Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
götze bis götzengebilde (Bd. 8, Sp. 1430 bis 1448)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) götze, m. , dummkopf; bildwerk; abgott.
die ältere geschichte des wortes kann noch nicht als geklärt angesehen werden. die erörterungen über die etymologie des wortes stellte Bahder PBB 22, 531 ff. auf eine neue grundlage, indem er die bisherige herleitung aus gieszen abwies und götze damit trennte von mhd. gôz, das als 'gegossenes bildwerk' gelegentlich auch auf abgötter bezogen wird (vgl. gôz, m. 2 mhd. wb. 1, 542a). mit Bahder ist davon auszugehen, dasz erst Luther den sinn des wortes zur bedeutung 'abgott' wendet, während es vor ihm nur in den bedeutungen 'dummkopf' und 'bildwerk' nachzuweisen ist. Bahder versteht götze als eine ableitung von gott, die zu einem umfangreichen typus von appellativ verwendbaren kurz- und koseformen gehört, wie sie mit hilfe eines izo-suffixes zu eigennamen und appellativen gebildet werden (z. b. Hinz, Kunz, metze, petz, spatz). götze wäre demnach ursprünglich eine vertrauliche benennung für gott etwa im sinne von 'hausgeist, kobold'; zu vergleichen wären 1göttchen 3, göttlein 1, 1gütchen, 1gütel, 1gütlein (s. überall dort), die bei freilich nur annähernd gleichen bedeutungen diminutivbildungen zu gott sind bzw. es ursprünglich gewesen sein dürften (über die unsicherheit eines nachweises der bedeutung 'kobold' für götze s. u.). über die bedeutung 'abbild eines kobolds' würde götze dann zu der seit dem 14. jh. nachweisbaren allgemeinen bedeutung 'bildwerk' gelangen. an die bedeutung 'bildwerk' oder 'kobold' möchte Bahder die seit dem 15. jh. bezeugte bedeutung 'dummkopf' anknüpfen. nach Kluge-Götze etym. wb. 15276a aber ist es wahrscheinlicher, dasz götze im sinne von 'dummkopf' der aus Gottfried gekürzte und appellativ gewordene eigenname Götz(e) ist. da die bildungsweise solcher koseformen zu zweigliedrigen männernamen in den appellativen bereich übergreifen kann, wenn zugleich die beziehung auf namen und auf appellativ möglich ist (z. b. wird Petz als koseform zu Bernhard auch auf bär bezogen), so soll sich götze dann im sinne von 'heiligenbild' auch zu gott stellen. gegen diese erklärung spricht, dasz die frühnhd. belege weniger eine spezielle bedeutung 'heiligenbild' als eher die allgemeine 'bildwerk' zeigen; doch enthält die früheste bezeugung von götze im 14. jh. im kompositum götzenträger (s. d.) die bedeutung 'heiligenbild'. Bahders versuch, die unmittelbare ableitung des wortes von gott durch die annahme einer schon von Hildebrand zs. f. d. dt. unterr. 5 (1891) 202ff. behaupteten frühen bedeutung

[Bd. 8, Sp. 1431]


'hausgeist, kobold' zu stützen, ist wenig befriedigend angesichts der tatsache, dasz die erst seit dem 16. jh. bezeugte beziehung von götze auf wesen der niederen mythologie zweifellos auf der relativ jungen bedeutung 'abgott' beruht (s. DWB D 1 d). lediglich die belege aus einem volkslied bei Uhland volksl. (1881) lassen die möglichkeit einer schon früheren beziehung auf den 'hausgeist' offen:

und welche frau ein götzen hat
die schläft wol one sorgen,
er wäscht die tisch, er wäscht die bänk,
das tut er alle morgen ebda 586;

sie (die frau) nam ein strick in ire hand
und band im alle viere,
sie hieng den götzen an die wand
und gieng darnach zu biere ebda 587.

aber auch dieses lied ist erst in einer hs. aus dem jahre 1603 überliefert; zudem ist eine beziehung auf einen menschen, etwa einen 'dummkopf', nicht ausgeschlossen.
für die etymologie von götze darf nicht auszer acht gelassen werden, dasz seine früheste bedeutung die von 'bildwerk' (s. DWB B 1) zu sein scheint, und dasz, falls ein rückschlusz von dem gebrauch Luthers her erlaubt ist, das bild im sinne des äuszerlich sichtbaren, der maske gemeint ist (s. DWB B 2). bezeichnend sind die frühen zusammenstellungen mit larve, putze (butze) (s. ebda), die sowohl eine maske als auch ein schreckgespenst bezeichnen. sollte auf diesem wege ein zusammenhang zwischen den anwendungen 'bildwerk' als sachbezeichnung, 'bild' als maske und 'dummkopf, narr' erschlieszbar sein, der von einer angenommenen bedeutung 'hausgeist' ebenso absehen läszt wie von einer formalen beziehung zu gott?
götze flektiert durchweg als schw. mask. die apokopierte form götz, gotz (gocz) findet sich in belegen des 15./16. jhs. häufig, in der bedeutung 'dummkopf' des wortes überwiegt sie vielleicht nicht zufällig; später begegnet sie selten, gilt aber noch weitgehend in den jüngeren mundarten, soweit diese das wort überhaupt noch kennen, s. schweiz. id. 2, 580; Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 668b (vgl. unt. D 1 i). die übliche form ist götze neben im 15./16. jh. nicht selten und namentlich bei Luther auftretenden umlautlosen formen. vereinzelt ist die entrundung zu getzen (akk. pl.) (1531) bei Fischer schwäb. 3, 775 und götz (-e-) 'vogelscheuche' rhein. wb. 2, 1328, falls dieses hierher gehört. nicht hierher aber gehört ein gecze bei Luther, das vielmehr als 'geschwätz, gespött' zu getzen, vb., teil 4, 1, 3, sp. 4613 (vgl. in ähnlicher bedeutung gatz teil 4, 1, 1, sp. 1515) zu stellen ist: ein groszer reicher pfaff, der ydermans gecze und sprichwort sein muste 19, 275 W. (fälschlich var. gotze). im wurzelausgang begegnet für normales -tz-, seltener -ttz- (z. b. Luther 47, 169 W.), im 15./16. jh. häufig die schreibung -cz-. in der barockliteratur findet sich gelegentlich -ts- (z. b. Zesen verm. Helikon [1656] 1, 209). einfaches -z- ist im 16. jh. selten (z. b. Fischart Garg. 64 [var.] ndr.; Aventin bayer. chron. 1, 244 L.), häufig aber im 18. und frühen 19. jh. (z. b. Günther s. w. 4, 246 Krämer; Schiller 1, 234 G.; ebda 4, 99 u. ö.; Schleiermacher s. w. [1834] I 3, 43). singulär steht götsch (ohne nachweis) bei Westenrieder gl. (1816) 210.
götze begegnet in seinen alten bedeutungen 'dummkopf' und 'bildwerk' im obd. häufiger als im md.; im nd. raum faszt es, von einzelnen hochsprachlichen literarischen bezeugungen abgesehen (z. b. Rollenhagen unt. A 1), nicht fusz. mundartl. reste der bedeutung 'bildwerk' zeigt noch das kompositum ölgötze (s. d.). mit der wendung zur bedeutung 'abgott' wird götze seit der reformationszeit und besonders durch die Luther-bibel allgemeines wort der hd. schriftsprache, während es sich im nd. raum und in nd. bibeldrucken gegen älteres afgod nicht durchsetzen kann; es begegnet hier erst seit dem 17. jh. in hd. bibeldrucken nd. offizinen. im nl. findet sich ein singuläres godse bei Kilian etym. teut. ling. (1599) 154b. für eine aufnahme in die gesprochenen mundarten ist götze

[Bd. 8, Sp. 1432]


'abgott' von der sache her kaum geeignet; es findet sich dort nur gelegentlich, ebenso wie ölgötze, in speziellen anwendungen, s. unt. D 1 i.
A. als scheltwort im sinne von 'dummkopf, narr'; im 15./16. jh., vereinzelt noch im 17. jh. bezeugt.
1) in prägnanter beziehung: (Lischa) sich palde gen der künigin keret zu ir sprache: frau der götz (Dintaro, der vorher mit filcze pauer vnd esell angeredet wurde. die ital. quelle hat lediglich hinweisendes 'costui') wille mir Sirofante weybe zu erkennen geben geleich als het ich ir nye mer gesechen Arigo decameron 380, 5 Keller;

wer jn sich selbst vertruwen setz
der ist eyn narr vnd doreht gtz
Seb. Brant narrenschiff 48 Z.;

stultus ... ein leffel, gansz, gotze, affe, hundemelker Trochus voc. rer. prompt. (1517) G 3b ;

du bist eyn rechter gtze vorwar
Burkard Waldis d. verlorene sohn 35 ndr.;

(doktor zum freihart:)
du pist ain rechter gotz fur war.
wann ichs west (wie es um deinen magen steht), so fragt ich nicht
Probst dram. w. 131 ndr.;

die mter forchte nun auch, dweil ir sn also ein groszer ungeschickter götz were, dasz ihn vileicht die jungfraw nit wöllen haben Jac. Frey gartenges. 8 Bolte (wörtlich wiedergegeben bei Br. Grimm kinder- u. hausmärchen [1812] 1, 143); ain wunder unnutzer man ist er (der pfalzgraf Gottfridt) gewesen, der im herzen gehapt, solliche nutzliche und herrliche güeter ... hinweg zu geben und sich dessen so herzlichen zu erfrewen ... fürwar er hiesz Götz und war auch ain götz Zimmer. chron. 23, 104 Barack;

abr jhr seit ein recht alber gtz,
wie ich auss ewrem bericht schetz
Rollenhagen froschmeuseler (1595) J 8b;

was narren steht vor der thür?
gang herab, wiltu holen wein!
was kanst für ein groszer götz sein!
(der weinschenk zu einem einfältigen menschen, der sich fürchtet,
in den weinkeller zu gehen)
G. Widmann Peter Leu 1094 Bobertag.

