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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
burre bis burschengelag (Bd. 2, Sp. 545 bis 550)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) burre, f. gnaphalium, wollkraut. Maaler hat 83b die burren, tomentum, Dasypodius 87d. 247a. 311b burre gnaphalon, schärwoll, tomentum; Serranus K 4b burre gnapholon, scherwoll. fehlt bei Nemnich. wenn die benennung davon herrührt, dasz man mit diesem kraut polsterte, kissen stopfte, so kann sie zum folgenden burren, heben genommen werden.
 
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burren, purren, ein in form und bedeutung schwieriges verbum. man sollte es zunächst dem sp. 534 behandelten büren gleichstellen, da schon im ahd. purran (Graff 3, 164) aus RI sich RR entwickelte, umgedreht auch nhd. büren neben burren erscheint. der sinn von ruere, ferri, excitari, stürmen, toben entspricht dem des lat. furere, sl. bauriti.
1) furere, fremere, strepere: es burrt schreckbar, der sturmwind heult entsetzlich. Schm. 1, 193, was ganz zu dem sl. bourja (sp. 534), altn. byrr stimmt. vom dumpfen laut der taube: die ringeltaube hat ein langes geheule, die turteltaube burret nur. Tänzers jagdgeh. 3, 91b; vom rauschen und murmeln des wassers:

ich bin der lebendige bronnen,
pur, pur, pur,
ich habe wasser gewonnen,
im winter und im sommer,
purre, purre, purre.
Gryphius 742,

wo pur, purre heiszen kann ich murmle, oder eine interj. bilden; von mürrischen, brummenden, tobenden menschen: hiemit fare hin, lieber neidhard, und so du viel purrest und schnurrest, so gedenk, es sind etliche, die geben nichts dorumb. Luther 1, 219b; wenn man ein wenig zu viel lachet und über die schnur feret, so schnurren und purren sie. 4, 128b; (die werkheiligen) urteilen iederman, schnurren und purren, sobald man inen nicht recht thut. 4, 141b;

sag aber, warumb gabst dem alten
fluchenden wirt, der nichts denn müren
thet im haus hin und wider büren,
solch kostliche schewren (schale) von gold?
H. Sachs III. 1, 239b,

wo müren murren, büren brummen ist; nun stumpf, kumpf, rumpf und stumpf, thut die augen auf und die hend zu, speit fornen fewr und scheiszt hinden aus funken, schnurrt, murrt und burrt, wie dort der heiden hauf. Garg. 227a, mit bezug auf ps. 2, 1 warumb toben die heiden? wie in der folgenden stelle:

was schnurt und burt der heiden schwarme wüst?
Melissus ps. A 3b;

er puret und schnuret den ganzen tag, dies totos grunniendo consumit. Stieler 1466. Zugleich aber drückt dieses burren oder purren ein mattes fliegen und flattern aus: der käfer burrt ab, burrt weg, burrt dahin; der schmetterling burrt von der blume auf; der taubenzüchter läszt die jungen tauben burren, treibt sie sich im fluge zu versuchen. Pröhles harzsagen 264, was an den ausruf burr erinnert, sich erheben und rauschen scheinen hier natürlich verbunden.
2) man könnte glauben, wie burren zusammensteht mit schnurren und murren, dasz es schallnachahmende verba seien, in deren reihe noch andere gehören, hurren, pfurren (Stalder 1, 166), pfnurren, surren. der hund knurrt, die katze schnurrt, der käfer surrt und burrt, das spinnrad hurrt und burrt, taube, schmetterling, fliege burren:

