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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
trampsen bis tranchierbuch (Bd. 21, Sp. 1185 bis 1188)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) trampsen, vb., intensivbildung zu 1trampen (sp. 1183): so schwerfällig oder heftig mit den füszen auftreten, dasz ein dumpf hallender laut entsteht. mundartlich auf bestimmte gebiete des mittleren und östlichen nd. und angrenzenden md. eingeschränkt: Bernd Posen 318/9; Meyer-Mauermann richt. Berliner9 178a; Danneil altmärk. wb. 226b; Hertel Thür. 246; Jungandreas schles. zeitwortbildg. 83; in auftrampsen Hentrich Eichsfeld 16. daher literarisch selten: nun war die sach dem könig hochbedenklich, gedachte hin und her, sahe unter sich und trampste grillenvertreiber (1605) 1, 180; ähnlich ebda 2, 176;

o seht das wunder, seht, sein schatten selber trampst,
sein arger schatten, den er Radge zubenambst
Fr. Engels schr. d. frühzeit 225 G. Mayer;

'ih wat!' seggt hei tau mi und trampst ok vör mi up — bumm! seggt dat unner em Fritz Reuter w. 7, 154 Seelmann; wie er nun eintritt und den schnee von den füszen trampst ebda 4, 140.
 
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tramrecht, s. DWB dramrecht. —
 
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tramsäule, s. DWB dramseule.
 
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tramwerk, n., gebälk: aber die trigliphen allein die köpf der balken des tramwerks anzeigen G. Rivius Vitruv (1575) 281.
 
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tran, m., s. DWB thran, m., sp. 406.
 
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tran, trän, m., fucus: ein hummel oder tran Calepinus xi ling. (1598) 593a, s. DWB drone, f., th. 2, 1432.
 
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tranchée, f., laufgraben; pl. tranchéen; aus frz. tranchée in ders. bedeutung; eine seltene frühnhd. form mit stammbetonung transche (Götze frühnhd. gloss. 53b) entstammt wie mnl. trans 'zinne' (Kilian 565 transe), nl. trans, engl. trench der älteren frz. nebenform tranche (Godefroy 8, 10c); doch ist das wort auch in dieser betonung selbst in der fachliteratur zu ende des 16. jh. noch nicht heimisch gewesen: von der schantzen röllandt. es ist auff ein ander manier ein statt einzunemmen ... und wirt auf frantzösisch tranchs röllandt (tranchée roulante) genannt Fronsberger kriegsb. (1573) 2, 88b. das zeigt

[Bd. 21, Sp. 1186]


auch ihre ablösung im frühen 17. jh. durch die endungbetonende form, deren sieg über die dem deutschen gemäszere alte form den immer noch vorhandenen zusammenhang mit dem französischen bezeugt; die von Unger-Khull steir. wortsch. 166 aus steirischen urkunden auch für das 18. jh. beigebrachte form trantsche ist gänzlich isoliert und deshalb wohl eine selbständige locale eindeutschung. schreibung mit sch ist nicht ungewöhnlich.
die bedeutung ist einheitlich 'laufgraben zum schutz der angreifenden im belagerungskriege' vgl. Duesius nomencl. (1652) 220; Apinus 535; 536; Schrader dtsch.-frz. 2, 1375; Kinderling reinigk. 151: in dem nun von allen diesen battereyen ohn underlasz geschossen ward, fingen wir an trencheen und laufgräben nach dem stattgraben zu verfertigen Londorp acta publ. (1627) 1, 1566a; vor Olmütz habe ich in den transcheen gefochten Kotzebue s. dram. w. 8, 195; ansätze zu einer bedeutungserweiterung 'befestigte grabenanlage zur verteidigung' sind selten, aber alt: da aber ein groszer gewalt ankömpt, verlassen sie (die eingeborenen) ihre häuser, so von holtz und stroh gemacht sind, und begeben sich ins gebirg, da sie etliche trencheen haben Ad. Decker diurnal (1629) 21 (deutlich durch die selbständige verbalableitung: [die überläufer] erzehlten, dasz Callao de Lima rund umb getrencheert und gestärckt war ebda 48). als kriegstechnische wendung nach frz. ouvrir la tranchée die tranchéen eröffnen anfangen zu graben s. Apinus 537: wenn der commendant gewahr wird, an welchen tag die trencheen vor der festung eröffnet werden sollen ... v. Fleming vollk. teutsche soldat 551; man sagte sich ins ohr: heute nacht soll die tranchee eröffnet werden Göthe w. 33, 287 W.;

und hiemit öffneten wir sämtlich die transchehen.
ein ieder seinerseits vergrub sich vor dem tod
Besser schr. 1, 53 König.

