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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
welger bis welkbein (Bd. 28, Sp. 1372 bis 1383)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) welger, m., f., s. DWB walger, DWB wälger, m., f., teil 13, 1234. —
 
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welgerbrett, n., s. DWB walgerbrett, n., teil 13, 1235. —
 
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welgerdecke, f., s. DWB wälgerdecke, f., teil 13, 1235. —
 
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welgerholz, n., s. DWB wälgerholz, n., teil 13, 1235. —
 
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welgericht, adj., s. walgerig, wälgerig, adj., teil 13, 1236. —
 
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welgern, vb., rollen, wälzen, s. DWB walgern, DWB wälgern, vb., teil 13, 1236 ff. als zeugnis für die form mit umlauts-e s. noch (zu walgern 2 a δ gehörig): zwischen ... schieferbergen ..., die ... ihre schichten und mit quarz durchkneteten wie aus einem teig gewirkten und gewelgerten blätter zeigen Görres ges. br. (1858) 1, 214. zu intransitivem wälgern 2 b δ stellt sich: grosze stücker, so vom berge Parnasso abrissen und schnell uber und uber welgerten, bedeckten ... ihrer viel G. Nigrinus von zäuberern (1592) 237. —
 
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welgerung, f.: welgerung idem quod walgung et walgerung volutatio Stieler stammbaum 2420, s. DWB walgerung, DWB wälgerung, f., teil 13, 1240. —
 
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welgholz, n., s. DWB walgholz, DWB wälgholz teil 13, 1240.
 
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welk, adj. , marcidus. herkunft und form.
auf das deutsche (im weiteren sinne) beschränktes wort: ahd. uuelk, uuel(c)h, mhd. welc(h), wilch, and. uuelk Wadstein 85, 24, mnd. welk Lübben-Walther 570, mnl. welc Verwijs-Verdam 9, 2117; daneben ist die o-stufe bezeugt in ahd. uual(a)ch, nfrk. walck (s. DWB walch teil 13, 1071) sowie mit anderer stellung der liquida in bair. läck (lack) 'lau, matt (von flüssigkeiten, die frisch, kräftig seyn sollten)' Schmeller 1, 1432, mnd. wlak 'lau' Schiller-Lübben 5, 755, ags. wlæc, wlacu 'tepidus' Bosworth-Toller 1258. schwundstufig gehört wahrscheinlich wolke dazu. germ. grundformen *welka-, *walka-, *wlaka-, *wulkana- (*wulkō). auszerhalb des germ. kehrt die sippe nur im baltoslav. wieder: lett. vęlgs 'feuchtigkeit, feucht' Mühlenbach-Endzelin 4, 530, velgt 'waschen, einweichen, feucht machen' ebda, apreusz. welgen 'schnupfen' Trautmann apreusz. sprachd. 459, lett. vags 'feucht' Mühlenbach-Endzelin 4, 454, schwundstufig lit. vìlgyti 'anfeuchten', russ.-ksl. vlgk, tschech. vlhký 'feucht', poln. wilgnć 'feucht werden', dehnstufig aksl. vlaga 'flüssigkeit' u. s. w., vgl. Trautmann bslav. wb. 358 f., Walde-Pokorny 1, 306.
neben dieser wurzelform elg (oder eləg) steht elk in ir. folc 'wasserflut', air. folcaim 'bade' Pedersen vgl. gr. d. kelt. spr. 1, 34, lett. valks 'feucht', 'flieszendes wässerchen' Mühlenbach-Endzelin 4, 457; danach sind gotl. valgar 'rivuli', vielleicht auch weiter nisl. volgur 'lau', norw. valg 'geschmacklos, eklig', ags. wealg 'fade, widerwärtig' Bosworth-Toller 1173, suppl. 742 (anders über die letzteren Torp 842, Holthausen aengl. etym. wb. 385) auf idg. olko- zurückzuführen; wechselformen mit h sichert das germ. nicht. zu grunde liegt dem allen eine einfache wurzel

[Bd. 28, Sp. 1373]


el 'feucht sein', die das germ. in mnd. welen 'welk werden, trocknen' Schiller-Lübben 5, 663 (auch im heutigen nd. welen s. Mensing 5, 584), afries. welia, wilia welk werden Holthausen afries. wb. 126 (zum i s. v. Helten z. lexicologie d. aofries. 319), aschw. valin, norw. schwed. valen 'erstarrt vor kälte', gotl. ylla 'aalraupe, quappe (Lota vulgaris)' bezeugt u. die auszerhalb des germ. in apreusz. wilnis 'quappe' vorliegt. vgl. Lidén in Göteborgs högskolas rsskrift 26, 1920, 88 ff.
neben welk steht seit dem 15. jh. swelk wie neben welken seit dem 11. jh. swelken (s. teil 9, 2483 ff.), in denen man meist mit Zupitza germ. gutt. 169 'satzdoppelformen' oder 'formen mit beweglichem s' sieht (Walde-Pokorny 1, 306; Fischer 5, 1274; Berrer verbale bildungsmittel z. intensivierung im alemann. (1934) 28. doch macht bedenklich, dasz sonst in dieser wortfamilie formen mit anlautendem s nicht auftreten und das adjektiv schwelk so viel später als welk und als das verbum schwelken bezeugt ist. unter diesen umständen verdient eine zuerst teil 9, 2485 aufgestellte und von Fick 34 551, Walde-Pokorny 2, 532 (im widerspruch zu 1, 306) übernommene etymologie beachtung, dasz ahd. swelchēn wie nd. swalk 'dampf, rauch' auf einer k-erweiterung von swel- 'schwelen' beruhe. diese erklärung wäre als fast sicher anzusehen, wenn auf souuelchan . adolere (. incensum offerre) der hrabanisch-keronischen sippe (ahd. gl. 1, 35, 30) zu bauen wäre, aber es ist wohl nach Baesecke d. dt. abrogans 100 aus suuecchan verschrieben (vgl.Pa. suuuecchari). in jedem falle macht die bezeugung wahrscheinlich, dasz swelk aus swelken rückgebildet ist. die verbreitung in den heutigen mundarten.
welk ist anscheinend nur lebendig in den mundarten des südlichen und mittleren westens: walk, walìk, wal, auch walti, wæltiΧ Martin-Lienhart elsäss. 2, 822; welik Meisinger Rappenau 228; moselfränk. wällich, nösn. wellich Kisch vgl. wb. 245b; wielech luxemb. wb. 483; walgə Hofmann niederhess. wb. 261; welch Hönig Köln 200b; welk Leithäuser Barmen 169; Elberfelder ma. 173; das übrige sprachgebiet zeigt sehr ungleiche verhältnisse. für das niederdeutsche vgl. noch wellek, welk Damköhler Nordharz 225; wälk, welk Doornkaat-Koolman 3, 501; wäälk, wäälkrig Stürenburg ostfries. 320a. welk fehlt fast ganz dem niederdeutschen osten (ein vereinzelter rest in welk dreua kese halbtrockener käse [aus der Nutheniederung] archiv der Brandenburgia 11, 122, doch vgl. vęęl dreeə 'bald trocken' Teuchert neumärk. wortschatz 249 und wel-drögt angetrocknet Mensing schleswig-holst. wb. 5. 584) und wird im übrigen westen und norden nur unter schriftsprachlichem einflusz wachgehalten, s. Mensing schleswig-holst. wb. 5, 587 (dafür verwenden die maa. meist die nd. formen für trocken, vertrocknet). gleiches bezeugt für das schwäbische Fischer 6, 666. Schmeller-Fr. 2, 907 stellt die formen schwelk, schwelken als nicht minder üblich neben welk, welken. für das obd. vgl. noch: welk Gebhardt Nürnberg § 121, 3; wεlik (flekt. welgər) Heilig Taubergrund § 55; wölch Jakob Wien 218; Hügel 188; welch Schöpf Tirol 811. für die Schweiz bezeugt nur Seiler 308 wäl(ch).
schwelch ist erst spät bezeugt, vgl. swelk ruben rapae exsiccatae clm 4119, f. 369; macere swelich werden (obd. 1429) Diefenbach nov. gloss. 242a; marcere swelck werden voc. teut. (1482) ff 8b, doch schon ahd. arsuelchatiu marcida (serta) (11. jh.) ahd. gll. 2, 445, 3. bedeutungsmäszig deckt es sich mit welk (zu den oben teil 9, 2484 angeführten belegen im sinne von 'schwank, biegsam, geschmeidig' vgl. schwilk 'biegsam' u. schwilke 'weide', s. Fischer schwäb. 5, 1287). die form schwelk gehört fast ausschlieszlich dem oberdeutschen sprachgebiet an, nur im osten reicht sie ins mitteldeutsche, vgl. oben die bezeugung für die Iglauer sprachinsel, ferner für Nordwestböhmen R. Wenisch beiträge zur heimatforschung 84; für das Vogtland Gerbet § 195, für das unterfränkische Ruckert 169, für das bairische Schmeller-Fr. 2, 622 und für das schwäbische Fischer 5, 1273. wie die historischen belege zeigen, reichte der frühere bereich über die heutigen grenzen hinaus: für die Schweiz vgl. die vereinzelten belege bei Staub-Tobler

