| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||
grün bis grünblasz (Bd. 9, Sp. 640 bis 660) | |||||||||||||||||||||||||||||
| 1) das adj. erscheint nur west- und nordgerm.: ahd. gruoni, asächs. grôni; mnl. groene, afries. aengl. grêne, anord. grnn; ableitung zur verbalwurzel grō-, genaueres s. unter DWB grünen form; beachtung verdienen umlautlose formen, die im alem. der älteren nhd. zeit auch schriftsprachlich bezeugt sind und spurweise noch in heutiger ma. auftreten, s. 2, 751; sie erklären sich schwerlich, wie dort vermuthet, durch anlehnung an umlautlose verbalformen gruoen, gruonen (s. DWB grünen form), sondern eher aus der echten form des adj. germ. *grōniz heraus, die in umlautloser substantivierung auf obd. boden mundartlich heute noch lebt: 's gruen junge triebe 2, 749; gruen masc. das frische grün des frühjahrs 1, 276a; das gruen junger schöszling 1, 1001 mit älteren nachweisen; vgl. auch DWB grummet aus gruonmât. 2) nicht selten ist unechtes, d. h. durch miszverständnis oder entstellung anderer wörter entstandenes grün. über grün = grien s. sp. 262; namentlich bei flurnamen konnten verwechslungen dieser beiden wörter eintreten, s. schwäb. 3, 870; grün neben lachen entspringt aus miszverstandenem grienlachen, s. sp. 264; grün lachen heiszt am Rhein so viel wie widerwillig lachen verm. ged. (1869) 191; dass ich von gewissen freunden als ein solcher (eindringling) mit grünem lachen empfangen werde in: briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 2, 322; grobgrün ist eindeutschung von gros - grain, s. sp. 412; dazu mancherlei aus den maa.: alem. grün im sinne rauh, finster, mürrisch Davos 1, 42; 2, 751 beruht auf dem stamm grunn-, ib. 749; grün meerrettig K. G. Anton Oberlaus. ist kren; vgl. 3grien sp. 264. bedeutung. I. wie aus der etymologie zu folgern und aus dem sprachgebrauch zu erschlieszen, ist das adj. zunächst im sinne 'sprossend' auf jungen pflanzenwuchs angewendet worden; doch verband sich damit offenbar sehr früh der beisinn grüner farbe; jedenfalls beherrscht die beziehung auf pfanzliches, sei es unter dem gesichtspunkt der farbe oder unter dem des sprossenden, frischen die ältere sprache bis ins nhd. hinein vollkommen. A. allgemeinste verwendung: grün als die farbe in saft stehender pflanzen. 1) in älterer sprache mit fühlbarer vorliebe von dem (jungen) grün, das den erdboden bekleidet: ahd. gruoniu [Bd. 9, Sp. 641] gramina, virecta 4, 299; ufan gruonemo grase Tat. 80, 5; al kurz grüene gras Parz. 75, 18; uber eine wiesen mit grünem grasz buch d. liebe 116b; auf dem grunen hewe cod. Tepl. 1, 53 (super viride foenum Marc. 6, 39); fallen in den grünen klee Laurin 757 Schade; auf den grünen rasen ras. Roland 1. ges. 24. str.; ein grüeniu roggensât Martina 21, 20; vgl. DWB es kommen auch schon .. grüne spitzen aus dem sand heraus in: briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann und Gervinus 2, 56; weiter 'mit pflanzengrün bekleidet, begrünt': kruonera epani virente planitie 4, 299; grôni wang Hel. 3135 u. ö., nur in dieser oder ähnlicher verbindung; grüeniu heide minnes. 1, 68b v. d. H.; in allen grüenen ouwen 27, 19; auf einer grünen auen ps. 23, 2; auf ein wisen grün Sigenot 26 Schade; in dem grünen anger decam. 50 lit. ver.; auf eine grüne matten ausgew. dicht. 13; her Grüener Plân minnes. 1, 46b v. d. H.; eyn groen playn pascua 415a; grun platz, gron plan vel brink viretum 621c; die grünen felder schr. 1, 31; altgebräuchlich ist auch then gruanan boum 4, 26, 49; diu linde diu ist grüene Ortn. 84, 1; in eynem grünen strauch 2, 89 K.; grüne büsche verm. schr. 1, 123; ebenso: der grüene walt 122, 31; in grönem hag 4; sie ging wohl in das grüne holz geschmückt mit grünen reisern diu welt ist ûzen schœne, wîz, grüene unde rôt grüner prangen die auen den grünsten epheu haben wir gepflückt aus Italiens grünsten myrtenhecken 2) grün werden, sein mit jungem pflanzenwuchs sich bekleiden, bekleidet sein: begynnen groen zu werden virere 621c; es fängt an, .. auf wiesen .. grün zu werden IV 8, 50 W.; hierher soll sie nun nicht eher kommen, bis es ganz grün und warm ist 1, 253 W.; es ist noch nid starch gruen von den [Bd. 9, Sp. 642] wiesen im frühjahr 2, 749; vgl. auch was grün und fruchtbar was, dasz fraszen sie (heuschrecken) alle hinweg thür. chr. (1613) 268; entsprechend: wann ... der hohen frühlingssonne strahl ... alles grün und blühend macht mildh. liederbuch 51; das wider grün macht die zerstampften auen 3) jüngere sprache hat eine reihe typischer verbindungen bildhafter art entwickelt: das erdreich decket seinen staub kommt es nicht wie träumen (jener wald, wo) spatzier in grüner einsamkeit so wird dein (des gartens) grund mit grünem luft begrabt mich unter breiter eich 4) neben temporalen begriffen; sprichwörtlich: grüne weinachten bringen gern schneeweisze ostern d. Teutschen weish. 