bildlich: da aber die polygamie in Frankfurt derzeit noch nicht förmlich sanktioniert ist und das herz des Dessauers an Rebekka hing, so schlug er mit groszer tapferkeit alle stürme ab, die aus den verschanzungen in der Zeile, aus den trancheen der Million (straszennamen), ... mit glühenden liebesblicken und stückseufzern auf ihn (als heiratskandidaten) gemacht wurden Hauff s. w. (1890) 2, 178; ich glaubte das leibhaftige Schlaraffenland zu beschreiten, als ich durch die trancheen von schinken, schlackwürsten und rauchfleisch ... vorüberzog v. Gaudy s. w. (1844) 6, 61;

ein käsefarbner bart
hielt die trenscheen drauf (furchen auf den wangen) sehr wohl verwahrt
Lenz ged. 91 Weinhold.

heute ist das wort auszer gebrauch, dafür sappe, laufgraben.
 
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tranchéekatze, f., 'vom belagerer in der verlängerung der äste des gedeckten weges hergestellte erdaufschüttung zur einsicht in die werke' Mothes baulex. 4, 364; so schon bei Eggers 2, 1151, zur bedeutung s. DWB katze 6: wo alles mit- und ineinander wächset und alle kleineren leben sich zu einem groszen, unendlichen leben ineinanderschlingen, da tritt jeder blutstropfen meines herzens zurück vor den pechkränzen, trancheekatzen und vor den wischkolben, womit die artillerie unsere blauen morgenstunden ausstopfet Jean Paul 1, 153 Hempel.
 
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tranchéekugel, f., eine art handgranate aus holz, in deren innern die eigentlichen sprenggranaten liegen und die in die tranchéen geworfen wird, vgl. Hoyer allg. wb. d. artillerie 1, 2, 204; Fäsch kriegslex. (1735) 470: die spreng- oder trencheekugeln müssen also ordinirt werden, damit solche etzliche klaffter über den ort, wohin sie fallen sollen, feuer bekommen und borsten, und also sie die inhabenden granaten und geschmeltzten zeug weit genug ausbreiten können. die handgranaten, so in diese sprengkugeln eingesetzet ... v. Fleming soldat 629a.
 
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tranchieren , auch trenchieren, trinchieren, trincieren, vb., speisen, bes. braten in mundgerechte stücke zerlegen, vorschneiden. der stamm trinch-, aus ital. trinciare, ist auf das 17. jh. beschränkt; neben ihm von anfang an

[Bd. 21, Sp. 1187]


tranch-, trench- aus frz. trancher, älter trencher; dasselbe gilt für die zusammensetzungen und ableitungen, s. u. die entlehnung erfolgt wohl schon vor 1600, vgl. Germania 28, 406, doch bezieht sich der nachweis von Kluge et. wb.10 493 aus der zimmer. chron. auf die sache, nicht auf das wort. bes. lebendig im 17. jh. (vgl. auch die zuss. u. ableitungen), ist tranchieren auch heute noch in literatur- und umgangssprache in brauch, mundartlich für die obd. und die äuszeren westdeutschen dialekte verzeichnet: Hügel Wiener dial. 166; Fischer schwäb. 2, 317; Ch. Schmidt Straszb. ma. 27 (dranschiere); Seiler Basl. ma. 83; Gangler Lux. umgangsspr. 453; Leithäuser Barmer ma. 159. im obd. ist es besonders heimisch, s. unter 2 und vgl. ableitungen wie: auf dem ersten tipp macht man nur ganz kleine, dünne transchli (schnitten vom rindfleisch) Gotthelf schuldenbauer 142.
1) eigentlich: kommet etwas geflügel auff den tisch, da saget einer zu dem andern, er solle es tranchiern. mich (als ich dieses wort zum erstenmahl hörete) nam es sehr wunder, was man mit dem geflügel anfangen würde, wann man es tranchieren, ich wartete lang, aber sahe doch endlich nichts, als dasz es zerschnitten und zerlegt, eigendlich mit zehen fingern zerzerret worden d. unartig teutscher sprachverderber (1643) 11; ja wer auch ein messen (den hasen) zu trinchiren darbey hette und eine gute kanne wein zu trincken Prätorius philos. colus (1662) 26. in der zweiten hälfte des 17. und am anfang des 18. jh. setzt das wort vereinzelt zu einer bedeutungserweiterung an: wer das brod allemahl hüpsch trinschiret und mathematice gleich schneidet Prätorius philos. colus 41; der junge kerle selbst trenschirte die kirschen und machte lauter affengesichter darausz Chr. Weise erznarren 69 ndr., vgl. auch DWB tranchierer. doch geht im übrigen die ursprüngliche bedeutung des bratenzerlegens bis heute durch: anders tranchirt würde seine (des spanferkels) haut ungenieszbar werden almanach für leckermäuler (1804) 155;