[Bd. 28, Sp. 1374]


9, 1847, für das Elsasz und Nürnberg (das heute nur welk kennt, s. Gebhardt § 121, 3) die belege von Murner, Keisersberg, Hans Sachs (auch unter verschwelken) und Ayrer, für das Erzgebirge, wo heute auch schwelken ausgestorben ist (s. Müller-Fraureuth 2, 495) oben Mathesius.
Luther kennt nur welk und (ver)welken, die erste deutsche bibel hingegen schwelk und schwelken. Eck beläszt Luthers verwelken vereinzelt, so Jak. 1, 11 und Matth. 13, 6, ersetzt es jedoch meist durch verschwelken, so Jes. 19, 6, oder freiere umschreibungen wie abreisen, fallen, abfallen, verderben. die Zürcher bibel von 1531 kennt anscheinend nur das adj. welk, so psalm 36, 2 (2, 24b).
A. in älterer sprache stehen mehrere sich stark unterscheidende bedeutungen nebeneinander, ohne dasz sich der ursprüngliche bedeutungsmäszige zusammenhang mit sicherheit erkennen liesze.
1) die durch die etymologische verwandtschaft geforderte grundbedeutung 'feucht' ist auf deutschem und damit auf germanischem boden nur erhalten in zwei ahd. glossen der keronischen sippe: uuelc madita ahd. gl. 1, 206, 4; uuela, uuelc kitan madefactus 1, 206, 6.
2) die bedeutung 'lauwarm' begegnet heute nur noch in den maa. ahd. ist sie bezeugt in einer Prudentiusglosse: tepefacta uuelchu, uuelchiu ahd. gl. 2, 525, 8, wo freilich tepefacta nicht in eigentlichem sinne gemeint ist (imbellesque animos virtus tepefacta resolvit Prudentius psychomachia v. 237). deutlich im mhd.:

du bist wider warm noch kalt,
sunderen bist welch zu aller stunde
Joh. Rothe lob der keuschheit 3802 N.;

und übertragen:

da du sust nummer komest zu
in diner welchen wise nu ebda 3815;

in frühnhd. vocabularien klingt die bedeutung aus: calidus welch (15. jh., westl. mitteldeutsch) Diefenbach nov. gloss. 66b; tepidus welich (15. jh. md.); welch (15. jh. obd.) gloss. 578c.
die bedeutung 'lauwarm' verbindet sich gern mit den nebenformen walch und wilch. über walch s. teil 13, 1071 u. o. wilch ist seit mhd. zeit bezeugt:

si trincken rosseine milch,
paide kald und wilich
Heinrich v. Neustadt Apollonius 2997 S.;

man ... deckt daz vaz unz daz ez (das kochende wasser) wider lâw (var. wilche) wirt Konrad v. Megenberg buch der natur 89, 28 Pf. wilch überwiegt in den frühnhd. glossaren: tepefacere warm, wilch machen (15. jh. md.) Diefenbach gloss. 578b; tepefactus willichwarm, tepere wilch werden (15. jh. md.) ebda; tepidus wilh (15. jh. md.) 578c.
die bezeugungen aus den heutigen maa, die den ursprünglichen zusammenhang mit welk nicht mehr erkennen lassen, stammen aus einem begrenzten gebiet des westlichen mitteldeutschen; s. o. wilch teil 14, 1, 1 und willig ebda sp. 182; ferner wellig 'lauwarm' Spiess henneberg. idiot. 283; wilch (auch wulch) Vilmar 435; in der Wetterau welch, wilch, bes. von lauwarmer milch, anm. von Diefenbach zu calidus nov. gloss. 66b.
3) Notker verwendet welk im sinne von 'weich': (durum dicitur, quod habeat potentiam non citius secari, molle vero, quod eiusdem ipsius habeat inpotentiam) taz heizet herte, daz unspuetigo mag ingunnen werden, taʒ is welh, daʒ unmahtig ist tero selbun unspuete 1, 453, 1 P.; taz sie daz uuelchesta (mollissimum) so daz marg ist ze innerost pergent mit tero uzerun holzes festi (quadam ligni firmitate) 1, 202, 20 P.; gleichzeitig auch übertragen: (molliti sunt sermones eius super oleum et ipsi sunt iacula) siniu uuort sint linderen unde uuelcheren danne oleum unde diu selben sint strala. gotes uuort diu herte uuaren sint uuelh uuordeniu, an dero uuelchi neist in iro chraft ingangen nube sanctis predicatoribus sint siu 2, 210, 17f.; uuanda er die herti ueteris testamenti mit tero senuuun novi testamenti geduungen habet unde uuelcherun getan habet 2, 19, 7; so auch an einer stelle, wo man die heutige bedeutung 'trocken' vermuten könnte: perga sint apostoli,