[Bd. 2, Sp. 546]


nâch manchen ferten snurren
mîn Herz (als jagdhund) alda begunde,
widerzucken, phnurren
ich eʒ mit dem seile faste kunde.
Hadamar 55;

schôn aber schôn, dîn snurren
mag müediu bein wol machen. 89;

man mag eʒ ouch versnurren
ân alleʒ widerbringen,
sein und ze snelleʒ burren
mʒ man mit fgen an die mâʒe dingen. 486;

d'röda ham burt
und da haspel had gkracht.
Stelzhamer 137,

die räder haben geburrt und der haspel hat geknarrt;

um an bam buren d'kefa. 113,

um einen baum burren, surren die käfer;

purrt eine flieg ihm an der nase.
Gökingk 3, 163,

brummt, surrt. Jeroschin (bei Pfeiffer s. 208) reimt pur. snur (d. i. burr: schnurr). auf ähnliche weise verhalten sich girren, mirren, schwirren, brummen, hummen, summen u. a. m. doch diese eintreffenden klänge dürfen uns nicht hindern in burren die lebendige wurzel beren, ferre, in brummen die wurzel bremen, fremere zu erkennen. die analogie der laute ist vom sprachgeist zugleich mit der der bedeutungen erreicht worden.
3) einige zumal niederdeutsche schriftsteller setzen transitives purren im sinn von anregen, antreiben, anbrummen, reizen, den wir vorhin schon bei purlen wahrnahmen und der sich leicht mit büren, heben einigt:

doch besser, dasz die laune mich allein
als gar durch mich auch andre purre.
Gökingk 1, 168;

denn ich,
wenn gleich ein krüppel, lasse mich
von niemand lange purren. 3, 129;

von mücken wird man dann gepurrt (angesurrt)
und wälzet sich im bette.
Voss 4, 42;

jeder wicht, der stört und purrt,
wird abgeschnurrt. 6, 24,

wie es auch heiszt abgepurrt, abgeburrt. das brem. wb. 3, 379 führt an: dat vüer up purren, das feuer aufschüren; purre mi nig, reize mich nicht; lat mi ungepurret, lasz mich ungezerret; umpurren, umrühren. ebenso nnl. porren, antreiben, reizen, mnl. aber porren, ziehen, fahren, reisen, sich aufmachen, sich erheben, schnurren, dahin fahren. Huydecoper op Stoke 2, 399. diese purren, porren scheinen den buchstaben des schweiz. pfurren näher zu liegen, als unserm ahd. purian = nhd. burren, sie müsten denn aus der hd. form entlehnt sein, wie auch in andern fällen, z. b. bei dem worte plündern sp. 169 angenommen wurde.
 
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burs, burse und gespreizt bursch, bursche, ein in geschlecht und bedeutung schwankendes wort. es stammt aus dem lat. bursa, crumena e corio facta, welchem selbst das gr. βύρσα, corium zum grunde liegt, βύρσα scheint aber für δύρσα gesetzt und dem lat. dorsum gleich von δέρειν schinden, d. i. goth. tairan, ahd. zëran herzuleiten, also dem ags. teors, ahd. zers, penis, cauda, praeputium nahverwandt. an solchen zusammenhang denkt die sprache längst nicht mehr. ein bei Graff 3, 206 angeführtes burissa, cassidile scheint aus dem roman. bursa entsprungen und nicht der wurzel bëran zu überweisen.
Dem mlat. bursa sehen wir nun auszer der vorstellung marsupium, crumena auch die von contubernium beiwohnen und es darf wol gefragt werden, ob diese vielleicht in verbindung stehe mit dem uralten symbolischen gebrauch der stierhaut beim schlusse von heergesellschaften, deren ich in der gesch. der d. spr. s. 128 meldung that. man kann freilich aus dem gemeinschaftlichen beutel auch den begrif einer persönlichen genossenschaft erklären, alle zur bursa gehörigen und aus ihr besoldeten bilden einen verein, der selbst wieder bursa genannt wird.
In solcher bedeutung eines conventikels war das fremde wort burse unsrer sprache wahrscheinlich erst durch die universitäten zugeführt, nicht in der eines beutels (ags. puse, engl. purse) oder sammelplatzes der kaufleute, wofür später börse (sp. 245) angenommen wurde. unser früheres mittelalter kennt den ausdruck burse nirgends, so viel anlasz die geistlichen gehabt hätten sich seiner zu bedienen. aus urkunden der hohen schulen von Heidelberg, Cöln, Erfurt, Leipzig musz sich ergeben, ob er noch ins 14 jh. hinaufreicht, oder wo im 15 er zuerst um sich grif; eine Heidelberger stadtordnung von 1465 (Mones zeitschr. 4, 391) gedenkt der bursen als gemeinschaftlicher kosthäuser der studenten, wer erinnert sich nicht aus den epist. obsc. vir.

