Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
warum bis warzenähnlich (Bd. 27, Sp. 2188 bis 2205)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) warum , fragew. und adv., mhd. warumbe, ahd. (erst bei Notker) warumbe (wârumbe), entsprechend mnd. warumme, worumme, wurumme, ndl. waarom, afr. hwerumbe, hwerum, hwerom, werom Richthofen 836.
1) schon im mhd. tritt, zunächst in md. quellen, mit assimilation warumme und die kürzung warumb, warum auf; im 15. jahrh. kommt auch noch warumbe vor. im nhd. erhält sich die schreibung warumb bis in die 2. hälfte des 17. jahrh.; von wörterbüchern haben Hulsius, Pomai, Dentzler noch warumb, Schottel und Krämer warum; warumb steht noch bei Schupp 8 u. ö., worumb bei Leibniz 2, 51 Guhrauer. eine eigenthümliche, auf warumbe zurückgehende und wahrscheinlich aus der kanzleisprache stammende erweiterung ist warumben, so quellen z. gesch. der stadt Kronstadt 5, 458, 10 (1613). Schupp 709 u. ö. Baumann quellen z. gesch. des bauernkrieges in Oberschwaben 441. Guarinonius grewel der verwüstung 76. Spreng Ilias 46a (sonst warumb). Ayrer 221, 17 Keller; warummen H. Sachs 8, 271, 13 Keller (: kummen). Wild von dem doctor 2, v. 90. Abr. a S. Clara Judas 1, 154. der vocal der 1. silbe schwankt lange zwischen a und o: worumbe Rothe düring. chron. 555 Liliencron; worum Mentels bibel 1, 5, 6 Kurrelmeyer u. ö. Brant narrensch. 1, 20. Murner badenfahrt 11, IX, 60. Karlstadt bei Luther 15, 336, 17 Weim. ausg. Manuel weinspiel 1771 neudr. Hedio chron. germ. 1b. Tschudi chron. helv. 1, 56. Hollonius somnium vitae humanae 95, 58 neudr. Heinr. Jul. v. Braunschweig 48 u. ö. Froschmeuseler E 3b. S. Dach 92 Österley. Kantzow chronik v. Pommern 99. 101. Leibniz deutsche schriften 2, 51 Guhrauer. von den wörterbüchern haben die älteren warumb, nur Dasypodius und Frisius daneben worumb, Stieler aber gibt worüm neben warüm an, Kramer und Rondeau worum neben warum, Ludwig bevorzugt sogar worum vor warum; Steinbach 'worum, hodie warum'; Adelung schränkt worum auf die 'mehr determinative bedeutung' (= um was) ein, was dann zur regel geworden ist. vereinzelt erscheint wurumb Mentels bibel 4, 250, 58 Kurrelmeyer. Schwarzenberg t. Cicero 149 u. ö., wurumme Diefenbach nov. gl. 124a s. v. cur. mundartlich ist es zu schwächung und völligem ausfall des vocals gekommen, so elsäss. wərum, frum Martin - Lienhart 1, 39b, tirol. brumb Schöpf 802. in der 2. silbe ist umgelautetes ü im md. sehr verbreitet, in älteren quellen wegen der schreibung warvmb oft nicht zu erkennen, Schottel 1441 gibt aber warüm (gedr. wrüm) neben warum an, Stieler 2384 nur warüm, worüm; warümb steht auch bei P. Gerhardt, Fischer-Tümpel 3, 301, warüm Rist friedejauchz. Teutschland (1653) 24. Bellin hd. rechtschr. 17. Butschky Pathmos 10. Thomasius kleine teutsche schrifften (1707) 72. Brockes ird. vergn. 4, 57 u. ö. noch jetzt in Mitteldeutschland verbreitet z. b. worüm Ruckert 197; warim Gerbet 140; worim Albrecht 6. — der ton liegt in gewöhnlicher rede auf der 2. silbe, die 1. ist nur betont, wenn ein gegensatz zu darum gemacht wird, doch kommt in gehobener sprache auch die betonung der 1. silbe vor, wenn ein besonderer nachdruck auf dem worte ruht. die dichter verwenden das wort häufig so im verse (auch ohne besonderen nachdruck):

dasz ein esel hat gespracht, warum wundert man sich doch?
Logau 2, 5, 64 (s. 323 Eitner);

warumb hast du mein vergessen?
P. Gerhardt, Fischer-Tümpel 3, 378a;

und warum wär es auch die welt?
Günther 87;

warum wendest du dich? ach, warum fliehst du mein auge?
warum musz ich traurend dir nachsehn?
Klopstock oden 1, 62, 71 Muncker;

ach, warum lebt ich, es zu sehn?
Gerstenberg ged. eines skalden 364, 8 neudr.;

ja, Daja; gott sey dank! doch warum endlich?
Lessing 2, 191 (Nathan 1, 1);

warum gabst du uns die tiefen blicke?
Göthe 4, 97 Weim. ausg.;

warum hat dein volk, das hehre
Hafis dich genannt? 6, 33;

[Bd. 27, Sp. 2189]



warum hast du nicht
in's priesterrecht dich weislich eingehüllt? 10, 68 (Iphigenie 4, 4);

und warum bliebt ihr so verborgen? 16, 155;

wo aber ist sie? warum kommt sie nicht?
Schiller 12, 134 (Piccolomini 3, 3);

o, warum schlosz ich ihm die vestung auf! 12, 338 (Wallenst. tod 4, 6);

o warum hat man mich nicht vorbereitet! 12, 491 (M. Stuart 3, 2).


2) warum in der directen frage.
a) die frage ist ausgeführt: warúmbe ist er (der psalm) gescriben? Notker ps. 11, 1;

dô sprach der arme Heinrich
'war umbe untrœstent ir mich?'
Hartm. v. Aue armer Heinrich 205;

da sprach gott der herr zum weibe: warumb hastu das gethan? 1 Mos. 3, 13; da kamen zu im die schrifftgelerten und Phariseer von Jerusalem, und sprachen: warumb übertretten deine jünger der eltesten auffsetze? Matth. 15, 2;

warumb schlegst mich so grausam übel?
H. Sachs 21, 23, 23 Götze;

warumb thut mich dan plagen
die lieb ohn underlasz?
Spee trutznacht. 27;

ach warum, o natur, warum, unzärtliche mutter,
gabest du zum gefühl mir ein zu biegsames herz?
Klopstock oden 1, 31, 5 Muncker;

warum bist du gekommen? sag' mir an!
Göthe 11, 313 Weim. ausg.;

warum hat's bäumlein denn gelacht,
und warum denn seine kameraden?
Rückert werke 3, 6.

in der neueren sprache kann warum auch einen elliptischen satz einleiten: aber warum dieser zärtlichbange blick auf ihren liebhaber? warum die thräne, die in ihrem auge zu erstarren scheint? Wieland 1, 203 (Agathon 4, 6);

die bergeshöhn warum so schwarz?
woher die wolkenwoge?
Göthe 3, 221 Weim. ausg.


statt der frage kann ein bedauern oder eine klage zum ausdruck kommen: ach, Mellefont, warum musz ich einen andern begriff von dieser ceremonie haben! Lessing 2, 8 (Sara Sampson 1, 7);

warum verliesz ich meine stille zelle,
da lebt ich ohne sehnsucht, ohne harm!
Schiller 14, 52 (braut v. Mess. 2, 1);

ach, warum ist er nicht hier geblieben!
Göthe 2, 73 Weim. ausg.;

warum wohnen wir nicht näher an einander! briefe 41, 210; gott! warum, warum musz ich sie verlieren! Iffland theatral. werke 1, 31 (A. v. Thurneisen 2, 2).
ferner kann einer ablehnung oder zurückweisung ausdruck gegeben werden:

ouch wil ich niht engelten
swaʒ ir mich muget schelten.
war umbe solt ir michs erlân?
ir hât eʒ tiurerm man getân.
Hartm. v. Aue Iwein 215;

hie ist mein sitz (an der tafel),
und gäb nit umb den pabst ein schnitz:
warumb solt ich eim andern weichen,
so er doch eben ist meins gleichen?
Scheit Grobianus 651 neudr.;

da ich die stücke ... ohnedem von meinen freunden communicirt bekomme, warum soll ich sie damit belästigen? Kant 10, 537. in der neueren sprache kann (wie bei franz. pourquoi) bei dieser auffassung auch nur der inf. mit warum verbunden werden:

du tödtest, sagt man, alle Engelländer,
die du im kampf bezwingst — warum nur mich
verschonen?
Schiller 13, 280 (jgf. v. Orl. 3, 10);

don Cesar. ich nehm es (das schlosz) nicht, doch bin ichs wohl zufrieden,
dasz wirs gemeinsam brüderlich bewohnen.
don Manuel. so seis! warum ausschlieszend eigenthum
besitzen, da die herzen einig sind?
don Cesar. warum noch länger abgesondert leben,
da wir, vereinigt, jeder reicher werden? 14, 35 (braut v. Mess. 1, 5);

doch warum in dieser zeit
an die arbeit treten?
Uhland ged.2 55.


b) es kann sich an warum auch ein einzelnes wort anschlieszen, das aus einer vorhergehenden äuszerung übernommen

[Bd. 27, Sp. 2190]


wird: daz chit psalmus kesúngener selbemo Asaph ... wârúmbe gesúngener? Notker ps. 80, 1; verzwyfflung die dich bringt in den unwiderbringlichen fal der ewigen verdamnusz. warumb unwiderbringlichen? Keisersberg bilg. 21c;

Daja. er ist es! Nathan! — gott sey ewig dank,
dasz ihr doch endlich einmal wiederkommt.
Nathan. ja, Daja; gott sey danck! doch warum endlich?
Lessing 2, 191 (Nathan 1, 1).

oft bezieht sich warum für sich stehend auf die ganze vorhergehende äuszerung: warumb? antwort der kämmerling Amadis 1, 21 Keller; lieber, warumb das? Luther 18, 95, 25 Weim. ausg. gern schlieszen sich dann partikeln an warum an: warumb aber? quid autem? Maaler 485a; warumb doch? quamobrem tandem? Henisch 720, 23; worüm dann? quamobrem? Stieler 277; dasz sie mich nach Jauer abgeliefert haben. und warum? um ein stück Reichenberger tuch Fontane werke I, 6, 12; 'es musz doch eine rechte verlegenheit gewesen sein'. 'nein, mama, ... und warum auch?' die Poggenpuhls 96;

doch andre nennen mich
die dummheit. doch warum? das weisz ich nicht zu sagen.
v. Cronegk schriften 1, 7 (die verfolgte komödie 2).

