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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
weizzagel bis welch (Bd. 28, Sp. 1341 bis 1342)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) weizzagel, m., schlesische bezeichnung dessen, dem der letzte schnitt beim mähen zufällt, vgl. DWB weizenwolf: man nennt ihn (dem der letzte schnitt zufällt) je nach der getreideart kornzâl ... wäszzoal, garschtazoal, hoaberzoal Drechsler sitte, brauch u. volksgl. in Schlesien 2, 64.

[Bd. 28, Sp. 1342]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) weke, m., s. DWB weck teil 13, 2784.
 
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wel, pron., s. DWB welch, pron.
 
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welbbogen, m., s.wölbbogen.
 
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welbelen, vb., 'wälzen', nur alem. bezeugt: wer würt uns dannen welbelen den steyn von der thür des grabs? Geiler v. Keisersberg postill (1522) 3, 4b; dazu mundartl. wälpələ 'aufrollen, z. b. die hosenstösze' Vetsch laute d. Appenzell. maa. 143; wälmlen, walmlə, refl. 'sich wälzen' Martin-Lienhart elsäss. 2, 822b (zum lautlichen vgl. DWB schwalme 'schwalbe' ebda 2, 524); vgl. auch walbeln, vb., 'schwanken' von hochgeladenen wagen, betrunkenen Hunziker Aargauer wb. 285. welbelen ist intensivbildung zu welben, vb., 'wälzen', das literarisch vereinzelt mhd. belegt ist:

si jan: 'wer sol us welben (: selben 'salben')
den groszen stain von dem grab?' der salden hort 9595 (alem. um 1300);

dazu in schweizerdt. ma. als welben, welpen 'das unterste ob sich kehren oder wälzen', z. b. einen topf, überwelpen, 'überwälzen', fürwelben 'vorschützen' Stalder schweiz. id. 2, 444; di gepsa welpa 'milchgeschirr umwenden, purzelbaum machen' Bühler Davos 2, 56, auch walpən 'schwerfällig gehen' Hotzenköcherle ma. v. Mutten 67. vielleicht hierher auch ein vereinzeltes ordiri weben, welben (15. jh., md.) Diefenbach gloss. 399c, mit einer bedeutung 'drehen, winden, knüpfen'? — welben wohl mit spätmhd. übergang von w in b nach l (und r) aus *walwjan in got. afwalwjan 'ἀποκυλίειν', ags. wielwan 'volvere' zur basis elu- in lat. volvere, gr. εἰλύω, εἰλύσσομαι (Hesych), s. got. uswalugjan περιφέρειν (Specht zs. f. vgl. sprachforschung 59, 221, 2) von der wurzel el- 'drehen, wälzen' (Walde-Pokorny 1, 298 ff., bes. 302), die im germ. in ahd. wellan, walon (teil 13, 1216), wallon (ebda 1287) volutare, ags. weallian vorliegt. die an sich mögliche annahme einer labialerweiterung von el- wird dadurch unwahrscheinlich, dasz eine solche sonst nicht belegt ist. vgl. auch Julie Berrer verbale bildungsmittel zur intensivierung im alemann. (1934) 27 f.
 
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welben, vb., s. DWB wölben.
 
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welben, vb., 'wälzen', s. DWB welbelen.
 
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welbstein, m., s. wölbstein.
 
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welbung, f., s. DWB wölbung.
 
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welch, adj., s. DWB welk.
 
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welch, pron. herkunft.
gemeingerm. wort; urspr. bahuvrihikompositum aus dem stamm des fragepronomens germ. *hwa-, *hwe- (got. as, ahd. hwer u. s. w., idg. quo-, que- Walde-Pokorny 1, 519 ff.) oder dessen verschiedenen instrumental- oder adverbialbildungen und dem subst. *līka- 'körper, leib'. grundbedeutung ist also 'welchen körper habend, wie beschaffen'.
die hd.-nl. gruppe: ahd. (h)welich, mhd. welich, welch, nhd. welch, mnl. welc, welic Verwijs-Verdam 9, 2, 2110 ist auf grund des mehrmals bezeugten ahd. (h)walich (s. u.), vgl. auch mnl. walc Verwijs-Verdam 9, 1, 1628 und 9, 2, 2110, und der obd. rundung zu wölch mit geschlossenem ö (s. u. und PBB 11, 496 u. 509) als formen mit umlauts-e auf die got. nicht belegte stufe *hwă- in *hwàlīk- zurückzuführen, vgl. Wilmanns dt. gramm. 13, § 197 u. 22, § 427, J. Franck mnl. gr. § 69. umlauts-e wird wohl auch afries. hwelik, hwelek, hwek, hok, hulk, huk Richthofen 835 enthalten, vgl. v. Helten aofries. gr. § 26 anm. 5. zweideutig ist ags. hwelc; für umlauts-e könnte die schreibung hwælc Sievers ags. gr. § 342 anm. 2 sprechen (daher setzt Bülbring aengl. elementarb. § 496 als grundform *hwalīk an), das allerdings jüngere (Sievers a. a. o. anm. 3) hwilc, hwylc spricht dagegen für altes ë (swilc entsprechend got. swaleiks beruht auf analogie nach hwilc, s. Luick hist. gr. der engl. spr. § 285 anm. 1). — die anderen germ. verwandten mit e und i im stamm werden zu der von got. hwileiks ποῖος, ποταπός, οἷος dargestellten ablautsstufe hwě- gezogen (vgl. Fick 34, 114): as. hwilik, auch wilik Wadstein 64, 1, daneben mit e in giuuelik Wadstein 9, 2; mnd. wilk im 13. und 14. jh. (s. Lasch mnd. gr.

[Bd. 28, Sp. 1343]


§ 106, 2), sonst welk, welik, welek Schiller-Lübben 5, 664, mit labialisierung wolk und wol Lasch a. a. o. § 177, zu welich s. ebda § 337; mundartlichen u-formen: wülk und wük Mensing schlesw.-holst. 5, 586 entspricht mnl. wulc, wulken Verwijs-Verdam 9, 2, 2110 u. 2117, vgl. oben afries. hulk, huk. ebenso wird ahd. mhd. wil(i)ch (s. u.) und altniederfränk. wilik auf hwĕ- (über *hwëlik > hwilik) zurückgehen, vgl. J. Franck altfränk. gr. § 179, 4. in mnl. wilc Verwijs-Verdam 9, 2, 2110 kommt auch herkunft aus *hwalik in betracht, s. J. Franck mnl. gr. § 69, vgl. Franck-v. Wijk 785. an. hvelíkr Fritzner 2, 127 kann keinesfalls umlauts-e haben. auf dem dat. sing. neutr. (urspr. instrum.) hwī- beruht das häufigere an. hvílíkr Fritzner 2, 139, aschwed. hvīlīkin, hvilkin, neuschwed. vilken Hellquist 1123, dän. hvilken Falk-Torp 440.
im ahd. erscheint auszerdem der instrumentalis got. hwê in uuealihnissim Bened.-reg. 55 bei Steinmeyer 260, 1 und huuialihhii (ebda 2) 201, 20, s. J. Franck in zs. f. dt. altert. 40, 20, den man auch in dem got. einmal bezeugten hweleiks ποταπός Lukas 1, 29 sehen kann, wie ahd. wuolich Tatian 53, 14, ags. húlic Sievers § 342, an. hulkr Fritzner 2, 90, älterschwed. húl(i)kin auf den mit hwē ablautenden instrum. ahd. hwuo, ags. hú, an. hú (< *hwō) zurückgeht, s. Hellquist 1123. — von ahd. hweo (got. hwaiwa) gebildet ist ahd. hweolich (Ra) ahd. gl. 1, 149, 18, wiolîh Tatian 138, 7, von *hwēlīk nicht scheidbar ist ahd. wielîch, z. b. muspilli 66, mhd. wielich Elisabeth 4468; 4473 Rieger. form.
1) vokalismus und anlaut.
unumgelautetes (h)walih findet sich in den ältesten denkmälern, als huualih Ker. gl. ahd. gl. 1, 269, 11, als uualih ebda 1, 234, 37; Bened.-regel ebda 2, 52, 40; in Ja ebda 1, 354, 4; Pa 1, 148, 18. sonst mit e im stamm; anlautendes h: huuelih noch in frühen zeugnissen, z. b. Ker. gl. ahd. gl. 1, 212, 21; Isidor 3, 4; Bened.-regel 43 bei Steinmeyer sprachdenkm. 250. z. t. in gleichen denkmälern bereits als uuelih, z. b. Ker. gl. ahd. gl. 1, 149, 18; Bened.-regel 59 Steinmeyer 267; Hildebrandslied 11 Steinmeyer 2 und in allen späteren.
der volle vokal der nebensilbe erscheint z. t. bis ins 17. jh., z. b. welich Wiener genesis 5919 Dollm., Walther v. d. Vogelweide 44, 9 var. E, Tauler 10, 2 V., Arigo 2, 21 K., Hans Sachs 1, 20 K., Spreng Äneis (1610) 2a, tirol. weist. 1, 22 (Kufstein i. 17. jh.). diphthongierung zu weleich vereinzelt fürs 15. jh. bei Diefenbach gloss. 388c und 477a. abschwächung zu e begegnet seit dem späteren ahd., z. b. uuelehen Notker bei Graff 4, 1211, swelehen Wiener genesis 289 Dollm., wellech (Ulm v. j. 1313) bei Fischer schwäb. 6, 664. neben silbenvokal vereinzelt in maa., z. b. wellech lux. ma. (1906) 483, wellicher Müller-Fraureuth obersächs. 2, 653.
die synkopierte form welch ist seit dem frühmhd. bezeugt, zunächst natürlich in den flektierten formen: welhe hochzeit 917 bei Waag2 117, welch kaiserchr. 4904 Schr., welchen Hartmann v. Aue Iwein 4179, welch ackermann a. Böhmen 9, 14 H., (Köln v. j. 1499) städtechron. 13, 437, 31, Hans Sachs w. 1, 219 K. u. spätere. in den mundarten z. b. Follmann dt.-lothr. 536, Hönig Köln. 200b, Vilmar Kurhessen 332, Müller-Fraureuth obersächs. 2, 653. ihm entspricht nd. mundartl. welk, s. die betr. wbb.rundung zu ö tritt literarisch vom 15.—17. jh. auf, wesentlich obd.: wöllicher 1. dt. bibel 1, 19, 48 (note), wöliche Luther 1, 694 W., wöllich Eberlin v. Günzburg s. schr. 2, 5 ndr., Bock kräutterbuch (1539) 1, 13, tir. weist. 4, 110, 40 (Südtirol v. j. 1591); wölch Luther 10, 2, 430 W., Albrecht v. Eyb dramen 27, 6 H., Judas Nazarei v. alten u. neuen gott 38 ndr., Wickram w. 1, 39 B., österr. weist. 4, 268, 37 (2. hälfte d. 17. jh.). mundartl. als wöll Lexer kärnt. 255, Schatz Imst § 146.
die i-form wil(i)ch, wil begegnet zu frühst ohne ausgesprochen landschaftliche begrenzung, so in den Tegernseer Vergilglossen uuiliha ahd. gl. 2, 665, 54, uuilihiu ebda 633, 33, wilch Vorauer bücher Mosis bei Diemer 62, 29, wiliche Straszburger Alexander 4329 K., Rother 2199 Fr.-K., wil

[Bd. 28, Sp. 1344]


