| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
welben bis welen (Bd. 28, Sp. 1342 bis 1368) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| gemeingerm. wort; urspr. bahuvrihikompositum aus dem stamm des fragepronomens germ. *hwa-, *hwe- (got. as, ahd. hwer u. s. w., idg. quo-, que- 1, 519 ff.) oder dessen verschiedenen instrumental- oder adverbialbildungen und dem subst. *līka- 'körper, leib'. grundbedeutung ist also 'welchen körper habend, wie beschaffen'. die hd.-nl. gruppe: ahd. (h)welich, mhd. welich, welch, nhd. welch, mnl. welc, welic 9, 2, 2110 ist auf grund des mehrmals bezeugten ahd. (h)walich (s. u.), vgl. auch mnl. walc 9, 1, 1628 und 9, 2, 2110, und der obd. rundung zu wölch mit geschlossenem ö (s. u. und PBB 11, 496 u. 509) als formen mit umlauts-e auf die got. nicht belegte stufe *hwă- in *hwàlīk- zurückzuführen, vgl. dt. gramm. 13, § 197 u. 22, § 427, mnl. gr. § 69. umlauts-e wird wohl auch afries. hwelik, hwelek, hwek, hok, hulk, huk 835 enthalten, vgl. v. aofries. gr. § 26 anm. 5. zweideutig ist ags. hwelc; für umlauts-e könnte die schreibung hwælc ags. gr. § 342 anm. 2 sprechen (daher setzt aengl. elementarb. § 496 als grundform *hwalīk an), das allerdings jüngere ( a. a. o. anm. 3) hwilc, hwylc spricht dagegen für altes ë (swilc entsprechend got. swaleiks beruht auf analogie nach hwilc, s. hist. gr. der engl. spr. § 285 anm. 1). — die anderen germ. verwandten mit e und i im stamm werden zu der von got. hwileiks ποῖος, ποταπός, οἷος dargestellten ablautsstufe hwě- gezogen (vgl. 34, 114): as. hwilik, auch wilik 64, 1, daneben mit e in giuuelik 9, 2; mnd. wilk im 13. und 14. jh. (s. mnd. gr. [Bd. 28, Sp. 1343] § 106, 2), sonst welk, welik, welek 5, 664, mit labialisierung wolk und wol a. a. o. § 177, zu welich s. ebda § 337; mundartlichen u-formen: wülk und wük schlesw.-holst. 5, 586 entspricht mnl. wulc, wulken 9, 2, 2110 u. 2117, vgl. oben afries. hulk, huk. ebenso wird ahd. mhd. wil(i)ch (s. u.) und altniederfränk. wilik auf hwĕ- (über *hwëlik > hwilik) zurückgehen, vgl. altfränk. gr. § 179, 4. in mnl. wilc 9, 2, 2110 kommt auch herkunft aus *hwalik in betracht, s. mnl. gr. § 69, vgl. 785. an. hvelíkr 2, 127 kann keinesfalls umlauts-e haben. auf dem dat. sing. neutr. (urspr. instrum.) hwī- beruht das häufigere an. hvílíkr 2, 139, aschwed. hvīlīkin, hvilkin, neuschwed. vilken 1123, dän. hvilken 440. im ahd. erscheint auszerdem der instrumentalis got. hwê in uuealihnissim Bened.-reg. 55 bei 260, 1 und huuialihhii (ebda 2) 201, 20, s. in zs. f. dt. altert. 40, 20, den man auch in dem got. einmal bezeugten hweleiks ποταπός Lukas 1, 29 sehen kann, wie ahd. wuolich Tatian 53, 14, ags. húlic Sievers § 342, an. hulkr 2, 90, älterschwed. húl(i)kin auf den mit hwē ablautenden instrum. ahd. hwuo, ags. hú, an. hú (< *hwō) zurückgeht, s. 1123. — von ahd. hweo (got. hwaiwa) gebildet ist ahd. hweolich (Ra) ahd. gl. 1, 149, 18, wiolîh Tatian 138, 7, von *hwēlīk nicht scheidbar ist ahd. wielîch, z. b. muspilli 66, mhd. wielich Elisabeth 4468; 4473 Rieger. form. 1) vokalismus und anlaut. unumgelautetes (h)walih findet sich in den ältesten denkmälern, als huualih Ker. gl. ahd. gl. 1, 269, 11, als uualih ebda 1, 234, 37; Bened.-regel ebda 2, 52, 40; in Ja ebda 1, 354, 4; Pa 1, 148, 18. sonst mit e im stamm; anlautendes h: huuelih noch in frühen zeugnissen, z. b. Ker. gl. ahd. gl. 1, 212, 21; Isidor 3, 4; Bened.-regel 43 bei sprachdenkm. 250. z. t. in gleichen denkmälern bereits als uuelih, z. b. Ker. gl. ahd. gl. 1, 149, 18; Bened.-regel 59 267; Hildebrandslied 11 2 und in allen späteren. der volle vokal der nebensilbe erscheint z. t. bis ins 17. jh., z. b. welich Wiener genesis 5919 Dollm., 44, 9 var. E, 10, 2 V., 2, 21 K., 1, 20 K., Äneis (1610) 2a, tirol. weist. 1, 22 (Kufstein i. 17. jh.). diphthongierung zu weleich vereinzelt fürs 15. jh. bei gloss. 388c und 477a. abschwächung zu e begegnet seit dem späteren ahd., z. b. uuelehen Notker bei 4, 1211, swelehen Wiener genesis 289 Dollm., wellech (Ulm v. j. 1313) bei schwäb. 6, 664. neben silbenvokal vereinzelt in maa., z. b. wellech lux. ma. (1906) 483, wellicher obersächs. 2, 653. die synkopierte form welch ist seit dem frühmhd. bezeugt, zunächst natürlich in den flektierten formen: welhe hochzeit 917 bei Waag2 117, welch kaiserchr. 4904 Schr., welchen Iwein 4179, welch ackermann a. Böhmen 9, 14 H., (Köln v. j. 1499) städtechron. 13, 437, 31, w. 1, 219 K. u. spätere. in den mundarten z. b. dt.-lothr. 536, Köln. 200b, Kurhessen 332, obersächs. 2, 653. ihm entspricht nd. mundartl. welk, s. die betr. wbb. — rundung zu ö tritt literarisch vom 15.—17. jh. auf, wesentlich obd.: wöllicher 1. dt. bibel 1, 19, 48 (note), wöliche 1, 694 W., wöllich s. schr. 2, 5 ndr., kräutterbuch (1539) 1, 13, tir. weist. 4, 110, 40 (Südtirol v. j. 1591); wölch 10, 2, 430 W., dramen 27, 6 H., v. alten u. neuen gott 38 ndr., w. 1, 39 B., österr. weist. 4, 268, 37 (2. hälfte d. 17. jh.). mundartl. als wöll kärnt. 255, Imst § 146. die i-form wil(i)ch, wil begegnet zu frühst ohne ausgesprochen landschaftliche begrenzung, so in den Tegernseer Vergilglossen uuiliha ahd. gl. 2, 665, 54, uuilihiu ebda 633, 33, wilch Vorauer bücher Mosis bei 62, 29, wiliche Straszburger Alexander 4329 K., Rother 2199 Fr.-K., wil [Bd. 28, Sp. 1344] (13. jh.) bei pred. 8, 38. insbesondere auf mrhein.-md. boden: wilch Athis A 148 in v. Kraus mhd. übungsbuch (Köln v. j. 1264) bei originalurk. 1, 127, 1 u. oft, ebenso gängig in Kölner chroniken, z. b. (1280) städtechron. 12, 58, (v. j. 1401) ebda 333, so dasz wilch im spätmittelalter als typische form des Kölner sprachraumes erscheint, vgl. auch wylch pilgerfahrt 1 G. daneben ostmd.: wilch 162 Türk, bes. dann im 16. jh.: 18, 26 W. u. oft, wider J. Witzeln (1539) H 1b, (Arnstadt v. j. 1543) rechtsdenkm. a. Thür. 93 Michelsen. mundartl. im gleichen raum: wilch Köln. 202a, bilγer Thür. 256. — eine sekundäre entwicklung des stammvokals zu o begegnet im md.: wolch (15. jh.) bei gloss. 388c u. 475a und nd.: wollich herkommen 1, 69 Mohnicke. 2) konsonantismus der nebensilbe. das ch (< k) der ableitungssilbe erscheint vom frühen ahd. an bis ins frühmhd. in flekt. formen vielfach als h (statt hh u. ch), worin im ganzen zu mindest für die spätere zeit der hauchlaut h gesehen werden darf (vgl. 13 § 316, 2, dt. gr. 1, 310, ahd. gr. § 145), vgl. z. b. huueliher Bened. regel 43 bei sprachdenkm. 251, suelihiu (Prud.) ahd. gl. 2, 517, 50, welihe Wiener genesis 1938 Dollm. u. ö., swelehe himml. Jerusalem 65 bei Waag2 57. auf alem. boden schwindet seit dem spätahd. h daneben völlig: uueler ps. 67, 12 u. ö., uuelemo (G c 10) ahd. gl. 2, 239, 7; vgl. dazu als unkontrahierte übergangsformen bei Notker souuelee (plur.) ps. 77, 66, uuelea (acc. sing.) 1, 348, 6 P., s. PBB 2, 135. diese kurzform wel erscheint literarisch bis ins 16. jh., besonders im alemannischen, z. b. an welen buochen bei 34, 2, weln (acc. sing.) 81, 67 Pf., wel 172, 17 V., well narrensch. 10, 33 Z., von welem badenfahrt (1517) M 4b, weler v. freiheit d. speisen 12 ndr.; wel hat aber nach ausweis der maa. eine weitere verbreitung, vgl. als literar. spuren sweler (Umstadt, Rheinfranken v. j. 1282) bei originalurk. 