warum nicht, das gern einräumend gebraucht wird, begegnet seit dem 15. jahrh.: quidni, warumbe nicht Diefenbach gl. 479b; warumb nit, quin, curnon, quidni Dasypodius 452d; warumb aber nit? quid ita non? warumb dasz nit? quidni? Maaler 485a; warum nicht? Krämer 1211; o mein Syre, ich bitt dich hastus auch gehört? warumb nit, der ich stäts bey und mit bin gewesen? Boltz Terenz deutsch (1539) 77a. Brunette. es wird wohl nicht geschehen. Pultrac. warum denn nicht? Stoppe Parnasz 492; genugthuung? ... es ist gut, du sollst sie haben. auch das, mein junge; und warum auch nicht? Heyse nov. 1, 224. warum nicht gar! dient als ausdruck der entschiedenen ablehnung oder auch nur der verwunderung (vgl. th. 4, I, 1329); es hat sich seit der mitte des 18. jahrh. von der nordd. umgangssprache aus verbreitet (nach Adelung der vertraulichen sprechart eigen): ich behaupte es, sagte mein oncle Toby, es hätte sein cerebellum zerbrochen ... und ein ordentliches pappmus daraus gemacht. warum nicht gar! versetzte doktor Slop Bode Tristr. Schandi 3, 73; Anton. habt ihr euch denn nicht gezankt? Lisette. warum nicht gar? Lessing 1, 287 (d. junge gelehrte 3, 12); also wird herr N. mit an dem journale arbeiten? — warum nicht gar? er communicirt mir blos die ankündigung 12, 47; ei vater, ihr könnt ja mit uns ziehen. ich in die stadt? warum nicht gar? Kotzebue dramat. spiele 3, 45; 'es ist ja niemand anders als der kapellmeister Schmalz, der mir die guitarre beibringt'. 'warum nicht gar!' brummte der alte ökonomierath, 'es ist der lustige commissär' Hauff 7, 21 Hempel. die ausdrucksweise ist eigentlich elliptisch, indem ein von einem andern gebrauchter ausdruckauch mit weiterer steigerungals ungereimt hingestellt wird, vgl.: und kinder! warum nicht gar säuglinge? Gerstenberg literaturbriefe 196 neudr.; warum nicht gar zank? scherz ists O. Ludwig 3, 12 (erbförster 1, 1).
c) schlieszt sich an ein eingeschobenes warum sofort die beantwortung der frage an, so nimmt es den charakter eines begründungswortes an. zunächst mit folgender conjunction:

ich kan dich, herre, niht volloben
nâch dîner wird envollen.
war umb? daʒ ich Apollen,
dem abgot, hân an gesigt,
daʒ mir mêr fröude wigt
denn daʒ ich worden bin gesunt.
Reinbot v. Durne heil. Georg 3822 Kraus;

bei uns sind die vokale das erste und lebendigste und die thürangeln der sprache; bei jenen (den Hebräern) werden sie nicht geschrieben — warum? — weil sie nicht geschrieben werden konnten Herder 5, 13 Suphan. seit dem frühnhd. auch ohne solche: jetz sind dir nach disem artickel alle ding rein, warumb? du bist glöbig, dir syen alle spysen rein Zwingli v. freiheit d. speisen 10 neudr.; der tod und jüngst tag seind grausam allen gotlosen, erwünscht aber allen gthertzigen. warum?

[Bd. 27, Sp. 2191]


jhene achtens bös, so ists in also. wie ein jeder glaubt, also geschicht im sprichwörter (Frankf. 1548) 68a;

du bleibst, wie er, der deinen lust?
warum? auch du bist voller liebe.
Stoppe Parnasz 7;

die schwalbe selber lüget,
warum? sie kommt allein!
Göthe 3, 33 Weim. ausg.

so erklärt es sich, dasz in den alten glossaren warumb auch angegeben wird für enim Diefenbach gl. 202c, nam 374c, quia 479a, quoniam 481b (auch dan warumb); auch warumb (daneben darumb) für quamobrem 477a, quapropter, quare 477c wird meist hierher gehören. in den dialecten begegnet dies begründende warum (ähnlich drum bei Hebel mit unmittelbar anschlieszendem verb, vgl. auch schweiz. idiot. 1, 231. Fischer 2, 84) mehrfach, so hess. worum Pfister 2. erg.-heft 45 (im südl. Vogelsberg); warum dasz Schott deutsche colonien in Piemont 345.
Keisersberg u. a. beantworten das fragende warum zunächst mit darum, woran sich die begründung schlieszt: das ist ein gt werck an im selber, aber nit ein tugentrich werck. warumb? darumb, das disz gt werck nit kummet usz der geschicklicheit eynes gten hertzen bilg. 90c; sy stond nit still sich z bedencken. warumb? darumb, die forcht treybet sy has im pfeffer aa 3d; man hat vor ettlich und vil hundert jarn vil haimliche und gewaltige künsten, darzu gut glückh und mer dan zu ietziger zeit darzu gehapt; warumb? darumb, die völckher in der welt seind nitt so sündhafftig gewesen Krafft reisen 339 Haszler; werdend sy von yederman also genennet. warumb? darumb, das sy ... Züricher bibel (1551) vorred A aa 3a.
da warum als begründungswort empfunden wird, wird ihm auch im 15. jahrh. wann (vgl. die oben sp. 1864 für wann warum gegebenen belege, wo wann kaum mehr als fragewort anzusehen ist) später denn (dann) vorausgeschickt; dies der umgangssprache eigene denn warum tritt auch in der neueren litteratur öfter hervor: jdoch sein ir allein vier: die haben ein gezeucknisz der meisterschaft. wann worumb (lat. quia), sy verkundigen durch die virteil der werlt den glauben der hailigen dreivaltigkeit Mentels bibel 1, 5, 6 Kurrelmeyer; yetz brieve ich ... deinen hohen adel, ... seitmal die hymlischen dein füerer ... seind. dann warumb, dieser dein gefert ... ist ... Minerva gewest Schaidenreiszer Odyssea 35, 11 Weidling; wie er (gott) es uns zschickt, sollen wir gtlich annemen, dann warumb, er ist allmechtig 41, 22; wee aber dem, der den krieg führt, dann warum? er ist der erst in dem wee Paracelsus (1590) 9, 127; das geld macht jezt eine hauptsächliche versuchungsgelegenheit ... denn warum? der eigennutz ... hat es so gewollt Bettine dies buch gehört dem könig 1, 65; (ein barbier spricht.) das musz wirklich unter die leute kommen. denn warum? wirkt so etwas nicht beruhigend? Gutzkow ritter vom geist2 3, 172; sie war eine sparsame frau und hob alles auf. das ist nun meine (des aufladers) art nicht. denn warum? — wer praktisch ist, braucht um das geld nicht zu sorgen Freytag 4, 264 (soll u. h. 2, 5); die ganz nacht ist mirs gewesen, als wenn ein bär bei mir im bett läg; denn warum? mein mann hat mich zweimal aufgeweckt, weil ich so tief hab atem geholt O. Ludwig 2, 83 (Heiterethei); ja, aber dauern thut es einen doch; denn warum? man ist doch ein mensch 2, 161; so möcht' ich doch der sonnenwirthin ihr herz nicht fressen, denn warum? sie hat eben kein kalbsherz, aber ihr hirn, das thät' mir, glaub' ich, schmecken Herm. Kurz der sonnenwirth 2, 99; 2. alter weber. das jahr kann ich a soviel howetage eemal ni leisten. ich streits eemal nich! denn warum? ... mir hats wasser alles zu schanden gemacht G. Hauptmann die weber 56 (3. akt).
3) warum im indirecten fragesatz.
a) nach verben des sagens, mittheilens, fragens, vernehmens, verstehens, feststellens, wissens und nichtwissens:

daʒ er in sagete,
war umb er diu wunder gefrumt habete. kaiserchronik 5036 Schröder;

saget durch got, war umbe
vlieht ir ein sô schœneʒ wîp?
Hartm. v. Aue Iwein 2260;

[Bd. 27, Sp. 2192]


so geschehe mir eben recht und wurd yederman sagen, warumb ich nicht herauszen wäre bliben Lindener 18 Lichtenstein;

ouch gabst in offenlich verston,
worumb du sollichs hest geton.
Murner badenfahrt 11, IX, 60;

das uns derselb bekenne frey
warumb gott Phaebus zornig sey?
Spreng Ilias 3a;

do mit wolt er offenbaren, worumb und worz er wer derwellt Mentels bibel 1, 192, 61 Kurrelmeyer; do eröffnet pabst Paschalis, worumb er dises concilium zesammen berufft hette Tschudi chron. helv. 1, 56; warum wir den gegenwärtigen (weg) wählen, ist oben angedeutet Ritter erdkunde 1, 60; ich wollt eigentlich darthun, warum ich an die sieben schöpfungstag nicht glaub Bettine dies buch gehört dem könig 1, 49; er ward gefragt, warumb er von dieser bsz und vorgehabten weisz abstnd S. Franck sprichw. 1, 8b; da er gefraget ward, warumb ... er also traurig were Stumpf Schwytzerchronik 16b; wenn man fragt, warumb ich nicht ausgegangen bin Ch. Wolff von d. menschen thun u. lassen 95;

warum ich wieder zum papier mich wende?
das muszt du, liebster, so bestimmt nicht fragen.
Göthe 2, 11 Weim. ausg.;

mit kurtzem wolt vernemen ihr,
warumb ich euch berüeff zue mir. Endinger judenspiel 27 neudr.;

ir Musae, habt mich nun vernommen,
warumb ich zu euch her sey kommen.
Fischart Eulenspiegel 8, 172 Hauffen;

losz frnd, warumb ich z dir kumm.
R. Manuel weinspiel v. 875 neudr.;

nun hörend, warumb das ist bschähen. schweiz. schausp. 3, 16, 16;

