Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
trampelgalan bis trampeln (Bd. 21, Sp. 1180)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) -galan Schnabel irrgarten d. liebe (1738) 520; vgl. DWB trämpel 3; trampler 1; -gunde, scherzhafte analogiebildung zu frauennamen wie Kunigunde, Hildegunde: selbst wenn sie mit ihrer magd schalt, wurde leicht ein förmlicher vortrag daraus, sodasz jene trampelgunde ... W. Chezy erinn. 2, 12; als tramplagunda bei v. Polenz Grabenhäger 1, 86; vgl. DWB trampel 1; trampelthier 2; -loge, im Berliner volksmund ironisch für stehplatz im theater, zircus u. s. w.: Meyer-Mauermann richt. Berliner9 178a; mittlerweile waren die herrschaften in der trampelloge ungeduldig geworden Stinde fam. Buchholz 4, 104; -marsch: die ganzen versammelten studenten beantworteten ihm die verweisungen mit schnautzen, räuspern und einem kleinen trampelmarsche Eichendorff s. w. 11, 30 Kosch-Sauer; -menuett:

sie schertzte wie ein kalb und konte niedlich tantzen
die trampelmenuet
v. Langnau geistl. u. weltl. ged. (1735) 201;

-seite: der abgeordnete Reichensperger, mitglied der trampelseite (in d. nationalversammlung) Berliner krakehler (1848) nr. 10, 3; -thier, s. alphab. stelle; -wetter Pfister 1. ergänz.-heft 25.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
trampelein, n., deminutiv zu trampel 1 (s. d.): was aber solche gute arme trampelein (dienstmägde) in ihren gebündel tragen mägdelob (1688) 29. im schwäb. und den angrenzenden md. maa. für ein untersetztes, lebhaftes kind Fischer 2, 314; Spiesz hennebg. 257; daneben trampele Reinwald hennebg. 168; Schmidt westerwäld. 269; für Hohenlohe v. Klein prov.-wb. 2, 193.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
trampelig, trämpelig, adj., s. tramplig, sp. 1185.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
trampeln, vb. , iterativbildung zu 1trampen (s. d. sp. 1183); parallel gebildet engl. trample; zur frage einer mittelbaren entlehnung des provenc. trampol, m., 'getrappel' und it. trampoli, m. pl., 'stelzen' vgl. Gamillscheg etym. wb. d. frz. spr. 862.
1) calcitrare Dief. 89b; nov. gl. 66a; so schon spätmhd.; vgl. mhd. wb. 3, 83b. in den älteren wbb. selten aufgeführt Kramer (1702) 2, 1114c; Ludwig (1716) 2000; Steinbach vollst. dtsch. wb. (1734) 2, 837; 'zu wiederholten malen mit den füszen trampen' Adelung 4, 1026. mundartlich über ganz Deutschland verbreitet; vgl. etwa Siebs Helgold. 295b; Jensen nordfries. 638; ten Doornkaat-Koolman 3, 429a; brem. wb. 5, 96/7; Richey id. Hambg. 311; Schütze holstein. wb. 4, 274; Danneil altmärk. 226b; Vollbeding nd. wb. 66; Dähnert pomm. ma. 493b; Fischer Samland 156b; Woeste westfäl. 273b; Elberfeld. wb. 164a; Damköhler Nordharz. 195b; Schambach Götting.-Grubenhg. 233a; Schmidt westerwäld. 262; Kehrein Nassau 1, 407; Crecelius oberhess. 287; Hertel Thür. 246; Follmann lothr. 99a; Blumer nordwestböhm. ma. 31a; Birlinger augsbg. wb. 122a; Unger-Khull steir. 166a; Lexer kärnt. 67; Martin-Lienhart els. 2, 758a; Fischer schwäb. 2, 315; daneben notieren umgelautete formen trämpeln, trempeln Jungandreas schles. zeitwortbildg. 75; Knothe schles. ma. in Nordböhmen 186; Stauf v. d. March nordmähr. 93; Müller-Fraureuth 1, 238a; Schöpf tirol. 751.
a) häufig zur bezeichnung für den ungeschickten schritt plumper menschen oder thiere: einhertrampeln wie die groben bauren Kramer (1702) 2, 1114c;

man soll sich nicht betrinken,
im tantzen sieht man es, man trampelt wie ein bär
Henrici ernst-, scherzh. u. satir. ged. 2, 422;

man fand einen stoszzahn von einem fürchterlichen geschöpf, das wie ein trampelnder berg ausgesehen haben musz Vischer auch einer (1879) 1, 261; ich lief früh mit der dämmerung schon durch die allee, wo all deine tritte in den kies geprägt und schön bereift waren; wär ich später gegangen, so hätten die marktleute drauf herum getrampelt Bettine Cl. Brentanos frühlingskr. 1, 3; übertragen: also sind die leute nicht rechter sinnen, welche die absolution verachten und lieber in ihren schandtaten daher trampeln Herberger hertzpostilla (1613) 2, 356. oft liegt der nachdruck auf dem dabei entstehenden dumpf