2, g g 8b; wiewohl man zuweilen auch grüne weynachten gehalten v. vollk. teutscher jäger 397; grüne ostern, weisze pfingsten lebensl. 4, 93; vgl. DWB es ist im monat mai, acht tage nach dem grünen pfingstfeste w. 2, 166; feste verbindung ist schon in älterer sprache der grüne mai: am reyen in dem grünen meyen (alles) fräet sich des mayen zeit, [Bd. 9, Sp. 643] erdk. 1, 237; auf anderer linie liegt grüner donnerstag u. ä., s. u. II A 1 b. 5) in gewissen attributiven verbindungen ist das adj. terminologisch geworden, besonders grünes kraut (s. auch grünkraut); zunächst einfach (im sinne von 1) grünes blattgewächs: grün kraut olus, herba virens 709; die erde keim grüns kraut und mache samen erste dtsche bibel 3, 45; aber frühzeitig bestimmter, eszbares kraut, gemüse: ain grün krauth und dürr bratwürst darauf weisth. von 1474 bei schwäb. 3, 868; welch kind gewehnet sich hernach zum grünen kraut, und nichts als brod und grüne kost zur nahrung B. an sich der grundbedeutung näher, aber heute gegenüber A zurückgedrängt ist eine gruppe von verwendungen des adj., die den begriff des treibenden, frischen, auch des jungen, neuen neben oder vor der farbvorstellung betonen: nimpt man im mayen die jungen und grünen sprosz cosm. 402; im bilde: der letzte grüne trieb .. am absterbenden stamm der kunst Winckelmann 2, 197; ach bäumchen du stehst grüne, und grün des lebens goldner baum 14, 95 (Faust 2039) W.; vgl. und hier mir sproszt des lebens grünster baum unser bluome der muoz vallen, 1) grün als gegensatz zu getrocknet, verdorrt, verwelkt: ist si (die nessel) grüene sam ê, sô geniset er wol; ist ave si erdorret, .. sô stirbet er zwei dtsche arzneib. 28, [Bd. 9, Sp. 644] 23 Pfeiffer; grüene rôsen im gegensatz zu dürren buch der natur 345, 20; kan man das kraut nit grün haben, so nimb es treuge viehbüchl. 48; grün grasz wird auch hew floril. pol. 2, 796; zwei bi dorme fuotter und ein bi grunem fuotter weisth. 6, 101; vgl. DWB grünfutter; groine wark im selben sinne 69a; entsprechend: einem pferd grün füttern teutsch - ital. 2, 198c; grünes gemüse frisches schwäb. 3, 868, in heutiger umgangssprache wohl allgemein; schüsseln fleisch .. von keinem halme grünem gemüse begleitet gesch. s. lebens 1, 85; grn rbaisz teca nov. gl. 359a; georg. cur. 3, kochb. 80a; ein wenig griener bonen privatbr. d. ma. 1, 193 Steinh.; grüne bohnen, erbsen schwäb. 3, 868; psilienkraut .., dieweil es noch grün ist flöhh. 62 ndr.; in ein grüni fygen chron. helv. 1, 232; grüne und dürre birnenschnitze 7, 193; vgl. DWB das die gedörrten kreuter .. gleich wie ein fleisch zu achten sind, dann ihnen ist abgangen der grüne geist, das ist das leben op. (1590) 6, 27; dies grün gestattet, im gegensatz zu 2, eine gleichsetzung mit reif: wie under einer zeitigen grünen weinbeer und einer dürren ein underscheydt sprüchw. 2, 55b; weiter vom baum und seinen theilen (aber anders als unter A 1): us grünen gerten starke widen klenken Äsop 204 lit. ver.; seins grine knippel oder trockne? biberpelz (1893) 15; (er) machte im bauernkrieg den bauern geschütze aus grünen waldbäumen 2, 182; grüner zaun sepes viva 709; zwei formeln zeigen sich besonders entwickelt: grünes holz: wan einer gron holz niderhockte österr. weisth. 10, 137; der eiche grünes holz 1, 133 H.; in mancherlei sprichwörtern: grüns und dürres holtz brennen nit gleich in eim fewr sprichw. (1541) 2, 105a; vgl. florileg. polit. 1, 11; 1, 164; s. auch holz 1 a; vor allem hat eine bibelstelle, Luc. 23, 31, sich fruchtbar gezeigt: wann ob sy ditz thnd an dem grúnen holtz (in viridi ligno), was geschicht an dem dúrren erste dtsche bibel 1, 322 (statt dessen then gruanan boum 4, 26, 49; vgl. Tat. 201, 5); vgl. 2, 756 f.; mancherlei bildliche verwendung knüpft daran an: das grüne holz, die frommen, die stillen, sollen hier zu lande das dürre seyn lebensl. 4, 287; ach männer, männer seid nicht stolz, edles fürstenfreulein .. aber ich, armer Eulenspiegel, 2) grün als gegensatz zu ausgereift: eine grüne unzeytige frucht 22a s. v. acerbus; grünes obst poma viridia et immatura 1, 648; und so heute, wohl allgemein, in nd. und md. maa. (freilich: 'grünes obst macht sogar eine zweideutigkeit, indem man [Bd. 9, Sp. 645] oft nicht weisz, ob es dem gebackenen oder dem reifen entgegengesetzt sein soll' antibarb. 2, 79); daz (korn) verwuosten si dô sâ (äpfel), die grün gebrochen auf dem strohe reifen ey lieber pfaff, und bistu kün II. die grundbedeutung hat eine doppelte specialisierung erfahren: A. auf der einen seite wird das adj. in der bedeutung des frischen, jungen, neuen aus dem bereich pflanzlicher objecte in andere dingliche bezirke übertragen, was natürlich zur folge hat, dasz der beisinn grüner farbe schwindet; diese gebrauchsweise findet sich vorzüglich neben bestimmten begriffsgruppen; fürs ahd. bezeugt durch grne crudum 4, 292. 