bald es die flöh ersehen hett,
schry es und sagt, nun sich ich wol,
warumb das kind schrey jetz zmol.
Fischart flöhatz 18, 572 neudr.;

damit die gelerten sehen, warumb frösch und meuse so oder anders genant worden Rollenhagen Froschmeuseler (1595) B 6a; so wolte er ihn mit augen sehen lassen, warumb ein betrogener liebhaber sich nicht zu tode grämen solte Weise drey klügsten leute (1675) 23; warumb aber solches bis anhero zurück gestellet, kan ich eigentlich bey mir nicht ermessen Opitz poemata 6 neudr.; diese menschenrace ... begreift nicht, warum es mit ihr nicht rucken will Göthe briefe 27, 52 Weim. ausg.; warum ich sie hierher führe, werden sie leicht einsehen werke 25, 88; niemand konnte erraten, warum der arme mann den stein aufhob Hebel 2, 6 Behaghel;

und konnt' es nicht versteh'n,
warum sie mochten laufen.
Rückert werke 1, 86;

warumb ... Lohenstein ... die beschreibung ... erwehlet, wollen wir zwar zu ergründen uns nicht bemühen Lohenstein Arminius 1, b 4b; untersucht man genau, warum gewisse stücke ... entweder gar nicht auf's theater kommen oder, ... nach und nach verschwinden Göthe 40, 97 Weim. ausg.; wer nit kinder hat, der weyszt nit warumb er lebt sprichwörter (Frankf. 1548) 80a;

deine tugend, redligkeit und kunst
weisz, warum du mir trägst treue gunst.
Logau 1, 8, 90 (s. 181 Eitner);

auch ein kind weisz, warum es seinen bunten, glatten kiesel schön nennt Herder 22, 76 Suphan;

fürt sie mit sich spazieren naus,
und macht, das sie vergessen gar,
warumb sie warn geschicket dar.
Hayneccius Hans Pfriem 12, 36 neudr.

der anschlusz des warum - satzes kann auch ein freierer sein, z. b. man schickte einen boten an ihn ab, warum er nicht komme. im älteren nhd. steht so warum dasz: ist hertzog Bernhart mit den Rhugianern in rede gekhomen, worum das sie sich ... ergeben hetten Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 99 Gäbel; hat ... hertzog Heinrich ... den khonig beschickt, worum das er seine buntsverwanten so bekriegte 101.

[Bd. 27, Sp. 2193]



b) an die genannten verba kann sich auch nur warum anschlieszen, was am häufigsten bei wissen vorkommt: ich will euch sagen warum Krämer 1211;

du fragst, o frage
mich nicht warum?
Platen 1, 38 Hempel;

auf einmal aber zerschlug sich's, ohne dasz ein mensch begreifen konnte warum Göthe 23, 35 Weim. ausg.; und kam unversehens ein schreck in sie, dasz sie flohen ... und wiszten selbs nit warumb S. Franck chron. Germaniae (1538) 133b; so hat er mir geschrieben, dasz er wiederum, unwissend warum, dort abgeschafft worden Simpl. schr. 3, 390, 15 Kurz;

so oft er von ihr schied, betrübte
sie sich und wuszte nicht warum.
Pfeffel poet. versuche 2, 167;

er ist mein mann geworden, ohne dasz ich weisz wie; wir haben zusammen gelebt, ohne dasz ich recht weisz warum Göthe 22, 99 Weim. ausg.
c) vom indirecten fragesatz aus haben sich (wie bei cur, pourquoi) gebrauchsweisen entwickelt, in denen warum mehr relativ steht.
α) im anschlusz an subst., zunächst solche wie frage, untersuchung, dann auch, und besonders häufig, grund, ursache u. dgl.: ursach, warumb dis buch geschrieben Ringwaldt lauter warheit vorr. 5; finis ist die ursache, warum etwas geschieht Ch. Weise pol. redner (1677) 117; gleichwie man zufrieden ist, wenn man die ursache erfährt, worumb die sach seyn müssen Leibniz deutsche schriften 2, 51 Guhrauer; ich bin ein gemeiner einfältiger mann, der ihnen ihre ursachen, warum sie den brief nicht lesen können, oder wollen, freylich so musz gelten lassen Lessing 2, 41 (Sara Sampson 3, 3); denn weder hier noch dort sehe ich die geringste ursache, warum denn nun aber ein guter gereimter einfall, ein kurz und glücklich vorgetragener interessanter gedanke, eben eine aufschrift, ein epigramm heiszt 8, 427; diesz ist die ursache, warum so schwer darüber zu reden ist Göthe 48, 180 Weim. ausg.; der andere grund, warum hr. Voltaire den krieg im himmel ... verwirfft Bodmer abhandl. v. d. wunderbaren 19; es musz einen andern grund haben, warum er (der künstler) hier von seinem nebenbuhler, dem dichter abgehet Lessing 6, 378; Kriebow meinte, er glaube nicht, dasz dies der grund, warum die kirche leer sei v. Polenz Grabenhäger 1, 56; elliptisch: es kam mir ein mitschüler entgegen, sagte mir, dasz Öser nicht zu sprechen sei, und die ursache warum Göthe 27, 184 Weim. ausg.;

denn wenn wir auf den ursprung denken,
warum wir unsern geist nie recht zum schöpfer lenken,
so find' ich keinen sonst, als diesen blosz allein.
Brockes ird. vergnügen 2, 233.


β) im anschlusz an pronomina und wendungen mit dem pron. (z. b. das, warum ich ihn hasse, ist sein stolz oder sein stolz ist es, warum ich ihn hasse):

ach komm, herr Jesu Christ,
komm! dieses einig ist,
worumb du mensch gebohren!
S. Dach 92 Österley;

verzeiht, o Franken ...
... dasz ich den Deutschen einst
zurufte, das zu fliehn, warum ich
ihnen itzt flehe, euch nachzuahmen.
Klopstock oden 2, 63 Muncker;

das ist's, warum mein blutend herz nicht heilt.
Göthe 10, 6 (Iphigenie 1, 2);

und ohne zweifel lag der grund, weszwegen man sie schön fand, in allem dem, warum man sie nicht für häszlich hielt Wieland 19, 49 (Abderiten 1, 4); vielleicht war es dieses gefühl, das alles, was ihm naht, verklärt, warum dem Holders-Fritz der garten so schön vorkam wie nie vorher O. Ludwig 2, 120; das wars, warum sie so traurig die treppe hinuntergeschlichen 2, 322; was war es, warum ihm die versammlung der rathpflegenden zechenden götter zu dieser absicht tauglicher dünkte? Lessing 6, 463.
γ) räche Segesthes ... deines geschlechtes und des vaterlandes schande, welche gröszer ist, als warum Virginius seine tochter auff öffentlichem marckte abschlachtete Lohenstein Arminius 1, 48a.

[Bd. 27, Sp. 2194]



4) warum erscheint schon frühzeitig substantivirt als 'grund' und zwar gewöhnlich als neutr., daneben auch als masc.:

gottes will hat keinen warumb.
Hanmann anmerck. in die prosodie 91;

dasz du ihn liebest um sein selbst willen ohn allen warum, sondern um dasz er zu lieben ist G. Arnold leben der gläubigen (1732) 41. zuerst bei den mystikern auftretend: gift suochet alle wege daʒ ir an den dingen, aber gâbe ist frî unde blôʒ und alzemâle lôs alles warumbe mystiker 2, 131, 26 (meister Eckhart); alsô als got wirket sunder warumbe und enkein warumbe hât, in der wîse ... wirket ouch der gerehte sunder warumbe 2, 146, 20; dar umme vrêget man, ob ein mensche dâ zu kummen muge, daʒ her tugende wirke sunder warumme der tugende 1, 114, 20 (Herm. v. Fritslar); und alles, das gotlich ist und got zu gehort, das wil und wurckt und begert anders nit dan als gut und umb gut, und da ist anders kein warumb theologia deutsch 53 Mandel. ferner: er hat allweg ain obendrauff und falsches warumb. ja scht und sihet in all seinem thn auff ain lüstle oder nützle S. Franck baum des wissens 126b;

die ros' ist ohn warumb, sie blühet weil sie blühet,
sie acht nicht ihrer selbst, fragt nicht ob man sie sihet.
Angelus Silesius 1, 289 neudr.;

sogar das seltsame ding, das (närrisch genug) in uns denket,
mit jedem geheimen warum, das unsern willen lenket,
und vom warum das warum erklärt' er an fingern euch her.
Wieland der neue Amadis (1771) 79;

doch forschung strebt und ringt, ermüdend nie,
nach dem gesetz, dem grund warum und wie.
Göthe 4, 114 Weim. ausg.;

kein warum frommt. ewig bleibt stillschweigend und ernst das geschick.
Platen 132 (festges.);

man musz die stimmung nützen, wenn sie neu.
gealtert theilt sie gern des alters zweifel
und fragt nach gründen, endlos im warum.
Grillparzer 7, 149 (bruderzwist 5);

es ist ein köstliches warüm vorhanden, justa, facilis, invicta, et praegnans causa adest Stieler 2384; kein geschöpf unter der sonne wäre geplagter, als ein lehrer, wann er jedem seiner schüler das warum, des warum? erklären müszte C. F. v. Moser beherzigungen (1763) 48; ohne gründe, begriffe und vorstellungen darf ich kosten, um zu kosten, und jedes warum abweisen Herder 22, 207 Suphan; das was liegt in uns, das wie hängt selten von uns ab, nach dem warum dürfen wir nicht fragen, und deszhalb verweist man uns mit recht auf's quia Göthe 28, 50 Weim. ausg.; 'Emilie Galotti' ist auch nur gedacht, und nicht einmal zufall oder caprice spinnen irgend drein. mit halbweg menschenverstand kann man das warum von jeder scene, von jedem wort, möcht' ich sagen, auffinden briefe 2, 19; da es nun die, von uns stets a priori gemachte voraussetzung, dasz alles einen grund habe, ist, die uns berechtigt, überall warum zu fragen; so darf man das warum die mutter aller wissenschaften nennen Schopenhauer2 3, 18 Grisebach; er konnte sich selber nicht rechenschaft geben, nach welchem gesetz er die fäden seines gedichtes ineinander wob, — es ist auch nicht nötig, von allem das warum und weil zu wissen Scheffel Ekkeh. 385. Göthe bildet den plural die warums: was sollen hier worte? was soll ich die warum's dir vortragen? — die warum's sind so viel lügen Göthe 11, 188 (Stella 5); warum theilte er die Ilias, und Odyssee? — und mehr solche warums, die ihm die ungereimtheit beantworten mag, die sie ihm eingab 37, 201. warum gern dem darum gegenübergestellt: nun dünkte er sich viel klüger, und wollte von jedem warum das darum sagen, eh' er's gelernt hatte Nicolai geschichte eines dicken mannes 1, 63; lerne deine gemeinde so kennen, wie ein gelehrter die sprache, der bei jedem worte das warum und darum weisz Hippel 1, 229 (lebensl. I);

nach dem warum stets spüren,
das darum prätendiren,
und so den herrn vexiren,
das will sich nicht gebühren.
Kotzebue dramat. sp. 2, 271.

