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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
trandel bis tränkanlage (Bd. 21, Sp. 1188 bis 1203)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) trandel, m., kreisel, s. DWB trendel.
 
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trane, f., s. DWB tratt.
 
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träne, f., s. DWB thräne.
 
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tranftkraut, f.: parietaria, ... wand- oder maurkraut, herba muralis, weil es gern an den wänden und andern gemäur wachst, tranfftkraut Pancovius (1673) 297.
 
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trang, adv. s. DWB drang; auch bei Luther: mir ist so trang Luc. 12, 50.
 
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tranig, adj., zu thran: früher wanderte sein (des wasserhuhnes) traniges fleisch häufig in die fastenküchen Wimmer gesch. d. dtsch. bodens (1905) 348, vgl. thranicht.

[Bd. 21, Sp. 1189]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tranikelkraut, n. s. sanikelkraut.
 
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trank, m., n. , das getränk, das trinken. herkunft und form.
verbalabstract (-a-stamm) der o-stufe von trinken, neben dem in der tiefstufe der -i-stamm trunk steht, s. d. got. drag(g)k; ahd. trank, mhd. tranc; altsächs., mnd. drank; anfrk., mnl. dranc, nl. drank; abseits steht ags. drenc. aus dem nd., zumeist in den bedeutungen von I B 3, in die nordgermanischen und baltischen sprachen entlehnt: norw.-dän. drank hefe, maisch, malztreber; schwed. drank treber, branntweinspülicht, -hefe, schlempe, im compositum kirsedrank zu mnd. kersdrank, im ält. schwed. (1555) starcke dräncker spirituosen Dahlgren gloss. 158; litauisch dránka, f., schweinefutter; lettisch drañkis spülicht; schmutz, schmutzwetter, schmutziger schlemmer; dazu slapdrañkis schmutz-, schlackwetter und drañkêt, vb., schlacken, sich schweinisch und schmutzig aufführen. — trank ist ursprünglich neutrum, so ausschlieszlich im got. und ahd.; unbestimmt im anfrk. und altsächs. es erscheint als masculinum im mnd., mnl., nl.; im mhd. stehen masc. und neutr. nebeneinander. dem mhd. folgt das neuhochdeutsche bis ins 18. jh., z. th. so, dasz sich die doppelheit des genus ohne unterschied der bedeutung in éiner quelle findet, z. b.: sy schöpfft das wasser und gab das tranck allen den kemlin erste dtsche bibel, gen. 24, 20, aber: ich ... antwurt den tranck Pharaon ebda 40, 11; desgleichen: man kan, im fall der noth, das obige tranck wol öffter brauchen Hohberg georg. curiosa 1, 310b, masc.: ein guter tranck für die würmer ebda 3, 207a; s. auch tranck m. und n. Kramer d.-it. 2 (1702) 1144c. im 16. jh. neben dem neutrum höchstens gleichberechtigt, hat das masc. jedoch vom 17. jh. an auch auf hochdeutschem boden sichtlich die überhand. obd. hält sich das neutrum am zähesten: wolgekochte speis und gutes trank (17. jh.) österr. weisth. 2, 20; die speyse, das tranck und andere sachen belangend F. Würtz wundartzney (1612) 67; sein erstes trank ist die muttermilch Abr. a s. Clara etwas f. alle 1 (1699) 106. das 18. jh. bietet noch belege wie: dasz tranck, so sie mir aufsetzten, war gutes bier Stranitzky reyszbeschreib. 13 Wiener ndr.; das trank auszschenken österr. weisth. 2, 43; starckes tranck Dentzler (1716) 2, 288b; doch im 19. jh. höchstens mundartlich gefärbt: zum doktor will ich, der musz mir ein braves trank geben Gotthelf ges. schr. (1855) 22, 55. in den nd. und md. maa. herrscht, sofern bezeichnet, durchaus das masc., während sich im obd. sowohl masc. (Schöpf 751; Meisinger Rappenau. 204; Lenz Handschuhsh. 71) als neutr. (Schmeller-Fr. 1, 667; Pfalz Marchfeld 48; Bachmann beitr. 10, 125; Friedli Bärndütsch 1, 458) findet. Fischer schwäb. 2, 316 verzeichnet m. und n.; aargauisch ist m. und n. nach bedeutungen verteilt Hunziker 58. — der einbruch des functionellen umlauts erfolgt in mhd. zeit:

Circe kunde trenke wol gegeben
Herbort v. Fritzlar liet von Troye 17631 Fromm.,

noch nicht so durchgreifend, dasz nicht gelegentlich bis ins 16. jh. die alte form auftauchte: driu guotiu tranch arzneibuch des 13. jh. in Wiener sitz.-ber. 42, 157; Daniel 2113 Hübner, s. u. sp. 1191;

nûchtirn und in tranken
pfarrer z. Hechte in zs. f. dtsch. altert. 17, 182;

als daryn was der klare wein,
der do ist uber alle tranck pfarrer v. Kalenberg 54 ndr.;

ain ... ungelt auff alle tranck städtechron. 4, 311; die allerbesten tranck Schweiz. schauspiele 1, 32 Bächtold; guete, redliche, unvermischte trank österr. weisth. 6, 23; weder wein noch bier schenken bei verlierung solcher tranken ebda 236; den harn zu fürdern, seindt tranck zu brauchen Wirsung artzneybuch (1568) 556b; under anderen tranken Rauwolff raisz (1581) 106. mundartlich bis heute: trawch sing. und plur. Friedli Bärndütsch 1, 458; dranke Fischer Samland 91; mit schwacher flexion: scharpe dranken Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 327. seit dem 16. jh. ist im alem. die pluralische endung -er belegt: die

[Bd. 21, Sp. 1190]