1, 455, 9, wellen (Südtirol v. j. 1473) tir. weist. 4, 173, 36. so wel und well auszer bei schweiz. id. 1, 45, schwäb. 6, 664, elsäss. 2, 801 auch im bair.-öst., s. 2, 895, Lusern 190, cimbr. 172 (bel); im md. s. dt.-lothr. 536, oberhess. 903, obersächs. 2, 653 u. a.; im nd. bei ostfries. 328a, vgl. auch mnd. gr. § 410, 2. ausfall des l zu wech erscheint auf md. boden: fürs 15. jh. bei gloss. 477a u. 481a, dazu mundartl. ostmd., z. b. wecher sächs. erzgeb. 78, Norwestböhmen 92, bêcha ungr. bergland 261, auch der weche 2, 895. ihm entspricht mnd. wek 5, 664, ebenso mundartl. allgemein nd., s. d. betr. wbb., vgl. auch mnd. wik bei a. a. o., neund. bei schlesw.-holst. 5, 586. 3) die form swelch. aus der verbindung sô hwelîh sô des ahd. entwickelt sich durch abfall des zweiten sô und kontraktion die mhd. form swelch für das allgem. relativpron. (s. DWB C 1), vgl. als übergangsform siuuelihiu (Prud.) ahd. gl. 2, 517, 50. sô welch steht daneben bis ins 14. jh., d. h. bis zum ende der s-form überhaupt (s. u.), z. b. so wilch Rother 2278 Fr.-K., (Köln v. j. 1275) bei originalurk. 1, 267, 45, so welich 10, 2 V. länger hält sich sô im mnd., vgl. DWB so welic (ostnd. v. j. 1269) bei a. a. o. 161, 37, so welke 224, 30 J., auch suweliker (15. jh. nd.) gloss. 479a. das zweite sô überlebt in der form swelch sô in spärlichen ausläufern die ahd. periode: swelhir sô welle v. rechte 335 bei Waag2 80, hochzeit 41 ebda 88, swels tages so (alem. v. j. 1265) bei a. a. o. 139, 34. die einsparung des zweiten sô beginnt bereits früh, vgl.: so uuelihes luste cuiuslibet (Ker. gl.) ahd. gl. 1, 93, 7; in so uuelihha burg ... ir [Bd. 28, Sp. 1345] inganget (in quamcumque civitatem) Tatian 44, 7; bei Notker ist sie bereits die regel, vgl.: souueles tages ih tih anaharee, an demo gehore mih (in quacumque die) 2, 575, 4 P. swel(i)ch erscheint zunehmend seit dem 9. jh., z. b. im bair., s. ahd. gl. 2, 174, 1, (Prud.) 2, 517, 50, predigtsamml. B 2 bei sprachdenkm. 170, 53, Wiener genesis 1939 Dollm. u. so fort; ebenso als swel (alem.) ahd. gl. 2, 238, 22, in minnesangs frühling 29, 27, (alem. v. j. 1265) bei 1, 139, 34; swilich Rother 2505 Fr.-K.; swilch Athis C* 90 in v. Kraus mhd. übungsbuch. die s-form breitet sich über das gesamte hd. sprachgebiet aus, s. die belege im mhd. wb. 3, 577, ebenso im ostdt., vgl. etwa swelch bei apokal. 14984, Daniel 5644 H. diese sind zugleich einige der spätesten vertreter, vgl. für den westen schwelch (v. j. 1324) urkb. d. st. Eszlingen 1, 256 Diehl. daneben steht bereits die s-lose form welch, z. b.: weli ǒch ... seshaft sint, die súln ... nemen (schweiz. v. j. 1238) originalurk. 1, 20, 31; welch mensche lêzet diu dinc ... der hât sich selber gelâzen in: dt. mystiker 2, 173 Pf.; wel mensche recht dar in sehe ... er mste sich selber wol verurteilen 387, 16; s. auch das nebeneinander von swelch und welch im Daniel, sp. 1358. — ins nd. dringt die s-form nur vereinzelt ein: swelich (nd. v. j. 1227) bei a. a. o. 1, 1; swelek (Braunschweig v. j. 1279) ebda 361, 40; swelk Sachsenspiegel 203 E. flexion. flektierte und unflektierte formen (vor allem im nom. sing.) stehen im gebrauch von anfang an neben einander, sowohl in subst. wie in adjekt. verwendung, vgl. fürs ahd.: uuelih thero uuerco Tatian 134, 6, uuelih (gewand, acc.) Otfrid IV 28, 10 E., huuelih druhtin Isidor 3, 6, und: huueliher Bened.-regel 43 bei 250, gistriti uuelihaz (acc.) Tatian 199, 8; fürs mhd. vgl.: welch vallen wære swelher sich daz nimet an ebda 1850, weler mensche pred. 1, 15 V.im nhd. erlischt im 16. jh. der gebrauch der unflektierten form beim substant. welch, vgl. als einige der letzten zeugnisse: (garn) welch das hofgesind thet gester stellen (cornet) welch vier auszgäng und rachen het welch entsetzen, welche wahl! unter den flektierten formen nimmt der substant. gebrauchte gen. sing. welch(e)s und welcher, sowie der gen. plur. welcher in neuerer sprache an häufigkeit ab und wird durch wessen, dessen, derer ersetzt. welch(e)s verliert sich im wesentlichen im laufe des 17. jhs.: welches tugent ... nit ... probiert, ... der mag wol sagen klugreden (1548) 84a; einen brieff ..., welchs inhalt war ... buch d. liebe (1587) 154; das meiste, welches auffenthalt [Bd. 28, Sp. 1346] nicht mehr als genitiv, sondern nur noch als nom. oder acc. sing. empfunden wird, vgl.: das kind aber hatte das zeichen im gesicht, ungeachtet welches Werther ... Lottens ... pflegebefohlenen küszte Münchhausen (1841) 2, 142. — länger bleibt die genitivform welcher als partitiver genitiv pluralis (heute von welchen, von denen): sprachen, welcher wann er vier kan Gargantua 227 ndr.; hürtengespräche ... welcher ein paar ... eingesetzet worden fortgepflanzter lustwald (1657) 1, 7; als gen. sing. (heute deren): dasz sie keine einzige schönheit an ihnen haben, welcher erste erfindung sie nicht der natur schuldig seyn crit. dichtkunst (1740) 1, 270; eine bitte ..., an welcher gewährung sein ganzes glück hing schr. (1828) 21, 39; heute noch üblich nach präpositionen: es entstand eine pause, während welcher Marie ... den tisch arrangierte ges. w. I 6, 18. ein gen. sing. welchessi (cuius) dict. (1556) 11b entspricht schweizerdt. ma., z. b. welšši Walliser 224, Visperterminen 143. — im frühnhd. begegnet gelegentlich unorganisches n (aus der schwachen flexion) bei stark flektierten formen: weib ... bey welchern knabenspiegel 82 Fauth u. ö.; welchne fläch (nom. sing.) chron. helvet. (1734) 1, 59; vgl. auch: ohne wolchern (mann) herkommen 2, 91 Mohnicke. verbindungen. in syntaktische verbindung tritt welch mit der und dasz. vorgestelltes der, schriftsprachlich zumeist auf nl. und nd. boden (mnl. twelc, de welc, mnd. de welk, hd. der welche) begegnet vorwiegend beim gebrauch als allgemeines und bestimmtes relativ (s. DWB C und D), vgl. 9, 2, 2110, mnl. gr. § 222, 3, 5, 664, gelegentlich in hd. schriftspr.: vurstliche gnaden ..., de wylche mich ... untfangen pilgerfahrt 1 G.; menschen ..., die welche ... genugsam gewesen schr. (1663) 782. daneben auch beim fragepronomen (A), fürs mnl. vgl. a. a. o. § 221, hd. in maa. für die aussondernde frage (A 2): der wechte Schönwald bei Gleiwitz 127; der wele, der weche 2, 895; der wöile Imst § 146; dər wel (niederalem.) zs. f. dt. maa. (1914) 340. — nd. de welk auch fürs indefinitum (B) 'einige' schlesw.-holst. 5, 587. nachgestelltes de(r), mnd. vereinzelt in der frage bezeugt: de vormunden scholen darumme loten under sih, welker de dat recht scholde doen (15. jh.) altes lüb. recht 422 H., ist spätmhd. und frühnhd. fürs allgem. relativ (C) vertreten: swelch der hir nicht fruhte treit, wellen den got wil legen an, welch das erscheint seit dem späten mhd., vgl. quod welich daz (md. v. j. 1414), welch denn daz (md. 15. jh.) gloss. 