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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tramkeller bis trampelcharmante (Bd. 21, Sp. 1177 bis 1179)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tramkeller, m., keller mit holzbalken, statt mit steingewölbe Staub-Tobler 3, 204; Spiesz henneb. id. 256.
 
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trämmel s. DWB tremmel, dremmel.
 
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tramontan, adj., engl. tramontane, frz. tramontain, it. tramontano, von lat. transmontanus 'jenseits der berge, besonders der Alpen gelegen'. im deutschen wohl nur gelegenheitsbildung statt üblichem transmontanisch (s. d.). von Italien aus gesehen: bei der starken opposition, welche dieser dichter (Alex. Manzoni) erleidet, ist ihm und seinen

[Bd. 21, Sp. 1178]


freunden eine tramontane theilnahme (in Deutschland) sehr erwünscht Göthe IV 35, 261 W.; umgekehrt von Deutschland aus: an der behandlung (des stoffes der Iphigenie auf Delphos) soll man hoff ich das tramontane (den einflusz des italienischen aufenthalts) erkennen (1786) ebda III 1, 304; vgl. IV 8, 176.
 
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tramontana, jünger tramontane,f., aus dem it. tramontana, f., 'nordwind; polarstern; norden' wie ins franz., engl., holl. auch ins deutsche in sämtlichen bedeutungen übernommen. bereits mhd. mit starker eindeutschung der form zu tremontâne, trimuntâne, tremundân, trumetan u. ä. als starkes und schwaches masc. für 'nordwind' und 'polarstern'; belege: mhd. wb. 3, 85b; Lexer 2, 1503. im spätmhd. stirbt das wort ab; es wird in nhd. zeit neu entlehnt und bleibt nun der italienischen form nahe: tramontana, daz ist nort oder miternacht (1515) Weller erste dtsche zeitungen 5 lit. ver.; tramontana, lat. ventus transmontanus, Italis aquilo Apinus gl. nov. (1728) 535; die fregatte nach Palermo ging (von Neapel) mit reiner starker tramontane gestern ab Göthe I 31, 23 W.;

als hätt im flug euch grade von Toskana
geführt zur heimatlichen tramontana
ein kindlich englein
Voss s. ged. 4 (1825), 171.

der polarstern ist der leitstern des schiffers; danach:

Goethe! wie auf eigner bahn
ich durchs meer mich umgetrieben,
immer ist als tramontan
er im auge mir geblieben
Rückert w. (1867) 7, 103.

daraus entwickelt sich nach it. vorbild perdere la tramontana die übertragung die tramontane verlieren 'den kopf verlieren; nicht aus noch ein wissen' Eiselein sprichw. u. sinnreden 601; Wander sprichw.-lex. 4, 1283; wir sind zufrieden, dasz Wildmann nur blosz so halb und halb die tramontane verlohr J. G. Müller kom. romane (1786) 1, 466.
 
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trampdampfer, m., frachtdampfer, der ohne regelmäszige route und festen fahrplan nach der jeweils sich bietenden frachtgelegenheit zwischen beliebigen seehäfen verkehrt v. Alten handb. f. heer u. flotte 3, 1. modernes fremdwort nach dem gleichbedeutenden engl. tramp, übertragen aus der ursprünglichen bedeutung 'landstreicher, vagabund'. belege bei Kluge seemannsspr. 792.
 
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trampe, f. 1) meist in der zusammensetzung fischtrampe 'störstange, die fisch aus den steinen zu treiben' Frisch (1741) 2, 981a; Zincke ök. lex. (1744) 769; ähnlich Fulda vers. (1792) 552; Adelung 4, 1026; trouble-eau; perche; bouille Schrader dtsch.-frz. wb. 2, 1374c. dazu trampen, vb., die fische mit der störstange auftreiben ebda. — 2) 'im feuer geschmiedetes eisen' Blumhof eisenhüttenkd. 4, 371; v. Scheuchenstuel id. d. österr. berg- u. hüttenspr. 244. — 3) nd. meist in der zusammensetzung ploogtrampe 'stoszstock zum reinigen (abstoszen der erde) des pflugeisens' ten Doornkaat-Koolman 3, 429a; 'ein instrument, das einigermaszen die gestalt eines langen steckens mit einer kleinen platten schaufel hat' Strodtmann Osnabr. id. (1756) 250.
 