[Bd. 21, Sp. 1181]


hallenden geräusch: Franke (1674), s. th. 5, 960 unter b; (von einem ritter in schwerer rüstung)

schon trampelts laut die langen wendelstiegen
herauf
Wieland Oberon, ges. 3, str. 46;

noch gedenke ich des entsetzens, mit dem wir uns einmal vor einem trupp junger stiere unter die grosze kanalbrücke retteten, und die ungeheuer auf den losen brettern über unsern häuptern trampeln hörten Sophie Schwerin-Dönhoff erinn. 68; ein trampeln und knicken und knacken, als ob ein reiterregiment im anzuge sei ... es war ein trupp hochgeweihter hirsche Laube ges. schr. 2, 7.
b) gewöhnlich für das beabsichtigt heftige, unregelmäszig wiederholte aufstoszen der füsze auf den erdboden, mit dem keine vorwärtsbewegung verbunden ist:

schläget händ wider händ, trampelt rümb auff der erd
Tob. Hübner d. andere woche (1622), plagen 143;

wan das wasser zu klahr ist, stampfen und trampeln sie so lange mit den füszen, bis es gelähmet und dicke genug ist Dapper Africa (1670) 14b; andere hätten vor lachen zerbersten mögen, wenn der esel zu schreien oder zu trampeln anfing J. B. Mencke 2 reden v. d. charlatannerie (1716) 165; mit dem vielen gehen und trämpeln der zimmerleute wird der boden so feste Döbel neueröff. jägerpract. (1754) 3, 45;

onkel Fritz, in dieser noth,
haut und trampelt alles todt
Wilh. Busch Max und Moritz 37;

er trampelte an der thürschwelle den schnee von den schuhen Rosegger schr. I 2, 333; fing an, mit viel stoszen und trampeln die groszen stiefeln anzuziehen Frenssen Jörn Uhl (1902) 44; selten übertragen:

gleich fatal ist ihr die trampelnd
deklamierende passion,
jenes pathos, das mit flatternd
aufgelöstem haar einherstürmt
Heine w. 1, 435 Elster;

auf ihren zartesten empfindungen war wie mit füszen getrampelt worden v. Polenz Grabenhäger 1, 322. diese absichtliche bewegung wird leicht zur körperlichen begleiterscheinung leidenschaftlicher gefühlsausbrüche:

rasend
schmeiszt er seinen hut zur erde,
trampelt drauf, er tritt mit füszen
die madonnen!
Heine w. 2, 358 Elster;

die beiden jaherrn klatschten in die hände und trampelten vor seligkeit mit den füszen v. Gaudy s. w. 2, 73; (die zuschauer bei der ersten aufführung der 'räuber') schrieen und weinten, sie jubelten und röchelten, sie trampelten mit den füszen und rangen die hände v. Molo Schillerroman 1, 191 volksausg.; abgeschwächter in ursprünglich studentischer sitte typische beifallsäuszerung: der professor trat ein und wurde mit trampeln begrüszt Paul Ernst weg zum glück 117; der zweite platz (im theater) benutzte seine stellung, um durch trampeln mit den beinen seine freude auszudrücken Fritz Reuter w. 4, 223 Seelmann. übertragen fest geworden als ausdruck böswilligen übermuts oder verächtlicher geringschätzung: man sol den herrn nit auffm maul trampeln, noch ihnen auff den rock treten Petri d. Teutschen weisheit 2, O o 4r; weil Andreas eisgraue haare trägt, trampeltest du wie ein gassenjunge auf den gesetzen? Schiller 3, 65 G.;

federspritzeln, ehr beklecken,
ungeheueres geschnatter!
wilde recken, wilde recken,
trampelt nicht die welt noch platter
Eichendorff s. w. (1864) 1, 424;

so lang man einen für gutmütig hält, trampelt ein jedes auf ihm herum Auerbach schr. (1892) 13, 106; das geschlecht stirbt nie aus, welches sich dann am herrlichsten dünkt, wenn es mit unheiligen sohlen auf dem rasen trampelt, der die gebeine unserer väter deckt Treitschke hist. u. polit. aufsätze 1, 433; redensartlich: uff'm koppe rum trampeln lass ich mir nich! G. Hauptmann biberpelz (1893) 56.

[Bd. 21, Sp. 1182]



2) 'mit dem fusz sanft, ein wenig treten; trippeln': welcher den schooszhund in des herren händen spielen sahe, dasz er mit denn fordern füszen den herren auf den schoosz trampelte Treuer dtsch. Dädalus (1675) 1, 618. heute nur als trämpele hochalemannisch Stalder schweiz. 1, 296; Seiler Basler ma. 83b; Hunziker Aargauer wb. 58.
3) 'langsam gehen', mundartlich westdeutsch; meist als trämplen Schmidt westerwäld. 262; Crecelius oberhess. 287; Kehrein Nassau 1, 407; Wegeler Coblenzer ma.2 77; Martin-Lienhart elsäss. 2, 758a; Fischer schwäb. 2, 366. vgl. DWB trampler 2; tramplig, sp. 1185.
4) 'zaudern; zögern' Müller rhein. wb. 1, 1434; Martin-Lienhart elsäss. 2, 758a; Fischer schwäb. 2, 366.
5) rotwelsch 'betrügen' Ostwald rinnsteinspr. 155; Polzer gaunerwb. 92a; lasz dich von dem hallunken nicht trampeln und beschummeln P. Lindau spitzen 142.