drencker der zauberin Circe Joh. Adolphus enchiridion (1520) 91b; die artzet ... woltend ... durch träncker das gifft wider usz im tryben Tschudi chron. helv. 1, 263; liebestränker s. th. 6, 956. so bis in die modernen maa.: tränkcher Hodler Berndeutsch 79; träicher Friedli Bärndütsch 1, 458; dränker ebda 4, 344; s. auch oben schwed. dräncker. — der auslaut ist seit dem spätmhd. gelegentlich lenisiert: trang (14. jh.) zeitschr. f. d. altert. 6, 351; Stolle thür. chron. 33 lit. ver.; nd. drang Alsfeld. pass.-spiel 196 Grein; mit affricata südbair. tranchh altdeutsche pass.-spiele aus Tirol 191 Wackernell; s. auch trankch Hodler a. a. o.; mit spirans im hochalem.: tranch Zahler volksglaub. d. Simmenthals 55; dazu mit auflösung des nasals: trauch Hodler a. a. o.; Friedli Bärndütsch 1, 458; plur. träiche ebda 1, 250; trch Bachmann beitr. 10, 125; s. auch schwäb. drk Fischer 2, 316. — verdumpfung des stammvocals: drng Pfalz Marchfeld 48; trnk Jakob Wien. 194; nordfries. drngk Siebs Helgoland 213; droonk Möller Sylt. 69.
vereinzelte collectivbildungen, wohl mit abgeschwächtem -ach-suffix: dasz abspieler oder tranckher solle unser khoch ... abholen laszen deutsche hofordnungen 2, 204 Kern (an anderer stelle: des abspülachs oder trangkhs 2, 171); vgl. dazu dràngə(r) getränke für das vieh Brenner-Hartmann Bayerns maa. 1, 241. bedeutung und gebrauch.
I. das getrunkene, das getränk.
in allen frühstufen der in frage kommenden sprachen ist der verbale inhalt vorwiegend und zwar auf das substanzielle hin concretisiert, so got. durchaus, dann ahd., altsächs., anfrk.spät und räumlich beschränkt bildet die concretisierung ein nomen agentis heraus: drank säufer, trinker Mungard Sylt 54; weitergebildet: drankster ebda; drookster Möller Sylt. 69; draanksteern K. ter Laan Groning. 185. ähnlich bei frasz, m. vgl. auch den pflanzennamen marientrank th. 6, 1627.
A. allgemein: die zu trinkende substanz, das getränk, angewendet auf den menschen, seltener auf das thier; dichterisch vereinzelt auf pflanzliches übertragen: regentrank des veilchens Bürger werke 47a Bohtz, ganz selten auch übertragungen wie: eine gereinigte lebende maienluft kühlte mit eis den trank der lunge Jean Paul 1, 318 Hempel.diese bedeutung von trank ist in lebendiger sprache erloschen und wird auszer in formelhafter verwendung (s. I A 1 b β) nur noch im schmalen bereich gehobener, dichterischer und antiquierter sprache gebraucht, vgl. DWB sang, DWB stank. seit dem 17. jh. ist dafür das collectivum getränk im vordringen begriffen. schon im laufe des 18. jh. ist der heutige zustand sowohl erreicht als bewuszt: 'hodie ita distinguimus, ut trank sit potus medicatus ... trunk potus ordinarius' Wachter gloss. germ. (1737) 1724; 'ein trank wird von kräutern oder säften gemacht und gehöret zur arzneiwissenschaft ... getränk bedeutet jede flüssige sache, welche den durst zu löschen vermögend ist' Stosch gleichbed. wörter 1 (1777) 19; dem gegenüber bleibt die lexikalische fixierung conservativer: tranck potus, potio Steinbach (1734) 2, 874; 'trank derjenige flüssige körper, welchen man zur stillung des durstes zu sich nimmt ... es ist in dieser bedeutung im hochdeutschen wenig mehr üblich, indem getränk ... auch trunk dafür gangbarer sind' Adelung 4, 1027. weiteres hierzu unter getränk th. 4, 1, 2, 4416 f.
1) die collectivbedeutung.
a) impotus unghedrunken, unghequicket mit dranke (1417) bei Diefenbach nov. gloss. 211b; potus, potio tranck Calepinus undec. ling. (1598) 1122b; trank ... ist alle feuchtigkeit, so dem menschen zum trinken dienet haushalt.-lex. (1728) 964: die dinge ... der man nút von nature wol abgescheiden enkan, als dem hunger: lust der spise und dem turste: lust des trankes Tauler predigten 220 Vetter; darumb verleürt auch die creatur im gotlosen ihr ampt, das dranck löscht kain durst, gut machet nit mut, gelt nicht reych S. Franck trunckenheyt (1539) c 3b; des obs hat sie (die Normandie) so vil, das man gemeynlich tranck

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daraus macht Seb. Münster cosmogr. 120. anders construiert:

lobt all czungen des erenreichen gotesleichnams wirdikait
und sein pluet gar kostparleichen, das czu trangk ist uns berait bei
Bäumker kathol. kirchenl. 1, 693;

(meinst du) dasz ich (gott) der böck und schafe blut
für dranck zu brauchen sei gemut bei
Kehrein kathol. kirchenl. 3, 208;

nur ausmündendes süszes binnenwasser, nicht salzflut in gräben und tümpeln konnte als trank dienen Wimmer dtsch. boden 47.
b) trank verbunden mit dem collectiven begriff für die eszbaren dinge.
α) got. in mata aiþþau in draggka (ἐν βρώσει ἢ ἐν πόσει) Kolosser 2, 16;

that sie im thar at theru menigimates endi drankes
thigidin at theru thiodu Heliand 1224;

mos endi drank Wadstein altsächs. sprachd. 16;

er (Joseph) gap in maz unde tranch genes. u. exod. 80, 17 Diemer;

boumol das heilet gerne
und ist gesunt zu der brust
brengende gerume lust
an aze und an tranken Daniel 2113 Hübner;

reisz das tischtuch mit tranck und essen
vom tisch heraber auff die erd
H. Sachs 17, 60 lit. ver.

häufig kost und trank, bis ins 19. jh.: zu Babilonia vor kunig Soldan sahen wir dich koste und trank in groszen eren und wirden credenzen ackermann aus Böhmen 18, 12 Bernt; uff ain zyt, als sie by ainander ob dem tisch sassen und nach aller wolnust in úberflüssiger kost und trank lebten Stainhöwel de clar. mulier. 264 lit. ver.; kost off dranck verfass. u. verwalt. Kölns 2, 393 Stein; d. Faustus aber hette ein gut fegen mit desz bapstes kosten und tranck volksb. v. dr. Faust 60 Braune; dafür gab er Stilling kost und trank Jung-Stilling sämtl. schriften 1, 121;

an eignem tranke reich und eigner kost
Fr. Rückert ges. poet. werke 1, 119. —

genieszen eines brodts und trinkken einen trank
Rachel sat. ged. 87 ndr.;

dem durste gibt sie trank, dem hunger brod
Schiller 1, 47 G.

bei thieren: alles futter, das man einem pferde giebt, musz fein sauber und rein seyn, wie denn auch aller tranck Walther pferde- u. viehzucht (1658) 23.
β) vorwiegend neben speise. in loserem zusammenhang:

diu beste spîse, daz beste tranc Freidank 125, 5 Grimm;

der text hat 'commessatum', das bethüt nit allein essen, sunder dazu lüstigen wol bereyte spyse niessen ... und das beste tranck Terentius teutsch (1499) 49b glosse; also kamen die baid von dannen, der wolff von erst umb die spys, darnach der bok um das tranck Stainhöwel Äsop 202 lit. ver.; colerica passio da eins die spyse und das dranck nit behalten mag Dief. gl. 640a; zur speise nehmen sie des viches fleisch, desselben milch oder blut brauchen sie zum tranck Schütz hist. rer. Pruss. 1, a 4c; bildlich: und sol iúch iemir hungerne nach got, der der engilon trank ist und ir ewigú spise st. Georg. prediger 136 Rieder; enger: unmessikeyt in spyse oder in trancke gemma gemmarum (1508) d 3a; dahin brachten sy weder speisz noch tranck C. Hedio chron. germ. b 5b. häufig in mehrfacher verbindung, notdurft und erfordernis irdischen lebens besonders hervorhebend: des wolden dy von Erffort nicht thun, sundern brot, trang und spisze vorkoufften ome dy von Erffort umme or gelt (15. jh.) Stolle thür. chron. 33 lit. ver.; teil spys, trank, kleider mit dem dürftigen Zwingli deutsche schriften 1, 217; bescheidenheyt ... in speysz, tranck, kleidung S. Franck Turckey a 2a; der Teutschen complexion, landsart, lufft, speisz, tranck Ryff spiegel u. regiment a a 2b; im theologischen schrifttum bes. des 15. und 16. jh. als sinnbild des irdischen, stofflichen,

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sündigen: im (dem leib) helffen hie all sein freünde: die speise, der tranck, die zarthait, das ist alles wider den gaist, wann er hie ist ellendt Tauler sermones (1508) 17b; läslicher sünd sein menigerlay, nemlich wer in speis oder tranck oder slaflust scht mer dann seiner natur not ist Berthold v. Chiemsee theologey 248 Reithm. ähnlich in einfacher formel: das rych gottes ist nit spysz oder tranck Zwingli freiheit d. speisen 24 ndr.; Christus leeret, das speysz und tranck an im selbs nit bösz sey, wo das hertz nit bösz ist Eberlin v. Günzburg sämtl. schriften 2, 6 ndr. dieses formelhafte speis und trank gewinnt starke ausdehnung; trank verdrängt hierin selbst älteres getränk (s. th. 4, 1, 2, 4418) und bleibt in dieser bedeutung dem breiten sprachgebrauch erhalten (s. oben A): so schulten die obgenanten gröszen denselben umb ein bescheiden gelt speisze und dranck geben städtechron. 2, 88; (die königin) liesz den unzüchter also daselbst bey geringer darreichung speisz und trancks ... verschloszen liegen Kirchhof wendunmuth 2, 48 lit. ver.; wie gott ... einen ieden menschen sein mäslein speise und trank verordnet hat: also hat er auch einen ieden sein mäslein arbeit darneben gestellet Butschky Pathmos 329; so gewisz ... eine unersättliche und hitzige begierde nach speise und trank das zeichen des wechselbalges war Schwabe belustigungen 6, 315; (gäste) deren niedergeschlagenheit so tief wurde, dasz sie speise und trank verschmähten Bismarck ged. u. erinn. 2, 109; auf thiere bezogen: weil auch die esel oder maulthiere speysz und tranck zu sich nehmen discourse d. mahlern 2, 196. sprichwörtlich: gott sei danck für speisz und tranck Kramer d.-it. 2 (1702) 1145a. selten in verkehrter reihenfolge:

trank und spies sond ir niesen
Mone schauspiele d. mittelalt. 1, 285;

unter reimzwang:

weil sie nicht auff irdische weisz
nieszen menschliche tranck und speisz
Spreng Ilias 58b;

im zwang des rhythmus:

als nun aber die lust nach trank und speise gestillt war
Bürger 191 Bohtz.

