| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||||||||||||||||||
götze bis götzengebilde (Bd. 8, Sp. 1430 bis 1448) | |||||||||||||||||||
| die ältere geschichte des wortes kann noch nicht als geklärt angesehen werden. die erörterungen über die etymologie des wortes stellte PBB 22, 531 ff. auf eine neue grundlage, indem er die bisherige herleitung aus gieszen abwies und götze damit trennte von mhd. gôz, das als 'gegossenes bildwerk' gelegentlich auch auf abgötter bezogen wird (vgl. gôz, m. 2 mhd. wb. 1, 542a). mit Bahder ist davon auszugehen, dasz erst Luther den sinn des wortes zur bedeutung 'abgott' wendet, während es vor ihm nur in den bedeutungen 'dummkopf' und 'bildwerk' nachzuweisen ist. Bahder versteht götze als eine ableitung von gott, die zu einem umfangreichen typus von appellativ verwendbaren kurz- und koseformen gehört, wie sie mit hilfe eines izo-suffixes zu eigennamen und appellativen gebildet werden (z. b. Hinz, Kunz, metze, petz, spatz). götze wäre demnach ursprünglich eine vertrauliche benennung für gott etwa im sinne von 'hausgeist, kobold'; zu vergleichen wären 1göttchen 3, göttlein 1, 1gütchen, 1gütel, 1gütlein (s. überall dort), die bei freilich nur annähernd gleichen bedeutungen diminutivbildungen zu gott sind bzw. es ursprünglich gewesen sein dürften (über die unsicherheit eines nachweises der bedeutung 'kobold' für götze s. u.). über die bedeutung 'abbild eines kobolds' würde götze dann zu der seit dem 14. jh. nachweisbaren allgemeinen bedeutung 'bildwerk' gelangen. an die bedeutung 'bildwerk' oder 'kobold' möchte die seit dem 15. jh. bezeugte bedeutung 'dummkopf' anknüpfen. nach etym. wb. 15276a aber ist es wahrscheinlicher, dasz götze im sinne von 'dummkopf' der aus Gottfried gekürzte und appellativ gewordene eigenname Götz(e) ist. da die bildungsweise solcher koseformen zu zweigliedrigen männernamen in den appellativen bereich übergreifen kann, wenn zugleich die beziehung auf namen und auf appellativ möglich ist (z. b. wird Petz als koseform zu Bernhard auch auf bär bezogen), so soll sich götze dann im sinne von 'heiligenbild' auch zu gott stellen. gegen diese erklärung spricht, dasz die frühnhd. belege weniger eine spezielle bedeutung 'heiligenbild' als eher die allgemeine 'bildwerk' zeigen; doch enthält die früheste bezeugung von götze im 14. jh. im kompositum götzenträger (s. d.) die bedeutung 'heiligenbild'. Bahders versuch, die unmittelbare ableitung des wortes von gott durch die annahme einer schon von zs. f. d. dt. unterr. 5 (1891) 202ff. behaupteten frühen bedeutung [Bd. 8, Sp. 1431] 'hausgeist, kobold' zu stützen, ist wenig befriedigend angesichts der tatsache, dasz die erst seit dem 16. jh. bezeugte beziehung von götze auf wesen der niederen mythologie zweifellos auf der relativ jungen bedeutung 'abgott' beruht (s. DWB D 1 d). lediglich die belege aus einem volkslied bei volksl. (1881) lassen die möglichkeit einer schon früheren beziehung auf den 'hausgeist' offen: und welche frau ein götzen hat sie (die frau) nam ein strick in ire hand für die etymologie von götze darf nicht auszer acht gelassen werden, dasz seine früheste bedeutung die von 'bildwerk' (s. DWB B 1) zu sein scheint, und dasz, falls ein rückschlusz von dem gebrauch Luthers her erlaubt ist, das bild im sinne des äuszerlich sichtbaren, der maske gemeint ist (s. DWB B 2). bezeichnend sind die frühen zusammenstellungen mit larve, putze (butze) (s. ebda), die sowohl eine maske als auch ein schreckgespenst bezeichnen. sollte auf diesem wege ein zusammenhang zwischen den anwendungen 'bildwerk' als sachbezeichnung, 'bild' als maske und 'dummkopf, narr' erschlieszbar sein, der von einer angenommenen bedeutung 'hausgeist' ebenso absehen läszt wie von einer formalen beziehung zu gott? götze flektiert durchweg als schw. mask. die apokopierte form götz, gotz (gocz) findet sich in belegen des 15./16. jhs. häufig, in der bedeutung 'dummkopf' des wortes überwiegt sie vielleicht nicht zufällig; später begegnet sie selten, gilt aber noch weitgehend in den jüngeren mundarten, soweit diese das wort überhaupt noch kennen, s. schweiz. id. 2, 580; ostfries. 1, 668b (vgl. unt. D 1 i). die übliche form ist götze neben im 15./16. jh. nicht selten und namentlich bei Luther auftretenden umlautlosen formen. vereinzelt ist die entrundung zu getzen (akk. pl.) (1531) bei schwäb. 3, 775 und götz (-e-) 'vogelscheuche' rhein. wb. 2, 1328, falls dieses hierher gehört. nicht hierher aber gehört ein gecze bei Luther, das vielmehr als 'geschwätz, gespött' zu getzen, vb., teil 4, 1, 3, sp. 4613 (vgl. in ähnlicher bedeutung gatz teil 4, 1, 1, sp. 1515) zu stellen ist: ein groszer reicher pfaff, der ydermans gecze und sprichwort sein muste 19, 275 W. (fälschlich var. gotze). im wurzelausgang begegnet für normales -tz-, seltener -ttz- (z. b. 47, 169 W.), im 15./16. jh. häufig die schreibung -cz-. in der barockliteratur findet sich gelegentlich -ts- (z. b. verm. Helikon [1656] 1, 209). einfaches -z- ist im 16. jh. selten (z. b. Garg. 64 [var.] ndr.; bayer. chron. 1, 244 L.), häufig aber im 18. und frühen 19. jh. (z. b. s. w. 4, 246 Krämer; 1, 234 G.; ebda 4, 99 u. ö.; s. w. [1834] I 3, 43). singulär steht götsch (ohne nachweis) bei gl. (1816) 210. götze begegnet in seinen alten bedeutungen 'dummkopf' und 'bildwerk' im obd. häufiger als im md.; im nd. raum faszt es, von einzelnen hochsprachlichen literarischen bezeugungen abgesehen (z. b. unt. A 1), nicht fusz. mundartl. reste der bedeutung 'bildwerk' zeigt noch das kompositum ölgötze (s. d.). mit der wendung zur bedeutung 'abgott' wird götze seit der reformationszeit und besonders durch die Luther-bibel allgemeines wort der hd. schriftsprache, während es sich im nd. raum und in nd. bibeldrucken gegen älteres afgod nicht durchsetzen kann; es begegnet hier erst seit dem 17. jh. in hd. bibeldrucken nd. offizinen. im nl. findet sich ein singuläres godse bei etym. teut. ling. (1599) 154b. für eine aufnahme in die gesprochenen mundarten ist götze [Bd. 8, Sp. 1432] 'abgott' von der sache her kaum geeignet; es findet sich dort nur gelegentlich, ebenso wie ölgötze, in speziellen anwendungen, s. unt. D 1 i. A. als scheltwort im sinne von 'dummkopf, narr'; im 15./16. jh., vereinzelt noch im 17. jh. bezeugt. 