| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
warum bis warzenähnlich (Bd. 27, Sp. 2188 bis 2205) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| 1) schon im mhd. tritt, zunächst in md. quellen, mit assimilation warumme und die kürzung warumb, warum auf; im 15. jahrh. kommt auch noch warumbe vor. im nhd. erhält sich die schreibung warumb bis in die 2. hälfte des 17. jahrh.; von wörterbüchern haben Hulsius, Pomai, Dentzler noch warumb, Schottel und Krämer warum; warumb steht noch bei 8 u. ö., worumb bei 2, 51 Guhrauer. eine eigenthümliche, auf warumbe zurückgehende und wahrscheinlich aus der kanzleisprache stammende erweiterung ist warumben, so quellen z. gesch. der stadt Kronstadt 5, 458, 10 (1613). 709 u. ö. quellen z. gesch. des bauernkrieges in Oberschwaben 441. grewel der verwüstung 76. Ilias 46a (sonst warumb). 221, 17 Keller; warummen 8, 271, 13 Keller (: kummen). von dem doctor 2, v. 90. Judas 1, 154. der vocal der 1. silbe schwankt lange zwischen a und o: worumbe düring. chron. 555 Liliencron; worum bibel 1, 5, 6 Kurrelmeyer u. ö. narrensch. 1, 20. badenfahrt 11, IX, 60. Karlstadt bei 15, 336, 17 Weim. ausg. weinspiel 1771 neudr. chron. germ. 1b. chron. helv. 1, 56. somnium vitae humanae 95, 58 neudr. 48 u. ö. Froschmeuseler E 3b. 92 Österley. chronik v. Pommern 99. 101. deutsche schriften 2, 51 Guhrauer. von den wörterbüchern haben die älteren warumb, nur Dasypodius und Frisius daneben worumb, Stieler aber gibt worüm neben warüm an, Kramer und Rondeau worum neben warum, Ludwig bevorzugt sogar worum vor warum; Steinbach 'worum, hodie warum'; Adelung schränkt worum auf die 'mehr determinative bedeutung' (= um was) ein, was dann zur regel geworden ist. vereinzelt erscheint wurumb bibel 4, 250, 58 Kurrelmeyer. t. Cicero 149 u. ö., wurumme nov. gl. 124a s. v. cur. mundartlich ist es zu schwächung und völligem ausfall des vocals gekommen, so elsäss. wərum, frum 1, 39b, tirol. brumb 802. in der 2. silbe ist umgelautetes ü im md. sehr verbreitet, in älteren quellen wegen der schreibung warvmb oft nicht zu erkennen, 1441 gibt aber warüm (gedr. wrüm) neben warum an, 2384 nur warüm, worüm; warümb steht auch bei Fischer-Tümpel 3, 301, warüm friedejauchz. Teutschland (1653) 24. hd. rechtschr. 17. Pathmos 10. kleine teutsche schrifften (1707) 72. ird. vergn. 4, 57 u. ö. noch jetzt in Mitteldeutschland verbreitet z. b. worüm 197; warim 140; worim 6. — der ton liegt in gewöhnlicher rede auf der 2. silbe, die 1. ist nur betont, wenn ein gegensatz zu darum gemacht wird, doch kommt in gehobener sprache auch die betonung der 1. silbe vor, wenn ein besonderer nachdruck auf dem worte ruht. die dichter verwenden das wort häufig so im verse (auch ohne besonderen nachdruck): dasz ein esel hat gespracht, warum wundert man sich doch? warumb hast du mein vergessen? und warum wär es auch die welt? warum wendest du dich? ach, warum fliehst du mein auge? ach, warum lebt ich, es zu sehn? ja, Daja; gott sey dank! doch warum endlich? warum gabst du uns die tiefen blicke? warum hat dein volk, das hehre [Bd. 27, Sp. 2189] und warum bliebt ihr so verborgen? 16, 155; wo aber ist sie? warum kommt sie nicht? o, warum schlosz ich ihm die vestung auf! 12, 338 (Wallenst. tod 4, 6); o warum hat man mich nicht vorbereitet! 12, 491 (M. Stuart 3, 2). 2) warum in der directen frage. a) die frage ist ausgeführt: warúmbe ist er (der psalm) gescriben? ps. 11, 1; dô sprach der arme Heinrich warumb schlegst mich so grausam übel? warumb thut mich dan plagen ach warum, o natur, warum, unzärtliche mutter, warum bist du gekommen? sag' mir an! warum hat's bäumlein denn gelacht, die bergeshöhn warum so schwarz? statt der frage kann ein bedauern oder eine klage zum ausdruck kommen: ach, Mellefont, warum musz ich einen andern begriff von dieser ceremonie haben! 2, 8 (Sara Sampson 1, 7); warum verliesz ich meine stille zelle, ach, warum ist er nicht hier geblieben! ferner kann einer ablehnung oder zurückweisung ausdruck gegeben werden: ouch wil ich niht engelten hie ist mein sitz (an der tafel), du tödtest, sagt man, alle Engelländer, don Cesar. ich nehm es (das schlosz) nicht, doch bin ichs wohl zufrieden, doch warum in dieser zeit b) es kann sich an warum auch ein einzelnes wort anschlieszen, das aus einer vorhergehenden äuszerung übernommen [Bd. 27, Sp. 2190] wird: daz chit psalmus kesúngener selbemo Asaph ... wârúmbe gesúngener? ps. 80, 1; verzwyfflung die dich bringt in den unwiderbringlichen fal der ewigen verdamnusz. warumb unwiderbringlichen? bilg. 21c; Daja. er ist es! Nathan! — gott sey ewig dank, doch andre nennen mich c) schlieszt sich an ein eingeschobenes warum sofort die beantwortung der frage an, so nimmt es den charakter eines begründungswortes an. zunächst mit folgender conjunction: ich kan dich, herre, niht volloben [Bd. 27, Sp. 2191] jhene achtens bös, so ists in also. wie ein jeder glaubt, also geschicht im sprichwörter (Frankf. 