das formelhafte wird so stark gefühlt, dasz artikel, pronomen und attribut blosz einmal, und zwar nach dem ersten bestandteil, construiert werden: wann ich nur mein bauch nicht täglich mit uppigkeit, wollust und uberflusz der speisz und tranck gefüllet ... hette volksbuch v. dr. Faust 38 ndr. Petsch;

sie hab bey mir ihrn freyen gangk,
nehr sich von meiner speis und tranck
Rollenhagen froschmeuseler d 6b;

der aderlässzer soll sich hyeten in den ersten drey tagen vor überflüssiger speysz und tranck Gersdorff wundarzn. (1526) 20a; ebenso wichtig war vornehme speise und trank G. Freytag 18, 139. die formel widersteht pluralischer bildung:

und hört all süsze saitenspil:
vor im die besten speisz und tranck
C. Scheit frölich heimfart e 3b;

wir wolten fein genau leben und mit mäszigen speisz und tranck uns auf der stube vergnügen laszen polit. maulaffe 328. — bildliche anwendung: die betrügliche reichtumb bieten sich fälschlich für ein recht war speisz und tranck dar S. Franck sprüchw. 1, 136b; wende dich zu Christo Jhesu ... der wirdt dich ane die speys und den tranck seynes leybs und bluets nicht verlassen J. Strausz beychtpüchlein (1523) e 2a;

das wir zu seines namens preisz
genieszen ewigen trankh und speisz
Adam Reusner in
Wackernagel kirchenlied 3, 134;

die thränen mich ernehren,
seind meine speisz und tranck
Spee trutznachtigall (1649) 27.


2) in einer reihe von anwendungsarten ist trank mit bestimmungen versehen, die seine bedeutung einengen.hierbei sei der besondere fall vorweggenommen, in dem trank

[Bd. 21, Sp. 1193]


im hinblick auf eine bestimmte, vorliegende trinkbare substanz gebraucht wird: es weisz menklich, so ein muter irem kindlein die brüst nemen und es abstosen wil, daz sie im ... macht ... ein hültzes becherlin mit einem wertzlin, daran es daz tranck ... sug Gebweiler lob Mariä 22b;

auch trancken sie beed mit begehren
Minervae Palladi zu ehren
ausz einem becher voller wein,
der ihnen wurd geschencket ein
und opfferten also das tranck
der göttin auff zu hohem danck
Spreng Ilias 136b;

und die andre hälfte (der milch) verwahrt er in weiten gefäszen,
dasz er beim abendschmause den durst mit dem tranke sich löschte
Voss Odyssee 159 Bernays.

häufig in geistlicher anwendung:

dô brâhte man dar ezzich,
darîn ŷsope was geleit
dur deste mêre bitterkeit.
daz tranck sî tâten in ein rôr ...
unt butenz ûf ze stunde
gegen Kristes munde
Walther v. Rheinau Marienleben 188, 25 Keller;

vom abendmahlsgetränk: nu sihe ich herre ... daz han ich din hailiges flaisk und din blt han ich enphangen ... willechome himiliscez tranch, suzze des ewigen libes Diemer dtsche ged. 382; Jesus nimpt das trinckgeschirr, büts sinen jüngeren und spricht verba Christi: das ist das tranck des nüwen testaments Jac. Ruff das lyden Christi (1545) c 6b; disz tranck ist mein blut Joh. Bugenhagen Braunschweig. kirchenordnung (1531) f 3.
a) allgemeinste differenzierung geschieht durch syntaktische fügung, in der eine mannigfaltigkeit des collectivbegriffs sichtbar wird: wie wol sy nit wistent, welcherlay trancks das gewesen was, so sy getruncken hatten N. v. Wyle translationen 89 Keller; das wunderbare elixier ..., von dem etliche tropfen jeden trank köstlicher und herrlicher machen E. Th. A. Hoffmann 1, 37 Gr. so selten uneigentlich: tut den wol, die uch hazzint. so getan trank dunkit vil herte den, die niht merkin, welich suzze in behaldin ist (14. jh.) Leyser predigt. 131; durch den plural:

der klare wein,
der do ist uber alle tranck pfarrer v. Kalenberg 54 ndr.;

zum dritten die tränck, so man ausz dem getreyd machet M. Herr feldbau 110a.
b) einengung durch nähere bestimmung der substanz.
α) tranck aus wein und honig gemacht mulsum Dasypodius dict. (1536) 439b; tranck von wasser und essig gemischt posca, ὀξύκρατον Decimator thes. (1615) reg.; tranck aus essig und honig apomeli Dentzler 2, 288b: so hetten sie grosz ochsenhoren gejirt vol tranks von wasser und hönig, das hieszen sie idromel städtechron. 3, 54;

des weines tranck,
wie er macht schnel gsundt, darzu kranck
Schertlin künstlich trincken (1538) e 5b;

in Moscau und Litthauen trincken viel arme leute ihren ... aus wasser und sauerteig zubereiteten trank Marperger küchen- u. keller-dict. (1716) 408. mit bezug auf Matth. 27, 34: das tranck der gallen, damit si mich haben getrenckt himmlische offenbarung d. hl. Birgitte (1502) C 3a;

wier süllen hie ...
von essich, mirr und gallen
ain tranck zusammen wallen altd. pass.-spiele aus Tirol 153 Wackernell;

bildlich:

wan in der minne sinne
da ist verborgen inne
ein angel mit der gallen tranc bei
Mone schauspiele d. mittelalt. 1, 218.

ganz vereinzelt, aus der gebrauchssphäre von trunk (ein trunk wein, bier u. s. f.) herübergenommen: ein karger hauszschaffner tranck bruntz für cardobenedicten wein

[Bd. 21, Sp. 1194]


Frey gartengesellschaft 36 Bolte. dazu die composita: apfel-, gallen-, gersten-, hopfen-, honig-, lauer-, thee-, wermuttrank u. a.
β) die vornehmlich dichterische anwendung neuerer sprache sucht umschreibung:

je schlechter das gericht
und der geschöpfte trank (d. i. wasser), je gröszer das vergnügen
Triller poet. betrachtungen 1, 288;

was deine feder schreibt,
versüszet mir den trank aus den gesalznen quellen
Gottsched neueste ged. 43.

reichlich beim wein: trank des rebenstocks Tieck schriften 3, 165; trank der rebe Hoffmann v. Fallersleben ges. schriften 1, 30;

sonnen die kochen den trank der fröhlichkeit dir
Denis Sined 216;

wein wird als trank schlechthin bezeichnet:

wer in fremdem tranke prasset,
meide dieses freye land!
wer des Rheines gabe hasset,
trink, als knecht, am Seinestrand
J. M. Miller gedichte 159;

noch ist
der herbst so ferne, und
er keltert sich schon neuen trank
Grabbe 1, 360 Blumenthal.

