des sonnenlenkers gewaltiger sohn
sieht klar in der zukunft nebelnde ferne.
Körner 1, 154;

fern in die nebelnde nacht
fährt mir ein freund dort.
Kinkel ged. (1857) 122.


b) kärnt. neppeln, stark tabak rauchen Lexer 196, tirolisch nêbeln Schöpf 464.
c) nebelhaft schweben, flattern: geheimnisse, welche um die persönlichkeit des freiherrn nebelten. Immermann Münchh. 3, 245; wie in nebel schwankend sich bewegen, unklar, unbestimmt, verschwommen sich zeigen, dunkle vorstellungen lieben, faseleien vorbringen u. dgl.: so nebelt (faselt) er. Voss antisymb. 1, 269;

[Bd. 13, Sp. 486]


sich ins schwebeln und nebeln verlieren. Göthe 38, 132; alles nebeln und schwebeln vermeiden. Jen. litt. zeit. 1876 s. 385; es ist keine nebelnde und schwebelnde empfindelei, die nicht weisz was sie will. hannov. magaz. 1846 s. 803a.
d) schweiz. nibeln, unfreundlich, finster darein sehen wie nebliges wetter. Stalder 2, 236; niblend, der mit den augen schelb und hönlich sicht, torvus. Maaler 305c.
2) unpersönlich.
a) neblig oder wie neblig werden oder sein: es nebelt, es ist nebelicht weter. Erberg 530a; wenn es nebelt, gütiger himmel, was für ein ort ist Kew da! Lichtenberg 7, 61; es nebelt und regnet. Immermann Münchh. 2, 179;

träum ich! ist mein auge trüber?
nebelts mir ums angesicht?
Schiller 1, 307.


b) fein, nebelartig regnen, nebelreiszen, schwäb. nibeln Schmid 406, baslerisch näble Seiler 217a, henneb. es niebelt und nebelt, es regnet heftig, bildlich es giebt tüchtige hiebe Spiesz 173. vgl. neifeln.
3) transitiv, mit nebel erfüllen, umhüllen: genibelt, nebulosus. gemma gemm. r 1a, nubilosus Dief. gl. 384a. s. DWB benebeln, DWB entnebeln, DWB umnebeln.
 
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nebelnacht, f. neblige nacht oder nachtähnlicher, dichter nebel:

wie Judas in der dücken nebelnacht
den lieben herrn so schändlich hat verrahten.
A. Weinheimer geistl. wacht (1642) 129;

ein grauer kampf umhüllt sich bald mit nebelnacht,
und meine fackel leuchtet weit und breit zur flucht.
Göthe 11, 255;

doch ihn entrisz, in nebelnacht verhüllt,
Apollo.
Bürger 162b;

auf einsam hohem thurme,
in trüber nebelnacht ..
halt' ich die stille wacht.
Kinkel ged. (1857) 279;

bildlich:

deine augenlider ..
sind nicht zur nebelnacht
hergeschaffen.
Herder 1, 293 Hempel;

nicht immer liegt das sonnenlicht auf dem pfade des menschen, in täuschender nebelnacht sucht er seine richtung nicht mit dem auge allein, er lauscht dann auch auf geheime stimmen in seiner brust. Freytag handschr. 2, 285.
 
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nebelparder, m. der aschgraue oder bräunlichgraue parder, tigris macroscelis. Brehm thierl. 1, 235.
 
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nebelrauch, m., mhd. nëbelrouch (jüng. Titur. 5665), caligo nebulosa Stieler 1528:

doch welch ein nebel, welche dünste
verbergen plötzlich die gestalt! ..
verdichtet schwankt der nebelrauch und wächst
und webt, er webt undeutliche gestalten.
Göthe 11, 1, 180 H.;

und als er bis zur mitternacht gewacht,
erschien ihm ..
in nebelrauch und schwefelglut der böse.
Körner 1, 232.


 
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nebelregen, m. nebelartiger regen, das nebelreiszen: wohin ich bisjetzt wegen nebelregen und daher entspringender thalfeuchte .. nicht wieder anknüpfen konnte. Zelter an Göthe 550 (4, 342).
 
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nebelregion, f.: da .. traten wir unsern weg keck gegen die dunkle nebel- und wolkenregion an. Göthe 16, 250; wir traten nun wieder aus der nebelregion heraus. 43, 186.
 
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nebelreich, adj. reich an nebel:

nie laszt mich wiedersehn, o nie
die nebelreiche Lombardie.
Platen (1847) 1, 250.


 
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nebelreich, n. reich des nebels, schattenreich:

und heimlich schauernd sehn ich mich hinüber
nach jenem nebelreich, wo stille schatten
mit weichen armen liebend mich umschlieszen.
H. Heine buch d. lied. (1851) 100;

die kunde, dasz von zwei eidgesellen eines heerdes der eine geschieden werden sollte vom sonnenlicht, damit er hinabsteige in das kalte nebelreich. Freytag ahnen 1, 130; ungeschichtliche abentheuer im nebelreich. Voss antisymb. 1, 268.
 
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nebelreiszen, verb., richtiger nebelreisen (s. reisen fallen): bair. es reiszt nebel, es thut nebelreiszen, der nebel fällt in gestalt eines feinen dichten regens zu boden. Schm. 2, 143 Fromm.; das nebelreiszen. 1, 1713. Schmid schwäb. wb. 406.
 
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nebelrosz, n.: da war ihr, als rufe aus den wolken zur rechten ... ein reiter auf grauem nebelrosse: er liegt gefangen im heidenland. Freytag ahnen 3, 305.
 
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nebelsäule, f. säulenförmig aufsteigender nebel:

du, deren goldnem stabe
die nebelsäule weicht.
Matthisson 92;

Fingal kommt wie eine feuchte nebelsäule. Göthe 16, 166.