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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
kniff bis kniffigkeit (Bd. 11, Sp. 1434 bis 1435)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) kniff, m. subst. zu kneifen.
1) einmaliges kneifen und der davon entstehende fleck, die gekniffene stelle. einem einen kniff geben. Adelung, der das ganze wort zuerst aufführt: wenn man sich beim ringen und balgen durch die kniffe der halbüberwundenen nicht irre machen läszt. Göthe 24, 101. vgl. knipp.
2) in M. Kramers deutsch-holl. wb. von 1768. 1787 'kniff, de kneep van een hoed', wol falte im klapphute; bei Adelung von scharfen falten in papier, zeug u. dgl., s. gekniffene falten unter kneifen 2, d. nl. kneep f. bedeutet auch einen scharfen einschnitt, nd. knêp m. die taille, auch knêpe f. Schambach 106a.
3) besonders übertragen 'ein unerlaubter handgriff, ein listiger kunstgriff, ein rank welchen man auch einen griff zu nennen pflegt'. Adelung, nd. allgemein knêp, pl. knepe, nl. kneep, auch dän. kneb. nd. in Waldeck auch knippe pl. Curtze 477b.
a) die urspr. bed. ist offenbar diebischer 'kunstgriff', diebskniff (vgl. diebsgriff 2, 1095), nd. dûvenknêp (dûve gleich hd. deube, diebstahl), diebsgriff, heimtückischer streich Brem. wb. 1, 278, Stürenb. 43b. doch könnte kniff bestimmter vom betrügerischen kneifen, kneipen der würfel und karten entstanden sein (s. kneipen II, 1, k), und so scheint es noch Schiller zu kennen: Verrina (zu Fiesco, der herzog geworden). aber schade! der verschlagene spieler hats (das spiel) nur in éiner karte versehen ... hat der unterdrücker der freiheit auch einen kniff auf die züge der römischen tugend zurückbehalten? 179a, Fiesco 5, 16, diesz kniff steht ja wol noch in dem bilde vom kartenspiel, vgl. Wieland nachher. auch schweiz. klupp, knipp (von klieben), bed. zugleich kniff, listiger kunstgriff, es heiszt einem einen klupp geben, einen kniff gegen ihn anwenden. Tobler 110a, das klingt aber wie aus dem ringkampfe; so mag tuck, mhd. tuc, schnelle seitenbewegung, woraus tücke entstand, zu dieser bed. gekommen sein durch eine bed. fechterkniff, finte, wie streich eigentlich fechterstreich ist; vgl. auch engl. trick.
b) übertragen auf ränke, pfiffe, kleine heimliche künste:

dem schlauesten hebräer in B **
dem kein betrug zu schwer, kein knif zu schimpflich schien.
Lessing 1, 32 (schriften 1753 1, 220);

der kniff musz alt sein unter den ketzermachern. 8, 360; es ist mir ärgerlich, dasz ich in meinen alten tagen noch solche kniffe brauchen musz. ders.; jesuiterkniff 7, 174, ebenso advocatenkniff, juristenkniff, staatskniff, börsenkniff und anders zusammengesetzt;

mein unverdroszner mund
soll ... nur einen kniff erzählen.
Bürger 21a;

doch merk eins nur des bösen list! ...
den kniff hat mancher nicht bedacht. 24a;

die kleinen unmerklichen kniffe, wobei die schlaue kokette
nichts wagt und meist mit groszem vortheil spielt.
Wieland 5, 130,

Amadis 18, 3, in der ersten ausg. (1771) 2, 216 aber griffe, nachher nach norddeutschem vorgang geändert, doch ist kniff jetzt selbst z. b. in Tirol gebraucht Frommann 6, 298;

weltweise kniffe sind dir noch bewuszt.
Göthe 41, 168 (Proteus zu Thales);

vor euren praktiken und bösen kniffen
ist das geld nicht geborgen in der truh.
Schiller 325a;

einer der wie Viktor fremde kniffe und laune sammelt und vormacht, scheint sie nachzumachen. J. Paul Hesp. 3, 126;

denn es wird vorzüglicher
zugleich herabgewürdigt durch den leichten kniff,
zu sagen: dieses fehlt dem werk.
Platen 299.


 
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kniffchen, n. kleiner feiner kniff, kunstgriff:

manch hofschranz suchte zwar sofort
das kniffchen zu vereiteln.
Bürger, weiber von Weinsberg.


 
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kniffelei, f. wol knaupelei: nichtswürdige, elende behördenkniffeleien! Varnhagen tagebuch 4, 103. s. kniffeln, knifferei.
 
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kniffelholz, n. der schuster, radula striata. Stieler 1340. M. Kramer (1768. 1787), knifelholz Kirsch cornucopiae, auch kniefel (neben kniffelholz) Aler 1215a. s. kniffen.
 
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kniffeln, auch kneifeln, coarctare, cohibere, coercere aliquem. Stieler 1340, er gibt es zur erklärung des vorigen und folgenden worts; in M. Kramers deutsch-holl. wb. v. 1768. 1787 kniffeln pluizen (klauben, knaupeln), vgl. kniffelei s. kniffen, besonders knüffeln.

[Bd. 11, Sp. 1435]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) kniffelzange, f. der schuster, retinaculum. Stieler 1340.
 
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kniffen , nur landschaftlich, aber von wert.
1) schwäb. kratzen Schmid 319, bair. kratzen, reiben, kauen, zerren, zupfen Schmeller 2, 373, das. auch kniffeln, er vergleicht niffen, niffeln, reiben, wetzen; daher das kniffelholz, zum reiben, kratzen. s. auch kniffeln.
2) falten, falzen, in falten legen: der buchbinder hat uns die blätter wie angegeben geknifft. Maszmann bei Haupt 3, 6. geknifft gefältelt, vgl. gekniffene falten unter kneifen 2, d.
3) das zweite ist wol nur aus kniff 2, falte (nd. knêp), vielleicht neuere nordd. bildung. das erste aber kann mit dem urspr. nordd. oder md. kneifen nichts zu thun haben. dazu gehört wol auch schwäb. kniffig karg Schmid 407 (niffig neidisch das.), das scheinen trümmer eines starken wortes, das man als ahd. knîfan ansetzen dürfte, nebenform zu dem unter kneip vermuteten knîban, es würde dem nd. knîpen entsprechen. nah anklingend auch nordengl. gnipe nagen Halliwell 406a. vgl. DWB knaben, besonders nd. gnuppen, gnapsen dort, s. auch DWB kniften.
 
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knifferbart, m. gebildet wie knasterbart, von einem der das r nicht aussprechen kann, ein arzt sagt zu ihm: es kan sein dasz sich eure mutter bei schwangerm leibe an einem andern solchen knifferbart versehen hat. Weise erzn. c. 27 s. 259. vorher heiszt er schnarrpeter, es musz wol also der schnarrende ton von der anstrengung, das r zu sprechen, darin bezeichnet sein; zu kniffen, kratzen (scharren)? oder druckf. für knisterbart? vgl. DWB knastern (das. 274) vom klange vieler r.
 
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knifferei, f. wol gleich kniffelei: manches scheint unschuldig, was im grunde eine so widrige und gefährliche knifferey ist. K. G. Lessing, G. E. Lessings leben 1, 218. also auch kniffern gleich kniffeln.
 
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kniffig, voller kniffe und pfiffe, nd. knepsch, knêpsch Schambach 106a.
 
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kniffigkeit, f. subst. zum vor.: mit echt jesuitischer kniffigkeit. A. Meiszner in der gartenlaube 1867 nr. 1 s. 11.