[Bd. 27, Sp. 2195]


sprichwörtlich: alles hat seyn warum Schottel 1121; alles ding hat ein warum Wille sittenlehre 18; hülf und gnad hat kein warum Schottel 1127. Wille 99; gottes will hat kein warum Schottel 1140; es ist kein warum, es ist auch ein darum Kirchhofer schweiz. sprüchw. 267; jedes warum hat sein darum Frommann 6, 326.
5) warum steht auch vielfach für 'um was', wofür jetzt (da sich die analogie von worauf, worüber u. s. w. hier mehr geltend macht) worum verlangt wird. bis auf Adelung wird aber kein unterschied zwischen warum und worum gemacht; Adelung sagt, dies werde in einer 'mehr determinativen bedeutung' gebraucht, bringt aber einen besonderen artikel worum nicht, Heynatz 2, 654 erklärt worum für 'um welches' zwar für zulässig, gibt aber der form warum auch in diesem sinn den vorzug, erst Campe unterscheidet deutlich zwischen beiden worten. doch findet die form worum nicht überall annahme; so ist z. b. bei Göthe in der ausgabe letzter hand noch sehr häufig warum im sinne von worum gesetzt.
a) im fragesatze. wortspielend: ich (Joseph) will dir bald ausz deinem traum helffen ... die drey körp seynd die drey täg, nach solchen wirst du auffgehenckt werden. warum? um den halsz herum: ist auch also geschehen Abr. a S. Clara Judas (1687) 1, 323.
b) in indefinitem gebrauch:

hast du (leben) mich warumb zu bitten,
o so hebst du mich empor. Königsberger dichterkreis 27 neudr.


c) in relativem gebrauch. in verallgemeinerndem sinn: wo zween unter euch eines werden auff erden, warumb es ist, das sie bitten wöllen, das sol inen widerfaren Matth. 18, 19; so woltestu hören vom himel, vom sitz deiner wonung und thun alles, warumb er dich anruffet 2 chron. 6, 33. sonst: horchte ich, warum es doch zuthun seyn möchte Simpl. 1, 358, 12 Kurz; alles, warum ich ihre majestät bitte, sagte er, ist ... Wieland 6, 87; der rest ist nichts, warum er sich bekümmert 9, 299; du weiszt, warum es ihnen eigentlich bey dir zu thun ist 33, 170; in überlegung ziehen, warum man sich vorher ganz und gar nicht bekümmerte, ist der halbe weg zur erkenntnisz Lessing 10, 316; warum sie kämpften, darum mögen oder dörfen wir keinen finger regen Herder 9, 512 Suphan; in absicht auf den punct, warum gestritten wird Kant 8, 91;

lasz ihn ein sanftes schäferlied
auf unsern freund und gönner dichten,
und das an unsrer statt verrichten,
warum wir uns umsonst bemüht.
Gottsched ged. (1751) 185;

so weisz ich, dasz er mein gedenkt,
und thut, warum ich bete.
Gellert 2, 115;

Nathan. und ein derwisch müszte?
was müszt' er denn?
derwisch. warum man ihn recht bittet,
und er für gut erkennt: das musz ein derwisch.
Lessing 2, 207 (Nathan 1, 3);

lasz sehn, warum mir eigentlich zu thun!
um machtspruch oder rath? 2, 298 (4, 1);

denn kein schlachtvieh wollten sie jetzt, sie wollten kein stierfell,
keinen der preise, warum man sonst wohl rennet, gewinnen.
Bürger 236;

dies nun, warum du mich fragst und anflehst, werd' ich fürwahr nicht,
anderswohin abweichend, verkündigen, oder dich teuschen.
Voss Odyssee (1793) 4, 347;

weg ist alles, was du liebtest,
weg warum (im ersten druck worum) du dich betrübtest.
Göthe 1, 70 Weim. ausg.;

befehlen werd' ich morgen das, warum (so 1802 u. sp., im text nach dem 1. druck worum)
ich heute dich ersuche. 9, 306 (Mahomet 2, 5);

erhabner geist, du gabst mir, gabst mir alles,
warum ich bat. 14, 163 (Faust 1, v. 3218);

und gott sei dank, warum (im druck von 1773 worum) ich warb, ist mir worden 8, 137 (Götz 4); das ist alles, alles, warum ich sie bitte 11, 78 (Clavigo 2); ein jährliches gehalt ..., warum's ihm vielleicht einzig und allein zu thun war 11, 107 (4); da haben sie doch wieder ein himmlisches gut, warum (so in allen drucken bis

[Bd. 27, Sp. 2196]


1832, im text nach der hs. worum) sie einander bringen können. es ist nichts, warum sie einander nicht bringen 19, 98 (Werther); er versagt dir gewisz nichts, warum du ihn freundlich bittest Fr. Müller 1, 71; ein überelegantes halstuch, warum mich alle herren ... beneideten Spindler n. f. 19, 52; thu, warum ich dich gebeten habe! Storm 8, 141. bei besonderem hinweis auf das vorausgehende steht früher als warum (vgl. DWB als 5 th. 1, 256): voraus gesetzt, dasz die herausgeber dieser schriften die aufsätze einrücken wollen, als warum ich sie wenigstens hiermit ersuchen will Bürger 184; diese erfahrung zeigt sich noch deutlicher, wenn man den breiten streif noch einmal so breit macht, welches mit ein paar pinselstrichen geschehen kann, als warum ich die liebhaber ersuche Göthe naturwiss. schriften 5, I, 32 Weim. ausg.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
warvogel, m. der wargengel (s. d.), neuntöter, lanius excubitor L. Naumann vögel 2, 7. übertragen: warvogel, perturbator, destructor, intricator Teuthonista 484 Verdam.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
warvon, fragew. u. adv., im älteren ahd. neben wovon:

lg auch warvon du reden wilt.
Scheit Grobianus 4591.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
warz (m.?) 1) der sauerklee, oxalis acetosella L. Holfert-Arends3 213, in Unterwalden Pritzel-Jessen 260b. 2) die tamariske, myricaria germanica Desv., mhd. warcz nach Pritzel-Jessen 242b. beide pflanzen werden gegen ausschläge verwendet, zugehörigkeit zu warze ist aber nicht anzunehmen; w steht für b (Weinhold bair. gr. § 136, alem. gr. § 166): merica, bartz Diefenbach gl. 358a, tamariscus, bartz, batzwurtz 572c; vgl. th. 1, 1539 berz und 2, 41 birz.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
wärzchen, n. kleine warze.
1) von gewöhnlichen warzen:

ich weisz an dir ein schwarzes wärzgen. geharnschte Venus 150 neudr.;

am kinne lässet sich ein kleines wärtzgen sehn. Hoffmannswaldaus u. a. gedichte 6, 31 Neukirch;

allzu hart die borsten sind,
die des kinnes wärzchen zieren —
geh ins kloster, liebes kind,
oder lasse dich rasieren.
Heine 1, 414 Elster;

ich hatte eine kleine warze am untern augenlied, man hat sie mir glücklich abgebunden ... hier sasz das wärzchen Göthe 23, 40 Weim. ausg.; ich glaubte, er sähe nach dem wärzchen auf meiner linken backe, ob das auch gröszer geworden sei Hebbel werke 2, 18 (Maria Magdalena 1, 4) Werner.
2) nicht krankhafte kleine erhöhungen des menschlichen und thierischen körpers, z. b. der eingeweide, des herzens, der nieren Nemnich 4, 856; hautfalten in der vagina Pierer medic. wb. (anat.) 3, 742; die wärzchen der haut, gefühlswärzchen, nervenwärzchen, die tastkörperchen 6, 112. häufig die wärzchen der zunge, die geschmackswärzchen: schwerlich hat uns die natur die zunge gegeben, dasz einige wärzchen auf ihr das ziel unsres mühseligen lebens oder gar des jammers andrer unglücklichen würden Herder 13, 295 Suphan;

(gott hat auf der zunge) wärzchen ausgesät,
durch welche der geschmack entsteht.
Triller poet. betrachtungen 1, 171;

ein schlemmer aber mag in kleinen bissen kauen,
die wärzchen des geschmacks andächtig zu erbauen.
Rückert werke 8, 180 (weish. d. brahm. 4, 96).


3) an pflanzen: die frucht ... ist gleichsam mit spitzigen wärzchen ... besetzt G. Forster schriften (1843) 4, 353; staubweg sehr kurz, als zitzenförmiges wärzchen auf der frucht stehenbleibend v. Schlechtendal flora v. Deutschl.5 3, 15; bei Leunis botanik3 1, 40 ist wärzchen eine ganz kleine, nur von einer oberhautzelle gebildete erhöhung.
4) in vergleichen: das war das letzte haus oben auf dem berge, es stand wie ein wärzchen auf hoher stirne Rosegger I, 9, 39. bildlich 'kleiner fehler' z. b. unebenheit im stil: es kommt auf ein paar ... härten, auf ein wärzchen nicht an, wenn nur der satz rothe backen hat. diese gesundheitsfarbe aber haben Kellers perioden Vischer altes und neues 2, 208.