481a: weles har ... das ... sich schiede, in das enflússe die edel salbe nút 339, 31 V. auf mnd. boden entspricht welk dat, s. 5, 664, fürs mnl. 9, 2, 2115. die hinzufügung eines demonstrativen pronomens ging vermutlich aus dem bedürfnis hervor, die hinweisende function von (s)welch zu unterstreichen. hierhin rechnet vielleicht auch die vereinzelte beifügung des personalpronomens he (dat. om) statt der: berch, in welkem om (in quo) god wol bevellet to wonen Halberst. bibel (1522) bei 5, 665; zu vergl. ist auch die der aussondernden frage (A 2) dienende nd. verschmelzung mit een: [Bd. 28, Sp. 1347] welkeen, z. b. für 'wer?' brem.-nds. wb. 5, 224, 'wer von zweien?' altmärk. 245, vereinzelt obd. mundartl. wöllana 'wer?' kärnt. 255; ebenso das mnd. und mnl. welker (< welk ir) eigentlich 'wer von ihnen?' a. a. o., nd. maa. 321, 9, 2, 2111, das ursprünglich ebenfalls den bestimmten einzelfall erfragt. in diesen verbindungen prägt sich die allmähliche zunahme des determinativen charakters von welch aus; in ähnlichem sinn in zs. f. dt. wortf. 14, 124, anders, doch nicht überzeugend, ebda 13, 165, dt. syntax 1, 376. die konjunktion dasz begegnet in der verbindung welch dasz als sogenanntes expletives dasz gern nach präpositionalen verbindungen mit welch: van wilchen sachgen dat dat were, so slen (Köln 1275) bei originalurk. 1, 266, 35; mit welicher kúnne worten daz man ... muge gesprechen 119, 21 V.; vragete ..., van welcher provinzien daz er were ostdt. apostelgesch. d. 14. jh. 23, 34 Z.; heute nur noch in mundartlich gefärbten texten: bidde zu bedenken, mit wölchen elementen dasz wir es gegenwärtig zu thun haben ges. w. (1927) 3, 715, s. syntax 3, 150. im älteren bairischen begegnet die zusammenziehung wellent (< welchend < welch end 'wo, wohin', dem mnd. welkent 5, 664 entspricht: ich waísz nicht wellent A. als fragepronomen in direktem und indirektem fragesatz. 1) dem etymologischen wortsinn entsprechend (s. sp. 1342) als frage nach einer beschaffenheit im sinne von güte oder ausmasz, dem inneren und äuszeren format. dabei findet sich im as. und nhd. nur attributiver, im ahd. und mhd. auch prädikativer gebrauch. a) in echter frage 'wie beschaffen, welcher art, wie grosz?', entsprechend dem lat. qualis, got. ileiks πηλίκος Gal. 6, 11: quis aut qualis est hic? uuer odo uuelih ist ther? Tatian 52, 7; vgl. ebenso im got.: ufkunþedi þau, o jah ileika so quino sei (τίς καὶ ποταπὴ) Luk. 7, 39; nu sehen, mit uuelichemo flîzza uuir den gotis uuînkarten ûoben predigtsamml. B 2 bei sprachdenkm. 169, 16; daz si daz befunden, welch der rîter kleider möhten sîn? in vrâgt der fürste mære, kein schlechtes ists, verscheiden welche person ists, oheim, die ihr selbst b) als aussage in frageform. eine beschaffenheit wird durch welch summarisch umschrieben oder urteilend als [Bd. 28, Sp. 1348] erwähnenswert, übergewöhnlich ('wie grosz, gering, gut, schlecht' u. ähnl.) bezeichnet. α) welch prädikativ (vereinzelt noch im altdt.) oder attributiv neben einem substantiv. vgl. nebeneinander die umschreibende und wertende bedeutung: endi sagdun iro gôdumu hêrron, lêt ina (Petrus) gekunnon,huilike craft ('wie gering') habet zileste er inbot ... wilich ('welch guter') rihtêre her wêre, wan friesche daz mîns herzen trût, nu merket alle Kristen eben, weh euch, wenns volk da unten sieht, im besonderen lebt die wertende bedeutung im emphatischen ausruf als rhetorischer frage: scouuuo, wuoliche steina inti uuelichu gizimbriu! (quales structurae) Tatian 144, 1; owî, welch mort dâ gevrumet wart! kaiserchron. 5223 Schr.; wel wunder, üb mir daz beschiht! o schlaf, welch gut bist du der erden! in dieser armuth welche fülle! β) tritt ein adjektiv als attribut zum substantiv, so kann welch die qualitative bestimmung an das adjektiv abgeben, und es bezeichnet dann nur den besonderen grad der jeweiligen beschaffenheit. der gebrauch lebt reichlicher erst in der neueren sprache: welch hohe lust, welch heller schein, welch göttlich meisterstück sind selen, welch reicher himmel! stern bei stern! [Bd. 28, Sp. 1349] oktaven! s. w. 1, 11 Gr.; es liegt ... am tage, von welch unendlicher wichtigkeit diese doctrin ... geworden ist s. w. 1, 157; für welch trauliche kleine welt war sie der mittelpunkt s. w. (1904) 3, 140; welch guter ausdruck lag auf den gesichtern, wenn sie dem (leierkasten-)mann die gaben reichten! zeitwende 14, 1 (1937) 84. c) seit mhd. zeit tritt ein zu welch, in neuerer zeit wird welch ein(e) das üblichere (zur entstehung aus vermischung mit wie ein s. dt. syntax 1, 373). die verbindung steht attributiv; auch hier wird bei hinzutritt eines adjektivs welch ein bezeichnung des grades (s.b β). α) zufrühst im ausruf: âvoy, welch ein poulûn! ey welch ein michil wunder o wee, welk eyn vorschrecklick dach v. d. jungesten tage (13. jh.) 1, 105 Willoughby; sihe, welh steyn und welh ein bauw ist das! Züricher bibel (1531) 2, 216a (vgl. dazu Tatian 144, 1, s. sp. 1348); seht, welch ein mensch ist das! und ah! welch eine heitre ferne schlieszt Bertha! welch einen blick thut ihr mir auf! welch ein fremdes neues leben! β) in echter frage (s. DWB a und b): erschrack sie uber seiner rede und gedachte: 'welch ein grus ist das?' Lukas 1, 29; welch ein mädchen ich wünsche zu haben? ihr fragt mich. ir habet gehort vil wol lange sinnt er ihm nach, welch ein gedank es ist: seitdem verfolgt und foltert der gedanke 2) in aussondernder bedeutung. welch bezeichnet, in gewissem grade sinngleich mit wer und was, den einzelfall innerhalb eines mehr oder weniger deutlich umgrenzten sach- oder personenkreises, vgl. die glossierungen quot wilcher (15. jh. md.) gloss. 481b; quotus welcher nomencl. meth. (1623) 24. a) in attributiver stellung vertritt welch sinngleich das nur substant. gebrauchte wer oder was: uualihhu rehtu qua ratione (Ker. gl.) ahd. gl. 1, 234, 37; eddo welihhes cnuosles du sis Hildebrandslied 11 bei ... saget ... [Bd. 28, Sp. 1350] wo, wie, wann und person, das ist an welchem ort, welicher gstalt, z weler zyt, was person oder gegen wem v. freiheit d. speisen 12 ndr.; welcher teufel hat dich ... in diesen wald gebracht? volksb. v. gehörnten Siegfried 72 ndr.; wer weisz, welch leichter tropff Sosias! welch ein Sosias! was für b) welch substantivisch und prädikativ. hier tritt es neben die nur substantivisch gebrauchten wer und was. α) welch sondert aus einer sachlich näher umschriebenen gruppe den einzelfall aus. gegenüber den unbestimmter fragenden wer und was findet also welch anwendung in fällen von gewisser bestimmter umgrenzung. man kann hierin eine nachwirkung der artbestimmenden und damit begrenzenden qualitativen urbedeutung sehen. αα) welch bezieht sich zurück auf ein nomen oder pronomen eines vorhergehenden satzes; bei indirekter frage: tho rietun thie ginoza,sie wurfin iro loza, ich weiz niht, welher grœzer gir di sich dorumme biezen, (sie) wetten all drey ongefer, o wie raitzen sie einander .... chumt ain reicher man von gt der herzoge im dô sagen bat, kein fremder, bist du, könig, hier, [Bd. 28, Sp. 1351] ββ) welch bezieht sich (in direktem und indirektem fragesatz) auf einen folgenden begriff desselben oder eines weiteren satzes: irhuge uuelih min uuist si (memorare, quae mea substantia) ps. 88, 48 P.; 'sage mir, welez was diu hœhste vröude (die Christus hatte?') ... 'das was diu grœste vröude' (14. jh.) zs. f. dt. altert. 