1) in prägnanter beziehung: (Lischa) sich palde gen der künigin keret zu ir sprache: frau der götz (Dintaro, der vorher mit filcze pauer vnd esell angeredet wurde. die ital. quelle hat lediglich hinweisendes 'costui') wille mir Sirofante weybe zu erkennen geben geleich als het ich ir nye mer gesechen decameron 380, 5 Keller; wer jn sich selbst vertruwen setz du bist eyn rechter gtze vorwar (doktor zum freihart:) abr jhr seit ein recht alber gtz, was narren steht vor der thür? wer ist der alt (der treue Eckhart), der hinnen greint? 2) anderes bleibt unsicher. in einem beleg aus Arigo hat götze die pejorative bedeutung 'männlicher buhle' (vgl. Arigo [1900] 147 f.; d. dt. personennamen [1943] 309), aber vielleicht. ist kotze gemeint, das sonst freilich nur als fem. für 'dirne' begegnet (s. DWB kotze teil 5, sp. 1901): (Geonello) pit euch das ir im dises fleschlein mit eüerm gten süssen roten wein berötet, dann er will ein klein freüde mit etlichen seinen göczen (con suoi zanzeri) haben decameron 576 Keller (spätere ausgaben haben kotzen, z. b. [1535] 190b; [1580] Vv 7a). die gleiche unsicherheit bietet die schimpfrede: was falchen (d. i. flaschen) röten vnd göczen proten ebda (die ausg. von 1535 hat: was falschen verretter vnnd kotzenbruter 191a [nicht kotzenbruder, wie teil 5, sp. 1907 angegeben wird], für kotzenbrauter [s. d.] 'päderast', wie die ausg. von 1580 schreibt). zweifelhaft ist auch eine [Bd. 8, Sp. 1433] stelle in dem weinlied aus dem liederbuch der Clara Hätzlerin, götz und gäblin sind nach Germ. 5, 343 koseformen zu Gottfried und Gabriel, die hier appellativ im sinne von 'jedermann' verwendet werden: mit götz vnd gäblin (var. gotz vnd gabelin) 3) fernzuhalten von götze ist die bedeutung 'schwächling', die a. a. o. und a. a. o. auf grund einiger glossenbelege aus dem 15. jh. für eine weiterentwicklung der bedeutung 'dummkopf' halten. gegen einen solchen zusammenhang sprechen die verhältnismäszig frühe bezeugung der bedeutung 'schwächling' und die tatsache, dasz sich zu dem subst. dieser bedeutung bereits im 15. jh. ein formal und inhaltlich entsprechendes vb. stellt. eher ist diese bedeutungsgruppe mit dem in jüngerer rhein. ma. bezeugten gözen 'weibisch sein' und göze 'klagende frau, weibischer kerl' zusammenzustellen; s. u. gözen, vb. und göze, f. — nicht zu götze gehört auch das bei Fischart begegnende gös, das vielmehr den nl. parteinamen Geus (s. DWB Geusen teil 4, 1, 3, sp. 4638) wiedergibt; vgl. Fischartiana (1924) 39. die ältesten deutschen belege des 1566 wohl nach dem franz. gueux 'bettler' gebildeten nl. namens sind hier nachzutragen: aber disz gfallt mir nur am besten B. bildwerk. 1) als sachbezeichnung für 'bildwerk, plastische figur' nur im 15./16. jh. bezeugt; anklänge dieser bedeutung in lexikographischen umschreibungen des 16. jhs. s. unt. D 1 a γ. in einzelnen fällen können zwar heiligenbilder oder -figuren gemeint sein, aber das wort zielt nicht prägnant auf diese, doch sind die frühesten, noch dem 14. jh. angehörenden bezeugungen dieser bedeutung und des wortes überhaupt in dem kompositum götzenträger (s. d.) zu beachten. möglicherweise hat götze in dieser anwendung bereits einen verächtlichen beiklang, dieser tritt aber erst in der reformationszeit stärker hervor (s. unt. 2). im 15. jh. begegnet das simplex in dieser bedeutung in zwei bearbeitungen der erzählung von dem 'bildhauer in Würzburg', und zwar synonym mit bild: so wil ich euch (den probst) ferben gel vnd rot vnd (der probst) für an der wenth hin vnd hier wider [Bd. 8, Sp. 1434] den bildsäulen, die nach 1. Sam. 19, 13 Michal in Davids bett legt, um die abgesandten Sauls zu täuschen. die vulgata hat an entsprechender stelle statuam, d. erste dt. bibel seul, Luthers bibelübers. bilde; götzenbild bringen erst jüngere ausgaben der Luther-bibel) Keisersbergs narrenschiff (1520) 163b; und die götzen jrer götter thut ab 5. Mos. 12, 3; so hat der hertzog ain götzen an das bett (eines mädchens) legen lassen und die junckfrauwen hingefrt, daneben ain gschray ussgehn lassen, das die junckfrauw gestorben seye, ... aber yetzund ists ouch an tag kommen, und hat man den zuwegen bracht, der den götzen gmacht hat (1542) briefw. 2, 151 Schiesz. in einem wortspiel mit götze 'dummkopf' (s.A); es klingen nuancen wie unter 2 a an: so sagt man, das gmainlich die götzen (d. i. gemalte bilder) 2) für die seit dem 16. jh. neu begegnenden anwendungen des wortes (s. DWB C, DWB D und E) ist es von bedeutung, dasz götze unter voraussetzung von 1 bei Luther die verächtlichen bedeutungsmomente des nur äuszeren, nichtigen und des verabscheuungswürdigen aufnimmt. dabei bleibt fraglich, ob hier ältere, aber nicht faszbare nuancen der bedeutung 'bildwerk' sichtbar werden oder ob Luther den sinn des wortes spontan ins verächtliche wendet, so wie er in der bibelübersetzung mit götze verschiedene, z. t. stark verächtliche hebr. ausdrücke für heidnische götter wiedergibt (s. DWB D 1 a α). unabhängig voneinander werden die verächtlichen bedeutungsmomente nur selten greifbar. a) deutlich wird eine auf das nur äuszere, den bloszen schein und damit das nichtige im gegensatz zu dem inneren, wesenhaften zielende bedeutung in der beziehung auf den äuszeren menschen: gott nymbt dich z ainer larven, streyt in dir, zu gleycher weysz wie in ainer mumerey nit die larve wirckt, sonder der darunder ist ... darumb was ich hab, ist nur ain larva, Christus msz wircken und wir müssen mit unser kunst