| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
tranchiermeister bis trank (Bd. 21, Sp. 1188 bis 1189) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| [Bd. 21, Sp. 1189] verbalabstract (-a-stamm) der o-stufe von trinken, neben dem in der tiefstufe der -i-stamm trunk steht, s. d. got. drag(g)k; ahd. trank, mhd. tranc; altsächs., mnd. drank; anfrk., mnl. dranc, nl. drank; abseits steht ags. drenc. aus dem nd., zumeist in den bedeutungen von I B 3, in die nordgermanischen und baltischen sprachen entlehnt: norw.-dän. drank hefe, maisch, malztreber; schwed. drank treber, branntweinspülicht, -hefe, schlempe, im compositum kirsedrank zu mnd. kersdrank, im ält. schwed. (1555) starcke dräncker spirituosen gloss. 158; litauisch dránka, f., schweinefutter; lettisch drañkis spülicht; schmutz, schmutzwetter, schmutziger schlemmer; dazu slapdrañkis schmutz-, schlackwetter und drañkêt, vb., schlacken, sich schweinisch und schmutzig aufführen. — trank ist ursprünglich neutrum, so ausschlieszlich im got. und ahd.; unbestimmt im anfrk. und altsächs. es erscheint als masculinum im mnd., mnl., nl.; im mhd. stehen masc. und neutr. nebeneinander. dem mhd. folgt das neuhochdeutsche bis ins 18. jh., z. th. so, dasz sich die doppelheit des genus ohne unterschied der bedeutung in éiner quelle findet, z. b.: sy schöpfft das wasser und gab das tranck allen den kemlin erste dtsche bibel, gen. 24, 20, aber: ich ... antwurt den tranck Pharaon ebda 40, 11; desgleichen: man kan, im fall der noth, das obige tranck wol öffter brauchen georg. curiosa 1, 310b, masc.: ein guter tranck für die würmer ebda 3, 207a; s. auch tranck m. und n. d.-it. 2 (1702) 1144c. im 16. jh. neben dem neutrum höchstens gleichberechtigt, hat das masc. jedoch vom 17. jh. an auch auf hochdeutschem boden sichtlich die überhand. obd. hält sich das neutrum am zähesten: wolgekochte speis und gutes trank (17. jh.) österr. weisth. 2, 20; die speyse, das tranck und andere sachen belangend wundartzney (1612) 67; sein erstes trank ist die muttermilch etwas f. alle 1 (1699) 106. das 18. jh. bietet noch belege wie: dasz tranck, so sie mir aufsetzten, war gutes bier reyszbeschreib. 13 Wiener ndr.; das trank auszschenken österr. weisth. 2, 43; starckes tranck (1716) 2, 288b; doch im 19. jh. höchstens mundartlich gefärbt: zum doktor will ich, der musz mir ein braves trank geben ges. schr. (1855) 22, 55. in den nd. und md. maa. herrscht, sofern bezeichnet, durchaus das masc., während sich im obd. sowohl masc. ( 751; Rappenau. 204; Handschuhsh. 71) als neutr. ( 1, 667; Marchfeld 48; beitr. 10, 125; Bärndütsch 1, 458) findet. schwäb. 2, 316 verzeichnet m. und n.; aargauisch ist m. und n. nach bedeutungen verteilt 58. — der einbruch des functionellen umlauts erfolgt in mhd. zeit: Circe kunde trenke wol gegeben nûchtirn und in tranken als daryn was der klare wein, [Bd. 21, Sp. 1190] drencker der zauberin Circe enchiridion (1520) 91b; die artzet ... woltend ... durch träncker das gifft wider usz im tryben chron. helv. 1, 263; liebestränker s. th. 6, 956. so bis in die modernen maa.: tränkcher Berndeutsch 79; träicher Bärndütsch 1, 458; dränker ebda 4, 344; s. auch oben schwed. dräncker. — der auslaut ist seit dem spätmhd. gelegentlich lenisiert: trang (14. jh.) zeitschr. f. d. altert. 6, 351; thür. chron. 33 lit. ver.; nd. drang Alsfeld. pass.-spiel 196 Grein; mit affricata südbair. tranchh altdeutsche pass.-spiele aus Tirol 191 Wackernell; s. auch trankch a. a. o.; mit spirans im hochalem.: tranch volksglaub. d. Simmenthals 55; dazu mit auflösung des nasals: trauch a. a. o.; Bärndütsch 1, 458; plur. träiche ebda 1, 250; trch beitr. 