[Bd. 28, Sp. 1375]


die gebent uuelchiu precepta (i. herbam) unde hertiu (i. fenum) den menniscon 2, 599, 2. Notker kennt auch ein verbum wilchen 'weich machen' 1, 711, 28; 1, 43, 27.
B. die heutige bedeutung 'trocken werdend, die inneren säfte verlierend' ist seit ahd. zeit bezeugt. sie steht vielleicht in mittelbarem zusammenhang mit der grundbedeutung 'feucht' dadurch, dasz sich die bedeutung des verbalen compositums arwelkēn 'die feuchtigkeit, die säfte verlieren' sekundär auf das simplex und das adjectiv übertrug. in dieser seiner eigentlichen bedeutung ist welk — im gegensatz zu trocken und dürr — nur auf organische gebilde anwendbar und bezeichnet jenen zustand, in dem der normale lebensprocesz des wachsens und blühens durch natürliche einflüsse oder durch künstliche eingriffe unterbrochen ist und die pflanze sich dem verdorren und absterben nähert.
1) von den wbb. seit dem beginn des 14. jh. verwendet, insbesondere zur glossierung von marcidus, auch flaccidus oder in der verbindung welk werden (die weit üblicher ist als das verbum welken) zur wiedergabe von marcere (macere), flaccere: macere welck werden (1421 und 1502, obd.) Diefenbach nov. gloss. 242; rutare swelcken, geschwelcken, welck werden (1515, obd.) gloss. 504c; marcere, marcire walck werden Faustus Verantius dict. (1595) H 2b; welck, halbdürr, eingeschrumpen flestri, fené Hulsius-Ravellus dict. (1614) 491a; marcidus welck, schlappericht Corvinus fons latinitatis (1646) 507; welck flaccidus, marcidus Dentzler clavis (1716) 2, 347b; in den älteren wbb. steht neben welk werden häufig faul werden, faulen: macere ful, welck werden (15. jh., md., nd.), willig werden (15. jh., md.) Dieffenbach gloss. 341b; macere, fieri macrum faul werden, welick werden oder swelick werden voc. teut. (1482) h 4b; marceo wälck werden, faulen, verdärben, teig werden, verstrupfen Frisius dict. (1556) 803a; marcidus faul, welck, verdorben Decimator thes. (1608) 774a; es ist möglich, dasz die beiden bedeutungen 'welk' und 'faul' im älteren sprachempfinden einander näher standen als heute. wahrscheinlich wird das durch glossierungen wie: marcesco, emarcesco, putresco ich heb an zu fauln, werd welck Er. Alberus dict. (1540) t 2b; E 4a; tabefacio ich mach welck, verkame, mach abnemen ..., tabefacit dasz welck oder faul macht E 4b; vgl. insbesondere habes (d. i. tabes) vulin, welkin voc. von 1420, 36b Schröer; vielleicht auch: sqalidus welck i. sordidus voc. predicantium (1486) d 1b; auch die bedeutung 'weich' stand nicht fern (s. o. Notker unter A 3): mollis, i. humectatus smydich, smode, welk also crut wert wan dat langhe lit (15. jh., nd.) Diefenbach nov. gloss. 255b.
2) von der lebenden pflanze.
a) 'nicht mehr grünend oder blühend', seit dem ahd. bezeugt: marcidum welchaz, marwaz (10. jh.) ahd. gl. 2, 332, 32 (sed ille cum creverit, nihil mordax, nihil vividum, nihil vitale demonstrat, sed totum flaccidum marcidumque et mollitum ebullit in olera Hieronymus zu Matthäus, s. Migne patrol. lat. 26, 90); lasst uns krentze tragen von jungen rosen, ehe sie welck werden weish. Salomonis 2, 8 (verderben Zürcher bibel, Eck);

der tau z'nachts vom himmel fällt,
frischts welck grasz und blumen
Michael Henrici bei
Fischer-Tümpel 1, 234;

wenn ein ungewitter ... verhanden, spüret mans bald am klee, wenn er die blätter fallen lesset und selbige im sommer welck werden J. Prätorius philosophia colus (1662) 61;

die ros, auf derer zierlicheit
ihr doch am meisten pflegt zu prangen,
ist bleich und welck Königsberger dichterkreis 86 ndr.;

wenn das (zwiebel-) kraut zertreten wird, so wird es hernach welck, und das übrige wachstum bleibet in der wurtzel der zwiebel und werden grosz J. G. Schmidt rockenphilos. (1706) 1, 213;

kein kraut ist ja so welck, man weis noch saft zu preszen,
der, kommt gleich jenes um, den krancken heil gewährt
Chr. Günther 2, 222 Kr.;

das welke farrenkraut rauscht näher mir
und mischt sich, wie es webt, mit Oszians haar
(aus Ossians sterbelied)
Herder 16, 325 S.;

[Bd. 28, Sp. 1376]



nimm des verlebten tages zier,
die bald welke rose, von deinem busen
Göthe I 4, 189 W.;

die jungen pflanzen ..., die durch allzu öftere und bisweilen rauhe berührung gern welk werden Lenz vertheidigung des herrn W. (1776) 13;

in einem buche blätternd, fand
ich eine rose welk, zerdrückt,
und weisz auch nicht mehr, wessen hand
sie einst für mich gepflückt
Lenau s. w. 239 B.;

sprich erst zur rose, wenn sie welk erstirbt
Platen 1, 121 R.;

die welke myrte (des brautkranzes) Immermann 3, 20 Boxb.; die jungen triebe der tanne welk und blaszgrün, meist wirkung des frostes Ratzeburg waldverderbnis (1866) 2, 21; weisze welke sommerblüten stäubten honigduftend herein Kahlenberg Eva Sehring (1901) 29.
von einer grünbestandenen fläche:

schau wie die böcke sich in jenem strauch verwirren,
und die verlaszne schaaf auf welcken wiesen irren
Chr. Wernicke poet. vers. (1704) 371;

und die grosze vaterhuld ...
wird an mir zum wunderwercke
und erquickt mich in der that
wie der thau die welcke saat
Chr. Günther ged. 2, 216 Kr.;


von strausz und kranz: wann meine welken blumenkränze solches hohen werts wären, müste ich nichts anders tuhn als kränze winden A. H. Buchholtz Herkuliskus (1665) 238;