1) frisch im sinne triebkräftig, lebensvoll, blühend, also mit positiver bedeutungsrichtung; hauptsächlich von menschen; gerade hier liegt der gedanke an eine einfache, von der pflanze hergenommene metapher nahe; gleichwohl wird die wurzelhafte bedeutung im spiele sein. a) Carolus ein junger, grüner fürst voller krieg chron. Germ. (1538) 251b; besonders in der poet. sprache des 17. jh.s reich entfaltet: ein grüner mann, ein rothes weib, die farben wol zusammen ist er von jahren jung und grüne von gestalt denn faul von euch (geschlechtern) sind selbst die grünsten ir sît starc und küene, [Bd. 9, Sp. 646] mein hertz das wirt gruene (ich fasse frischen mut) die (sc. blumen) dienen euren grünen sinnen wer macht die liebesschmertzen (er was) an der jugende grüene Marienleg. 20, 15 Pf.; in meines grünsten alters hand sechs triumph (1578) 246, auch dies bis ins 18. jh. sehr geläufig; nur die folgenden verbindungen sind auch poetischer sprache des 19. jh. noch bekannt: gefehrten grüner jahre ged. 117; vgl. 6, 162; in der träumerischen klause seines ersten grünen lebens d. h. in der stube, die er als jüngling bewohnte s. w. 22 (1827), 227 Reimer; in seinen grünen und lustigen tagen 1, 69 H.b) eine besondere note gewinnt diese bedeutung 'frisch' in geistlicher sprache: 'erneuert, sündelos': viridis ein grunender, der da on sunde ist, grun vocab. pred. (1483) x 5a; uns vermaledeiten, verdampten menschen grün und selig gemacht hat sabb. 24; vgl. sin (des krisoparus) gedutnis ist gevallen c) von der bedeutung 'frisch' aus begreift sich die wendung sich grün machen sich zuviel zutrauen: er macht sich grün damit; 's glück macht ihn recht grün 'übermüthig' schwäb. 3, 869; sik grön maken sich mausig machen, sich hervorthun wollen brem. wb. 2, 548; holst. 2, 74; 162a; wan er sie zu sich zihn ich weisz nit, was es heist, er macht sich trefflich grüne [Bd. 9, Sp. 647] ich machte mich zu gering, d) die bedeutung 'frisch, lebendig' seit alters dann auch neben anderem als persönlichen leitwort: in der hohe des bergis da sint alle dinc nuwe und grune; da si vallin in zitheit, da blichin si und aldint in parad. an. intell. 115, 1 Strauch; guotiu werc diu dâ grüen wâren vor dem zarten got dtsche pred. d. 13. jh. 2, 102 Griesh.; und ist ir (der verstorbenen) ewig leben .. grüner und pluender dann unsers Carlstadt serm. v. stand d. christglaub. seelen c 3a; wie wol ettwen des römischen volcks creft .. erdorrt, so sint sy doch yetz widerumb .. grün worden spiegel (1493) j 1b; und ihm (dem meister) die grüne kraft wünschen, dasz er ... uns ... gebe, was er bereitet hat in br. v. u. a. Lobeck 1, 213 Ludwich; wo bleibt die grüne treu, wo der verliebte schwur neues wol blieb immer grün! der nicht der väter graue ehren 2) frisch im sinne unreif, unfertig, mit negativer bedeutungsrichtung; wo das wort auf menschen angewendet wird, gelegentlich deutlich als bild (von I B 2 her) empfunden: seynd die menschen alsdann nicht zeitig in der hitz der göttlichen lieb, sondern noch grün in sünden hirnschl. 519: doch ist zumal für b auch eine unmittelbare herleitung aus der wurzelhaften bedeutung zu erwägen. a) unreif im sinne jugendlicher unerfahrenheit und unfertigkeit; seit dem 17. jh. in schwang, bald stärker, bald gelinder scheltend oder spottend: einen grünen, unweisen, ungerechten narren dict. (1620) 326; ein noch grüner schulknapp antisymb. 2, 288; er ist jung und, wie es mir bei der unterhaltung .. vorkommen wollte, grün br. 1, 54 W.; weiszt du wohl, Heinrich, dasz du allbereits ein menschenleben auf deiner grünen seele hast? 2, 66; spielt auch der titel des romans, doppelsinnig, mit dieser bedeutung? der bearbeitung der ganz grünen auscultatoren überlassen ged. u. erinn. 1, 25 volksausg.; in gewissen verbindungen in ma. und umgangssprache als sehr starke schelte: eine bande von grünen lümmeln weber 13; so e griner junge 1, 446a; grön bengel 70b u. a.; andererseits in wendungen wie coblenz. dat mädche es mer noch zo grön rhein. antiquar. III 14, 718 einfach 'zu jung'; erweitert: du bist noch zu jung und grün umb den schnabel hist. proc. iur. 492, ein bild, hergenommen von der grünlichen haut, die junge vögel an der schnabelwurzel haben; der noch etwas grüne schnabel ged. 166; eh ihm das milchhaar noch das grüne maul bezogen 498; s. auch grünschnabel; mit präpositionaler ergänzung; ein edelmann, an weisheit ziemlich grün so ein alter, dicker mann, [Bd. 9, Sp. 648] pferdezucht zu unterhalten Grabenh. 1, 72; sie grüne weisheit sie! anrede an ein junges mädchen engelchen 3, 144; vgl. DWB wo diese gedanken .. in ihrer ganzen ersten frische, aber auch in ihrer ganzen grünen unreife verbreitet wurden ders., d. mus. 2, 144; hier dein grünes buch mit den gedichten Schubart bei w. 9, 54; anscheinend nur im älteren nhd. auch von thieren im sinne 'unabgerichtet' (vgl.b): sin pfert, das etwann noch grüne unt nit ganz abgerichtet ist (15. jh.) bei verf. gesch. v. Straszb. I 506; vgl. DWB so darf ers (der hofnarr die herzogin) wol eine grüne merch haiszen schwäb. 