[Bd. 2, Sp. 547]


der bursa Kneck und bursa montis? bei Philand. 1, 129 stehen artige, wol erst dem 16 oder 17 jh. angehörige verse:

bursa studentorum finstri sub tempore nachti,
cum sterni leuchtunt, monus quoque scheinet ab himlo,
gassatim laufent per omnes compita gassas
cum geigis, cytharis, lautis harphisque spilentes,
haujuntque in steinos, quod feurius springet ab illis.
tunc veniunt wechtri cum spieszibus atque reclamant:
'ite domum, gasti, schlaxit jam zwelfius ura!'

in Tübingen hiesz das contubernium der studenten bis auf unsere zeit die bursch. Dasypodius 41b erklärt contubernium ein rotte oder burs kriegsleut, deren gewonlich zehen waren, inde accipitur für ein ietliche geselschaft oder burs; 311a durch alle bursen, manipulatim. ebenso Maaler 83b die burs, ein kamer vollen kriegsleut, contubernium; von burs zu burs, von einer rott zu der andern, manipulatim; 321a purs von zagen kriegsleuten, manipulus.
Diesen collectivbegrif einer rotte und schar von gesellen oder ihres gelags halten auch alle schriftsteller des 16 jh. fest und noch manche des 17 befolgen ihn: denn die burse (zu Wittenberg) ist arm und hat nicht, das sie mochte langen verzug erleiden. Luthers br. 3, 29; sein gleich gesellen, ringer, springer, die im günstig und anmütig warn, frech, jung, mutwillig leut nam er zu sich, mit verachtung der alten rät in sein bursch und gloch. Frank chron. 273a; zoch do unser purs uf Hall in Sachsen zu. Tho. Plater 20; alle morgen samleten sich ein gte burs von handwerksgesellen, von meistern und allerlei volks bei seim gebranten wein. Wickram rollw. 40 (69); der mann mit seiner bursch kam in die stuben. 55 (95); ld ein gte bursch z ihm in sein herberg. 65 (114); also gienge es eines mals auch z in einem kalten winter, da kam ein gte bursch mit einander geritten. 83 (147); und als er so ein gte bursch bei einander findt. 85 (151); die bursch trinkt den wein aus. Katziporus F 3a;

darnach wir in die bursch gehn.
H. Sachs I, 472b;

lg auch, dasz ir wein stark und firn
der bursch flugs aufsteig in das hirn.
Scheit grob. H 3b;

bis dasz die morgenröt her geh,
so ists zeit, dasz die bursch auf steh. Q 4a;

und wo du kanst mit groben sachen
der bursch ein grosz gelechter machen. T 2a;

geh nicht zu armer bursch zu gast,
so du ein speis nicht bei dir hast.
Gartneri dict. proverb. und
Henisch 566;

denn er weisz, das er nur aufs glück
der zalung halb, aus arger tück,
von frecher purs dazu bewogn
sei wider seinen got gezogn.
Ringw. l. warh. 23 (20);

so geh ja in der zeit zu haus
und leck nicht alle neigen aus
mit loser pursch. 118 (113);

wann sich los bursch zusammen helt,
sich bös und bös zu hauf gesellt.
Eyering 3, 556;

ein wunderliche pursch auserlesen,
die hat sich drauszen zammengerott.
Ayrer fastn. sp. 38a;