[Bd. 27, Sp. 2197]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) warze, f. kleiner hautauswuchs.
I. verwandtschaft und form.
1) warze ist ein gemeingerm. wort, ahd. warza, mhd. warze, and. warta (belegt warte Steinmeyer-Sievers gl. 2, 728, 8 = Wadstein 111, 28, e statt a in den Oxforder gl.), mnd. warte, ndl. wrat (s. u. 3) Franck2 805a, mundartlich warte De Bo2 1215b, woert, woort Boekenoogen 1227, woat, wood, woard Molema 477; afries. warte (daneben worte) Richthofen 1128a, westfries. wart Dijkstra 3, 409b, ags. wearte Bosworth-Toller 1178b, mengl. warte Stratmann-Bradley 670b, engl. wart, anord. varta Fritzner 3, 876, dän. vorte, schwed. vrta, mundartlich varta Rietz 798; im got. ist das wort nicht belegt.
2) es ist sehr wahrscheinlich, dasz warze auch etymologisch verwandt ist mit den bedeutungsverwandten (vgl. varix, warza vel werna Steinmeyer-Sievers gl. 2, 7, 35; s. auch unten II, 2, d und e) worten vläm. warre 'schwiele' De Bo2 1183a, ags. wearr 'schwiele', mit anderer ablautstufe ahd. werra (daneben warra 'emorroida' gl. 4, 56, 39), werna 'krampfader' (auch werr gl. 3, 291, 58, wern gl. 4, 210, 29), nhd. mundartlich werr(e), wern(e) 'gerstenkorn am augenlid'. indog. *vers, germ. *verz, ablautend *varz, wird angesetzt für die formen mit rr, mit diesen ist verwandt lit. virszùs 'das obere', aslav. vrĭchŭ 'gipfel', lat. verruca < *versūca 'warze', älter 'erdhöcker', aind. varṣīyān 'der höhere', varṣman- 'spitze', die grundbedeutung der sippe scheint also 'erhöhung' zu sein, s. Bugge, Bezzenb. beitr. 3, 113 und Weyhe, Paul u. Braune beitr. 30, 62 f.; Weyhe führt weiter ahd. werna mit afries. wersene, wirsene 'runzel' auf die n-erweiterung von *vers, germ. *verznō- zurück und schlieszlich (unter hinweis auf ahd. runza aus *wrunk(a)tōn- neben mhd. runke) ahd. warza über *warz(a)tōn- auf *warzatōn- zurück. doch ist eher mit Torp bei Fick4 3, 397 von der indog. wurzel *ver auszugehen, auf die ahd. wer-na, holl. weer 'schwiele', norw. dial. vere, schw. dial. verna, vare, 'hautgeschwulst der kühe', und lat. varus 'finne', varulus 'gerstenkorn', varix 'krampfader' führen; als wurzelerweiterung erscheint dann *vers und *verd, wozu warze, ferner aslav. vrědŭ 'ausschlag' und nach P. Horn (bei Kluge7 483) pers. bālū 'warze' aus iran. *varda gehört; warze steht so im ablautverhältnis zu wurz(e) 'wurzel' und ist weiter verwandt mit ῥίζα, lat. rādix; wenn man als dritte wurzelerweiterung *verdh betrachten will, so kann auch aind. vardhate 'erhebt sich' hierher gezogen werden (vgl. Persson wurzelerweiterung 86).
3) im mnd. erscheint mit umstellung neben warte auch wratte Schiller-Lübben 5, 778a. Diefenbach gl. 614a, diese form ist in neueren ndd. mundarten erhalten: wratt Danneil 250, wratə (neumärkisch) zeitschr. f. d. mda. 1910, 41, wratte (neben warte) Dähnert 558, wratt Frischbier 2, 481; verhochdeutscht wratze Dähnert 558 (als erklärung von wratte). Brendicke 194; ndrhein. frat deutsche dialektgeographie 8, 88, ebenso im südwestl. Westpreuszen zeitschr. f. d. mda. 1915, 190, in Putzig in Posen 1913, 11; auch im ndl. wrat, älter wratte Teuthonista 507b Verdam. Kilian 682; ähnlich mengl. wrete (s. 5) Stratmann - Bradley 670b, in nengl. mda. wrat, wret, writ Wright 6, 552a.
4) in den mundarten wird das a häufig zu o verdumpft; in einigen fällt das r, mit oder ohne dehnung des vocals, aus: wā(r)tsə Berger mda. des St. Galler Rheintals 87; waatsə Meisinger Rappenauer mda. 224b; waats Lenz vgl. wb. 76; waaz Hönig2 195. auch ohne den wegfall des r tritt in weiten gebieten dehnung ein. die kürze ist bezeugt aus dem Münsterthal wàrts Martin-Lienhart 2, 860a; ostfränkisch in Bamberg wadsn zeitschr. f. d. mda. 1912, 13 (vgl. bei Rückert werke 8, 252 den reim schwarze: warze); in Nürnberg warze Gebhardt 336; in Köln wats neben wāts W. Müller vokalismus der stadt- und der landkölnischen mda. 12; auf nd. gebiete watə in Mühlheim a. d. Ruhr Maurmann 40, in Cronenberg Leihener 131, watte neben wâte Woeste 317 (aber waarte brem. wb. 5, 199; wârte, wârt ten Doornkaat Koolman 3, 119). in der umgangssprache der gebildeten heiszt es in einem groszen theile Norddeutschlands wărze (auch Sanders gibt nur die kürze an), dementsprechend die bühnenaussprache (35 Siebs) auf die kürze festgelegt ist. Adelung hat die

[Bd. 27, Sp. 2198]


länge, die in der md. und obd. umgangssprache als herrschend angesehen werden kann.
5) neben ahd. warza steht werza Steinmeyer-Sievers gl. 3, 480, 2, werze 3, 263, 71. 4, 106, 16, neben mhd. warze, werze (wercen Pfeiffer zwei arzneibücher, Wiener sitz.-ber. 42, 149, bairisch 13. jahrh.); nhd. wärze bis ins 17. jahrh., jetzt noch mundartlich; auch in nfr. mundarten werte neben wratte Kilian 682, wert(e) Franck2 805a, wö(r)t, we(r)t Cornelissen en Vervliet 1459, mengl. werte, wrete Stratmann-Bradley 670b. die e-form geht auf einen stamm *wartjôn- zurück; die qualität des vocals der 1. silbe ist (da der umlaut vor rz in einigen mundarten früher, in andern später erfolgte) schwankend; auf altes umlauts-e weist ahd. werza (vgl. die schreibung wairza gl. 3, 697, 44, waerza 4, 56, 38, Braune ahd. gr. § 26, 4), dagegen führen die schreibung wärze im älteren nhd. und die meisten heutigen mundarten auf jüngeren umlaut.
die e-form zeigen im älteren nhd. schweizerische, schwäbische (nicht elsässische, die häufig warzel, s. d., haben), bairisch-österreichische und rheinfränkische quellen: ein wärtzen (1502) Diefenbach nov. gl. 118b, tuttenwercz 279a (beide 'streng hd. oder alem.'), schweiz. die wärtzen (sg.) Maaler 482b, schwäb. bey der wärtzen Spreng Ilias 212b (aber Keller, Augsb. 1468, warcz Diefenbach nov. gl. 279a); bair.-österr. (s. auch oben Pfeiffer arzneibücher) ein wertz, ein wertzen Diefenbach nov. gl. 231b. 279b. 308a (alle drei Hall 1429), ein werczen ('ostlechisch' 1432) Frommann 4, 305, werczn Sterzinger spiele 4, 227, wärtzen (15. jahrh.) Schmeller 2, 1064, wärtz Schönsleder prompt. Kk 6c, wärtzen Abr. a S. Clara Judas (Salzburg 1689) 2, 274; auch erzgebirg. wertzen bei Mathesius Sarepta (1598) 195b; rheinfr. brustwercz (Landau 1466) Diefenbach nov. gl. 279a, wärtzen Becher chymischer glückshafen (1682) 765. entsprechend (nur aus dem rheinfränk. nicht zu belegen) in den heutigen mundarten: schweiz. wärze Seiler 311a. Hunziker 287; wǣrtsa Wipf mda. v. Visperterminen im Wallis 79; wärzenchrut schweiz. id. 3, 915 (nur in St. Gallen u. Schaffhausen warzenchrut, ebenso wārtsə in Appenzell Vetsch 21, St. Gallen J. Berger 87, Keszwil im Oberthurgau Enderlin 69), waerza in Vorarlberg Frommann 4, 2, schwäb. wäz (in Währingen) Birlinger 427b; bair. wárz.n Schmeller 2, 1014, ebenso kärntisch (neben wérz.n) Lexer 250, tirol. wartsə Schatz mda. v. Imst 43; ferner werz Zingerle Lusern. wb. 58, wrz Bacher 226, berza Schmeller cimbr. wb. 173; auch westböhm. wártsn, wärtsn Gradl 39, nordböhm. (Eger 1823) wärze zeitschr. f. österr. volksk. 6, 111, erzgeb. wards (a < ä) Lang Zschorlauer mda. 12, vogtländ. wards Gerbet 239.
6) wie im nordthür., obersächs. und in angrenzenden nd. mundarten wanzche, wanzke neben wanze steht (sp. 1927, vgl. über die obersächs. fem. auf -che zeitschr. f. d. mda. 1907, 31), so warzche, warzke neben warze; auf ahd. warzihha weist vielleicht warchzun (für warz(i)chun?) Steinmeyer-Sievers gl. 3, 291, 68; der Anhalter Trochus (prompt. 1517) hat wartzke, verruca N 1b, papilla N 3a, Luther jedoch hat zwar wanzke, aber warze (wartzen 11, 384, 5 Weim. ausg., wartzlin 36, 474, 16); der in der Altmark geborene J. Praetorius hat wartschcke philosophia colus (1662) 166, wartsgen 188; die zweite stelle übernommen von dem Arnstädter J. G. Schmidt rockenphilosophia (1706) 2, 250; wartzke auch bei Comenius portael (Amsterd. 1673) im register; warzgenkraut bei Frisch 2, 424c. jetzt ist mundartlich, meist mit länge, bezeugt ostthür., altenburg. wārzγe Hertel 254, wārdsΧe Kürsten u. Bremer 76, so auch in Leipzig und sonst obersächs. Müller-Fraureuth 2, 641 ; mansfeld. wrzke (neben wrtsə zeitschr. f. hd. mda. 2, 192); im Harz wórzke Hertel 254.
7) die declination war im ahd. schwach und stark: warchzun (s. o.) Steinmeyer-Sievers gl. 3, 291, 68; warzun 2, 174, 42. 2, 236, 38, aber pl. warza 2, 240, 49. 3, 310, 56; mhd. sind nur schw. formen belegt.
II. bedeutung und gebrauch. die aus den indogerm. verwandten zu erschlieszende grundbedeutung 'erhöhung' wurde in den germ. bildungen verengt zu 'kleine (krankhafte oder nicht krankhafte) hauterhöhung bei mensch und thier': von mangerley wärtzen, oder urschlechten, knorren oder herten J. Khüffner Celsus (Mainz 1531) 87a.