gespickt mit der nadel, gespieszt und rotiert,
heraus mit dem bratel, nun wird es tranchirt
Cl. Brentano ges. schr. 7, 329;

wie weit Eduard ... mit dem schlecht tranchirten braten gelangt sein mag, läszt sich nicht genau nachweisen Holtei erz. schr. 21, 143; ich kann ... einen kapaun tranchieren Fontane ges. w. I 5, 222; infolge der allgemeinheit dieser bedeutung auch ohne object so verstanden: der reiche prasser ... läszt sich tapfer transchieren Abr. a s. Clara etw. f. alle 1, 606; ich soll bey der tafel trenchiren Stoppe Parnasz (1735) 499;

da thun wir uns delectiren,
auch Barthel thut tranchiren,
Joseph thut uns legen vor
Göthe 38, 500 W.

das beherschen der tranchierkunst (s. d. sowie -buch, -meister) gehört bis ins 19. jh. zur gesellschaftlichen erziehung: das trenchiren oder ordentliche vorlegen und zugliedern der speisen ist eine einem jungen vom adel höchstnötige und anständige übung v. Fleming soldat (1726) 29;

im vortanz macht er alle kammerherrn zu schanden,
tranchiren konnt er auch — wer hätt ihm widerstanden
Kotzebue s. dram. w. (1827) 3, 295,

vgl. auch W. H. Riehl naturgesch. d. volkes 2, 168, in der hausherrnpflicht des bratenzerlegens bei tisch wirkt dies bis heute nach: auch hier erwies er sich brauchbar, indem er mit leichter hand eine gans und zwei hasen zerlegte, ... (weil) papa sich an einem schwärmer die hand verbrannt hatte und daher nicht selbst tranchierte G. Keller w. 6, 218.
2) der bildliche und übertragene gebrauch bleibt im ursprünglichen bereich: man transchiert nicht allein die speisen, sondern auch manchen ehrlichen namen Abr. a s. Clara etw. f. alle 2 (1711) 594: (er) tranchirte ... meinen inneren menschen mit wahrem hochgenusz und legte mich gleichsam mir selber vor Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 149; dem eigentlichen näher: sonsten weysz man wol, was trenchiren und vorschneiden ist: im

[Bd. 21, Sp. 1188]


kriege aber trenchiret man anders, dasz die köpfe zuweilen abspringen Stieler zeitungslust und nutz (1695) 671; fester in dieser anwendung 'in stücke hauen': (der verräterische officier) verdient kein mitleid! meinethalben mögen sie ihn degradiren und arquebusiren und trenschiren! Kretschmann s. w. 3, 2, 146;

und als ich nun vom leder zog,
die hexe zu trenchiren
Blumauer ged. (1782) 208;

laufen sie, was sie können, ehe Strahl kömmt, der trenchirt sie sonst — in 10 000 stücke Heinr. Beck die quälgeister (1806) 110.
eine selbständige bedeutung hat sich hier nur auf bairischem boden entwickelt als 'durchhecheln, kritisieren': schalksnarren, die ihren eigenen herrn transchieren und dessen imperfection auf die bahn bringen P. Gansler bei Schmeller-Fr. bair. 1, 671; wenn lang der prediger in der fruh die leuth ein paarmal lachend macht, wenn er die stadtleuth transchiert und ihnen brav klamperln anhängt Portiunculabüchl., s. ebda.
 
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tranchierbuch: 'trenchir- und frisirbuch ist ein kleines ... büchlein, woraus das frauenzimmer ... die kunst, die verfertigten und auf den tisch gesetzten speisen künstlich und manierlich zu zergliedern ... lernet' Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 2041; vollständig vermehrtes trincirbuch (Nürnberg 1652). —