meinstu nicht, ich hab ein auserwehlte pursch von zeugen, die alle dem zimmerknecht von herzen feind seind, zusammen klaubt? Ayrer proc. 2, 6; wolten seine rottgesellen in bei sich nicht in der burs leiden. Kirchhof wendunm. 109a; laszt ein eigen fahnlein tragen vor solcher edlen burs her. mil. disc. 115c; was ist in Rom anders dann ein zulauf von ketzern und ein rechter herrenmarkt und bursch der pfrundenkrämer? bienenk. 224a; hatte ihme vorgenommen, mit des feindes schwechern haufen, darinnen nur ohnversuchte knechte und eine liederliche bursch war, zu schlagen. Spangenb. lustg. 587; also ist diese giftige bursch auch bis auf die letzte allhie versparet worden. Phil. 1, 187; welche geldverschwendende bursch (der hofeschneider) sie (die fürsten) ja den vornehmsten räthen an gunst und gnaden gleich halten. 2, 85; wir lesen gen. 4, 19 von dem geschlecht des gottlosen Lamechs, dasz eine ehrbare bursch (saubere gesellschaft) in seinem haus beisammen gewesen. Creidius 2, 27; eine jungfrauen aus Friesland, welche sieben jahr den Holländern gedienet und sich so tapfer erzeiget, dasz sie unter die adelspursch und beste soldaten ist gerechnet worden. 2, 369; einer aus der hofbursch. Albrechts fluchabc 51;

dasz aber in quartieren
die ritterliche pursch sich pfleget auszuzieren.
Opitz 1, 104;

kein herr der solte mich sehn bei den wagen gehn
und mit der hofepursch vor seine tafel stehn. 1, 140;

von welcher jungen pursch einer sagte. 2, 258;

ihr pursch, jetzt könt ihr sehn und euer urtheil fällen. 3, 79;

[Bd. 2, Sp. 548]



bald als er seinen stein warf unter diesen hauf,
da rieb die tolle pursch einander selber auf.
Birken o. lorb. h. 78;

da nähret er die nasse burs (der fische)
in schuppen glatt bekleidet,
so stumm, ohn stimmen, ohn discurs
die feuchte reich zerschneidet.
Spee trutzn. 136;

indes die pursch die schüssel gar aufräumen.
Scherfer grob. 30;

zur ander pursch. 35;

und demnach wir unsern proviant aufgesackt hatten, giengen wir zu unserer pursch. Simpl. 1, 242 (bei Keller s. 363 zu unserer bursch); befahl auch meiner bursch, dasz jeder seinen mann gewis nehmen solte. 1, 274. Keller s. 411; worüber seine eigene bursch, die wir gefangen hatten, mächtig erschracken. 1, 276. Keller 413; ihre zwo töchter waren unsers volks und bei der hofpursch wol bekant. 2, 130; als ich eine gesellschaft bettler unweit der landstraszen antraf, die ein feuer angemacht hatten und darumb saszen zu sieden und braten, warhaftig eine lustige bursch. 2, 241.
Um aber die im laufe des 17 jh. eintretende änderung der form und bedeutung des wortes vollständiger zu begreifen, mögen aus Ulenharts Winkelfelder von 1617 stellen gehoben werden, in welchen zu bursch abwechselnd das verbum bald im sg. bald im pl. gesellt wird, wie bei begriffen der menge unsre sprache von jeher gestattete (gramm. 4, 192—194): die ander bursch aber, mit dern (qua) er daselbsten angelanget, redeten es ihme aus dem sinn, so gut sie konnten. 212; da abgehörte pursch bei einander in ihrem rath versamblet waren. 228; was ihme die ganze bursch einhellig zugemutet. 285; als nun die bursch im besten gespräch waren. 287; die ander pursch fahren in ihrem gespräch fort. 288; die bursch versamblet sich umb den tisch. 298; iemand under der bursch. 304; darob sich die bursch nit wenig entsetzte. 309; die ander bursch aber verfügte sich ein jeder an sein ort zum tisch. 322; die pfanne, daraus die bursch das kalt mues gessen. 340; sobald die bursch dis gehört, liesz die ein die löffel, die ander den rost fallen. 346; liesz die übrige bursch in das fletz rufen. 346; vgl. die vorhin aus Wickram und aus Simpl. 1, 276 beigebrachten stellen. hier sehen wir bursch durchgehends noch als sg. f. aufgefaszt, indem aber die pl. redeten, waren, fahren (samleten, erschracken) daneben erscheinen, was im sprachgebrauch sehr oft der fall sein muste, geschah es leicht, dasz nun auch bursch für einen pl. = gesellen zu gelten begann, von dem sich wiederum ein wirklicher sg. bursch = gesell setzen lasse. diesen sg. aber, der kein collectiv mehr, sondern die einzelheit ausdrückte, nahm man männlich an, weil unter den gesellen meistentheils männer verstanden wurden. auf solche weise verdrehte sich das ursprüngliche f. bursa contubernium in ein m. bursch contubernalis, dessen pl. bursche mit dem sinn des alten f. bursch zusammenfällt. so hat sich aus dem collectiv camerata (Diez 82) die vorstellung stubengenosz und aus frauenzimmer, gynaeceum unser frauenzimmer femina, doch ohne abänderung des geschlechts gebildet, auch steht damit die anwendung von blut (sp. 173) und andern wörtern für mensch zu vergleichen. es wird sich genauer, als bisher geschehn ist, ermitteln lassen, welcher schriftsteller zuerst wagte, bursch als sg. m. zu verwenden und davon einen pl. burschen zu zeugen, ich habe keine älteren beispiele angemerkt, als die folgenden Philanders (um 1640), der, wie vorhin erhellte, sonst auch noch das f. bursch brauchte: mit ihm giengen etlich junge purschen zur burg hinaus. 2, 200; er war ein frisch, jung pursch. 2, 205; in den rasenden jungen jahren haben die versoffene purschen so viel reguln zum trinken erdacht. 2, 213; einer von den jungen purschen, ein frisch wacker kerlchen, hub ein anderes an. 2, 215; einer von diesen purschen, so sich ausgeträhet hatte. 2, 230; die stelle aus Opitz 3, 79 ist zweifelhaft. in der stelle aus Simpl. 1, 242 ändert die ausg. von 1713 zu unserer pursch in zu unseren purschen, und in Ringwalds lauterer warheit Brodtkorb das von frecher purs in von frechem pursch. dasz in späteren büchern, z. b. Happels acad. roman von 1690 neben die academische pursche s. 378. 381. 938 auch die jungen pursche 353, ein jeder pursch 363 erscheint, kann nicht befremden.
Mit diesem bursch, gen. bursches, pl. bursche oder auch bursche, gen. burschen, pl. burschen, in welchen allen zugleich anlautendes P geschrieben wird, ist in unsre sprache ein unbeholfnes, zum reim untaugliches wort gedrungen, dessen sie kaum benöthigt war, da ihr junge, knabe, kerl, bube,