(13. jh.) bei Leyser pred. 8, 38. insbesondere auf mrhein.-md. boden: wilch Athis A 148 in v. Kraus mhd. übungsbuch (Köln v. j. 1264) bei Wilhelm originalurk. 1, 127, 1 u. oft, ebenso gängig in Kölner chroniken, z. b. G. Hagen (1280) städtechron. 12, 58, (v. j. 1401) ebda 333, so dasz wilch im spätmittelalter als typische form des Kölner sprachraumes erscheint, vgl. auch wylch A. v. Harff pilgerfahrt 1 G. daneben ostmd.: wilch Dietrich v. Gotha 162 Türk, bes. dann im 16. jh.: Luther 18, 26 W. u. oft, Er. Alberus wider J. Witzeln (1539) H 1b, (Arnstadt v. j. 1543) rechtsdenkm. a. Thür. 93 Michelsen. mundartl. im gleichen raum: wilch Hönig Köln. 202a, bilγer Hertel Thür. 256. — eine sekundäre entwicklung des stammvokals zu o begegnet im md.: wolch (15. jh.) bei Diefenbach gloss. 388c u. 475a und nd.: wollich Sastrow herkommen 1, 69 Mohnicke.
2) konsonantismus der nebensilbe.
das ch (< k) der ableitungssilbe erscheint vom frühen ahd. an bis ins frühmhd. in flekt. formen vielfach als h (statt hh u. ch), worin im ganzen zu mindest für die spätere zeit der hauchlaut h gesehen werden darf (vgl. Wilmanns 13 § 316, 2, Paul dt. gr. 1, 310, Braune ahd. gr. § 145), vgl. z. b. huueliher Bened. regel 43 bei Steinmeyer sprachdenkm. 251, suelihiu (Prud.) ahd. gl. 2, 517, 50, welihe Wiener genesis 1938 Dollm. u. ö., swelehe himml. Jerusalem 65 bei Waag2 57.
auf alem. boden schwindet seit dem spätahd. h daneben völlig: uueler Notker ps. 67, 12 u. ö., uuelemo (G c 10) ahd. gl. 2, 239, 7; vgl. dazu als unkontrahierte übergangsformen bei Notker souuelee (plur.) ps. 77, 66, uuelea (acc. sing.) 1, 348, 6 P., s. PBB 2, 135. diese kurzform wel erscheint literarisch bis ins 16. jh., besonders im alemannischen, z. b. an welen buochen bei Walther v. d. Vogelweide 34, 2, weln (acc. sing.) Boner 81, 67 Pf., wel Tauler 172, 17 V., well Brant narrensch. 10, 33 Z., von welem Murner badenfahrt (1517) M 4b, weler Zwingli v. freiheit d. speisen 12 ndr.; wel hat aber nach ausweis der maa. eine weitere verbreitung, vgl. als literar. spuren sweler (Umstadt, Rheinfranken v. j. 1282) bei Wilhelm originalurk. 1, 455, 9, wellen (Südtirol v. j. 1473) tir. weist. 4, 173, 36. so wel und well auszer bei Stalder schweiz. id. 1, 45, Fischer schwäb. 6, 664, Martin-Lienhart elsäss. 2, 801 auch im bair.-öst., s. Schmeller-Fr. 2, 895, Bacher Lusern 190, Schmeller cimbr. 172 (bel); im md. s. Follmann dt.-lothr. 536, Crecelius oberhess. 903, Müller-Fraureuth obersächs. 2, 653 u. a.; im nd. bei Stürenburg ostfries. 328a, vgl. auch Lasch mnd. gr. § 410, 2.
ausfall des l zu wech erscheint auf md. boden: fürs 15. jh. bei Diefenbach gloss. 477a u. 481a, dazu mundartl. ostmd., z. b. wecher Göpfert sächs. erzgeb. 78, Blumer Norwestböhmen 92, bêcha Schröer ungr. bergland 261, auch der weche Schmeller-Fr. 2, 895. ihm entspricht mnd. wek Schiller-Lübben 5, 664, ebenso mundartl. allgemein nd., s. d. betr. wbb., vgl. auch mnd. wik bei Schiller-Lübben a. a. o., neund. bei Mensing schlesw.-holst. 5, 586.
3) die form swelch.
aus der verbindung sô hwelîh sô des ahd. entwickelt sich durch abfall des zweitenund kontraktion die mhd. form swelch für das allgem. relativpron. (s. DWB C 1), vgl. als übergangsform siuuelihiu (Prud.) ahd. gl. 2, 517, 50. sô welch steht daneben bis ins 14. jh., d. h. bis zum ende der s-form überhaupt (s. u.), z. b. so wilch Rother 2278 Fr.-K., (Köln v. j. 1275) bei Wilhelm originalurk. 1, 267, 45, so welich Tauler 10, 2 V. länger hält sichim mnd., vgl. DWB so welic (ostnd. v. j. 1269) bei Wilhelm a. a. o. 161, 37, so welke J. Veghe 224, 30 J., auch suweliker (15. jh. nd.) Diefenbach gloss. 479a. das zweiteüberlebt in der form swelch sô in spärlichen ausläufern die ahd. periode: swelhir sô welle v. rechte 335 bei Waag2 80, hochzeit 41 ebda 88, swels tages so (alem. v. j. 1265) bei Wilhelm a. a. o. 139, 34. die einsparung des zweitenbeginnt bereits früh, vgl.: so uuelihes luste cuiuslibet (Ker. gl.) ahd. gl. 1, 93, 7; in so uuelihha burg ... ir

[Bd. 28, Sp. 1345]


inganget (in quamcumque civitatem) Tatian 44, 7; bei Notker ist sie bereits die regel, vgl.: souueles tages ih tih anaharee, an demo gehore mih (in quacumque die) 2, 575, 4 P.
swel(i)ch erscheint zunehmend seit dem 9. jh., z. b. im bair., s. ahd. gl. 2, 174, 1, (Prud.) 2, 517, 50, predigtsamml. B 2 bei Steinmeyer sprachdenkm. 170, 53, Wiener genesis 1939 Dollm. u. so fort; ebenso als swel (alem.) ahd. gl. 2, 238, 22, Spervogel in minnesangs frühling 29, 27, (alem. v. j. 1265) bei Wilhelm 1, 139, 34; swilich Rother 2505 Fr.-K.; swilch Athis C* 90 in v. Kraus mhd. übungsbuch. die s-form breitet sich über das gesamte hd. sprachgebiet aus, s. die belege im mhd. wb. 3, 577, ebenso im ostdt., vgl. etwa swelch bei Heinrich Hesler apokal. 14984, Daniel 5644 H. diese sind zugleich einige der spätesten vertreter, vgl. für den westen schwelch (v. j. 1324) urkb. d. st. Eszlingen 1, 256 Diehl. daneben steht bereits die s-lose form welch, z. b.: weli ǒch ... seshaft sint, die súln ... nemen (schweiz. v. j. 1238) Wilhelm originalurk. 1, 20, 31; welch mensche lêzet diu dinc ... der hât sich selber gelâzen meister Eckhart in: dt. mystiker 2, 173 Pf.; wel mensche recht dar in sehe ... er mste sich selber wol verurteilen Tauler 387, 16; s. auch das nebeneinander von swelch und welch im Daniel, sp. 1358. — ins nd. dringt die s-form nur vereinzelt ein: swelich (nd. v. j. 1227) bei Wilhelm a. a. o. 1, 1; swelek (Braunschweig v. j. 1279) ebda 361, 40; swelk Sachsenspiegel 203 E. flexion.
flektierte und unflektierte formen (vor allem im nom. sing.) stehen im gebrauch von anfang an neben einander, sowohl in subst. wie in adjekt. verwendung, vgl. fürs ahd.: uuelih thero uuerco Tatian 134, 6, uuelih (gewand, acc.) Otfrid IV 28, 10 E., huuelih druhtin Isidor 3, 6, und: huueliher Bened.-regel 43 bei Steinmeyer 250, gistriti uuelihaz (acc.) Tatian 199, 8; fürs mhd. vgl.:

welch vallen wære
Hartmann v. Aue Iwein 2599,

und:

swelher sich daz nimet an ebda 1850,

weler mensche Tauler pred. 1, 15 V.
im nhd. erlischt im 16. jh. der gebrauch der unflektierten form beim substant. welch, vgl. als einige der letzten zeugnisse:

(garn) welch das hofgesind thet gester stellen
Hans Sachs 16, 82, 6 K.-G.;

(cornet) welch vier auszgäng und rachen het
Fischart Jesuiterhütlein v. 230 H.

dagegen bleibt die flexionslose form bei attributiver stellung bis zur gegenwart üblich, s. z. b.: welch schalckheit Fischart Eulenspiegel v. 26 H.; welch buch Lessing 1, 252 M.;

welch entsetzen, welche wahl!
Göthe 3, 12 W.;

welch unkraut G. Keller ges. w. 6 (1910) 329. bei hinzutritt eines adj.-attributes bildet sich in der modernen sprache der unflektierte gebrauch immer mehr zur gewohnheitsregel aus, s. bei A 1 b β, flektierte formen sind hier seltener, z. b.: welches neue gefühl Klopstock oden 1, 55 M.-P.; welche grosze augen! Kant schr. (1838) 10, 333; welche artige mährchen Brentano ges. schr. (1852) 5, 17. in der verbindung welch ein (s. DWB A 1 c) gilt von anfang an unflektierter gebrauch.
unter den flektierten formen nimmt der substant. gebrauchte gen. sing. welch(e)s und welcher, sowie der gen. plur. welcher in neuerer sprache an häufigkeit ab und wird durch wessen, dessen, derer ersetzt. welch(e)s verliert sich im wesentlichen im laufe des 17. jhs.: welches tugent ... nit ... probiert, ... der mag wol sagen klugreden (1548) 84a; einen brieff ..., welchs inhalt war ... buch d. liebe (1587) 154;

das meiste, welches auffenthalt
nur in den wellen ist zu finden Königsb. dichterkreis 20 ndr.

in verbindung mit einer präposition begegnet welches noch bis zur gegenwart, doch nur vereinzelt, da es vom sprachempfinden

[Bd. 28, Sp. 1346]


nicht mehr als genitiv, sondern nur noch als nom. oder acc. sing. empfunden wird, vgl.: das kind aber hatte das zeichen im gesicht, ungeachtet welches Werther ... Lottens ... pflegebefohlenen küszte Immermann Münchhausen (1841) 2, 142. — länger bleibt die genitivform welcher als partitiver genitiv pluralis (heute von welchen, von denen): sprachen, welcher wann er vier kan Fischart Gargantua 227 ndr.; hürtengespräche ... welcher ein paar ... eingesetzet worden Neumark fortgepflanzter lustwald (1657) 1, 7; als gen. sing. (heute deren): dasz sie keine einzige schönheit an ihnen haben, welcher erste erfindung sie nicht der natur schuldig seyn J. Breitinger crit. dichtkunst (1740) 1, 270; eine bitte ..., an welcher gewährung sein ganzes glück hing L. Tieck schr. (1828) 21, 39; heute noch üblich nach präpositionen: es entstand eine pause, während welcher Marie ... den tisch arrangierte Fontane ges. w. I 6, 18.
ein gen. sing. welchessi (cuius) Frisius dict. (1556) 11b entspricht schweizerdt. ma., z. b. welšši Bohnenberger Walliser 224, Wipf Visperterminen 143. — im frühnhd. begegnet gelegentlich unorganisches n (aus der schwachen flexion) bei stark flektierten formen: weib ... bey welchern J. Wickram knabenspiegel 82 Fauth u. ö.; welchne fläch (nom. sing.) Tschudi chron. helvet. (1734) 1, 59; vgl. auch: ohne wolchern (mann) Sastrow herkommen 2, 91 Mohnicke. verbindungen.
in syntaktische verbindung tritt welch mit der und dasz.
vorgestelltes der, schriftsprachlich zumeist auf nl. und nd. boden (mnl. twelc, de welc, mnd. de welk, hd. der welche) begegnet vorwiegend beim gebrauch als allgemeines und bestimmtes relativ (s. DWB C und D), vgl. Verwijs-Verdam 9, 2, 2110, J. Franck mnl. gr. § 222, 3, Schiller-Lübben 5, 664, gelegentlich in hd. schriftspr.: vurstliche gnaden ..., de wylche mich ... untfangen A. v. Harff pilgerfahrt 1 G.; menschen ..., die welche ... genugsam gewesen Schupp schr. (1663) 782. daneben auch beim fragepronomen (A), fürs mnl. vgl. J. Franck a. a. o. § 221, hd. in maa. für die aussondernde frage (A 2): der wechte Gusinde Schönwald bei Gleiwitz 127; der wele, der weche Schmeller-Fr. 2, 895; der wöile Schatz Imst § 146; dər wel (niederalem.) zs. f. dt. maa. (1914) 340. — nd. de welk auch fürs indefinitum (B) 'einige' Mensing schlesw.-holst. 5, 587.
nachgestelltes de(r), mnd. vereinzelt in der frage bezeugt: de vormunden scholen darumme loten under sih, welker de dat recht scholde doen (15. jh.) altes lüb. recht 422 H., ist spätmhd. und frühnhd. fürs allgem. relativ (C) vertreten:

swelch der hir nicht fruhte treit,
der wirt geworfen in daz vuer
Heinrich Hesler apokal. 14 984,

(falls nicht enttontes dar vorliegt); wellicher der der herschaft ainer ist (15. jh.) österr. weist. 6, 18, 26;

wellen den got wil legen an,
der wirt da scheinend vor im stan
Murner badenfahrt 23, 17 Martin.

für mnd. welk de s. Schiller-Lübben a. a. o., mnl. welke die Verwijs-Verdam 9, 2, 2115. doppelsetzung die welk die ist mnl., s. J. Franck a. a. o. § 222, 3 d, und mnd., s. Schiller-Lübben a. a. o., vgl. dazu: die welche die die wandeler bewaren soulden, sin die eirsten (Köln 1499) städtechron. 13, 437, 31.
welch das erscheint seit dem späten mhd., vgl. quod welich daz (md. v. j. 1414), welch denn daz (md. 15. jh.) Diefenbach gloss. 481a: weles har ... das ... sich schiede, in das enflússe die edel salbe nút Tauler 339, 31 V. auf mnd. boden entspricht welk dat, s. Schiller-Lübben 5, 664, fürs mnl. Verwijs-Verdam 9, 2, 2115.
die hinzufügung eines demonstrativen pronomens ging vermutlich aus dem bedürfnis hervor, die hinweisende function von (s)welch zu unterstreichen. hierhin rechnet vielleicht auch die vereinzelte beifügung des personalpronomens he (dat. om) statt der: berch, in welkem om (in quo) god wol bevellet to wonen Halberst. bibel (1522) bei Schiller-Lübben 5, 665; zu vergl. ist auch die der aussondernden frage (A 2) dienende nd. verschmelzung mit een:

[Bd. 28, Sp. 1347]


welkeen, z. b. für 'wer?' brem.-nds. wb. 5, 224, 'wer von zweien?' Danneil altmärk. 245, vereinzelt obd. mundartl. wöllana 'wer?' Lexer kärnt. 255; ebenso das mnd. und mnl. welker (< welk ir) eigentlich 'wer von ihnen?' Schiller-Lübben a. a. o., Sarauw nd. maa. 321, Verwijs-Verdam 9, 2, 2111, das ursprünglich ebenfalls den bestimmten einzelfall erfragt. in diesen verbindungen prägt sich die allmähliche zunahme des determinativen charakters von welch aus; in ähnlichem sinn Curme in zs. f. dt. wortf. 14, 124, anders, doch nicht überzeugend, Behaghel ebda 13, 165, dt. syntax 1, 376.
die konjunktion dasz begegnet in der verbindung welch dasz als sogenanntes expletives dasz gern nach präpositionalen verbindungen mit welch: van wilchen sachgen dat dat were, so slen (Köln 1275) bei Wilhelm originalurk. 1, 266, 35; mit welicher kúnne worten daz man ... muge gesprechen Tauler 119, 21 V.; vragete ..., van welcher provinzien daz er were ostdt. apostelgesch. d. 14. jh. 23, 34 Z.; heute nur noch in mundartlich gefärbten texten: bidde zu bedenken, mit wölchen elementen dasz wir es gegenwärtig zu thun haben L. Thoma ges. w. (1927) 3, 715, s. Behaghel syntax 3, 150.
im älteren bairischen begegnet die zusammenziehung wellent (< welchend < welch end 'wo, wohin', dem mnd. welkent Schiller-Lübben 5, 664 entspricht:

ich waísz nicht wellent
ich cher mein ellent (14. jh.) bei
Schmeller-Fr. 2, 895;

wellent daz az ist, do sament sich auch die adlær (15. jh.) ebda. modern mundartlich wollent ebda. (für die verbindung als welch s. bei D 2 d). gebrauch und bedeutung.
A. als fragepronomen in direktem und indirektem fragesatz.
1) dem etymologischen wortsinn entsprechend (s. sp. 1342) als frage nach einer beschaffenheit im sinne von güte oder ausmasz, dem inneren und äuszeren format. dabei findet sich im as. und nhd. nur attributiver, im ahd. und mhd. auch prädikativer gebrauch.
a) in echter frage 'wie beschaffen, welcher art, wie grosz?', entsprechend dem lat. qualis, got. ileiks πηλίκος Gal. 6, 11: quis aut qualis est hic? uuer odo uuelih ist ther? Tatian 52, 7; vgl. ebenso im got.: ufkunþedi þau, o jah ileika so quino sei (τίς καὶ ποταπὴ) Luk. 7, 39; nu sehen, mit uuelichemo flîzza uuir den gotis uuînkarten ûoben predigtsamml. B 2 bei Steinmeyer sprachdenkm. 169, 16;

daz si daz befunden,
wi daz lant pare
unde wilch daz wucher ware Vorauer bücher Mosis bei
Diemer 62, 29;

welch der rîter kleider möhten sîn?
pfellel, der vil liehten schîn
gap von des goldes swære
Wolfram Parzival 721, 15;

in vrâgt der fürste mære,
welch sîn ruowe wære
des nahtes dâ bî im gewesen ebda 169, 8;

das dirte, weliche die bereitunge si, die man herz haben sol Tauler 119, 18 V.; vgl. noch im 15. jh. qualis welcher (obd.), wellicher (md.), welker (nd.) bei Diefenbach gloss. 476c. im nhd. begegnet die qualitative bedeutung in reiner form nicht, sondern stets eng mit der aussagenden (1 b) verquickt; vgl. etwa hierher:

kein schlechtes ists, verscheiden
und weib und kind allein,
wer weisz, zu welchem leiden
hie lassen übrig seyn
Simon Dach 773 Öst.;

welche person ists, oheim, die ihr selbst
hier spielt? habt ihr nicht höhern stolz, als hier
landammann oder bannerherr zu sein?
Schiller 14, 309 G.;

seid ihr so jung, um nicht zu wissen, in welchem ton ihr mit Weislingen von mir zu reden habt? Göthe 1, 8 W.
b) als aussage in frageform. eine beschaffenheit wird durch welch summarisch umschrieben oder urteilend als

[Bd. 28, Sp. 1348]


erwähnenswert, übergewöhnlich ('wie grosz, gering, gut, schlecht' u. ähnl.) bezeichnet.
α) welch prädikativ (vereinzelt noch im altdt.) oder attributiv neben einem substantiv. vgl. nebeneinander die umschreibende und wertende bedeutung:

endi sagdun iro gôdumu hêrron,
mid huilicu ('wie geartet') arbêdiu thar thea erlos ledin Heliand 2822 B.;

lêt ina (Petrus) gekunnon,huilike craft ('wie gering') habet
the mennisca môdâno the maht godes ebda 5031;

im mhd.:

zileste er inbot ...
in welihemo ('wie geartet') leide er ware
mit sinem oheime zueinzich iare Wiener genesis 2973 Dollm.;

wilich ('welch guter') rihtêre her wêre,
daz quam wîtine mêre Annolied 635 R.;

wan friesche daz mîns herzen trût,
welch ritters leben wære,
daz wurde mir vil swære
Wolfram Parzival 117, 25;

nu merket alle Kristen eben,
welch kraft unser herre hât geben
dem wîchwazzer, daz der tiufel schiuhet
und ofte von uns allen fliuhet
Hugo v. Trimberg renner 11 308 E.;

im nhd.: wisset ir nicht, welches geistes kinder ir seid? (ποίου πνεύματος) Luk. 9, 55; als sie (anrede) sahen, mit welchem feuer ich ... die feder ergriff Zimmermann einsamkeit (1784) 1, vii; nur vergisz nicht, zu welchem werke ich (Alba) gesandt bin, und welchen theil ich dir daran geben möchte Göthe 8, 258, 21 W.;

weh euch, wenns volk da unten sieht,
aufspringend mit abscheu und grausen,
vor welchen göttern es gekniet!
Lenau s. w. 489 Barthel;

wenn man bedenkt, welche wassermassen diesem strom ... die Drau ... und Morava zugeführt haben, so kann man schon auf eine bedeutende tiefe schlieszen Moltke ges. schr. (1892) 1, 118.
im besonderen lebt die wertende bedeutung im emphatischen ausruf als rhetorischer frage: scouuuo, wuoliche steina inti uuelichu gizimbriu! (quales structurae) Tatian 144, 1;

owî, welch mort dâ gevrumet wart! kaiserchron. 5223 Schr.;

wel wunder, üb mir daz beschiht!
Boner 3, 62 Pf.

im nhd. ist dies der hauptsächliche gebrauch: welche gerechtigkeit, welches urtheil wartet auf mich! Gellert w. 4, 243;

o schlaf, welch gut bist du der erden!
Lessing 1, 102 M.;

welchen neid haben edelgesteine erreget! Herder 22, 77 S.;

in dieser armuth welche fülle!
in diesem kerker welche seligkeit!
Göthe 14, 133 W.;

welch leid hast du mir gethan! Chr. Brentano ges. schr. (1852) 5, 59; welche schlauköpfe und welche mondkälber laufen da nicht herum, welches edelgewächs und welch unkraut blüht da lustig durcheinander G. Keller ges. w. 6 (1910) 328.
β) tritt ein adjektiv als attribut zum substantiv, so kann welch die qualitative bestimmung an das adjektiv abgeben, und es bezeichnet dann nur den besonderen grad der jeweiligen beschaffenheit. der gebrauch lebt reichlicher erst in der neueren sprache:

welch hohe lust, welch heller schein,
wird wol in Christi garten seyn!
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel 3, 399a;

himmel! welch schauerndes entzücken! Sal. Gessner schr. (1777) 1, 104;

welch göttlich meisterstück sind selen,
die dich in sich zu erschaffen stark sind
Klopstock oden 1, 18 M.-P.;

welch reicher himmel! stern bei stern!
Göthe 1, 162 W.;

o welch erhabenes geschöpf ist der hahn! Brentano ges. schr. (1852) 5, 89; welche rasende musik! die abscheulichen

[Bd. 28, Sp. 1349]


oktaven! E. T. A. Hoffmann s. w. 1, 11 Gr.; es liegt ... am tage, von welch unendlicher wichtigkeit diese doctrin ... geworden ist Ranke s. w. 1, 157; für welch trauliche kleine welt war sie der mittelpunkt Storm s. w. (1904) 3, 140; welch guter ausdruck lag auf den gesichtern, wenn sie dem (leierkasten-)mann die gaben reichten! zeitwende 14, 1 (1937) 84.
c) seit mhd. zeit tritt ein zu welch, in neuerer zeit wird welch ein(e) das üblichere (zur entstehung aus vermischung mit wie ein s. Behaghel dt. syntax 1, 373). die verbindung steht attributiv; auch hier wird bei hinzutritt eines adjektivs welch ein bezeichnung des grades (s.b β).
α) zufrühst im ausruf:

âvoy, welch ein poulûn!
Wolfram Parzival 62, 18;

ey welch ein michil wunder
und ein trostlich zuversicht!
Tilo v. Kulm sieben ingesigel 3090 K.;

mnd.:

o wee, welk eyn vorschrecklick dach v. d. jungesten tage (13. jh.) 1, 105 Willoughby;

sihe, welh steyn und welh ein bauw ist das! Züricher bibel (1531) 2, 216a (vgl. dazu Tatian 144, 1, s. sp. 1348);

seht, welch ein mensch ist das!
P. Fleming dt. ged. 1, 21 lit. ver.;

und ah! welch eine heitre ferne schlieszt
sich meinen blicken auf!
Lessing 3, 63 M.;

eine wohlklingende, wohlgeordnete sprache, welch eine kunst! Herder 22, 138 S.;

Bertha! welch einen blick thut ihr mir auf!
Schiller 14, 346 G.;

welch ein fremdes neues leben!
Göthe 1, 70 W.;

welch ein vorzug, ... inneres ... wohlbehagen ausdrücken zu können E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 17 Gr.; welch eine ganz andere richtung empfing hiedurch diese universität Ranke s. w. 1, 202.
β) in echter frage (s. DWB a und b): erschrack sie uber seiner rede und gedachte: 'welch ein grus ist das?' Lukas 1, 29;

welch ein mädchen ich wünsche zu haben? ihr fragt mich.
wie ich sie wünsche ich hab sie
Göthe 1, 313 W.

im aussagenden indirekten fragesatz:

ir habet gehort vil wol
lesen von Lucifero,
welch ein engel er was do Daniel 4794 H.;

niemand gleubt, wilch eyn schedlichs teuffelisch furnemen das sey Luther 15, 29, 34 W.;

lange sinnt er ihm nach, welch ein gedank es ist:
gott nachahmen
Klopstock oden 1, 87 M.-P.;

seitdem verfolgt und foltert der gedanke
ihr innerstes, welch eine seele sie
gequält, und welche liebe sie verscherzt
Göthe 11, 290 W.;

seht, welch einen sitz sich die stolzen Mailänder ... gründen Raumer gesch. d. Hohenstaufen (1823) 4, 53; ich weisz nicht, welch eine schauerliche ahnung aus dieser frage klang Holtei erz. schr. 1, 43; vgl. auszerdem bei 2 a ende.
2) in aussondernder bedeutung. welch bezeichnet, in gewissem grade sinngleich mit wer und was, den einzelfall innerhalb eines mehr oder weniger deutlich umgrenzten sach- oder personenkreises, vgl. die glossierungen quot wilcher (15. jh. md.) Diefenbach gloss. 481b; quotus welcher J. Orsäus nomencl. meth. (1623) 24.
a) in attributiver stellung vertritt welch sinngleich das nur substant. gebrauchte wer oder was: uualihhu rehtu qua ratione (Ker. gl.) ahd. gl. 1, 234, 37;

eddo welihhes cnuosles du sis Hildebrandslied 11 bei
Steinmeyer 2;

... saget ...
welhe mîne mâgezer hôhzît wellen sîn Nibelungenlied 1499, 2 B.;

welchen armen man hette er balde so reichlich begabet? ackermann aus Böhmen 9, 14 Hübner; umbstend sind,

[Bd. 28, Sp. 1350]


wo, wie, wann und person, das ist an welchem ort, welicher gstalt, z weler zyt, was person oder gegen wem Zwingli v. freiheit d. speisen 12 ndr.; welcher teufel hat dich ... in diesen wald gebracht? volksb. v. gehörnten Siegfried 72 ndr.;

wer weisz, welch leichter tropff
dir bey der tunckeln zeit den weindampfvollen kopff,
wie du verdient, zubläut?
A. Gryphius lustspiele 298 P.;

welcher gott, welcher heilige hilft ihm zum eignen gebrauch seiner glieder? Herder 22, 13 S.; welche meuchelnde hand den ... staatsmann ... erwürgt hat, ist nie an den tag gekommen Mommsen röm. gesch.6 2, 100; so wird sich noch näher ergeben, welche bausteine ... von Schwarzenberg zubehauen sind, und welche aus anderen werkstätten kommen v. Künszberg bei Saueracker Carolina-wb. (1929) 5. — von 1 c, bes. β genommen in neuer sprache gelegentlich auch als welch ein: 'welch ein graf ist das, der sich unter die brüdergemeinde begibt?' 'den sie (anrede) sehr wohl kennen', versetzte Jarno Göthe 23, 22 W.;

Sosias! welch ein Sosias! was für
ein galgenstrick hallunke von Sosias,
der auszer dir den namen führt in Theben,
hat dich gestört ...?
H. v. Kleist 1, 232 E. Schmidt;

und weil die paten sich nicht einigen konnten, welch einen neuen namen der täufling führen sollte, ob Pirmin ... oder Gallus, brachten sie es vor der herzogin zum austrag Scheffel ges. w. (1907) 2, 46.
b) welch substantivisch und prädikativ. hier tritt es neben die nur substantivisch gebrauchten wer und was.
α) welch sondert aus einer sachlich näher umschriebenen gruppe den einzelfall aus. gegenüber den unbestimmter fragenden wer und was findet also welch anwendung in fällen von gewisser bestimmter umgrenzung. man kann hierin eine nachwirkung der artbestimmenden und damit begrenzenden qualitativen urbedeutung sehen.
αα) welch bezieht sich zurück auf ein nomen oder pronomen eines vorhergehenden satzes; bei indirekter frage:

tho rietun thie ginoza,sie wurfin iro loza,
thaz sie mit thiu gizami,welih sa imo nami
(wer von ihnen das gewand nehmen sollte)
Otfrid IV 28, 10 E.;

ich weiz niht, welher grœzer gir
den andern het ze sehen (der könig oder die Steirer)
Ottokar österr. reimchron. 14 144;

di sich dorumme biezen,
zu zerren und zu riezen,
welcher das grozer stucke
behalde zu gelucke
Tilo v. Kulm 5521 K.;

(sie) wetten all drey ongefer,
wellicher het das nützest weib
Hans Sachs 21, 187 K.-G.;

o wie raitzen sie einander ....
welcher weit- und besser wander?
Rompler v. Löwenhalt 1. gebüsch (1647) 65;

jenem componisten nannte man einige seiner werke und fragte ihn, welches er für das beste hielte Göthe IV 29, 56 W.; wenn er nicht aufhören will, musz ich es tun, das eine oder das andere, und bis dahin musz ich wissen, welches leichter sein wird Ernst Wiechert d. magd d. Jürgen Doskocil (1932) 151. — im direkten fragesatz:

chumt ain reicher man von gt
und ainer auss grosser armt
und wirt z ainem reichen man,
welher hat paz getan?
Teichner XX 4 bei
v. Kraus mhd. übungsbuch;

'schenket mir eins von euren büchern?' 'welches wollt ihr?' Kramer t.-ital. 2 (1702) 1312c; 'wie hiesz dein spruch?' (Emil:) 'welcher?' Müller dram. w. (1828) 1, 49; der alte baron ... befahl einen weiszen Burgunder. 'aber welchen, Botho?' 'sagen wir Chabelis.' Fontane ges. w. I 5, 159. unter stillschweigendem bezug:

der herzoge im dô sagen bat,
welhez (der zwerge) ir künic wære herzog Ernst 4939 B.;

kein fremder, bist du, könig, hier,
darf: welcher ist der könig? fragen
J. Ulr. v. König ged. (1745) 107.