3, 870; solche ... noch sehr grüne, junge papageyen und agelastern der politic Pathmos 500. b) im sinne 'ungetrocknet, ungedörrt', überhaupt 'roh' im sinne des unbehandelten, unzugerichteten in anwendung auf gewisse gruppen von concretis: grüenez fleisch Eracl. 3389; von allerley geräuchtem, gedörrtem ... und grünem fleisch geschichtklitt. 76 ndr.; gedigens und grüns fleisch kriegsb. 1, 126a; auch heute noch, s. schneeb. (1892) 127; schwäb. 3, 869; grüne bratwurst ungeräucherte ebda; die würst .., diwyl sy noch grien sind 2, 750 (quelle v. 1581); gröne schinken brem. wb. 2, 548; grune fische Marienb. treszlerb. 432; ein grun lachs privatbr. d. ma. 1, 143 Steinh.; Luther notiert in seiner hausrechnung fisch grun neben fisch durr zs. für hist. theol. 1846, 416; nach grünen heringen sprichw. 2, 81a; gröne aale u. ä. 162a; entsprechend grüne fischer in Nürnberg diejenigen, die nur mit frischen fischen handeln durften 5, 754a; grüne klösze von rohen kartoffeln 1, 446, wo noch weiteres derart; in anderen fällen frisch im sinne unausgereift: grün ist teig, der noch nicht genug gegoren hat 2, 751 (gegensatz rīf); grünes bier das noch nicht vergoren hat 1, 1002; 31, 504; grüner wein im gegensatz zum firnwein 4, 622a; anders: di sure milch ist kelder, die grun ist trucken Bresl. arzneib. 18; grüna milch buttermilch cimbr. 126b; die erste milch nach dem kalben schwäb. 3, 869; auszerhalb dieses bezirks der nahrungsmittel nur noch wenig anwendungsmöglichkeiten: 'grüne roszhaut bei den gerbern, die erst abgeschunden ist' 378b; vgl. 2, 167b; grüne haare welche von frisch abgezogenen fellen abgenommen sind ebda; grün vom pelzwerk = roh 11, 11; dasz kainer dorft hie das garen gren kaufen städtechron. (Augsburg 1500) 23, 435; wie diese gruppe zeigen auch einige andere terminologische verwendungen die bedeutung frisch im sinne des untrockenen, feuchten: nasser oder grüner sand (für formen in der eisengieszerei) 22, 616; nasse oder grüne (kartoffel)stärke 16, 191; vgl. grüeni flechte nasse, im gegensatz zur trocknen 2, 750; der einen dürren oder grüenen flieszenden grind hat ebda (quelle v. 1548); hierher auch ein einzelfall wie: 16. sept. erschlägt ein grünes (d. h. frisches, noch nicht ausgetrocknetes und festgewordenes) gewölbe den doctor Samuel Brandt quellen zur gesch. d. stadt Kronstadt 4 (1903), 142. c) neben abstractis öfter frisch im sinne (zu) jung, (zu) neu: der schmerz sei ihnen noch zu grün 3, 869 (quelle v. 1531); unsre bekanntschaft ist noch grün 3, 74 G.; wir haben ja darüber recht grüne erfahrungen an einigen neueren ... werken notwendigk. e. allg. bürg. rechts 416; ähnlich: wyr haben auch genug geschonet .., da disz ding noch zu grüne und new war 15, 449 W.; vgl. es ist noch grüne mit uns und geht langsam von statten (in dem neuen, sittigen leben) 11, 452 W.; nur in älterer sprache auch in verbindungen wie: ein grüenes (verfrühtes, unreifes) üblgefasstes fürnemen 1, 1002 (16. jh.); aber si griffens zu grüen an, die sach fält in, geriet in ir anschlag nit bayer. chr. 1, 446 Lexer. 3) nur in spuren läszt sich eine abgezogenere bedeutung 'günstig' nachweisen: [Bd. 9, Sp. 649] was hat dein tyrannei gewunnen? a) einem nicht grün sein jem. nicht wohlwollen, durchaus negativ gewendet; von haus aus md. und nd. (heute gerade in nd. maa. allgemein); erst in jüngerer zeit anscheinend infolge literarischer übertragung auch bei Oberdeutschen: er ist mir nicht grüne invisus ei sum 709; stiefväter, die ihren kindern nicht zu grüne sind (parum aequi) tischr. 4, 460 W.; wen ich neide, dem bin ich nicht grüne in: theatr. diab. 2, 72b; vgl. Simplic. 235 ndr.; christl. ritter 40 ndr.; Arm. 1, 1008a; sie ist mir nicht wieder grün geworden ritter 8, 36; dem du nicht grün gesinnt bist briefw. u. tageb. 1, 89; ganz ungewöhnlich ohne negation: du schlieszt aus meiner mine, b) die grüne seite die herzseite; meint es ursprünglich die günstige, holde oder die frische, lebendige? zunächst nur in der wendung sich an jem. grüne seite setzen u. ä. (vgl. franz. s'asseoir du côté du cœur de q.): sitz an die grüne syten min B. auf der anderen seite trat eine specialisierung der bedeutung nach der richtung hin ein, dasz innerhalb der vorstellung junger, sprossender pflanzentheile der farbbegriff sich isolierte und verselbständigte; dieser vorgang ist bereits im ahd. vollzogen, s. u. 1; immerhin erscheinen noch spät aus gründen der deutlichkeit zusätze geboten wie: as der (pfeffer) ouch ryff is, so is hee groyen van farwen v. pilgerf. 146; viridis grün von farben Decimator thes.; vgl. DWB grünfarb. 