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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bahn bis bahngalopp (Bd. 1, Sp. 1076 bis 1079)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bahn [ban], f. via trita, ein für die geschichte unserer sprache lehrreiches wort: goth. finden wir banja vulnus, ags. benn, altn. ben vulnus, ahd. pano percussor, interfector, ags. bana, fries. bona, altn. bani occisor, schw. bane occisio, homicidium, dän. bane vulnus und occisio, engl. bane gift und verderben, das will sagen mord und todschlag, mhd. ban (Ben. 1, 82b). alle diese ausdrücke fehlen nhd. mnl. nnl., hingegen bietet sich dar mhd. ban via, callis, nhd. bahn, mnl. baen, nnl. baan, schw. bana, dän. bane, welche umgekehrt goth. ahd. ags. altn. mangeln.
So unvereinbar anfangs auch die begriffe todschlag und strasze scheinen, beide reihen müssen einer quelle entflossen sein, wie die bedeutung lehrt. setzen wir als wurzel ban ferire, so entspringt daraus banja πληγή, it. ferita, die geschlagne wunde, bana percussor, todschläger, und bahn, via trita, le chemin battu, die von füszen und wagen getretne, breitgeschlagene strasze. nicht anders sagte man die strâʒe, den wec bern, den weg treten, von bern ferire (Ben. 1, 144a) und noch bedeutsamer ist, dasz von der wurzel wig, altn. veg, skr. vah, lat. veh sowol unser bewegen, fahren und weg, via = veha stammt, als das altn. vega ferire, percutere, erschlagen. selbst schlagen entfaltete aus sich die vorstellung slaha, mhd. slâ, vestigium, getretene, eingeschlagene wegspur.
Zugleich ist der wurzel ban hohes alterthum beizulegen, da jenem bana gr. φονεύς, dem banja φόνος (vom verlornen φένω) und lat. funus begegnen. aus dem sanskrit entspricht van ferire (Bopp 308a), dessen V wie öfter für BH steht, nicht entspricht (wie Graff 3, 125 meinte) han occidere, welches vielmehr aus dhan hervorgieng (Bopp 397b) und zu unserm tod und tödten gehört.
Bahn also bezeichnet den durch ungangbare, unfahrbare gegend, über rauhe, schwierige stellen getretenen, gebrochenen, geebneten, geglätteten weg oder pfad; felsenbahn, waldbahn, wildbahn, eisbahn, gleitebahn; die schlittenbahn führt über den verschneiten boden, die kegelbahn die kugel zu den kegeln; knottenbahn, tenne zum ausdreschen der flachsknotten; tanzbahn; reitbahn, rennbahn, stechbahn sind für reiter eingerichtet, und in unserer zeit hat das wort durch die erfindung der dampfbahnen oder eisenbahnen, die schon das blosze bahn kennbar macht, weiteren umfang gewonnen, nordbahn, ostbahn sind richtungen der eisenbahnen. An sich drückt bahn einen gemachten weg über das land aus und steht insofern dem flusz gegenüber, der einen natürlichen weg bildet:

und zwei zusammen sehen flusz und bahn
und berg und busch sogleich ganz anders an.
Göthe 3, 138.

doch heiszt auch der flusz die staublose bahn, der wasserweg (wasserbahn bei Göthe 2, 39) und durch das eistreibende gewässer wird dem schiffe bahn gebrochen. Olearius sagt: dasz man auch trucknes fuszes in seiner (des flusses) bahn spazieren kan. pers. rosenth. 7, 6. d. i. im fluszbett.
Redensarten.
1) hier ist bahn; wir wateten im schnee, es war durchaus keine bahn; nun wäre freie, ebene bahn bis auf diesen ärgerlichen, zähen klumpen fleisch. Schiller 112; und wird eine