8, 218; aber diser herre sol ... hierher gehört der anschlusz eines partitiven attributes, zufrühst als partitiver genetiv: thuruh uuelih thero uuerco steinot ir mih? (propter quod opus) Tatian 134, 6; wann welher der menschen waisz die ding? 1. dt. bibel 2, 65; man fragte Rossini, welche seiner opern ihm selbst am besten gefalle? IV 29, 20 W.; dasz sich noch nicht entscheiden läszt, welches dieser fangmittel die meisten zu fesseln im stande sein werde 1, 8 Boxb. seit dem mhd. tritt präpositionaler anschlusz hinzu: si næme michil wundir ... β) gegenüber den flexionsarmen wer oder was steht welch, wie schon aus dem voraufgehenden ersichtlich ist, auszerdem gern in fällen, wo das verständnis des sinnzusammenhanges eine genaue beziehung in genus und numerus erfordert; für die mehrzahl: uuelihe stent muozie? niuuani die dir nieth durnahtlichen niuuurchent alla die gotis ê predigtsamml. B 2 bei sprachdenkm. 170, 59; wel vriunt oder vîgent sint, er chot 'nu wil ich haben ze zeichene, γ) seltener ist der gebrauch von welch bei fehlen jeglichen bestimmteren bezuges, wo dann wer und was das gängigere pronomen ist. vgl. die glossierungen von lat. quis: huuelih (Ker. gl.) ahd. gl. 1, 212, 21; huilik 57, 5; vgl. später für quis welker (nd.-lat. 15. jh.) n. gloss. 311b; quisnam, quisputas welcher, welker (15. jh.) gloss. 480c: und welchir mac nu daz wazzir verbiten ...? (numquid aquam quis prohibere potest?) ostdt. apostelgesch. d. 14. jh. 10, 47 Z.; ich unseliger mensch, welicher würt mich doch erlösen von dem leib dises geistlichen tods? M. Stifel bei flugschr. 3, 308; wilcher [Bd. 28, Sp. 1352] pflanzt einen wynberg und isset nicht von seyner frucht? s. schr. 1, 173 ndr. c) welch in formalem, indirektem fragesatz als summarischer umschreibung eines dem berichtenden bekannten sachverhalts (vgl. 1 b), meist attributiv gebraucht, seltener substantivisch: seggian gihôrde, daz al daz volc an ime gese was mir all dorther entsprossen, B. als indefinites pronomen im sinne von 'jeder, irgendeiner', plur. 'einige, manche'. welch bestimmt einen begriff nach seinem wirklichen oder gedachten vorhandensein, ohne nähere umstände (das sosein) festzulegen. damit entspricht indefinites welch der aussondernden frage (A 2, bes. c) und wird auch hieraus abzuleiten sein (die annahme einer umgekehrten ableitung, die bei wer berechtigt ist, s. dt. syntax 1, 361, gilt nicht für das erst germanisch bezeugte und etymologisch klare welch). damit geht welch bedeutungsmäszig parallel dem indef. wer und was, dessen adjektivische und pluralische funktion und dessen vertretung beim partitiven genetiv welch auch als indefinitum übernimmt, vgl. DWB A 2 a, b α ββ und b β. welch begegnet ahd. ('eignet wesentlich den nördlichen gebieten' dt. syntax 1, 378), as., mnd.; im mhd. tritt es, bis auf einen einzelnen fall bei s. sp. 1353 nur als zweites glied von compositis auf (iewelch, eteswelch). als welch erst wieder seit dem 15. jh. aus dem nd. übernommen. 1) als 'jeder' ist welch nur ahd. (seltener) und as. bezeugt. jedoch ergibt sich die bedeutung nur in verbindung mit partitivem genetiv (vgl. dasselbe bei gelich ahd. allero manno galich, auch allero mannolich). reichlicher und länger lebt welch in compositis wie giwelîh und iowelîh u. a. und auszerdem als bestandteil des allgemeinen relativums sô huelîh sô (> swelch) als 'jeder, der, jeder, wenn', s. DWB C 2: daz allero manno uuelih sih selpan des uuirdican gatoe Freisinger paternoster bei ahd. sprachd. 43, 6; dar scal denne hant sprehhan,houpit sagen, lêt ina gesundion,that he sîðor thiu bet 2) als 'irgendein', pluralisch 'einige', 'manche'. a) als 'irgendein': si qua piuualih (= upi uualih) ahd. gl. 2, 52, 40 (9. jh.); si cui apa welichemu 1, 336, 1; ibu huueliher si quis (Benedikt.-regel 43) sprachdenkm. 251; oba ih in sihhiu uuelichan bivehnota si quid aliquem defraudavi Tatian 114, 2; für quidam: thuruh gistriti uuelihaz gitanaz gibuntan (seditionem quandam) Tatian 199, 8. im as. stets mit partitivem genetiv: sô hue sô ôgon genimidôðres mannes, [Bd. 28, Sp. 1353] im mhd. ist nur eine vereinzelte bezeugung bekannt, die aber von dt. syntax 1, 378 als mischkonstruktion (aus welhen list ir und einen list, den) verstanden wird: erdenket welhen list, b) pluralisch als unbestimmtes zahlwort für eine geringe menge: 'mancher', 'einige'; der gebrauch läszt sich aus a ableiten als bezeichnung einer mehrzahl von unbestimmten einzelgröszen. er tritt zuerst im östl. mnl. und im mnd. auf, s. 9, 2, 2117 und 5, 664: en borstbilde, en deel van sulver, welke klene monstransen (1461—68) codex Lubec. 1, 11, 431. dieser gebrauch erscheint spärlich in nhd. schriftsprache: ain yede tugend ist ein mittel, und wölche menschen schen das ort (das extrem) sp. d. sitt. (1511) A 3b; gönn aus dem paradies uns nur noch welche blicke, c) welch als pronominale vertretung eines im vorauf genannten begriffes, ähnlich dem nur singularischen indef. ein. der gebrauch ist nhd., aus norddt. umgangsspr. stammend, s. die ältesten belege, vgl. schlesw.-holst. 5, 586; westfäl. 319b; für das md. vgl. wir haben welche (bleistifte) neben wir haben'r Altenburger ma. 91. es ist als das pronominal verwandte welch 2 a 'irgendein' und 2 b 'einige' anzusehen; mit diesem zeigt welch 2 c im plural engste berührung, doch bleibt es als zahlbegriff meistens unbestimmter, vgl. hierfür z. b.: man bedient sich gewisser merkmale nur so lange, als sie zum unterschiede hinreichend sind. neue bemerkungen dagegen nehmen welche weg und setzen einige hinzu schr. (1838) 2, 549; wie mein divan um viele glieder vermehrt ist, worunter sich welche von der jüngsten und frischesten sorte befinden IV 26, 122 W.; so sehe ich also welche von den braven, tapferen Camisards vor mir! schriften (1828) 26, 196. als plural auch zufrühst bezeugt: wer hat würfel unter uns? ich habe heute welche gehabt schausp. 301 H.; so musz ich sehen, wie ichs mache, dasz ich ihnen welche [Bd. 28, Sp. 1354] (kleider) schaffe Schlampampe 6 ndr.; und weil die exempel ein groszes beytragen ..., so werde ich überall welche hinzusetzen w. (1761) 5, 69. dann auch daneben im singular, doch nie auf ein einzelnes concretum bezüglich: mamachen, sie wollten ja ungrisch wasser haben. hier ist welches ebda 2, 106; sie (anrede) wollen ein andermal geld von mir borgen, wenn sie keines brauchen, wenn sie selbst welches haben s. schr. 2, 219 M.; sire! es ist hierher auch nd.-norddt. so welch 'so ein' im sinne von solch. man kann hier die qualitative bedeutung von welch (s. DWB A 1) einwirken sehen: du bist eine kluge frau! so welche giebt es heutzutage doch nicht mehr! s. w. (1904) 2, 190; es sind walderdbeeren, so welche wachsen in den gärten nicht ebda 1, 194; vgl. DWB so welke 'solche' westf. 319b, sa weke 'solche' Stieger ma. 67. C. als allgemeines relativpronomen. 