1548) 68a; du bleibst, wie er, der deinen lust? die schwalbe selber lüget, Keisersberg u. a. beantworten das fragende warum zunächst mit darum, woran sich die begründung schlieszt: das ist ein gt werck an im selber, aber nit ein tugentrich werck. warumb? darumb, das disz gt werck nit kummet usz der geschicklicheit eynes gten hertzen bilg. 90c; sy stond nit still sich z bedencken. warumb? darumb, die forcht treybet sy has im pfeffer aa 3d; man hat vor ettlich und vil hundert jarn vil haimliche und gewaltige künsten, darzu gut glückh und mer dan zu ietziger zeit darzu gehapt; warumb? darumb, die völckher in der welt seind nitt so sündhafftig gewesen reisen 339 Haszler; werdend sy von yederman also genennet. warumb? darumb, das sy ... Züricher bibel (1551) vorred A aa 3a. da warum als begründungswort empfunden wird, wird ihm auch im 15. jahrh. wann (vgl. die oben sp. 1864 für wann warum gegebenen belege, wo wann kaum mehr als fragewort anzusehen ist) später denn (dann) vorausgeschickt; dies der umgangssprache eigene denn warum tritt auch in der neueren litteratur öfter hervor: jdoch sein ir allein vier: die haben ein gezeucknisz der meisterschaft. wann worumb (lat. quia), sy verkundigen durch die virteil der werlt den glauben der hailigen dreivaltigkeit bibel 1, 5, 6 Kurrelmeyer; yetz brieve ich ... deinen hohen adel, ... seitmal die hymlischen dein füerer ... seind. dann warumb, dieser dein gefert ... ist ... Minerva gewest Odyssea 35, 11 Weidling; wie er (gott) es uns zschickt, sollen wir gtlich annemen, dann warumb, er ist allmechtig 41, 22; wee aber dem, der den krieg führt, dann warum? er ist der erst in dem wee (1590) 9, 127; das geld macht jezt eine hauptsächliche versuchungsgelegenheit ... denn warum? der eigennutz ... hat es so gewollt dies buch gehört dem könig 1, 65; (ein barbier spricht.) das musz wirklich unter die leute kommen. denn warum? wirkt so etwas nicht beruhigend? Gutzkow ritter vom geist2 3, 172; sie war eine sparsame frau und hob alles auf. das ist nun meine (des aufladers) art nicht. denn warum? — wer praktisch ist, braucht um das geld nicht zu sorgen 4, 264 (soll u. h. 2, 5); die ganz nacht ist mirs gewesen, als wenn ein bär bei mir im bett läg; denn warum? mein mann hat mich zweimal aufgeweckt, weil ich so tief hab atem geholt 2, 83 (Heiterethei); ja, aber dauern thut es einen doch; denn warum? man ist doch ein mensch 2, 161; so möcht' ich doch der sonnenwirthin ihr herz nicht fressen, denn warum? sie hat eben kein kalbsherz, aber ihr hirn, das thät' mir, glaub' ich, schmecken der sonnenwirth 2, 99; 2. alter weber. das jahr kann ich a soviel howetage eemal ni leisten. ich streits eemal nich! denn warum? ... mir hats wasser alles zu schanden gemacht die weber 56 (3. akt). 3) warum im indirecten fragesatz. a) nach verben des sagens, mittheilens, fragens, vernehmens, verstehens, feststellens, wissens und nichtwissens: daʒ er in sagete, saget durch got, war umbe [Bd. 27, Sp. 2192] so geschehe mir eben recht und wurd yederman sagen, warumb ich nicht herauszen wäre bliben 18 Lichtenstein; ouch gabst in offenlich verston, das uns derselb bekenne frey warum ich wieder zum papier mich wende? mit kurtzem wolt vernemen ihr, ir Musae, habt mich nun vernommen, losz frnd, warumb ich z dir kumm. nun hörend, warumb das ist bschähen. schweiz. schausp. 3, 16, 16; bald es die flöh ersehen hett, und konnt' es nicht versteh'n, deine tugend, redligkeit und kunst fürt sie mit sich spazieren naus, [Bd. 27, Sp. 2193] b) an die genannten verba kann sich auch nur warum anschlieszen, was am häufigsten bei wissen vorkommt: ich will euch sagen warum 1211; du fragst, o frage so oft er von ihr schied, betrübte c) vom indirecten fragesatz aus haben sich (wie bei cur, pourquoi) gebrauchsweisen entwickelt, in denen warum mehr relativ steht. α) im anschlusz an subst., zunächst solche wie frage, untersuchung, dann auch, und besonders häufig, grund, ursache u. dgl.: ursach, warumb dis buch geschrieben lauter warheit vorr. 5; finis ist die ursache, warum etwas geschieht pol. redner (1677) 117; gleichwie man zufrieden ist, wenn man die ursache erfährt, worumb die sach seyn müssen deutsche schriften 2, 51 Guhrauer; ich bin ein gemeiner einfältiger mann, der ihnen ihre ursachen, warum sie den brief nicht lesen können, oder wollen, freylich so musz gelten lassen 2, 41 (Sara Sampson 3, 3); denn weder hier noch dort sehe ich die geringste ursache, warum denn nun aber ein guter gereimter einfall, ein kurz und glücklich vorgetragener interessanter gedanke, eben eine aufschrift, ein epigramm heiszt 8, 427; diesz ist die ursache, warum so schwer darüber zu reden ist 48, 180 Weim. ausg.; der andere grund, warum hr. Voltaire den krieg im himmel ... verwirfft abhandl. v. d. wunderbaren 19; es musz einen andern grund haben, warum er (der künstler) hier von seinem nebenbuhler, dem dichter abgehet 6, 378; Kriebow meinte, er glaube nicht, dasz dies der grund, warum die kirche leer sei v. Grabenhäger 1, 56; elliptisch: es kam mir ein mitschüler entgegen, sagte mir, dasz Öser nicht zu sprechen sei, und die ursache warum 27, 184 Weim. ausg.; denn wenn wir auf den ursprung denken, β) im anschlusz an pronomina und wendungen mit dem pron. (z. b. das, warum ich ihn hasse, ist sein stolz oder sein stolz ist es, warum ich ihn hasse): ach komm, herr Jesu Christ, verzeiht, o Franken ... das ist's, warum mein blutend herz nicht heilt. γ) räche Segesthes ... deines geschlechtes und des vaterlandes schande, welche gröszer ist, als warum Virginius seine tochter auff öffentlichem marckte abschlachtete Arminius 1, 48a. [Bd. 27, Sp. 2194] 4) warum erscheint schon frühzeitig substantivirt als 'grund' und zwar gewöhnlich als neutr., daneben auch als masc.: gottes will hat keinen warumb. die ros' ist ohn warumb, sie blühet weil sie blühet, sogar das seltsame ding, das (närrisch genug) in uns denket, doch forschung strebt und ringt, ermüdend nie, kein warum frommt. ewig bleibt stillschweigend und ernst das geschick. man musz die stimmung nützen, wenn sie neu. nach dem warum stets spüren, [Bd. 27, Sp. 2195] sprichwörtlich: alles hat seyn warum 1121; alles ding hat ein warum sittenlehre 18; hülf und gnad hat kein warum 1127. 99; gottes will hat kein warum 1140; es ist kein warum, es ist auch ein darum schweiz. sprüchw. 267; jedes warum hat sein darum 6, 326. 5) warum steht auch vielfach für 'um was', wofür jetzt (da sich die analogie von worauf, worüber u. s. w. hier mehr geltend macht) worum verlangt wird. bis auf Adelung wird aber kein unterschied zwischen warum und worum gemacht; Adelung sagt, dies werde in einer 'mehr determinativen bedeutung' gebraucht, bringt aber einen besonderen artikel worum nicht, 2, 654 erklärt worum für 'um welches' zwar für zulässig, gibt aber der form warum auch in diesem sinn den vorzug, erst Campe unterscheidet deutlich zwischen beiden worten. doch findet die form worum nicht überall annahme; so ist z. b. bei Göthe in der ausgabe letzter hand noch sehr häufig warum im sinne von worum gesetzt. a) im fragesatze. wortspielend: ich (Joseph) will dir bald ausz deinem traum helffen ... die drey körp seynd die drey täg, nach solchen wirst du auffgehenckt werden. warum? um den halsz herum: ist auch also geschehen Judas (1687) 1, 323. b) in indefinitem gebrauch: hast du (leben) mich warumb zu bitten, c) in relativem gebrauch. in verallgemeinerndem sinn: wo zween unter euch eines werden auff erden, warumb es ist, das sie bitten wöllen, das sol inen widerfaren Matth. 18, 19; so woltestu hören vom himel, vom sitz deiner wonung und thun alles, warumb er dich anruffet 2 chron. 6, 33. sonst: horchte ich, warum es doch zuthun seyn möchte Simpl. 1, 358, 12 Kurz; alles, warum ich ihre majestät bitte, sagte er, ist ... 6, 87; der rest ist nichts, warum er sich bekümmert 9, 299; du weiszt, warum es ihnen eigentlich bey dir zu thun ist 33, 170; in überlegung ziehen, warum man sich vorher ganz und gar nicht bekümmerte, ist der halbe weg zur erkenntnisz 10, 316; warum sie kämpften, darum mögen oder dörfen wir keinen finger regen 9, 512 Suphan; in absicht auf den punct, warum gestritten wird 8, 91; lasz ihn ein sanftes schäferlied so weisz ich, dasz er mein gedenkt, Nathan. und ein derwisch müszte? lasz sehn, warum mir eigentlich zu thun! denn kein schlachtvieh wollten sie jetzt, sie wollten kein stierfell, dies nun, warum du mich fragst und anflehst, werd' ich fürwahr nicht, weg ist alles, was du liebtest, befehlen werd' ich morgen das, warum (so 1802 u. sp., im text nach dem 1. druck worum) erhabner geist, du gabst mir, gabst mir alles, [Bd. 27, Sp. 2196] 1832, im text nach der hs. worum) sie einander bringen können. es ist nichts, warum sie einander nicht bringen 19, 98 (Werther); er versagt dir gewisz nichts, warum du ihn freundlich bittest 1, 71; ein überelegantes halstuch, warum mich alle herren ... beneideten n. f. 19, 52; thu, warum ich dich gebeten habe! 8, 141. bei besonderem hinweis auf das vorausgehende steht früher als warum (vgl. DWB als 5 th. 1, 256): voraus gesetzt, dasz die herausgeber dieser schriften die aufsätze einrücken wollen, als warum ich sie wenigstens hiermit ersuchen will 184; diese erfahrung zeigt sich noch deutlicher, wenn man den breiten streif noch einmal so breit macht, welches mit ein paar pinselstrichen geschehen kann, als warum ich die liebhaber ersuche naturwiss. schriften 5, I, 32 Weim. ausg. lg auch warvon du reden wilt. 1) von gewöhnlichen warzen: ich weisz an dir ein schwarzes wärzgen. geharnschte Venus 150 neudr.; am kinne lässet sich ein kleines wärtzgen sehn. Hoffmannswaldaus u. a. gedichte 6, 31 Neukirch; allzu hart die borsten sind, 2) nicht krankhafte kleine erhöhungen des menschlichen und thierischen körpers, z. b. der eingeweide, des herzens, der nieren 4, 856; hautfalten in der vagina medic. wb. (anat.) 3, 742; die wärzchen der haut, gefühlswärzchen, nervenwärzchen, die tastkörperchen 6, 112. häufig die wärzchen der zunge, die geschmackswärzchen: schwerlich hat uns die natur die zunge gegeben, dasz einige wärzchen auf ihr das ziel unsres mühseligen lebens oder gar des jammers andrer unglücklichen würden 13, 295 Suphan; (gott hat auf der zunge) wärzchen ausgesät, ein schlemmer aber mag in kleinen bissen kauen, 3) an pflanzen: die frucht ... ist gleichsam mit spitzigen wärzchen ... besetzt schriften (1843) 4, 353; staubweg sehr kurz, als zitzenförmiges wärzchen auf der frucht stehenbleibend v. Schlechtendal flora v. Deutschl.5 3, 15; bei Leunis botanik3 1, 40 ist wärzchen eine ganz kleine, nur von einer oberhautzelle gebildete erhöhung. 