kaffee: der braune trank Dusch verm. werke 146; bei einer tasse schwarzen trankes G. Keller 3, 68; mit dem arabischen trank Heine 3, 67 Elster; den trank der Levant Voss Luise 2, 306.
γ) die umschreibung geschieht durch zuordnung zu einer gruppe von subjecten, denen ein bestimmtes getränk eigentümlich ist: bua das tranck der unmündigen kinder Frisius 166a; nectar tranck der gotter Dief. gl. 377b;

das ist der götter landt, da ihr tranck (nektar) innen fleuszt
Opitz teutsche poemata 69 ndr.;

die warheit ligt verschlossen
in deinem (Bacchus) süszen tranck ebda 202;

vater Komus am kamine,
kocht den braunen trank der mohren
J. N. Götz verm. gedichte 2, 48;

beym schwarzen trank des ernsthaft schläfrigen Türken
Kästner verm. schriften 1, 218;

das wasser, alter weisen trank J. G. Jacobi sämtl. werke 3, 13; wir aber schlürften bald aus zierlichen tassen den trank der modernen welt; ich meine ... den thee Storm (1868) 8, 185.
c) typisierende adjectiva begrenzen den bedeutungsbereich.
α) auf gegorene getränke, im sinne von B 1, führend: confecta, facta odo gaieritiu tranch ahd. gl. 2, 97, 1; gitanaz tranch siceram ebda 1, 817, 2; sicera trunckenmachtig ... tranck, allerley drunckin dranck, trunckin trang (15. jh.) Dief. gl. 532c; sicera machtig trank (15. jh.) ders. n. gl. 338a; sicera gemeyn stark dranck ders. gl. 532c; starckes tranck temetum Dentzler (1716) 2, 288b; auch so segenet er sich alle morgen vor gesunder speisz und vor groszem glück und vor starckem tranck Eulenspiegel 31 ndr.; hüte dich, das du nit weyn noch starck tranck trinkest Zürcher bibel (1531) 1, 123b; wehe denen, so helden seind, wein zu sauffen, und krieger, starcken tranck zu zechen Ambach zusauffen (1544) a 4a;

gar wenig streit es bey uns gab,
denn starckes tranck wir theten meiden
Mangold marckschiff (1596) b 3;

polygophora heiszen sehr geistreiche träncke oder weine Woyt schatzkammer (1703) 743. bildlich: du must dich des starcken trancks und jamers vol saufen (ebrietate et dolore repleberis), denn der kelch deiner schwester Samaria ist ein kelch des jamers und traurens, den selben mustu rein austrincken Ezech. 23, 32;

hört, als die seel von lieb entzündt,
sich in dem weinkeller befind
ihrs bräutigams, da wirdts mit freud
gantz uberschüttet und voll leid
vom starcken tranck, ihr eingeschenckt
Dan. Sudermann hohe geistr. lehren (1622) 39a.

[Bd. 21, Sp. 1195]


im heutigen ostfriesischen: starke, scharpe dranken spirituosen Doornkaat-Koolman 1, 327; s. auch wfries. sterke drank alkoholisches getränk Dijkstra 1, 291.
β) das adjectiv bezeichnet die lust, das behagen am getränk, sein annehmliches, auch untadliges: nectar ein süszer tranck Alberus u 2a;

sie nam von ihrem sohn zu danck
den becher an mit süszem tranck
Spreng Ilias 12b;

im vergleich: ich halt, es sei deiner gnaden unverborgen, dasz die törechten christen allerlei peinigung, wie stöck und plöck wissen zu verachten und den tod wie ein süszes tranck annemmen H. Fabricius auszug bewerter historien (1599) 820; bildlich:

alles bittere wird zum süszen trank der
lippe des weisen
Herder 27, 29 S.;

frauenliebe ist ein süszer trank Storm 2, 259. —

hehem, das heiszt ein gter tranck
C. Scheidt Grobianus 14 ndr.;

im vergleich: also bin ich selb gott, der ich rüff meine wort, die du in geistlichem gesicht empsiglich von mir hörest, ersetigend als ein gutes tranck die türstenden offenbarung d. hl. Birgitte (1502) 5. — angesehen, das gesundes wasser der beste tranck seines hauszgesinds ist Sebiz feldbau 15;

kostlicher dranck und sieszer wein,
dasz muszt alles zugegen sein
Fischart 1, 294 Hauffen;

im vergleich: man genosz das leben mit langsamen, kleinen zügen wie einen köstlichen trank Novalis 4, 79 Minor. — da sprach der Machmet, es (der wein) wer ain saligs trangk, das das volgk als frölich davon würd Schiltberger reisebuch 92 lit. ver.sicera edil trank (1420) Dief. n. gl. 338a; bildlich: (Christus) rufft derowegen zuruck: hieher! hie ist ein edler tranck. wolt ir trincken? hie ist ein heilsamer brunnen, den möget ir schöpffen Dannhawer catechismusmilch 1, 1. — mätt, ein fürnemes tranck bey ihnen Stumpf Schweytzerchron. (1606) 4b. — eben wie man ein sehr gutten wein, so er meszig getruncken wird, ... billich den allergesindigsten tranck nennet Spalatin Stromers verwarnung (1531) c 2a; (stettinisches bier) ein gerstenbier, das nicht zu straffen stehet und ein gesunder tranck ist Knaust kunst, bier zu brauen (1614) 38. — frommer trank (wasser) Logau s. th. 4, 1, 243.
die gute wirkung ist betont: schlafenmachender tranck bevanda somnifera Kramer 2 (1702) 1145a; kühlende tränke fürst Pückler briefw. u. tageb. 5, 280; das glühende erz, das sie ihm in den mund gossen, flosz ihm hinab, wie kühlender tranck Aurbacher volksbüchlein 12; erquickenden trank Herder 26, 12 S.; labenden trank Bennert trinkkunst 13, vgl. auch trank der labe Schiller 11, 394 G.
γ) das adj. trägt den sinn des unbehagens: so man sú (die beeren) zem ersten druket, so gebent sú sures trank st. Georgener prediger 120 Rieder; saur tranck erste dtsche bibel 4, 390 note Kurr.; vultum pervertere wrempen, schrempen, also wenneme suren drang drinket (15. jh.) Dief. n. gl. 387b. — bes. fest bitterer trank, vgl. th. 2, 54 sowie bitterer kelch th. 5, 506; von der labung Christi am kreuz:

der all thier mit speis begabet,
wird mit bittrem trank gelabet
Mittler deutsche volkslieder 336.

seit dem 16. jh. reichlich in bildlicher verwendung:

was mich mein eltern detten leren,
was mir als sandt ain bitter dranck
Gengenbach 72 Gödeke;

ich bin genant der rautenkrantz,
meinen feind ich bin ein bitter tranc (1557)
H. Ziegler geschützinschriften 34;

Bachus, der die geister reget,
musz den bittern trank (der krankheit) versüszen
Knittel poet. sinnenfrüchte, absond. buch 22;

[Bd. 21, Sp. 1196]


der vorfall war vielleicht nur wie ein letzter tropfen, der den bittern trank überflieszen machte G. Freytag 17, 207; mit genetivbestimmung: den soltu nemen und deinen jetzt also bitteren tranck der traurigkeit damit abspülen Fr. v. Spee güld. tugendbuch 222; den bittern trank der unterdrückung Herder 13, 382 S.; der bittre trank der lüge Immermann 1, 43 Hempel. vgl. auch unten B 2 a β.