1) syntaktisch ist dieses als eine verbindung des indefiniten welch mit den korrespondierenden konjunktionen sô — sô zu verstehen (vgl. dt. syntax 1, 379 u. 3, 290), westgerm. entstanden: ags. so hwelc so, as. sô huilik sô, ahd. sô (h)welîh sô. ursprünglich war der erste teil sô hwelîh glied des übergeordneten satzes, das zweite sô leitete den nebensatz ein. reste dieser stellung sind noch faszbar. so können im ahd. beide glieder durch zwischenstellung anderer glieder getrennt werden: so huuelihhe iuuuer gauuisso so in Christes nemin gataufite sintun, Christan gauueridont Monseer bruchst. xxix, 3 Hench; im as. trennt die versgrenze gern das zweite sô ab: gildid god selbogumono sô huilicumu, that scal te frumun uuerðen sô huilic sô than eft manno barno [Bd. 28, Sp. 1355] im ahd. bringt die entwicklung zur form swelch, s. darüber unter 'form' sp. 1344. 2) bedeutungsmäszig entwickelt sich das allgemeine relativum (s)welch aus dem indefinitum, wobei die konjunktion sô — sô ursprünglich aus einer verbindung von zeitlich-bedingender und modaler funktion entstanden sein wird ( dt. syntax 3, 291, abweichend ebda 1, 369), etwa: 'so gilt a für einen oder jeden, wie und wenn er b tut'. der konditionale strang (a) tritt im laufe der entwicklung allmählich stark zurück (b) zugunsten des modalen, der sich immer greifbarer zu einem korrelativen bezug zwischen zwei aussagen (des haupt- und nebensatzes) entwickelt (s. bes. b β), gleichzeitig schwindet die bedeutung von (s)welch als eines unbestimmten pronomens (a u. b) gegenüber der eines determinativums (c) (das aus der qualitativ-bestimmenden urbedeutung herrühren kann) zum groszen teil (s. aber d). bezüglich der synonymik mit (s)wer und (s)waz gilt entsprechend das unter A 2 beobachtete: (s)welch erscheint hauptsächlich, zumal in der alten sprache, in funktion als adjektiv, plural und feminin und bei bezug auf sachlich oder durch partitives attribut bestimmt umrissene gruppen. völliger zusammenfall im gebrauch mit wer und was tritt erst im übergang zum nhd. häufiger auf, z. b.: welem ... sin vich ... uff ains schaden gat, der sol ... geben (14. jh.) d. rote buch d. st. Ulm 63 M.; du solt nit tötten. wöllicher aber töttet 1. dt. bibel 1, 19 note; welcher nit yn der hohen schule gestanden ist, der kan nichts. wer aber darynne gestanden ..., der kan alles 8, 558 W.; welcher seine vernunft nicht herschen laszt, ist ... ein unnützer mensch sprüchw. (1567) C 2a. a) der mit dem allgemeinen relativum eingeleitete nebensatz steht in einem conditionalen verhältnis zum nachfolgenden hauptsatz. welch entspricht 'wenn einer'. es kann daher unmittelbar als übersetzung von si quis stehen: si quis ad carnales nuptias esset invitatus so vuilik iuvuar so te vueroldlikon brudlohten gibeden vuari (Gregors homilien) 64, 1. schon as. erscheint hier (im gegensatz zu b) die vorausstellung des bedingenden nebensatzes, wobei der hauptsatz gern mit der folgernden konjunktion so (auch dann) angeschlossen wird: sô huilik sô iuuuar âno sî, quað he, auch welche (gäste) unversehentlich swelch künec der milte geben kan, b) die aussage des hauptsatzes gilt für die im nebensatz bezeichneten fälle. die korrelative eigenschaft der alten verbindung sô — sô kommt neben (und in β anstatt) der konditionalen zur geltung. α) der (s)welch-satz kann inhaltlich sowohl als bedingung wie als ergänzende aussage zum hauptsatz aufgefaszt werden; [Bd. 28, Sp. 1356] das pronomen ist daher als 'jeder, wenn' und 'jeder, der' wiederzugeben: sô uueliche sô inan intphiengun, sô gab her im giuualt, gotes suni ze uuesanne (quotquot autem receperunt eum) Tatian 13, 6. formal faszbar wird die relative funktion, wo ein korrelatives pronomen im hauptsatz auf swelch zurückweist: souuelee testamentum dei inphahent, ... die sezzent ps. 77, 66; swelehe von chindes peine swelch frowe sendet lieben man auch welcher rath und that (zum mord) dargibt ... im sonstigen gebrauch steht oder fehlt das korrelativum beliebig, vgl. fürs mhd.: nû hôre ich wol sagen, denn welcher mensch die leut beschwert, denn welcher seine zuversicht welchen Amor empfiehlt, köstlich bewirthet ist er β) der konditionale sinn tritt zurück oder schwindet ganz, der (s)welch-satz dient allein als ergänzende allgemeine aussage zum hauptsatz, 'jeder, der'; vgl. die verschiedene wiedergabe von omnis: contraque omnis sors beata est aequanimitate tolerantis taragagene ist salig souuelih loz temo man gevallet, ube er iz ebenmuote vertreget 1, 83, 17 P.; omnis enim, quae videtur aspera, nisi aut exercet aut corrigit, punit souueliu sarf kedunchet, tiu tuot ein uueder, so hertet ten man alde bezzerot in alde ingeltet in ebda 297, 20 P. (vgl. auch unten Claus Cranc). die einfügung eines korrelativen demonstrativs ist dabei ebenfalls häufig: so uuelichu so (quaecumque) her (der vater) tuot, thiu (haec) der sun same tuot Tatian 88, 7; suelihe bi den ziten wand ir helde küenealsô geladet sît [Bd. 28, Sp. 1357] populus ... quaecumque locuta fuerit Dan. 3, 96) 281 Z. im nhd. wird die berührung mit der bedeutung 'derjenige, der' (s.c) ganz eng, doch überwiegt noch immer der sinn der allgemeinverbindlichkeit der aussage: die gaistlichen ... spatzieren gingen in welhen garten sy woltend, das wart in nieman v. chron. d. Constanzer conzils 84 lit. ver.; welicher in den vorstetten sitzet und darinne uf der muren wachet, der sol der scharwacht ... erlossen sin Straszburg. zunftordn. 165 Br.; welch pflantzen dücke versatz oder verpflantzet werden, kunnen nicht belyven adagia (1545) 83b; welche nicht der Mars kan umbringen, die würd der Mors verschlingen practica 11 ndr.; weilen aber der inhalt (der gedichte) fast satyrisch war, hab ich ihnen ... können geben, welche form ich wolte satyr. ged. 12 ndr.; für welche gott sein blut vergossen, c) (s)welch bezieht sich auf einen einzelbegriff oder eine begrenzte zahl von begriffen, deren genaue benennung noch unterbleibt. der allgemeine bezug (von b) wird dadurch von einem bestimmteren abgelöst (was für die ausbildung des bestimmten relat. welch [s.D] bedeutsam wird); (s)welch entspricht damit nhd. 'derjenige der'. den ausgang dieses gebrauchs hat man im indefiniten 'ein' (B 2 a) zu suchen als 'so einer wie' im sinne von 'der bestimmte eine', wohl unter einwirkung der qualitativen und damit begrenzenden urbedeutung ('ein solcher wie') entwickelt; vgl. as.: gaf im uuið thie fîund friðuendi im forð giuuêt suelche maged ich pite ..., wan swelch mîn bote ie baldest reit, und well die besten meynen syn, welchen könig der gott über die könige ... im besonderen bezeichnet (s)welch den (noch unbekannten) einzelfall bei einer auswahl aus mehreren: swilch ir da was gerandir swelch diu schœnste was erkant, welcher dem andern siget ob, [Bd. 28, Sp. 1358] für euch in diesem korbe verborgen, schwesterchen, welche es räth, soll es sogleich ... empfangen w. (1811) 1, 11. dem wesen des bestimmten relativs (s. DWB D) kommt dieses determinative (s)welch mitunter sehr nahe. in der übersetzungsliteratur erscheint es bereits seit ahd. zeit als übertragung des relativen qui, zunächst noch auf ein allgemeines alle bezogen: enti kasamnotun alle so huuelihhe so sie funtun, ubile joh guote (omnes quos invenerunt, malos et bonos Matth. 