ein welker kranz umwand sein haupt
Herder 25, 383 S.;

auf dem wandtische neben der thür lag noch der welke strausz feldblumen, den sie gestern gepflückt hatte Stifter s. w. 2, 306.
b) ganz üblich welke blätter, welkes laub, namentlich vom fallenden laub als ausdruck herbstlich-müder stimmung; vgl. welche blätter foglie languenti, languidi Kramer dict. 2 (1702) 1313c:

die (blume) steht in voller pracht
beperlt mit frischem thau, die wirft die welcke tracht
der bleichen blätter hin
Gryphius trauersp. 160 P.;

die blätter fielen welk zu ihren wurzeln hin
König gedichte (1745) 40;

aus umstürmten lindenzweigen
rieselt welkes laub herab
v. Salis gedichte (1793) 33;

welkes laub auf gräbern wallt
Matthisson schr. 1, 27;

trübe wolken, herbstesluft,
einsam wandl ich meine strassen,
welkes laub, kein vogel ruft —
ach, wie stille, wie verlassen!
Lenau s. w. 38 B.;

ein feiner von der morgensonne durchleuchteter nebel zog über die baumspitzen hin, die trotz der schon vorgerückten jahreszeit kaum ein welkes blatt zeigten Fontane ges. w. I 4, 403; dazu:

was blickst du, wandrer, welkumlaubt,
so traurig nieder?
Herder 25, 383 S.


welk kann sich einer farbvorstellung nähern und neben farbbegriffen stehen:

die blätter werden welk und fahl
Gottsched gedichte 1 (1751) 257;

mein leichter fusz rauscht unter dir
schon in dem abgefallnen laube:
und was noch nicht herunter fiel,
hängt bleich und welk, der winde spiel
R. Z. Becker mildheim. liederb. (1799) 18;

wie todtes laub — braun und welk — Fr. L. Schröder dram. w. (1831) 4, 140; es kann auch in eine andere sinnessphäre übergreifen: fingerhüte, thymiane, epheureben, sie dufteten welk, betäubend H. v. Kahlenberg Eva Sehring (1901) 38; durch die luft zog der leidenschaftliche geruch welker blätter, denn es war anfang october Ricarda Huch der grosze krieg (1920) 2, 479. ein süszer, schwerer, welker geruch fiel aus den wipfeln, es roch fast wie in einem sterbehause B. Kellermann Ingeborg (1911) 208; s. auch unten welkechtig.

[Bd. 28, Sp. 1377]



c) der bildliche gebrauch. zu grunde liegt dem vergleich der gesamtvorgang des verblühens, absterbens: du lessest sie dahinfaren ... gleichwie ein gras, das doch bald welk wird psalm 90, 5; wie eine blum wälck wirdt, so die hitz über si scheint, also wirstu schwach und ellend, so du gestrafft wirst Zürcher bibel 1, 261a; ein eintziges fieberlein kan die schöne ros (der frauenschönheit) bald welck machen Dannhauer catechismusmilch 3, 276;

lasz jene (die frommen) blühen hie auf erden,
lasz diese (die bösen) welck und zu nichts werden
Weckherlin 2, 14 F.;

gleichsinnig, doch mit anderer bildvorstellung:

davon wie welke blätter
zerstäubte Frankreichs macht
Rückert poet. w. 1, 153;

und eine hoffnung nach der andern
fällt welk vom baum des lebens ab
Geibel neue ged. (1856) 101;

ausgehend von welk 'erschlafft, matt':

mit Luthern ist zuletzt der helle tag erschienen.
der welke lorbeerbaum (der deutschen poesie) fieng wieder an zu grünen
Bodmer krit. ged. 52 lit.-denkm.;

seit einem monat etwa fühle ich mich gestärkt und die welken blätter fangen an sich wieder zu heben W. Grimm an Dahlmann, br. 1, 467 Ippel; wann dem volke die kraft fehlt, das harte wieder weich und das dürre und welke wieder grün und saftig zu machen E. M. Arndt schriften f. und an s. lieben Deutschen 2, 132.
auf den wert zielend: — weh ... der welcken blumen irer lieblichen herrligkeit Jes. 28, 1; gern: in unsern kriegs- und siegesliedern sind die treffendsten psalmausdrücke dieser art welke lorbeern Herder 12, 257 S.;

Baiern Ludwig, groszer kaiser,
der so kühn mit Östreich rang
und den feind zur freundschaft zwang,
welk sind deine lorbeerreiser
v. Schenkendorf ged. (1815) 20;

der gefeierte sieggekrönte held, dessen junge lorbeeren die welken des Pompejus überglänzten Mommsen röm. gesch. 3 (1866) 297.
d) die bedeutungsmäszige verschiedenheit von den verwandten trocken und dürr besteht einmal darin, dasz welk in der heutigen schriftsprache fast ausschlieszlich von der blüte und dem grünenden blatt gebraucht wird. daher deutlich geschieden: einen fruchtbaren regen, der das dürre land und welke gras erquickte J. M. Miller pred. f. d. landvolk 1 (1776) 113. ungewöhnlich ist die stellung neben worten, mit denen sich die vorstellung des grünens oder blühens nicht verbinden kann:

die welken ähren neigten sich
R. Z. Becker mildheim. liederbuch (1799) 42;

da gab es viele leere hülsen und leichte früchte, und schädlicher rost frasz die welken körner an W. v. Polenz Büttnerbauer (1895) 1, 114.
im gegensatz zu dürr, trocken bezieht sich daher welk, wenn es neben baum oder zweig steht, vorwiegend auf farbe und stellung der blätter, nicht auf die beschaffenheit der holzigen teile: arbor marcescit der baum wird welk nomenclator (Hamb. 1634) 69; der baum selbst stünde den tag über mit seinen blättern gantz welck Lohenstein Arminius 1 (1689) 608a; (sitzend) unter einer ... eiche auf den bündeln welker zweige Holtei erz. schr. 16, 241; (der esche) zarte zweige ... hingen welk und freudlos und zur erde gezerrt M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 468; auch bedeutungsmäszig unterscheiden sich trocken, dürr und welk, insofern trocken (werden) und dürr (werden, dorren, verdorren) einen fortgeschrittenen grad des austrocknens oder absterbens ausdrücken. im älteren sprachgebrauch nicht immer geschieden: wo man sihet, dasz das kraut nahe bei der erden bald anfahet zu dorren und welck zu werden Michael Herr der feldbau (1551) 32b; sonst sehen sie gleich den dürren welcken meerrosen Heyden Plinius (1565) 385; neme die sattesten und dicksten stengel sampt den plettern, schneide die wurtzel ab ..., lasz sie ein wenig dürr werden, biss du sihest, das sie wöllen anfahen ein wenig welck werden Sebiz feldbau