1) grün als farbbezeichnung schlechthin. darauf, dasz pflanzliches grün den ausgangspunkt bildet, deuten noch die im mhd., zumal in der heldenepik, ungemein zahlreichen vergleichungen grüene als ein gras, klê, seltener louch; bei auch noch andere pflanzen, vgl. zs. f. d. w. 6, 206; nhd. sehr stark zurückgehend: darumb sind sie grüner dan kleeh beschr. d. 3 principien (1682) 142. nach dem ursprung der farbbezeichnung mag man annehmen, dasz das adj. zunächst ein helleres grün bezeichnet hat, aber das ist aus dem gebrauch nicht mehr feststellbar; ahd. glossiert mit viridis, glaucus, cyaneus 4, 299, iacinthinus [Bd. 9, Sp. 650] (s. u. DWB a), was z. th. auch an dunklere farbtöne denken läszt; und seit dem frühen nhd. ganz greifbar für die ganze scala vom gelbgrün bis zum schwarzgrün: ein scharpf, gryen katzengesycht Plin. 6 (glauca oculorum acie); sein (des schönen) augen schüllen ain mittelvarb haben zwischen swarz und grüen buch d. nat. 50; die grün (gewitterwolke) mit schwartz ist die bösest wetterbüchl. 6; angemerkt sei, dasz grün als bezeichnung des wassers erst im 17. jh. aufzukommen scheint: aus der grünen Oostensee fortgepfl. mus. poet. lustw. 1, 431 (gleich nachher: in das blaue meer); mit dem grünen meerwasser friedenss. 43 ndr.; seit dem 18. jh. dann ein stehendes epitheton: des meers dunkle, grüne tiefe im Athen. 3, 195; das grüne, crystallene feld 14, 50 G.; erst jüngere sprache kennt eine freiere verwendung im sinne grünlich schimmernd o. ä.: drei in grünem gold erglänzende schlänglein 1, 180 Gris.; ein grünes feuer, brennt er (der buchengang) grünen schein (der abendstern) mit seinem grünen, mir so lieben flimmer a) vielfältig als grüngefärbt von allerlei stoffen: gruone huta pelles iacinctinas u. ä. 4, 299; weiszen und grenen samat städtechron. 23, 273; ein grün lündisch tuch 21, 50 K.-G.; zimmer mit .. grünen, seidnen tapeten w. 1, 61 R.-M.; danach dann: in der grünen stube IV 1, 228 W.; namentlich im späteren mittelalter häufig von gewandstücken als mode-, fest- oder vornehme farbe: ain grenns gwannth landeshauptl. v. Tirol 48 (a. d. j. 1313); all in gren kleidt in städtechr. 23, 258; in grenen röcken 401, 10; dtsche schr. 148, 21 B.; in einem seyden, grünen wammes decam. 214 lit. ver.; so doch dem kint dise rt eben so not tht als brot und ein grüner rock sch. w. klugr. 173a; er sy arm oder reich, knecht oder fry ... er trag gryen oder grau klaidt d. h. vornehmes oder geringes 2, 175 ndr.; hier ist möglicherweise die redensart vom grünen esel als etwas sehr seltenem anzuknüpfen, die ja auch auf dem gegensatz von DWB grün und DWB grau beruht, s. 1, 514; vor kurzem bin ich .. in Hannover gewesen und habe daselbst den grünen esel gespielt br. 2, 63; freilich auch grüne kuh proverb. 1, 284; in einigen sprichwörtern im spiel mit der bedeutung I A 1: darumb ist die best schwiger, die ein grün rock anhat sprichw. 1, 36a; vgl. flor. pol. (1662) 2, 541; die farbe dient zur kennzeichnung des trägers: als ein fuhrman grün gekleidet Oct. 1, 191; vorzüglich: grien geklaidt in gestalt aines jagers Bürster bei schwäb. wb. 3, 868; unde quam .. in groen kledern mit syme jagehorne chron. 137; einen grünen jagdüberzieher biberpelz 24; vom gastwirth: mit einem grünen kappel in der gaststuben herum gehen theatr. quodl. 4, 103; eine grüne judenmütze 1, 25 S.; vom kleidungsstück auf seinen träger übertragen: grüner jäger ged. (1868) 1, 15; grüne leute mit federbüschen schr. 1, 240; plötzlich wimmelte alles .. von grünen reitern 8, 27; grün als wahlfarbe (vgl. unten 2): dasselbe abzeichen trugen seine diener auf grünem ärmel; denn grün war seine farbe s. w. 3, 388; den bey einem auflaufe der blauen und grünen die ihm entgegene parthey zu ermorden gedachte Alfred 99. b) auf personen angewendet, von ungesunder gesichtsfarbe: welches menschen varb grüen ist oder swarz, der ist pœser site buch d. nat. 43, 15; (der kranke) ist liht grüene under den augen zwei dtsche arzneib. 50, 11 Pf.; sie wart grün und bleich [Bd. 9, Sp. 651] hohler von augen und grüner als eine dirne, der Hymen das warten zu lange gemacht Am. 6, 11; ein grünes gesicht Aurbacher nach schwäb. 3, 870; der sieht immer grün aus ebda; als folge verschiedener affecte: Rosalie wird grün vor ärger 1, 116; auch: (er) wurde darüber vor ärger grün und gelb 4, 174 Schüdd.; ich habe sie .. grün und gelb geärgert 3, 134 Göschen; vor neid: Elisi wurde noch einmal so grün, als sie die ... herrlichkeit sah ges. schr. 2, 249; vgl. beisz dir nur die grünen lippen c) vielfach mehr oder minder terminologisch in der sprache naturbeschreibender disciplinen, in wissenschaftlicher ebenso wie in volksmäsziger redeweise; geographisch: grünes vorgebürge cabo verde in Westafrika Noel Chomel 4, 1381; 1, 107; grüne bank le banc à vert Noel Chomel 4, 1380 und anderes derart; nicht eigentlich terminologisch: das grüne Erin Irland w. 9, 84; auch schlechthin die grüne insel genannt; ähnlich: der grüne Rhein ged. 9382; ges. w. (1906) 1, 3. zoologisch: grüne schlange; grüne springer eine art raupen Noel Chomel 4, 1380; grüner frosch 1, 1381; lacerta ein grüner heydochs XI ling. 786a; melolontha ein gruen wefer, grien roszkefer 355a; mit den cantharides und grünen käferlein op. (1616) 