mit thränen musz ich mischen
den ungeschmacken trank
Fleming 1, 10 Lappenberg;

kein gold bleiern wird, ob schon ein giftiger oder schmakloser trank darin enthalten ist Schottel haubtsprache 146. — also auch ... mag er (der wein) ..., wenn man ihn unmessig seufft, ... der allerschedlichst tranck genant werden Spalatin Stromers verwarnung (1531) c 2a; den schädlichen tranck (kaffee) Göthe IV 6, 141 W.
δ) auf die herstellungsart bezüglich: sicera gemenget trank (1427) Dief. n. gl. 338a; mulsum gemen(g)tz tranck ebda 258b; cinnus vermischung vieler ding odder gemischter tranck Alberus r 2a; die den durst ... mit verkräuterten, gewürzten ... tränken erst mehr aufbringen und bewegen Fischart podagr. trostbüchlein (1577) h 7a; von diesen beyden gekochten träncken (thee und kaffee) Ettner u. Eiteritz medicin. maulaffe 184; bes. gebräuchlich beim heiltrank s. u. DWB B 2 a β.
ε) mit beziehung auf die bedeutung B 2 b:

machte einen bosen tranc,
dar in er sine gifte warf
an totlichen morde scharf passional 239, 9 Hahn;

und wann si den zapfen verraib, war in dem andern (lägelein) ain arg und vergifts tranck U. Füetrer bayer. chronik 178 Spiller; darnach nam sy das vergift tötlich trancke und tett das unerschrockenlich usztrincken N. v. Wyle tranlationen 89 Keller.
d) in der bildlichen sphäre, die bestimmung erfolgt durch ein abstractes genetivobject. gelegentlich schon in der älteren sprache: dînes trôstes tranc Laszberg liedersaal 1, 61; o du süszes tranck des laides über die sünd in cgm. 4597 bei Schmeller-Fr. 1, 667; des todes tranck herzog Ernst, volksb. 262 Bartsch; merkwürdig:

weil sie beraubet sein der sin
von dem tranck der unwissenheit
Hans Sachs 3, 77 lit. ver. (ähnlich 3, 82).

doch gehört die hauptmasse der beispiele neuerer dichterischer oder sonst gehobener sprache an: der trank der freude Cl. Brentano Godwi 1, 96; des glückes trank graf v. Strachwitz gedichte 141;

ein könig, spendend himmelskronen,
vergilt mit ewger wonne trank
A. v. Droste-Hülshoff 2, 236;

auch der verzweifelnde ermannte sich und kostete ... den erquickenden trank des lebens Herder 24, 16 S.; mit ungewöhnlichem plural: lange noch fühlte er diesen bittergeschmack auf der zunge. aber andere tränke des lebens löschten ihn aus J. Klug das ewige heimweh (1917) 13; er antwortete, die mutter ... wüszte vielleicht schon alles ..., und den reinen trank der liebe würden nun lauter fremde körper trüben Jean Paul 15-17, 308 Hempel; den starken trank der poesie H. Seidel vorstadtgeschichten 139; 'der trank der unsterblichkeit' oper um 1780 von J. graf v. Soden; den süszen trank der vergessenheit Fr. M. Klinger 9, 152;

der goldenen zukunft
unversieglichen trank
Novalis 1, 46 Minor.


B. specialisierte bedeutungen.
1) trank als geistiges getränk, vgl. auch I A 2 c α: tranc, tranch sicera ahd. gloss. 1, 539, 44 St.-S.; tranc tymitum (vinum) ebda 1, 258, 27;

den met sie und ander trank
und masantzen leit sie uf ein bret kleinere mhd. erzähl. 3, 208 Rosenhagen;

item 7 fird. furluten, dem voythe syn gerete und trank ken Bebereren zu furen (1409) Marienburger treszlerbuch

[Bd. 21, Sp. 1197]


596 Joachim; wat van dem överflode mith windrincken hir de hillige geist redet, dat moth me ock van allen andern drencken vorstan Freder vollensupende (1553) a 4b; so aber das ztrinckhen so fräfelich undt úberfliszig beschehe, dasz einer solchen tranckh wider gebe (1573) in Alemannia 17, 59; was das tranck, fürnemblich den wein anbelangt Waltersweyl reiss in Palästina (1608) 56a; Anton Tucher ... verbrauchte ... im jahre durchschnittlich ... über sechstausend mark allein für den trank M. Bauer durst 149; im sprichwort: je süszer der trank, umso leichter berauscht er Wander 4, 1283; mundartlich: draank sterke drank ter Laan Groningen 185.
insbesondere als 'schankgetränk': anno 1374 jar da satzt ain raut (rat) ain ... ungelt auff alle tranck städtechroniken 4, 311; daz kainer ... wein noch sonst kainerlai trank ... schenk ... bei verlierung solhs tranks (15. jh.) österr. weisth. 6, 232; die weinschenk oder leitgeben sollen ... guete, redliche, unvermischte trank haben (16. jh.) ebda 23; auch jene (sollen) mit ohnnachlässlicher straff belegt werden, welche unter den gottsdienst und predig in denen würthshäuser ... das trank auszschencken tirol. weisth. 1, 43;

auf ihres wirtes seinen namenstag.
... so nehmt nun dieses band! für euch ist diesz zu lesen,
für uns ist euer trank und was ihr uns setzt für
Fleming 1, 120 Lappenberg.


vom zechenden aus gesehen, vornehmlich dichterisch in neuerer sprache: Melina, den der trank begeistert hatte, war der lauteste Göthe 21, 199 W.

lasz den trank im becher steigen, denn der wein des morgenrotes
quillt empor
Platen 1, 139 Hempel;

liebst du den becher? wir haben tranks die fülle
Grillparzer (1892) 5, 73 Sauer;

o nimm die rosen auf, und um die becher schlinge,
dasz duftig sei der trank, gewobne rosenringe
H. Schrader das trinken 5.


2) in einer reihe von bedeutungen ist trank kunstgerecht bereitete, auf wirkung berechnete flüssigkeit.
a) flüssige arznei für mensch und thier (vgl.apotheker-, arznei-, brust-, fall-, heil-, holz-, kräuter-, molken-, purgier-, schwitz-, wundtrank u. a.).
α) pocio laxativa ein trank (14. jh.) voc. optimus 33b Wackernagel; potio medicata ein tranck Joh. Orsäus nomencl. method. (1623) 245; tranck bevanda medicinale, potione, decotto, aposema Kramer d.-it. 2 (1702) 1145a; vgl. schon ahd. tranch antidotum gloss. 3, 222: das er ein artzet gewesen sey ... und wann er einem kranken menschen helffen solt oder ein tranck geben zu seiner gesundtheit U. v. Hutten opera 3, 250 Böcking; auff das ... der tranck dester besser ausztreyb und das pflaster an sich ziehen mag Hier. Braunschweig chirurg. 21a; es wer gut, das man den krancken ... nach dem schweisze von diesem tranck gegeben hette Mithobius seuche der pestilentz (1552) k 3a; ein tranck für die flüsz im haupt Gäbelkover artzneybuch 1, 14; von dem tranck der wurtzel China Fioravanti physica (1618) 272; dieses alles ... gar wol gekochet und alle morgen dem pferde ein nössel von diesem tranck eingegossen, ehe es gesoffen hat M. Böhme roszartzney (1618) 4;

se vorbunden sine wunden unde geven eme drank Reinke de vos 6713 Lübben;

ein guter tranck in hitzigen fiebern v. Hohberg georg. cur. 3, 207a; Philipp der leibarzt strengt sein ganzes nachsinnen an, und erdenkt den trank, der seinem herrn eine schleunige genesung verschaffet Thomas Abbt verm. werke 6, 1, 8; weiszt du für diese krankheit einen trank? Deinhardstein ges. dram. werke 7, 12; bildlich: sie (widerwärtigkeit) ist ein trank, den uns darreicht der allerwysest und getrüwest artzet Keisersberg bilgerschafft (1521) 69a;

versage deinem ganzen heere
den einzgen trank nicht, der ihm heilung bringt,
versag uns nicht Italiens himmelslüfte
H. v. Kleist 1, 192 E. Schmidt.