4) in vergleichen: das war das letzte haus oben auf dem berge, es stand wie ein wärzchen auf hoher stirne I, 9, 39. bildlich 'kleiner fehler' z. b. unebenheit im stil: es kommt auf ein paar ... härten, auf ein wärzchen nicht an, wenn nur der satz rothe backen hat. diese gesundheitsfarbe aber haben Kellers perioden altes und neues 2, 208. [Bd. 27, Sp. 2197] I. verwandtschaft und form. 1) warze ist ein gemeingerm. wort, ahd. warza, mhd. warze, and. warta (belegt warte gl. 2, 728, 8 = 111, 28, e statt a in den Oxforder gl.), mnd. warte, ndl. wrat (s. u. 3) Franck2 805a, mundartlich warte De Bo2 1215b, woert, woort 1227, woat, wood, woard 477; afries. warte (daneben worte) 1128a, westfries. wart 3, 409b, ags. wearte 1178b, mengl. warte 670b, engl. wart, anord. varta 3, 876, dän. vorte, schwed. vrta, mundartlich varta 798; im got. ist das wort nicht belegt. 2) es ist sehr wahrscheinlich, dasz warze auch etymologisch verwandt ist mit den bedeutungsverwandten (vgl. varix, warza vel werna gl. 2, 7, 35; s. auch unten II, 2, d und e) worten vläm. warre 'schwiele' De Bo2 1183a, ags. wearr 'schwiele', mit anderer ablautstufe ahd. werra (daneben warra 'emorroida' gl. 4, 56, 39), werna 'krampfader' (auch werr gl. 3, 291, 58, wern gl. 4, 210, 29), nhd. mundartlich werr(e), wern(e) 'gerstenkorn am augenlid'. indog. *vers, germ. *verz, ablautend *varz, wird angesetzt für die formen mit rr, mit diesen ist verwandt lit. virszùs 'das obere', aslav. vrĭchŭ 'gipfel', lat. verruca < *versūca 'warze', älter 'erdhöcker', aind. varṣīyān 'der höhere', varṣman- 'spitze', die grundbedeutung der sippe scheint also 'erhöhung' zu sein, s. Bezzenb. beitr. 3, 113 und Paul u. Braune beitr. 30, 62 f.; Weyhe führt weiter ahd. werna mit afries. wersene, wirsene 'runzel' auf die n-erweiterung von *vers, germ. *verznō- zurück und schlieszlich (unter hinweis auf ahd. runza aus *wrunk(a)tōn- neben mhd. runke) ahd. warza über *warz(a)tōn- auf *warzatōn- zurück. doch ist eher mit Torp bei Fick4 3, 397 von der indog. wurzel *ver auszugehen, auf die ahd. wer-na, holl. weer 'schwiele', norw. dial. vere, schw. dial. verna, vare, 'hautgeschwulst der kühe', und lat. varus 'finne', varulus 'gerstenkorn', varix 'krampfader' führen; als wurzelerweiterung erscheint dann *vers und *verd, wozu warze, ferner aslav. vrědŭ 'ausschlag' und nach (bei Kluge7 483) pers. bālū 'warze' aus iran. *varda gehört; warze steht so im ablautverhältnis zu wurz(e) 'wurzel' und ist weiter verwandt mit ῥίζα, lat. rādix; wenn man als dritte wurzelerweiterung *verdh betrachten will, so kann auch aind. vardhate 'erhebt sich' hierher gezogen werden (vgl. wurzelerweiterung 86). 3) im mnd. erscheint mit umstellung neben warte auch wratte 5, 778a. gl. 614a, diese form ist in neueren ndd. mundarten erhalten: wratt 250, wratə (neumärkisch) zeitschr. f. d. mda. 1910, 41, wratte (neben warte) 558, wratt 2, 481; verhochdeutscht wratze 558 (als erklärung von wratte). 194; ndrhein. frat deutsche dialektgeographie 8, 88, ebenso im südwestl. Westpreuszen zeitschr. f. d. mda. 1915, 190, in Putzig in Posen 1913, 11; auch im ndl. wrat, älter wratte Teuthonista 507b Verdam. 682; ähnlich mengl. wrete (s. 5) 670b, in nengl. mda. wrat, wret, writ 6, 552a. 4) in den mundarten wird das a häufig zu o verdumpft; in einigen fällt das r, mit oder ohne dehnung des vocals, aus: wā(r)tsə mda. des St. Galler Rheintals 87; waatsə Rappenauer mda. 224b; waats vgl. wb. 76; waaz Hönig2 195. auch ohne den wegfall des r tritt in weiten gebieten dehnung ein. die kürze ist bezeugt aus dem Münsterthal wàrts 2, 860a; ostfränkisch in Bamberg wadsn zeitschr. f. d. mda. 1912, 13 (vgl. bei werke 8, 252 den reim schwarze: warze); in Nürnberg warze 336; in Köln wats neben wāts vokalismus der stadt- und der landkölnischen mda. 12; auf nd. gebiete watə in Mühlheim a. d. Ruhr 40, in Cronenberg 131, watte neben wâte 317 (aber waarte brem. wb. 5, 199; wârte, wârt 3, 119). in der umgangssprache der gebildeten heiszt es in einem groszen theile Norddeutschlands wărze (auch Sanders gibt nur die kürze an), dementsprechend die bühnenaussprache (35 Siebs) auf die kürze festgelegt ist. Adelung hat die [Bd. 27, Sp. 2198] länge, die in der md. und obd. umgangssprache als herrschend angesehen werden kann. 5) neben ahd. warza steht werza gl. 3, 480, 2, werze 3, 263, 71. 4, 106, 16, neben mhd. warze, werze (wercen zwei arzneibücher, Wiener sitz.-ber. 42, 149, bairisch 13. jahrh.); nhd. wärze bis ins 17. jahrh., jetzt noch mundartlich; auch in nfr. mundarten werte neben wratte 682, wert(e) Franck2 805a, wö(r)t, we(r)t Cornelissen en 1459, mengl. werte, wrete 670b. die e-form geht auf einen stamm *wartjôn- zurück; die qualität des vocals der 1. silbe ist (da der umlaut vor rz in einigen mundarten früher, in andern später erfolgte) schwankend; auf altes umlauts-e weist ahd. werza (vgl. die schreibung wairza gl. 3, 697, 44, waerza 4, 56, 38, ahd. gr. § 26, 4), dagegen führen die schreibung wärze im älteren nhd. und die meisten heutigen mundarten auf jüngeren umlaut. die e-form zeigen im älteren nhd. schweizerische, schwäbische (nicht elsässische, die häufig warzel, s. d., haben), bairisch-österreichische und rheinfränkische quellen: ein wärtzen (1502) nov. gl. 118b, tuttenwercz 279a (beide 'streng hd. oder alem.'), schweiz. die wärtzen (sg.) 482b, schwäb. bey der wärtzen Ilias 212b (aber Augsb. 