10, 125; s. auch schwäb. drk 2, 316. — verdumpfung des stammvocals: drng Marchfeld 48; trnk Wien. 194; nordfries. drngk Helgoland 213; droonk Sylt. 69. vereinzelte collectivbildungen, wohl mit abgeschwächtem -ach-suffix: dasz abspieler oder tranckher solle unser khoch ... abholen laszen deutsche hofordnungen 2, 204 Kern (an anderer stelle: des abspülachs oder trangkhs 2, 171); vgl. dazu dràngə(r) getränke für das vieh Bayerns maa. 1, 241. bedeutung und gebrauch. I. das getrunkene, das getränk. in allen frühstufen der in frage kommenden sprachen ist der verbale inhalt vorwiegend und zwar auf das substanzielle hin concretisiert, so got. durchaus, dann ahd., altsächs., anfrk. — spät und räumlich beschränkt bildet die concretisierung ein nomen agentis heraus: drank säufer, trinker Sylt 54; weitergebildet: drankster ebda; drookster Sylt. 69; draanksteern Groning. 185. ähnlich bei frasz, m. vgl. auch den pflanzennamen marientrank th. 6, 1627. A. allgemein: die zu trinkende substanz, das getränk, angewendet auf den menschen, seltener auf das thier; dichterisch vereinzelt auf pflanzliches übertragen: regentrank des veilchens werke 47a Bohtz, ganz selten auch übertragungen wie: eine gereinigte lebende maienluft kühlte mit eis den trank der lunge 1, 318 Hempel. — diese bedeutung von trank ist in lebendiger sprache erloschen und wird auszer in formelhafter verwendung (s. I A 1 b β) nur noch im schmalen bereich gehobener, dichterischer und antiquierter sprache gebraucht, vgl. DWB sang, DWB stank. seit dem 17. jh. ist dafür das collectivum getränk im vordringen begriffen. schon im laufe des 18. jh. ist der heutige zustand sowohl erreicht als bewuszt: 'hodie ita distinguimus, ut trank sit potus medicatus ... trunk potus ordinarius' gloss. germ. (1737) 1724; 'ein trank wird von kräutern oder säften gemacht und gehöret zur arzneiwissenschaft ... getränk bedeutet jede flüssige sache, welche den durst zu löschen vermögend ist' gleichbed. wörter 1 (1777) 19; dem gegenüber bleibt die lexikalische fixierung conservativer: tranck potus, potio (1734) 2, 874; 'trank derjenige flüssige körper, welchen man zur stillung des durstes zu sich nimmt ... es ist in dieser bedeutung im hochdeutschen wenig mehr üblich, indem getränk ... auch trunk dafür gangbarer sind' 4, 1027. weiteres hierzu unter getränk th. 4, 1, 2, 4416 f. 1) die collectivbedeutung. a) impotus unghedrunken, unghequicket mit dranke (1417) bei nov. gloss. 211b; potus, potio tranck undec. ling. (1598) 1122b; trank ... ist alle feuchtigkeit, so dem menschen zum trinken dienet haushalt.-lex. (1728) 964: die dinge ... der man nút von nature wol abgescheiden enkan, als dem hunger: lust der spise und dem turste: lust des trankes predigten 220 Vetter; darumb verleürt auch die creatur im gotlosen ihr ampt, das dranck löscht kain durst, gut machet nit mut, gelt nicht reych trunckenheyt (1539) c 3b; des obs hat sie (die Normandie) so vil, das man gemeynlich tranck [Bd. 21, Sp. 1191] daraus macht cosmogr. 120. anders construiert: lobt all czungen des erenreichen gotesleichnams wirdikait (meinst du) dasz ich (gott) der böck und schafe blut b) trank verbunden mit dem collectiven begriff für die eszbaren dinge. α) got. in mata aiþþau in draggka (ἐν βρώσει ἢ ἐν πόσει) Kolosser 2, 16; that sie im thar at theru menigimates endi drankes er (Joseph) gap in maz unde tranch genes. u. exod. 80, 17 Diemer; boumol das heilet gerne reisz das tischtuch mit tranck und essen an eignem tranke reich und eigner kost genieszen eines brodts und trinkken einen trank dem durste gibt sie trank, dem hunger brod β) vorwiegend neben speise. in loserem zusammenhang: diu beste spîse, daz beste tranc Freidank 125, 5 Grimm; der text hat 'commessatum', das bethüt nit allein essen, sunder dazu lüstigen wol bereyte spyse niessen ... und das beste tranck Terentius teutsch (1499) 49b glosse; also kamen die baid von dannen, der wolff von erst umb die spys, darnach der bok um das tranck Äsop 202 lit. ver.; colerica passio da eins die spyse und das dranck nit behalten mag gl. 640a; zur speise nehmen sie des viches fleisch, desselben milch oder blut brauchen sie zum tranck hist. rer. Pruss. 