gern in der anrede:

wer ist der alt (der treue Eckhart), der hinnen greint?
heb dich hinausz ...
... du alter götz!
Hans Sachs 7, 183 lit. ver.;

Probst dram. w. 125 ndr.; ebda 127; du alberner götze J. Prätorius philos. colus (1662) 118. bemerkenswert ist die glossierung von 'longurio' in der gruppe 'de vitiis corporum' durch ein gar langer mensch, groszer götz Zehner nomencl. (1645) 276. dieses götze ist sicher hierher zu stellen, wenn nicht schon einflusz von D 1 i her vorliegt; die attributive kennzeichnung mit grosz dürfte sich mehr auf das lat. stichwort beziehen, als dasz sie für götze von belang wäre. zu beachten aber ist, dasz lexikographen unter D 1 a γ ebenfalls die grösze des götzen erwähnen.
2) anderes bleibt unsicher. in einem beleg aus Arigo hat götze die pejorative bedeutung 'männlicher buhle' (vgl. Drescher Arigo [1900] 147 f.; Bach d. dt. personennamen [1943] 309), aber vielleicht. ist kotze gemeint, das sonst freilich nur als fem. für 'dirne' begegnet (s. DWB kotze teil 5, sp. 1901): (Geonello) pit euch das ir im dises fleschlein mit eüerm gten süssen roten wein berötet, dann er will ein klein freüde mit etlichen seinen göczen (con suoi zanzeri) haben decameron 576 Keller (spätere ausgaben haben kotzen, z. b. [1535] 190b; [1580] Vv 7a). die gleiche unsicherheit bietet die schimpfrede: was falchen (d. i. flaschen) röten vnd göczen proten ebda (die ausg. von 1535 hat: was falschen verretter vnnd kotzenbruter 191a [nicht kotzenbruder, wie teil 5, sp. 1907 angegeben wird], für kotzenbrauter [s. d.] 'päderast', wie die ausg. von 1580 schreibt). zweifelhaft ist auch eine

[Bd. 8, Sp. 1433]


stelle in dem weinlied aus dem liederbuch der Clara Hätzlerin, götz und gäblin sind nach Wackernagel Germ. 5, 343 koseformen zu Gottfried und Gabriel, die hier appellativ im sinne von 'jedermann' verwendet werden:

mit götz vnd gäblin (var. gotz vnd gabelin)
machst du (der wein) sämlichen plas,
das ainer masz
dem andern das
die löck flöck rüren als den flasz 66b Haltaus.


3) fernzuhalten von götze ist die bedeutung 'schwächling', die Bahder a. a. o. und Kluge-Götze a. a. o. auf grund einiger glossenbelege aus dem 15. jh. für eine weiterentwicklung der bedeutung 'dummkopf' halten. gegen einen solchen zusammenhang sprechen die verhältnismäszig frühe bezeugung der bedeutung 'schwächling' und die tatsache, dasz sich zu dem subst. dieser bedeutung bereits im 15. jh. ein formal und inhaltlich entsprechendes vb. stellt. eher ist diese bedeutungsgruppe mit dem in jüngerer rhein. ma. bezeugten gözen 'weibisch sein' und göze 'klagende frau, weibischer kerl' zusammenzustellen; s. u. gözen, vb. und göze, f.nicht zu götze gehört auch das bei Fischart begegnende gös, das vielmehr den nl. parteinamen Geus (s. DWB Geusen teil 4, 1, 3, sp. 4638) wiedergibt; vgl. Leitzmann Fischartiana (1924) 39. die ältesten deutschen belege des 1566 wohl nach dem franz. gueux 'bettler' gebildeten nl. namens sind hier nachzutragen:

aber disz gfallt mir nur am besten
von diesen Jesuwider gesten,
dasz sie auch Gsen werden heut
vnd Hugenotten also weit
vnd wllen drinnen gtzen (heiligenbilder) strmen,
da sies hierauszer doch beschirmen (1570)
Fischart s. dicht. 1, 65 Kurz;

etlich bilderstürmer in Niderland, welche als sie ainem vberaus grosen stainenen Christoffel nicht die klainste zhe am fus mochten abhacken, ... da schriben sie für ein salvaguardi einen zedel daran, das er ain toppeler Gös were vnd derwegen als jr liber bruder sicherhait hette (1577) Fischart w. 3, 16 Hauffen.die beziehung auf einen stummen, unbeholfenen menschen in jüngeren mundarten ist wohl nicht, wie Kluge-Götze etym. wb. 15276a will, unmittelbare fortsetzung der bedeutung 'dummkopf', sondern sie dürfte sich erst sekundär ergeben über die vergleichende redensart wie ein götze oder ölgötze dastehen, s. unten D 1 i.
B. bildwerk.
1) als sachbezeichnung für 'bildwerk, plastische figur' nur im 15./16. jh. bezeugt; anklänge dieser bedeutung in lexikographischen umschreibungen des 16. jhs. s. unt. D 1 a γ. in einzelnen fällen können zwar heiligenbilder oder -figuren gemeint sein, aber das wort zielt nicht prägnant auf diese, doch sind die frühesten, noch dem 14. jh. angehörenden bezeugungen dieser bedeutung und des wortes überhaupt in dem kompositum götzenträger (s. d.) zu beachten. möglicherweise hat götze in dieser anwendung bereits einen verächtlichen beiklang, dieser tritt aber erst in der reformationszeit stärker hervor (s. unt. 2). im 15. jh. begegnet das simplex in dieser bedeutung in zwei bearbeitungen der erzählung von dem 'bildhauer in Würzburg', und zwar synonym mit bild:

so wil ich euch (den probst) ferben gel vnd rot
vnd wil eüch malen grun vnd ploe
so stet ir zu den andern goczen da
vnd mischt euch vnter sy an die want
Rosenplüt in: fastnachtspiele 1181 Keller;

vnd (der probst) für an der wenth hin vnd hier wider
vnd stiesz der göczen wol zwelff dernider ders., ebda 1182;

der bildhower mit verwundern durch was geist sin gtzen besessen wren: ylt snell dem louffenden bild nach Riederer rhetoric (1493) l 2a. mehrmals im 16. jh. (s. dazu auch 1götzlein 1), dann aber rasch in die anwendungen unter D übergehend: etwan so geben sie inen kein antwurt, sein gleich den götzen, den saulen (d. i.

[Bd. 8, Sp. 1434]


den bildsäulen, die nach 1. Sam. 19, 13 Michal in Davids bett legt, um die abgesandten Sauls zu täuschen. die vulgata hat an entsprechender stelle statuam, d. erste dt. bibel seul, Luthers bibelübers. bilde; götzenbild bringen erst jüngere ausgaben der Luther-bibel) J. Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 163b; und die götzen jrer götter thut ab 5. Mos. 12, 3; so hat der hertzog ain götzen an das bett (eines mädchens) legen lassen und die junckfrauwen hingefrt, daneben ain gschray ussgehn lassen, das die junckfrauw gestorben seye, ... aber yetzund ists ouch an tag kommen, und hat man den zuwegen bracht, der den götzen gmacht hat (1542) A. Blaurer briefw. 2, 151 Schiesz. in einem wortspiel mit götze 'dummkopf' (s.A); es klingen nuancen wie unter 2 a an:

so sagt man, das gmainlich die götzen (d. i. gemalte bilder)
die götzen pflegen zu ergetzen.
aber ain weiser höher sucht,
acht nicht der schal, sonder der frucht
Fischart s. dicht 2, 276 Kurz.


2) für die seit dem 16. jh. neu begegnenden anwendungen des wortes (s. DWB C, DWB D und E) ist es von bedeutung, dasz götze unter voraussetzung von 1 bei Luther die verächtlichen bedeutungsmomente des nur äuszeren, nichtigen und des verabscheuungswürdigen aufnimmt. dabei bleibt fraglich, ob hier ältere, aber nicht faszbare nuancen der bedeutung 'bildwerk' sichtbar werden oder ob Luther den sinn des wortes spontan ins verächtliche wendet, so wie er in der bibelübersetzung mit götze verschiedene, z. t. stark verächtliche hebr. ausdrücke für heidnische götter wiedergibt (s. DWB D 1 a α). unabhängig voneinander werden die verächtlichen bedeutungsmomente nur selten greifbar.
a) deutlich wird eine auf das nur äuszere, den bloszen schein und damit das nichtige im gegensatz zu dem inneren, wesenhaften zielende bedeutung in der beziehung auf den äuszeren menschen: gott nymbt dich z ainer larven, streyt in dir, zu gleycher weysz wie in ainer mumerey nit die larve wirckt, sonder der darunder ist ... darumb was ich hab, ist nur ain larva, Christus msz wircken und wir müssen mit unser kunst götzen und larven seyn Luther 17, 1, 144 W.; aber dise lose schandbchlein nemen den gantzen menschen ein, unnd verkehren jne inn ein wildes thier, und bleibt nichts, dann allein der götz unnd blosse leibs gestalt uber Fickler tractat v. verbot u. aufheb. d. bücher (1581) 91b. vgl. den gebrauch unter D 2 und die zusammensetzung götzenhirte.
b) weniger greifbar wird das moment des schrecklichen, verabscheuungswürdigen. es ist zu erschlieszen aus der häufig bei Luther besonders in der beziehung auf katholische geistliche begegnenden verbindung von götze mit putze (s. DWB butze teil 2, sp. 588) und larve (teil 6, sp. 207), die sowohl etwas äuszeres, eine maske, als auch namentlich eine schreckgestalt bezeichnen (s.C); zum gebrauch Luthers vgl. Drescher in: Luther 10, 2, 509 W. anm. zu 108, 5 u. 111, 16. ferner spricht für dieses bedeutungsmoment die in der Luther-bibel auf heidnische götter bezogene verbindung des wortes mit greuel, die im hebr. text des alten testaments ihr vorbild hat (s. unt. D 1 b β). auf diesem bedeutungsmoment beruht vielleicht die verwendung von götz für 'vogelscheuche' in jüngerer mundart, s. rhein. wb. 2, 1328. gehört dazu auch rhein. goz 2 (mit langem, offenem vokal) 'schreckgespenst', auch in der beziehung auf den fastnachtsnarren, ebda 1329?
C. unter voraussetzung von B 2, bes. b im 16. jh. als schimpfwort für katholische geistliche. häufig in der verbindung mit larve und putze.
1) in einer gruppe früher belege dieses gebrauchs, namentlich bei dem jungen Luther, tritt die bedeutung der äuszeren gestalt, der maske und schreckgestalt, hinter der ein nicht sichtbares agens steckt, deutlich hervor. so wird der papst als götze des teufels bezeichnet: das helle liecht der warheyt, welches seine (des teufels) gotzen bapst und papisten auffdeckt ynn aller welt (1522) Luther 8, 681 W.; die anderen stuck deren XII sein, die sein