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ban sein dem ubrigen seines volks. Es. 11, 16; zu der zeit wird eine ban sein von Egypten in Assyrien. 19, 23; und es wird daselbs eine bane sein und ein weg. 35, 8. nnl. verwendet man zumal das diminutiv baantje, um anzudeuten, dasz etwas vortheithaft ist: het is een goed baantje, voor een baantje dienst nemen.
2) bahn machen, reine bahn machen, die bahn frei machen, räumen, nnl. de baan klaar maken: macht ban dem, der da sanft her feret. ps. 68, 5; du hast fur im die ban gemacht. 80, 10; macht auf dem gefilde eine ebene ban unserm gott. Es. 40, 3; der im mer weg und in starken wassern ban machet. 43, 16; machet ban, machet ban, reumet den weg! 57, 14; weichet vom wege, machet euch von der ban! 30, 11. bildlich, Kant hat hier bahn gemacht, einen neuen, vorher unbetretenen weg eingeschlagen; Justinian hat in der nov. 115 nicht so reine bahn gemacht, wie in nov. 118. Hugo heut. röm. recht 1826 s. 206. ebenso bahn brechen durch felsen und wälder. bildlich, vorangehen, neues erfinden: daher heiszt er in der schrift primogenitus ex mortuis, als der uns die ban gebrochen und vorgangen ist zum ewigen leben. Luther 6, 79a; dieser gelehrte bricht immer bahn;

und doch sich neue bahnen brechen
heiszt in ein nest gelehrter wespen stechen.
Wieland 17, 14.

die bahn kehren, zumal von schnee auf dem eis: es ist entsetzlich kalt, wenn sie auf der Ilm fahren wollen, es wird bahn gekehrt. Göthe an fr. von Stein 2, 13. ein ban speien, es möcht einer han ein schiffelein gefürt. Garg. 89a.
3) bahn halten, einhalten; man sagt so, wenn sich begegnende nach demselben orte gehen, namentlich wenn ein fleischer eben den weg auf die dörfer einschlägt, den schon der andere genommen hat. auf der bahn, in der bahn bleiben: auf das du wandelst auf gutem wege und bleibest auf der rechten ban. spr. Sal. 2, 20; das ich auf rechter bane bleibe. Luther 6, 345a; aber das lassen wir jetzt faren und bleiben auf der ban. 3, 293b. umgekehrt, die bahn verlassen, verlieren, aus der bahn schreiten, treten: die da verlassen die rechte ban und gehen finstere wege. spr. Sal. 2, 13; der tritt freilich aus der ban und ist des teufels. Luther 3, 327b;

und sein verstand tritt gänzlich aus der bahn.
Wieland 22, 221;

den jungen aus der bahn schreitenden geistlichen. Göthe 19, 99.
4) auf der bahn sein, unterwegs sein, herannahen: der fünft ist auf der ban. Luther 3, 285b; darnach müssen denn folgen solche falsche geister, die selbs nicht wissen noch ie erfaren haben, was es ist das sie leren, wie es bereit allenthalben auf der ban (im gang) ist. 6, 35a;

denn sieh die rut ist auf der ban,
wie manche händel zeigen an.
Ringwald laut. warh. 93;

wann Helena kann zehren
vergieszen, wie sie thut, was fall ist auf der bahn?
Opitz 1, 241.

auf der bahn liegen aber bedeutete auf der strasze liegen, wegelagern: und mir selbst aus treuer meinung anzeigt und sagt, ich leg (läge) immer auf der ban. Götz von Berl. lebensb. 49.
5) auf die bahn kommen, heraus kommen, erscheinen: wann sie die heiligen hochpreisen, so kompt gleich die anrufung der heiligen auf die ban. bienenk. 37b;

so wird er kommen auf die bahn,
dich hören und beschützen.
Ringwald geistl. lied. E 5b;