1, a 4c; bildlich: und sol iúch iemir hungerne nach got, der der engilon trank ist und ir ewigú spise st. Georg. prediger 136 Rieder; enger: unmessikeyt in spyse oder in trancke gemma gemmarum (1508) d 3a; dahin brachten sy weder speisz noch tranck C. Hedio chron. germ. b 5b. häufig in mehrfacher verbindung, notdurft und erfordernis irdischen lebens besonders hervorhebend: des wolden dy von Erffort nicht thun, sundern brot, trang und spisze vorkoufften ome dy von Erffort umme or gelt (15. jh.) thür. chron. 33 lit. ver.; teil spys, trank, kleider mit dem dürftigen deutsche schriften 1, 217; bescheidenheyt ... in speysz, tranck, kleidung S. Franck Turckey a 2a; der Teutschen complexion, landsart, lufft, speisz, tranck Ryff spiegel u. regiment a a 2b; im theologischen schrifttum bes. des 15. und 16. jh. als sinnbild des irdischen, stofflichen,[Bd. 21, Sp. 1192] sündigen: im (dem leib) helffen hie all sein freünde: die speise, der tranck, die zarthait, das ist alles wider den gaist, wann er hie ist ellendt sermones (1508) 17b; läslicher sünd sein menigerlay, nemlich wer in speis oder tranck oder slaflust scht mer dann seiner natur not ist theologey 248 Reithm. ähnlich in einfacher formel: das rych gottes ist nit spysz oder tranck freiheit d. speisen 24 ndr.; Christus leeret, das speysz und tranck an im selbs nit bösz sey, wo das hertz nit bösz ist sämtl. schriften 2, 6 ndr. dieses formelhafte speis und trank gewinnt starke ausdehnung; trank verdrängt hierin selbst älteres getränk (s. th. 4, 1, 2, 4418) und bleibt in dieser bedeutung dem breiten sprachgebrauch erhalten (s. oben A): so schulten die obgenanten gröszen denselben umb ein bescheiden gelt speisze und dranck geben städtechron. 2, 88; (die königin) liesz den unzüchter also daselbst bey geringer darreichung speisz und trancks ... verschloszen liegen wendunmuth 2, 48 lit. ver.; wie gott ... einen ieden menschen sein mäslein speise und trank verordnet hat: also hat er auch einen ieden sein mäslein arbeit darneben gestellet Pathmos 329; so gewisz ... eine unersättliche und hitzige begierde nach speise und trank das zeichen des wechselbalges war belustigungen 6, 315; (gäste) deren niedergeschlagenheit so tief wurde, dasz sie speise und trank verschmähten ged. u. erinn. 2, 109; auf thiere bezogen: weil auch die esel oder maulthiere speysz und tranck zu sich nehmen discourse d. mahlern 2, 196. sprichwörtlich: gott sei danck für speisz und tranck d.-it. 2 (1702) 1145a. selten in verkehrter reihenfolge: trank und spies sond ir niesen weil sie nicht auff irdische weisz als nun aber die lust nach trank und speise gestillt war sie hab bey mir ihrn freyen gangk, und hört all süsze saitenspil: das wir zu seines namens preisz die thränen mich ernehren, 2) in einer reihe von anwendungsarten ist trank mit bestimmungen versehen, die seine bedeutung einengen. — hierbei sei der besondere fall vorweggenommen, in dem trank [Bd. 21, Sp. 1193] im hinblick auf eine bestimmte, vorliegende trinkbare substanz gebraucht wird: es weisz menklich, so ein muter irem kindlein die brüst nemen und es abstosen wil, daz sie im ... macht ... ein hültzes becherlin mit einem wertzlin, daran es daz tranck ... sug lob Mariä 22b; auch trancken sie beed mit begehren und die andre hälfte (der milch) verwahrt er in weiten gefäszen, dô brâhte man dar ezzich, a) allgemeinste differenzierung geschieht durch syntaktische fügung, in der eine mannigfaltigkeit des collectivbegriffs sichtbar wird: wie wol sy nit wistent, welcherlay trancks das gewesen was, so sy getruncken hatten translationen 89 Keller; das wunderbare elixier ..., von dem etliche tropfen jeden trank köstlicher und herrlicher machen 1, 37 Gr. so selten uneigentlich: tut den wol, die uch hazzint. so getan trank dunkit vil herte den, die niht merkin, welich suzze in behaldin ist (14. jh.) predigt. 131; durch den plural: der klare wein, b) einengung durch nähere bestimmung der substanz. α) tranck aus wein und honig gemacht mulsum dict. (1536) 439b; tranck von wasser und essig gemischt posca, ὀξύκρατον thes. (1615) reg.; tranck aus essig und honig apomeli 2, 288b: so hetten sie grosz ochsenhoren gejirt vol tranks von wasser und hönig, das hieszen sie idromel städtechron. 