[Bd. 8, Sp. 1435]


usserthalb der geschrifft, wie unkraut uff dem christlichen acker, durch den teuffel und seinen gtzen z Rom geseyet Murner kl. schr. 3, 53 Pfeiffer-Belli. geistliche wiederum erscheinen als götzen des papstes: was wollt yhr, gtzen und larven des bapsts, da widder sagen (1521) Luther 8, 496 W.; noch dürffen die tollen, torichten gtzen des bapst sich rmen, der bapst sey uber das concilium unnd eyn herr der gantzen wellt (1521) ebda 8, 497. ähnlich von geistlichen, die nur dem äuszeren schein nach solche sind, nicht aber ihrer inneren haltung nach: unszern gekrnten, hoffertigen bischoffen ... es ist kein volck auff erden, das gott mehr entkegen seyn kan, denn disze gtzen und bischoffs larven (1521) ebda 8, 500; htte und stebe unnd grosse landt machen wol gotzen, aber euangelien leren machen apostel und bisschoffe (1522) ebda 10, 2, 301; daran man aber sihet, das unszer itzige bischoff und geystlichen gotzen und nicht bischoffe sind. denn sie lassen das hohist ampt des wortts, das yhr eygen seyn sollt, den aller geringsten, nemlich capellan und monchen ... sie aber fermelln die weyl und weyhen glcken, alltar und kirchen ... es sind verkerete, verblente larven und rechte kinder bisschoffe (1523) ebda 11, 416; 16, 414; vgl. bischoffs gtzen (1525) ebda 17, 2, 51. in diesem sinne kann das wort wie ein eigenname gebraucht werden: widerumb die hohen reutter und gnedigen herrnn nichts von bischofflichem stand haben denn den blossen namen unnd die kleider, gleych alsz wenn eyn maler eyn bischoffs bild malet und schrieb drber: 'hie stett bischoff gtz, der grobe klotz' (1522) ebda 10, 2, 143; 144.
2) als prägnante benennung der geistlichen: und eher ich mehr sage, wil ich den gtzen und putzen diszer wellt, dem bapst mit seynen pfaffen, trotzen (1521) Luther 8, 488 W.; ists billich, das alle seelen ermordet werden ewiglich, auff das diszer larven tzeyttlich prangen rugelich bleybe? es were besser, das alle bischoff ermordet ... wrden denn das eyne seele verterben solt, schweyg denn das alle seelen solten verloren werden umb des unntzen potzen unnd gtzen willen (1522) ebda 10, 2, 111; (1526) ebda 19, 276 u. ö.
3) gelegentlich berührt sich dieser gebrauch, das moment einer falsch gerichteten verehrung mit einbegreifend, mit einer übertragenen anwendung des wortes in der bedeutung 'abgott' (s. DWB D) auf den papst: denn der papst, ein so schrecklicher götze (qui erat idolum formidabile), für dem sich jedermann fürchten muszte, musz jtzt leiden, dasz ihn seine fürsten verachten und schmähen (1538) Luther tischr. 4, 170 W.; so verordnen ich (die messe) min arme sel irem götz und schöpfer dem bapst N. Manuel testament d. messe 233 Bächtold;

der römisch gtz ist ausgethan,
den rechten bapst wir nemen an,
das ist gotts son, der fels vnd Christ,
auff den sein kirch erbawet ist
Luther bei
Wackernagel dt. kirchenlied 3, 30.


D. abgott. bei Luther tritt götze unter voraussetzung von B in die bedeutungen des älteren abgott ein und gewinnt damit den für den gesamten jüngeren gebrauch des wortes entscheidenden inhalt, während die übrigen bedeutungen (A, B und C) zurücktreten. von den verschiedenen sich im 16. jh. auf dieser neuen basis herausbildenden anwendungen behauptet sich freilich nur diejenige unter 1 zusammen mit dem hier anknüpfenden übertragenen gebrauch (s. DWB E) bis in die gegenwart hinein.
1) in konkreter beziehung auf heidnische götter.
a) allgemeines zur bedeutung.
α) Luther bezieht götze auf heidnische götter, insofern diese bildwerke und plastiken sind oder doch stets als bildlich darstellbar gedacht werden können. wesentlich werden die bedeutungsmomente des äuszerlichen, des nichtigen und des verabscheuungswürdigen, die dem wort einen stark verächtlichen ton geben (vgl. unter B 2). im neuen testament entspricht götze durchweg gr. εἴδωλον.

[Bd. 8, Sp. 1436]


im alten testament tritt es für verschiedene auf abgötter bezogene hebr. ausdrücke ein, die die götterfigur entweder nach äuszeren merkmalen bezeichnen ( 2. Mos. 20, 4; Jes. 40, 20; 2. kön. 17, 12; 21, 11; Hes. 14, 3; 33, 25; [für hausgötter; vgl. unter d] 1. Mos. 31, 19; Sach. 10, 2) oder aber interpretierend auf das nichtige, den wesenlosen schein zielen ( Jer. 2, 5; 14, 22; 3. Mos. 19, 4; psalm 97, 7). Hes. 5, 11 steht götze auch für das oft auf abgötter bezogene hebr. 'religiöser greuel', das Luther ebenso wie etwa gleichbedeutendes in der regel durch greuel wiedergibt. die sich schon in dem neben differenzierenden ausdrücken häufigen 'idolum' der vulgata zeigende tendenz zur begrifflichen vereinfachung gegenüber den vielfachen bezeichnungen des hebr. textes ist in Luthers übersetzung nicht konsequent durchgeführt; es bleiben neben götze, freilich in geringerem masze, etwa gleichbedeutende ausdrücke wie abgott, bild, bildnis, säule, wie sie die vorlutherischen bibelübersetzungen kennen, bestehen, gelegentlich auch gott (bes. im plur.) in der beziehung auf götterbilder (dieses freilich meist in der übereinstimmung mit hebr. ).
β) gegenüber seinen älteren konkurrenzwörtern und z. t. neben ihnen setzt sich götze rasch durch. auch weiterhin gebrauchtes abgott und (heidnischer) gott verlieren neben dem meist diskriminierenden götze ihre im mhd. mögliche verächtliche nuance, wenn auch nicht immer ihren abwertenden nebenton, mehr und mehr; ebenso tritt bei diesen bildungen die mit götze stets verbundene vorstellung bildlicher darstellungsmöglichkeit mehr zurück; vgl. DWB abgott teil 1, sp. 50; gott III, teil 4, 1, 5, sp. 1112ff.; eine ähnliche unterscheidung von abgott und götze bei Heynatz synonym. wb. 1 (1795) 38; Eberhard synonym. (1795) 1, 13; 3, 316.
γ) lexikographische umschreibungen für götze zielen im 16. jh. noch manchmal auf die bedeutung 'bildwerk', aber die beziehung auf eine heidnische götterfigur ist nicht ausgeschlossen, manchmal sogar durch ein 'idolum' nahegelegt. bemerkenswert ist im hinblick auf Zehner nomencl. (1645) 276 (s. unter A 1) die häufige erwähnung der grösze des bildwerks, wozu freilich oft der glossierte lat. text den anlasz gibt: colossus eyn grosser bildstock, eyn grosses bild, eyn vnsglicher gtz Dasypodius dict. (1537) G 3d; idolum ein bild oder gleychnusz eines dings, ein gtz Frisius dict. (1556) 643a; amplitudo modica simulacrum ein gtz oder bild einer zimlichen grsse ebda 89a; Maaler teutsch spr. (1561) 188d. sonst eindeutig von der figur eines abgottes; für idolum bei Er. Alberus dict. (1540) yy 1a ; Hulsius-Ravellus t.-frz.-it. (1616) 144a; Zehner nomencl. (1645) 64; Frisch t.-lat. (1741) 269 u. a.; vgl. ferner: simulachrum, effigies ein bildstock, ein götz nomencl. lat. germ. (1634) 484; götze idem quod abgott, idolum, simulacrum, deaster Stieler stammb. (1691) 687.
b) götzenfigur, heidnisches götterbild.
α) die beziehung auf plastische bildwerke wird besonders deutlich bei angabe des materials oder des schmuckes solcher figuren: jener (der heiden) gtzen aber sind silber vnd gold, von menschen henden gemacht psalm 115, 4; unter des aber werdet jr sehen zu Babel, das man auff den achseln tragen wird, die silbern glden vnd hltzern gtzen, fur welchen sich die heiden frchten Bar. 6, 3; vnd die pfaffen (in Babel) stelen das gold vnd silber von den gtzen ... vnd schmcken die silbern, glden vnd hltzern gtzen mit kleidern, als werens menschen Bar. 6, 9f.; Jes. 30, 22;

verspey der vilen gtzen rott,
von stein, vnd holtz verchtig
Spee güld. tugendbuch (1649) 45;

ägyptische götzen, aus dem härtesten stein gebildet, kleinere metallfiguren früherer und späterer zeit Göthe I 31, 6 W.