(gott) sein vätterliches rüthelein
leszt auf die bahne kommen. F 4a;

bei einem glase wein kömmt manches auf die bahn.
Lessing 1, 182;

er hoffe, dasz ich schärfere beweise zu geben haben würde, als bisher auf die bahn gekommen wären. Wieland 15, 134.
6) auf die bahn bringen, aufs tapet, vorbringen: er wollte die sache auf die bahn bringen. Wickram rollw. 88;

das du grob zotten bringst auf dban.
Scheit grob. g 2;

ein newes auf die bahn zu bringen.
Ringwald l. warh. 194;

könt seltzam gschicht auf die bahn bringn.
Ayrer fastn. 7a;

und was ich weiter nicht mag bringen auf die bahn,
dadurch ich sonsten wol in argwohn kommen kan.
Opitz 1, 131;

bald bringt man auf die bahn
ein unerhörte lehr.
Gryphius 1, 18;

sie brachten auf die hahn indessen ihr bedenken
Werders Ariost 20, 23;

drumb bringt ihr bocksbeutel, ihre ratio status etwas anders auf die bahn. Schuppius 8; solche brodlose grillenfangereien

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auf die bahne bringt. Weise erzn. 221; dasz bei tische nichts auf die bahn gebracht werden konnte, wovon man nicht immer wieder auf Bonifazchen zurück gekommen wäre. Wieland 15, 163; bringt klaren unsinn auf die bahn. 18, 110; er brach ab, brachte aber das gespräch bei andern gelegenheiten wieder auf die bahn. Göthe 19, 273; die erdichtete art von freiheit, die einige auf die bahn gebracht haben. Kant 6, 9; neue plane auf die bahn bringen. 6, 405; einen einwurf wiederum auf die bahn bringen. 8, 201.
7) leiten und führen auf die bahn, auf der bahn: herr weise mir deinen weg und leite mich auf richtiger ban. ps. 27, 11; ich wil dich auf rechter ban leiten. spr. Sal. 4, 11; dein guter geist füre mich auf ebener ban. ps. 143, 10;

ist liebe dann wol blind? wann ich sie recht seh an,
so siht sie oftmals mehr, als jemand sehen kan,
und führt was nirgend da, noch dennoch auf die bahn.
Logau 1, 8, 76.

verführen: lasz dich nicht verfüren auf irer ban. spr. Sal. 7, 25; die rechten heubtstücke faren lassen und also listiglich aus der ban gefürt werden. Luther 3, 37.
8) sich auf die bahn stürzen, werfen: er stürzt sich auf die bahn des lasters; merkwürdige menschen, die sich in seine bahn werfen, zerstreuen seine aufmerksamkeit. Schiller 763; ein fremder warf sich auf die eisenbahn, und wurde von dem wagen zermalmt.
9) einem die bahn sperren, verlegen, verhauen. was meint aber die zeit zur bahn hauen? bei Schuppius 780. einen auf der bahn, bei der that, ergreifen, ertappen.
10) abstract steht bahn geradezu für weg, und klingt edler, gewählter als dieses: die bahn der tugend, des lasters, die lebensbahn; laufbahn des menschen; zweifelbahn; der leidenschaften bahn. Gotter 1, 173;

vertraut mit allen künsten,
die auf die rauhe bahn des weisen blumen streun. 1, 272;

ach, weis mir deines willens bahn.
Weckherlin 121.

denn ein gott hat
jedem seine bahn
vorgezeichnet.
Göthe 2, 64.


11) den astronomen heiszt bahn der weg oder die linie, die ein gestirn durchläuft: erdbahn, sonnenbahn u. s. w.

sie lief in der gekrümmten bahne fort.
Lichtwer.


12) bei werkezeugen heiszt bahn die der einwirkung eines andern körpers unmittelbar ausgesetzte glatte fläche. so wird bahn des hammers genannt der theil, welcher aufschlägt, bahn des amboszes das, worauf mit dem hammer geschlagen wird, bahn der axt oder des beils die scharfe einhauende seite. das klingt alterthümlich, aber verworren, eigentlich sollte der ambosz die bahn des hammers genannt sein, worauf er zu treten gewohnt ist, das holz die bahn des beils. man erinnert sich des verses bei Herodot 1, 67:
καὶ τύπος ἀντίτυπος καὶ πῆμ' ἐπὶ πήματι κεῖται, und des altn. rätsels aus Hervararsaga c. 15:

gengr hamar â glôð Rînar,
qveðr við hâtt ok kemr â steðja.

