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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
mull bis mülleresel (Bd. 12, Sp. 2653 bis 2655)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) mull, müll, n. staub, zerfallende erde, unrat; ein im norden heimisches wort, mnd. mul, gen. mulles Schiller-Lübben 3, 132a, flandrisch mul, ghemul pulvis Kilian, das sich einfach im alten oberdeutschen nicht findet, wol aber als collectivum, ahd. gamulli ruder, mhd. gemülle, vgl. dazu unter gemülle th. 41, 3289, und zu müllen zerstoszen (s. d.) gehört; erst die neuere schriftsprache verwendet es. bei Stieler 1302 wird mull als masc., pulvis, pulvisculus nur als vetustissima vox gothica der etymologie wegen aufgeführt, Adelung erst bringt das mull aus den gemeinen sprecharten, besonders Niedersachsens, bei. nur bitte ich mir probemäszige luftsteine aus und verwahre mich gegen allen müll und abfall. Immermann Münchh. 2, 41; bildlich: ja manchmal ist es (das publicum) geneigt diejenigen welche das wirkliche leisten, so herunterzuhalten, dasz wer nicht sicher

[Bd. 12, Sp. 2654]


weisz was er thut, gern den plunder an den nagel hängt, und mit in dem schutt und müll herumläuft, den sie alle machen. Zelter und Göthe briefw. 2, 8. mull heiszt auch die durch dreschen abgelöste haut der getrockneten krappwurzel, die als schlechteste sorte der färberröte verkauft wird. Campe. vgl. DWB mullkrapp; am Unterrhein müll, mill, kleingeschlagenes schiefergestein. Kehrein 285.
 
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mull, müll, m. name der kaulquabbe, cottus gobio, und der roten meerbarbe, mullus barbatus.
 
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mullen, verb. locker werden: wenn trockne erde entweder vom frost mürbe und lose gemacht, oder vermöge einer starken vermischung mit sand, von selbst abbröckelt oder abfällt, so sagt man sie mullet ab. Jacobsson 6, 601a. so nahe die beziehung zu dem oben angeführten neutr. mull läge, so wird das wort doch zu den adj. mollicht, alt molwec, und mülbicht gehören und das ahd. molawên tabescere sein, vgl. sp. 2481.
 
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müllen, verb. zerreiben, zermalmen; im bairischen erhalten, sonst zu mühlen umgedeutet, vgl. oben sp. 2639.
 
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müller, m. molitor, molendinarius.
1) wie mühle auf lat. molina, so geht müller auf mlat. molinarius (ital. mulinaro, span. molinero) zurück, und findet sich als solches lehnwort im hoch- und niederdeutschen, und bis ins nordische: ahd. mulinari, mulnari, molinarius Graff 2, 712, mhd. mülnære; alts. mulenire, mnd. molner; altnord. mylnari, schwed. mjölnare. die mhd. form setzt sich zunächst als mülner im nhd. fort und wird noch von Stieler 1303 aufgeführt: der müller, mülner, molitor, pistrinarius, später und jetzt nur noch im geschlechtsnamen (oberdeutsch auch noch als appellativ, z. b. kärntnisch müllnar Lexer 193); mulner, molitor. voc. inc. theut. o 2b; molendinarius, mulner, mülner, molner, molenner Dief. 365b; an vielen orten sind die müllner befreiet, dasz sie auch den sonntag durch, arbeiten dörfen, weil wir auch am sonntag des brods nicht entbähren mögen. Hohberg 1, 69b;

so thut einer des mülners tochter pflegen. fastn. sp. 651, 25;

und ain esel und ain mülner. 714, 2;

schon im 14. jahrh. hat sich die assimilierte form muller, müller gebildet, die seit dem 16. jahrh. die gewöhnliche wird: molitor, multor, muller. voc. opt. 22, 54; molendinarius, muller, müller, myller, miller. Dief. 365b; multor, muller nov. gloss. 255b; in mittel- und niederdeutscher form moller, möller: molendinarius, molendinator, moller. ebenda; das die möller auf die sontage, wann man in der kirchen sunge, nicht mahlen. weisth. 3, 439 (Wetterau, von 1441); mnd. molre, mölre, moller Schiller-Lübben 3, 115a; dän. möller, welche formen ebenfalls häufig als eigennamen gehen.
2) müller, der eine mühle bedient oder leitet; eine handmühle: müller, fruchtstoszer, pinsor, pistor Dasyp.; und wil her aus nemen (aus dem lande) allen frölichen gesang, die stim des breutgams und der braut, die stim der müller, und liecht der latern. Jer. 25, 2; gewöhnlich der leiter eines mühlenwerks, und ohne weitere bezeichnung der leiter einer getreide mahlenden wasser- oder windmühle: der müller, molitor, polintor Maaler 294d; müller und brotbegken. Basler rechtsqu. 1, 188 (von 1458); ein müller, zu dem wir verbunden seind von unserer herschaft wegen zu mahlen. weisth. 5, 627 (von 1450); so sol auch jeder müller zu allerhand sorten geträides gute reine und nicht grobe peutel haben, damit nicht dem müller zum besten, dem mahlgast ein grobes meel gemacht werde. Löhneysz regierkunst (1679) 312; solte man den müller nicht in die lache werfen, der die räder nicht laufen liesze, ausz beisorge, es möchte zu viel wasser darneben weg flieszen. Chr. Weise erzn. 64 Braune;