[Bd. 8, Sp. 1437]



β) zufrühest in biblischer sicht für die götter nicht jüdisch-christlicher religionen: aber die sich auff gtzen verlassen, vnd sprechen zum gegossen bilde, jr seid vnser götter, die sollen zu rck keren vnd zuschanden werden Jes. 42, 17; fieng er (Josia) an zu reinigen Juda vnd Jerusalem von den ... gtzen, und gegossen bildern 2. chron. 34, 3; Jes. 45, 20; 44, 17; 46, 1; die gtzen vnd bilder wil ich dir zum grab machen (var.: ich wil dir ein grab vnter den gtzen vnd bildern geben) Nahum 1, 14; dir (jude) grewelt für den götzen (ältere var.: abgottern), vnd raubest gott was sein ist Römer 2, 22; 1. Kor. 8, 4; 8, 7; 10, 19 u. ö.; vnd (Manasse) thet darmit das dem herren vbel gefiel: vnd setzt viel bilder vnd gtzen Paracelsus opera 2, 300 Huser;

zerschlaget in stücken! zerschmettert und brechet!
den nichtigen götzen! den schnöden altar poesie d. Niedersachsen (1721) 5, 263 Weichmann;

also tanzeten auch die weiber der Amalekiter, die vor dem götzen tanzeten H. Mann d. blaue engel (1950) 43. in bildlichem zusammenhang: diese jahrzehnte, ... in denen der tod satt geworden war und der glühende bauch des götzen, den die alten den moloch genannt hatten E. Wiechert missa sine nomine (1950) 384. häufig neben greuel: (die juden) sollen sich auch nicht mehr verunreinigen mit jren gtzen vnd greweln, vnd allerley snden Hes. 37, 23; auch feget Josia aus alle warsager, zeichendeuter, bilder vnd götzen, vnd alle grewel, die im lande Juda vnd zu Jerusalem ersehen wurden 2. kön. 23, 24 u. ö.; das im tempel soll stehen ein gotze, welchen Daniel nennet den greuel der verwustung Luther 47, 571 W.
γ) allgemein von den götterbildern polytheistischer religionen, vornehmlich der Griechen und Römer: Romani wolten nit leiden, das man ihre tempel brechen, ihre gotzen verstoren soltte (1544) Luther 49, 541 W.; denn als bald es geschahe, das die rmischen keyser jre gtzen in tempel an die ort setzeten, da der gnadenstul unnd der juden hchstes heylthumb was Luther 52, 547 W.;

(Cicero:) habt jhr nit auch wie vnser pfaffn
götzn vnd tempel vnd gar viel gott,
die jhr anrufft in eurer noth,
als Jovem, Martem vnd dergleich?
Ayrer dramen 558 Keller;

das tyrrhenische meer beschifft ein volk, das ich hasse,
Ilium und die gebeugten gözen nach Latium tragend
Schiller 1, 121 G.;

die götter und götzen der alten und jetzigen heidnischen völker G. Keller ges. w. (1889) 1, 63; (ein trank) wie ihn der Lohbergwirt ... braue in einem alten (ausgegrabenen) götzenbild und wie der eherne götze geglüht werde und die kraft aus dem tausend jahre alten erz einströme in das würzige destillat Kluge Kortüm (1938) 657. vereinzelt in auszerchristlicher sicht: alles geml vnd bildwerck gegossen oder geschnitzt verachten sie (die Türken), also, dasz siesz abgtter vnd gtzen ... nennen Seb. Franck chron. d. Turckey (1530) D 4a.
c) auch in den fällen, in denen die beziehung auf heidnische gottheiten als götterbilder weniger greifbar ist, ist die möglichkeit bildlicher darstellung meist mitgegeben: solchem (dasz sich gott an einen bestimmten ort gebunden hat) haben die Griechen und andere heiden mit der zeit nachgeahmet, ihren götzen auch an gewissen orten tempel gebauet Luther tischr. 4, 612 W.; wie sie (die heiden) denn die empter ausztheilten vnter jre götzen J. Mathesius Sarepta (1571) 30a; die nahmen der heidnischen götsen und götsinnen ... sollen von uns ... nicht gebraucht ... werden Ph. Zesen verm. Helikon (1656) 1, 209; über uns waltet kein römisches fatum, über uns nicht der Brukter und ihrer nachbarn dunkle götzen Fouqué gefühle, bilder (1819) 1, 254; die freude, gegen den 'götzen Mahomed' zu streiten Scherer literaturgesch. 792. verhältnismäszig selten steht eine

[Bd. 8, Sp. 1438]


personhafte vorstellung heidnischer, besonders antiker götter im vordergrund, während das moment bildlicher darstellungsmöglichkeit zurücktritt: Mercurius der götz hat die leut vor zeiten gelehrt ..., die leut betriegen ist kein vnthat, sondern ein geschwindigkeit Lehman floril. polit. (1622) 1, 108; Schupp schr. (1663) 406; (auf dem Sinai) finden sie keine spur von krater ... oder sonst von etwas, das eine alte schmiedeesse des hinkenden götzen verriethe Jung-Stilling s. schr. (1835) 4, 419. in der beziehung auf den als kind vorgestellten liebesgott; vgl. die diminutivbildungen 1göttchen (s. d. 2), göttlein (s. d. 2): sie (die verliebten) haben, unter so vielen göttern, den kleinsten und geringsten götzen vor sich ausersehen S. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 32; Cupido ist der heydnisch gtz der frewd vnnd frligkeit Lehman floril. polit. (1662) 1, 92; (Venus) behüte sie vor der leichtfertigen range, ihrem sohne, dem götzen Amor Pückler briefw. u. tageb. (1873) 7, 296.
d) gelegentlich handelt es sich nicht um eigentliche heidnische gottheiten bzw. deren abbilder, sondern um wesen der niederen mythologie, deren bezeichnung durch götze indessen keineswegs mit einer möglichen älteren verwendung des wortes für 'kobold' (s. o. sp. 1431) in zusammenhang gebracht werden darf. auch hier liegt stets die bedeutung 'abgott' zugrunde, zumal auch die bibel den götzendienst mehrfach als dämonenkult betrachtet (vgl. lex. f. theologie u. kirche 4, 626 Buchberger). von fetischartigen gebilden, hausgöttern: vnd Rahel stal jres vaters gtzen 1. Mos. 31, 19; 34 u. ö. oft im anschlusz an diese bibelstelle, z. b. Luther 9, 586 W.; Jac. Böhme s. w. 5, 485 Schiebler. von einem waldgott:

da sprach der götz, mit solchen knaben (einem bauern)
wolt ich nicht gern zu schaffen haben
Er. Alberus fabeln 111 ndr.

von einem hausgötzen:

es het ein mann ein höltzen götzen;
den thet er in ein winckel setzen,
all morgen mit eim liechtlin ehrt,
das er jm etwas guts beschert
Burkard Waldis Esopus 1, 333 Kurz;

wenn vater Witolf in diesem augenblick seinen gtzen beachtet hätte, — wer weisz, was auch ihm in den sinn gekommen wär, denn die flammenzungen und rauchwolken drehten sich gar wunderlich um das häszliche gebilde hin Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 2, 18. unbestimmter in der verbindung mit teufel: dawider (gegen menschenopfer) predigten die propheten heftig, hieszens den götzen und teufeln, nicht gott geopfert Luther tischr. 6, 57 W.; vnd weisz der h. geist alle snde Sauls nicht anders zubeschreiben, denn mit den zweyen worten, abgötterey vnd zauberey, dadurch sich ein mensch allerdings von gott abwendet, sich den götzen vnd teuffeln ergibet volksbuch v. dr. Faust 6 ndr.; wie unverantwortlich nun gleich ein fürst durch solche stumme götzen oder teuffel (in der beziehung auf verborgene umstände) hinters licht geführt wird Lohenstein Arminius (1689) 2, 1291b; aber Wuszo (ein Wende) hatte auch gelobt bei seinem götzen, das ist der teufel, ... dasz er das leben des markgrafen nehme Alexis hosen (1846) 1, 281.
e) das moment der verachtung tritt besonders hervor, wenn der götze als das absolut andere dem jüdisch-christlichen gott gegenübergestellt wird: denn aller heiden götter sind götzen, der herr aber hat den himel gemacht 1. chron. 17, 26; Burkard Waldis d. psalter (1553) 172a; das unser her sol von uns die parteken (almosen) nemen und von uns gewartten, gleych als er eyn gocz wer, den wyr myt unsern wercken bessertten Luther 34, 2, 95 W.; habend nit die boten ouch zum ersten anzeiget, dasz die abgötte nit götte, sunder götzen wärind Zwingli dt. schr. 1, 268 Sch.; als ob dem gott der menschheit ein götze gegenüber stehe der Zebaoth heisze Bettine Brentanos frühlingskranz (1844) 97; es erfordert

[Bd. 8, Sp. 1439]


einige kraft, den tod der götter zu überstehen, ohne auf götzen hereinzufallen Werfel Bernadette (1948) 184.
f) die ohnmacht der götzen wird in bereits biblisch vorgeprägten wendungen vielfach betont: jre gtzen sind wind vnd eitel Jes. 41, 29; denn die gtzen reden eitel mhe Sach. 10, 2; so wissen wir nu von der speise des gtzenopffers, das ein gtz nichts in der welt sey 1. Kor. 8, 4; (1527) mon. Germ. päd. 21, 118;

schau aller heyden götzen an:
wer ist, der regen geben kan?
Simon Dach bei
Fischer-Tümpel evang. kirchenlied (1903) 3, 87;

ohnmächt'gen götzen moderne dichtercharaktere 91, Arent-C.-H. die götzen sind leblos, seelenlos: denn weil sie gleuben an die leblosen gtzen (idolis ... sine anima), besorgen sie sich keines schadens, wenn sie felschlich schweren weish. 14, 29; denn jre (der goldschmiede) götzen sind triegerey, vnd haben kein leben Jer. 10, 14;

der priester Jupiters, der diener todter götzen,
kommt her und ist im werck, uns ferner zuzusetzen
Gryphius trauersp. 650 lit. ver.