1468, warcz nov. gl. 279a); bair.-österr. (s. auch oben Pfeiffer arzneibücher) ein wertz, ein wertzen nov. gl. 231b. 279b. 308a (alle drei Hall 1429), ein werczen ('ostlechisch' 1432) 4, 305, werczn Sterzinger spiele 4, 227, wärtzen (15. jahrh.) 2, 1064, wärtz Schönsleder prompt. Kk 6c, wärtzen Abr. a S. Clara Judas (Salzburg 1689) 2, 274; auch erzgebirg. wertzen bei Sarepta (1598) 195b; rheinfr. brustwercz (Landau 1466) nov. gl. 279a, wärtzen chymischer glückshafen (1682) 765. entsprechend (nur aus dem rheinfränk. nicht zu belegen) in den heutigen mundarten: schweiz. wärze 311a. 287; wǣrtsa mda. v. Visperterminen im Wallis 79; wärzenchrut schweiz. id. 3, 915 (nur in St. Gallen u. Schaffhausen warzenchrut, ebenso wārtsə in Appenzell 21, St. Gallen 87, Keszwil im Oberthurgau 69), waerza in Vorarlberg 4, 2, schwäb. wäz (in Währingen) 427b; bair. wárz.n 2, 1014, ebenso kärntisch (neben wérz.n) 250, tirol. wartsə mda. v. Imst 43; ferner werz Lusern. wb. 58, wrz 226, berza cimbr. wb. 173; auch westböhm. wártsn, wärtsn 39, nordböhm. (Eger 1823) wärze zeitschr. f. österr. volksk. 6, 111, erzgeb. wards (a < ä) Zschorlauer mda. 12, vogtländ. wards 239. 6) wie im nordthür., obersächs. und in angrenzenden nd. mundarten wanzche, wanzke neben wanze steht (sp. 1927, vgl. über die obersächs. fem. auf -che zeitschr. f. d. mda. 1907, 31), so warzche, warzke neben warze; auf ahd. warzihha weist vielleicht warchzun (für warz(i)chun?) gl. 3, 291, 68; der Anhalter (prompt. 1517) hat wartzke, verruca N 1b, papilla N 3a, Luther jedoch hat zwar wanzke, aber warze (wartzen 11, 384, 5 Weim. ausg., wartzlin 36, 474, 16); der in der Altmark geborene J. Praetorius hat wartschcke philosophia colus (1662) 166, wartsgen 188; die zweite stelle übernommen von dem Arnstädter rockenphilosophia (1706) 2, 250; wartzke auch bei Comenius portael (Amsterd. 1673) im register; warzgenkraut bei 2, 424c. jetzt ist mundartlich, meist mit länge, bezeugt ostthür., altenburg. wārzγe 254, wārdsΧe Kürsten u. 76, so auch in Leipzig und sonst obersächs. 2, 641 ; mansfeld. wrzke (neben wrtsə zeitschr. f. hd. mda. 2, 192); im Harz wórzke 254. 7) die declination war im ahd. schwach und stark: warchzun (s. o.) gl. 3, 291, 68; warzun 2, 174, 42. 2, 236, 38, aber pl. warza 2, 240, 49. 3, 310, 56; mhd. sind nur schw. formen belegt. II. bedeutung und gebrauch. die aus den indogerm. verwandten zu erschlieszende grundbedeutung 'erhöhung' wurde in den germ. bildungen verengt zu 'kleine (krankhafte oder nicht krankhafte) hauterhöhung bei mensch und thier': von mangerley wärtzen, oder urschlechten, knorren oder herten J. Khüffner Celsus (Mainz 1531) 87a. [Bd. 27, Sp. 2199] 1) am häufigsten wird warze gebraucht für die rundlichen, ziemlich harten auswüchse, die durch wucherung der hautpapillen entstehen; für sie genügt auch stets das alleinstehende wort, während für die übrigen arten häufig zusätze (s. u. wilde, rote warze, ferner feigwarze, brustwarze usw.) nötig sind, wenn sie nicht der zusammenhang überflüssig macht. a) die gewöhnliche warze, verruca gl. 2, 360, 7. 3, 6, 23. 291, 68. 310, 56. 661, 47. 697, 44. 4, 226, 12. gl. 614a. voc. inc. teut. C 2b. 452b. 2440 usw.; wartzen oder wartzeln thesaurus 924b. sie sind besonders häufig an den händen: wartz, porro, che nasce nelle mani 273. Hübner5 2065. doch auch am übrigen körper erscheinen sie; sie werden oft als besonderes kennzeichen, im gesicht meist als etwas entstellendes, zu beseitigendes erwähnt: Thietmarus ... locum emit a Wolberone cum verruca (warcin) et suis heredibus Kölner schreinsurkunden des 12. jahrh. 1, 294 Höniger; dasz sie hinden im nacken ein grosze wartzen gehabt volksbuch von Faust 76 neudr.; an der groszen wartze, die der baur ... auff der stirn stehen hatte, ward ich eigentlich versichert, dasz es mein knän ... war Simpl. 2, 36 Kurz; dasz sie so viel wartzen im gesicht möge bekommen, wie viel scheerhauffen auff einer wiesen etwas für alle 2, 362; wollen sie (die alten weiber) die säu-borsten aus ihren glucker-groszen wartzen zupffen, so schauen sie in spiegel Fuchsmundi 91, 11 neudr.; um eine übrigens ganz wohlgebildete menschengestalt durch eine von warzen, flecken, borsten und unrath entstellte oberhaut durchzusehen 40, 329 Weim. ausg.; eine lange, höckerige nase, mit einer haarigen, roten warze 3, 255 Elster; da hab ich gesehen mit lust sonst wirst du ... vergeblich dich bestreben, ach, du gott! die warze hat er b) eine abart der gewöhnlichen hautwarzen bilden die bei jungen leuten häufigen gestielten warzen: die ligatur ist nur bei gestielten warzen anwendbar über warzen (1840) 27. sie hieszen hangende wartzen, acrochordonium 1, 18b. onomat. medica (arzneywiss. 