22, 10) Monseer bruchst. xv 23 Hench (doch kann hier auch die qualitative bedeutung [s. 3] mit hereinspielen u. die setzung des relat. demonstrativs verhindert haben); dann aber auch als wiedergabe der relativen satzverknüpfung: inpertitus (est) honos, quem (suuelihin) dum metus aut amor ... accumulant, ... processit in aevum mos patrius (Prudentius contra Symmachum 1, 152) ahd. gl. 2, 517, 50; ebenso quae (vis) suelih (ebda peristeph. Rom. 1129) 2, 455, 50. dem stellt sich im späteren mhd. die übersetzung von korrelativem qui-hi durch welch — der zur seite, wobei nur mehr die voranstellung des welch-satzes den allgemeinen charakter der aussage erhält ('alle diejenigen die'): und welchir herze (quorum cor) wandirt noch ungeloubin ..., der weg (horum viam) wil ich slan uf ir houbt (Ez. 11, 21) 193 Z.; ebenso noch die Zainerbibel (1475) mit ihren nachdrucken: wöllicher (gen. plur.) daz hertz wandlet ..., der weg setze ich erste dt. bibel 9, 283 var. Z—O a; sowie J. Eck: welcher hertz ... wanderet, deren weg will ich setzen bibel (1537) 2, 139a. (vgl. statt dessen: wann das hertz der, daz do get ..., der weg setze ich erste dt. bibel a. a. o.; denen aber so ... wandeln Hes. 11, 21). formal-syntaktisch entsteht zusammenfall mit dem bestimmten relativ bei nachstellung des welch-satzes hinter ein nomen (und pronomen): ach welch ein richer vunt also wirt den der segen, du grozer got der eren, ouch heize ich uch gliche d) in konzessiver funktion behält (s)welch durchweg den charakter einer unbestimmten (nicht wie in c determinativen) aussage (die die geltung des hauptsatzes als durch sie nicht beschränkt hinstellt): so huat so ik thes gideda thes uuithar godas uuillion uuari ... so an dag so an nahta se an huilikaru tidi so it uuari, so gangu ik (beichtspiegel) 17, 20; der dar erist ingisteig after giruornissi thes uuazzeres, heil uuas von so uuelichero suhti (quocumque languore) uuas bihabet Tatian 88, 1; sowilchis kunnis du (Rother) aber bist, swelhez ich nu lâzeund daz ander begân, [Bd. 28, Sp. 1359] (du sollst) der erst in d' platten greiffen, wars nicht Don Manuel, den der seher nannte? ... zur verstärkung der allgemeinen und konzessiven bedeutung wird auch, immer u. a. eingeschoben: welche auch diesz rehchen von ihrem bruder empfängt, immer wird es die andre schmerzen w. (1811) 1, 12; bei dem lebhaften wunsch, seine genesung, durch welche mittel sie auch möglich sei, zu befördern 23, 33 W.; der soll nicht unterdrückt werden, in welcher gestalt er auch erscheine dies buch gehört d. könig (1843) 1, 97; welches immer der ursprung dieser particularistischen zusammengehörigkeit in Deutschland ist ged. u. erinnerungen (1911) 1, 321. 3) spärlicher greifbar ist ein bedeutungsstrang, der qualiscumque wiedergibt und sich an die urbedeutung von welch als 'wie beschaffen' (s. DWB A 1) anschlieszt. er hat einen vorläufer im got., als wörtliche übersetzung von ὁποῖος: aþþan af þaim þugkjandam wisan a, ileikai simle wesun, ni waiht mis wulþrais ist Gal. 2, 6. vom ahd. an bis in die gegenwart wird diese bedeutung von (s)welch gelegentlich deutlich spürbar: pi so uuelicha so racha in einikemu so uuelichemu so ... (lücke) zaichanungu kaauge (ante omnia ne murmurationis malum pro qualicumque causa in aliquo qualicumque verbo aut significatione appareat Bened.-regel 34 bei sprachdenkm. 239, 31; die habent sich gewarnôt, welch tapfres haupt auch dieser helm bedeckt (hat), und niemand kann die dürre schale lieben, D. als bestimmtes relativum. 1) herkunft und entstehung (vgl. dazu zs. f. dt. altertum 75, 173 ff.). die relative anwendung von got. ileiks in substant. u. attributiver funktion (2. Tim. 3, 11) beruht auf wörtlicher nachbildung des griech. οἷος und steht mit dem heutigen gebrauch von welch als bestimmtem relativ in keinem zusammenhang. dieser konnte sich sekundär aus einer umbildung sowohl des allgemeinen relativen (s)welch ( d. dt. relativpronomen 55, dt. wb. [1921] 639, in zs. f. dt. wortf. 14, 112 ff.; 'zum teil' 2, 1237.) als des fragepronomens ( zs. f. dt. wortf. 13, 157 ff., dt. syntax 1, 374 ff.) entwickeln. als fester gebrauch findet sich relatives welch zuerst im mnl. des 13. und 14. jhs., s. 9, 2, 2115, [Bd. 28, Sp. 1360] und breitet sich von hier ins hd. und nd. aus (s. unten). das neue relativum erscheint damit in zeiten und gebieten, wo die kontrahierte s-form swelch des alten allgemeinen relativums nicht entwickelt (im mnl., s. mnl. gr. § 222), oder, wenigstens im allgemeinen gebrauch, bereits untergegangen war (vgl. sp. 1345). formal fallen damit fragendes und relatives welch (und mnl. welc) zusammen. im laufe der sprachlichen entwicklung nähern sich beide pronomina dem wesen des bestimmten relativums, und zwar da, wo welch sich aussagend auf eine bestimmt umgrenzte grösze bezieht: in der aussondernden frage als summarische umschreibung (A 2 c) eines dem berichtenden bekannten verhalts, auch in echter frage bei rückbezug (A 2 b α, αα), vor allem in der determinativen anwendung des allgemeinen relativums (C 2 c), namentlich bei wiedergabe von qui und nachstellung des welch-satzes; s. dort die belege aus Daniel (sp. 1358), wo bei den welch-sätzen formalsyntaktisch bereits der zusammenfall mit dem bestimmten relativ gegeben ist. entsprechende belege für einen gleichen übergang vom fragepronomen zum bestimmten relativ sind bis jetzt nicht erbracht, doch ist ein ähnlicher vorgang auch hier immerhin denkbar. die möglichkeit für welch, als bestimmtes relativ zu fungieren, beruht in seiner, bei beiden verwendungen, sowohl der fragenden wie der allgemein-relativen entwickelten fähigkeit, eine satzaussage determinativ auf eine festumrissene, individuelle grösze (als nominalen oder verbalen satzteil) zurückzubeziehen. erst auf grund dieser bedeutungsmäszigen und formalen entwicklung, die wortgeographisch nicht beschränkt ist [s. die belege oben unter C 2 c (ende)], hat dann das lateinische vorbild hauptsächlich der relativen satzverbindung (s. zs. f. dt. wortf. 13, 165; vgl. bei D 2) mit seiner formgleichheit zwischen fragendem und relativem qui befruchtend auf die ausbildung eines festen allgemeinen gebrauchs gewirkt; dies geschah zuerst in einem bestimmten sprachraum, eben im mnl. des 13. und 14. jhs., s. oben. die ausbreitung auf deutsches sprachgebiet vollzieht sich vor allem im bereich der rechts- und kanzleisprache in adjektivischer wie in substantivischer anwendung. vgl. für beides frühe belege des mnl.: dat (wi) hebben vercoeht (verkauft) al onse mersch ..., de welke ane beeden ziden van der leien leght (Vosselare v. j. 1274) bei altdt. originalurk. 