[Bd. 27, Sp. 2199]



1) am häufigsten wird warze gebraucht für die rundlichen, ziemlich harten auswüchse, die durch wucherung der hautpapillen entstehen; für sie genügt auch stets das alleinstehende wort, während für die übrigen arten häufig zusätze (s. u. wilde, rote warze, ferner feigwarze, brustwarze usw.) nötig sind, wenn sie nicht der zusammenhang überflüssig macht.
a) die gewöhnliche warze, verruca Steinmeyer-Sievers gl. 2, 360, 7. 3, 6, 23. 291, 68. 310, 56. 661, 47. 697, 44. 4, 226, 12. Diefenbach gl. 614a. voc. inc. teut. C 2b. Dasypodius 452b. Stieler 2440 usw.; wartzen oder wartzeln Bas-Faber thesaurus 924b. sie sind besonders häufig an den händen: wartz, porro, che nasce nelle mani Hulsius 273. Hübner5 2065. doch auch am übrigen körper erscheinen sie; sie werden oft als besonderes kennzeichen, im gesicht meist als etwas entstellendes, zu beseitigendes erwähnt: Thietmarus ... locum emit a Wolberone cum verruca (warcin) et suis heredibus Kölner schreinsurkunden des 12. jahrh. 1, 294 Höniger; dasz sie hinden im nacken ein grosze wartzen gehabt volksbuch von Faust 76 neudr.; an der groszen wartze, die der baur ... auff der stirn stehen hatte, ward ich eigentlich versichert, dasz es mein knän ... war Simpl. 2, 36 Kurz; dasz sie so viel wartzen im gesicht möge bekommen, wie viel scheerhauffen auff einer wiesen Abr. a S. Clara etwas für alle 2, 362; wollen sie (die alten weiber) die säu-borsten aus ihren glucker-groszen wartzen zupffen, so schauen sie in spiegel Stranitzky Fuchsmundi 91, 11 neudr.; um eine übrigens ganz wohlgebildete menschengestalt durch eine von warzen, flecken, borsten und unrath entstellte oberhaut durchzusehen Göthe 40, 329 Weim. ausg.; eine lange, höckerige nase, mit einer haarigen, roten warze Heine 3, 255 Elster;

da hab ich gesehen mit lust
deim weib unter der lincken brust
ein wartzen, darumb stunden klar
fünff oder sechs goldfarbe har.
H. Sachs 12, 49, 21 Keller;

sonst wirst du ... vergeblich dich bestreben,
die warzen im gesicht mit pflastern zu bekleben.
Dusch verm. werke 207;

ach, du gott! die warze hat er
auf der nase von dem vater!
Brentano (1852 ff.) 7, 336.


b) eine abart der gewöhnlichen hautwarzen bilden die bei jungen leuten häufigen gestielten warzen: die ligatur ist nur bei gestielten warzen anwendbar Hauszmann über warzen (1840) 27. sie hieszen hangende wartzen, acrochordonium Kirsch 1, 18b. onomat. medica (arzneywiss. 1772) 21; vgl.: ein gattung der wärtzen, oben dick unden tünn, gleych ob sy hangind, kinden wärtzen Frisius dict. (1556) 25b; hierher vielleicht auch acrochordines, die weychen wartzen Diefenbach gl. 636b (von Höfler 782b als condylome bestimmt).
c) auch das erhabene muttermal, eine angeborne dunklere flache ausgedehntere hauterhebung, wird zuweilen als warze bezeichnet (vgl.warzenmal): nevum (si in nostro corpore naevus apparuerit Hieronymus opera (1716) 1, 582), warza Steinmeyer-Sievers gl. 2, 325, 4; lenticula, ein wertzen (Hall 1429) Diefenbach nov. gl. 231b. hierher können einige schon angeführte stellen und die folgende gehören (vgl. auch unter wärzchen geharnschte Venus, unter wärzlein Guarinonius):

das fleckchen an der wang' ist eine zier, das schwarze,
doch wenn zu grosz es wird, so ist es eine warze.
Rückert werke 8, 252 (weish. des brahm. 5, 268).


d) die leichdorne, hühneraugen, durch druck entstehende verdickungen der oberhaut an den füszen, werden meist nicht zu den warzen gerechnet, vgl.:

die preun thet an der zungen schwartzen,
gflecht, gwechs, hüneraugen und wartzen.
H. Sachs 4, 407, 39 Keller;

die hühneraugen waren fort,
doch sproszten warzen an dem ort.
Pfeffel poet. versuche 1, 149.

doch auch für die zurechnung finden sich belege:

wer da hiet werczn auf dem fues,
den kan ersz (der arzt) woll machn puesz. Sterzinger spiele 4, 227 Zingerle;

[Bd. 27, Sp. 2200]


huneraugen ader sunst schlecht wartzen Heinrich v. Pfolspeundt (15. jahrh.) bei Gurlt gesch. d. chirurgie 2, 196; leget es (das hühneraugenpflaster) auf die wartzen ..., so dörren sie darunter v. Hohberg Georgica 3 (1715) 212b; wartze, quibusdam hühnerauge Steinbach 2, 945; die hünnerwärzen oder andere wärzen zu vertreiben zeitschr. f. österr. volksk. 6, 111 (Eger 1823).
e) bei der häufigkeit der warzen werden die mannigfachsten beseitigungsarten versucht.
α) sie werden abgebunden, geschnitten: eine wartze abbinden, mit einem seidenfaden absetzen, eene wen afbinden Kramer holl.-dtsch. 514; ich hatte eine kleine warze am untern augenlied, man hat mir sie glücklich abgebunden Göthe 23, 40 Weim. ausg.; der tod hält es vielmehr für einen nicht geringen sieg, wenn er die grösten lichter der welt ... durch eine übel-geschnittene warze ... auslescht Lohenstein Arminius 1, 1199.
β) sie werden weggeätzt: wie aus diesem jungfräulichen gesicht die warzen ... sich wegbeizen lieszen K. Fr. Cramer Neseggab 1, 63. vor allem versuchte man es mit dem saft der verschiedensten pflanzen, manche erhielten davon den namen warzenkraut (s. d.): recipe die milch oder safft von springwurtz - kraut, schmier damit die wärtzen, so dorren sie und fallen hinweg Becher chymischer glückshafen (Frankf. 1682) 765. der gebräuchlichste ausdruck dafür ist eine wartze vertreiben Ludwig 2387: wil dû wercen vertrîben, sô nim einen halm und brenne die wercen mit des halms lide Pfeiffer 2 deutsche arzneibücher, Wiener sitz.-ber. 42, 149.
γ) ganz besonders aber werden sympathiekuren gegen die warzen angewendet; auch hierfür heiszt es vertreiben: ein altes weib, das warzen und sommerflecken vertreibt, verstehe mehr von der sympathie als ich Göthe 8, 56 (Götz 1) Weim. ausg. die warzen werden in sympathetische beziehung zu verwesendem gebracht: mit diesem (speck) schmieret in abnehmenden mond die wartzen, und vergrabet ihn hernach ins erdreich v. Fleming der vollk. teutsche soldat (1726) 336b, vgl. Germania 29, 87. totenhand vertreibt warzen: auf warzen-vertreiben verstehen sich ... die todten besser als die lebendigen Lichtenberg Hogarthische kupferstiche 2, 344; dasz das berühren mit einer todtenhand von warzen befreit J. Paul herbstblumine 3, 12; noch bestrich er dreimal eine warze über seinem auge mit der kalten hand der todten v. Arnim (1857) 17, 317. die warzen werden besprochen, gebüszt: besprechungsformeln gegen warzen: mond nimmt zu, warze nimmt ab, ... glocken gehn toten nach warzen gehn mit Wuttke volksaberglaube 3 168;

etz läuts zu der leich,
will i mei warzn verstreich.
Flügel volksmedizin im Frankenwalde 43;

ähnlich Seyfarth aberglaube in der volksmedizin Sachsens 213.
f) die warze hat eine wurzel: das corium ... schickt in die verdickte epidermis verlängerungen, welche man die wurzel der warze nennt Hauszmann über warzen (1840) 5.
g) verrucosus, vol wartzen Diefenbach gl. 614a; voller warzen Stieler 2440.
2) die übrigen als warzen bezeichneten hautausschläge und hauterhöhungen lassen sich nicht immer genau als bestimmte krankheitsformen der neueren heilkunde deuten.
a) impetigo 'krätze' der vulgata wird mit warze wieder gegeben: warza Steinmeyer-Sievers gl. 1, 351, 49; warce 4, 257, 1; ob es (das opfer) hat ein mase, oder blattern, ob grinde, oder ein wartzen Mentels bibel, 3. Mos. 22, 22; impetigo, sicca scabies voc. ex quo (1490) i 1b; vgl. Diefenbach gl. 288c, auch unter impetiginosus; auch bei Mendelssohn 7, 285 was wartzen hat (bei Luther 3. Mos. 21, 20 grindicht oder schebicht); ähnlich cremium, ein wärczen vel rüffen (schorf) Diefenbach nov. gl. 118b.
b) beim aussatz: (der aussätzige) gewinnet under dem fleisch als harte wartzen Gersdorff wundarzney (1517) 78a; vgl.wartze, verruca, papula oder platterlein oder rotergrindt voc. theut. (1482) nn 1a; roter grind wird von Höfler 205a als aussatz oder als lupus gedeutet; s. auch u. warzel. ferner: krebsartige warzen (die neigung haben, in krebs überzugehen) Hauszmann über warzen (1840)