1772) 21; vgl.: ein gattung der wärtzen, oben dick unden tünn, gleych ob sy hangind, kinden wärtzen dict. (1556) 25b; hierher vielleicht auch acrochordines, die weychen wartzen gl. 636b (von 782b als condylome bestimmt). c) auch das erhabene muttermal, eine angeborne dunklere flache ausgedehntere hauterhebung, wird zuweilen als warze bezeichnet (vgl.warzenmal): nevum (si in nostro corpore naevus apparuerit Hieronymus opera (1716) 1, 582), warza gl. 2, 325, 4; lenticula, ein wertzen (Hall 1429) nov. gl. 231b. hierher können einige schon angeführte stellen und die folgende gehören (vgl. auch unter wärzchen geharnschte Venus, unter wärzlein Guarinonius): das fleckchen an der wang' ist eine zier, das schwarze, d) die leichdorne, hühneraugen, durch druck entstehende verdickungen der oberhaut an den füszen, werden meist nicht zu den warzen gerechnet, vgl.: die preun thet an der zungen schwartzen, die hühneraugen waren fort, wer da hiet werczn auf dem fues, [Bd. 27, Sp. 2200] huneraugen ader sunst schlecht wartzen Heinrich v. Pfolspeundt (15. jahrh.) bei gesch. d. chirurgie 2, 196; leget es (das hühneraugenpflaster) auf die wartzen ..., so dörren sie darunter v. Georgica 3 (1715) 212b; wartze, quibusdam hühnerauge 2, 945; die hünnerwärzen oder andere wärzen zu vertreiben zeitschr. f. österr. volksk. 6, 111 (Eger 1823). e) bei der häufigkeit der warzen werden die mannigfachsten beseitigungsarten versucht. α) sie werden abgebunden, geschnitten: eine wartze abbinden, mit einem seidenfaden absetzen, eene wen afbinden holl.-dtsch. 514; ich hatte eine kleine warze am untern augenlied, man hat mir sie glücklich abgebunden 23, 40 Weim. ausg.; der tod hält es vielmehr für einen nicht geringen sieg, wenn er die grösten lichter der welt ... durch eine übel-geschnittene warze ... auslescht Arminius 1, 1199. β) sie werden weggeätzt: wie aus diesem jungfräulichen gesicht die warzen ... sich wegbeizen lieszen Neseggab 1, 63. vor allem versuchte man es mit dem saft der verschiedensten pflanzen, manche erhielten davon den namen warzenkraut (s. d.): recipe die milch oder safft von springwurtz - kraut, schmier damit die wärtzen, so dorren sie und fallen hinweg Becher chymischer glückshafen (Frankf. 1682) 765. der gebräuchlichste ausdruck dafür ist eine wartze vertreiben 2387: wil dû wercen vertrîben, sô nim einen halm und brenne die wercen mit des halms lide 2 deutsche arzneibücher, Wiener sitz.-ber. 42, 149. γ) ganz besonders aber werden sympathiekuren gegen die warzen angewendet; auch hierfür heiszt es vertreiben: ein altes weib, das warzen und sommerflecken vertreibt, verstehe mehr von der sympathie als ich 8, 56 (Götz 1) Weim. ausg. die warzen werden in sympathetische beziehung zu verwesendem gebracht: mit diesem (speck) schmieret in abnehmenden mond die wartzen, und vergrabet ihn hernach ins erdreich v. der vollk. teutsche soldat (1726) 336b, vgl. Germania 29, 87. totenhand vertreibt warzen: auf warzen-vertreiben verstehen sich ... die todten besser als die lebendigen Hogarthische kupferstiche 2, 344; dasz das berühren mit einer todtenhand von warzen befreit herbstblumine 3, 12; noch bestrich er dreimal eine warze über seinem auge mit der kalten hand der todten (1857) 17, 317. die warzen werden besprochen, gebüszt: besprechungsformeln gegen warzen: mond nimmt zu, warze nimmt ab, ... glocken gehn toten nach warzen gehn mit volksaberglaube 3 168; etz läuts zu der leich, f) die warze hat eine wurzel: das corium ... schickt in die verdickte epidermis verlängerungen, welche man die wurzel der warze nennt über warzen (1840) 5. g) verrucosus, vol wartzen gl. 614a; voller warzen 2440. 2) die übrigen als warzen bezeichneten hautausschläge und hauterhöhungen lassen sich nicht immer genau als bestimmte krankheitsformen der neueren heilkunde deuten. a) impetigo 'krätze' der vulgata wird mit warze wieder gegeben: warza gl. 1, 351, 49; warce 4, 257, 1; ob es (das opfer) hat ein mase, oder blattern, ob grinde, oder ein wartzen bibel, 3. Mos. 22, 22; impetigo, sicca scabies voc. ex quo (1490) i 1b; vgl. gl. 288c, auch unter impetiginosus; auch bei 7, 285 was wartzen hat (bei 3. Mos. 21, 20 grindicht oder schebicht); ähnlich cremium, ein wärczen vel rüffen (schorf) nov. gl. 118b. b) beim aussatz: (der aussätzige) gewinnet under dem fleisch als harte wartzen wundarzney (1517) 78a; vgl.wartze, verruca, papula oder platterlein oder rotergrindt voc. theut. (1482) nn 1a; roter grind wird von 205a als aussatz oder als lupus gedeutet; s. auch u. warzel. ferner: krebsartige warzen (die neigung haben, in krebs überzugehen) über warzen (1840) [Bd. 27, Sp. 2201] 17; verschiedene stücke vom darmkanal eines wassersüchtigen mannes, mit verengungen, geschwüren und warzen v. Sömmerring vom baue des menschl. körpers (1839 ff.) 2, LX. c) häufig von venerischen auswüchsen; condyloma, die venerische warze, feigwarze (s. d.) handbuch der chirurgie 5, 206: condylome, die wartzen die im arse wahssent (anf. 15. jahrh.) gl. 640a; das er in wöl behüten vor der schweren kranckheit der blatern und wartzen ('syphilis') S. Brant der heiligen leben bei 1, 356; langlechte zapffen oder wartzen (16. jahrh.) 2, 674; warze, oder blatter an heimlichen orten, thym Rondeau. sie heiszen auch wilde warzen: die platern oder zapfen oder malfranzois ... oder wild wärtzen (15. jahrh.) 