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trampel, m. , auch f.; rückbildung aus trampeln.
1) 'ungeschickter, plumper mensch', meist von frauen gesagt. in neuerer zeit daher auch als fem. auftretend Fulda versuch 552; v. Klein prov.-wb. 2, 193; Schmidt westerwäld. 262; 269; Spiesz hennebg. 259; v. Schmid schwäb. wb. 135; Lexer kärnt. 67; Martin-Lienhart els. 758a; Fischer schwäb. 2, 314: der Spiegelschwab ging auf die zigeunerin zu und sagte: alte trampel! Aurbacher volksbüchlein 199; Brentano ges. schr. (1855) 8, 89. für gewöhnlich und seit alters masc., über ganz Deutschland mundartlich verbreitet, zur verächtlichen bezeichnung selten von männern, fast ausschlieszlich für plumpe, schwerfälige frauen niederer herkunft, z. b. bei Bernd Posen 318; Teuchert neumärk. 241; Meyer-Mauermann richt. Berliner9 178a; Müller-Fraureuth 1, 237; Kehrein Nassau 1, 407; Reinwald hennebg. 1, 168; Crecelius

[Bd. 21, Sp. 1179]


oberhess. 287; Follmann lothr. 99a; Schöpf tirol. 751; Hügel Wien. 166a; Unger-Khull steir. 166a. zur verstärkung der pejorativen wirkung gern mit charakteristischem subst. componiert: misttrampel Stranitzky ollapatrida 303 Wien. ndr.; kuhstallstrampel Jecht Mansfeld. 113b; bauerntrampel Hertel Thür. 246; Kleemann nordthür. 23c; Fischer schwäb. 2, 314; dorftrampel Serz id. 32a. wegen dieser beschränkung auf die 'niederen sprecharten' in den älteren wbb. nur selten notiert Adelung 4, 1026; Kramer (1702) 1100a. literarisch daher nur in derber ausdrucksweise; in älterer zeit zur bezeichnung des ungeschickten, bäurischen benehmens eines menschen: wie sauber ist derselbe unsaubere kerl zu der thür hinausgeworffen worden, der ohne hochzeitliches kleid auf dem saal erschienen; der trampel hätte ja sollen ein hochzeitliches kleid anhaben Abr. a s. Clara etwas f. alle 2, 103; Isaac der vatter ein engel, Esau sein sohn ein pengel; Jacob der vatter ein lämbl, Ruben sein sohn ein trampel Conlin glückl. narrenfur (1725) 253; verallgemeinerter:

denn jeder tag ...
hat sein ertragenmüssen
der neidlinge und nüchterlinge,
der ... trottel und trampel
Liliencron s. w. (1896) 9, 155.

von anfang an besonders gern angewandt auf körperlich ungeschlachte, tölpelhafte, bäurisch ungebildete frauen: nennet der edelmann (seine nichtebenbürtige frau) ein grobe bäurische drampel Albertinus hirnschleiffer (1664) 503; zanckente eheleuth seynd in allen zuwider ... sie ist ein trampel und er ist ein bauer Neiner cur. tändlmarckt (1734) 88; schlieszlich bloszes schimpfwort: (Apoll zu Melpomene:) willst du dein maul halten, du trampel marionettentheater (1778) 188; Aurbacher s. oben. im 19. jh. gern als bezeichnung für dienstmädchen, die vom lande stammen: bin ohne kammermädchen. hab einen trampel nehmen müssen, eine latsche Holtei erz. schr. 22, 211; vgl. 28, 108; ein sauberer dienstbot kann auf jeden fall in Wien sein glück machen ... nur d'frauen sind nicht so gut; die rutschen gleich mit einem trampel oder mit so was heraus Raimund w. (1881) 3, 401;

ein trampel mit schwarzer hauben und korsettel vom land,
erscheint in acht tagen im salopp, wie vom stand
Meisl theatral. quodlibet 1, 30.

daher als halb scherzhaftes schimpfwort küchentrampel; vgl. ferner trampelgunde, sp. 1180; trampelthier 2, sp. 1183.
2) 'tritt', mundartlich auf ein kleines gebiet beschränkt Leihener Cronenbg. wb. 124a; Leithäuser Barmer wb. 159b; Elberfeld. wb. 164a. — 3) 'holzpantoffel, schwere stiefel' Müller-Fraureuth 1, 238; vgl. DWB tramper 1, sp. 1184. — 4) s. trämpel.
 
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trämpel, trempel, m., zu trämpeln, s. DWB trampeln. 1) wie trampel 1, s. Knothe schles. ma. in Nordböhmen 186. — 2) 'schar; trupp; menge' Hertel Thür. 246, neben trampel Müller-Fraureuth 1, 237. — 3) in der studentensprache 'fensterpromenade':

und wer sich läst die grillen treiben,
dasz er die gassen nunter schwäntzt,
ob etwan durch die fensterscheiben
ein weiszes jungferhäubgen gläntzt,
und meint, er habe durch den trempel
der liebespflicht genug getan,
der heiszt ... ein lauff- und pflastersteingalan
Chr. Weise grünend. jugend 13 ndr.;

ebenso liebestrempel ebda 64. vgl. DWB trampelcharmante; -galan; trampler 1.
 
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trampel- in zusammensetzungen, für gewöhnlich, um dem begriff des zweiten compositionsgliedes ein ironischübertreibendes oder leise verächtliches schlaglicht aufzusetzen: -bude: die verdrieszliche stimmung hat sich auch dafür an dem gebäude durch den unästhetischen beinamen der 'trampelbude' gerächt H. Jahn badeleben in Karlsbad 165; -charmante, 'verehrte mädchen, denen der burschetrampelndseine fensterpromenade macht' hospitium (1747) bei Kluge dtsche studentenspr. 19; vgl. DWB trämpel 3;