[Bd. 21, Sp. 1198]


besonders reichlich im plural: pharmaceutice artznei, qui curat medicamentis, mit trencken, pulver etc. Alberus q 4a; die aber niht sint gelêret und wellent sich erzenîe underwinden ... und wellent den liuten trenke geben: dâ hüete dich vor Berthold v. Regensburg 1, 154 Pfeiffer; physika mit iren mancherleien steurenden trenken ackermann aus Böhmen 26, 23 Bernt; also wurdend die artzet berufft, die woltend ... durch träncker das gifft wider uss im tryben Tschudi chron. helv. 1, 263; gifftige oder andere artzneyen, tabulata, tränck ... feyl zu haben reformation aller requisiten d. apotheken (1607) 119; was die artzneykunst durch viel träncke und säffte nicht erreichen kan, das bringt die fröligkeit zu wege Chr. Weise polit. redner 150; die männer richteten metalle, kräuter und wurzeln zu tränken und tinkturen am feuer zu J. Kerner dichtungen (1834) 405; in moderner sprache ist die bedeutung veraltet, arznei wird dafür vorwiegend. wo sie gebraucht ist, hat trank den sinn von hausschaffener, nicht vom arzt bereiteter arznei, so aber häufiger im deminutivum tränklein. gelegentlich noch dichterisch:

die arzeneien, die ihm kranke brachten,
die tränke gieszt er auf den boden hin
Schnitzler der grüne kakadu (1899) 10.


die bedeutung 'arznei' ist in ober- und niederdeutschen mundarten reichlich belegt, s. Dähnert 86; Doornkaat-Koolman 1, 327; ter Laan Groningen 185; fries. drogk Siebs Helgoland 213. — Lenz Handschuhsh. 71; Friedli Bärndütsch 1, 250 u. 458; Hunziker Aargau. 58.
in verbaler fügung, besonders häufig trank verordnen: einem krancken einen tranck verordnen ordinare una bevanda, potione ad un ammalato Kramer d.-it. 2 (1702) 1145a;

ja in deines gartens boden
werden diese kräuter stehen,
deren trank ich dir verordne
Cl. Brentano 3, 341;

einer verordnete grosze galenische träncke Chr. Weise erznarren 178 ndr. trank geben; brauchen, nehmen; bereiten, machen s. DWB C a, b, c.
β) mit bezeichnenden adjectiv-attributen: angemacht tranck, von kurbeerbaum oder thierlebaum, mit saltz und wein vermischt, den häfftigen bauchlauff zestillen saprum Maaler 406a; decoctum ein gesottener tranck Orsäus nomencl. method. (1623) 245; aposema eingekochter trank Kinderling reinigkeit 157; vermengte tränke allgem. dtsche bibl., anh. zu bd. 53-86, 483; wohlgemischte tränke Tieck schriften 1, 41; einen niederschlagenden trank Ludwig ges. schriften 2, 232; heilkräftigen trank G. Freytag 8, 45. das heilsam tranck H. v. Rüte fasznachtspiel (1532) l 1b; bildlich: reficiunt mít hêilsâmo tránke divini verbi Williram hohes lied 117, 7 Seem.; rüffent mit gemeinem mund, das es (das leiden) ... ein heilsames dranck ist d. ewig. wiszheit betbüchlin (1518) 33a. — herbe tränke Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 39; bildlich: sie (Lucie) ist wahrlich ein herber trank F. L. Schröder dram. werke 1, 43.

eyn artzt gibt sur und bitter trangk,
do mit dest ee genäsz der krangk
S. Brant narrenschiff 25 Zarncke;

das wollte gar nicht enden — etwa wie der bittre trank in einem arzneyglase Caroline 1, 106 Waitz.
γ) trank als mittel von kurpfuschern, zu unlauterem zweck und oft mit schädlicher wirkung gebrauchte arznei, rückt an bedeutungen wie unten b und c: wie wollen entlich auch die megde und weiber für gotte bestehen, die mit kreutern und trencken umbgehen und solchen segen gottes (kinder) umb euszerlicher schande und schmach willen verhindern Ph. Wagner 128. psalm (1570) y 3a; denn welche ohn die kunst mit trencken oder gifft heimlich tödten, die pflegt man wie mörder zu straffen G. Nigrinus von zäuberern 81;

man findet in der stadt ...
kein alt verschrumpfelt weib von blindem unverstande,
die nicht curiren will, die nicht rezepte schreibt,
verwünschte tränke kocht, und pferdepulver reibt
Triller poet. betrachtungen 4, 635;

vgl. hexentrank.

[Bd. 21, Sp. 1199]



b) gift: zu den (tod) habt ir dise zwen weg, die schwert und das trank Steinhöwel de claris mulieribus 233 lit. ver.; er thut auch dergleychen, als wann er den ersten trunck thete. er bliesz aber allein den schaum von einander, welcher mitten in dem trinckgeschirr war und rüret das tranck auch mit den auszeren lefftzen gar nit an H. Pantaleon mitnächtische völckeren-historie (1562) 44; lasz er euch bitten, wollet umb seiner lieb willen disz tranck, welches euch ausz zweyer kercker gefängnus für immerdar erledigen und freystellen solle, von mir annemmen theatrum amoris 2, 203; von dem tranck, welchen die käyserin Agiltrudis Guidoni beybringen lassen S. Fr. Hahn vollständ. einleitung 1, 285; mein vater, hast du den trank schon gekostet, der dich ins beszre leben führt? F. M. Klinger neues theater 2, 159;

(bis) ein trank auf ewig mich von ihm befreyt
v. Ayrenhoff 2, 253;

da der trank nicht schnell genug wirkte Th. Mommsen röm. gesch. 34, 129; vgl. die redensart: einem mit dem ersten trancke vom brote helffen prima potione aliquem tollere Steinbach dtsch. wb. (1734) 2, 874. zu beachten die bedeutungsparallele frz. poison 'gift'.
c) trank als träger übersinnlicher, zauberischer kräfte, 'zaubertrank'; besonders der 'liebestrank', 'minnetrank', in der literatur vorwiegend mit dem Tristan-Isolde-motiv verknüpft:

swenne Îsôt und Marke
enein der minne kommen sîn,
sô schenke in disen tranc vür wîn ...
der tranc der ist von minnen
Gottfried v. Straszburg Tristan 11466;

das yn gott schende, der eüch dises tranck gegeben hat! Tristrant u. Ysalde 50 Pfaff; vgl. noch buch d. liebe (1587) 84c; wie dann auch durch die liebe beschicht, welche durch zauberwerck und drenck zubereitet H. Pantaleon warhafftige bestätigung (1571) 74;

die lieb durch trank gemacht mit hasz doch endlich lohnt
Zinkgref auserlesene gedichte 33 ndr.;

wenn der schurke mir nicht tränke gegeben hat, dasz ich ihn lieb haben musz, so will ich gehängt seyn Shakespeare 6, 47; wisz denn, meines trankes gluth duftet in balsamischen tropfen aus euren poren, und die während dieser nacht in euren armen lag, kann sich nie mehr einem anderen ergeben Holtei erzähl. schr. 5, 224; auch lexikalisch: tranck, das unsinnig lieb macht amatorium Dasypodius dict. (1536) 439b; poculum desyderii ein tranck, das eim die liebe bringt oder hold machet Frisius 401a. literarisch reichlich nachwirkend auch der trank der zauberin Circe:

Circe kunde trenke gegeben,
sulich zouber, solche spîse,
ez en wart nie man so wîse
Herbort v. Fritzlar liet v. Troye 17631;

so dich die drencker der zauberin Circe lernen, das die menschen durch wollust als von zauberei zu doren werden Joh. Adelphus enchiridion (1520) 91b;

(Circe) so die gäst, die bei ir einkehren,
mit irem trank in viech kan kehren
Fischart 1, 419 Hauffen.

sonst: trank, die gemüt zebewegen und alle ding mit füwer ... verbrennen Stainhöwel de claris mulieribus 69 lit. ver.;

du siehst, mit diesem trank im leibe,
bald Helenen in jedem weibe
Göthe Faust 2603.


