| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
trallje bis tramontan (Bd. 21, Sp. 1175 bis 1177) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| [Bd. 21, Sp. 1176] dän. trall(i)er, tralverk, schwed. trall; aus mlat. tralia, trelia, trela 8, 164c, wohl durch vermittlung des ndl., im 15. jh. entlehnt. später, wie die häufigere schreibung traille zeigt, s. z. b. wb. d. landbaukunst (1836) 367; w. 18, 130 B., an das französische treille angelehnt, das das gleichstämmige treillage 'gitterwerk', besonders als kunstwort des gärtnergewerbes ( mathem. lex. [1747] 1329; allgem. haush.-lex. [1749] 3, 542 u. ö., auch Wiener dial. 167) geliefert hat. das wort ist auf nd. u. md. bodenzuhause und reich bezeugt: 3, 428, brem.-niedersächs. wb. 5, 95, id. hamb. 311, Berl. volksdial. 184, preusz. wb. 1, 408, dtsch. spr. i. Lief- u. Ehstland 240, beitr. z. dtsch. ma. i. Estl. 28; Dortmund 60, Elberfeld. ma. 164, westfäl. 273, waldeck. 105a, Kölner ma. 182, Aach. ma. 247, Kobl. ma. 77, westerw. id. 262, Trierer ma. 70, Lux. umgangsspr. 457, dtsch.-lothr. ma. 99, Nassau 1, 407 u. ö. formen ohne j erscheinen schon im 16. jh., als trahle, thrale bei Ercker, s. u., als trārl, trall(ing), trall(wark) in heutigen maa. vgl. nordfries. spr. d. Wiedingharde 638, Reuterlex. 140 und holst. id. 4, 247; literarisch (tralle) bei Liliencron und Tim Kröger s. u. der mlat. collective sing. trelia 'cancelli, clathri, transenna' a. a. o. erscheint so auch als deutsches wort in den ältesten glossierungen, vgl. gerra en ysern tralye (a. d. 15. jh.), gerrae eyn ysern gerempze of tralye ante chorum (a. d. j. 1507) bei gloss. 261b; cancellus trallye voc. Strals. (15. jh.) bei 4, 605; tralge (a. d. j. 1507) bei gloss. 94b neben glossierungen wie eysengitter a. a. o., schranke, gremmecz 94b; vgl. traelie clathrus, cancellum 565; zumeist aber im plural trallyen 'stäbe die ein gitter bilden', vor allem an brücken, fenstern, thüren u. dgl.: und leten ock grote stark yserne trallyen dar vor (vor die neue accisebude) maken Rostocker chronik 55 Schröter; in der zit wart vil korntz heimlichen uis Coelne gevoirt ind nachts durch die trailgen lanx den Rin uisgestalt. so wurden nuwe stein ind trailgen gemacht, dat me zo verhoeden chron. d. dtsch. städte 14, 803 (Cöln a. d. j. 1499); der sall und will Joachim Schmidt de schlengen (eisenbeschlag der thür) und trallien uthbreken (a. d. j. 1541) erbbücher d. stadt Riga 284; 6 stuck eisern trallin aus den fenstern geschlagen inventar v. 1546 in chroniken von Hessen u. Waldeck 2, 357; (das gemach) war ... mit einem ... stacket, dessen tralgen von ... golde ..., unterschieden verm. reisebeschr. (1696) 245; (er hatte) das gemach mit einer doppelten, eisenbeschlagenen thüre ... und die fenster mit zollstarken traillen rüsten lassen 18, 130 Boxb.; vgl. traillen 'eiserne dünne stäbe, die zum verschlusz von öffnungen dienen' wb. d. landbaukunst 367; '... auch schmale pfosten und bretter vor einer öffnung, ingleichen die eine gallerie ausmachen' dtsch. spr. in Lief- u. Ehstl. 240; für die stäbe der chorschranke: sie sieht den greis am hochaltar der plural als collectivvorstellung 'gitter': die fenster sind gläsern und hölzern und ... mit tralien (gegitter) oder schrankwerk verwahret sprachenthür (1657) § 550 Docem., vgl. cancelli, gatter, tralien thes. lat. germ. (1687) 150; des mogols gemach und erhobener thron, vor welchem ein kleiner platz mit güldenen trallinen umgeben verm. reisebeschr. 63; phraseologisch bedeuten [Bd. 21, Sp. 1177] die trallien das gefängnis: wollet ihr nicht in güte, so müsset ihr in ungüte, oder ihr werdet in die trallien kommen 40 dialogi 216; vgl. nicht kümmert ihn des beutels lehre, im singular ist die collective bedeutung 'gitter' in jüngerer sprache verzeichnet bei dtsch.-frz. 2, 1374; reinigk. d. dtsch. spr. 151, und in einem theil der dial. wbb.; bes. als 'treppengeländer' neue beitr. z. ma. i. Estl. 42, Frankf. ma. 112, nachtr. zu Vilmars id. v. Kurhessen 297, niederhess. wb. 240, auch bei technol. wb. 1, 773; vgl. auch tralje 'chorschranke' baulex. 4, 364; hierher auch schweinetralle: vor einem mit der sogenannten schweinetralle versehenen wagen novellen (1914) 2, 151. der snarcht recht als ain hafenreuss, [Bd. 21, Sp. 1178] freunden eine tramontane theilnahme (in Deutschland) sehr erwünscht IV 35, 261 W.; umgekehrt von Deutschland aus: an der behandlung (des stoffes der Iphigenie auf Delphos) soll man hoff ich das tramontane (den einflusz des italienischen aufenthalts) erkennen (1786) ebda III 1, 304; vgl. IV 8, 176.
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