3, 54; des weines tranck, wier süllen hie ... wan in der minne sinne [Bd. 21, Sp. 1194] gartengesellschaft 36 Bolte. dazu die composita: apfel-, gallen-, gersten-, hopfen-, honig-, lauer-, thee-, wermuttrank u. a. β) die vornehmlich dichterische anwendung neuerer sprache sucht umschreibung: je schlechter das gericht was deine feder schreibt, sonnen die kochen den trank der fröhlichkeit dir wer in fremdem tranke prasset, noch ist γ) die umschreibung geschieht durch zuordnung zu einer gruppe von subjecten, denen ein bestimmtes getränk eigentümlich ist: bua das tranck der unmündigen kinder 166a; nectar tranck der gotter gl. 377b; das ist der götter landt, da ihr tranck (nektar) innen fleuszt die warheit ligt verschlossen vater Komus am kamine, beym schwarzen trank des ernsthaft schläfrigen Türken c) typisierende adjectiva begrenzen den bedeutungsbereich. α) auf gegorene getränke, im sinne von B 1, führend: confecta, facta odo gaieritiu tranch ahd. gl. 2, 97, 1; gitanaz tranch siceram ebda 1, 817, 2; sicera trunckenmachtig ... tranck, allerley drunckin dranck, trunckin trang (15. jh.) gl. 532c; sicera machtig trank (15. jh.) ders. n. gl. 338a; sicera gemeyn stark dranck ders. gl. 532c; starckes tranck temetum (1716) 2, 288b; auch so segenet er sich alle morgen vor gesunder speisz und vor groszem glück und vor starckem tranck Eulenspiegel 31 ndr.; hüte dich, das du nit weyn noch starck tranck trinkest Zürcher bibel (1531) 1, 123b; wehe denen, so helden seind, wein zu sauffen, und krieger, starcken tranck zu zechen zusauffen (1544) a 4a; gar wenig streit es bey uns gab, hört, als die seel von lieb entzündt, [Bd. 21, Sp. 1195] im heutigen ostfriesischen: starke, scharpe dranken spirituosen 1, 327; s. auch wfries. sterke drank alkoholisches getränk 1, 291. β) das adjectiv bezeichnet die lust, das behagen am getränk, sein annehmliches, auch untadliges: nectar ein süszer tranck Alberus u 2a; sie nam von ihrem sohn zu danck alles bittere wird zum süszen trank der hehem, das heiszt ein gter tranck kostlicher dranck und sieszer wein, die gute wirkung ist betont: schlafenmachender tranck bevanda somnifera 2 (1702) 1145a; kühlende tränke briefw. u. tageb. 5, 280; das glühende erz, das sie ihm in den mund gossen, flosz ihm hinab, wie kühlender tranck volksbüchlein 12; erquickenden trank 26, 12 S.; labenden trank trinkkunst 13, vgl. auch trank der labe 11, 394 G. γ) das adj. trägt den sinn des unbehagens: so man sú (die beeren) zem ersten druket, so gebent sú sures trank st. Georgener prediger 120 Rieder; saur tranck erste dtsche bibel 4, 390 note Kurr.; vultum pervertere wrempen, schrempen, also wenneme suren drang drinket (15. jh.) n. gl. 387b. — bes. fest bitterer trank, vgl. th. 2, 54 sowie bitterer kelch th. 5, 506; von der labung Christi am kreuz: der all thier mit speis begabet, was mich mein eltern detten leren, ich bin genant der rautenkrantz, Bachus, der die geister reget, [Bd. 21, Sp. 1196] der vorfall war vielleicht nur wie ein letzter tropfen, der den bittern trank überflieszen machte 17, 207; mit genetivbestimmung: den soltu nemen und deinen jetzt also bitteren tranck der traurigkeit damit abspülen güld. tugendbuch 222; den bittern trank der unterdrückung 13, 382 S.; der bittre trank der lüge 1, 43 Hempel. vgl. auch unten B 2 a β. mit thränen musz ich mischen δ) auf die herstellungsart bezüglich: sicera gemenget trank (1427) n. gl. 338a; mulsum gemen(g)tz tranck ebda 258b; cinnus vermischung vieler ding odder gemischter tranck Alberus r 2a; die den durst ... mit verkräuterten, gewürzten ... tränken erst mehr aufbringen und bewegen podagr. trostbüchlein (1577) h 7a; von diesen beyden gekochten träncken (thee und kaffee) medicin. maulaffe 184; bes. gebräuchlich beim heiltrank s. u. DWB B 2 a β. ε) mit beziehung auf die bedeutung B 2 b: machte einen bosen tranc, d) in der bildlichen sphäre, die bestimmung erfolgt durch ein abstractes genetivobject. gelegentlich schon in der älteren sprache: dînes trôstes tranc liedersaal 1, 61; o du süszes tranck des laides über die sünd in cgm. 4597 bei 1, 667; des todes tranck herzog Ernst, volksb. 