götzen und larven seyn 17, 1, 144 W.; aber dise lose schandbchlein nemen den gantzen menschen ein, unnd verkehren jne inn ein wildes thier, und bleibt nichts, dann allein der götz unnd blosse leibs gestalt uber tractat v. verbot u. aufheb. d. bücher (1581) 91b. vgl. den gebrauch unter D 2 und die zusammensetzung götzenhirte. b) weniger greifbar wird das moment des schrecklichen, verabscheuungswürdigen. es ist zu erschlieszen aus der häufig bei Luther besonders in der beziehung auf katholische geistliche begegnenden verbindung von götze mit putze (s. DWB butze teil 2, sp. 588) und larve (teil 6, sp. 207), die sowohl etwas äuszeres, eine maske, als auch namentlich eine schreckgestalt bezeichnen (s.C); zum gebrauch Luthers vgl. Drescher in: 10, 2, 509 W. anm. zu 108, 5 u. 111, 16. ferner spricht für dieses bedeutungsmoment die in der Luther-bibel auf heidnische götter bezogene verbindung des wortes mit greuel, die im hebr. text des alten testaments ihr vorbild hat (s. unt. D 1 b β). auf diesem bedeutungsmoment beruht vielleicht die verwendung von götz für 'vogelscheuche' in jüngerer mundart, s. rhein. wb. 2, 1328. gehört dazu auch rhein. goz 2 (mit langem, offenem vokal) 'schreckgespenst', auch in der beziehung auf den fastnachtsnarren, ebda 1329? C. unter voraussetzung von B 2, bes. b im 16. jh. als schimpfwort für katholische geistliche. häufig in der verbindung mit larve und putze. 1) in einer gruppe früher belege dieses gebrauchs, namentlich bei dem jungen Luther, tritt die bedeutung der äuszeren gestalt, der maske und schreckgestalt, hinter der ein nicht sichtbares agens steckt, deutlich hervor. so wird der papst als götze des teufels bezeichnet: das helle liecht der warheyt, welches seine (des teufels) gotzen bapst und papisten auffdeckt ynn aller welt (1522) 8, 681 W.; die anderen stuck deren XII sein, die sein [Bd. 8, Sp. 1435] usserthalb der geschrifft, wie unkraut uff dem christlichen acker, durch den teuffel und seinen gtzen z Rom geseyet kl. schr. 3, 53 Pfeiffer-Belli. geistliche wiederum erscheinen als götzen des papstes: was wollt yhr, gtzen und larven des bapsts, da widder sagen (1521) 8, 496 W.; noch dürffen die tollen, torichten gtzen des bapst sich rmen, der bapst sey uber das concilium unnd eyn herr der gantzen wellt (1521) ebda 8, 497. ähnlich von geistlichen, die nur dem äuszeren schein nach solche sind, nicht aber ihrer inneren haltung nach: unszern gekrnten, hoffertigen bischoffen ... es ist kein volck auff erden, das gott mehr entkegen seyn kan, denn disze gtzen und bischoffs larven (1521) ebda 8, 500; htte und stebe unnd grosse landt machen wol gotzen, aber euangelien leren machen apostel und bisschoffe (1522) ebda 10, 2, 301; daran man aber sihet, das unszer itzige bischoff und geystlichen gotzen und nicht bischoffe sind. denn sie lassen das hohist ampt des wortts, das yhr eygen seyn sollt, den aller geringsten, nemlich capellan und monchen ... sie aber fermelln die weyl und weyhen glcken, alltar und kirchen ... es sind verkerete, verblente larven und rechte kinder bisschoffe (1523) ebda 11, 416; 16, 414; vgl. bischoffs gtzen (1525) ebda 17, 2, 51. in diesem sinne kann das wort wie ein eigenname gebraucht werden: widerumb die hohen reutter und gnedigen herrnn nichts von bischofflichem stand haben denn den blossen namen unnd die kleider, gleych alsz wenn eyn maler eyn bischoffs bild malet und schrieb drber: 'hie stett bischoff gtz, der grobe klotz' (1522) ebda 10, 2, 143; 144. 2) als prägnante benennung der geistlichen: und eher ich mehr sage, wil ich den gtzen und putzen diszer wellt, dem bapst mit seynen pfaffen, trotzen (1521) 8, 488 W.; ists billich, das alle seelen ermordet werden ewiglich, auff das diszer larven tzeyttlich prangen rugelich bleybe? es were besser, das alle bischoff ermordet ... wrden denn das eyne seele verterben solt, schweyg denn das alle seelen solten verloren werden umb des unntzen potzen unnd gtzen willen (1522) ebda 10, 2, 111; (1526) ebda 19, 276 u. ö. 3) gelegentlich berührt sich dieser gebrauch, das moment einer falsch gerichteten verehrung mit einbegreifend, mit einer übertragenen anwendung des wortes in der bedeutung 'abgott' (s. DWB D) auf den papst: denn der papst, ein so schrecklicher götze (qui erat idolum formidabile), für dem sich jedermann fürchten muszte, musz jtzt leiden, dasz ihn seine fürsten verachten und schmähen (1538) tischr. 4, 170 W.; so verordnen ich (die messe) min arme sel irem götz und schöpfer dem bapst testament d. messe 233 Bächtold; der römisch gtz ist ausgethan, D. abgott. bei Luther tritt götze unter voraussetzung von B in die bedeutungen des älteren abgott ein und gewinnt damit den für den gesamten jüngeren gebrauch des wortes entscheidenden inhalt, während die übrigen bedeutungen (A, B und C) zurücktreten. von den verschiedenen sich im 16. jh. auf dieser neuen basis herausbildenden anwendungen behauptet sich freilich nur diejenige unter 1 zusammen mit dem hier anknüpfenden übertragenen gebrauch (s. DWB E) bis in die gegenwart hinein. 1) in konkreter beziehung auf heidnische götter. a) allgemeines zur bedeutung. α) Luther bezieht götze auf heidnische götter, insofern diese bildwerke und plastiken sind oder doch stets als bildlich darstellbar gedacht werden können. wesentlich werden die bedeutungsmomente des äuszerlichen, des nichtigen und des verabscheuungswürdigen, die dem wort einen stark verächtlichen ton geben (vgl. unter B 2). im neuen testament entspricht götze durchweg gr. εἴδωλον. [Bd. 8, Sp. 1436] im alten testament tritt es für verschiedene auf abgötter bezogene hebr. ausdrücke ein, die die götterfigur entweder nach äuszeren merkmalen bezeichnen ( 2. Mos. 20, 4; Jes. 40, 20; 2. kön. 17, 12; 21, 11; Hes. 14, 3; 33, 25; [für hausgötter; vgl. unter d] 1. Mos. 31, 19; Sach. 10, 2) oder aber interpretierend auf das nichtige, den wesenlosen schein zielen ( Jer. 2, 5; 14, 22; 3. Mos. 19, 4; psalm 97, 7). Hes. 5, 11 steht götze auch für das oft auf abgötter bezogene hebr. 