[Bd. 28, Sp. 1378]


(1579) 253; doch: (sie) sind gleichwie ein gras, ... das da früe blüet und bald welck wird und des abends abgehauen wird und verdorret psalm 90, 5; welck, halbdürr marcio, languido, fiacco Hulsius dict. (1616) 275b; am schärfsten geschieden in der fachsprache: das holz, welches im winter geschlagen worden ist, nennt man alsdann grün, im frühjahre aber welk, im herbste trocken, und späterhin dürr Hartig forstl. conversationslex. (1836) 942.
3) von safthaltigen früchten und wurzeln.
a) halbtrocken, geschrumpft, zusammengefallen.

hainbutten oder hifen
heizet sie. von dem rifen
wirt betwungen ir rische;
welc, in rote doch vrische
beheldet sie iren smac Daniel 2192 H.;

dasz ein nüszlin ist all zeit leer und welck, aber das ander volkommen und saftig, dann järlich nimpt das alt würtzlin von tag zu tag ab und wird je lenger je welcker, so lang bisz dasz es gar verdorret W. H. Ryff confectbuch und haussapotek (1548) 42a; (das weibliche blut macht) den wein, so im most ist, zu seiner zeit sawer, die früchten angegriffen welck, was gepflantzet, verdoret davon Heyden Plinius (1565) 25; man (beschüttet) sie (die erdgewächse), nachdem man sie im herbste aus der erde genommen, wieder an einem andern orte mit erde ... um sie den winter über vor dem welkwerden zu bewahren Gottsched beob. (1758) 83;

sie gleichet einer welcken traube,
bei der kein safft mehr wird erkennt,
als die vom reben ist getrennt
S. Dach 172 Ö.;

ich weesz, dosz es (mein herz) aussiht asse ene gebackene birne oder a wälck rattig A. Gryphius lustsp. 290 P.; und die frucht von dem allem? sie fiel welk bei der ersten probe ab Dahlmann gesch. v. Dänemark 1, 44; als 'überreif': kreist die erde schon müder durch den raum? ist sie schon eine welke frucht? H. Watzlik der alp (1923) 235; bildlich und vielleicht in der bedeutung weitergehend: die wurtzel der weiszheit wird nimmermer welck Zürcher bibel 1, 263b (vgl. bei Luther: verfaulet nicht weish. Salomon. 3, 15).
b) 'gedörrt, getrocknet' von früchten, dazu vgl.: marcidare welck machen (1512, obd.) Diefenbach gloss. 349a; welck machen seccare, auvizzare Kramer dict. 2 (1702) 1313c; und zum sprachgebrauch: welk statt gedörret z. b. welkes obst, doch nur im gemeinen leben Voigtel wb. 3 (1795) 618a.
α) von den wbb. werden als feste bezeichnungen gebucht: welkes obst, welke äpfel, welke trauben, welke rüben. nicht immer ist ersichtlich, ob es sich stets um planmäszig getrocknete früchte handelt: welk obst poma flaccida Stieler stammb. (1691) 2492; welck obst, welcke birn frutti secchi, pere secche Kramer dict. 2 (1702) 1313c; s. auch trocknes obst unter trocken B 4. eine welcke frucht fructus flaccidus Steinbach deutsches wb. (1734) 2, 970; welke frucht Schwan dict. (1783) 2, 1030b. mala vieta welcke öpffel, verschrumpffet B. Faber thes. (1587) 940a; ein welck apfel malum vietum nomenclator (Hamburg 1634) 78; ein welcker apfel pomum vietum Zehner nomenclator (1645) 199; welcker apfel Stieler stammb. (1691) 2492; welcke äpfel mele secche Kramer dict. 2 (1702) 1313c. welcke trauben, welcke weinbeer uva (rosine) passa; passola, passolina Kramer dict. 2 (1702) 1313c, s. auch trockene trauben, unter trocken B 4. rapa passa welcke ruben nomenclat. (Hamb. 1634) 105; Stieler stammb. (1691) 2492; rapa secca welcke rübe Kramer dict. 2 (1702) 375b; rapa exsiccata welcke rüben Steinbach 2, 970: rohe welcke rüben essen Chr. Reuter Schlampampe 121 ndr.; eine sorgfältige hausmutter soll jetzt und den gantzen winter, wenn die arbeit verrichtet, die mägde abends spinnen, welcke rüben schneiden oder federn schlieszen lassen allgem. haush.-lex. (1748) 1, a 3a; vgl. noch: aus den gedörrten rüben, so man in Sachsen welckrüben nennet Tabernämontanus kräuterbuch, s. o. teil 8, 1333.
β) welke rübe war redensartlich sehr üblich. meist haftet ihm der sinn des minderwertigen an:

[Bd. 28, Sp. 1379]


der magister Joannes Weissenfels nent uns puben,
er brauchet die schrifft gleich als welcke ruben
O. Clemen reformationsflugschr. 1, 83;

vgl.: der verwelkte. welke rüben. zum auswerfen (name, gewächs und spruch eines mitglieds der fruchtbringenden gesellschaft) Neumark d. teutsche palmbaum (1668) 246 und dürre rüben als umschreibung der negation im sinne von 'nichts' Fischer schwäb. 5, 449 (belege aus dem 15. jh.); welke rüben als geringe kost: da friszt der kahle hund welcke rüben Chr. Weise erznarren 195 ndr.;

was hilft die götterkost, womit die musen laben,
wenn unsre finger nichts als welcke rüben schaben
Chr. Günther 2, 49 Kr.;

entsprechend galt welke rüben schaben oder schneiden als geringwertige arbeit, vgl. auch rüben graben unter rübe II 2:

jetzt brachtens ein donation,
hettn damit ihren spott und hohn,
nemlich ein rei welcke rübn,
welchem das schiessn nicht thut geliebn
oder bei solchm ist unbescheidn,
solt lernen welke rüben schneidn
W. Ferber beschreib. eines stahlschiessens in Dresden (1614) L 3 b;

in uneigentlichem sinne ist welke rüben schneiden, schaben 'jungfer bleiben, den freier nicht finden':

wann ein mädchen in der einsamkeit
(d. i. beim tanze)
stille sitzt und welcke rüben schneidt,
kommen bald die tütschemütter
und erwischen mit verdrusz
irgend einen armen ritter,
der die lücke büszen musz
Chr. Weise grünende jugend 19 ndr.;

die jungfer-noth.
zur hochzeit möcht ichs wohl
vom junggesellen leiden,
doch weil ich immer soll
nur welcke rüben schneiden,
so gebt mir einen mann,
der auff der hochzeit mich zum tanze führen kan ebda 129;

ähnlich Stranitzki ollapatrida 359 lit.-denkm.;

geh närrin! hilf der magd die welken rüben schaben!
(an eine heiratslustige jungfer)
Stoppe Parnass (1735) 263;

daher:

(die liebe kann sein)
kein welckes rübgen nicht, sie würde nicht gelitten,
die jungfern hätten sie schon längsten klein geschnitten
Chr. Weise grünende jugend 99 ndr.

welke rübe als 'alte jungfer':

ein ander frei nach gelde,
nach einem weiden felde,
nach einer welcken rübe,
ich liebe, die ich liebe ebda 133 ndr.