[Bd. 28, Sp. 1351]



ββ) welch bezieht sich (in direktem und indirektem fragesatz) auf einen folgenden begriff desselben oder eines weiteren satzes: irhuge uuelih min uuist si (memorare, quae mea substantia) Notker ps. 88, 48 P.; 'sage mir, welez was diu hœhste vröude (die Christus hatte?') ... 'das was diu grœste vröude' (14. jh.) zs. f. dt. altert. 8, 218;

aber diser herre sol ...
im gedenken darnâch,
welhez in baz für trüege,
oder welch rât im baz füege,
des kunigs oder iwer
Ottokar österr. reimchron. 86 780;

welchs ist die weysheit, die im ist gegeben? 1. dt. bibel 1, 139 K.; dann weller ist gröszer, der do z tisch sitzet, oder der do dienet? text d. passions u. leidens Christi (1513) C 1a; welchs sind die lgenhafftigen lerer anders, denn die doctores der heyligen schrifft ...? Luther 8, 552 W.; zu wissen, ... welches gute oder schlechte weinjahre gewesen sind allg. dt. bibl. (1771) anh. z. bd. 25—36, 2464; doch welches sind denn diese einzelnen theile, die ... so genau übereinstimmen ...? Lessing 9, 49 M.
hierher gehört der anschlusz eines partitiven attributes, zufrühst als partitiver genetiv: thuruh uuelih thero uuerco steinot ir mih? (propter quod opus) Tatian 134, 6; wann welher der menschen waisz die ding? 1. dt. bibel 2, 65; man fragte Rossini, welche seiner opern ihm selbst am besten gefalle? Göthe IV 29, 20 W.; dasz sich noch nicht entscheiden läszt, welches dieser fangmittel die meisten zu fesseln im stande sein werde Immermann 1, 8 Boxb. seit dem mhd. tritt präpositionaler anschlusz hinzu:

si næme michil wundir ...
welhe under den die hêristen wæren hochzeit 917 bei
Waag2 117;

do ist ein zweitracht gemacht worden under den jüngeren, welle under inen der gröszer gesehen wer text d. passions u. leidens Christi (1513) C 5a. im nhd. dazu mit von: welcher von den zweyen? Hulsius dict. (1618) 275b; welche von diesen fünf ursachen gewirkt haben mag, ... können wir nicht errathen Gerstenberg recensionen 7 lit.-denkm.; die verlegenheit, welche von den zahllosen ... beinen man an sich ziehen müszte O. Ludwig ges. schr. 2, 15 Er. Schm.
β) gegenüber den flexionsarmen wer oder was steht welch, wie schon aus dem voraufgehenden ersichtlich ist, auszerdem gern in fällen, wo das verständnis des sinnzusammenhanges eine genaue beziehung in genus und numerus erfordert; für die mehrzahl: uuelihe stent muozie? niuuani die dir nieth durnahtlichen niuuurchent alla die gotis ê predigtsamml. B 2 bei Steinmeyer sprachdenkm. 170, 59;

wel vriunt oder vîgent sint,
das mugent ir nicht wissen wol
Boner 43, 12 Pf.;

so behút die gebot. er sprach z im: welche? 1. dt. bibel 1, 73; in meines vaters haus sind viele wohnungen, wer weisz aber, welche ich beziehen werde Göthe IV 27, 118 W. das feminin:

er chot 'nu wil ich haben ze zeichene,
welihe got mir eichine (zur gattin)' Wiener genesis 1938 Dollm.;

wer tantzen wil, der sehe wol z, welche er bei der handt nimpt Tappius adagia (1545) Q 7a; (Servill.:) wo ist denn ihre hauszjungfer? (Urs.:) welche denn? (Serv.:) jungfer Charlottgen Chr. Reuter Schlampampe 20 ndr. welch kennzeichnet den sächlichen bezug (während wem persönlich verstanden würde): z erkennen, ... was ir flichen und welichem ir folgen sült Arigo decamerone 2, 21 K.
γ) seltener ist der gebrauch von welch bei fehlen jeglichen bestimmteren bezuges, wo dann wer und was das gängigere pronomen ist. vgl. die glossierungen von lat. quis: huuelih (Ker. gl.) ahd. gl. 1, 212, 21; huilik Wadstein 57, 5; vgl. später für quis welker (nd.-lat. 15. jh.) Diefenbach n. gloss. 311b; quisnam, quisputas welcher, welker (15. jh.) gloss. 480c: und welchir mac nu daz wazzir verbiten ...? (numquid aquam quis prohibere potest?) ostdt. apostelgesch. d. 14. jh. 10, 47 Z.; ich unseliger mensch, welicher würt mich doch erlösen von dem leib dises geistlichen tods? M. Stifel bei Clemen flugschr. 3, 308; wilcher

[Bd. 28, Sp. 1352]


pflanzt einen wynberg und isset nicht von seyner frucht? Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 173 ndr.
c) welch in formalem, indirektem fragesatz als summarischer umschreibung eines dem berichtenden bekannten sachverhalts (vgl. 1 b), meist attributiv gebraucht, seltener substantivisch:

seggian gihôrde,
fan huilicumu kunnie uuasKrist afôdid
...he uuas fan theru mârean thiadu Heliand 5248;

also riso hugeta es ze sinero ferte. uueliu diu si, daz fernim Notker 2, 58 P.;

daz al daz volc an ime gese
von wilchir scult sin ueme gesce Athis A 148 in
v. Kraus mhd. übungsbuch;

den andern closterfrawen hats der herzog gesagt, von welcher königin der gehert frater Clemens ... solchs gehert zimmersche chron.2 1, 135 B.; das ubrig, was noch weiters zu sagen, und welchem er disz buch zugeschrieben, werdet ihr im folgenden bereytschlag desz authors vernemmen Fischart Gargantua 14 ndr.; und sagte mir auch, in welchem dorffe seine groszemutter begraben läge Chr. Reuter Schelmuffsky 14 ndr.; er sagt deme (vater), wollicher knecht ime die maulschelle geben hatte Sastrow herkommen 1, 69 Mohnicke;

was mir all dorther entsprossen,
welche freude, welche kenntnisz,
wär ein allzulang geständnisz
Göthe 4, 65 W.


B. als indefinites pronomen im sinne von 'jeder, irgendeiner', plur. 'einige, manche'.
welch bestimmt einen begriff nach seinem wirklichen oder gedachten vorhandensein, ohne nähere umstände (das sosein) festzulegen. damit entspricht indefinites welch der aussondernden frage (A 2, bes. c) und wird auch hieraus abzuleiten sein (die annahme einer umgekehrten ableitung, die bei wer berechtigt ist, s. Behaghel dt. syntax 1, 361, gilt nicht für das erst germanisch bezeugte und etymologisch klare welch). damit geht welch bedeutungsmäszig parallel dem indef. wer und was, dessen adjektivische und pluralische funktion und dessen vertretung beim partitiven genetiv welch auch als indefinitum übernimmt, vgl. DWB A 2 a, b α ββ und b β. welch begegnet ahd. ('eignet wesentlich den nördlichen gebieten' Behaghel dt. syntax 1, 378), as., mnd.; im mhd. tritt es, bis auf einen einzelnen fall bei Ottokar, s. sp. 1353 nur als zweites glied von compositis auf (iewelch, eteswelch). als welch erst wieder seit dem 15. jh. aus dem nd. übernommen.
1) als 'jeder' ist welch nur ahd. (seltener) und as. bezeugt. jedoch ergibt sich die bedeutung nur in verbindung mit partitivem genetiv (vgl. dasselbe bei gelich ahd. allero manno galich, auch allero mannolich). reichlicher und länger lebt welch in compositis wie giwelîh und iowelîh u. a. und auszerdem als bestandteil des allgemeinen relativums sô huelîh sô (> swelch) als 'jeder, der, jeder, wenn', s. DWB C 2: daz allero manno uuelih sih selpan des uuirdican gatoe Freisinger paternoster bei Steinmeyer ahd. sprachd. 43, 6;

dar scal denne hant sprehhan,houpit sagen,
allero lido uuelihcunzi in den luzigun vinger muspilli 92 ebda 72 u. öfter;

lêt ina gesundion,that he sîðor thiu bet
liudiun gilôdi,huôliof is thar
manno gihuilicumu ...
that man ina alâtelêðes thinges Heliand 5035;

ende allero gibundo huilik hebba siuon bandi Freckenhorster heberegister bei Wadstein 43, 15.
2) als 'irgendein', pluralisch 'einige', 'manche'.
a) als 'irgendein': si qua piuualih (= upi uualih) ahd. gl. 2, 52, 40 (9. jh.); si cui apa welichemu 1, 336, 1; ibu huueliher si quis (Benedikt.-regel 43) Steinmeyer sprachdenkm. 251; oba ih in sihhiu uuelichan bivehnota si quid aliquem defraudavi Tatian 114, 2; für quidam: thuruh gistriti uuelihaz gitanaz gibuntan (seditionem quandam) Tatian 199, 8. im as. stets mit partitivem genetiv:

sô hue sô ôgon genimidôðres mannes,
lôsid af is lîchaman,ettha is liðo huilican Heliand 1530;

[Bd. 28, Sp. 1353]



ef iuuar than auuirðid huuilic,
farlâtid thea lêra ebda 1368.

der gebrauch setzt sich im mnd. fort, sowohl in substant. wie adjekt. stellung, vgl. Schiller-Lübben 5, 664: is de, up den din ordel geit, din here odder mach odder man, so vrag, oft tu up desser welk dorvest ordel vinden der richtsteig landrechts 303 Homeyer (vgl. in der hd. fassung: ab du obir den keyn orteil finden dorfest ebda); wil iemend van der Wismer der van Campen welk ... schuldeghen (1356) cod. Lubecensis 1, 3, 259; schall ... soven mark gheldes utgheven unde to danke vornughen (erneuern) alle jar ...; weret ..., dat en ere rente welkes jares to danke nicht vornughet enwurde, zo scholen ze ere rente laten utpanden (1439) ebda 1, 7, 795; eyn mensche de wenet sick wal welker sunde unde welker undoghede J. Veghe 258, 21 J.; vgl. noch: quivis welker (15. jh. nd.) Diefenbach gloss. 480a.
im mhd. ist nur eine vereinzelte bezeugung bekannt, die aber von Behaghel dt. syntax 1, 378 als mischkonstruktion (aus welhen list ir und einen list, den) verstanden wird:

erdenket welhen list,
den ir tiutsch erzeigen welt,
und swaz iu heiles dran gevelt,
daz habt iu alterseine
Ottokar österr. reimchron. 13 136.

sonst auf hd. boden erst im 15. jh. md.: quispiam welcher, ichtes welcher (1414), wilcher (15. jh.) Diefenbach 480c; quisquam welcher ebda. vereinzelt in Schweizer ma. weilə tāg 'eines tags' Abegg ma. v. Urseren 80; ich weisz ... wohl, dasz sich zwischen dem eindruck, welchen die natur ... würcket, und demjenigen eindruck, welchen ... die ... nachahmung ... verursacht, allezeit welcher unterschied befindet Breitinger crit. dichtkunst (1740) 1, 64.
b) pluralisch als unbestimmtes zahlwort für eine geringe menge: 'mancher', 'einige'; der gebrauch läszt sich aus a ableiten als bezeichnung einer mehrzahl von unbestimmten einzelgröszen. er tritt zuerst im östl. mnl. und im mnd. auf, s. Verwijs-Verdam 9, 2, 2117 und Schiller-Lübben 5, 664: en borstbilde, en deel van sulver, welke klene monstransen (1461—68) codex Lubec. 1, 11, 431. dieser gebrauch erscheint spärlich in nhd. schriftsprache: ain yede tugend ist ein mittel, und wölche menschen schen das ort (das extrem) Albrecht v. Eyb sp. d. sitt. (1511) A 3b;

gönn aus dem paradies uns nur noch welche blicke,
und leb alsdenn beglückt in ewig-stoltzer ruh
Chr. Gryphius poet. wälder (1701) 1, 357;

er half ihr, welche frantzösische bilder auslegen Menantes satyr. roman (1705) 154. der gebrauch zeigt sich mundartlich vereinzelt als md.: wel, welch 'einige' Follmann dt.-lothr. 536; welche môle 'einige male' Vilmar-Pfister Hessen 332; nd. dor kaamt welke lüd Mensing schlesw.-holst. 5, 586; welk ole wiewa schöddere mött däm kopp Frischbier preusz. wb. 2, 463a; ik bruuck man (nur) welke Dähnert 544b.
c) welch als pronominale vertretung eines im vorauf genannten begriffes, ähnlich dem nur singularischen indef. ein. der gebrauch ist nhd., aus norddt. umgangsspr. stammend, s. die ältesten belege, vgl. Mensing schlesw.-holst. 5, 586; Woeste westfäl. 319b; für das md. vgl. wir haben welche (bleistifte) neben wir haben'r Weise Altenburger ma. 91. es ist als das pronominal verwandte welch 2 a 'irgendein' und 2 b 'einige' anzusehen; mit diesem zeigt welch 2 c im plural engste berührung, doch bleibt es als zahlbegriff meistens unbestimmter, vgl. hierfür z. b.: man bedient sich gewisser merkmale nur so lange, als sie zum unterschiede hinreichend sind. neue bemerkungen dagegen nehmen welche weg und setzen einige hinzu Kant schr. (1838) 2, 549; wie mein divan um viele glieder vermehrt ist, worunter sich welche von der jüngsten und frischesten sorte befinden Göthe IV 26, 122 W.; so sehe ich also welche von den braven, tapferen Camisards vor mir! L. Tieck schriften (1828) 26, 196. als plural auch zufrühst bezeugt: wer hat würfel unter uns? ich habe heute welche gehabt Heinr. Jul. v. Braunschweig schausp. 301 H.; so musz ich sehen, wie ichs mache, dasz ich ihnen welche