metze, müller, metze bieder!
das giebt segen, das!
und der kunde kommt dir wieder. mildheim. liederb. nr. 442, 2;

sprichwörter bezeichnen den müller als eigennützig und als dieb: also weren die müller vor der mül, in der mül und auszer der mül allzeit bereite dieb. Bebels fac. (1589) 110b; gefragt, was das best in der mühlen sei, antwortet er: das die säck nicht reden können; und, warumb man die müller nicht henge, wie andere dieb, antwortet er: darumb, damit nicht das ganz handwerk undergehe. Zinkgref apophth. 1, 223; der müller ist fromm, der haar auf den zähnen hat. Pistorius thes. par. 6, 5; müller, schneider und weber werden nicht gehenkt, das handwerk gienge sonst aus. müller und bäcker stehlen nicht, man bringts ihnen. müller ist nicht eher fromm, bis er zum fenster ausguckt. nichts kühner als des

[Bd. 12, Sp. 2655]


müllers hemd, das jeden morgen einen dieb beim kragen nimmt. Simrock sprichw. 384; für müllers henne, beckers schwein und der wittfrau knecht soll man nicht sorgen. kein müller hat wasser und kein schäfer weide genug. er nährt sich aus dem stegreif wie ein müller. 385; müller, .. von denen das lied gehet:

die müller han die beste schwein,
die inn dem ganzen lande sein,
sie mästens aus der bauren säcken.
Fischart praktik (1574) F 5b;

der zehn jahr ein müller war, diesem, das den beutel steubt
der, der jhm die mühle liesz, scheint gar billich und erleubt.
Logau 2, 184, 36;

der müller mit der metzen,
der weber mit der gretzen,
der schneider mit der scheer,
wo kommen die drei diebe her?
Pistorius thes. par. 3, 49;

des müllers henn und wittwers magd,
hat selten hungersnoth geklagt. 5, 30;

des müllers thier, der esel (vgl. müllerthier): hie wissens weniger denn des müllers thier. Luther 5, 140b;

auch wenn dir not zu pruntzen ist,
so .. giesz ein lange lach daher,
als obs des müllers esel wer. Grobian. D 4b (v. 1027);

in einem bilde für das schneien: eben da war Egidius froh, dasz drauszen müller und bäcker einander schlugen — wie man das wehende schneien in groszen flocken nennt. J. Paul Qu. Fixl. 98.
3) müller, der zermalmende zahn, in einem bilde der bibel: gedenk an deinen schepfer in deiner jugent, ehe denn die bösen tage komen, und die jar erzutretten, da du wirst sagen, sie gefallen mir nicht .. zur zeit wenn die hüter im hause zittern, und sich krümmen die starken, und müszig stehen die müller, das jr so wenig worden ist, und finster werden die gesicht durch die fenster. pred. Sal. 12, 3; auch auszerhalb der bibelsprache: abends kamen frembde herren, ich sasz hinter dem ofen, denen, als sie aszen, sahe ich mit lust zu, allein meine müller hatten nichts zu mahlen. unwürd. doctor 375. vgl. mühlzahn.
4) müller, thiername: des fisches gasterosteus spinachia, dornfisch, steinpicker; des fisches cottus gobio, kaulquabbe (auch mull, müll, s. d.); in Schwaben des schmetterlings, namentlich des kohlweiszlings, von dem staub seiner flügel; vgl. dazu mahler 1, sp. 1456; einer spinnenart, araneus muralis, mit langen beinen, auch bock genannt. Stieler 1303.
 
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mülleraxt, f. axt, wie sie die müller früher zur zierde trugen.
 
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müllerblau, adj. weiszlich blau, von der farbe der kleidung der müller. vgl. DWB müllerfarbe.
 
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müllerbrot, müllersbrot, n. brot das der müller von dem verschiedenen mehle seiner mahlgäste bäckt; als bild für etwas gemeines, nichts besonderes: denn der recht glaub ist nit yedermans ding, und das evangelium nit millerbrot und nye gemein worden in der welt. S. Frank chron. (1531) 522a; gleich als sei der glaub ein müllersbrot, oder trunk weins, oder ein bratwurst, und yedermans ding. paradoxa 138a.
 
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müllerbursche, m. mühlbursche, mühlknappe.
 
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müllerchen, n. kleiner oder geringer müller. auch name der grasmücke, motacilla curruca, wegen ihres einförmigen, einem klap! klap! ähnlichen geschreies.
 
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mülleresel, m. esel den ein müller hält: mülleresel, der die müle treibt und die mälseck msz tragen, asinus molarius. Maaler 294d; wir sind gestern auf müllereseln geritten. Bettine br. 1, 26.