[Bd. 2, Sp. 549]


diener, knecht, gesell u. a. m. zu gebot stehn. dennoch gewinnt es seine eigne farbe. anfangs von den in engerem band lebenden studenten, soldaten, handwerksgesellen geltend, wird es heute, ohne solche rücksicht, für puer, famulus gebraucht und hat sich auch unter das volk verbreitet. wetterauischen bauern heiszt ein liebhaber der bursch, die geliebte das mensch; bursch bezeichnet wie bube jede ledige mannsperson, auch der bürger sagt: mein bursch ist krank für mein sohn, mein bub. in aller mund ist: ein guter, schöner, flotter, feiner, lustiger bursch, oder ein sauberer, lockerer, liederlicher, naseweiser, ganz wie bub oder kerl. doch klingt bursch gemeiner, gröber als knabe, bube und hat mehr den nebensinn eines dienenden; nur wo es, wie unter studenten, technisch geblieben ist, dauert auch seine unanstöszige bedeutung. andere würde heutzutage der name bursch verletzen, während er vordem ehrte, viele, heiszt es in dem vernünftigen studentenleben. Jena 1716 s. 39, haben einen gefallen daran wenn man sie pursche heiszt; er ist noch ein junger bursch, er verstehts noch nicht besser;

ja wenn kein pursche wär.
Günther 469;

die pursche lachten drein. 553;

nur dieses fiel mit alle dem
dem guten burschen unbequem.
Lichtwer;

wie sich die platten bursche freuen.
Göthe 12, 107;