'religiöser greuel', das Luther ebenso wie etwa gleichbedeutendes in der regel durch greuel wiedergibt. die sich schon in dem neben differenzierenden ausdrücken häufigen 'idolum' der vulgata zeigende tendenz zur begrifflichen vereinfachung gegenüber den vielfachen bezeichnungen des hebr. textes ist in Luthers übersetzung nicht konsequent durchgeführt; es bleiben neben götze, freilich in geringerem masze, etwa gleichbedeutende ausdrücke wie abgott, bild, bildnis, säule, wie sie die vorlutherischen bibelübersetzungen kennen, bestehen, gelegentlich auch gott (bes. im plur.) in der beziehung auf götterbilder (dieses freilich meist in der übereinstimmung mit hebr. ). β) gegenüber seinen älteren konkurrenzwörtern und z. t. neben ihnen setzt sich götze rasch durch. auch weiterhin gebrauchtes abgott und (heidnischer) gott verlieren neben dem meist diskriminierenden götze ihre im mhd. mögliche verächtliche nuance, wenn auch nicht immer ihren abwertenden nebenton, mehr und mehr; ebenso tritt bei diesen bildungen die mit götze stets verbundene vorstellung bildlicher darstellungsmöglichkeit mehr zurück; vgl. DWB abgott teil 1, sp. 50; gott III, teil 4, 1, 5, sp. 1112ff.; eine ähnliche unterscheidung von abgott und götze bei synonym. wb. 1 (1795) 38; synonym. (1795) 1, 13; 3, 316. γ) lexikographische umschreibungen für götze zielen im 16. jh. noch manchmal auf die bedeutung 'bildwerk', aber die beziehung auf eine heidnische götterfigur ist nicht ausgeschlossen, manchmal sogar durch ein 'idolum' nahegelegt. bemerkenswert ist im hinblick auf nomencl. (1645) 276 (s. unter A 1) die häufige erwähnung der grösze des bildwerks, wozu freilich oft der glossierte lat. text den anlasz gibt: colossus eyn grosser bildstock, eyn grosses bild, eyn vnsglicher gtz dict. (1537) G 3d; idolum ein bild oder gleychnusz eines dings, ein gtz dict. (1556) 643a; amplitudo modica simulacrum ein gtz oder bild einer zimlichen grsse ebda 89a; teutsch spr. (1561) 188d. sonst eindeutig von der figur eines abgottes; für idolum bei dict. (1540) yy 1a ; t.-frz.-it. (1616) 144a; nomencl. (1645) 64; t.-lat. (1741) 269 u. a.; vgl. ferner: simulachrum, effigies ein bildstock, ein götz nomencl. lat. germ. (1634) 484; götze idem quod abgott, idolum, simulacrum, deaster stammb. (1691) 687. b) götzenfigur, heidnisches götterbild. α) die beziehung auf plastische bildwerke wird besonders deutlich bei angabe des materials oder des schmuckes solcher figuren: jener (der heiden) gtzen aber sind silber vnd gold, von menschen henden gemacht psalm 115, 4; unter des aber werdet jr sehen zu Babel, das man auff den achseln tragen wird, die silbern glden vnd hltzern gtzen, fur welchen sich die heiden frchten Bar. 6, 3; vnd die pfaffen (in Babel) stelen das gold vnd silber von den gtzen ... vnd schmcken die silbern, glden vnd hltzern gtzen mit kleidern, als werens menschen Bar. 6, 9f.; Jes. 30, 22; verspey der vilen gtzen rott, [Bd. 8, Sp. 1437] β) zufrühest in biblischer sicht für die götter nicht jüdisch-christlicher religionen: aber die sich auff gtzen verlassen, vnd sprechen zum gegossen bilde, jr seid vnser götter, die sollen zu rck keren vnd zuschanden werden Jes. 42, 17; fieng er (Josia) an zu reinigen Juda vnd Jerusalem von den ... gtzen, und gegossen bildern 2. chron. 34, 3; Jes. 45, 20; 44, 17; 46, 1; die gtzen vnd bilder wil ich dir zum grab machen (var.: ich wil dir ein grab vnter den gtzen vnd bildern geben) Nahum 1, 14; dir (jude) grewelt für den götzen (ältere var.: abgottern), vnd raubest gott was sein ist Römer 2, 22; 1. Kor. 8, 4; 8, 7; 10, 19 u. ö.; vnd (Manasse) thet darmit das dem herren vbel gefiel: vnd setzt viel bilder vnd gtzen opera 2, 300 Huser; zerschlaget in stücken! zerschmettert und brechet! γ) allgemein von den götterbildern polytheistischer religionen, vornehmlich der Griechen und Römer: Romani wolten nit leiden, das man ihre tempel brechen, ihre gotzen verstoren soltte (1544) 49, 541 W.; denn als bald es geschahe, das die rmischen keyser jre gtzen in tempel an die ort setzeten, da der gnadenstul unnd der juden hchstes heylthumb was 52, 547 W.; (Cicero:) habt jhr nit auch wie vnser pfaffn das tyrrhenische meer beschifft ein volk, das ich hasse, c) auch in den fällen, in denen die beziehung auf heidnische gottheiten als götterbilder weniger greifbar ist, ist die möglichkeit bildlicher darstellung meist mitgegeben: solchem (dasz sich gott an einen bestimmten ort gebunden hat) haben die Griechen und andere heiden mit der zeit nachgeahmet, ihren götzen auch an gewissen orten tempel gebauet tischr. 4, 612 W.; wie sie (die heiden) denn die empter ausztheilten vnter jre götzen Sarepta (1571) 30a; die nahmen der heidnischen götsen und götsinnen ... sollen von uns ... nicht gebraucht ... werden verm. Helikon (1656) 1, 209; über uns waltet kein römisches fatum, über uns nicht der Brukter und ihrer nachbarn dunkle götzen gefühle, bilder (1819) 1, 254; die freude, gegen den 'götzen Mahomed' zu streiten literaturgesch. 