[Bd. 28, Sp. 1354]


(kleider) schaffe Chr. Reuter Schlampampe 6 ndr.; und weil die exempel ein groszes beytragen ..., so werde ich überall welche hinzusetzen J. E. Schlegel w. (1761) 5, 69. dann auch daneben im singular, doch nie auf ein einzelnes concretum bezüglich: mamachen, sie wollten ja ungrisch wasser haben. hier ist welches ebda 2, 106; sie (anrede) wollen ein andermal geld von mir borgen, wenn sie keines brauchen, wenn sie selbst welches haben Lessing s. schr. 2, 219 M.;

sire! es ist
kein geld in deinem schatze mehr vorhanden.
(Karl:) so schaffe welches
Schiller 13, 191 G.;

sobald ich nachricht erhalte, schreibe ich ihnen (anrede) auf der stelle, bekommen sie eher welche, so melden sie mir O. Schade bei Hoffmann v. Fallersleben mein leben (1868) 5, 228; da sorgt ja ..., dasz ihr einmal eure mädle, wenn ihr welche habt, auf die art taufen laszt O. Ludwig ges. schr. 2, 11 E. Schm.; raison annehmen kann niemand, der nicht schon welche hat M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 1, 10; in dem dunklen hausflur tanzten auch noch welche Cl. Viebig weiberdorf (1905) 32; eben fegten ... ein paar von den verdammten rätschern (granaten) über die strasze. da, ... wieder welche! Joachim v. d. Goltz d. baum v. Clery (1934) 102. korrespondierend verwandt im sinne von 'einigeandere', 'die einendie andern': es kamen ihrer viele dem könige zu dienen, welche um den sold, welche aus gutem willen Kramer t.-ital. 2 (1702) 1313b; von selbigen früchten waren welche sauer und welche süsz ebda; (Loth.:) hm! bergleute. (Helene:) welche gehen zur grube, welche kommen von der grube, das hört nicht auf G. Hauptmann vor sonnenaufgang6 24; vgl. in nd. ma.: welkh — welkh 'einigeandere' Fischer Samland 123; auch vereinzelt obd.: indefinit welə — welə Bacher Lusern 191. das nd. kennt auch einen adjektivischen gebrauch: wo dat togahn deit, dat de wülk minschen so fröh dot bliwt un de wülk so olt ward W. Wisser wat grotmoder vertellt (1904) 84.
hierher auch nd.-norddt. so welch 'so ein' im sinne von solch. man kann hier die qualitative bedeutung von welch (s. DWB A 1) einwirken sehen: du bist eine kluge frau! so welche giebt es heutzutage doch nicht mehr! Storm s. w. (1904) 2, 190; es sind walderdbeeren, so welche wachsen in den gärten nicht ebda 1, 194; vgl. DWB so welke 'solche' Woeste westf. 319b, sa weke 'solche' Liesenberg Stieger ma. 67.
C. als allgemeines relativpronomen.
1) syntaktisch ist dieses als eine verbindung des indefiniten welch mit den korrespondierenden konjunktionen sô — sô zu verstehen (vgl. Behaghel dt. syntax 1, 379 u. 3, 290), westgerm. entstanden: ags. so hwelc so, as. sô huilik sô, ahd. sô (h)welîh sô. ursprünglich war der erste teil sô hwelîh glied des übergeordneten satzes, das zweiteleitete den nebensatz ein. reste dieser stellung sind noch faszbar. so können im ahd. beide glieder durch zwischenstellung anderer glieder getrennt werden: so huuelihhe iuuuer gauuisso so in Christes nemin gataufite sintun, Christan gauueridont Monseer bruchst. xxix, 3 Hench; im as. trennt die versgrenze gern das zweiteab:

gildid god selbogumono sô huilicumu,
sô ina hêr gihaldid Heliand 2644;

that scal te frumun uuerðen
gumono sô huuilicun,sô that gerno dôt 1019;

allmählich wird die ganze verbindung sô hwelih sô als eine einheit in den nebensatz als dessen einleitendes glied einbezogen: enti kasamnotun alle so huuelihhe so sie funtun (omnes, quos) Monseer bruchst. xv 23 Hench; schlieszlich nimmt das pronomen den vom nebensatz geforderten kasus an:

sô huilic sô than eft manno barno
an thesoro uueroldi ne uuiliuuordun mîðan ...
thene uuilliu ic eft ôgean Heliand 1974;

so stets im ahd., vgl.: so uueliche daz irchennent, dien genadet er Notker ps. 122, 2 P.die weitere eingliederung

[Bd. 28, Sp. 1355]


im ahd. bringt die entwicklung zur form swelch, s. darüber unter 'form' sp. 1344.
2) bedeutungsmäszig entwickelt sich das allgemeine relativum (s)welch aus dem indefinitum, wobei die konjunktion sô — sô ursprünglich aus einer verbindung von zeitlich-bedingender und modaler funktion entstanden sein wird (Behaghel dt. syntax 3, 291, abweichend ebda 1, 369), etwa: 'so gilt a für einen oder jeden, wie und wenn er b tut'. der konditionale strang (a) tritt im laufe der entwicklung allmählich stark zurück (b) zugunsten des modalen, der sich immer greifbarer zu einem korrelativen bezug zwischen zwei aussagen (des haupt- und nebensatzes) entwickelt (s. bes. b β), gleichzeitig schwindet die bedeutung von (s)welch als eines unbestimmten pronomens (a u. b) gegenüber der eines determinativums (c) (das aus der qualitativ-bestimmenden urbedeutung herrühren kann) zum groszen teil (s. aber d).
bezüglich der synonymik mit (s)wer und (s)waz gilt entsprechend das unter A 2 beobachtete: (s)welch erscheint hauptsächlich, zumal in der alten sprache, in funktion als adjektiv, plural und feminin und bei bezug auf sachlich oder durch partitives attribut bestimmt umrissene gruppen. völliger zusammenfall im gebrauch mit wer und was tritt erst im übergang zum nhd. häufiger auf, z. b.: welem ... sin vich ... uff ains schaden gat, der sol ... geben (14. jh.) d. rote buch d. st. Ulm 63 M.; du solt nit tötten. wöllicher aber töttet 1. dt. bibel 1, 19 note; welcher nit yn der hohen schule gestanden ist, der kan nichts. wer aber darynne gestanden ..., der kan alles Luther 8, 558 W.; welcher seine vernunft nicht herschen laszt, ist ... ein unnützer mensch G. Mayr sprüchw. (1567) C 2a.
a) der mit dem allgemeinen relativum eingeleitete nebensatz steht in einem conditionalen verhältnis zum nachfolgenden hauptsatz. welch entspricht 'wenn einer'. es kann daher unmittelbar als übersetzung von si quis stehen: si quis ad carnales nuptias esset invitatus so vuilik iuvuar so te vueroldlikon brudlohten gibeden vuari (Gregors homilien) Wadstein 64, 1. schon as. erscheint hier (im gegensatz zu b) die vorausstellung des bedingenden nebensatzes, wobei der hauptsatz gern mit der folgernden konjunktion so (auch dann) angeschlossen wird:

sô huilik sô iuuuar âno sî, quað he,
slîðea sundeon,sô ganga iru selo tô Heliand 3868;

welher sine waffen über den andren zucket, clagt er es dem vogt, so ist er ... verfallen 3  (Schweiz 15. jh.) weistümer 5, 191; welcher pfaff sich unerlich halt yn siner leer ..., so soll man yn ... verurteilen Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 111 ndr.;

auch welche (gäste) unversehentlich
im hausz wölln uberlauffen dich,
so weisz sie gleich mit worten ab
K. Scheit Grobianus 4050 ndr.

ebenso ohne anschlieszende konjunktion, besonders bei subjektswechsel:

swelch künec der milte geben kan,
si gît im daz er nie gewan
Walther v. d. Vogelweide 17, 7;

so wel mensche in dise wise recht versunken ist, es were nút ze versehende das in got iemer vervallen liesse Tauler 293, 12 V.; welcher (vertragschlieszende) teyl aber dise artickel minderen oder meren wölte, sol das mit jrer beider radt ... beschehen (quodsi post haec verba hi aut illi addere aut demere ad haec aliquid voluerint, facient 1. Macc. 8, 30) Züricher bibel (1531) 1, 315b; wellicher grosz herren und günner z freunden hat und nit reich wirt, ist wol zu verwundern G. Mayr sprüchw. (1567) C 3a; welcher vergebliche ... arbeit gethan, von dem sagt man Lehman floril. polit. (1662) 2, 797.
b) die aussage des hauptsatzes gilt für die im nebensatz bezeichneten fälle. die korrelative eigenschaft der alten verbindung sô — sô kommt neben (und in β anstatt) der konditionalen zur geltung.
α) der (s)welch-satz kann inhaltlich sowohl als bedingung wie als ergänzende aussage zum hauptsatz aufgefaszt werden;

[Bd. 28, Sp. 1356]


das pronomen ist daher als 'jeder, wenn' und 'jeder, der' wiederzugeben: sô uueliche sô inan intphiengun, sô gab her im giuualt, gotes suni ze uuesanne (quotquot autem receperunt eum) Tatian 13, 6. formal faszbar wird die relative funktion, wo ein korrelatives pronomen im hauptsatz auf swelch zurückweist: souuelee testamentum dei inphahent, ... die sezzent Notker ps. 77, 66;

swelehe von chindes peine
sint lûter unde reine,
den werdent die porte ensperret himml. Jerusalem 65 bei
Waag2 57;

swelch frowe sendet lieben man
mit rehtem muote ûf dise vart,
diu koufet halben lôn dar an
Hartmann v. Aue in minnesangs frühl. 211, 20.

gängig besonders in der älteren rechtssprache in allgemein gültigen satzungen für bestimmte angenommene oder vorgesehene fälle: er gebiut och, swelch herre sine stat oder sine burch bowen wil ..., der sol bowen von sinem gute (Mainzer landfrieden v. j. 1235) bei Wilhelm altdt. orig.-urk. 1, 13, 45; sweler unser dise sune ... brichet, daz der selbe schuldig si (Umstadt, Rheinfranken, v. j. 1282) ebda 455, 9; wöllicher oder wöllich aber diser artickel ainen überfahren würd, der soll ... gestraft ... werden (v. j. 1525) v. Lori bair. bergrecht (1764) 188; vgl.:

auch welcher rath und that (zum mord) dargibt ...
der soll auch werden mitgericht Endinger judenspiel 80 ndr.;

ebenso im mnd.: wol schipbroke-gudt findet by dem strande, de schal dat antworden der negesten stadt (seerecht v. Lübeck v. j. 1299) bei Pardessus coll. de lois maritimes 3, 425.
im sonstigen gebrauch steht oder fehlt das korrelativum beliebig, vgl. fürs mhd.:

nû hôre ich wol sagen,
swelh man ir (der liebe) nî ne habe,
er verliese allez daz guot Vorauer sündenkl. 522 bei
Waag2 157;

im nhd.: darumb welcher bawm nicht gute frucht bringet, wird abgehawen und ins fewr geworffen Matth. 3, 10; welche sich solche ... spectacul nit erschamroten ... lassen, werden nimmermehr ... zu recht zu bringen seyn Fischart Gargantua 4 ndr.;

denn welcher mensch die leut beschwert,
in seinen zinsen uberfehrt ...,
der fellt gewis in gottes zorn
Ringwaldt lauter wahrheit (1597) 27;

denn welcher seine zuversicht
auf gott setzt, den verläszt er nicht
Neumark fortgepflanzt. lustwald (1657) 1, 30;

in welcher geschichte er (der geist d. span.-franz. staatspolitik) durchblickt, schwärzt er das glänzendste Herder 18, 282 S.;

welchen Amor empfiehlt, köstlich bewirthet ist er
Göthe 1, 249 W.