262 Bartsch; merkwürdig: weil sie beraubet sein der sin ein könig, spendend himmelskronen, der goldenen zukunft B. specialisierte bedeutungen. 1) trank als geistiges getränk, vgl. auch I A 2 c α: tranc, tranch sicera ahd. gloss. 1, 539, 44 St.-S.; tranc tymitum (vinum) ebda 1, 258, 27; den met sie und ander trank [Bd. 21, Sp. 1197] 596 Joachim; wat van dem överflode mith windrincken hir de hillige geist redet, dat moth me ock van allen andern drencken vorstan vollensupende (1553) a 4b; so aber das ztrinckhen so fräfelich undt úberfliszig beschehe, dasz einer solchen tranckh wider gebe (1573) in Alemannia 17, 59; was das tranck, fürnemblich den wein anbelangt reiss in Palästina (1608) 56a; Anton Tucher ... verbrauchte ... im jahre durchschnittlich ... über sechstausend mark allein für den trank durst 149; im sprichwort: je süszer der trank, umso leichter berauscht er 4, 1283; mundartlich: draank sterke drank Groningen 185. insbesondere als 'schankgetränk': anno 1374 jar da satzt ain raut (rat) ain ... ungelt auff alle tranck städtechroniken 4, 311; daz kainer ... wein noch sonst kainerlai trank ... schenk ... bei verlierung solhs tranks (15. jh.) österr. weisth. 6, 232; die weinschenk oder leitgeben sollen ... guete, redliche, unvermischte trank haben (16. jh.) ebda 23; auch jene (sollen) mit ohnnachlässlicher straff belegt werden, welche unter den gottsdienst und predig in denen würthshäuser ... das trank auszschencken tirol. weisth. 1, 43; auf ihres wirtes seinen namenstag. vom zechenden aus gesehen, vornehmlich dichterisch in neuerer sprache: Melina, den der trank begeistert hatte, war der lauteste 21, 199 W. lasz den trank im becher steigen, denn der wein des morgenrotes liebst du den becher? wir haben tranks die fülle o nimm die rosen auf, und um die becher schlinge, 2) in einer reihe von bedeutungen ist trank kunstgerecht bereitete, auf wirkung berechnete flüssigkeit. a) flüssige arznei für mensch und thier (vgl.apotheker-, arznei-, brust-, fall-, heil-, holz-, kräuter-, molken-, purgier-, schwitz-, wundtrank u. a.). α) pocio laxativa ein trank (14. jh.) voc. optimus 33b Wackernagel; potio medicata ein tranck nomencl. method. (1623) 245; tranck bevanda medicinale, potione, decotto, aposema d.-it. 2 (1702) 1145a; vgl. schon ahd. tranch antidotum gloss. 3, 222: das er ein artzet gewesen sey ... und wann er einem kranken menschen helffen solt oder ein tranck geben zu seiner gesundtheit opera 3, 250 Böcking; auff das ... der tranck dester besser ausztreyb und das pflaster an sich ziehen mag chirurg. 21a; es wer gut, das man den krancken ... nach dem schweisze von diesem tranck gegeben hette seuche der pestilentz (1552) k 3a; ein tranck für die flüsz im haupt artzneybuch 1, 14; von dem tranck der wurtzel China Fioravanti physica (1618) 272; dieses alles ... gar wol gekochet und alle morgen dem pferde ein nössel von diesem tranck eingegossen, ehe es gesoffen hat roszartzney (1618) 4; se vorbunden sine wunden unde geven eme drank Reinke de vos 6713 Lübben; ein guter tranck in hitzigen fiebern v. georg. cur. 3, 207a; Philipp der leibarzt strengt sein ganzes nachsinnen an, und erdenkt den trank, der seinem herrn eine schleunige genesung verschaffet verm. werke 6, 1, 8; weiszt du für diese krankheit einen trank? ges. dram. werke 7, 12; bildlich: sie (widerwärtigkeit) ist ein trank, den uns darreicht der allerwysest und getrüwest artzet bilgerschafft (1521) 69a; versage deinem ganzen heere [Bd. 21, Sp. 1198] besonders reichlich im plural: pharmaceutice artznei, qui curat medicamentis, mit trencken, pulver etc. 4a; die aber niht sint gelêret und wellent sich erzenîe underwinden ... und wellent den liuten trenke geben: dâ hüete dich vor 1, 154 Pfeiffer; physika mit iren mancherleien steurenden trenken ackermann aus Böhmen 26, 23 Bernt; also wurdend die artzet berufft, die woltend ... durch träncker das gifft wider uss