häufig wird die ohnmacht und nichtigkeit der götzen durch die tatsache gekennzeichnet, dasz ihnen die sinnesorgane fehlen: denn was ist dem gtzen das opffer ntze? kan er doch weder essen noch riechen Sir. 30, 19; Hans Sachs 19, 126 lit. ver.; gtzen, welche weder sehen, noch hören, noch wandeln knden offenbarung 9, 20; jr wisset das jr heiden seid gewesen, vnd hin gegangen zu den stummen gtzen 1. Kor. 12, 2;

umsonst! der stumme götz (Mahomet) ist taub
J. Chr. Günther ged. (1735) 125;

die götter der heiden heiszen nichtigkeiten, stumme götzen Herder 12, 195 S. entsprechend kann wertloses mit einem götzen verglichen werden: wenn man rhetorisirt und viel wort machet ohn fundament (d. i. allegorien, geistliche deutungen), da nichts hinter ist, so ists nur ein geschmückt ding, und geschnitzter und gemaleter götze Luther tischr. 1, 607 W.; obwohl er die ... agalmen griechischer dichtung wie hohle götzen bilderstürmerisch zerbricht Justi Winckelmann (1866) 1, 159. auch persönlich bezogen: es müssen solchen (toten) götzen gleich werden alle die sie machen, vnd alle die jnen vertrawen (mit beziehung auf psalm 115) Calvin instit. christian. relig. (1572) 52. hierher gehört ein okkasioneller bildgebrauch, in dem götze auf die menschen 'mit seichtem herzen und eingeschränktem geiste' bezogen wird: neide die leidensfreien nicht, die gözen von holz, denen nichts mangelt, weil ihre seele so arm ist Hölderlin s. w. 2, 133 Hell.
g) die tautologische verbindung vermeinter oder falscher götze gründet in dem begriff des falschen gottes, der in wahrheit eben kein gott ist. der sache nach ist diese vorstellung unter e gegeben. anstelle eines gelegentlichen die valschen göt (vulgata: falsi dii) erste dt. bibel 9, 246 Kurr. setzt Luther prägnant götze: ein ... onmechtiger gtze Baruch 6, 58; vgl. DWB götze ... deus falsus et commentitius Steinbach dt. wb. (1734) 1, 626. tautologische verbindungen begegnen erst seit dem 17. jh.: dasz man sich der heydnischen vermeinten götzen für das, was jhnen zugeeignet worden, gebraucht Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, N 2a;

das ist so ein Ahab und Jerobeam,
der die völker von der wahren lehren
zu falschen götzen thut verkehren
Schiller 12, 38 G.;

die pseudothei, hoc est falsi dei, das ist falsche götzen und abgöttische teufel, welche sich gottes allmächtigen namen anmaszen und wie gott selbst verehrt werden wollen W. Raabe s. w. I 3, 3. seit dem 18. jh. findet sich die verbindung falscher götze besonders bei übertragenem gebrauch des wortes (vgl. E):

[Bd. 8, Sp. 1440]


drum wer die reichen glücklich nennet
und ihre sorgen herrlichkeit,
hat die gefahr noch nie erkennet,
womit der falsche götze dräut
Neukirch anfangsgründe (1724) 846;

die falschen götzen der literarischen welt Treitschke hist. u. polit. aufs. (1886) 1, 61; auszerhalb dieser sala da pranzo (des speisesaals im hause Pascarella) gab es nur falsche götzen, nur verschwörer Werfel geschw. v. Neapel (1931) 35.
h) meist biblisch vorgeprägte wendungen umschreiben das verhältnis des menschen zum götzen.
α) von der voraussetzung aus, dasz die götzenfigur menschenwerk ist. götzen machen, aufrichten u. ä.: jr solt euch keinen götzen machen noch bilde, vnd solt euch keine seulen auff richten, noch keinen malstein setzen in ewrem lande, das jr dafur anbetet 3. Mos. 26, 1; die stedte darauff er (Manasse) die höhen bawete, vnd hayne vnd gtzen stifftet 2. chron. 33, 19; wer sind die, die einen gott machen, vnd gtzen giessen, der kein ntze ist Jes. 44, 10; gtzen auffrichten weish. 14, 12; und an stat deines worts hat er (gottes feind) zu deinem (gottes) spot bildstöck und götzen aufgesötzet Weckherlin ged. (1894) 1, 351; Aaron, der aus furcht vor dem murren des volks, ihm einen götzen machte Lessing 11, 151 L.-M. götzen zerbrechen u. ä.: du solt jre (der heiden) götzen vmbreissen vnd zubrechen 2. Mos. 23, 24; jre götzen mit fewr verbrennen 5. Mos. 7, 5; Luther br. 9, 32 W.;

abgötterey er (Assa) reutet ausz,
verbrent die götzen und ir hausz
Hans Sachs 1, 215 lit. ver.;

zerschlug die götzen alle bis auf einen Herder 26, 335 S.
β) in wendungen, die sich auf den götzendienst beziehen. den götzen dienen: vnd (die juden) dieneten den haynen vnd gtzen 2. chron. 24, 18; ich diene nicht den gtzen, die mit henden gemacht sind v. d. Bel zu Babel 4; 2. kön. 17, 12; 41. die götzen ehren: die (Ägypter) ehreten einen ochsen und götzen, Apin Luther tischr. 1, 368 W.; Baal ..., ein göz, welchen die Samariter ehreten Bellin hochdt. rechtschr. (1657) 118; die Rugier, welche vielköpfigte götzen verehret haben anmuth. gelehrsamk. (1751) 9, 92 Gottsched; Abraham sprach zu seinem vater Azar: ehrst du götzen für götter? Göthe I 39, 432 W. den götzen opfern: vnnd Amon opfferte allen gtzen, die sein vater Manasse gemacht hatte, vnd dienet jnen 2. chron. 33, 22; vnd viel aus Israel willigten auch dar ein, vnd opfferten den gtzen 1. Makk. 1, 45; dasz sie den götzen opferten Aurbacher volksbüchlein (1835) 11. götzen anbeten: (Amon) dienet den gtzen ... vnd bettet sie an 2. kön. 21, 21; am letzten Daniel liesz der könig zu Babylon ein gebott auszgehen, menniglich solt sein gtzen ... anbeten Fronsperger kriegsbuch 1 (1578) l 4a; auffallend bleibt es, ... hier (im orient) die verrücktesten götzen in riesenhafter grösze verfertigt und angebetet zu sehen Göthe I 7, 24 W. ähnlich:

und beugte sich schändlich
vor den thierischen götzen zur erde
Zachariä poet. schr. (1763) 6, 59;

G. Forster s. schr. (1843) 4, 91 anm. allgemeiner: jr solt euch nicht zu den gtzen wenden, vnd solt euch keine gegossene gtter machen, denn ich bin der herr ewr gott 3. Mos. 19, 4; vnd da sie sich an dem gott jrer veter versndigten, vnd hureten den gtzen nach der vlcker im lande, die gott fur jnen vertilget hatte 1. chron. 6, 25; vnd er (Ahab) macht sich zum grossen grewel, das er den gtzen nachwandelt aller dinge, wie die Amoriter gethan hatten 1. kön. 21, 26.
i) der vergleich eines unbeholfenen, steifen oder sich stumm, erschrocken verhaltenden menschen mit einem götzen entspricht dem vergleichenden gebrauch von ölgötze (s. d. unt. 1 u. schweiz. id. 2, 581). wie dieses, so wird auch götze in dem vergleich zunächst ein heiligenbild (s. 3) meinen, möglicherweise aber auch einen bildstock (s. DWB B 1),

[Bd. 8, Sp. 1441]


vielleicht einen lichtstock, wie er der sache nach seit dem späten mittelalter bei Heyne hausaltertümer 1, 277 ff. nachgewiesen ist. in diesem vergleichenden gebrauch aber wird götze schon früh auf die bedeutung 'abgott' bezogen, wie die attributiven umschreibungen mit blind und stumm nahelegen (vgl. unter f) und wofür auch der erste beleg spricht, in dem götze auf das nichtige (s. DWB B 2 a) zielt, d. h. auf eine der grundbedeutungen für götze 'abgott' (s. DWB D 1 a α) im gebrauch Luthers: das ein erbar rath nichts thue, keine macht habe ..., sondern sitze da wie ein gotze und zyfra (d. i. ziffer, null) unnd lass yhm frkauwen von der gemeyne wie eym kinde (1525) Luther 18, 539 W.; (der sultan) sasz da wie ein götz Schweigger reyszbeschr. (1619) 57; ob dieser rede erschracken die andern all ... und erstummeten wie die blinden götzen grillenvertreiber (1670) 41; still schweigen als ein stummer götz Moscherosch insomnis cura par. 75 ndr.;

nun stehn sie (die umstehenden personen) alle doch
wie stumme götzen da dt. schaubühne (1740) 6, 488 Gottsched.