Mathesius sagt s. 80a: musz man stahel oder solche peuschel und eisen haben, die ihr stehlene banen, schneiden, spitzen und örter haben. Tubalcain ist auch der erste waffenschmid gewesen, der stehlene schneiden, bane oder ort am eisen hat schweiszen, wellen und herten können. Herttwig s. 43 erklärt bahn das breite ort an dem hand- und andern fäusteln. den tischlern und böttichern ist bahn des hobels dessen untere glatte fläche.
13) auch das breite ende am zeug, ein streif des zeugs heiszt bahn. nnl. een rok van zes banen. indem er sie (die gemählde) im gedachten giebelzimmer, bane für bane, breiter und schmäler, nebeneinander nageln liesz. Göthe 24, 172.
14) in den angezogenen stellen kommt mehrmals bahne für bahn vor, was zum nnl. baan = bane stimmt. ahd. lautete das wort ohne zweifel pana f.
 
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bahnberechnend, nach bahn 11: haben sich doch die himmelbeobachtenden und sternaufsuchenden astronomen von den bahnberechnenden getrennt. Göthe 52, 294.
 
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bahnbrecher, m. qui viam aperit.
 
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bahnbruch, m. zum bahnbruch war sie nicht aufgelegt. Hippel 4, 97.
 
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bahnen, viam aperire, terere, mhd. banen (Ben. 1, 83a), ein ahd. panôn (Graff 3, 126) erscheint noch, aber unsicher, da capanônt aequant caepanônt sein mag und ebnen mit bahnen nichts zu thun hat. den weg bahnen, aufräumen, ein

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gebahnter weg; jedoch ersahe ich einen steig, der wol gebanet und getretten war. Hans Clawerts historien; nur bestechung hat ihm den weg zu diesem amte gebahnt; ich will ihm die rückkehr zur tugend bahnen. Nach Campe, der nicht sagt, woher er schöpft, heiszt bahnen weidmännisch auch von thieren, was sonst lösen, losen, alvum exonerare, solvere, also erleichtern, aufräumen, bahn machen.
 
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bähnen, dasselbe, bei den schlesischen dichtern und weiterhin: den weg vollends zu bähnen. Opitz poeterei 1b;

die ungebähnte bahn.
Opitz ged. 1, 2;

er wird ihm die strasze zeigen,
die er selber hat gebähnt. ps. 49;

und die zeit bähnete ihnen die sandichten wüsteneien des inneren Libyens. Lohenst. Arm. 1, 6; dasz sie den feinden eine brücke in ihre eigene länder bähnen würden. 2, 366.

den weg ins paradies gebähnt.
Günther 183;

und bähnt ihm den einzug in herzen und brust. 334;

ich bähne mir den weg. 393. 1021;

die sichre strasze bähnen. 485;

und bähn ihm sichre stege. 573;

den ungebähnten weg. 757;

ihm ein kus den weg ins herze bähnt. 778;

den weg zur ankunft bähne. 1059;

der einzige weg zu der freiheit wird hierdurch gebähnet. Weise kl. leute 290; die vernunft findet den weg der naturnothwendigkeit viel gebähnter und brauchbarer als den der freiheit. Kant 4, 84, was doch bloszer umlaut des comparativs sein kann und einen positiv gebahnt verstattet.
 
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bahnenlos, invius, sonst bahnlos:

das schöne thier floh durch des thales krümmen
durch busch und kluft und bahnenlos gestrüpp.
Schiller 495.


 
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bahnenschlegel, m. schmieden der grosze hammer, verderbt in pfähnenschlegel.
 
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bahnenweise, nach bahn 13: lösten das tuch von der brücke, wickelten es banenweise zusammen. Göthe 24, 321.
 
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bahner, m. instrumentum textoris vel restiarii. figürlich: ob ich etwan heimlich und unvermerkt den bahner anbringen könte. Simpl. 2, 411.
 
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bahngalopp, m. der auf der reitbahn erlernte künstliche galopp eines pferdes, zum unterschiede von dem freien feldgalopp.