β) der konditionale sinn tritt zurück oder schwindet ganz, der (s)welch-satz dient allein als ergänzende allgemeine aussage zum hauptsatz, 'jeder, der'; vgl. die verschiedene wiedergabe von omnis: contraque omnis sors beata est aequanimitate tolerantis taragagene ist salig souuelih loz temo man gevallet, ube er iz ebenmuote vertreget Notker 1, 83, 17 P.; omnis enim, quae videtur aspera, nisi aut exercet aut corrigit, punit souueliu sarf kedunchet, tiu tuot ein uueder, so hertet ten man alde bezzerot in alde ingeltet in ebda 297, 20 P. (vgl. auch unten Claus Cranc). die einfügung eines korrelativen demonstrativs ist dabei ebenfalls häufig: so uuelichu so (quaecumque) her (der vater) tuot, thiu (haec) der sun same tuot Tatian 88, 7;

suelihe bi den ziten
ir vorderen gewihten
den gab diu erde
gng des dar ane solte werden Wiener genesis 1520 Dollm.;

wand ir helde küenealsô geladet sît
daz ir sterben müezetin Etzelen lant.
swelhe dar gerîtent,die habent den tôt an der hant. Nibelungenlied 1540, 4 B.;

ist von mir berufen ein decret, daz welch volk ... sprichet scheltwort widir ... got, das si vorgeen sullen (ut omnis

[Bd. 28, Sp. 1357]


populus ... quaecumque locuta fuerit Dan. 3, 96) Claus Cranc 281 Z.
im nhd. wird die berührung mit der bedeutung 'derjenige, der' (s.c) ganz eng, doch überwiegt noch immer der sinn der allgemeinverbindlichkeit der aussage: die gaistlichen ... spatzieren gingen in welhen garten sy woltend, das wart in nieman v. Richenthal chron. d. Constanzer conzils 84 lit. ver.; welicher in den vorstetten sitzet und darinne uf der muren wachet, der sol der scharwacht ... erlossen sin Straszburg. zunftordn. 165 Br.; welch pflantzen dücke versatz oder verpflantzet werden, kunnen nicht belyven Tappius adagia (1545) 83b; welche nicht der Mars kan umbringen, die würd der Mors verschlingen Fischart practica 11 ndr.; weilen aber der inhalt (der gedichte) fast satyrisch war, hab ich ihnen ... können geben, welche form ich wolte Rachel satyr. ged. 12 ndr.;

für welche gott sein blut vergossen,
für die er starb auf Golgatha,
sind gottes teure bundsgenossen
Lenau w. 2, 261 nat.-lit.;

der ring oben dreht sich ... nach welcher seite er will, um den turm O. Ludwig ges. schr. 1, 195.
c) (s)welch bezieht sich auf einen einzelbegriff oder eine begrenzte zahl von begriffen, deren genaue benennung noch unterbleibt. der allgemeine bezug (von b) wird dadurch von einem bestimmteren abgelöst (was für die ausbildung des bestimmten relat. welch [s.D] bedeutsam wird); (s)welch entspricht damit nhd. 'derjenige der'. den ausgang dieses gebrauchs hat man im indefiniten 'ein' (B 2 a) zu suchen als 'so einer wie' im sinne von 'der bestimmte eine', wohl unter einwirkung der qualitativen und damit begrenzenden urbedeutung ('ein solcher wie') entwickelt; vgl. as.:

gaf im uuið thie fîund friðuendi im forð giuuêt
an sô huilic thero lando,sô im than leoost uuas Heliand 2283.

gern erscheint dabei wieder das hinweisende korrelativum im hauptsatz (vgl. bei b):

suelche maged ich pite ...,
diu scol mineme herren
ze minnen joch ze eren Wiener genesis 1939 Dollm.;

wan swelch mîn bote ie baldest reit,
die reise er zwêne tage vermeit
Wolfram Parzival 189, 25;

und welich grab sie geschickte funden, mit dem schnellsten den toden dar ein schuben Arigo decamerone 6, 37 K.;

und well die besten meynen syn,
hant siben wol uff ein quintin
S. Brant narrensch. 10, 33 Z.;

durch welche glider du gesündet hast, durch die selbigen soltu gng thn Geiler v. Keisersberg bilgersch. (1512) B 2b; welche dich gesalbet hat, die mustu zum weib haben Grimmelshausen 2, 46 Keller;

welchen könig der gott über die könige ...
sah vom hohen Olymp, dieser wird menschenfreund
seyn und vater des vaterlands!
Klopstock oden 1, 86 M.-P.;

welche es unternahmen, ihr ... recht ... zu verfolgen ..., verzehrten sich in ... rechtshändeln Schiller 7, 324 G.
im besonderen bezeichnet (s)welch den (noch unbekannten) einzelfall bei einer auswahl aus mehreren:

swilch ir da was gerandir
und snellir dan die andirn ...
die behielt da den scal Athis C* 90, in
v. Kraus mhd. übungsbuch;

swelch diu schœnste was erkant,
der solt er (der Eris-apfel) sîn, daz las man dran
Konrad v. Würzburg troj. krieg 41 764;

inde up wilche dry dat los ... gevelit, dye solen navolgen (v. j. 1339) Kölner zunfturk. 2, 180; welches das erste käme, solte des andern warten B. Herzog d. schiltwache (1560) B 1a;

welcher dem andern siget ob,
derselbig solt mit preisz und lob
bekommen Helenam, das weib
Spreng Ilias (1610) 29b;

in welche wag man am meisten legt, die schlägt vor Lehman floril. polit. (1662) 1, 315; etwas angenehmes hab ich

[Bd. 28, Sp. 1358]


für euch in diesem korbe verborgen, schwesterchen, welche es räth, soll es sogleich ... empfangen maler Müller w. (1811) 1, 11.
dem wesen des bestimmten relativs (s. DWB D) kommt dieses determinative (s)welch mitunter sehr nahe. in der übersetzungsliteratur erscheint es bereits seit ahd. zeit als übertragung des relativen qui, zunächst noch auf ein allgemeines alle bezogen: enti kasamnotun alle so huuelihhe so sie funtun, ubile joh guote (omnes quos invenerunt, malos et bonos Matth. 22, 10) Monseer bruchst. xv 23 Hench (doch kann hier auch die qualitative bedeutung [s. 3] mit hereinspielen u. die setzung des relat. demonstrativs verhindert haben); dann aber auch als wiedergabe der relativen satzverknüpfung: inpertitus (est) honos, quem (suuelihin) dum metus aut amor ... accumulant, ... processit in aevum mos patrius (Prudentius contra Symmachum 1, 152) ahd. gl. 2, 517, 50; ebenso quae (vis) suelih (ebda peristeph. Rom. 1129) 2, 455, 50. dem stellt sich im späteren mhd. die übersetzung von korrelativem qui-hi durch welch — der zur seite, wobei nur mehr die voranstellung des welch-satzes den allgemeinen charakter der aussage erhält ('alle diejenigen die'): und welchir herze (quorum cor) wandirt noch ungeloubin ..., der weg (horum viam) wil ich slan uf ir houbt (Ez. 11, 21) Claus Cranc 193 Z.; ebenso noch die Zainerbibel (1475) mit ihren nachdrucken: wöllicher (gen. plur.) daz hertz wandlet ..., der weg setze ich erste dt. bibel 9, 283 var. Z—O a; sowie J. Eck: welcher hertz ... wanderet, deren weg will ich setzen bibel (1537) 2, 139a. (vgl. statt dessen: wann das hertz der, daz do get ..., der weg setze ich erste dt. bibel a. a. o.; denen aber so ... wandeln Luther Hes. 11, 21).
formal-syntaktisch entsteht zusammenfall mit dem bestimmten relativ bei nachstellung des welch-satzes hinter ein nomen (und pronomen):

ach welch ein richer vunt
ist er geistlichen luten,
welche en wellen truten Daniel 1866 H.;

also wirt den der segen,
welche hier bichte pflegen ebda 3204;

daneben begegnet in gleicher verwendung auch noch die form swelch (vgl. dazu unter form, sp. 1344):

du grozer got der eren,
gewaldic, vorchtsam du bist ...
leistende dinen knechten,
swelche dich nicht verechten,
sundir haldin din gebot,
gelubde daz din gute hat
en gelobet veterlich ebda 6264;

ouch heize ich uch gliche
weinen mit jenen uben
swelche sich hie betruben
um ire groze missetat ebda 5644.

beide, welch und swelch, bleiben im Daniel natürlich noch völlig getrennt von den vielen der, die, das. diese werden ausschlieszlich verwendet, wenn es sich um rückbeziehung auf eine einzelne (concrete) grösze handelt. weiteres s. bei D 1.
d) in konzessiver funktion behält (s)welch durchweg den charakter einer unbestimmten (nicht wie in c determinativen) aussage (die die geltung des hauptsatzes als durch sie nicht beschränkt hinstellt): so huat so ik thes gideda thes uuithar godas uuillion uuari ... so an dag so an nahta se an huilikaru tidi so it uuari, so gangu ik (beichtspiegel) Wadstein 17, 20; der dar erist ingisteig after giruornissi thes uuazzeres, heil uuas von so uuelichero suhti (quocumque languore) uuas bihabet Tatian 88, 1;

sowilchis kunnis du (Rother) aber bist,
min herze was hellende Rother 2268 Fr.-K.;

swelhez ich nu lâzeund daz ander begân,
sô hân ich bœslîcheund vil übele getân.
lâz aber ich si beide,mich schiltet elliu diet Nibelungenlied 2154, 1 B.;

darumb lasz dein clagen sein! trit in welchen orden du wilt, du findest gebrechen und eitelkeit darinnen ackermann a. Böhmen 32, 52 Hübner; ich werde, es geschehe gleych in welcher gestalt es wöll, abgetilget Hutten opera 1, 407 B.;

[Bd. 28, Sp. 1359]


(du sollst) der erst in d' platten greiffen,
und nemen rausz bey guter zeit
das best, an welchem ort es leit
Casp. Scheit Grobianus 694 ndr.;

wars nicht Don Manuel, den der seher nannte? ...
welcher es sey, er hat mein herz erfreut
Schiller 14, 100 G.;

was die knaben auch begannen, bei welcher arbeit man sie fand, immer sangen sie Göthe 24, 235 W.; denn liebe kann wohl der meszkünstler ... entbehren, aber nicht der künstler selber, er sei einer, in welchem schönen ers wolle E. T. A. Hoffmann s. w. 1, 5 Gr.
zur verstärkung der allgemeinen und konzessiven bedeutung wird auch, immer u. a. eingeschoben: welche auch diesz rehchen von ihrem bruder empfängt, immer wird es die andre schmerzen maler Müller w. (1811) 1, 12; bei dem lebhaften wunsch, seine genesung, durch welche mittel sie auch möglich sei, zu befördern Göthe 23, 33 W.; der soll nicht unterdrückt werden, in welcher gestalt er auch erscheine Bettine dies buch gehört d. könig (1843) 1, 97; welches immer der ursprung dieser particularistischen zusammengehörigkeit in Deutschland ist Bismarck ged. u. erinnerungen (1911) 1, 321.
3) spärlicher greifbar ist ein bedeutungsstrang, der qualiscumque wiedergibt und sich an die urbedeutung von welch als 'wie beschaffen' (s. DWB A 1) anschlieszt. er hat einen vorläufer im got., als wörtliche übersetzung von ὁποῖος: aþþan af þaim þugkjandam wisan a, ileikai simle wesun, ni waiht mis wulþrais ist Gal. 2, 6. vom ahd. an bis in die gegenwart wird diese bedeutung von (s)welch gelegentlich deutlich spürbar: pi so uuelicha so racha in einikemu so uuelichemu so ... (lücke) zaichanungu kaauge (ante omnia ne murmurationis malum pro qualicumque causa in aliquo qualicumque verbo aut significatione appareat Bened.-regel 34 bei Steinmeyer sprachdenkm. 239, 31;

die habent sich gewarnôt,
allen den lôn gearnôt:
swelich wetir si begât,
sô ist geschaffen ir rât d. hochzeit 417 bei
Waag2 101;

vgl. qualiscumque welcher der sy (15. jh.) Diefenbach gloss. 476c; welche lust es auch seyn mag quale, qualunque piacere Kramer t.-ital. 2 (1702) 1313a; grosze opfer werden ... gefordert werden ... aber welche opfer auch von einzelnen gefordert werden mögen, sie wiegen die heiligen güter nicht auf, für die wir sie hingeben aus d. 'aufruf an mein volk' v. 13. März 1813; o fände ich doch nur einen mann, ... der eine erklärung auch für das dunkelste gäbe, gleichviel welche! Immermann Münchhausen (1841) 1, 89. in determinativer funktion (2 c) 'der gleiche, der': und welcher mut aus meinen augen sonst sich über sie ergosz, der kehre nun aus ihren herzen in meines wieder Göthe 8, 283 W. entsprechend A 1 b β auch gradsteigernd bei adjektiv-attributen:

welch tapfres haupt auch dieser helm bedeckt (hat),
er kann kein würdigeres zieren!
Schiller 13, 180 G.;

und niemand kann die dürre schale lieben,
welch herrlich edlen kern sie auch bewahrte
Göthe 3, 93 W.