[Bd. 27, Sp. 2201]


17; verschiedene stücke vom darmkanal eines wassersüchtigen mannes, mit verengungen, geschwüren und warzen v. Sömmerring vom baue des menschl. körpers (1839 ff.) 2, LX.
c) häufig von venerischen auswüchsen; condyloma, die venerische warze, feigwarze (s. d.) Rust handbuch der chirurgie 5, 206: condylome, die wartzen die im arse wahssent (anf. 15. jahrh.) Diefenbach gl. 640a; das er in wöl behüten vor der schweren kranckheit der blatern und wartzen ('syphilis') S. Brant der heiligen leben bei Proksch 1, 356; langlechte zapffen oder wartzen (16. jahrh.) 2, 674; warze, oder blatter an heimlichen orten, thym Rondeau. sie heiszen auch wilde warzen: die platern oder zapfen oder malfranzois ... oder wild wärtzen (15. jahrh.) Schmeller 2, 1014; alle andere fawl und alle wilde wertzen Heinr. v. Pfolspeundt bei Proksch 1, 356; J. Grünbeck, von dem ursprung des bösen franzos, das man nennet die wylden wärtzen. Augspurg 1496 (titel) ebenda. rote warzen: der safft (des thymus, des wälschen quendels) ... vertreibt die rohten wartzen, thymos genannt Bock kreutterbuch (1595) 18a. jetzt heiszt die feigwarze auch spitze warze, condyloma acuminatum v. Hebra die krankhaften veränderungen der haut 439.
d) das gerstenkorn am augenlide: wartzen zwischen den augbrauen, crithe Dentzler 2, 342b; warze an einem auge, werner, wen Kramer 259; vgl. unter wärzlein 2 Alberus, Frisius, Calepinus.
e) von adererweiterungen (nur ahd.):
α) varix (krampfader), warza Steinmeyer-Sievers gl. 3, 263, 48. 4, 106, 16. 172, 55; warza vel werna 2, 7, 35.
β) hämorrhoiden: emorroida, warza, waerza, warze, warra 3, 480, 2. 4, 56, 37 ff. 170, 17. 360, 6.
f) warzen, 'gröszere oder kleinere auswüchse an den verschiedensten stellen der haut, besonders beim pferde, rindvieh und hunde' Wagenfeld encykl. der thierheilkunde (1845) 404: den jungen kälbern soll man die zungen aufheben, befinden sich weisze wartzen daselbst, die soll man ... abzwicken v. Hohberg Georgica (1682) 1, 139.
3) sehr gebräuchlich ist von alters her warze für die erhöhung an der spitze der weiblichen und männlichen brustdrüse, auch der thiere; es steht zuweilen auch für die ganze brustdrüse (wie lat. papilla für mamma): mamme, warzun Steinmeyer-Sievers gl. 2, 174, 42. 236, 38; mamme pubertatis, warza kindesheiti 240, 49 (alle drei stellen nach Hesekiel 23, 3).
a) papilla, summitas mamm id est warte (asächs.) 2, 727, 8; papille, warza 3, 431, 9; wartze Diefenbach gl. 411a, warcz nov. gl. 279a; doch häufiger mit verdeutlichenden zusätzen tute werze Steinm. 3, 439, 50, brust-, tutten-, ciczen-wartze Dief. gl. 411a; wartze oder wartzlein an prustlein, puberta voc. theut. (1482) n n 1b; die wartzen an den brüsten Ludwig 2387; dieselbige (mutter), wenn sie ihren sohn entwehnet, und ihme zum besten von den brüsten abhalten wil, pfleget die wartzen mit wermuth-safft oder aloes zu bestreichen Meyfart himml. Jerusalem 2, 305; mit schönen weiszen runden brüsten mit rothen wartzen Prätorius neue weltbeschreibung (1666) 2, 99; ich habe geraucht, als ich kaum von meiner mutter brust entwöhnt war; die warze mit dem pfeifenmundstück verwechselt Lenz 1, 44 (hofmeister 3, 4) Tieck;

iegeliches sneit ein stucke,
wi cleine iʒ ummer mochte sin:
diz ir oren cippelin,
daʒ eine warzen von ir brust. heil. Elisabeth 9349 Rieger;

als es den wermuth auf der warze schmeckte,
und fand ihn bitter, närrsches kleines ding,
wie's böse ward, und zog der brust ein gesicht. Shakespeare, Romeo u. Julia 1, 3.

ein kind an die warzen legen: (der dichter wird der natur) als ein kleiner pausbäckichter junge, an dem geburthstage an die warzen geleget v. Schönaich ästhetik (1754) 320.
b)

dur sîner brüste warzen
het er enphangen einen schranz,
iedoch was im beliben ganz
dennoch daʒ herze drunder.
K. v. Würzburg troj. krieg 32312;

[Bd. 27, Sp. 2202]



der spiesz gieng bey der wärtzen ein,
dasz er empfand desz todes pein.
Spreng Ilias (1610) 212b;

der edle Odysseus
schnellte daher ein geschosz, und traf ihm die brust an der warze.
Voss Odyssee 22, 84;

der barberinische genius hat eine stark hervortretende brust, an welcher die warzen nicht so weit nach den seiten hin stehen H. Meyer gesch. d. bild. künste 2, 32.
c) die dutten oder wartzen an den eutern Henisch 780, 19; die wölff seynd wol z friden, als lang yn die wölffin milch gibt, wenn sy aber empfinden, das sy kain milch mer hatt, so beiszen sy ir in die wartzen Keisersberg schiff der penitentz (1514) 107b; ihre uhrheber aber hätten nichts minder die grausamkeit als die milch aus den wartzen einer wölfin gesogen Lohenstein Arminius 1, 934a.
4) auch andere nicht krankhafte gebilde werden als warzen bezeichnet.
a) die drüsen der gedärme und warzenähnliche hervorragungen der nieren onomat. med. hg. v. Haller (wundarznei 1756) 1208. v. Sömmerring 5, 312; von den vaginafalten gebildete warzen Pierer medic. wb. (anat.) 8, 479; die überbleibsel des hymens, carunculae myrtiformes Meckel handb. der menschl. anatomie 4, 683; erhöhung in der harnröhre, caput gallinaginis onomat. med. 152; die nervenenden, besonders an der zunge Höfler 780b, dafür meist wärzchen (s. d.).
b) bei thieren. der fleischige auswuchs auf der stirn de sneugebornen fohlens: amor, warza (Verg. Aen. 4, 516) Steinmeyer-Sievers 2, 654, 21, vgl. Plinius dicit equos habere in fronte quandam carnem, i. warzun 2, 686, 51, die zwo wartzen ynn der platten auff dem kopff (des kalbes) solten hörner worden seyn Luther 11, 384, 5 Weim. ausg. die zotten am halse der ziege: die güte der geyssz würt erkannt an den wartzen des bauchs (laciniae a cervice dependentes) Eppendorff Plinius 8, 84 (= 8, 50); vgl. wärzlein 3 Dasypodius. vom beutel an der kehle des elens:

unter der tann erblickt er das elend mit breitem geweihe,
und dem cilinder der bärtigten warze, recht unter der kehle.
Bodmer Noah (1752) 186 (6, 509).

die hornartige schwiele an der innenseite der vorderbeine und am sprunggelenk des pferdes (vgl. DWB hornwarze, DWB kest und DWB warzel 4) Zinke3 3098. F. B. Weber ökon. lex. (1838) 516b; inwendig an der fuszwurzel (des pferdes) die sogenannte warze als das überbleibsel des daumens Oken 4, 404. ferner: auff dem ruggen hat er (die meerraupe) kleine düssele, welche die fischer wertzen nennend Forer fischb. 156b; so werden dann (zur begattungszeit) z. b. die ... augenbraunen der waldhühner gröszer, und die aufgeschwollenen warzen derselben viel röther Naumann vögel Deutschlands 1, 118; sind kleine, gewundene, meist sich verzweigende hervorragungen ... vorhanden, so heiszen sie runzeln, bei gleichen dimensionen nach mehreren richtungen höckerchen, warzen, narben Ratzeburg ichneumonen der forstinsekten 1, 5; hinten am leib (der spinnen) befindet sich eine grosze öffnung, worinn 2—3 paar fleischige warzen Oken 5, 675.
5) warze bezeichnet in der neueren zeit auch erhebungen oder auswüchse an pflanzentheilen; warzenähnliche pünktchen oder bläschen an blättern, runde erhebungen an der unterseite von pilzen Nemnich 4, 856; 'die schuppen, schilder u. dgl. sind flach ausgebreitete, die warzen mehr kegel- oder keulenförmige drüsen' Ratzeburg standortgewächse 215; warze, knorpliger auswuchs am apfel; erhöhung bei pfirsichen und apricosen an stelle des blütenpunkts F. Ben. Weber ökon. lex. (1838) 634b.
6) die form der warze dient oft zu vergleichen: myrmecia (ein edelstein) habet quondam eminentias, wie wartzen Alberus dict. (1540) Mm 4a. besonders um die kleinheit eines berges zu bezeichnen:

lasz auf uns
millionen hufen werfen, bis der boden,
die scheitel an der glüh'nden zone sengend,
den Ossa macht zur warze (wart). Shakespeare, Hamlet 5, 1;

wir graben und schaufeln von oben hinein, und gerathen kaum ... unter die oberste haut der warze, wie das