4) vom (menschlichen) körper und seinen teilen: 'geschrumpft, eingefallen, runzelig'. von den gliedern auch: 'schlaff herabhängend, ohne natürliche spannung und kraft'.
a) seit frühnhd. zeit üblich, vgl. languidus welck Er. Alberus dict. (1540) t 2b; es würt auch ein glid welck, so es verrenckt ist M. Herr schachtafeln der gesuntheit (1533) E e 3a;

ich schöpfe mit der hand, dem durste nur zu wehren,
das trübe wasser auf. dasz soll mir geben kraft.
die glieder werden welk, das fleisch ist abgeschwunden
P. Fleming deutsche ged. 1, 103 L.;

vgl. ebda 6; die hände werden welk (von Christus am kreuz) 1, 24; wenn ein viehe nicht essen will, so greiffe ihn an den schwantz, ist der welck und weich, also, dasz man ihn gar umdrehet, so nimb ... Michael Böhme viehartznei (1682) 2; schon sind von dem druck der kindischen faust (des Herkules) lebens- und ringelkräfte der drachen aufgelöst ..., sie ... zeigen einen theil der zähne scharf und giftvoll, die kämme welk, die augen geschlossen, die schuppen glanzlos Göthe 49, 1, 113 W.; auf seinem todbett wird er umsonst die welken hände ausstrecken nach seinem Karl Schiller 2, 49 G.;

da lag auf hartem steine
vor der reichgeschmückten thür ein armer,
der die welke hand zur gabe hinbot
U. Hegner ges. schr. (1828) 5, 174;

[Bd. 28, Sp. 1380]


(die blattlaus) war ... schon so matt, dasz ... der schnabel welk ... herunterhing Ratzeburg forstinsekten 1 (1844) 52;

ich sah, umstanden von der stillen menge,
auf dem paradebett, geputzt, die leiche,
und viele, die die welke hand ihr küszten,
als ob sie jetzt noch gnadenzeichen reiche
Hebbel w. 7, 167 W.;

seine vollmondswangen schienen wie welk herabgesunken Alexis ruhe ist die erste bürgerpflicht (1852) 1, 28; vgl. dazu die lexikalischen bezeugungen: welcker leib corpo arido, secco, vizzo, auvizzito; welcker leib, welcke hinderbacken carni vizze, natiche ... vizze, fiappe; welcke brüste, welcke dutten poppe, zinne, tette vizze, fioppe, pendenti Kramer dict. 2 (1702) 1313c. verdeutlicht durch vergleich: deine junge blühende gestalt (soll) unter seiner umarmung welk wie eine mumie zusammenfallen Schiller 3, 465 G.; dasz es (das alte deutsche reich) in seiner früheren gestalt seit jahrhunderten zu einer bleichen und welken mumie verschrumpft war E. M. Arndt s. w. 1, 79 R.-M.
b) besonders als kennzeichen des alters:

was soll für anmuth blühn auf diesen welcken wangen?
Lohenstein Ibrahim Sultan (1680) 6;

man trägt die zeitung bald der mutter zu, ...
die freude kam in ihre welcken adern
Bodmer bei
Pyra und
Lange freundschaftl. lieder 157 lit.-denkm.;

die grazien residiren in ihren runzeln und meine seele scheint auf meinen lippen zu schweben, wenn ich ihren welken mund küsse Kant w. 7 (1839) 420;

vielleicht hat, dankbar für den heilgen christ,
mein liebchen hier, mit vollen kinderwangen,
dem ahnherrn fromm die welke hand geküszt
Göthe I 14, 133 W. (Faust 2701);

denn jede (hexe) seh ich den verkürzten finger
bedeutend an die welken lippen legen
(laying upon her skinny lips)
Schiller 13, 13 G. (Macbeth 1, 5);

(die wahrsagerin) erhebt sich, verklebt den zettel mit lack, den sie in ihrem welken munde befeuchtet H. v. Kleist 3, 104 Er. Schmidt; sie (die alte) richtete den welken leib in die höhe Alexis Roland von Berlin (1840) 1, 285; beide hände drückte sie (die groszmutter) fest vor ihr welkes angesicht, um sich recht ungestört dem gram hinzugeben Holtei erz. schr. 10, 6;

und würd ich auf der stelle auch ein greis
mit trocknen lippen und mit welken adern,
ich borgte mir nicht neue glut von dir!
Hebbel w. 3, 275 W.;

wenn sie (die groszmutter) nun anfing, ... mit dem welken munde zärtlich und schwärmerisch zu reden Stifter s. w. 1, 183;

mit welkem mund und wasserblauen augen,
so harmlos wie ein kind, die dürre alte
M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 1, 205;

nachher war es hübsch zu sehen, wie die beiden verkümmerten, ältlichen leute jeder eins der hübschen engelskinder auf den schosz nehmen und mit welken lippen die festen rosenmündchen küszten H. Seidel Leberecht Hühnchen (1899) 52. als typisches kennzeichen:

doch, bebt sie (scham) auf der welken wange, ...
wie entmannt sie dann! allgem. deutsche biblioth., anhang zu band 53—86, s. 2517;

Beate reicht die welke hand
noch einem hübschen jungen fant
Pfeffel poet. vers. 1 (1812) 143;

grosz sind eines mädchens plagen,
ihre brust ist krank und wund,
und zum lohn für stille klagen
küszt sie noch ein welker mund
Novalis 4, 156 M.;

neben alt: sie wolle nicht alt und welk werden wie die andern K. H. Waggerl mütter (1935) 69; als beiwort zu greis, matrone u. ähnl.: gruppen kraftloser greise und welker matronen J. J. Engel schr. 1 (1801) 8; der welke alte (the withered elder) Shakespeare 6, 263;

die alte heldenweise,
die vor zeiten wohl mit macht
frische knaben, welke greise
hinzog in die Türkenschlacht
Lenau w. 98 B.;

[Bd. 28, Sp. 1381]


neben zeitbegriffen: das welcke alter Treuer deutscher Dädalus 1 (1675) 74; welke jahre Tiedge w. 7, 125;

welkes alter — rosenfrische jugend
Schiller 1, 185 G.