3) das dem vieh, insbesondere den schweinen vorgeschüttete futter. meist als mehr oder weniger dickflüssig bezeichnet, worin der zusammenhang mit der bedeutung A sichtbar wird. bis ins 18. jh. schriftsprachlich gebraucht. s. auch DWB getränk th. 4, 1, 2, 4424 und tränke 3:
a) ate (ayt), dranck, draff (treber) der verken v. d. Schueren Teuth. 23b Verdam; den säuen das tranck mischen mescere il beverone ò la broda a' porci Kramer d.-it. 2 (1702) 1145a; brenne asche von büchenen holtz

[Bd. 21, Sp. 1200]


und menge sie den schweinen ... in schrot und tranck viehbüchlein (1667) 73;

schwindt deiner kühe milch? und schmeckt der warme trank
nicht deinem hornvieh mehr?
Weichmann poesie d. Niedersachsen 1, 119.

sprichwörtlich: (auf eine erbschaft:) viel schweine machen einen dünnen trank Blum sprichwörterbuch (1780) 1, 141; ähnlich Schütze holst. 4, 236; Lüpkes seemannssprache 55; dick drank moakt fett swîn Wander 4, 1283; de sik inn drang mengt, den fret't de farken ebda. leicht variiert, ist die bedeutung in den modernen mundarten reichlich bezeugt: brem.-niedersächs. wb. 1, 248; Doornkaat-Koolman 1, 327; Frischbier 146; Dähnert 86; Danneil 38; Mensing 1, 836; Woeste-Nörrenberg 57; Fischer Samland 91; Bruns prov. Sachsen 15; Schumann Lübeck 25; Schmeller-Fr. 1, 667; Schöpf 751; Pfalz Marchfeld 48. von hier aus auch auf menschen übertragen: wenn so veel gören kamen, ward de drank ümmer dünner Berghaus 1, 355.
b) verschiedene abfälle oder rückstände, dem vieh in der regel als dünnes futter vorgeschüttet. 'abspülicht': item, wir wollen auch, das es des abspülachs oder trangkhs und aschen halb nach unsers hauszvogts ... beschaid gehalten (werde) (1526) dtsche hofordnungen 2, 171 Kern (ähnlich 2, 204); mundartlich: trank spülwasser Klein prov.-wb. 1, 89; drank spülicht Frederking Hahlen 7; droonk schlempe, spülicht Möller Sylt. 69. — 'abfälle bei der alkoholerzeugung': trank schlempe, rückstand beim destillieren des branntweins Hoyer-Kreuter technol. wb. 773; drank spülicht v. branntweinbrennen Stürenburg ostfries. 37. in ähnlichen bedeutungen in die nordischen sprachen entlehnt, s. unter 'herkunft und form'.
eine bedeutung 'schutt', erschlossen aus dem compositum drankförer schuttfahrer C. Schumann Lübeck 65 bildet wohl das vorhergehende im sinne 'unnützen abfalls' weiter.
4) landschaftlich beschränkt bilden sich verschiedene voll specialisierte bedeutungen heraus: tronk wasseraufgusz an obst und beeren Fischer schwäb. 6, 1765; drank gemischtes getränk Dähnert 86; drank ungeklärter kaffee Frischbier 146; thee (als heilarznei für thiere), den man mit dem namen 'tranch' belegt Zahler Simmenthal 55; drangk apfelwein Christa Trier 72; trank als wein wohl auch: rechte masz zu haben und das trank nit mit wasser zu vermischen (16. jh.) österr. weisth. 6, 237. träuch scheidemittel der milch Staub-Tobler 3, 1169.
C. verbale fügungen. festere lassen sich nach drei richtungen abgrenzen, in der des anbietens, zu sich nehmens und bereitens.
1) er (Christus) hat inen das tranck gebotten Urbanus Regius widder den newen irsal (1525) b 2 a; weder in nüwem noch altem testament nützid erfunden wirt, das ein ynsatz gwesen sye in der alten dancksagung, das tranck harumb ze bieten Zwingli über M. Luthers buch, bekenntnusz genant (1528) 40b; bildlich: und als vil sie irer veinde mit den swerten erraichen mochten, den botent sie des todes tranck und santent sie mit laide dem hellischen got herzog Ernst, volksb. 262 Bartsch.potionare trank geben (anf. 15. jh.) Diefenbach 450b; s. ahd. de imo daz tranc gebe Basler recept bei Steinmeyer sprachdenkm. 39, 17;

hêrre, ich wil iu geben einen tranc,
sô sît ir ze hant genesen Reinhart fuchs 2168 Grimm;

die barbierer ... meine wunden ... übersalbten und tränck eingaben Grimmelshausen 4, 680 Keller; bildlich, vom leiden und sterben Christi:

das trank, daz mir mein vater git der sœlden hort 9324 Adrian;

alsz nu die dienere dem konnige schenckten, da credencztin sie den dranck unde darnach brochtin sie gar behendiglichin die vergift darin Wigand Gerstenberg chronik 7 Diemar; wenn ihr ein freundlich wesen einen trank am schwülen tage reicht, verschmäht sie nicht den

[Bd. 21, Sp. 1201]


irdenen krug Hölderlin 2, 14 Litzmann; meinst du, dasz er ihr verzauberte tränke gereicht? H. v. Kleist 2, 192 E. Schmidt.

hore! en dorstet; dringk, Jhesus, den drang,
der sal dir von mer werden geschangk! Alsfelder passionsspiel 196 Grein;

bildlich:

si (die leute) waren alle verwandelôt
von dem niwen tranche (der lehre),
daz in got selbe schanchte Antichrist in
Hoffmann fundgruben 188, 23;

ach! fürchte, dasz die süszen träncke
nicht ein verlarvter schalk dir, dich zu täuschen, schenke
v. Schönaich in
Gottsched anmuth. gelehrsamkeit 2, 827;

im sinne von 'reinen wein einschenken': dieser gestalt aber, da man der partheyen namen, orths, lands und anders halben in uns zweiffel setzt und uns nicht lauter tranck einschenckt, wissen wir die sach nicht zu errahten J. Ayrer histor. processus jur. 310.
2) was vor speis und trank willst du brauchen? quem cibum aut quam potionem adhibebis? Steinbach dtsch. wb. (1734) 2, 874; (dasz er) etliche träncke gebrauche, so warmer complexion seyen und die natur haben, dasz sie austrucknen Fioravanti kron der artzney (1604) 60; aber die zauberer gebrauchen keines trancks noch brühlein Prätorius Blockesberges verrichtung 240. — einen trank nehmen s. th. 7, 532; ein tranck einnehmen potionem exhaurire Dentzler 2, 288b. dieser tranck aber gilt bey ihnen so viel als ein eydschwur ..., dasz, wann sie diesen tranck unrecht und wider ihr gewissen eynnemmen, würde sie ihr fetisso also baldt tödten Hulsius 7. schifffahrt 114; in disem monot sol men nüt (ader) lassen noch kein trang nemen (14. jh.) zs. f. d. alt. 6, 351; (er) sucht sie zu trösten und zu vermögen von dem köstlichen trank zu nehmen, den der berühmteste arzt in London gekocht E. Th. A. Hoffmann 4, 23 Grisebach. — (der pfister) nam den pecher und sprach: das tranck das will ich trincken in der lieb des hailigen herren sant Ulrichs legende vom hl. Ulrich 62 Hirsch; dasz von des libe, die des tranckes also trincken woltent, lebende wasser flieszen Tauler predigten 56 Vetter; sie haben die selbige geystliche speysze essen und tranck getruncken Luther 11, 255 W.; bildlich: die lefzen verzog mein knabe, da ihn der mächtige tod hielt, zu trinken den bittern trank maler Müller 1, 102; redensartlich wie 'die suppe, die man sich eingebrockt hat, auslöffeln': er hat das harte wort vernehmen lassen, sie möge den trank austrinken, den sie sich gebraut habe Ranke 15, 10. vgl. auch:

(auf die schlacht bei Glurns)
Krei, du hattest dich vermessen,
usz dinem übermt
mir bereit ein abendessen;
das kost dich lib und gt;
das trank, das du mir hattest bereit,
das mstu selbs usztrinken schweiz. volkslieder 2, 86 Tobler.