[Bd. 27, Sp. 2203]


gebirge im verhältnisz zur erde ist Tieck novellen (1853) 8, 187. vergleiche mit den krötenwarzen:

also (die steinerne kröte) heiszet ein mächtiger fels in den bergen des Schwarzwalds,
stumpf und breit, voll warzen, der häszlichen kröte vergleichbar.
Mörike 1, 80;

dasz alles sittliche in frage gestellt wäre, dasz tausend und abertausend warzen krötenschleim ausspritzten Gutzkow werke (1872 ff.) 10, 110. die warze als sinnbild von etwas geringwertigem: man schätze nun die perlen wie man wil, so achte ich sie doch nicht höher, als die wartz oder wärtzel Harsdörffer gesprechspiele 7, Hh 7b. bildlich für 'kleiner fehler' (vgl. u. warzel 5 Dannhawer): ich liebe sie (die stadt Paris) zärtlich, sogar ihre warzen und sommersprossen Bode Montaigne 5, 477; für Krafft ists schade, er sieht die mängel gut, und weis selbst nicht eine warze wegzunehmen Göthe tagebücher 1, 118 Weim. ausg.
7) übertragene bedeutungen.
a) die warze, name einer genabelten afrikanischen schneckenart, helix mammillaris L. J. S. Schröter einl. in die conchylienkenntnisz 2 (1784) 151.
b) warzenähnliches in der technik. an geräten: die Wahlen haben lust und gefallen zu schönen und klaren glesern, die schlecht und circkelrecht sein, wie sie auch vil subtiler sein mit irer arbeit, welchs man an iren wertzen und boden, an ihren scheibennebeln und andern sihet Mathesius Sarepta 195b; vgl. DWB warzenglas. an der wage: wie die wag mit der wärtz im leger leit Ercker beschr. aller mineral. ertzt (Prag 1574) 38b; sie hängt mit ihren warzen in der scheere, in welcher sie sich leicht ... drehen kann Jacobsson 4, 562. bei einem krummzapfen der ansatz, an dem die kurbelstange hängt Minerophilus (1730) 399. C. F. Richter berg- u. hüttenlex. (1805) 2, 610. Mothes baulex.3 4, 336a. 'der kurze arm an einer hammerhülse, welcher sich zwischen den backeneisen der standsäulen auf und ab beweget' C. F. Richter 2, 610. warze, warzel, die beiden enden einer holzwelle Martin-Lienhart 2, 860b. warze an der hemme, dem befestigungsstück der sensenklinge buch der erfindungen9 6, 292. warze an den stäben des jagdnetzes: die garne mit schlubseilen, und die stäbe mit wartzen bestellen Aitinger jagd- u. weidbüchlein (1681) 168. erhöhung am vordertheile des bolzens (?):

einer sagt, es kundt nicht halten;
dem andern thët der finger erkalten;
ainem ward die wartz abgeschossen;
der ander thët auffs schwetzen losen.
Balth. Han ausreden der armbrust- u. büchsenschützen 214 Waszmannsdorff.

warzenförmiger ansatz am geschosz, auch flügel genannt, ailette, tenon v. Hoyer u. Kreuter5 1, 832b. Dabovich 1, 452a: man gewinnt ... gegenüber der führung durch warzen an schuszweite v. Alten handbuch f. heer u. flotte 3, 457. warze an verschiedenen theilen der feuerwaffen A. C. Heinze taschenwb. der artilleriewiss. (1846) 625a. v. Hoyer u. Kreuter a. a. o., in raketen ebda. beim bogenlicht an der negativen kohle sich bildender ansatz Blaschke wb. der elektrotechnik 137.
8) sprichwörtliches: umb der wartzen willen trag ich händschen Lehmann nach Wander 4, 1793; die warzen an den händen müssen die handschuhe verblenden Wander 4, 1792; besser eine warze auf dem rücken als eine sommersprosse im gesicht Simrock 16208; er weisz ein artigen spruch und füglichen text darauff zubringen, der reimt sich wie ein wartz auff desz frater Nasen nasz Fischart binenkorb (1588) 173a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
warzel, f. , ableitung von warze, ahd. warza; warzala Steinmeyer-Sievers gl. 3, 683, 30, warcela 4, 211, 4, im älteren nhd. und mundartlich warzel. B. Schmidt vocalismus der siegerländ. mda. 17 sieht darin eine zusammensetzung mit einem auch in wurzel, ags. wyrt-wala, m., wyrt-walu, f., vorliegenden worte (got. walus, m., anord. völr, m. 'stab', ags. walu, f. 'strieme, schwiele'), doch kann auch ahd. warzala als ableitung neben warza stehen wie runzila neben runza. in den glossaren des 15.—16. jahrh. erscheint es als warzel, warzil, mit verdumpfung worzel Diefenbach gl. 160b. 411b. 614a, nov. gl. 379b, nd. wartel Diefenbach-Wülcker 894; schriftsprachlich gebraucht

[Bd. 27, Sp. 2204]


wird es besonders in elsässischen drucken bis ins 17. jahrh., so in Straszburger drucken von Gersdorf, Bock, Ryff, Golius, Sebiz, Dannhawer; auch schweiz. wartzlen Gesners thierbuch übers. v. Herold u. Forer (1563) 34; ferner bei Arigo eine kleine warczeln (acc.) Decamerone 145, 37; bei Grimmelshausen wartzel Simpl. schr. 4, 210, 24 Kurz; auch erzgeb. bei Mathesius Syrach (1586) 2, 126b. mundartlich wird jetzt warzel als fem., meist mit längung des vocals, zuweilen mit verdumpfung zu o und mit ausfall des r, bezeugt: elsäss. wārtsl, wōrtsl usw. neben wārze Martin-Lienhart 2, 860a, waardsl (Oberschopfheim) zeitschr. f. hd. mda. 1, 334, (bei Rastatt) zeitschr. f. d. mda. 1914, 345; lothr. wártsəl (in Lixingen watsəl), dimin. wērtsəlXən Follmann 531a; wārzel wb. der luxemb. mda. 476b; im Westerwald wātsəl deutsche dialektgeographie 4, 6; siegerländ. wārz Schmidt 17, hessisch in Blankenheim wōrdsəl Dittmar 8, in Würzburg warzel Sartorius 133, henneberg. wrzel Spiesz 286, eichsfeldisch wōrtsl Hentrich 4, erzgeb. worzl Göpfert 24, in Sebnitz worz Meiche 57, in Seifhennersdorf bei Zittau wrts beitr. 15, 6, in Gleiwitz wūotso (< wūotsel) Gusinde 64; auch ostpreusz. wōazel Stuhrmann das mitteldeutsche in Ostpr. 25, in der Zips wrts beitr. 19, 303. auf nd. gebiet belegt im engrischen und westfälischen: wārtele Bauer-Collitz 112a, wrtəln (sg.?) in Schwalenberg (Lippe-Detmold) nd. jahrb. 32, 167, wtel Woeste 317 (unter wāte), wāod'l Kaumann münster. mda. 6.
warzel steht gleichbedeutend mit warze, vgl.wartzen oder wartzeln Bas. Faber thesaurus (1597) 924b, ohne diminutiven nebensinn (doch Meiche 57 'kleine warze'). im els. steht das neutr. wärzel (s. wärzlein) als dimin. neben warzel Schmidt Straszb. mda. 115a, im Zornthal wártsələ, n., neben wórtsəl jahrb. f. Elsasz-Lothr. 4, 50. aber auch ein fem. wärzel (aus *warzila oder von wärze ausgehend?) scheint vorzukommen, s. u. 4 die belege für 'hornwarze des pferdes'; ferner vielleicht hierher wärtzel Harsdörffer gesprechspiele 7, Hh 7b. v. Hohberg (1715) 3, 201b, wo aber auch (wie bei warzel in bair.-österr. quellen) an das neutr. als dimin. gedacht werden kann.
1) unter der lincken pruste sie ein kleine warczeln hatte, darumb etliche goltfarbe härlein Decamerone 145, 37; und sollen darmit (mit genserich) die wartzlen der hand vertriben werden Ryff deütsche apoteck (1573) 1, 109a; ob der alte auch eine solche grosze wartzel wie ein horn uff der stirn hätte Simpl. schriften 4, 210, 24 Kurz; (dasz sie) die im leben gehabte wartzel am halse noch gehabt Faust des christl. meyn. 20 neudr.; s'ist aber deszwegen leicht z'kennen, weil sie zwa warzeln auf ihrer rothen nasen hat v. Ayrenhoff werke 4, 295, 6;

warzel, warzel, weiche,
sie läuten einer leiche.
Vernaleken mythen u. bräuche des volkes in Österreich 314.


2) papula, rot grinth vel warczelen Diefenbach gl. 411b; findt man die (knollen bei leprakranken) gewonlich an henden und füsszen und anderszwo, als mit harten eysszen und vil schwartzen wartzelen Gersdorf feldbuch der wundarzney (1528) 89; sagt diselb frau auch, das so lang der nestel verknipfft bleib, so könn man daran sehen, das er auflauffe und geschwelle, als ob er wartzeln bekäm Bodin, daemonomania übers. v. Fischart (1581) 226.
3) düttenwartzeln Sebiz feldbau (1580) 90; oft tregt sichs zu, das die sechswöchnerin selber nicht milch hat oder warzeln, da das kind anhangen kündte Mathesius Syrach 2, 126b; (dieser essig ist gut) für die geschwärende brüst ... und heylet die wärtzel, wann sie schwürig seynd v. Hohberg (1715) 3, 201b.
4) die wartzlen so es (das stachelschwein) an der haut ... hat z beyden backen Gesners thierbuch übers. von Herold u. Forer 34. wärzel, die hornwarze des pferdebeins (vgl. DWB warze II, 4 b): verbind im (dem pferde) den schenckel ab und ab bis auf die wertzel Albrecht roszarznei (1542) 40; est in tibiis equi pars, quam lingua vernacula wertzel appellat Bas. Faber thesaurus 997a.
5) in andern (spiegeln erscheint der kopf) so klein wie ein wartzel Dannhawer catechismus-milch 1, 49. bildlich für 'kleiner fehler': alle seine auch die geringste sündenflecken, wartzlen und runtzlen ... erkennen 1, 60.

[Bd. 27, Sp. 2205]



6) warze, warzel, die beiden enden einer holzwelle Martin-Lienhart 2, 860b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
wärzel, n. s. wärzlein.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
warzelkraut, n. name der raute, ruta graveolens L., weil gegen warzen angewandt Zedler 30, 1159. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
warzelloch, n., in dem die enden, warzen, einer welle stecken Martin-Lienhart 2, 860b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
warzenähnlich, adj.: offene wartzenähnliche geschwüre Zinke3 3098; die warzenähnlichen gebilde, welche ... die neigung haben, in krebs überzugehen Hauszmann über warzen (1840) 17; (die habichte mit) sehr hohen warzenähnlichen ballen der fuszsohlen Naumann vögel Deutschlands 1, 248; warzenähnliche verlängerungen oder anhänge v. Sömmerring vom baue des menschl. körpers (1839 ff.) 4, 679. —