792. verhältnismäszig selten steht eine [Bd. 8, Sp. 1438] personhafte vorstellung heidnischer, besonders antiker götter im vordergrund, während das moment bildlicher darstellungsmöglichkeit zurücktritt: Mercurius der götz hat die leut vor zeiten gelehrt ..., die leut betriegen ist kein vnthat, sondern ein geschwindigkeit floril. polit. (1622) 1, 108; schr. (1663) 406; (auf dem Sinai) finden sie keine spur von krater ... oder sonst von etwas, das eine alte schmiedeesse des hinkenden götzen verriethe s. schr. (1835) 4, 419. in der beziehung auf den als kind vorgestellten liebesgott; vgl. die diminutivbildungen 1göttchen (s. d. 2), göttlein (s. d. 2): sie (die verliebten) haben, unter so vielen göttern, den kleinsten und geringsten götzen vor sich ausersehen ostländ. lorbeerhayn (1657) 32; Cupido ist der heydnisch gtz der frewd vnnd frligkeit floril. polit. (1662) 1, 92; (Venus) behüte sie vor der leichtfertigen range, ihrem sohne, dem götzen Amor briefw. u. tageb. (1873) 7, 296. d) gelegentlich handelt es sich nicht um eigentliche heidnische gottheiten bzw. deren abbilder, sondern um wesen der niederen mythologie, deren bezeichnung durch götze indessen keineswegs mit einer möglichen älteren verwendung des wortes für 'kobold' (s. o. sp. 1431) in zusammenhang gebracht werden darf. auch hier liegt stets die bedeutung 'abgott' zugrunde, zumal auch die bibel den götzendienst mehrfach als dämonenkult betrachtet (vgl. lex. f. theologie u. kirche 4, 626 Buchberger). von fetischartigen gebilden, hausgöttern: vnd Rahel stal jres vaters gtzen 1. Mos. 31, 19; 34 u. ö. oft im anschlusz an diese bibelstelle, z. b. 9, 586 W.; s. w. 5, 485 Schiebler. von einem waldgott: da sprach der götz, mit solchen knaben (einem bauern) es het ein mann ein höltzen götzen; e) das moment der verachtung tritt besonders hervor, wenn der götze als das absolut andere dem jüdisch-christlichen gott gegenübergestellt wird: denn aller heiden götter sind götzen, der herr aber hat den himel gemacht 1. chron. 17, 26; d. psalter (1553) 172a; das unser her sol von uns die parteken (almosen) nemen und von uns gewartten, gleych als er eyn gocz wer, den wyr myt unsern wercken bessertten 34, 2, 95 W.; habend nit die boten ouch zum ersten anzeiget, dasz die abgötte nit götte, sunder götzen wärind dt. schr. 1, 268 Sch.; als ob dem gott der menschheit ein götze gegenüber stehe der Zebaoth heisze Brentanos frühlingskranz (1844) 97; es erfordert [Bd. 8, Sp. 1439] einige kraft, den tod der götter zu überstehen, ohne auf götzen hereinzufallen Bernadette (1948) 184. f) die ohnmacht der götzen wird in bereits biblisch vorgeprägten wendungen vielfach betont: jre gtzen sind wind vnd eitel Jes. 41, 29; denn die gtzen reden eitel mhe Sach. 10, 2; so wissen wir nu von der speise des gtzenopffers, das ein gtz nichts in der welt sey 1. Kor. 8, 4; (1527) mon. Germ. päd. 21, 118; schau aller heyden götzen an: der priester Jupiters, der diener todter götzen, umsonst! der stumme götz (Mahomet) ist taub g) die tautologische verbindung vermeinter oder falscher götze gründet in dem begriff des falschen gottes, der in wahrheit eben kein gott ist. der sache nach ist diese vorstellung unter e gegeben. anstelle eines gelegentlichen die valschen göt (vulgata: falsi dii) erste dt. bibel 9, 246 Kurr. setzt Luther prägnant götze: ein ... onmechtiger gtze Baruch 6, 58; vgl. DWB götze ... deus falsus et commentitius dt. wb. (1734) 1, 626. tautologische verbindungen begegnen erst seit dem 17. jh.: dasz man sich der heydnischen vermeinten götzen für das, was jhnen zugeeignet worden, gebraucht frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, N 2a; das ist so ein Ahab und Jerobeam, [Bd. 8, Sp. 1440] drum wer die reichen glücklich nennet h) meist biblisch vorgeprägte wendungen umschreiben das verhältnis des menschen zum götzen. α) von der voraussetzung aus, dasz die götzenfigur menschenwerk ist. götzen machen, aufrichten u. ä.: jr solt euch keinen götzen machen noch bilde, vnd solt euch keine seulen auff richten, noch keinen malstein setzen in ewrem lande, das jr dafur anbetet 3. Mos. 26, 1; die stedte darauff er (Manasse) die höhen bawete, vnd hayne vnd gtzen stifftet 2. chron. 33, 19; wer sind die, die einen gott machen, vnd gtzen giessen, der kein ntze ist Jes. 44, 10; gtzen auffrichten weish. 14, 12; und an stat deines worts hat er (gottes feind) zu deinem (gottes) spot bildstöck und götzen aufgesötzet ged. (1894) 1, 351; Aaron, der aus furcht vor dem murren des volks, ihm einen götzen machte 11, 151 L.-M. götzen zerbrechen u. ä.: du solt jre (der heiden) götzen vmbreissen vnd zubrechen 2. Mos. 23, 24; jre götzen mit fewr verbrennen 5. Mos. 7, 5; br. 9, 32 W.; abgötterey er (Assa) reutet ausz, β) in wendungen, die sich auf den götzendienst beziehen. den götzen dienen: vnd (die juden) dieneten den haynen vnd gtzen 2. chron. 24, 18; ich diene nicht den gtzen, die mit henden gemacht sind v. d. Bel zu Babel 4; 2. kön. 17, 12; 41. die götzen ehren: die (Ägypter) ehreten einen ochsen und götzen, Apin tischr. 1, 368 W.; Baal ..., ein göz, welchen die Samariter ehreten hochdt. rechtschr. (1657) 118; die Rugier, welche vielköpfigte götzen verehret haben anmuth. gelehrsamk. (1751) 9, 92 Gottsched; Abraham sprach zu seinem vater Azar: ehrst du götzen für götter? I 39, 432 W. den götzen opfern: vnnd Amon opfferte allen gtzen, die sein vater Manasse gemacht hatte, vnd dienet jnen 2. chron. 33, 22; vnd viel aus Israel willigten auch dar ein, vnd opfferten den gtzen 1. Makk. 1, 45; dasz sie den götzen opferten volksbüchlein (1835) 11. götzen anbeten: (Amon) dienet den gtzen ... vnd bettet sie an 2. kön. 21, 21; am letzten Daniel liesz der könig zu Babylon ein gebott auszgehen, menniglich solt sein gtzen ... anbeten kriegsbuch 1 (1578) l 4a; auffallend bleibt es, ... hier (im orient) die verrücktesten götzen in riesenhafter grösze verfertigt und angebetet zu sehen I 7, 24 W. ähnlich: und beugte sich schändlich i) der vergleich eines unbeholfenen, steifen oder sich stumm, erschrocken verhaltenden menschen mit einem götzen entspricht dem vergleichenden gebrauch von ölgötze (s. d. unt. 1 u. schweiz. id. 2, 581). wie dieses, so wird auch götze in dem vergleich zunächst ein heiligenbild (s. 3) meinen, möglicherweise aber auch einen bildstock (s. DWB B 1), [Bd. 8, Sp. 1441] vielleicht einen lichtstock, wie er der sache nach seit dem späten mittelalter bei hausaltertümer 1, 277 ff. nachgewiesen ist. in diesem vergleichenden gebrauch aber wird götze schon früh auf die bedeutung 'abgott' bezogen, wie die attributiven umschreibungen mit blind und