3) da berayt ist worden das tranck dem herren von gallen und essig geystlich strasz (1521) k 1a; der ist ein guter arzt, der kranckheit erkennen, die tränck zubereiten, wie er sie selbst gebrauchen wil Lehman floril. polit. 3, 12;

grabe keine wurzeln
um mitternacht, bereite keine tränke,
und schreibe keine zeichen in den sand
Schiller 13, 177 G.

die tränke, welche sie zu brauen verstand, halfen L. v. François d. letzte Reckenburgerin (1871) 1, 202;

da weilt sie und sinnt zaubersprüche
und braut tränke den langen tag
Grillparzer (1892) 5, 35 Sauer;

bildlich:

in bunten bildern wenig klarheit,
viel irrthum und ein fünkchen wahrheit,
so wird der beste trank gebraut,
der alle welt erquickt und auferbaut
Göthe 14, 14 (Faust 172) W.

[Bd. 21, Sp. 1202]


hätten die Deutschen nicht ... träncke zu kochen erfunden, welche an stärke dem weine überlegen ... wären? Lohenstein Arminius 2, 294b; sie kochte einen trank für die wöchnerin Cl. Viebig das schlafende heer (1904) 1, 219. leffel voll öls und ein handt voll manigette oder grain, daraus machen sie ein tranck und schütten denselben in den leib Hulsius 7. schiffahrt 21. 1557 ist die alte Zauberelsa gefänglich eingezogen worden: diese hatte denen leuten träncke gesotten Prätorius abentheuerl. glückstopf 116.
4) vereinzelt vor dem trank stehen 'das mundschenkamt ausüben': ich stund i. f. g. allemal vor dem trank und muszte doch daneben alles versehen, wie es sonsten einem hofmeister gebühret v. Schweinichen denkwürdigkeiten 91 Österley.
II. trank als nomen actionis: das trinken, in ähnlicher bedeutungsentwicklung wie trunk.
1) im ahd. und as. nur schmal belegt, aber doch lebendig: ahd. after tranche, after drankhe post potum ahd. gloss. 1, 80 u. 81 St.-S.; auch im compositum: as. oardrank, mhd. übertranc, mnd. overdrank, mnl. overdranc übermäsziges trinken, betrunkenheit. vom mhd. bis ins 18. jh. nicht zu selten, wobei jedoch zu beachten ist, dasz in manchen belegen vielleicht nur der satzzusammenhang den anschein verbaler handlung weckt:

swer in (Christus als amethyst) genzelichen treit
an sin herzen gedanke,
den durstet nich noch (nach) tranke
des bires, wines oder metes,
in durstet wachens und gebetes,
vastens und venie
H. v. Hesler apokal. 22104 Helm;

das dich der mann nicht sech, untz das er volend das essen und den tranck (non te videat homo, donec esum potumque finierit) erste dtsche bibel 4, 432 Kurr.;

man git z erste den besten win,
so di lute dann drunken sin,
so ist in z dem dranke gach (14. jh.)
Mone schausp. d. mittelalt. 1, 74;

man findet auch deren, die durch das tranck der eselsmilch vom podagra ... erlediget worden Herold-Forer Geszners thierbuch 43;

zum tranck ein quell ist offen,
ein recht rosinenfluth,
nach unserm wunsch und hoffen:
Christi, des lämbleins, blut (17. jh.) bei
Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 14;


2) vereinzelt eingeengt als 'schluck, zug': daz tuo zwir oder trî stunt, sô wirt er wol gesunt umbe die brust, als er driu guotiu tranch habe genommen arzneibuch d. 13. jh. in Wiener sitz.-ber. 42, 157; wer das geschirr in einem trunck austrincket, ist ein säuffer; in zweien träncken ist der wohlstand, in dreyen träncken ist hoffarth Zedler univ.-lex. 45, 802; lexikalisch: haustus drangh, drunke (1417) Diefenbach n. gl. 201a; einen trank, trunk von etwas thun potionem alicuius rei bibere Georges deutsch-lat. wb. 72, 1311; hierher das sprichwort:

grosze tränk und grosze güss
bringen oft den tod gewisz
Binder 196.


3) als 'geselliges trinken', auch 'gelage': untar trancum, untar tranchum inter pocula ahd. gloss. 1, 182 u. 183 St.-S.;

dâvon ouch darnâ geschah,
daz Scomant einis solde varn
zu einem tranke, dâ ouch wârn
gesamnit in den zîtin
dî bestin Sudouwîtin
Nic. v. Jeroschin 17447;

häufiger im 18. und 19. jh.:

öfters wird in einem trank ein erobert reich verschwendet,
und das auge durch die pracht eines Römermahls verblendet
v. Schönaich Hermann 15;

so ging der zug (von matrosen) durch die vornehmsten straszen ... nach einer taverne, wo sie trank und gesang fortsetzten Archenholtz England und Italien 1, 2, 573; ich bin sonst auch ein frischer jüngling und gerne froh

[Bd. 21, Sp. 1203]


an trank und lustiger gesellschaft Fouqué zauberring (1812) 1, 64; er weisz fröhlich bescheid zu geben bei trank und rede Freytag 8, 65; s. auch das compositum kauftrank th. 5, 347.
4) trank als 'trinklaster', 'unmäsziges trinken':

gnuc sich pinent ober macht,
lan roub, hort, tranc, vraz, manslaht,
vasten, horen gotes dienist
H. v. Hesler apokalypse 6516 Helm;

Sachs, Bayer, Schwab und Franck,
die lieben alle den tranck
Petri d. Teutschen weish. 2, R r 5b;

im heutigen nd.: hê is an de drank dem trunk ergeben Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 327. s. nl. drank trunksucht.
5) selten als 'betrunkenheit':

darum disir herre groz
der senftigkeit also genoz,
daz si im wurdin dankin
nuchtirn und in trankin
pfarrer zum Hechte in zs. f. d. alterth. 17, 182;

sprichwörtlich: wenn der trank kommt, ist die rede aus Wander 4, 1283, vgl. das mnl. sprichwort: als die dranc comt, so is die reden uut Hoffmann v. Fallersleben horae belg. 9, 3.
6) gelegentlich ist trank vom causativum tränken in seiner bedeutung beeinfluszt: es sey auch ... denen deliquenten stinckend wasser oder eszig in den mund oder nasen gegossen worden, welcher tortur gleich ist der schwedische tranck (1706) in Alemannia 10, 8. diese form statt des häufigeren schwedischen trunks oder schwedentrunks ist selten, z. b.: ich bin der meynung, die schwedischen träncke haben die Schwedischen nicht erdacht ..., sondern die papisten Ortelius blut-, angst-, thränengeld (1639) 7.
anders, mit beziehung zu tränken 3 a; ironisch:

zu Wesen an der brücke harrt ihrer (der flüchtigen) schon ein tranck.
die brücke brach in stücke und mancher herr versank
Rochholtz eidgenöss. liederchron. 53;

vgl. afries. wapuldrnk eintauchen in den sumpf; im modernen nordfries. tâ dranks gonge ersaufen, z. b. ein boot Jensen 78.
 
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trank, n., unklare bedeutung: 1598 ist den samptlichen ferchen verwilliget wurden, uf diszmall ihnen 6 eichenpföll zugeben, welhe sie in meszzeiten am Main in ein tranck schlagen mögen, damit sie vor den andern schiffen in meszzeiten ansz landt fahren konnen Frankfurter zunfturk. 1, 179.
 
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trank-, tränk-, s. auch tränke-.
 
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tränkanlage, f.: gepflasterte straszen zu den laderampen sind unbedingt erforderlich, ebenso beleuchtung ... und tränkanlagen v. Alten handbuch 1, 776.