so wohl auch: keiserlich geleit liest ir (die geistlichen) mir nicht gancz und sasset da wie die larven und goczen umb den jungsten menschen keiser Karl, der sich nicht auff solch ding verstunt, muste wol tun, was euch gefiel (1526) Luther 19, 276 W.; gelegentlich auch in den mundarten, z. t. prägnant: du göts fan wicht Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 668b; vgl. schweiz. id. 2, 580. dieser mundartliche gebrauch dürfte kaum die alte bedeutung 'dummkopf' fortsetzen (s. unter A 3), sondern eher die vergleichende formel, z. t. verkürzt, wiedergeben; vgl. schon: götz 'dumme, einfältige person, die da steht wie ein götzenbild' Schrader dt.-frz. 1 (1781) 566a. ebenso ist wohl götzentoffel 'dümmling' Müller-Fraureuth obersächs. 1, 434a zu erklären.
2) im 16./17. jh., später nur vereinzelt, begegnet eine 1 gegenüber erweiterte anwendung in religiöser beziehung auf das wesenlose, nichtige, eitle (vgl. DWB B 2 a), dem ein mensch anhängt. bedingend für diesen gebrauch ist der einflusz von abgott, das auf der grundlage neutestamentlicher vorstellungen (z. b. 1. Kor. 10, 7; Ephes. 5, 5; Kol. 3, 5) schon vor Luther (z. b. Tauler pred. 260, 19 V.; ebda 275, 19) in gleicher weise über die konkrete beziehung auf heidnische götter hinaus auf gegenstände einer weiter gefaszten (inneren) idolatrie bezogen werden konnte. zum sachlichen dieses erweiterten gebrauchs vgl. Dannhawer catech.-milch (1657) 1, 197 unt. götzenwerk 3. die grenze zu dem seit dem 17. jh. begegnenden übertragenen gebrauch unter E ist unscharf, im wesentlichen aber durch den weniger religiösen oder überhaupt auszerreligiösen charakter des gebrauchs unter E bestimmt.
a) in der anwendung auf die 'falschen götter des herzens': denn die gtzen fur gott sind keyn schertz, als da sind die gtzen ym hertzen, falsche gerechtickeyt, rhum von wercken, unglauben, und was mehr ym hertzen an Christus und seyns glaubens stat sitzet (1525) Luther 18, 78 W.; luogen aber ir (kinder), das ir kein götzen im hertzen haben, sonder gott im geist und in der worheit allein anbetten (1527) mon. Germ. päd. 21, 120; do gissen wyr uns eyn goeczen aus den gottes creaturen (wie speise, kleider, weisheit) quibus ubi debemus, non illis fidere (1529) Luther 29, 89 W.; darumb so haben sie (die hohenpriester) aus dem tempel ein kauffhaus, einen geitz, ein mordergruben und gottzengruben gemacht, dan sie hatten den gotzen, juncker geitz, hineingesetzet ebda 47, 390; aber der bapst spricht: du (der mönch) bist weitth in einem hohern stande, und setzet dan den gottzen darzu, als vermessenheit in eigene gerechtigkeit und weiszheit ebda 47, 169;

er ist von gott gewichn,
den blinden gtzen nachgeschlichn,
vnd fehrt zu letzt wie ein gesell,
mit seinem mammon in die hell (im anschlusz an Epheser 5, 5)
Ringwaldt lauter wahrheit (1602) 24.

[Bd. 8, Sp. 1442]



b) auf glaubensgegenstände und -meinungen bezogen, soweit sie von einem bestimmten religiösen, besonders vom protestantischen standpunkt her nichtig und verwerflich sind: darumb ist gewiszlich alle menschen lere eyn potze und gtz an gottis statt gesetzt und abgtterey (1522) Luther 10, 2, 133 W.; meinstu, es sey eine geringe teufels hure, die solchen schrecklichen artickel (über den ehestand) (das ist gtzen) in jrer kirchen gestifftet, geleret, geehret, gehalten hat (1541) ebda 51, 527; (die maulchristen) haben keinen rechten gott, sondern einen tauben, blinden gott und götzen ders., tischr. 2, 397 W.; nimmet er (der mensch) aber ein werk oder gottesdienst für aus eigener andacht und gutdünken ..., so ehret und betet er ein götzen an, den er ihm selbes erdichtet in seinem herzen wider gottes gebot und befehl ebda 6, 57; Kirchhof wendunmuth 3, 300 lit. ver.; diese bilder (die falschen religiösen meinungen) aber haben weder in der natur noch im bernatrlichen gttlichen glauben keinen grund, sondern sind stumme gtzen, und ihre diener sind Baalsdiener Jac. Böhme s. w. 5, 585 Schiebler; also that es itzo vielmehr vonnthen, dasz die magia naturalis wieder offenbar werde, auf dasz doch der titulchristenheit ihre selbgemachte gtzen durch die natur offenbar und erkannt werden ebda; derselbe (der Zwinglianer, der eine falsche gottesauffassung vertritt) macht in seinem herzen einen götzen, und ist wahrhaftig ein götzendiener Dannhawer catech.-milch (1657) 1, 127. ähnlich noch vereinzelt im 18. jh., hier jedoch deutlich von der inzwischen auf 'heidnischer gott' (s. unter 1) eingeschränkten bedeutung her. die jüngere orientierung dieser erweiterten anwendung an der eigentlichen bedeutung tritt bei einzelnen zusammensetzungen stärker hervor als beim simplex; vgl. DWB götzendiener 1 d β; götzendienst 1 b β; götzenknecht 2: eure gegenwärtige abgötterey, zufolge deren ihr nun schon so lange keinen andern vor den lebendigen gott erkennen wollet, als den monströsen götzen, den euch eure fleischlich gesinnten pfaffen unter der gestalt dreyer personen in einem wesen in eurer phantasie aufgestellet Edelmann göttlichk. d. vernunfft (o. j.) 136.
3) heiligenbild. im anschlusz an die ältere bedeutung 'bildwerk' (s. DWB B) kann götze unter einflusz seiner seit Luther möglichen beziehung auf heidnische götter (s. 1) als prägnante bezeichnung der heiligenbilder gebraucht werden.
a) diese anwendung des wortes ist vielleicht nicht von Luther begründet, gewisz aber von ihm vorbereitet worden: also solt man auch die heilgen im himel gehalten haben, als nemlich fr kinder gottes, fur unser bruder und schwester, ... nun aber seind die leichtfertigen geist tzu gefallen unnd haben auffgesehen und bey dem volck solich gtter oder gtzen auff gericht (var. sy gantz z apgtter gemacht) (1522) Luther 10, 3, 323 W.; (Bonifacius III.) hat ihn (das Pantheon) anders getauft, an statt aller götzen (der römischen götter und ihrer bildnisse) aller heiligen kirche genannt, ... dadurch er die anrufung der heiligen und neue abgötterei gestiftet hat (1533) ders., tischr. 1, 232 W. doch auch schon prägnant, s. unt. b. mehrmals erscheint götze in verbindung mit anderen bezeichnungen für heiligenbilder: aber die grossenn hansenn ... habent gleich genüg, wen sie die erschünden reichtum ... zm tail ans heilgthum, gtzen vnd püppen werck geben, so mssent sie den gen hymel Jac. Strausz christenl. vnterricht (1523) B 1a; darumb ist wallen gehn zu den heiligen, oder götzen, sünde Ambach von tantzen (1543) b 1b; was bedeuten dieselbigen (nämlich gottes und der heiligen) bildlin anders, dann das die götzen vnd bilder nicht tüchtig noch nutz weren die geheimnis gottes zubedeuten vnd fürzubilden Calvin instit. christ. relig. (1572) 50. ebenso neben einer gleichzeitigen beziehung auf heidnische götterbilder: W. Rusz waher die bilder oder götzen mit jrem gepreng, beid der haiden und genanten christen kummen (1532) (titel). im 16. jh. in prägnantem gebrauch durchaus geläufig:

[Bd. 8, Sp. 1443]


die helgen heissen sy (die protestanten) jetz gtzen
Gengenbach 266 Goedeke;

nacher trug das torecht weib (kaiserin Irene) die gtzen mit hauffen wider in die tempel vnd schirmet den römischen glauben mit gewalt im Orient Ser. Franck Germ. chron. (1538) 69b; J. Nas antipap. eins vnd hundert 2 (1570) 11a; und hat man doch noch lang mäsz und die götzen in der kilchen Th. Platter 36 Boos. jünger nur noch selten: er nahm in der katholischen kirche den götzen St. Martin unter seinen mantel (1670) bei Müller-Fraureuth obersächs. 1, 434a. ohne zusammenhang mit dem älteren gebrauch von 1 her übertragen (vgl. götzenbild 1 c):

bei tauber götzen ohren
ist seufzen und gebeth verlohren;
denn todtes holz und stein nimmt keiner ehrfurcht wahr
Gottsched ged. (1751) 1, 298.

dagegen bei Thümmel, der auch noch puppe als gleich verächtliche bezeichnung für heiligenbilder kennt (vgl. s. v. puppe 1 b β, teil 7, sp. 2244), vielleicht nicht ohne kenntnis des alten wortgebrauchs: so weit meine augen mich trugen, sah ich standbilder der heiligen auf rebenlosen nackten bergen — entdeckte nur verfallene stege — durchbrochene dämme, morschen götzen mit ruhmlosen namen zum schutze überlassen s. w. (1853) 3, 187. gelegentlich archaisierend:

statt Wodans unsichtbarer gottheit,
wurmige gözen gebot (der Franke den Sachsen) zu feiern
J. H. Voss s. ged. (1802) 3, 30.

vereinzelt in erweiterter anwendung auf sakrale gegenstände anderer art: item dominica post Andree (3. 12.), que erat dominica adventus, de sero post horas vesperarum exivit dominus Emeramus cum venerabilissimo sacramento ad providendum uxorem Adam Hübners. in itinere occurrerunt sibi 6 perversi juvenes Lutherani et Carelstadiani, in obprobrium conspuentes ac presbiterum baculis insequentes cum multis trophis et convitiis. redeundo dixerunt: 'tregstu den gotzen wider haim?' qui mane comprehensi incarcerati sunt (1525) Baumann qu. z. gesch. d. bauernkr. a. Rothenburg 611 lit. ver. redensartlich im zusammenhang eines bildes: wer sich an die kirch lähnet, dem fällt bald ein götz auff den kopff Fischart binenkorb (1588) 96b; vgl. schweiz. id. 2, 580.
b) die anwendung von götze 'heiligenbild' erinnert manchmal an diejenige des wortes in der beziehung auf heidnische götter. auch die heiligenbilder sind blind oder stumm (vgl. unter 1 f):

es (die vom pfarrer verbrannten apostelfiguren) seindt nit gottes liebe knecht,
die pey im in dem himel sindt,
das waren alte gotzen plindt pfarrer v. Kalenberg 59 ndr.;

dasz die h. kirch, die bischof ... des lastes des predigens hat entschlagen vnnd solches den stummen gtzen, plochsancten, steinheiligen vnnd wandgemlen befohlen, das sie der leyen bcher vnd prediger sein sollen Fischart binenkorb (1588) 177a. sie werden geschmückt, angestrichen, bekleidet (vgl. 1 b α): dieweil man doch wol ein alte geyge mit newen seiten mag beziehen, vnd ein schimmeligen gtzen mit frischen farben anstreichen vnd erfrischen ebda 3a; wenn man einem alten götzen einen newen rock anzeugt, so scheint er gar new Petri d. Teutschen weiszh. (1605) Ccc 7b; gleich wie in unseren kirchen, kapellen und klöstern die ölfarben sich an etlichen orten sehen lassen, dass man scheinbar den und diesen götzen kennen und nennen mag (1617) in: schweiz. id. 2, 581 s. v. ölgötze. in der zeit des bildersturms werden heiligenbilder zerstört (vgl. unter 1 h α): das mir nit leyd ist, das die götzen zerrissen sind (Geydertheim 1525) d. dt. bauernkrieg, aktenbd. 215 Franz; also sage ich hie, das das bildstürmen vnd vmbreissen der götzen nicht mag erzwungen werden aus diesem text (1528) Luther bei Dietz wb. z. Luthers dt. schr. 2, 156a;