stumm nahelegen (vgl. unter f) und wofür auch der erste beleg spricht, in dem götze auf das nichtige (s. DWB B 2 a) zielt, d. h. auf eine der grundbedeutungen für götze 'abgott' (s. DWB D 1 a α) im gebrauch Luthers: das ein erbar rath nichts thue, keine macht habe ..., sondern sitze da wie ein gotze und zyfra (d. i. ziffer, null) unnd lass yhm frkauwen von der gemeyne wie eym kinde (1525) 18, 539 W.; (der sultan) sasz da wie ein götz reyszbeschr. (1619) 57; ob dieser rede erschracken die andern all ... und erstummeten wie die blinden götzen grillenvertreiber (1670) 41; still schweigen als ein stummer götz insomnis cura par. 75 ndr.; nun stehn sie (die umstehenden personen) alle doch 2) im 16./17. jh., später nur vereinzelt, begegnet eine 1 gegenüber erweiterte anwendung in religiöser beziehung auf das wesenlose, nichtige, eitle (vgl. DWB B 2 a), dem ein mensch anhängt. bedingend für diesen gebrauch ist der einflusz von abgott, das auf der grundlage neutestamentlicher vorstellungen (z. b. 1. Kor. 10, 7; Ephes. 5, 5; Kol. 3, 5) schon vor (z. b. pred. 260, 19 V.; ebda 275, 19) in gleicher weise über die konkrete beziehung auf heidnische götter hinaus auf gegenstände einer weiter gefaszten (inneren) idolatrie bezogen werden konnte. zum sachlichen dieses erweiterten gebrauchs vgl. catech.-milch (1657) 1, 197 unt. götzenwerk 3. die grenze zu dem seit dem 17. jh. begegnenden übertragenen gebrauch unter E ist unscharf, im wesentlichen aber durch den weniger religiösen oder überhaupt auszerreligiösen charakter des gebrauchs unter E bestimmt. a) in der anwendung auf die 'falschen götter des herzens': denn die gtzen fur gott sind keyn schertz, als da sind die gtzen ym hertzen, falsche gerechtickeyt, rhum von wercken, unglauben, und was mehr ym hertzen an Christus und seyns glaubens stat sitzet (1525) 18, 78 W.; luogen aber ir (kinder), das ir kein götzen im hertzen haben, sonder gott im geist und in der worheit allein anbetten (1527) mon. Germ. päd. 21, 120; do gissen wyr uns eyn goeczen aus den gottes creaturen (wie speise, kleider, weisheit) quibus ubi debemus, non illis fidere (1529) 29, 89 W.; darumb so haben sie (die hohenpriester) aus dem tempel ein kauffhaus, einen geitz, ein mordergruben und gottzengruben gemacht, dan sie hatten den gotzen, juncker geitz, hineingesetzet ebda 47, 390; aber der bapst spricht: du (der mönch) bist weitth in einem hohern stande, und setzet dan den gottzen darzu, als vermessenheit in eigene gerechtigkeit und weiszheit ebda 47, 169; er ist von gott gewichn, [Bd. 8, Sp. 1442] b) auf glaubensgegenstände und -meinungen bezogen, soweit sie von einem bestimmten religiösen, besonders vom protestantischen standpunkt her nichtig und verwerflich sind: darumb ist gewiszlich alle menschen lere eyn potze und gtz an gottis statt gesetzt und abgtterey (1522) 10, 2, 133 W.; meinstu, es sey eine geringe teufels hure, die solchen schrecklichen artickel (über den ehestand) (das ist gtzen) in jrer kirchen gestifftet, geleret, geehret, gehalten hat (1541) ebda 51, 527; (die maulchristen) haben keinen rechten gott, sondern einen tauben, blinden gott und götzen ders., tischr. 2, 397 W.; nimmet er (der mensch) aber ein werk oder gottesdienst für aus eigener andacht und gutdünken ..., so ehret und betet er ein götzen an, den er ihm selbes erdichtet in seinem herzen wider gottes gebot und befehl ebda 6, 57; wendunmuth 3, 300 lit. ver.; diese bilder (die falschen religiösen meinungen) aber haben weder in der natur noch im bernatrlichen gttlichen glauben keinen grund, sondern sind stumme gtzen, und ihre diener sind Baalsdiener s. w. 5, 585 Schiebler; also that es itzo vielmehr vonnthen, dasz die magia naturalis wieder offenbar werde, auf dasz doch der titulchristenheit ihre selbgemachte gtzen durch die natur offenbar und erkannt werden ebda; derselbe (der Zwinglianer, der eine falsche gottesauffassung vertritt) macht in seinem herzen einen götzen, und ist wahrhaftig ein götzendiener catech.-milch (1657) 1, 127. ähnlich noch vereinzelt im 18. jh., hier jedoch deutlich von der inzwischen auf 'heidnischer gott' (s. unter 1) eingeschränkten bedeutung her. die jüngere orientierung dieser erweiterten anwendung an der eigentlichen bedeutung tritt bei einzelnen zusammensetzungen stärker hervor als beim simplex; vgl. DWB götzendiener 1 d β; götzendienst 1 b β; götzenknecht 2: eure gegenwärtige abgötterey, zufolge deren ihr nun schon so lange keinen andern vor den lebendigen gott erkennen wollet, als den monströsen götzen, den euch eure fleischlich gesinnten pfaffen unter der gestalt dreyer personen in einem wesen in eurer phantasie aufgestellet göttlichk. d. vernunfft (o. j.) 136. 3) heiligenbild. im anschlusz an die ältere bedeutung 'bildwerk' (s. DWB B) kann götze unter einflusz seiner seit Luther möglichen beziehung auf heidnische götter (s. 1) als prägnante bezeichnung der heiligenbilder gebraucht werden. a) diese anwendung des wortes ist vielleicht nicht von Luther begründet, gewisz aber von ihm vorbereitet worden: also solt man auch die heilgen im himel gehalten haben, als nemlich fr kinder gottes, fur unser bruder und schwester, ... nun aber seind die leichtfertigen geist tzu gefallen unnd haben auffgesehen und bey dem volck solich gtter oder gtzen auff gericht (var. sy gantz z apgtter gemacht) (1522) 10, 3, 323 W.; (Bonifacius III.) hat ihn (das Pantheon) anders getauft, an statt aller götzen (der römischen götter und ihrer bildnisse) aller heiligen kirche genannt, ... dadurch er die anrufung der heiligen und neue abgötterei gestiftet hat (1533) ders., tischr. 