1, 231, 26; dat die van den gotshuse die selve thiende ... ghecocht hadden ende vercreghen. welke thiende min her Woutre houdende was the leene (Brüssel v. j. 1277) ebda 307, 12. wenig später erscheint welch im benachbarten gebiet von Köln, und zwar nicht nur in urkunden (s. u. 2 a), sondern auch auszerhalb der kanzleisprache im kreise (s. u. 2 a α und 2 b α). seit dem 15. jh. läszt sich der gebrauch auf dem gebiete der Hanse nachweisen, sowohl nd. (s. u. schreiben der livländischen städte an Lübeck v. j. 1402) wie md. (s. u. vertrag v. Riga und Dorpat v. j. 1431). von der zweiten hälfte des 15. jhs. an wird welch auch obd. rasch allgemein. für die urkundensprache vgl. unten den beleg aus Basel v. j. 1475, für den gebrauch in der literatur Arigo, Niclas v. Wyle, Hans Folz, Hans Sachs, auch A. v. Harff. für das mnd. vgl. 5, 664. in dieser allgemeinen ausbreitung über den deutschen sprachraum wirken also mehrere faktoren zusammen: in erster linie der gebrauch der rechts- und kanzleisprache, in der sich zudem eine (auch sonst greifbare) wortgeograph. bewegung vom Niederrhein ins nd. und hd. kundgibt, und auszerdem, von der 2. hälfte des 15. jhs. ab, der einflusz des humanismus, der die kenntnis neuer syntakt. formen vermittelt (s. 2 a u. b β). aus allem erklärt sich dann auch das fehlen des best. relativs welch in den meisten maa., s. darüber in zs. f. dt. maa. (1917) 64. 2) gebrauch. a) in attributivem gebrauch stellt welch eine neue art des bestimmten relativs dar, die nur von welch gebildet werden kann (da der hier als artikel erschiene) und der latein. relativen satzverknüpfung nach dem typus 'Roma quae urbs' entspricht (vgl. zs. f. dt. wortf. 13, 158 f.). [Bd. 28, Sp. 1361] α) das beigefügte substantiv wiederholt das durch welch bezogene wort. vgl. im mnl. mit der entsprechenden lat. fassung (quae forefacta et excessus): omme alreande twiste ende broke ... welke twiste ende broken ... vereffent es (v. j. 1292) oorkb. v. Holland en Zeeland 2, 368; dorum ist der sun ... ein bild des vaters, in welhem bild swebet wesen aller creaturen bei meister Eckart und seine jünger 94, 1; dar ouch ander steide ... ir vruint geschickt hatten, wilche steide alle ... eine antworde gaven (Kölner ratsmemoriale v. j. 1401) städtechron. 12, 333, 3. auf nd. boden der Hanse: dat gescheen is ... umme noetsake willen, mank welken noetsaken ... vele puncte zynt (schreiben d. livl. städte an Lübeck v. j. 1402) Hanserecesse (v. j. 1256—1430) 5, 46; dazu: wante dat cruce Cristi is willighe annemynge des arbeides, der pijne, der lasterynge, overmydz (vermittelst) welken cruce de mensche der werlt ghecrucighet is 388, 29 J. auf hochdeutschem boden: es haben ... die ... stettbotten ... geredt uff maynung, wie sy ... gesessen syen. ... welche meynung sy dann ... eroffnet (v. j. 1473) Frankf. reichskorr. 2, 296 Janssen; daz ich geschworn hab ... der zunfft ordenung ze halten, welich ordenung under anderem inhalt, daz (v. j. 1475) urkb. d. st. Basel 8, 378. im 16. jh. ist dieser gebrauch allgemein gängig: mein geltlich ich verzehret han ... β) das beigefügte substantiv nimmt indirekt oder summarisch begriffe oder inhalt eines vorausgehenden satzes auf: de sal si (die bruderschaft) winnen umb zwa m. ... paimentz ..., mit wilchme gelde men die gemeine gedeme behueden ind bewaren sal (v. j. 1352) Kölner zunfturk. 2, 485, 30; dede he uns darumb schriven, wilchs briefs copie hernageschreven steit (Kölner ratsmemoriale v. j. 1406) städtechron. 12, 345, 24; das die selbe summe geldes czu der armen behuf ... mochte gefordert und gemanet werden. uff welche vorberurte sache ... wir also haben obireyntragen und beslossen (vertrag v. Riga u. Dorpat v. j. 1431) hanserecesse (v. j. 1431—76) 1, 25; du findest aber etlich alt liebhabend mane, aber lieb gehabten kainen. welche wort ich wol verstentlicher hett mugen setzen transl. 8, 2 K.; wie er nun von natur ain mild und fründsam man was, weliche ard in ouch hinläszig und aller dingen wagsam (unentschlossen) machet dt. hist. schr. 2, 85 G.; einem was dis genomen, dem andern das geschehen, wöliche klag alle an den ... haubtman ... wuchsen Ludwig v. Eyb Wilwolt [Bd. 28, Sp. 1362] v. Schaumburg 184 Keller; die freiherren von Zimbern seyen von herzogen abkomen und haben ain lange zeit solchen stand gefüert, welche sag von unverdechtlichen jaren herkomen Zimmersche chron. 2 1, 25, 4 B.; solichs wirt alleine verlyhen, denen es von ewigkeit von got berait ist. welcher gotgefelliger ordnung von wenigen ... nach gedacht wirt s. schr. 1, 27 ndr.; als da sind grosze winde ... cometen, nächtliche stralen ... von welchen dingen die astronomi ... geschrieben lauter warheit (1598) A 3a; Springinsfeld ... gibt einen wirth ab, welches handwerch er misbraucht 2, 8 Keller; darinnen einige wölffe entsetzlich heuleten, welche unangenehme music etliche eulen ... vermehreten d. asiat. Banise (1689) 16. diese form der indirekten aufnahme bleibt auch in neuer sprache (gegenüber α) häufiger: die übrigen vermehrungen bestehen in dem 'sieg des liebesgottes', welches scherzhafte heldengedichte man auch bereits kennet s. schr. 7, 6 M.; der graf ... äuszerte gegen Melina, dasz man streng auf fächer halten müsse, welchen ausspruch dieser in der gröszten devotion aufnahm 21, 239 W.; unternahm Winckelmann ... die fertigung eines katalogs, von welchem geschäft ... die überbliebene correspondenz ... zeugnis ablegt ebda 46, 50 W.; befahl Scipio die eroberten straszen anzuzünden ..., bei welcher veranlassung eine menge ... personen elend umkamen röm. gesch. 6 2, 36; ein holztürmchen ... liesz vermuten, dasz ... noch etwas anderes verborgen sein müsse, welche vermutung denn auch ... ihre bestätigung fand ges. w. I 5, 117. b) substantivisch auf einen einzelbegriff (nomen oder pronomen) des vorhergehenden (übergeordneten) satzes bezogen. welch tritt hier neben das alte relativum der; das wechselnde verhältnis zu diesem in der anwendung liegt nicht im unterschied der bedeutung, sondern im stilgefühl der jeweiligen zeit. perioden stärkerer einwirkung fremden, vor allem antiken sprachgeistes und neigung zu ausladender redeweise bevorzugen welch vor der, ebenso veranlassen tongewicht und rhythmus oft seine setzung. die sprache der gegenwart hat welch zugunsten des knappen der als 'papieren' zurückgedrängt; nach gemäszigten forderungen soll welch dort gelten, wo es gegenüber der eine eindeutigere auffassung ergibt und klanghäszliche häufungen vermeidet. zur frage s. dt. syntax 3, 721 ff. und die dort angegebene literatur. α) welch steht allgemein in syntaktisch notwendigen oder inhaltlich ergänzenden relativsätzen: ute enen gheliken deerdendeel der voerscreve ghemejnten, welc wij vercreghen hebben om enen jaerleken tsijns (v. j. 1359) cartulaire de l'abbaye de St. Trond 1, 559; nu ist di minne ein form aller tugent, snder welch kein tugent tugent ist bei meister Eckart u. s. jünger 92, 10; dat hebn se van der leve, sunder welke se nyne doghede en synt 224, 17 J.; dar umb ... alle, an welchen dise zaichen erschinen, ... ausz diser welt geschiden waren decamerone 3, 31 K.; wer ist doch die, welch allso frü auff steyget das ist Christus unser heyland, geleych den heydnischen tyrannen, [Bd. 28, Sp. 1363] künst, welche ich euch ... widerrhat und verbiete Grobianus 9 ndr.; wie Pegasus, welchs war ein pferd dasz cräntzlein dir gebüret, spreche: du mein fels und stein, so ward hier kein wort gefunden, sie sind, sagst du, wie des weingotts heilige priester, dort steht die königin bezug auf demonstratives (auch persönliches) pronomen ist ebenso schon früh geläufig, z. b.: dergleichen halte ich auch von allen denen, von welchen die schrift saget tischreden 1, 390, 8 W.; warumb sie dis doch thut begeren, wolauf und singe schön wir ihn berühren, welchen gott geschlagen! hab ich getan dasjenig, [Bd. 28, Sp. 1364] (1766) 2, 48; er sprach vieles mit mir, welches ich aber nicht verstand s. w. 10, 18 Gr.; auch: das, welches am wenigsten erst durch das folgende aufgeklärt wird w. 1, 10 Gr. β) im inhaltlich selbständigen, fortführenden satz, ein gebrauch, der im besonderen auf enger anlehnung an die lat. (griech.) syntax beruht und wesentlich dem 16. und 17. jh. angehört, häufig bei Luther: nachdem er (Christus) den aposteln ... befelh getan hatte, welchen er sich ... lebendig erzeiget hatte ... und lies sich sehen ... und redet mit inen apostelgesch. 