[Bd. 8, Sp. 1444]


da haben die armen cristen so ubl gehandlet, dass sie die götzen erschlagen haben (Augsburg 1529) städtechron. 29, 44; hernach wurdent alltr vnd gtzen zerbrochen und abgethan Bullinger reformationsgesch. 2, 221 Hottinger-V. archaisierend: und unter dem rufe: fort mit den götzen! ging es an ein hämmern, reiszen ... und zerspalten G. Keller ges. w. (1889) 6, 367.
c) metonymisch steht götze gelegentlich für 'heiligendienst' und für 'katholizismus' überhaupt: schickt man die statknecht z den werckleuten der stat, dasz sie solten am auffertag nit arbaiten, dasz wir (protestanten) uns nit versundigten am götzn, wann es was des keisers stathalter hie auf (Augsburg 1535) städtechron. 29, 65; die Haager betend, dass man das weibervolk, dem der götze noch im herzen steckte, dismalen nichts zusuchen wolle (1741) in: schweiz. id. 2, 580.
4) gelegentliches götze(n) für ein gebäck aus mehl, kartoffeln, käse o. ä. im omd. (bes. im Erzgebirge) beruht auf volksetymologischer entstellung aus getze(n), m. (teil 4, 1, 3, sp. 4612), gätz, m. (teil 4, 1, 1, sp. 1515) 'mehlspeise' unter beziehung auf götze D 1. ob und wieweit dieser irrtümlichen beziehung volkstümliche vorstellungen vom 'gebackenen und gegessenen gott' (vgl. dazu hdwb. d. dt. aberglaubens 3, 976ff. unter gotteskuchen) zugrunde liegen, ist unsicher; vgl. DWB getzen, DWB gätzen Müller-Fraureuth obersächs. 1, 415b; käsegötze (schles.) bei Liebrecht z. volkskunde (1879) 437; für das thüring. unter ölgötze 3 (teil 7, sp. 1279): uns beiden studenten wurde (im Erzgebirge) als leckerbissen jene mehlspeisen, götzen genannt, bereitet Rossmässler d. mensch im spiegel d. natur (1855) 4, 164.
E. übertragener gebrauch. in fast ausnahmslos verächtlichem sinne wird götze in säkularisierender übertragung des auf die bezeichnung heidnischer götter eingeschränkten gebrauchs unter D 1 auf personen, einrichtungen und sonstige gegebenheiten bezogen, denen jemand verfallen ist oder die er aus eigennutz oder in verblendung über gebühr umwirbt und verehrt. dieser seit dem 18. jh. und bis in die gegenwart hinein reich bezeugte gebrauch begegnet gelegentlich schon im 17. jh. in fällen, in denen er an den erweiterten religiösen gebrauch des wortes unter D 2 anknüpfen kann (vgl. DWB E 2 a) oder in denen ein uneigentlicher gebrauch von gott die übertragene anwendung von götze begünstigt (vgl. DWB E 2 b). überhaupt hat dieser übertragene gebrauch von götze weithin einen uneigentlichen gebrauch von gott (s. d. unter III E) neben sich, unterscheidet sich jedoch von diesem ebenso wie von dem erweiterten religiösen gebrauch von götze D 2 durch einen mehr oder weniger weitgehenden verlust religiöser bezogenheit.die auch übertragen gebrauchte verbindung falscher götze s. unter D 1 g.
1) in geprägten wendungen.
a) etwas zu einem oder seinem götzen machen, erheben usw. in dem allgemeinen sinne von 'etwas an sich wertloses oder nur relativ werthaltiges einseitig bevorzugen und überbewerten', vorwiegend sachlich selten persönlich bezogen: seinen götzen an etwas haben idolatrar qualche cosa Kramer teutsch-ital. 1 (1700) 552b; damit man weder aus seinen büchern, noch aus seiner eigenen meditation einen götzen mache, sich darauf allein verlasse A. H. Francke monita pastoralia theologica (1717) 84; wir ... erheben leblose dinge zu götzen Hippel über d. ehe (1792) 9. vergleichbar: dasz, was als pseudoreligion gedankenloser anbetung des fortschritts Europa entseelte, unsern unbewuszten götzen, die maschine, zum wirklichen gott der gottlosen erhebt R. Benz geist u. reich (1933) 143. ähnlich in einem bild:

es ist des glückes rad recht eine töpfer-scheibe,
die aus geringem lett (tonerde) oft güldne götzen dreht
Lohenstein hyacinthen (1689) 74.

dazu die redensart: einen götzen auff den altar setzen da einer zu ehrn auffsteigt wider jedermanns hoffnung Seb. Franck sprichw. (1541) 2, 96b; war es mir zu verdenken, dasz ich dem götzen (Shakespeare) seit der

[Bd. 8, Sp. 1445]


zeit, da man ihn auf den altar stellte, ... immer standhaft meine anbethung verweigerte Ayrenhoff w. (1814) 1, 39.
b) sich einen götzen machen u. ä. mit neigung zu der speziellen bedeutung 'sich ein trugbild schaffen'; vgl. 2 a:

zwar trennen
einfalt und irrthum die menschen, und schaffen selber sich götzen,
und ersinnen sich selbst gesetze, sie würdig zu ehren
Giseke poet. w. (1767) 33;

dort folgt er (der mensch) dem trugvollen, täuschenden, bunten götzen, dem wahne, den er selbst geschaffen Klinger s. philos. romane (o. j.) 1, VI; mehr als andere völker sind wir (die Deutschen) geneigt, uns ideale zu bilden und götzen zu setzen G. Freytag ges. w. 16 (1887) 282.
2) in verschiedenen anwendungen.
a) in der beziehung auf seelisch-geistige oder materielle gegebenheiten, die jemand über ihren tatsächlichen wert hinaus erhebt, denen er blind verfallen ist; in lockerem anschlusz an den religiösen gebrauch unter D 2.
α) oft deutlich im sinne von 'trugbild' in der beziehung auf vermeintliche werte:

die ehrentempel selbst, die wir auff tugend gründen,
sind götzen der vernunft und tummer eitelkeit
Lohenstein hyacinthen (1689) 43;

er (Posa) brachte
der menschheit, seinem götzen, mich (Philipp) zum opfer
Schiller 5, 2, 435 G.;

dieser moderne götze der nationalität ist nun mal nicht das idol, vor dem ich bete Fontane ges. w. (1905) I 7, 21.
β) von eigenschaften, die in der menschlichen selbstgefälligkeit und selbstsucht begründet sind: dasz der Lutheraner und Calvinisten götzen sein ihr heimlicher neid, ehrgeiz, stolz, dünkel, eigenlieb, uneinigkeit und zanksucht bei Opel-Cohn dreiszigj. krieg (1862) 375;

nachdem ich (Leicester) zehen bittre jahre lang
dem götzen ihrer (Elisabeths) eitelkeit geopfert
Schiller 12, 475 G.;

der rausch der eitelkeit und selbstgefälligkeit ist es, der ihn alle augenblicke fortreiszt und seinem götzen frönen läszt G. Keller ges. w. (1889) 3, 133.
γ) von mehr objektiven geistigen gegebenheiten und mächten:

das bild der phantasey, der menschen grosser götze,
die ehre, machet auch allhier die läden auff
Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. (1697) 2, 157;

wie? soll ich, o du stummer götze!
der wahren weiszheit untreu seyn,
und vor dem koth geringer schätze
dir (dem falschen glück) hertz und ruh und andacht weyhn?
J. Chr. Günther ged. (1735) 202;

der aberglaube, der greuliche göze Wieland w. I 2, 328 akad.; die vernunft heiszt ihm das einemal der scheuszlichste götze Schubart br. in: D. Fr. Strausz ges. schr. (1876) 9, 219. vergleichbar: wechsel und wandel sind ihre götzen, auf dauer ist nie bei ihnen zu rechnen Fr. L. Jahn w. (1884) 1, 496. ähnlich von der schönheit: sie (die verehrer der schönheit) können jetzt ruhig anhören, wenn man ihnen vorwirft, dasz sie nur einem stummen götzen dienen Fr. H. Jacobi w. (1812) 6, 123.
δ) von dem selbsterhöhten menschlichen ich: sie werden ihre eigne gözen und streuen sich selbst den weihrauch auf den altar ihrer einbildung Loen ges. kl. schr. (1749) 1, 50; so dasz er die klugheit von sich stiesz, sich sein eigner götze ward Tieck schr. (1828) 3, 9;

wer nur sein eigner götze war,
geht unter in dem staube
Platen w. 1, 62 Hempel.