2, 1014; alle andere fawl und alle wilde wertzen Heinr. v. Pfolspeundt bei 1, 356; J. Grünbeck, von dem ursprung des bösen franzos, das man nennet die wylden wärtzen. Augspurg 1496 (titel) ebenda. rote warzen: der safft (des thymus, des wälschen quendels) ... vertreibt die rohten wartzen, thymos genannt kreutterbuch (1595) 18a. jetzt heiszt die feigwarze auch spitze warze, condyloma acuminatum v. die krankhaften veränderungen der haut 439. d) das gerstenkorn am augenlide: wartzen zwischen den augbrauen, crithe 2, 342b; warze an einem auge, werner, wen 259; vgl. unter wärzlein 2 Alberus, Frisius, Calepinus. e) von adererweiterungen (nur ahd.): α) varix (krampfader), warza gl. 3, 263, 48. 4, 106, 16. 172, 55; warza vel werna 2, 7, 35. β) hämorrhoiden: emorroida, warza, waerza, warze, warra 3, 480, 2. 4, 56, 37 ff. 170, 17. 360, 6. f) warzen, 'gröszere oder kleinere auswüchse an den verschiedensten stellen der haut, besonders beim pferde, rindvieh und hunde' encykl. der thierheilkunde (1845) 404: den jungen kälbern soll man die zungen aufheben, befinden sich weisze wartzen daselbst, die soll man ... abzwicken v. Georgica (1682) 1, 139. 3) sehr gebräuchlich ist von alters her warze für die erhöhung an der spitze der weiblichen und männlichen brustdrüse, auch der thiere; es steht zuweilen auch für die ganze brustdrüse (wie lat. papilla für mamma): mamme, warzun gl. 2, 174, 42. 236, 38; mamme pubertatis, warza kindesheiti 240, 49 (alle drei stellen nach Hesekiel 23, 3). a) papilla, summitas mamm id est warte (asächs.) 2, 727, 8; papille, warza 3, 431, 9; wartze gl. 411a, warcz nov. gl. 279a; doch häufiger mit verdeutlichenden zusätzen tute werze 3, 439, 50, brust-, tutten-, ciczen-wartze gl. 411a; wartze oder wartzlein an prustlein, puberta voc. theut. (1482) n n 1b; die wartzen an den brüsten 2387; dieselbige (mutter), wenn sie ihren sohn entwehnet, und ihme zum besten von den brüsten abhalten wil, pfleget die wartzen mit wermuth-safft oder aloes zu bestreichen himml. Jerusalem 2, 305; mit schönen weiszen runden brüsten mit rothen wartzen neue weltbeschreibung (1666) 2, 99; ich habe geraucht, als ich kaum von meiner mutter brust entwöhnt war; die warze mit dem pfeifenmundstück verwechselt 1, 44 (hofmeister 3, 4) Tieck; iegeliches sneit ein stucke, als es den wermuth auf der warze schmeckte, b) dur sîner brüste warzen [Bd. 27, Sp. 2202] der edle Odysseus c) die dutten oder wartzen an den eutern 780, 19; die wölff seynd wol z friden, als lang yn die wölffin milch gibt, wenn sy aber empfinden, das sy kain milch mer hatt, so beiszen sy ir in die wartzen schiff der penitentz (1514) 107b; ihre uhrheber aber hätten nichts minder die grausamkeit als die milch aus den wartzen einer wölfin gesogen Arminius 1, 934a. 4) auch andere nicht krankhafte gebilde werden als warzen bezeichnet. a) die drüsen der gedärme und warzenähnliche hervorragungen der nieren onomat. med. hg. v. (wundarznei 1756) 1208. v. 5, 312; von den vaginafalten gebildete warzen medic. wb. (anat.) 8, 479; die überbleibsel des hymens, carunculae myrtiformes handb. der menschl. anatomie 4, 683; erhöhung in der harnröhre, caput gallinaginis onomat. med. 152; die nervenenden, besonders an der zunge 780b, dafür meist wärzchen (s. d.). b) bei thieren. der fleischige auswuchs auf der stirn de sneugebornen fohlens: amor, warza (Verg. Aen. 4, 516) 2, 654, 21, vgl. Plinius dicit equos habere in fronte quandam carnem, i. warzun 2, 686, 51, die zwo wartzen ynn der platten auff dem kopff (des kalbes) solten hörner worden seyn 11, 384, 5 Weim. ausg. die zotten am halse der ziege: die güte der geyssz würt erkannt an den wartzen des bauchs (laciniae a cervice dependentes) Plinius 8, 84 (= 8, 50); vgl. wärzlein 3 Dasypodius. vom beutel an der kehle des elens: unter der tann erblickt er das elend mit breitem geweihe, 5) warze bezeichnet in der neueren zeit auch erhebungen oder auswüchse an pflanzentheilen; warzenähnliche pünktchen oder bläschen an blättern, runde erhebungen an der unterseite von pilzen 4, 856; 'die schuppen, schilder u. dgl. sind flach ausgebreitete, die warzen mehr kegel- oder keulenförmige drüsen' standortgewächse 215; warze, knorpliger auswuchs am apfel; erhöhung bei pfirsichen und apricosen an stelle des blütenpunkts ökon. lex. (1838) 634b. 6) die form der warze dient oft zu vergleichen: myrmecia (ein edelstein) habet quondam eminentias, wie wartzen dict. (1540) Mm 4a. besonders um die kleinheit eines berges zu bezeichnen: lasz auf uns [Bd. 27, Sp. 2203] gebirge im verhältnisz zur erde ist novellen (1853) 8, 187. vergleiche mit den krötenwarzen: also (die steinerne kröte) heiszet ein mächtiger fels in den bergen des Schwarzwalds, 7) übertragene bedeutungen. a) die warze, name einer genabelten afrikanischen schneckenart, helix mammillaris L. einl. in die conchylienkenntnisz 2 (1784) 151. b) warzenähnliches in der technik. an geräten: die Wahlen haben lust und gefallen zu schönen und klaren glesern, die schlecht und circkelrecht sein, wie sie auch vil subtiler sein mit irer arbeit, welchs man an iren wertzen und boden, an ihren scheibennebeln und andern sihet Sarepta 195b; vgl. DWB warzenglas. an der wage: wie die wag mit der wärtz im leger leit Ercker beschr. aller mineral. ertzt (Prag 1574) 38b; sie hängt mit ihren warzen in der scheere, in welcher sie sich leicht ... drehen kann 4, 562. bei einem krummzapfen der ansatz, an dem die kurbelstange hängt (1730) 399. berg- u. hüttenlex. (1805) 2, 610. Mothes baulex.3 4, 336a. 