1, 3; Plato disputiret von gott, dasz gott nichts sei und sei doch alles. welchem Eck und die sophisten gefolget und doch nichts davon verstanden haben tischreden 1, 108 W.; da wolt sie auch nit lenger leben noch greifbarer ist die nachahmung der lat. satzverknüpfung bei isolierter stellung des welch vor einem nebensatz; dabei kann das von welch dargestellte satzglied durch ein pronomen an der ursprünglichen satzstelle aufgenommen werden: in disem jamer fielen die Nortmanni in Aquitaniam, verhergten alles, welche als in niemant weret, fielen sie in Galliam Germaniae chron. (1538) 88b; das ihm nit der ... bilgerstab hett herfür geguckt. welchen als der Grandgoschier ersah, sprach er zum Gargantua Gargantua 377 ndr.; Fischart liebt diese konstruktion, vgl. noch: begert (der adler) demnach von ir den lon, doch statt dessen will ich ... γ) in moderner amts- und schriftdeutscher umgangssprache hat sich die verbindung welch letzterer (ersterer) ausgebreitet, vgl. dazu recht u. sprache 295; sie dient zur genaueren bestimmung eines näheren (oder ferneren) bezugs und hat einen frühen vergleichbaren vorläufer: juwe twe breve hebben wii ... entfangen ... in welkeme juweme ersten gii schriwen (Danzig v. j. 1431) Hanserecesse (1431—76) 1, 11. in der sprache beschreibender und wissenschaftlicher literatur begegnet die verbindung seltener: sein aufenthalt ist in wäldern und gärten, in welchen letztern er am liebsten ist forst-, fisch- u. jagdlex. (1772) 3, 498; der katholische teil ... hatte sich von den schlüssen der trientischen kirchenversammlung sowie von Egmonts gesandtschaft nach Spanien grosze erwartungen gemacht, welche letztere ... gerechtfertigt zu sein schienen s. schr. 7, 167 Gödeke; zwischen dem ... westlichen und dem ... östlichen busen des Mittelmeers, an welchen letzteren hinantretend er (der Apennin) seine höchste ... erhebung erreicht röm. gesch. 4 1, 4. [Bd. 28, Sp. 1365] c) bei bezug auf den inhalt eines ganzen satzes steht welch im gebrauch neben relativem was; in moderner sprache (etwa seit dem späteren 19. jh.) tritt es gänzlich hinter diesem zurück (vgl. dazu dt. syntax 3, 724). welch wird als relativer satzanschlusz im älteren nhd. sowohl bei ergänzenden, anmerkenden sätzen als auch bei inhaltlich selbständig-fortführenden gebraucht; vgl. beides auch im mnl. und mnd.: daer men uut lesen mach ... welck sie selver of een ander doen sal bei 9, 2, 2114; Johan Vege, de vormails pater hadde gewest to Rostick unde ock hyr tor fraterhues, welck he dorch krancheit nicht en mochte vulvoiren (nach 1504) bei Jostes J. Veghe xxiii; und richtet auff ein schul gemein, dann die auff tugent geben sich, in neuerer zeit beschränkt sich der gebrauch im wesentlichen auf sätze ergänzenden oder anmerkenden inhalts: ja, welches beynahe unglaublich ist, so gar in der deutschen sprache gab man uns anleitung s. schr. (1777) 2, 6; ich erstaune zwar, ihn, welches ich mir nimmermehr eingebildet hätte, in dem hause ihres (anrede) ... schwiegervaters zu finden s. schr. 2, 80 M.; vor allem kennt Göthe dieses welch (für was): habe ich die erlaubnis, in Schneeberg an zu fahren, welches mich sehr freuet IV 8, 1 W.; Xenophon habe eben so schlechte prosa geschrieben als ich, welches mir denn zu einigem troste dienen sollte ebda 29, 91 W.; der ... ring ... lud sie ein zu klopfen, welches Felix muthwillig etwas unsanft verrichtete I 24, 174 W. im 19. jh. begegnet es sonst nur mehr bei seinen frühen vertretern: (Novalis) trug sein ... haar in herabfallenden locken, welches damals weniger auffiel, als es jetzt geschehen würde Tieck bei schr. 1, xx Minor; durchstrich alle morgen, wenn er es etwa nicht verschlief, welches gar oft geschah, ... felder und wälder 2, 104 Dietze; denn die ... herrscher fürchteten sich, vergeblich menschenblut zu vergieszen, welches die gröszte sünde ist schr. f. u. an s. lb. Deutschen (1845) 1, 241; dasz diese wahrheit heut zu tage paradox klingt, welches in den ersten dreiszig jahren ... keineswegs der fall gewesen wäre w. 1, 23 Gr. d) das 17. (und 18.) jh. kennt eine verbindung des relativen satzanschlusses mit als, meist zur kennzeichnung eines kausalen nebensinnes (als welch etwa für 'da dies', vgl. auch nhd. gr. 3 2, 835); welch steht hierbei sowohl adjekt. wie substant. und bezieht sich auf einen einzelbegriff oder ganzen satz: diese erschiene von angesicht und geberden viel schöner und adelicher als von kleidungen, als mit welchen gaben sich die natur viel freygebiger erzeigt hatte 2, 336 Keller; ich ... den medicis ernsthaffter in den haaren seyn wolte als zuvor jemalen, als welche, wan der arme patient gestorben ist, tausenterley ursachen des tods erdencken können gesichte (1650) 1, 647; [Bd. 28, Sp. 1366] was aber denkt indessen ja wollt ich lieber doch ein weib ... 1) dem wortsinn des aussondernden welch (s. d. A 2) und lei entsprechend eine beschaffenheit erfragend oder bezeichnend, [Bd. 28, Sp. 1367] 'welcher art'; als adverbielle konjunktion: wöllicherley waren die mann erste dt. bibel 4, 370 (var. zu wiegetan); qualis Christus welcherley Christus sey 28, 480 W.; welcherlei nun der irdische ist, also sind auch die irdischen, und welcherlei der himelische ist, solcherlei sindt auch die himelische form zu predigen (1557) 192b; ær ists dær am besten kan wissen, daz niemant vle sprich, in welcherlei figuren in der verbindung mit art und weise kann die bedeutung von -lei ganz verblassen und welcherlei sinngleich mit aussonderndem welch (s. d. A 2) werden: quomodo in welcherley wise (md. glossare d. 15. jh.) gloss. 481b; welcherley art der erst reym ist, also seindt auch alle andere bisz zum wechsel der person klag d. armen manns (1540) vorr. A 2b. 2) mehr auf die verschiedenartigkeit oder mannigfaltigkeit eines vorkommens bezogen: mit so welcherleige gezouwe (quocumque instrumento) her dar inne vischen wil ... hawe vri gewalt (Kulm nach 1251) orig.-urk. 1, 38, 14; versweig nicht, welcherlei sachen dir sei von uns so twenglicher gewalt begegent ackermann a. Böhmen 2, 20 Hübner; welcherlay ('was alles') man von dem vihe und von den vögeln opfern ... solt erste dt. bibel 3, 470; ob sie auch in bischofflicher, konyglicher ... odder wilcherley wirden, es sey geystlich odder weltlich, furtrefflich weren 8, 697 W.; klippe, die nimmer die wogen verlassen, [Bd. 28, Sp. 1368]
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