c) je nach dem zugehörigen begriff kann bald die eine, bald die andere seite der bedeutung hervortreten.
α) 'schlaff, faltig, runzelig', vgl.: die haut ist welck cutis languet Steinbach wb. (1734) 2, 970:

wer reichet nu sant Oswaldes hant
oder sant Niclas armen liuten,
sô si geneigt in welken hiuten
gênt vor hunger und gerne stürben,
ê si mit gesundem lîbe verdürben?
Hugo von Trimberg renner 13 582 E.;

ich seh, erstaunt, mein schwarzes haar gebleicht,
und welke haut um meine knochen hangen
Uz s. poet. w. 132 lit.-denkm.;

ihre zarte haut (macht sie) durch frühes welk- und runzligwerden nur zu bald altern Ritter erdkunde 8, 429; daher auch: welke runtzeln Henrici ged. 1 (1727) 267.
β) 'verblüht, bleich, blasz, fahl', besonders vom menschlichen antlitz:

er löst vor ungeduld die blutbesprützte binde
von seiner welcken stirn und sein entfärbter mund
macht nur des feindes glück und mein verderben kund
Pietsch geb. schr. (1740) 7;

wenn das geschwärzte haar in falschem glantze prahlt
und ein erkünstelt roth die welken wangen malt
Zachariä poet. schriften 1 (1753) 171;

kennst du sie, ...
die, wenn uns des lebens leere tötet,
magisch uns die welke schläfe rötet?
Hölderlin 1, 76 L.;

sprosset auf zu dunklen trauermyrten,
tränen, die die liebe hier vergosz,
grünt, um meine welke stirn zu gürten,
meine laute, der nur schmerz entflosz
Novalis schriften 1, 163 M.;

das kind fing kläglich an zu wimmern; Peter sah das erbärmliche gesichtchen, so welk und alt, wie das eines alraunen Cl. Viebig weiberdorf (1905) 135; sehr klein für ihre zehn jahre, mit winzigem, welkem gesichtchen, schaute sie ihn doch merkwürdig altklug an U. C. Woerner der könig hat gesprochen (1911) 63; welk und müde und leuchtend, wie das antlitz eines sterbenden, das ein eigentümliches licht ausstrahlt B. Kellermann Ingeborg (1911) 245.
γ) am selbständigsten entwickelte sich die bedeutung 'entkräftet, erschöpft, schlaff, matt, müde', vgl. flaccidus welck dict. nom. verb. (1620) Q 6b; flaccidus welck, lappicht Corvinus fons (1646) 352; marcidus welck, schlappericht ebda 507.
αα) schon sehr früh bezeugt: welkiu (10. jh.), welku (11. jh.) marcida ahd. gl. 2, 498, 49 (Luxuria ... tunc pervigilem ructabat marcida caenam Prudentius psychomachia 316); der miszbrauch seiner körperlichen kräfte ... hat seine gesundheit geschwächt und ihn welk gemacht Knigge roman meines lebens 1 (1781) 23;

wer sieht nicht oft genug, bei wein und frohen tänzen,
den trunknen jüngling glühn und rosen ihn bekränzen,
und wenn er sorgenlos mit wilder lust gelärmt,
gesungen und gejauchzt und nächte durchgeschwärmt,
ihn welk und ganz entstellt beim nächsten morgenlichte
mit unbelebtem aug und bleichem angesichte
dem kranken ähnlich sein
Uz s. poet. werke 226 lit.-denkm.;

schach Lolo ...
matt und welk wie ein zerknicktes rohr
ist entschlummert
Eschenburg beispielsammlung 1 (1788) 210;

wohl hat der tag uns warm gemacht
und welck der lange kummer
Novalis schr. 1, 53 M.;

das mädchen ... hebt die linke matt und welk nach der lyra Cl. Brentano Godwi (1801) 2, 130; ich fühle mich wenig wohl ..., heute ist es besser, aber ich bin welk und möchte blosz ausgestreckt liegen Th. Fontane briefe an seine familie 2, 192; er wird langsam welk in seinem samtenen sattel R. M. Rilke ges. w. (1927) 4, 9. auch noch mundartlich lebendig: wel(k), weltig 'müde, verdrieszlich, abgemattet': ach, wie bin ich so weltich Martin-Lienhart elsäss. wb. 2, 822; er isch wälch fällt vor schlaf

[Bd. 28, Sp. 1382]


oder wein zusammen Seiler Basler ma. (1879) 308; anders: a welcher mensch ein träger Schöpf tirol. 801.
ββ) vom einzelnen körperteil:

dasz er (der kranke gott) mit welcker hand ein lebenszeichen gab
Chr. Günther gedichte (1735) 512;

ach! fand die kunst kein mittel,
in welke glieder neue kraft zu gieszen
Wieland I 3, 149 akad.;

ihr quellen alles lebens,
an denen himmel und erde hängt,
dahin die welke brust sich drängt —
ihr quellt, ihr tränkt, und schmacht ich so vergebens?
Göthe I 14, 30 W. (Faust 458);

nach langer mühe
schleicht wiederum das fast erloschne leben
durch die entnervten welken glieder hin
Eschenburg beispielsammlung 1 (1788) 106;

diese glieder,
so schwach, so welk, erquicke sie und breite,
o schlummer, über mich die breiten schwingen
Herder 27, 359 S.;

die schläge, die des lehrers welker arm nicht ertheilte, spendete des schülers jugendliche faust in fülle Holtei erz. schr. 19, 57. vom gesichtsausdruck, doch deutlich auf den körperlichen und seelischen gesamtzustand gehend als 'matt, müde': zum vesper aber kam er, asz jedoch fast nichts, tat so, als wäre nicht das geringste vorgefallen, hatte aber flackrige augen und ein welkes gesicht H. Löns das zweite gesicht (1917) 115; dem blicke ihrer groszen, dunklen augen ..., über die sich langbewimperte, welke lider zuweilen schläfrig senkten W. Weigand die rote flut (1935) 9; er suchte ihre veilchenblauen augen, die in dem stark roten, aber seidenweichen gesichte ein wenig welk ... standen P. Dörfler die lampe der törichten jungfrau (1930) 6.
γγ) als 'kraftlos, entartet': jetzt, bei der allgemeinen vermischung der stände, bei dem heraufdringen der niedern an die stelle welker, stolzer und unbrauchbarer hohen Herder 5, 576 S; kind des zorns! kind welker lenden! (child of decrepitude) Bode Tristram Schandi (1774) 4, 136. bedeutungen wie 'verlebt, blasiert, decadent' klingen an:

wie wann ein liebesgeck das welcke haupt verstecket
in einem wald von haar. die stimm ist leisz und matt
Bodmer krit. ged. 17 lit.-denkm.;