1, 232 W. doch auch schon prägnant, s. unt. b. mehrmals erscheint götze in verbindung mit anderen bezeichnungen für heiligenbilder: aber die grossenn hansenn ... habent gleich genüg, wen sie die erschünden reichtum ... zm tail ans heilgthum, gtzen vnd püppen werck geben, so mssent sie den gen hymel christenl. vnterricht (1523) B 1a; darumb ist wallen gehn zu den heiligen, oder götzen, sünde von tantzen (1543) b 1b; was bedeuten dieselbigen (nämlich gottes und der heiligen) bildlin anders, dann das die götzen vnd bilder nicht tüchtig noch nutz weren die geheimnis gottes zubedeuten vnd fürzubilden Calvin instit. christ. relig. (1572) 50. ebenso neben einer gleichzeitigen beziehung auf heidnische götterbilder: W. Rusz waher die bilder oder götzen mit jrem gepreng, beid der haiden und genanten christen kummen (1532) (titel). im 16. jh. in prägnantem gebrauch durchaus geläufig: [Bd. 8, Sp. 1443] die helgen heissen sy (die protestanten) jetz gtzen bei tauber götzen ohren statt Wodans unsichtbarer gottheit, b) die anwendung von götze 'heiligenbild' erinnert manchmal an diejenige des wortes in der beziehung auf heidnische götter. auch die heiligenbilder sind blind oder stumm (vgl. unter 1 f): es (die vom pfarrer verbrannten apostelfiguren) seindt nit gottes liebe knecht, [Bd. 8, Sp. 1444] da haben die armen cristen so ubl gehandlet, dass sie die götzen erschlagen haben (Augsburg 1529) städtechron. 29, 44; hernach wurdent alltr vnd gtzen zerbrochen und abgethan reformationsgesch. 2, 221 Hottinger-V. archaisierend: und unter dem rufe: fort mit den götzen! ging es an ein hämmern, reiszen ... und zerspalten ges. w. (1889) 6, 367. c) metonymisch steht götze gelegentlich für 'heiligendienst' und für 'katholizismus' überhaupt: schickt man die statknecht z den werckleuten der stat, dasz sie solten am auffertag nit arbaiten, dasz wir (protestanten) uns nit versundigten am götzn, wann es was des keisers stathalter hie auf (Augsburg 1535) städtechron. 29, 65; die Haager betend, dass man das weibervolk, dem der götze noch im herzen steckte, dismalen nichts zusuchen wolle (1741) in: schweiz. id. 2, 580. 4) gelegentliches götze(n) für ein gebäck aus mehl, kartoffeln, käse o. ä. im omd. (bes. im Erzgebirge) beruht auf volksetymologischer entstellung aus getze(n), m. (teil 4, 1, 3, sp. 4612), gätz, m. (teil 4, 1, 1, sp. 1515) 'mehlspeise' unter beziehung auf götze D 1. ob und wieweit dieser irrtümlichen beziehung volkstümliche vorstellungen vom 'gebackenen und gegessenen gott' (vgl. dazu hdwb. d. dt. aberglaubens 3, 976ff. unter gotteskuchen) zugrunde liegen, ist unsicher; vgl. DWB getzen, DWB gätzen obersächs. 1, 415b; käsegötze (schles.) bei z. volkskunde (1879) 437; für das thüring. unter ölgötze 3 (teil 7, sp. 1279): uns beiden studenten wurde (im Erzgebirge) als leckerbissen jene mehlspeisen, götzen genannt, bereitet d. mensch im spiegel d. natur (1855) 4, 164. E. übertragener gebrauch. in fast ausnahmslos verächtlichem sinne wird götze in säkularisierender übertragung des auf die bezeichnung heidnischer götter eingeschränkten gebrauchs unter D 1 auf personen, einrichtungen und sonstige gegebenheiten bezogen, denen jemand verfallen ist oder die er aus eigennutz oder in verblendung über gebühr umwirbt und verehrt. dieser seit dem 18. jh. und bis in die gegenwart hinein reich bezeugte gebrauch begegnet gelegentlich schon im 17. jh. in fällen, in denen er an den erweiterten religiösen gebrauch des wortes unter D 2 anknüpfen kann (vgl. DWB E 2 a) oder in denen ein uneigentlicher gebrauch von gott die übertragene anwendung von götze begünstigt (vgl. DWB E 2 b). überhaupt hat dieser übertragene gebrauch von götze weithin einen uneigentlichen gebrauch von gott (s. d. unter III E) neben sich, unterscheidet sich jedoch von diesem ebenso wie von dem erweiterten religiösen gebrauch von götze D 2 durch einen mehr oder weniger weitgehenden verlust religiöser bezogenheit. — die auch übertragen gebrauchte verbindung falscher götze s. unter D 1 g. 1) in geprägten wendungen. a) etwas zu einem oder seinem götzen machen, erheben usw. in dem allgemeinen sinne von 'etwas an sich wertloses oder nur relativ werthaltiges einseitig bevorzugen und überbewerten', vorwiegend sachlich selten persönlich bezogen: seinen götzen an etwas haben idolatrar qualche cosa teutsch-ital. 1 (1700) 552b; damit man weder aus seinen büchern, noch aus seiner eigenen meditation einen götzen mache, sich darauf allein verlasse monita pastoralia theologica (1717) 84; wir ... erheben leblose dinge zu götzen über d. ehe (1792) 9. vergleichbar: dasz, was als pseudoreligion gedankenloser anbetung des fortschritts Europa entseelte, unsern unbewuszten götzen, die maschine, zum wirklichen gott der gottlosen erhebt geist u. reich (1933) 143. ähnlich in einem bild: es ist des glückes rad recht eine töpfer-scheibe, [Bd. 8, Sp. 1445] zeit, da man ihn auf den altar stellte, ... immer standhaft meine anbethung verweigerte w. (1814) 1, 39. b) sich einen götzen machen u. ä. mit neigung zu der speziellen bedeutung 'sich ein trugbild schaffen'; vgl. 2 a: zwar trennen 2) in verschiedenen anwendungen. a) in der beziehung auf seelisch-geistige oder materielle gegebenheiten, die jemand über ihren tatsächlichen wert hinaus erhebt, denen er blind verfallen ist; in lockerem anschlusz an den religiösen gebrauch unter D 2. α) oft deutlich im sinne von 'trugbild' in der beziehung auf vermeintliche werte: die ehrentempel selbst, die wir auff tugend gründen, er (Posa) brachte β) von eigenschaften, die in der menschlichen selbstgefälligkeit und selbstsucht begründet sind: dasz der Lutheraner und Calvinisten götzen sein ihr heimlicher neid, ehrgeiz, stolz, dünkel, eigenlieb, uneinigkeit und zanksucht bei dreiszigj. krieg (1862) 375; nachdem ich (Leicester) zehen bittre jahre lang γ) von mehr objektiven geistigen gegebenheiten und mächten: das bild der phantasey, der menschen grosser götze, wie? soll ich, o du stummer götze! δ) von dem selbsterhöhten menschlichen ich: sie werden ihre eigne gözen und streuen sich selbst den weihrauch auf den altar ihrer einbildung ges. kl. schr. (1749) 1, 50; so dasz er die klugheit von sich stiesz, sich sein eigner götze ward schr. (1828) 3, 9; wer nur sein eigner götze war, ε) von dem aus habgier und in eigennutz überbewerteten materiellen besitz: der macht aus seinem reichthumb ... einen götzen catech.