2, 545 H.; vgl. 182b s. v. cantharis; grüner rüsselkäfer curculio viridis 3, 514, woselbst vieles andere derart; grüne fliegen ges. w. 3, 42; groner speht merops 4, 299; nov. gl. 189b s. v. gaulus; ich bin genant der groene specht geschützinschrift von 1572 bei H. 26; vgl. DWB grünspecht; grüner girlitz, kernbeiszer u. a. 3, 514; botanisch: grüne reiszken pilzsorte; grüne freude 'eine art von kräutern' Noel Chomel 4, 1380; grüner faulbaum 1381; grünes ebenholz = Guajakholz 5, 757a; grün holz pinus sylvestris et montana oder genista tinctoria 212; der grüne Borsdorfer apfel 7, 711; mineralogisch: creta viridis grün ärdtrich 1387b; dafür grüne erde 709, grüne kreide Noel Chomel 4, 1380; grüne asche 2, 166b; grüner galmey, vitriol 2, 167b; vgl. vitriolum ... ist als grune steyn 624a; grüner eisenstein, glimmer, granit, kalkstein u. a. 5, 754b; grüner marmor malaquitte Noel Chomel 4, 1350; röm. gesch. 5, 268; vgl. schon ahd. gruone gimma so smaragdus ist 1, 196 P.; allero steino gruonesto 4, 299; hierher weiter ein alchymistischer ausdruck wie grüner löwe portraits (Lpz. 1779) 34; vgl. leu schlusz, th. 6, 826; vgl. auch grüne verrostung (an kupfergefäszen) feldb. 434; grün angelaufen (von einem messingbecken) Pansner schimpfwb. xxxiii; 'da viele grüne mineralien, namentlich farbmittel, giftig sind, gilt grün gelegentlich als farbe des giftes schlechthin' Sanders; gift ist grüner als das grüne gras 25, 179 S.; vgl. sein leib ward (vom gift) grün als ain gräzz gr. Alex. 6125 Guth; optisch: grüner strahl Noel Chomel 4, 1381; schöne grüne ... spectra II 1, 25 W.; medizinisch: grüne galle (im unterschiede von der schwarzen) Noel Chomel 4, 648; vgl. 7, 523; die grien gelsucht 641c s. v. yctericia; vor den grünen siechtagen kräuterb. (1664) 19; 335; der grüne staar glaucoma arzneiwb. 2, 82b.d) ebenso terminologisch vielfach in der sprache der gewerke und gewerbe: grünes glas die geringste sorte 2, 168a; entsprechend grüne hütte wo nur [Bd. 9, Sp. 652] solches hergestellt wird 2, 167b; grüne farbe (als farbstoff), verschiedene arten bei 5, 752b ff.; liesz den soller .. grien malen (Augsburg 1368) städtechr. 5, 133; grüne beize 5, 752b; grüne dinte 2264; grüne glasur (bei den töpfern) 5, 754a; grüne vergoldung 19, 537; grünes feuer in der feuerwerkerkunst Noel Chomel 3, 1588; das grüne licht das seitenlicht an steuerbord, vgl. seemannsspr. 331 f.; in der sprache der apotheke: mit dem grünen wuntpflaster chir. (1497) 79a; ein gut grün dürrpflaster recept bei roszarznei (1618) 64; grüne butter eine kräutersalbe 1673; grüne salbe unguento fatto de herbe medicinali teutsch-ital. 2, 418b; mit den selblin, welches die wundärtzte das grün nennen arzneib. 104a; vgl.koz grüne waldsalbe! ein fluch schwäb. 3, 868; schon Ulr. v. Lichtenstein kennt eine salbe noch grüener denn der klê frauend. 103, 6; grünes wachs als medicament conv. lex. 76, 1337; aber auch als altbeliebter siegelstoff: ein grune wais in: parad. an. intell. 78, 5; abgelöst durch grünes siegellack 5, 757a; vorzeit man siegelt grün der Teutschen weish. 2, )( )( 7a; in der sprache der küche: grüne eier mit petersilie hergestelltes eiergericht Noel Chomel 3, 1261; eine grüne sosze weisth. 4, 136 (15. jh.); vgl. allg. haush. lex. 3, 69; grüner käse nomencl. lat. germ. (1634) 369; 709; er frist das grüne brot schimliges sat. ged. 45 ndr. (vgl. mucida caerulei panis .. frusta Juv. 14, 128); grüne seife teutsch-ital. 2, 758b; 2, 370 E.; grüner magenaquavit Noel Chomel 4, 1381; vgl. sein gläschen grüns Gotthelf nach 2, 750; grüner schnupftoback 5, 756a. e) auch auszerhalb dieser anwendungskreise mannigfach in specifischem gebrauch: bei den meistersingern grün ton gemerkb. d. H. Sachs 10 ndr.; vgl. briefw. 1, 13; die grüne fahne (des propheten) Ibr. sultan 22; eine grüne censur die schlechteste Berl. kunstausst. i. j. 1846, 6; der grüne wagen für den gefangenentransport in Berlin, auch grüne Minna genannt rinnsteinspr. 63; grüner Heinrich schubwagen (Wien) ebd.; das grüne gewölbe in Dresden; verschiedene bedeutung hat der grüne tisch, an sich nur der mit grünem tuch behangene tisch 23, 124 W.; aber gewöhnlich mit besonderem sinn; spieltisch: bald war der grüne tisch und die karten in thätigkeit 15, 50; zaub. 4, 62; gerichts-, verhandlungstisch: du warst der schlaueste teufel, der je vor einem grünen tische stand 2, 199; Roland 2, 153; bei der ministerkonferenz .. kam nichts raus, wie an den grünen tischen nie was raus kommt Isegrim 1, 115; vgl.grüner teppich gericht iudicium aulicum Angliae gloss. nov. 258; heute ist der grüne tisch symbol des wirklichkeitsfremden denkens und arbeitens, namentlich von behörden: neigung, .. vom grünen tisch aus zu reglementieren ged. u. erinn. 