im tryben chron. helv. 1, 263; gifftige oder andere artzneyen, tabulata, tränck ... feyl zu haben reformation aller requisiten d. apotheken (1607) 119; was die artzneykunst durch viel träncke und säffte nicht erreichen kan, das bringt die fröligkeit zu wege polit. redner 150; die männer richteten metalle, kräuter und wurzeln zu tränken und tinkturen am feuer zu dichtungen (1834) 405; in moderner sprache ist die bedeutung veraltet, arznei wird dafür vorwiegend. wo sie gebraucht ist, hat trank den sinn von hausschaffener, nicht vom arzt bereiteter arznei, so aber häufiger im deminutivum tränklein. gelegentlich noch dichterisch: die arzeneien, die ihm kranke brachten, die bedeutung 'arznei' ist in ober- und niederdeutschen mundarten reichlich belegt, s. 86; 1, 327; Groningen 185; fries. drogk Helgoland 213. — Handschuhsh. 71; Bärndütsch 1, 250 u. 458; Aargau. 58. in verbaler fügung, besonders häufig trank verordnen: einem krancken einen tranck verordnen ordinare una bevanda, potione ad un ammalato d.-it. 2 (1702) 1145a; ja in deines gartens boden β) mit bezeichnenden adjectiv-attributen: angemacht tranck, von kurbeerbaum oder thierlebaum, mit saltz und wein vermischt, den häfftigen bauchlauff zestillen saprum 406a; decoctum ein gesottener tranck nomencl. method. (1623) 245; aposema eingekochter trank reinigkeit 157; vermengte tränke allgem. dtsche bibl., anh. zu bd. 53-86, 483; wohlgemischte tränke schriften 1, 41; einen niederschlagenden trank ges. schriften 2, 232; heilkräftigen trank 8, 45. das heilsam tranck fasznachtspiel (1532) l 1b; bildlich: reficiunt mít hêilsâmo tránke divini verbi hohes lied 117, 7 Seem.; rüffent mit gemeinem mund, das es (das leiden) ... ein heilsames dranck ist d. ewig. wiszheit betbüchlin (1518) 33a. — herbe tränke Dreizehnlinden (1907) 39; bildlich: sie (Lucie) ist wahrlich ein herber trank dram. werke 1, 43. eyn artzt gibt sur und bitter trangk, γ) trank als mittel von kurpfuschern, zu unlauterem zweck und oft mit schädlicher wirkung gebrauchte arznei, rückt an bedeutungen wie unten b und c: wie wollen entlich auch die megde und weiber für gotte bestehen, die mit kreutern und trencken umbgehen und solchen segen gottes (kinder) umb euszerlicher schande und schmach willen verhindern 128. psalm (1570) y 3a; denn welche ohn die kunst mit trencken oder gifft heimlich tödten, die pflegt man wie mörder zu straffen von zäuberern 81; man findet in der stadt ... [Bd. 21, Sp. 1199] b) gift: zu den (tod) habt ir dise zwen weg, die schwert und das trank de claris mulieribus 233 lit. ver.; er thut auch dergleychen, als wann er den ersten trunck thete. er bliesz aber allein den schaum von einander, welcher mitten in dem trinckgeschirr war und rüret das tranck auch mit den auszeren lefftzen gar nit an mitnächtische völckeren-historie (1562) 44; lasz er euch bitten, wollet umb seiner lieb willen disz tranck, welches euch ausz zweyer kercker gefängnus für immerdar erledigen und freystellen solle, von mir annemmen theatrum amoris 2, 203; von dem tranck, welchen die käyserin Agiltrudis Guidoni beybringen lassen vollständ. einleitung 1, 285; mein vater, hast du den trank schon gekostet, der dich ins beszre leben führt? neues theater 2, 159; (bis) ein trank auf ewig mich von ihm befreyt c) trank als träger übersinnlicher, zauberischer kräfte, 'zaubertrank'; besonders der 'liebestrank', 'minnetrank', in der literatur vorwiegend mit dem Tristan-Isolde-motiv verknüpft: swenne Îsôt und Marke die lieb durch trank gemacht mit hasz doch endlich lohnt Circe kunde trenke gegeben, (Circe) so die gäst, die bei ir einkehren, du siehst, mit diesem trank im leibe, 3) das dem vieh, insbesondere den schweinen vorgeschüttete futter. meist als mehr oder weniger dickflüssig bezeichnet, worin der zusammenhang mit der bedeutung A sichtbar wird. bis ins 18. jh. schriftsprachlich gebraucht. s. auch DWB getränk th. 4, 1, 2, 4424 und tränke 3: a) ate (ayt), dranck, draff (treber) der verken v. Teuth. 