Schöler (ich habe diesen welken diplomaten selbst gesehen bei der blumenausstellung) Dahlmann an Jacob und Wilhelm Grimm, br. 1, 321 Ippel; gewöhnlich wird ihm (dem herrn) selten ein welker günstling aus der hand gezogen, wenn ihm nicht ein fertiger sofort auf der stelle darein zu geben ist Jean Paul 33, 52 H.; dann auch: bei hofleuten ist die zunge die pulsader ihres welken lebens, die spiral- und schwungfeder ihrer seelen ders. 7—10, 231 H.
5) der gebrauch auszerhalb des bereichs der lebenden natur.
a) bei sachbegriffen treten die teilvorstellungen deutlicher hervor.
α) bei sack- oder beutelartigem: 'zusammengefallen, schlaff, leer': ja, wenn man das prediget, wer wil ins kloster tzihen ader geben? solt wol der beuttel welck, die kuchen schmal und gering werden Luther 10, 3, 127 W.;

auff das du nicht mit solchem ladn (vor gericht)
dir mögst zum allermeisten schadn
und uberkommen deinen lohn,
ein welcken beutel, spott und hon
B. Ringwaldt die lautter wahrheit (1597) 116;

und tat aus der flaschen einen zug, welche er aber etwas welcker und zusammen geschrumpffener befunde als sie die vorige nacht gewesen Bastel von der Sohle Junker Harnisch (1648) 93; er habe eine ochsenblase ... erstlich leer, hernach aufgeblasen, gewogen, da sie denn ledig oder welk vier scrupel und vier gran gehabt Erasmus Francisci luftkreis (1688) 377; weswegen es (mastixgummi) innerlich den welcken magen stärcket und dessen tonum durch seine zusammenziehende kraft befestigt Hohberg georg. cur. 3 (1715) 1, 522b; das bild eines sackes, der auf wunderbare weise das wasser hält, beim auslaufen desselben aber welk zusammen sinkt L. Laistner nebelsagen (1879) 51; ob es gleich nicht so leicht ist, als mans wohl glaubt, eine welke (lank) reitmütze mit einem

[Bd. 28, Sp. 1383]


schicklichen anstande abzunehmen Bode Tristram Schandi 8, 52; 'zerknittert': die breitgeschnittene weste, in welcher ein welkes vorhemdchen schlotterte A. Pichler allerlei geschichten aus Tirol 1, 114. ähnlich: ich nehm ihn (den brief) vor, er wiegt leicht, ist welk und recht zum wisch geworden seither R. M. Rilke br. von 1914 bis 1921 (1937) 18.
β) vom licht- oder farbeindruck 'bleich, matt, blind':

frisch ists und kühl. ein schütteln, wie vor frost
in allen bäumen. und der sonne licht
so welk, so matt!
Hebbel werke 1, 87 Werner;

und viele greise waren plötzlich veteranen
und trugen federhüte und litzen aus welkem gold
A. Wildgans österr. ged. (1914) 28;

umrahmt von oliven und welkem gestein erschienen die frisch gebrochenen flecken (der marmorbrüche) wie ein groszes blasses gesicht unter alterndem haar R. M. Rilke ges. w. (1927) 4, 134;

alles dies ist herbstgesang.
stimme, die in euch erklungen,
heischt nicht gift noch welken glanz
Stefan George stern des bundes (1922) 81.


b) bei abstracten. hier ergeben sich oft selbständige bedeutungen. 'ohne die ursprüngliche frische, verblaszt': (übertragungen von Petrarkas sonetten sind) nichts als welke traurige erinnerungen dessen, was sie bei ihm sind Herder 18, 376 S.;

die jugendlichen küsse fliehn
bei welkem reiz vorbei und suchen frische wangen
Uz s. w. 99 lit.-denkm.;

wie die welken reize einer vormaligen schönen fürst Pückler briefw. 3, 426; 'schal': je mehr die andern vergnügungen, die vom leibe herrühren, für mich welk werden Schleiermacher Platon 6, 75; da mir das leben in meinem jetzigen gefängnisse schon halb welk geworden J. Kerner bilderbuch (1849) 381. 'ohne leben und kraft'; 'ohne wert und wirkung', im einzelnen sehr verschieden: ihre lobsprüche sind durch den anstrich des compliments welk geworden Kretschmann s. w. 5, 135; tugend ist in ihrem sinn zerbrochen und welk, bosheit hat sitz und wohnung Jac. Grimm Reinhart fuchs, vorr. (1834) CCI; wenn ich zu sagen hätte, müszten die gerichte im walde sein ..., in ihren dumpfen, staubigen stuben da ists (das recht) krank und stumpf geworden und ists welk geworden, sodasz sies kneten können wie sie wollen O. Ludwig 3, 89 Er. Schmidt. neben trocken, dürr: über der lectüre finden wir alles so welk, die färbung so trocken, die lehrhaften erörterungen ... so dürr Gervinus gesch. d. deutschen dichtung 5 (1853) 537; ähnlich: wie Boileau seine welken verse vorher in prosa aufsetzte Jean Paul 7—10, 615. ganz üblich von seelischen kräften und vorgängen als 'kraftlos, matt'; im bild: o du edle liebe, die du gleich einem siedendem topfe immer seudest und nimmer welck wirst Ph. Nicolai teutsche schr. (1617) 1, 2, 51b. sonst: der auszerwöhlten seel wirdt jetzt welck und krafftlosz J. Meichel kreutzschuel (1630) 45; lassen sie die edle geistesspannung nicht sinken, noch durch die ärmlichen umstände von auszen welk oder matt werden Knebel an Herder, s. von und an Herder 3, 32 D.;

der väter ernst ist ihm ein scherz,
sein arm entnervt, und welk sein herz
Kretschmann s. w. 1, 81;

ihr herz kommt mir ein bischen matt und welk vor Bauernfeld ges. schr. 4, 9; meine gefühle waren bleich und welk Görres ges. br. 1, 34. welk machen 'weich, kraftlos machen': romane, weinerliche schauspiele, schale sittenvorschriften, die mit ... sogenannten edlen gesinnungen tändeln, in der that aber das herz welk und für die strenge vorschrift der pflicht unempfindlich ... machen Kant w. 7 (1839) 126; das glück der schwarzweiszen ritter (des deutschen ordens) hatte die zucht welk gemacht für das unglück W. Schäfer 13 bücher (1925) 179.
 
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welkbank, f., drehscheibe des töpfers, s. o. walgen, walgern und wälgern 'drehen, rollen': siège, banc de poitier; stool, lath-bench (drehbank) J. A. Beil technol. wb. (1853) 1, 653. —
 
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welkbein, n., cuneiforme os, σφηνοειδὲς

[Bd. 28, Sp. 1384]


ὀστοῦν, os cranei keilbein, welckbein Henisch (1616) 261; keulbein, welkbein Stieler stammbaum (1691) 124.