er ist ein so treuer bursche! 8, 191; und Görge hält sein wort. ein guter bursch, ein heftiger bursch! 14, 262; Angelika mahlt mich auch, daraus wird aber nichts. es ist immer ein hübscher bursche, aber keine spur von mir. 29, 8; das gedicht könne sich nur von seinem pedanten herschreiben, der ein sehr feiner bursche sei. 18, 296; einen prinzen, der, ohngeachtet seiner edeln natur, an der roheit, unschicklichkeit und albernheit solcher ganz sinnlichen bursche sich ergetzt. 19, 55; es sind fatale bursche in der gesellschaft. 59, 194. in allen diesen stellen könnte auch kerl oder gesell gesagt sein. beleidigend, entehrend klingt das drohwort: warte bursche, ich will dich schon kriegen! und ähnliches.
Man braucht bursch auch von andern dingen: nicht wahr, das sind fette bursche? (er meint die fische, s. Spee sp. 548). Göthe 11, 118. wenn Hamlet den geist, der wie ein maulwurf in der erde wühlt, fellow in cellarage nennt, so wäre dafür bursch im keller der deutsche ausdruck, Schlegel wählte gesell. Logau stellt den hunger und durst als bursche auf:

wer durst und hunger hat, pflegt viel nicht zu verzehren,
dann diese beide pursch ist gerne nur im leeren. 2, 7, 46,

wo bursch noch weiblich steht und das adj. beide im sg. neben sich hat, ein beleg zu 1, 1363. im euphemismus, wie bruder (sp. 420) und sonst auch DWB gast: liesz mich mein bauch auch nicht zufrieden, er kirrete und murrete ohne unterlasz und gab dardurch zu verstehen, dasz bursch in ihm vorhanden wären, die in freien luft begehrten. Simpl. 1, 103.
Viele zusammensetzungen: bauerbursch, beckerbursch, bergbursch, gärtnerbursch, handwerksbursch, hausbursch, hofbursch, jägerbursch, kellerbursch, ladenbursch, laufbursch, lehrbursch, mitbursch, mühlbursch, reitbursch, ruderbursch, schäferbursch, schifferbursch, schlafbursch, schneiderbursch, stubenbursch, tischbursch, wanderbursch. s. DWB burst.
 
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bürsch, f. was birsch, venatio: wie weidmännisch von etlichem weidwerk zu reden, die hölzer werden genannt först, wildban, bürsch, gebirg. Sebiz 567;

auf Amors freier bürsch, berg auf berg ab im land
herum zu ziehn.
Wieland 22, 264.


 
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bürschbüchse, f.: der nicht weisz was hetzen oder beiszen ist, der seine tag kein fewrrohr gesehen, kein bürschbüchs kennet, viel weniger abgeschossen, viel weniger aber einen otter, kranich oder reiher getroffen hat. Philand. 2, 147.
 
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bürschchen, n. puer: bürschchen, versprich für dich, was du versprechen willst (de te largitor puer). Lessing 7, 444; er ein munteres bürschchen von mittlerer grösze. Göthe 18, 151; und ein bürschchen wie ein hirschchen! 57, 164; wenn denn vollends ein zuckersüszes bürschchen in der uniform, oder ein barönchen, des sich gott erbarm! ein mädchen vom mittelstand an solche örter hinführt, so ist zehn gegen eins zu verwetten, dasz er sie nicht wieder nach haus bringt, wie er sie abgeholt hat. Wagners kinderm. 28; das burschgen lassets nicht, consuetudo altera natura. Stieler 135.
 
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bürschel, n. dasselbe: er liebte mich als ein resolutes junges bürschel. Simpl. 2, 125.
 
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burschen, bursen, was burschieren: welche kriegsleute sonst miteinander bursen, finden sich ietzund auch ein labbissen oder trunk zu thun zusammen. Kirchhof mil. disc. 116;

[Bd. 2, Sp. 550]


pursche sonst mit redlichkeit
hinzubringen meine zeit.
Logau 1, 7, 87,

geselle mich zur redlichkeit, wenn das der sinn ist. noch in der Schweiz: sich bursen, versammeln. Stalder 1, 246.
 
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bürschen, was birschen.
 
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burschenabenteuer, n. studentenabenteuer. Gotter 3, 181.
 
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burschengelag, n. insofern ein pleonasmus, als das alte bursch an sich schon gelag ausdrückte.