ε) von dem aus habgier und in eigennutz überbewerteten materiellen besitz: der macht aus seinem reichthumb ... einen götzen Dannhawer catech.-milch (1657) 1, 173;

[Bd. 8, Sp. 1446]


da musz ich vor den kalten gözen (dem geld) dem himmel um gesundheit (für meinen geizigen mann) flehn
J. Chr. Günther s. w. 4, 246 Krämer;

der geldkasten ist der götze der geizigen Heynatz synon. wb. (1795) 1, 38a;

stürzt die fürsten des wuchers von den thronen!
räumet auf! eure arbeit wird sich lohnen!
ihren götzen stürzt die fremdlinge nach!
Ernst Leibl zelt unterm stern (1931) 15.


b) von personen und einrichtungen, die jemand in verkennung ihres tatsächlichen wertes vergöttert, um deren gunst er sich, zumeist um des eigenen vorteils willen, bemüht und in deren abhängigkeit zu geraten er bereit ist: dem könte er (ein germanischer herzog) nicht beystimmen, dasz man die zu sein und seines volckes schande aufgerichtete gedächtnüsz-mahle (für römische feldherren) stehen lassen, und hierdurch diese götzen der ehrsucht verehren solte Lohenstein Arminius (1689) 1, 339a;

ihr (der Eboli) herz
begeistert sie erkenntlich für den gözen (don Karlos),
der ihre unschuld aus den flammen risz
Schiller 5, 1, 161 G.;

zwar oft bestand er (der klausner) schon im harten kampf,
und seines götzen (eines mädchens) tempel sanken nieder
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 196.

in diesem sinne häufig von obrigkeitspersonen, politischen führern und mächten. zunächst mit beziehung auf den entsprechenden uneigentlichen biblischen gebrauch von gott III E 2 b β: dasz unser schultheisz meinet, weil die obrigkeiten in der schrift werden götter genennet, er sei auch ein götz bei Opel-Cohn dreiszigj. krieg (1862) 374; Lehman floril. polit. (1662) 1, 18; dann in freier übertragung:

ich schmeichle keiner zofe,
ich bette keinen götzen an,
der irgend leute von dem hofe
nach willkühr ziehn und werffen kan
J. Chr. Günther ged. (1735) 182;

ich tastete vielmehr einen gözen des katholischen pöbels nach dem andern an. pater Merz in Augsburg war ein solches idol Schubart leben 2 (1793) 88;

(Eboli zu Domingo:)
mensch, zittre du vor deines götzen (Philipps) zorn.
ich habe nichts zu wagen
Schiller 5, 2, 400 G.;

damit ich nicht ... im drange der noth den götzen des pöbels anrufe ebda 2, 181;

da liegt des volks verfaulter götze (Robespierre)
Falk satiren (1800) 3, 78;

Alexis ruhe (1852) 2, 9;

der ganze stamm der lebenden ... wird vor seinen götzen,
die ihn in staub und niedrigkeit geworfen,
so oft sie lügen, immer weiter räuchern
Stefan George d. neue reich (o. j.) 38.

sprichwörtlich: nach einem eisernen götzen ist nicht gut schiessen ('es ist gefährlich, gegen gewaltige zu kämpfen') Olearius bei Wander dt. sprichw.-lex. 5, 1376.
c) im kulturellen bereich, namentlich auf literarischem gebiet von personen und zeitströmungen, denen man in nahezu knechtischer abhängigkeit als einem gültige regeln und den allgemeinen geschmack bestimmenden vorbild nacheifert: darum beklaget herr König ..., dasz der gröste hauffen bey uns dem joche des übeln geschmackes noch immer freywillig unterworffen bleibe, und ... diesen götzen, als den vermeintlichen vater der höchsten zierlichkeit zu verehren ... fortfahre Bodmer samml. crit. poet. schr. (1741) 2, 143; lieber ... will ich tage lang ein concert von tausend stahren, älstern und fröschen hören, als ansehen das gethue und hülfholen, wenn man etwa einem schulsässigen götzen etwas genommen, oder gegeben hat. wenn jenes gleich nur kupfer und dieses gold wäre, so soll und musz der götze doch alle mal geprellt seyn (von 'ästhetischen künstlingen') Bürger s. w. 244a Bohtz;

[Bd. 8, Sp. 1447]


du (Goethe, der Voltaires Mahomet aufführt) opferst auf zertrümmerten altären
der aftermuse, die wir nicht mehr ehren?
einheim'scher kunst ist dieser schauplatz eigen,
hier wird nicht fremden götzen mehr gedient
Schiller 11, 322 G.;

die heutigen götzen des tags (die bewunderten literaten) riechen nach dem weihrauch ihrer verehrer Jean Paul w. 40/41, 24 Hempel; der wahre künstler, dem die kunst über alles geht und der weder ausländische noch inländische götzen kennt und gelten läszt O. Jahn Mozart (1856) 4, 770; ich glaube, sein (des schülers) dienst bei diesem seinem angebeteten herrn und götzen (dem musikmeister) füllt ihn ganz und gar aus Herm. Hesse glasperlenspiel (1943) 1, 362. vergleichbar: doch haben sie alle den wunderbaren götzen gemein, der lange schon bei den studenten das komment genannt wird E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845) 2, 260.
d) nur selten ohne betont abwertenden beiklang, aber doch nicht frei von untertönen, in der beziehung auf gegebenheiten und personen, denen sich jemand in besonders starkem masze verbunden fühlt:

nur die zufriedenheit ertheilet wahre schätze;
ihr erbtheil sey dein glück, und dieses glück dein götze
Löwen schr. (1765) 1, 50.

vor allem von geliebten personen: stellen sie (Julia) ihr bild an diesem altar (meinem herzen) auf, so können sie diesen gözen (das bild einer andern frau) zerstören Schiller 3, 18 G.; ders., br. 1, 134 Jonas; und ich betete meinen götzen (die ehefrau) nur um desto leidenschaftlicher an, da er das werk meiner hände war Pfeffel pros. versuche (1810) 5, 16. ebenso in einer übertragung auf die tierwelt:

und (die bärenmutter) schwur, als sie das bübchen sah,
... ihr kleiner götze
sollt ein Adonis seyn
Ramler fabellese (1783) 2, 505.


F. zusammensetzungen.
in der komposition wird götze hauptsächlich in seiner bedeutung 'heidnischer gott' (s. DWB D 1) produktiv. die auf dieser grundlage entstandenen bildungen finden in zahlreichen fällen neben ihrer eigentlichen eine erweiterte religiöse anwendung in der entsprechung zu götze D 2 und eine übertragene im anschlusz an götze E. die masse der oft an biblisches vorbild anschlieszenden bildungen mit götze als erstem kompositionsglied gehört bereits der reformationszeit an. eine zweite welle von neubildungen, die vielfach geläufige götter-zusammensetzungen des mythologischen apparates ersetzen, bringt die barockliteratur des 17. jhs. das 18. und 19. jh. liefern in erster linie gelegenheitsbildungen im anschlusz an bestehende typen. götze komponiert sich in der hauptsache mit substantivischen grundwörtern; adjektivische und partizipiale zusammensetzungen begegnen selten, vornehmlich im 17. und 19. jh., z. t. durch entsprechende gott- oder götter-zusammensetzungen beeinfluszt, z. b. götzengeweiht Pyrker s. w. (1855) 3, 62; götzentrunken (s. kompositionstypen 1 c ε), götzenfromm (s. kompositionstypen 1 c α). zu götze D 3 'heiligenbild' stellt sich im 16. jh. eine gruppe von bildungen verächtlichen charakters unter dem einflusz reformatorischer bestrebungen. zu götze B 'bildwerk' findet sich nur die zusammensetzung götzenträger (s. an alphabetischer stelle), die zugleich die früheste bezeugung für götze bietet.
hinsichtlich der form der komposition besteht insofern einheitlichkeit, als die zusammensetzungen durchweg götzen- als erstes glied zeigen. in der hauptsache handelt es sich um determinativkomposita mit genitivischem bestimmungswort; in geringerem umfang begegnen auf der grundlage verschiedenartiger syntaktischer verhältnisse zusammenbildungen, die sich in der kompositionsform dem typus der genitivzusammensetzungen anschlieszen, sofern nicht schon durch die ursprüngliche syntaktische form des ersten gliedes ein formaler zusammenfall

[Bd. 8, Sp. 1448]


mit diesen bedingt wird. nur selten finden sich zusammensetzungen, die neben den üblichen formen solche mit sekundär gekürzter fuge zeigen, z. b. neben gewöhnlichem götzenbild (s. an alphabetischer stelle) vereinzelt gotzebild, götzbild.
der an dem simplex götze haftende verächtliche nebenton wird auch in den zusammensetzungen greifbar, er scheint aber doch häufig an schärfe einzubüszen. kompositionstypen.
1) zusammensetzungen im anschlusz an götze D 1 'heidnischer gott'.
a) eine seit dem 17. jh. sich rasch ausweitende gruppe von substantivischen zusammensetzungen betrifft gestalt, merkmale, äuszerungen, die den götzen zukommen oder ihnen beigelegt werden.
α) benennungen der götzen und ihrer abbilder: götzengott: gezen gott Abr. a s. Clara n. pred. 192, 10 Bertsche; götzengott Rosegger schr. (1895) II 14, 361; -kerl Watzlik pfarrer v. Dornloh (1930) 65; -mann kathol. kirchenlied 2, 277b Kehrein; -mutter Er. Francisci allered. pferd (1670) 63; -ochse Dapper Africa (1670) 154b; -tier Zesen Assenat (1672) 519; -ungeheuer Liliencron s. w. (1896) 7, 143. kollektiv, mit besonders abschätziger note: götzengeschmeisz Er. Francisci weh d. ewigk. (1686) 1184; -krempel S. v. Birken rede-bind u. dicht-kunst (1679) 67; -schwarm anmuth. gelehrsamk. (1751) 2, 66 Gottsched; -zeug Kirchbach d. sonnenreiches unterg. (1894) 74. jünger in der beziehung auf die äuszere form von götzenbildern: götzenfigur Ratzel völkerkunde (1885) 3, 634; -gebilde Rosegger schr. (1895) I 14, 6;