23b Verdam; den säuen das tranck mischen mescere il beverone ò la broda a' porci d.-it. 2 (1702) 1145a; brenne asche von büchenen holtz [Bd. 21, Sp. 1200] und menge sie den schweinen ... in schrot und tranck viehbüchlein (1667) 73; schwindt deiner kühe milch? und schmeckt der warme trank b) verschiedene abfälle oder rückstände, dem vieh in der regel als dünnes futter vorgeschüttet. 'abspülicht': item, wir wollen auch, das es des abspülachs oder trangkhs und aschen halb nach unsers hauszvogts ... beschaid gehalten (werde) (1526) dtsche hofordnungen 2, 171 Kern (ähnlich 2, 204); mundartlich: trank spülwasser prov.-wb. 1, 89; drank spülicht Hahlen 7; droonk schlempe, spülicht Sylt. 69. — 'abfälle bei der alkoholerzeugung': trank schlempe, rückstand beim destillieren des branntweins technol. wb. 773; drank spülicht v. branntweinbrennen ostfries. 37. in ähnlichen bedeutungen in die nordischen sprachen entlehnt, s. unter 'herkunft und form'. eine bedeutung 'schutt', erschlossen aus dem compositum drankförer schuttfahrer Lübeck 65 bildet wohl das vorhergehende im sinne 'unnützen abfalls' weiter. 4) landschaftlich beschränkt bilden sich verschiedene voll specialisierte bedeutungen heraus: tronk wasseraufgusz an obst und beeren schwäb. 6, 1765; drank gemischtes getränk 86; drank ungeklärter kaffee 146; thee (als heilarznei für thiere), den man mit dem namen 'tranch' belegt Simmenthal 55; drangk apfelwein Trier 72; trank als wein wohl auch: rechte masz zu haben und das trank nit mit wasser zu vermischen (16. jh.) österr. weisth. 6, 237. träuch scheidemittel der milch 3, 1169. C. verbale fügungen. festere lassen sich nach drei richtungen abgrenzen, in der des anbietens, zu sich nehmens und bereitens. 1) er (Christus) hat inen das tranck gebotten widder den newen irsal (1525) b 2 a; weder in nüwem noch altem testament nützid erfunden wirt, das ein ynsatz gwesen sye in der alten dancksagung, das tranck harumb ze bieten über M. Luthers buch, bekenntnusz genant (1528) 40b; bildlich: und als vil sie irer veinde mit den swerten erraichen mochten, den botent sie des todes tranck und santent sie mit laide dem hellischen got herzog Ernst, volksb. 262 Bartsch. — potionare trank geben (anf. 15. jh.) 450b; s. ahd. de imo daz tranc gebe Basler recept bei sprachdenkm. 39, 17; hêrre, ich wil iu geben einen tranc, das trank, daz mir mein vater git der sœlden hort 9324 Adrian; alsz nu die dienere dem konnige schenckten, da credencztin sie den dranck unde darnach brochtin sie gar behendiglichin die vergift darin chronik 7 Diemar; wenn ihr ein freundlich wesen einen trank am schwülen tage reicht, verschmäht sie nicht den[Bd. 21, Sp. 1201] irdenen krug 2, 14 Litzmann; meinst du, dasz er ihr verzauberte tränke gereicht? 2, 192 E. Schmidt. hore! en dorstet; dringk, Jhesus, den drang, si (die leute) waren alle verwandelôt ach! fürchte, dasz die süszen träncke 2) was vor speis und trank willst du brauchen? quem cibum aut quam potionem adhibebis? dtsch. wb. (1734) 2, 874; (dasz er) etliche träncke gebrauche, so warmer complexion seyen und die natur haben, dasz sie austrucknen Fioravanti kron der artzney (1604) 60; aber die zauberer gebrauchen keines trancks noch brühlein Blockesberges verrichtung 240. — einen trank nehmen s. th. 7, 532; ein tranck einnehmen potionem exhaurire 2, 288b. dieser tranck aber gilt bey ihnen so viel als ein eydschwur ..., dasz, wann sie diesen tranck unrecht und wider ihr gewissen eynnemmen, würde sie ihr fetisso also baldt tödten 7. schifffahrt 114; in disem monot sol men nüt (ader) lassen noch kein trang nemen (14. jh.) zs. f. d. alt. 6, 351; (er) sucht sie zu trösten und zu vermögen von dem köstlichen trank zu nehmen, den der berühmteste arzt in London gekocht 4, 23 Grisebach. — (der pfister) nam den pecher und sprach: das tranck das will ich trincken in der lieb des hailigen herren sant Ulrichs legende vom hl. Ulrich 62 Hirsch; dasz von des libe, die des tranckes also trincken woltent, lebende wasser flieszen predigten 56 Vetter; sie haben die selbige geystliche speysze essen und tranck getruncken 11, 255 W.; bildlich: die lefzen verzog mein knabe, da ihn der mächtige tod hielt, zu trinken den bittern trank 1, 102; redensartlich wie 'die suppe, die man sich eingebrockt hat, auslöffeln': er hat das harte wort vernehmen lassen, sie möge den trank austrinken, den sie sich gebraut habe 15, 10. vgl. auch: (auf die schlacht bei Glurns) 3) da berayt ist worden das tranck dem herren von gallen und essig geystlich strasz (1521) k 1a; der ist ein guter arzt, der kranckheit erkennen, die tränck zubereiten, wie er sie selbst gebrauchen wil floril. polit. 