D. als bestimmtes relativum.
1) herkunft und entstehung (vgl. dazu zs. f. dt. altertum 75, 173 ff.).
die relative anwendung von got. ileiks in substant. u. attributiver funktion (2. Tim. 3, 11) beruht auf wörtlicher nachbildung des griech. οἷος und steht mit dem heutigen gebrauch von welch als bestimmtem relativ in keinem zusammenhang. dieser konnte sich sekundär aus einer umbildung sowohl des allgemeinen relativen (s)welch (E. A. Kock d. dt. relativpronomen 55, H. Paul dt. wb. [1921] 639, G. O. Curme in zs. f. dt. wortf. 14, 112 ff.; 'zum teil' Weigand-Hirt 2, 1237.) als des fragepronomens (Behaghel zs. f. dt. wortf. 13, 157 ff., dt. syntax 1, 374 ff.) entwickeln.
als fester gebrauch findet sich relatives welch zuerst im mnl. des 13. und 14. jhs., s. Verwijs-Verdam 9, 2, 2115,

[Bd. 28, Sp. 1360]


und breitet sich von hier ins hd. und nd. aus (s. unten). das neue relativum erscheint damit in zeiten und gebieten, wo die kontrahierte s-form swelch des alten allgemeinen relativums nicht entwickelt (im mnl., s. J. Franck mnl. gr. § 222), oder, wenigstens im allgemeinen gebrauch, bereits untergegangen war (vgl. sp. 1345). formal fallen damit fragendes und relatives welch (und mnl. welc) zusammen. im laufe der sprachlichen entwicklung nähern sich beide pronomina dem wesen des bestimmten relativums, und zwar da, wo welch sich aussagend auf eine bestimmt umgrenzte grösze bezieht: in der aussondernden frage als summarische umschreibung (A 2 c) eines dem berichtenden bekannten verhalts, auch in echter frage bei rückbezug (A 2 b α, αα), vor allem in der determinativen anwendung des allgemeinen relativums (C 2 c), namentlich bei wiedergabe von qui und nachstellung des welch-satzes; s. dort die belege aus Daniel (sp. 1358), wo bei den welch-sätzen formalsyntaktisch bereits der zusammenfall mit dem bestimmten relativ gegeben ist. entsprechende belege für einen gleichen übergang vom fragepronomen zum bestimmten relativ sind bis jetzt nicht erbracht, doch ist ein ähnlicher vorgang auch hier immerhin denkbar.
die möglichkeit für welch, als bestimmtes relativ zu fungieren, beruht in seiner, bei beiden verwendungen, sowohl der fragenden wie der allgemein-relativen entwickelten fähigkeit, eine satzaussage determinativ auf eine festumrissene, individuelle grösze (als nominalen oder verbalen satzteil) zurückzubeziehen. erst auf grund dieser bedeutungsmäszigen und formalen entwicklung, die wortgeographisch nicht beschränkt ist [s. die belege oben unter C 2 c (ende)], hat dann das lateinische vorbild hauptsächlich der relativen satzverbindung (s. Behaghel zs. f. dt. wortf. 13, 165; vgl. bei D 2) mit seiner formgleichheit zwischen fragendem und relativem qui befruchtend auf die ausbildung eines festen allgemeinen gebrauchs gewirkt; dies geschah zuerst in einem bestimmten sprachraum, eben im mnl. des 13. und 14. jhs., s. oben.
die ausbreitung auf deutsches sprachgebiet vollzieht sich vor allem im bereich der rechts- und kanzleisprache in adjektivischer wie in substantivischer anwendung. vgl. für beides frühe belege des mnl.: dat (wi) hebben vercoeht (verkauft) al onse mersch ..., de welke ane beeden ziden van der leien leght (Vosselare v. j. 1274) bei Wilhelm altdt. originalurk. 1, 231, 26; dat die van den gotshuse die selve thiende ... ghecocht hadden ende vercreghen. welke thiende min her Woutre houdende was the leene (Brüssel v. j. 1277) ebda 307, 12. wenig später erscheint welch im benachbarten gebiet von Köln, und zwar nicht nur in urkunden (s. u. 2 a), sondern auch auszerhalb der kanzleisprache im kreise meister Eckharts (s. u. 2 a α und 2 b α). seit dem 15. jh. läszt sich der gebrauch auf dem gebiete der Hanse nachweisen, sowohl nd. (s. u. schreiben der livländischen städte an Lübeck v. j. 1402) wie md. (s. u. vertrag v. Riga und Dorpat v. j. 1431). von der zweiten hälfte des 15. jhs. an wird welch auch obd. rasch allgemein. für die urkundensprache vgl. unten den beleg aus Basel v. j. 1475, für den gebrauch in der literatur Arigo, Niclas v. Wyle, Hans Folz, Hans Sachs, auch A. v. Harff. für das mnd. vgl. Schiller-Lübben 5, 664.
in dieser allgemeinen ausbreitung über den deutschen sprachraum wirken also mehrere faktoren zusammen: in erster linie der gebrauch der rechts- und kanzleisprache, in der sich zudem eine (auch sonst greifbare) wortgeograph. bewegung vom Niederrhein ins nd. und hd. kundgibt, und auszerdem, von der 2. hälfte des 15. jhs. ab, der einflusz des humanismus, der die kenntnis neuer syntakt. formen vermittelt (s. 2 a u. b β). aus allem erklärt sich dann auch das fehlen des best. relativs welch in den meisten maa., s. darüber O. Weise in zs. f. dt. maa. (1917) 64.
2) gebrauch.
a) in attributivem gebrauch stellt welch eine neue art des bestimmten relativs dar, die nur von welch gebildet werden kann (da der hier als artikel erschiene) und der latein. relativen satzverknüpfung nach dem typus 'Roma quae urbs' entspricht (vgl. Behaghel zs. f. dt. wortf. 13, 158 f.).

[Bd. 28, Sp. 1361]



α) das beigefügte substantiv wiederholt das durch welch bezogene wort. vgl. im mnl. mit der entsprechenden lat. fassung (quae forefacta et excessus): omme alreande twiste ende broke ... welke twiste ende broken ... vereffent es (v. j. 1292) oorkb. v. Holland en Zeeland 2, 368; dorum ist der sun ... ein bild des vaters, in welhem bild swebet wesen aller creaturen bei Jostes meister Eckart und seine jünger 94, 1; dar ouch ander steide ... ir vruint geschickt hatten, wilche steide alle ... eine antworde gaven (Kölner ratsmemoriale v. j. 1401) städtechron. 12, 333, 3. auf nd. boden der Hanse: dat gescheen is ... umme noetsake willen, mank welken noetsaken ... vele puncte zynt (schreiben d. livl. städte an Lübeck v. j. 1402) Hanserecesse (v. j. 1256—1430) 5, 46; dazu: wante dat cruce Cristi is willighe annemynge des arbeides, der pijne, der lasterynge, overmydz (vermittelst) welken cruce de mensche der werlt ghecrucighet is J. Veghe 388, 29 J. auf hochdeutschem boden: es haben ... die ... stettbotten ... geredt uff maynung, wie sy ... gesessen syen. ... welche meynung sy dann ... eroffnet (v. j. 1473) Frankf. reichskorr. 2, 296 Janssen; daz ich geschworn hab ... der zunfft ordenung ze halten, welich ordenung under anderem inhalt, daz (v. j. 1475) urkb. d. st. Basel 8, 378. im 16. jh. ist dieser gebrauch allgemein gängig:

mein geltlich ich verzehret han ...
welches gelt ich einsammlen war
mit bulerey in meiner jugendt
Hans Sachs 17, 65 K.-G.;

gleych wie er die gantzen christenheyt auff erden berfft ... und ... erhelt im rechten eynigen glauben. in welcher christenheyt er mier und allen gleubigen ... vergibt Luther 30, 1, 250 W.; ein ... tch ... nidergelassen uff das erdtrich, in welichem tch ... thier ... warend Zwingli v. freiheit d. speisen 5 ndr.; es sind ... komen ... vil guter schofferruden (schäferhunde), disze kunden recht bellen, welliche ruden ihre schaff treulich ... verwaren H. v. Cronberg schr. 36 ndr.; es ist gar ein groszer underscheydt zwischen unserem glauben und des teufels. welichen underscheydt ich dir will sagen M. Stifel bei Clemen flugschr. 3, 325; er ist des lebendigen gottes lebendiger sohn und das wesentliche leben, welches leben das natürliche leben allen creaturen gibt und erhelt J. Mathesius leychpred. (1568) 3, 106b. der gebrauch läszt seit dem 17. jh. an geläufigkeit merklich nach: des Unverdrossenen schönes büchlein, der Teutsche Palmbaum genant ..., welches lobwürdiges buch ich einem jedweden teutschliebenden hertzen ... wil anbefohlen haben J. Rist friedew. Teutschland (1648) 9; das centrum der erden wäre inwendig hol, in welchem holen theil die Pygmei ... herumblieffen Grimmelshausen 1, 765 Keller. in neuer sprache begegnet er nur mehr spärlich: ich citiere nach der Ritterschen ausgabe von 1864, welche ausgabe auch stets bei 'Ritter' zu verstehen ist Alb. Heintze dt. sprachhort (1900) 658; in mein schlummerndes gesicht, welches gesicht ich in die nacht hinaus halten musz Stifter s. w. (1904) 1, 4.
β) das beigefügte substantiv nimmt indirekt oder summarisch begriffe oder inhalt eines vorausgehenden satzes auf: de sal si (die bruderschaft) winnen umb zwa m. ... paimentz ..., mit wilchme gelde men die gemeine gedeme behueden ind bewaren sal (v. j. 1352) Kölner zunfturk. 2, 485, 30; dede he uns darumb schriven, wilchs briefs copie hernageschreven steit (Kölner ratsmemoriale v. j. 1406) städtechron. 12, 345, 24; das die selbe summe geldes czu der armen behuf ... mochte gefordert und gemanet werden. uff welche vorberurte sache ... wir also haben obireyntragen und beslossen (vertrag v. Riga u. Dorpat v. j. 1431) hanserecesse (v. j. 1431—76) 1, 25; du findest aber etlich alt liebhabend mane, aber lieb gehabten kainen. welche wort ich wol verstentlicher hett mugen setzen Nicl. v. Wyle transl. 8, 2 K.; wie er nun von natur ain mild und fründsam man was, weliche ard in ouch hinläszig und aller dingen wagsam (unentschlossen) machet J. v. Watt dt. hist. schr. 2, 85 G.; einem was dis genomen, dem andern das geschehen, wöliche klag alle an den ... haubtman ... wuchsen Ludwig v. Eyb Wilwolt

[Bd. 28, Sp. 1362]


v. Schaumburg 184 Keller; die freiherren von Zimbern seyen von herzogen abkomen und haben ain lange zeit solchen stand gefüert, welche sag von unverdechtlichen jaren herkomen Zimmersche chron. 2 1, 25, 4 B.; solichs wirt alleine verlyhen, denen es von ewigkeit von got berait ist. welcher gotgefelliger ordnung von wenigen ... nach gedacht wirt Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 27 ndr.; als da sind grosze winde ... cometen, nächtliche stralen ... von welchen dingen die astronomi ... geschrieben B. Ringwaldt lauter warheit (1598) A 3a; Springinsfeld ... gibt einen wirth ab, welches handwerch er misbraucht Grimmelshausen 2, 8 Keller; darinnen einige wölffe entsetzlich heuleten, welche unangenehme music etliche eulen ... vermehreten H. A. v. Ziegler d. asiat. Banise (1689) 16. diese form der indirekten aufnahme bleibt auch in neuer sprache (gegenüber α) häufiger: die übrigen vermehrungen bestehen in dem 'sieg des liebesgottes', welches scherzhafte heldengedichte man auch bereits kennet Lessing s. schr. 7, 6 M.; der graf ... äuszerte gegen Melina, dasz man streng auf fächer halten müsse, welchen ausspruch dieser in der gröszten devotion aufnahm Göthe 21, 239 W.; unternahm Winckelmann ... die fertigung eines katalogs, von welchem geschäft ... die überbliebene correspondenz ... zeugnis ablegt ebda 46, 50 W.; befahl Scipio die eroberten straszen anzuzünden ..., bei welcher veranlassung eine menge ... personen elend umkamen Mommsen röm. gesch. 6 2, 36; ein holztürmchen ... liesz vermuten, dasz ... noch etwas anderes verborgen sein müsse, welche vermutung denn auch ... ihre bestätigung fand Fontane ges. w. I 5, 117.
b) substantivisch auf einen einzelbegriff (nomen oder pronomen) des vorhergehenden (übergeordneten) satzes bezogen. welch tritt hier neben das alte relativum der; das wechselnde verhältnis zu diesem in der anwendung liegt nicht im unterschied der bedeutung, sondern im stilgefühl der jeweiligen zeit. perioden stärkerer einwirkung fremden, vor allem antiken sprachgeistes und neigung zu ausladender redeweise bevorzugen welch vor der, ebenso veranlassen tongewicht und rhythmus oft seine setzung. die sprache der gegenwart hat welch zugunsten des knappen der als 'papieren' zurückgedrängt; nach gemäszigten forderungen soll welch dort gelten, wo es gegenüber der eine eindeutigere auffassung ergibt und klanghäszliche häufungen vermeidet. zur frage s. Behaghel dt. syntax 3, 721 ff. und die dort angegebene literatur.
α) welch steht allgemein in syntaktisch notwendigen oder inhaltlich ergänzenden relativsätzen: ute enen gheliken deerdendeel der voerscreve ghemejnten, welc wij vercreghen hebben om enen jaerleken tsijns (v. j. 1359) cartulaire de l'abbaye de St. Trond 1, 559; nu ist di minne ein form aller tugent, snder welch kein tugent tugent ist bei Jostes meister Eckart u. s. jünger 92, 10; dat hebn se van der leve, sunder welke se nyne doghede en synt J. Veghe 224, 17 J.; dar umb ... alle, an welchen dise zaichen erschinen, ... ausz diser welt geschiden waren Arigo decamerone 3, 31 K.;

wer ist doch die, welch allso frü auff steyget
Hans Folz 11, 51 M.;

das noch gar vil und onzallich mer die ding sind, wölche er noch nitt weisz, denn die, die er yetzt erkennet Geiler v. Keisersberg d. seelen paradies (1510) 93b;

das ist Christus unser heyland,
welchen der vater hat gesand
Hans Sachs 1, 86 K.;

geleych den heydnischen tyrannen,
welche auff gott auch nit vertrawen 1, 219 K.;

byn ich eirst zo urre vurstliche gnaden komen ..., de wylche mich eyrlich untfangen A. v. Harff pilgerfahrt 1 Gr.; darumb hett gott die zwey regiment verordnet, das geystliche, wilchs Christen und frum leutt macht ..., und das weltliche, wilchs den unchristen und böszen weret Luther 11, 251 W.; alszdann zu diser groszen sachen, welche des menschen ehr, leib, leben und gut belangen sein Carolina3 § 1 Z.; ich geschweige der siben freyen