2, 235 volksausg.; bedürfnis des soldaten, vom grünen tische weg zu kommen Boyen 1, 269; schweiz. bezeichnet grüner sessel die amtsstelle 2, 750; auch die grüne brille, an sich ganz unverfänglich ( II 1, 25 W.), hat einen beisinn gewonnen: die grüne brille der pedanterei aufsetzen w. 11, 230. in der deutschen spielkarte: grün folia chartae lusoriae frondibus notata 709; das lob (laub) an dem griennen wol zusehen ist schwäb. 3, 868; grün ist gewehlt jocoseria (1611) 2, nr. 241; den grünen scharwentzel erznarren 169 ndr.; vgl. lyr. ged. 443 Palm; in redensarten der volkssprache: ei du grine neine! u. a. 1, 446b. f) grün in stereotyper verbindung mit anderen farben; namentlich gesellen sich benachbarte farben; grün und gelb: salzfleisch, das vor alter grün und gelb geworden erzähl. a. d. Ries 1, 75; grün, gehl und jämmerlich von farben, die nicht zusammenpassen Posen 69; ähnlich Leipz. 126b; gern von den spuren von schlägen: [Bd. 9, Sp. 653] bist du der selb, 2) grün in der farbensymbolik: grün, die farbe des frühlings, ist sinnbild für frohsinn und freude; vgl. schon bei Wolfr. v. Eschenbach: dâ von mîn grüeniu vreude ist val Parz. 330, 20; die grün (varwe) erträgt uns frölich leben grön macht die welt fräden vol grön ist ain lust dem herzen 103; in diesem gedicht erscheint grün als lieblingsfarbe einer dame; vgl. mercks Wien 63, wo es als die angenehmste farb auftritt; es ist verständlich, wenn diese symbolik sich immer wieder erneuert: auf dem grünen lande der glückseligkeit pol. redner 493; grüne freude ... grön ist der mynn ain anfangk [Bd. 9, Sp. 654] vgl. 2, 20, 97; weim. jahrb. 2, 105, 13 f. wird breiter davon gehandelt; vgl. auch in: meisterl. d. Kolm. hs. 568 Bartsch; es bezeichnet weiter auch ein anfangenwollen: grüns ist ain anfang; grüne farb freihait, frou Liebe treit ein grüen kleit III. substantivierungen. A. das neutrum zeigt sich erst seit dem 16. jh. entfaltet, wenn auch ältere spuren nicht fehlen: grun gramina ahd. gl. 1, 371, 68 (12. jh.) vgl. gruoniu gramina 1, 373, 1; virecta 308, 62; 317, 41; swaz grnes Milst. exod. (s. u.); mndl. ist im 13. jh. dat groene, groen bereits gebräuchlich 2, 2154, mnd. nicht vor dem 15. jh. bezeugt, vgl. nd. jahrb. 28, 136; älterer vertreter des substantiv. adj. ist hd. das subst. ahd. gruonî, mhd. grüene s. die grüne f. die verschiedenen flexionsarten zeigen unterschiede nach bedeutung und gebrauch. 1) substantivische flexion (beachte flexionslose formen wie wegnehmen des gr. II 5, 2, 131 W. gemäsz dem älteren gebrauch, farbbezeichnungen u. dgl. als indeclinabel zu behandeln, vgl. lehrgeb. 1, 660; daher noch in moderner sprache der dat. fast stets flexionslos dem grün, doch s. u.). a) als reine farbbezeichnung. viror, viriditas, das grün Alberus Q q 2b; 194a; gleich wie ein welscher han von rot [Bd. 9, Sp. 655] s. w. 5, 15; ... in seinem (des sees) feuchten gr. s. w. (1901) 1, 155; das schwache trübe gr. des südlichen himmels 4, 1, 126; in der sehr üblichen anwendung auf vegetatives grün mit 2) verrinnend: wie die grüne saat ... die zarten spitzen aus dem schnee empor hebt, und das weisz mit sanftem gr. vermischet schr. 1, 29; von unten glänzet uns, an blumenvollen wegen, b) hauptgebrauch im sinne der bedeutung des adj. I A von grün als vegetation. α) mehr collectiv; erst mit dem 18. jh. voll einsetzend und hier offenbar metaphorischen charakters der farbeindruck für das object gesetzt; älternhd. nur in einer präpositionalen verwendung für den begrünten erdboden, allgemeiner 'die freie natur': alle heydnische gewonheit als ... spacieren ins gr. zeitb. (1585) 3, 295; da will jedermann ins gr. gehen lobr. v. w. d. meyen 38 Strauch; ich will ein weil nausz in das gr. und zuhörn dem voglgesang 3, 1707 Keller; kom, Myrta ..., dich zu mir auf das grün zusötzen er (Amor) warf seinen köcher hin [Bd. 9, Sp. 656] 3, 870; in jüngerer liter. sprache klingt die unbildliche verwendung im sinne 'bodenvegetation' gelegentlich nach: wer die ersteigung über gr. gering zu schätzen gewöhnt ist ... nördl. Kalkalpen 144. jedenfalls sind fälle wie die folgenden anders empfunden: dort, wo durch das beblühmte grün unter demselben blau, über dem nehmlichen grün ... und ein fest erblüh uns auf dem grüne der wiesen frisches grün stand mehrenteils befloszen das mädchen sitzet der hügel grün, das grünere der matten ach sie entschwand im grün der gartenlaube ein matter wolf ... betrat ... der eichenbüsche sonnenhelles grün (blumen) weisz und blau und stilles grün kein quell, kein grün, von leben keine spur! β) die vorstellung des vegetativen grüns kann sich nach verschiedenen richtungen verengern und concretisieren; 'laub, blattwerk, strauchwerk': wer gab das grün den zweigen? wenn martinswind, wenn wehest du (beete) umwunden mit dunkelm grüne 27, 41; mannichfaltige blumen und verschiedenes gr. 3, 250 Sch.; mit den ... mit gr. überzogenen ruinen briefw. 2, 259 Körte; wo nehmet ihr in dieser wüstenei winde mir ländliches grün [Bd. 9, Sp. 657] weiter von den jungen trieben des frühjahres; das gruen umlautlos, allg. in obd. maa. s. DWB grün, form 1, sp. 640; im els. masc.: im früejohr, wenn der gruen kummt 1, 276a, vgl. 1, 1001; schles. 