3, 12; grabe keine wurzeln da weilt sie und sinnt zaubersprüche in bunten bildern wenig klarheit, [Bd. 21, Sp. 1202] hätten die Deutschen nicht ... träncke zu kochen erfunden, welche an stärke dem weine überlegen ... wären? Arminius 2, 294b; sie kochte einen trank für die wöchnerin das schlafende heer (1904) 1, 219. leffel voll öls und ein handt voll manigette oder grain, daraus machen sie ein tranck und schütten denselben in den leib 7. schiffahrt 21. 1557 ist die alte Zauberelsa gefänglich eingezogen worden: diese hatte denen leuten träncke gesotten abentheuerl. glückstopf 116. 4) vereinzelt vor dem trank stehen 'das mundschenkamt ausüben': ich stund i. f. g. allemal vor dem trank und muszte doch daneben alles versehen, wie es sonsten einem hofmeister gebühret v. denkwürdigkeiten 91 Österley. II. trank als nomen actionis: das trinken, in ähnlicher bedeutungsentwicklung wie trunk. 1) im ahd. und as. nur schmal belegt, aber doch lebendig: ahd. after tranche, after drankhe post potum ahd. gloss. 1, 80 u. 81 St.-S.; auch im compositum: as. oardrank, mhd. übertranc, mnd. overdrank, mnl. overdranc übermäsziges trinken, betrunkenheit. vom mhd. bis ins 18. jh. nicht zu selten, wobei jedoch zu beachten ist, dasz in manchen belegen vielleicht nur der satzzusammenhang den anschein verbaler handlung weckt: swer in (Christus als amethyst) genzelichen treit man git z erste den besten win, zum tranck ein quell ist offen, 2) vereinzelt eingeengt als 'schluck, zug': daz tuo zwir oder trî stunt, sô wirt er wol gesunt umbe die brust, als er driu guotiu tranch habe genommen arzneibuch d. 13. jh. in Wiener sitz.-ber. 42, 157; wer das geschirr in einem trunck austrincket, ist ein säuffer; in zweien träncken ist der wohlstand, in dreyen träncken ist hoffarth univ.-lex. 45, 802; lexikalisch: haustus drangh, drunke (1417) n. gl. 201a; einen trank, trunk von etwas thun potionem alicuius rei bibere deutsch-lat. wb. 72, 1311; hierher das sprichwort: grosze tränk und grosze güss 3) als 'geselliges trinken', auch 'gelage': untar trancum, untar tranchum inter pocula ahd. gloss. 1, 182 u. 183 St.-S.; dâvon ouch darnâ geschah, öfters wird in einem trank ein erobert reich verschwendet, [Bd. 21, Sp. 1203] an trank und lustiger gesellschaft zauberring (1812) 1, 64; er weisz fröhlich bescheid zu geben bei trank und rede 8, 65; s. auch das compositum kauftrank th. 5, 347. 4) trank als 'trinklaster', 'unmäsziges trinken': gnuc sich pinent ober macht, Sachs, Bayer, Schwab und Franck, 5) selten als 'betrunkenheit': darum disir herre groz 6) gelegentlich ist trank vom causativum tränken in seiner bedeutung beeinfluszt: es sey auch ... denen deliquenten stinckend wasser oder eszig in den mund oder nasen gegossen worden, welcher tortur gleich ist der schwedische tranck (1706) in Alemannia 10, 8. diese form statt des häufigeren schwedischen trunks oder schwedentrunks ist selten, z. b.: ich bin der meynung, die schwedischen träncke haben die Schwedischen nicht erdacht ..., sondern die papisten blut-, angst-, thränengeld (1639) 7. anders, mit beziehung zu tränken 3 a; ironisch: zu Wesen an der brücke harrt ihrer (der flüchtigen) schon ein tranck.
|
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| © 1998—2013 by Trier Center for Digital Humanities / Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier Home | Impressum | Kontakt | ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||