[Bd. 28, Sp. 1363]


künst, welche ich euch ... widerrhat und verbiete Casp. Scheit Grobianus 9 ndr.;

wie Pegasus, welchs war ein pferd
Fischart Eulenspiegel 3 Hauffen;

dasz cräntzlein dir gebüret,
welchs dir allein
von blümlein fein
ich schon hab eingeschnüret
Fr. v. Spee trutznachtigall (1649) 23;

spreche: du mein fels und stein,
gegen welchem alles klein
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel 3, 378b;

und brachte mir im augenblick ein paar ... pistolen geschlept, welche dem wirthe waren, die eine muste er ... füllen Chr. Reuter Schelmuffsky 25 vollst. ndr.;

so ward hier kein wort gefunden,
welches nicht den schmerz der wunden ...
herzbewegend vorgebracht
Gottsched ged. (1751) 1, 135;

er liesz mich merken, dasz dieses geheimnisse seyen, welche er bedenken trage, meiner jugend anzuvertrauen Wieland Agathon (1766) 1, 267; hier war nichts zu thun, als succurs ... zu berufen, welcher denn ... auch ankam Göthe IV 27, 121 W.; Eckart ... traf dort den greis ..., der ihn unlängs sein groszes unglück mit seinen söhnen erzählt hatte, welche er aufzusuchen ging Tieck schr. (1828) 4, 191;

sie sind, sagst du, wie des weingotts heilige priester,
welche von lande zu land zogen in heiliger nacht
Hölderlin ges. dicht. 1, 257 L.;

dort steht die königin
und weint die heiszen thränen, welche ihr
der schimpf entpreszt!
Hebbel w. 4, 111 Werner;

zog mein lederbeutelchen hervor, in welchem das kümmerliche reisegeldchen weilte, ... und that das gold hinein G. Keller ges. w. 3, 162; der mondschein ... verklärte das gesicht des ... knaben, welcher sich ... in den schlaf geweint hatte W. Raabe d. hungerpastor (1864) 1, 112.
bezug auf demonstratives (auch persönliches) pronomen ist ebenso schon früh geläufig, z. b.: dergleichen halte ich auch von allen denen, von welchen die schrift saget Luther tischreden 1, 390, 8 W.;

warumb sie dis doch thut begeren,
welchs mit der weil sie möcht beschweren?
Fischart ehzuchtbüchlein 166 Hauffen;

wolauf und singe schön
dem, welchem alle dinge
zu dienst und willen stehn!
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel 3, 351a;

wir ihn berühren, welchen gott geschlagen!
Schiller 14, 401 G.;

die reinste und höchste mahlerey in der musik ist die, welche du auch ausübst Göthe IV 33, 9 W.; aber noch tausendmal schöner war die, welche des hauptmanns herz erfüllte H. Fr. Blunck werdendes volk (1934) 369. — im 17. jh. tritt dabei die verbindung derjenige welcher auffälliger hervor; z. b.:

hab ich getan dasjenig,
welchs ær mich zeicht
Schede-Melissus psalmen 28 ndr.;

der jenige, welcher das alte fabelbuch geschrieben Grimmelshausen 2, 329 Keller; und sind also alle regulae ... nur mit teutschen wörteren ausgedruckt ... worden, welches ... auch dem jenigen, welcher der teutschen haubtsprache ... kündig worden, angenehm ... seyn kan Schottel t. haubtspr. (1663) 2. sie verliert sich später wieder in gepflegter sprache und gerät in elliptischer form in umgangssprachl. gebrauch: ach was ... ich bin jetzt derjenige welcher! an mich haben sie zu bezahlen W. v. Polenz d. Büttnerbauer38 146; besonders gern: 'so soll also ich wieder derjenige sein, welcher (nämlich schuld hat u. ä.)'. — ebenso schwindet in neuer sprache die anwendung bei bezug auf allgemeine pronomina (wie all, viel, wofür was und das eintritt): bedeckung ist ein generalwort, wodurch alles verstanden wird, welches so hoch aufgeworffen, dasz man sich darunter verbergen kan Apinus gloss. nov. (1728) 68; und überdem war etwas in dem ton dieser anrede, welches ihm miszfiel Wieland Agathon

[Bd. 28, Sp. 1364]


(1766) 2, 48; er sprach vieles mit mir, welches ich aber nicht verstand E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 18 Gr.; auch: das, welches am wenigsten erst durch das folgende aufgeklärt wird A. Schopenhauer w. 1, 10 Gr.
β) im inhaltlich selbständigen, fortführenden satz, ein gebrauch, der im besonderen auf enger anlehnung an die lat. (griech.) syntax beruht und wesentlich dem 16. und 17. jh. angehört, häufig bei Luther: nachdem er (Christus) den aposteln ... befelh getan hatte, welchen er sich ... lebendig erzeiget hatte ... und lies sich sehen ... und redet mit inen apostelgesch. 1, 3; Plato disputiret von gott, dasz gott nichts sei und sei doch alles. welchem Eck und die sophisten gefolget und doch nichts davon verstanden haben Luther tischreden 1, 108 W.;

da wolt sie auch nit lenger leben
und sich vor hertzenleyd erstach,
welliche man auch legt hernach
zu irem könig in das grab
Hans Sachs w. 8, 514 K.;

vor etlichen jahren wohnet ein bürger zu Trebbin ... der hiesz Peter Clawert. welcher mit seinem ehelichen weibe einen sohn, mit namen Hans, gezeuget B. Krüger Clawerts werkl. hist. 7 ndr.; nider sasz, die bottschafft von dem edelmann ... z vernemen. welcher auff solche meynung anfieng z reden Wickram w. 1, 12 B.; und pfiff den hauszknechte, dasz er eiligst zu mir kommen muszte. welcher sich auch flugs ... bey mir einstellte und sagte Chr. Reuter Schelmuffsky 25 ndr.; das wort 'letter' hat den namen von dem niderländischen ... lit oder let, ... von welchem auch der Lateiner littera herkömet M. J. Bellin hd. rechtschreibung (1657) 1.
noch greifbarer ist die nachahmung der lat. satzverknüpfung bei isolierter stellung des welch vor einem nebensatz; dabei kann das von welch dargestellte satzglied durch ein pronomen an der ursprünglichen satzstelle aufgenommen werden: in disem jamer fielen die Nortmanni in Aquitaniam, verhergten alles, welche als in niemant weret, fielen sie in Galliam Seb. Franck Germaniae chron. (1538) 88b; das ihm nit der ... bilgerstab hett herfür geguckt. welchen als der Grandgoschier ersah, sprach er zum Gargantua Fischart Gargantua 377 ndr.; Fischart liebt diese konstruktion, vgl. noch:

begert (der adler) demnach von ir den lon,
welchen als sie nicht geben kan,
zertruckt er mit den klauwen sie ehzuchtbüchlein 161 Hauffen;

und strich auff den andern, welcher als er seinen gesellen todt und den mönch ihm uberlegen vermerckt, schry und floh er Gargantua 408 ndr.; so nimt der ... neide ... ursache zu verleumbden ... welches so es mir auch begegnen solt, ... so müste ich solches zwar leyden Rachel sat. ged. 3 ndr.;

doch statt dessen will ich ...
auch den balsam dir zu riechen geben, ...
welchen, wenn du ihn zu riechen anfängst,
wirstu, schwör ich, alle götter bitten
(quod tu cum olfacies, deos rogabis)
Götz ged. 62 lit.-denkm.


γ) in moderner amts- und schriftdeutscher umgangssprache hat sich die verbindung welch letzterer (ersterer) ausgebreitet, vgl. dazu L. Günther recht u. sprache 295; sie dient zur genaueren bestimmung eines näheren (oder ferneren) bezugs und hat einen frühen vergleichbaren vorläufer: juwe twe breve hebben wii ... entfangen ... in welkeme juweme ersten gii schriwen (Danzig v. j. 1431) Hanserecesse (1431—76) 1, 11. in der sprache beschreibender und wissenschaftlicher literatur begegnet die verbindung seltener: sein aufenthalt ist in wäldern und gärten, in welchen letztern er am liebsten ist forst-, fisch- u. jagdlex. (1772) 3, 498; der katholische teil ... hatte sich von den schlüssen der trientischen kirchenversammlung sowie von Egmonts gesandtschaft nach Spanien grosze erwartungen gemacht, welche letztere ... gerechtfertigt zu sein schienen Schiller s. schr. 7, 167 Gödeke; zwischen dem ... westlichen und dem ... östlichen busen des Mittelmeers, an welchen letzteren hinantretend er (der Apennin) seine höchste ... erhebung erreicht Mommsen röm. gesch. 4 1, 4.

[Bd. 28, Sp. 1365]



c) bei bezug auf den inhalt eines ganzen satzes steht welch im gebrauch neben relativem was; in moderner sprache (etwa seit dem späteren 19. jh.) tritt es gänzlich hinter diesem zurück (vgl. dazu Behaghel dt. syntax 3, 724).
welch wird als relativer satzanschlusz im älteren nhd. sowohl bei ergänzenden, anmerkenden sätzen als auch bei inhaltlich selbständig-fortführenden gebraucht; vgl. beides auch im mnl. und mnd.: daer men uut lesen mach ... welck sie selver of een ander doen sal bei Verwijs-Verdam 9, 2, 2114; Johan Vege, de vormails pater hadde gewest to Rostick unde ock hyr tor fraterhues, welck he dorch krancheit nicht en mochte vulvoiren (nach 1504) bei Jostes J. Veghe xxiii;

und richtet auff ein schul gemein,
welliches er doch thet allein,
auff das er dennoch yemand het,
der in ehren und fürchten thet
Hans Sachs 2, 136 K.;

fryd mit allen mentschen haben. welchs aber nit ein jeder kan Zwingli v. freiheit d. speisen 23 ndr.; ward er (Gargantua) ... gewarnet, dasz im schlosz noch etlich feind legen. welches zu erfahren, rffet Gargantua, als fast er mocht Fischart Gargantua 369 ndr.; (im kloster) blieb sie bisz an ir ende, welches sie irem liebsten ritter ... het verhaiszen Zimmersche chron. 2 1, 31 B.;

dann die auff tugent geben sich,
schlagen die augen under sich,
welchs unser regel ist zuwider
Casp. Scheit Grobianus 203 ndr.;

unterliesze er nicht ... von seines herrn groszen reichthumben ... aufzuschneiden, welchem beydes die alte und junge mit lust und andacht zuhöreten Grimmelshausen 2, 344 Keller; und holte demnach aus allen kräfften aus, dem printzen den kopff zu spalten, welches ihm auch richtig gelungen wäre, wenn nicht ein ... ast den streich aufgefangen hätte H. A. v. Ziegler d. asiat. Banise (1689) 5.
in neuerer zeit beschränkt sich der gebrauch im wesentlichen auf sätze ergänzenden oder anmerkenden inhalts: ja, welches beynahe unglaublich ist, so gar in der deutschen sprache gab man uns anleitung Rabener s. schr. (1777) 2, 6; ich erstaune zwar, ihn, welches ich mir nimmermehr eingebildet hätte, in dem hause ihres (anrede) ... schwiegervaters zu finden Lessing s. schr. 2, 80 M.; vor allem kennt Göthe dieses welch (für was): habe ich die erlaubnis, in Schneeberg an zu fahren, welches mich sehr freuet IV 8, 1 W.; Xenophon habe eben so schlechte prosa geschrieben als ich, welches mir denn zu einigem troste dienen sollte ebda 29, 91 W.; der ... ring ... lud sie ein zu klopfen, welches Felix muthwillig etwas unsanft verrichtete I 24, 174 W. im 19. jh. begegnet es sonst nur mehr bei seinen frühen vertretern: (Novalis) trug sein ... haar in herabfallenden locken, welches damals weniger auffiel, als es jetzt geschehen würde Tieck bei Novalis schr. 1, xx Minor; durchstrich alle morgen, wenn er es etwa nicht verschlief, welches gar oft geschah, ... felder und wälder Eichendorff 2, 104 Dietze; denn die ... herrscher fürchteten sich, vergeblich menschenblut zu vergieszen, welches die gröszte sünde ist E. M. Arndt schr. f. u. an s. lb. Deutschen (1845) 1, 241; dasz diese wahrheit heut zu tage paradox klingt, welches in den ersten dreiszig jahren ... keineswegs der fall gewesen wäre Schopenhauer w. 1, 23 Gr.
d) das 17. (und 18.) jh. kennt eine verbindung des relativen satzanschlusses mit als, meist zur kennzeichnung eines kausalen nebensinnes (als welch etwa für 'da dies', vgl. auch Blatz nhd. gr. 3 2, 835); welch steht hierbei sowohl adjekt. wie substant. und bezieht sich auf einen einzelbegriff oder ganzen satz: diese erschiene von angesicht und geberden viel schöner und adelicher als von kleidungen, als mit welchen gaben sich die natur viel freygebiger erzeigt hatte Grimmelshausen 2, 336 Keller; ich ... den medicis ernsthaffter in den haaren seyn wolte als zuvor jemalen, als welche, wan der arme patient gestorben ist, tausenterley ursachen des tods erdencken können Moscherosch gesichte (1650) 1, 647;

[Bd. 28, Sp. 1366]


was aber denkt indessen
dein arme seel, als welcher du vergessen,
du eitler mensch, sie klagt ihr ungemach
Neumark fortgepflanzt. lustwald (1657) 1, 39;

in lesung nützlicher schriften, als welche ... die beste labung reichen Butschky Pathmos (1677) ):( 3b; vereinzelt spät: damit man nicht genöthiget werde, den kopf nach der rechten seite zu schief zu halten, als welches ... eine üble stellung des leibes verursachet J. J. Quantz anweisung d. flöte zu spielen (1789) 30.