'der kurze arm an einer hammerhülse, welcher sich zwischen den backeneisen der standsäulen auf und ab beweget' 2, 610. warze, warzel, die beiden enden einer holzwelle 2, 860b. warze an der hemme, dem befestigungsstück der sensenklinge buch der erfindungen9 6, 292. warze an den stäben des jagdnetzes: die garne mit schlubseilen, und die stäbe mit wartzen bestellen jagd- u. weidbüchlein (1681) 168. erhöhung am vordertheile des bolzens (?): einer sagt, es kundt nicht halten; 8) sprichwörtliches: umb der wartzen willen trag ich händschen Lehmann nach 4, 1793; die warzen an den händen müssen die handschuhe verblenden 4, 1792; besser eine warze auf dem rücken als eine sommersprosse im gesicht 16208; er weisz ein artigen spruch und füglichen text darauff zubringen, der reimt sich wie ein wartz auff desz frater Nasen nasz binenkorb (1588) 173a. [Bd. 27, Sp. 2204] wird es besonders in elsässischen drucken bis ins 17. jahrh., so in Straszburger drucken von Gersdorf, Bock, Ryff, Golius, Sebiz, Dannhawer; auch schweiz. wartzlen Gesners thierbuch übers. v. Herold u. (1563) 34; ferner bei Arigo eine kleine warczeln (acc.) Decamerone 145, 37; bei Grimmelshausen wartzel Simpl. schr. 4, 210, 24 Kurz; auch erzgeb. bei Syrach (1586) 2, 126b. mundartlich wird jetzt warzel als fem., meist mit längung des vocals, zuweilen mit verdumpfung zu o und mit ausfall des r, bezeugt: elsäss. wārtsl, wōrtsl usw. neben wārze 2, 860a, waardsl (Oberschopfheim) zeitschr. f. hd. mda. 1, 334, (bei Rastatt) zeitschr. f. d. mda. 1914, 345; lothr. wártsəl (in Lixingen watsəl), dimin. wērtsəlXən 531a; wārzel wb. der luxemb. mda. 476b; im Westerwald wātsəl deutsche dialektgeographie 4, 6; siegerländ. wārz 17, hessisch in Blankenheim wōrdsəl 8, in Würzburg warzel 133, henneberg. wrzel 286, eichsfeldisch wōrtsl 4, erzgeb. worzl 24, in Sebnitz worz 57, in Seifhennersdorf bei Zittau wrts beitr. 15, 6, in Gleiwitz wūotso (< wūotsel) 64; auch ostpreusz. wōazel das mitteldeutsche in Ostpr. 25, in der Zips wrts beitr. 19, 303. auf nd. gebiet belegt im engrischen und westfälischen: wārtele 112a, wrtəln (sg.?) in Schwalenberg (Lippe-Detmold) nd. jahrb. 32, 167, wtel 317 (unter wāte), wāod'l münster. mda. 6. warzel steht gleichbedeutend mit warze, vgl.wartzen oder wartzeln thesaurus (1597) 924b, ohne diminutiven nebensinn (doch 57 'kleine warze'). im els. steht das neutr. wärzel (s. wärzlein) als dimin. neben warzel Straszb. mda. 115a, im Zornthal wártsələ, n., neben wórtsəl jahrb. f. Elsasz-Lothr. 4, 50. aber auch ein fem. wärzel (aus *warzila oder von wärze ausgehend?) scheint vorzukommen, s. u. 4 die belege für 'hornwarze des pferdes'; ferner vielleicht hierher wärtzel gesprechspiele 7, Hh 7b. v. (1715) 3, 201b, wo aber auch (wie bei warzel in bair.-österr. quellen) an das neutr. als dimin. gedacht werden kann. 1) unter der lincken pruste sie ein kleine warczeln hatte, darumb etliche goltfarbe härlein Decamerone 145, 37; und sollen darmit (mit genserich) die wartzlen der hand vertriben werden deütsche apoteck (1573) 1, 109a; ob der alte auch eine solche grosze wartzel wie ein horn uff der stirn hätte Simpl. schriften 4, 210, 24 Kurz; (dasz sie) die im leben gehabte wartzel am halse noch gehabt Faust des christl. meyn. 20 neudr.; s'ist aber deszwegen leicht z'kennen, weil sie zwa warzeln auf ihrer rothen nasen hat v. werke 4, 295, 6; warzel, warzel, weiche, 2) papula, rot grinth vel warczelen gl. 411b; findt man die (knollen bei leprakranken) gewonlich an henden und füsszen und anderszwo, als mit harten eysszen und vil schwartzen wartzelen feldbuch der wundarzney (1528) 89; sagt diselb frau auch, das so lang der nestel verknipfft bleib, so könn man daran sehen, das er auflauffe und geschwelle, als ob er wartzeln bekäm Bodin, daemonomania übers. v. (1581) 226. 3) düttenwartzeln feldbau (1580) 90; oft tregt sichs zu, das die sechswöchnerin selber nicht milch hat oder warzeln, da das kind anhangen kündte Syrach 2, 126b; (dieser essig ist gut) für die geschwärende brüst ... und heylet die wärtzel, wann sie schwürig seynd v. (1715) 3, 201b. 4) die wartzlen so es (das stachelschwein) an der haut ... hat z beyden backen Gesners thierbuch übers. von Herold u. 34. wärzel, die hornwarze des pferdebeins (vgl. DWB warze II, 4 b): verbind im (dem pferde) den schenckel ab und ab bis auf die wertzel roszarznei (1542) 40; est in tibiis equi pars, quam lingua vernacula wertzel appellat thesaurus 997a. 5) in andern (spiegeln erscheint der kopf) so klein wie ein wartzel catechismus-milch 1, 49. bildlich für 'kleiner fehler': alle seine auch die geringste sündenflecken, wartzlen und runtzlen ... erkennen 1, 60. [Bd. 27, Sp. 2205] 6) warze, warzel, die beiden enden einer holzwelle 2, 860b.
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