-milch (1657) 1, 173; [Bd. 8, Sp. 1446] da musz ich vor den kalten gözen (dem geld) dem himmel um gesundheit (für meinen geizigen mann) flehn stürzt die fürsten des wuchers von den thronen! b) von personen und einrichtungen, die jemand in verkennung ihres tatsächlichen wertes vergöttert, um deren gunst er sich, zumeist um des eigenen vorteils willen, bemüht und in deren abhängigkeit zu geraten er bereit ist: dem könte er (ein germanischer herzog) nicht beystimmen, dasz man die zu sein und seines volckes schande aufgerichtete gedächtnüsz-mahle (für römische feldherren) stehen lassen, und hierdurch diese götzen der ehrsucht verehren solte Arminius (1689) 1, 339a; ihr (der Eboli) herz zwar oft bestand er (der klausner) schon im harten kampf, ich schmeichle keiner zofe, (Eboli zu Domingo:) da liegt des volks verfaulter götze (Robespierre) der ganze stamm der lebenden ... wird vor seinen götzen, c) im kulturellen bereich, namentlich auf literarischem gebiet von personen und zeitströmungen, denen man in nahezu knechtischer abhängigkeit als einem gültige regeln und den allgemeinen geschmack bestimmenden vorbild nacheifert: darum beklaget herr König ..., dasz der gröste hauffen bey uns dem joche des übeln geschmackes noch immer freywillig unterworffen bleibe, und ... diesen götzen, als den vermeintlichen vater der höchsten zierlichkeit zu verehren ... fortfahre samml. crit. poet. schr. (1741) 2, 143; lieber ... will ich tage lang ein concert von tausend stahren, älstern und fröschen hören, als ansehen das gethue und hülfholen, wenn man etwa einem schulsässigen götzen etwas genommen, oder gegeben hat. wenn jenes gleich nur kupfer und dieses gold wäre, so soll und musz der götze doch alle mal geprellt seyn (von 'ästhetischen künstlingen') s. w. 244a Bohtz; [Bd. 8, Sp. 1447] du (Goethe, der Voltaires Mahomet aufführt) opferst auf zertrümmerten altären d) nur selten ohne betont abwertenden beiklang, aber doch nicht frei von untertönen, in der beziehung auf gegebenheiten und personen, denen sich jemand in besonders starkem masze verbunden fühlt: nur die zufriedenheit ertheilet wahre schätze; und (die bärenmutter) schwur, als sie das bübchen sah, F. zusammensetzungen. in der komposition wird götze hauptsächlich in seiner bedeutung 'heidnischer gott' (s. DWB D 1) produktiv. die auf dieser grundlage entstandenen bildungen finden in zahlreichen fällen neben ihrer eigentlichen eine erweiterte religiöse anwendung in der entsprechung zu götze D 2 und eine übertragene im anschlusz an götze E. die masse der oft an biblisches vorbild anschlieszenden bildungen mit götze als erstem kompositionsglied gehört bereits der reformationszeit an. eine zweite welle von neubildungen, die vielfach geläufige götter-zusammensetzungen des mythologischen apparates ersetzen, bringt die barockliteratur des 17. jhs. das 18. und 19. jh. liefern in erster linie gelegenheitsbildungen im anschlusz an bestehende typen. götze komponiert sich in der hauptsache mit substantivischen grundwörtern; adjektivische und partizipiale zusammensetzungen begegnen selten, vornehmlich im 17. und 19. jh., z. t. durch entsprechende gott- oder götter-zusammensetzungen beeinfluszt, z. b. götzengeweiht s. w. (1855) 3, 62; götzentrunken (s. kompositionstypen 1 c ε), götzenfromm (s. kompositionstypen 1 c α). zu götze D 3 'heiligenbild' stellt sich im 16. jh. eine gruppe von bildungen verächtlichen charakters unter dem einflusz reformatorischer bestrebungen. zu götze B 'bildwerk' findet sich nur die zusammensetzung götzenträger (s. an alphabetischer stelle), die zugleich die früheste bezeugung für götze bietet. hinsichtlich der form der komposition besteht insofern einheitlichkeit, als die zusammensetzungen durchweg götzen- als erstes glied zeigen. in der hauptsache handelt es sich um determinativkomposita mit genitivischem bestimmungswort; in geringerem umfang begegnen auf der grundlage verschiedenartiger syntaktischer verhältnisse zusammenbildungen, die sich in der kompositionsform dem typus der genitivzusammensetzungen anschlieszen, sofern nicht schon durch die ursprüngliche syntaktische form des ersten gliedes ein formaler zusammenfall [Bd. 8, Sp. 1448] mit diesen bedingt wird. nur selten finden sich zusammensetzungen, die neben den üblichen formen solche mit sekundär gekürzter fuge zeigen, z. b. neben gewöhnlichem götzenbild (s. an alphabetischer stelle) vereinzelt gotzebild, götzbild. der an dem simplex götze haftende verächtliche nebenton wird auch in den zusammensetzungen greifbar, er scheint aber doch häufig an schärfe einzubüszen. kompositionstypen. 1) zusammensetzungen im anschlusz an götze D 1 'heidnischer gott'. a) eine seit dem 17. jh. sich rasch ausweitende gruppe von substantivischen zusammensetzungen betrifft gestalt, merkmale, äuszerungen, die den götzen zukommen oder ihnen beigelegt werden. α) benennungen der götzen und ihrer abbilder: götzengott: gezen gott n. pred. 192, 10 Bertsche; götzengott schr. (1895) II 14, 361; -kerl pfarrer v. Dornloh (1930) 65; -mann kathol. kirchenlied 2, 277b Kehrein; -mutter allered. pferd (1670) 63; -ochse Dapper Africa (1670) 154b; -tier Assenat (1672) 519; -ungeheuer s. w. (1896) 7, 143. kollektiv, mit besonders abschätziger note: götzengeschmeisz weh d. ewigk. (1686) 1184; -krempel rede-bind u. dicht-kunst (1679) 67; -schwarm anmuth. gelehrsamk. (1751) 2, 66 Gottsched; -zeug d. sonnenreiches unterg. (1894) 74. jünger in der beziehung auf die äuszere form von götzenbildern: götzenfigur völkerkunde (1885) 3, 634; -gebilde schr. (1895) I 14, 6;
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