31a; Gretchen küszte das erste gr. und betaute es mit ihren thränen lebensl. 3, 1, 6; die felder decken sich mit neuem grün das junge grün empfängt die blühnden glieder c) ungewöhnlicher ist die substantivierung bei der bedeutung II A 1 'lebensvoll, blühend': ich verwelke schon im grün der jugend flammte hoch der muth ach möchte doch ... der hofnung geistig grün d) einzelnes: im 16. jh. als name verschiedener krankheiten, z. th. umdeutung von grien s. dort sp. 264; darumb msz der bischof dick ... purgieren, dann es ist für das gr. gut sat. u. pasqu. 3, 190 Schade; das gr. der kinder ist, wann sie binst gesogen haben, so gewinnen sie grosze krimmen und reiszen im leib, un gehet grüne materi im stulgang hinweg kräuterb. 427; für giftstoffe s. adj. II b 1 c und grüne f.; virosus vol griensz, gifts 622b; rotw. grün = silberwerck (1687) rotw. 167 (vgl. 169). 2) schwache flexion nach dem artikel: das grüne; da bis in das 18. jh. hinein auch das grün schwach flectiert werden kann (vgl. lehrgeb. 1, 660), bleibt in älteren belegen die zugehörigkeit der obliquen formen doppeldeutig. a) das grüne als die grüne farbe schlechthin bis in das 18. jh. möglich: dat grone dat is en herdent lank; wie sich der sonnen gold in ihnen (den blättern) [Bd. 9, Sp. 658] üblich: die sache ... schiene ihm ins grüne zu fallen s. w. 4, 62; die schmeicheläuglein spielen ins grüne b) in der anwendung auf vegetatives grün ist nur die präpositionale fügung ins grüne, im grünen seit dem älteren nhd. breit entfaltet; zuweilen in begrenzterem sinne 'grasboden': (Siegfried) legte sich ein wenig ... ins grüne volksb. v. geh. Siegfr. 85 ndr.; dasz sie einander nicht ins grüne legeten theatr. amor. 1, 182; setzt er sich neben ihr ins grüne und ... fort ins grühne grühne güng es ist zeit hienausz zue schawen, ein gang im grünen wenn er nun durchs grüne drauszen reist unter des grünen [Bd. 9, Sp. 659] wann mans hernach ausz dem grüenen nimpt hippiatr. (1588) 92; vgl. die grüne geben (s. u.). 3) artikelloser gebrauch der pronominal flectierten form: grünes; seit alters von vegetativem grün: (die heuschrecken fraszen) swaz grnes indir was, die mit blumen auf dich streiten man sieht nichts grünes, keinen baum davon er nu grünes trait (d. h. grünes gewand trägt) lieders. 1, 153 Laszberg; sein gläschen grüns (likör) Gotthelf bei 2, 750.B. das masc. der grüne, ein grüner vielfach in volksmäsziger sprache von grün uniformierten soldaten, polizisten, aufsehern u. a., vgl. DWB grünrock, grünspecht; die grüne zu pferd (1792) 1, 1002; 2, 750; schwäb. 3, 868; 1, 446b; zs. f. dtsche wortf. 3, 94; neuerlich die schutzpolizisten (in Berlin und anderorts); 'der teufel' (als jäger) 1, 1002 (s. sp. 654), vgl. DWB grünmantel; der grüne gesellschaftsname im palmenorden neuspr. teutsch. palmb. (1668) 233; nach grün II A 2 a, der grüne = 'rekrut' sold. spr. 14; seltener von grünen thieren: 'grünspecht' 2, 750; 'grüne eidechse' kärnt. 125; für einen wein 448. IV. grün- ist als compositionsbestandtheil in zahlreichen, zumeist jüngerer sprache angehörenden bildungen vertreten, die theils gelegentliche (poetische), theils fachsprachlichterminologische oder alltagssprachliche zusammensetzungen darstellen; die folg. übersicht der compositionstypen notiert nur die weniger entwickelten wörter, ausgebreitetere s. an alphabet. stelle. 1) adjectiva. a) grün- vor einem zweiten adj. der farbbezeichnung, entweder angebend, dasz die hauptfarbe ins grüne spielt, seltener, dasz die betr. sache beide farben nebeneinander [Bd. 9, Sp. 660] aufweist, läszt sich nicht vor dem 16. jh. nachweisen, s. grünblaulicht, -gelb, -schwarz, -weisz an alph. stelle; im ganzen jünger sind: grüngrau: eine kleinere art (von affen) gr. mit rothem gesicht erdk. 3, 763; entsprechend: die ... rispe ... ist grüngraulicht v. Schlechtendal flora v. Dtschl.5 7, 197; du und dein grüngräulicher mantel s. w. 2, 496; -purpurn: unter ihrem (der wellen) grünpurpurnen gewölbe 49, 108 W.; anders zu fassen als verkürztes 'grün wie ein saphir': -saphiren: bald gleichet es dem grünsaphieren faden frauenz. gesprächsp. 6, 341; -silbern: grünsilberner haare bebüschung (von weidenbäumen) s. ged. 2, 198; als gelegenheitsbildung statt 'smaragdgrün' -smaragden: es trägt die grünsmaragdne spange blüten 1. anh. nr. 42 R.; auch tricomposita -grauweisz: die blütenköpfe sind ... gr. v. flora v. Dtschl. 29, 308; -glänzendschwarz naturg. d. vögel 11, 756; -aschfarbig allg. haush. lex. (1749) 1, 113; technisch: -stichblau: man unterscheidet ... ein gr. ... und ein rothstichblau chemie 3, 307. b) grün- mit einem adj. zusammengerückt, der bedeutung des zweiten adj. den farbbegriff beifügend, schon im 17. jh. nicht selten: -blank 83; -blasz (von einer person) schlaf. heer 1, 163;
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