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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
train bis tralle (Bd. 21, Sp. 1172 bis 1173)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) train, m., 'schleppkleid', eine in der mode des späten 18. jahrh. den rückentheil des weiblichen rockes bedeckende, in eine schleppe auslaufende stoffauflage meist aus kostbaren stoffen; aus engl. train schleppe (frz. traîne): das schleppkleid (train) ist von einem reichen lilaseidnen zeuge magazin der neuesten engl. u. deutsch. moden 1 (1793) 136; der train oder kleid von dunkelröthlichem atlas mit jungen weiszen fuchs aufgeschlagen ebda 442, vgl. dazu die abbildungen xiv u. xlvii.
 
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trainieren, vb., 'cunctari, moram ducere, ... rem differre' Apinus gloss. nov. 535; aus frz. traîner in ders. bed.; hierüber trainirte sich die sache von tage zu tage, und kam die stadt Magdeburg in euszerste noth und gefahr v. Chemnitz kgl. schwed. krieg (1648) 1, 146; der prozesz geht gut ..., aber — was auch immer mein gewissen dazu sagen mag — so trainir ich ihn gewisz so lang, als es möglich ist Schöpfel Thomas Imgarten (1777) 78; (ob sie) über das blosze trainiren ungeduldig, in die Schweiz (gegangen?) A. v. Droste-Hülshoff br. an Levin Schücking 125; heute auszer gebrauch.
 
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trainieren, vb., zur erreichung von sportlichen leistungen planmäszig üben; in der ersten hälfte des 19. jh. entlehnt aus engl. train in ders. bed.; anfangs stets deutlich trans., heute mit ellipse des objects (auch des refl.-pron.)

[Bd. 21, Sp. 1173]


meist absolut gebraucht. ursprünglich ein wort aus dem pferdesport: minister trainiert dich (das röszlein marotte) zum wettlauf A. Grün ges. w. 4, 18 Frankl.; die von Walther trainirten fohlen trugen regelmäszig den sieg davon Ebner-Eschenbach ges. schr. 2, 219; dann auch, und im 20. jh. in erster linie, vom menschen: mehrere gutachten sind der ansicht, dasz der preuszische soldat ... für die strapazen des krieges ... hinlänglich trainirt sei Wilhelm I. militär. schr. 2, 266; heute deuten worte wie durchtrainiert, guttrainiert, besonders in der triviallitteratur auf einen vollkommenheitsbegriff: elastisch in jeder bewegung, wie ein gut trainierter Viebig d. schlafende heer 1, 35; dazu, unverändert aus dem englischen übernommen, trainer, m., sportlehrer und training, n., arbeit des trainierens, das auch als compositionselement für eine grosze reihe sportlicher worte in gebrauch ist (trainingsanzug, -fahrt, -erfahrung, -spiel u. a.) und die älteren bildungen mit trainier- fast gänzlich verdrängt hat. auch übertragen auf geistige leistungen gedächtnistraining, willenstraining.
 
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trairas, subst.:

eh ich (d. teufel) nemb die verpaffelt war (2 alte weiber),
eh zel ich dich quidt-ledig gar ...
solch alter, böser weiber drey
fingen im feldt den teuffel frey.
darumb wöl wir sie schicken schier
zum trayras, zu dem sauren bier,
da finden sie wol iren käuffel
Hans Sachs 14, 58 lit. ver.

bedeutung noch nicht geklärt; auszuschlieszen ist die vermutung 'teufel' Schmeller-Fr. bair. wb. 1, 674; Götze frühnhd. gloss. 54b; einige wahrscheinlichkeit dagegen hat Schmellers andere vermutung eines zusammenhanges mit mhd. (bair.) trairos tanzlied (s. mhd. wb. 3, 83b mit belegen aus Neidhart), sodasz vielleicht in der verbindung mit dem zweiten theil der zeile an eine art jahrmarkt zu denken wäre.
 
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trakeln, vb., 'mit weitläufigen stichen annähen' Schrader dtsch.-frz. wb. 2, 1374; Adelung 4, 644; in den nord-, vor allem den nordostdeutschen maa.; Vollbeding plattd. ma. 66; brem.-niedersächs. 5, 95; Schütze holst. id. 4, 274; Frischbier 2, 407; Fischer Saml. 156; Hupel dtsch. spr. i. Lief- u. Ehstland 240; Sallmann beitr. z. dtsch. ma. i. Estland 19; in der form trochele auch in Aachen Rovenhagen 248. dazu trakelfaden Hupel Lief- und Ehstl. 240.
 
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trakt, traktabel, traktament, traktat, traktieren u. ähnl. s. DWB tract, DWB tractabel, DWB tractament, tractat, tractieren u. s. w.
 
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trala(-) s.tra- sp. 926.
 
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tralge s. DWB trallje.
 
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trall, adj., s. DWB drall.
 
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trall, m. 1) 'not, bedrängnis': oan aus'n trall helfen bei Wander 4, 1282; 2) in der studentenspr. 'unsinn, scherzhafte unternehmung': wenn in das alles der trall, der rappel ... hineinwetterleuchtet Kerr ges. schr. 10, 90; vgl. trallig verrückt Meyer-Mauermann richt. Berliner 178 und sonst in der umgangs- und studentensprache; vielleicht zum folgenden.
 
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tralle, m. u. f., plumper, dummer mensch, auch in weiterbildungen wie trallari, trallewatsch, trallatsch, trallpatsch u. ähnl. bes. in Oberdeutschland verbreitet: Martin-Lienhart 2, 753, Fischer 2, 311, Stalder 2, 295 (vgl. für diese gruppe die angaben bei v. Klein prov.-wb. 2, 193); Unger-Khull 166, Lexer kärnt. wb. 66 ('holzschuh, plumpe person'), Schöpf 750 (dazu trallen kindisch thun); doch auch Ruckert unterfränk. ma. 183, Crecelius oberhess. wb. 287; 'schwatzhafte person' Schmeller-Fr. 1, 660, Jecht Mansf. 113, Hertel Thür. sprachsch. 80. s. auch Zs. f. dtsche phil. 3, 334 ff.:

kain tier pitt seins geleichen tot,
ains hilft dem andern in der not;
e das ain grober tralle
lit ellend, armuet, als vil mancher weiser tuet,
er liess e all sein freund hie sterben umb das guet
Osw. v. Wolkenstein 227 Schatz;

[Bd. 21, Sp. 1174]


fort, fort, nimm deine trallwatsch (gemeint ist ein mädchen), die dir das ding gewiesen Ulr. Bräker s. schr. (1789) 1, 75; ich hab gemeint, du seist blos ein so guter tralle, der kein schneid hat Auerbach dorfgesch. 4, 207; vgl. noch den drallpatsch jagen eine art spieszrutenlaufen durch eine reihe von mitspielenden mit geknoteten taschentüchern für den, der im spiel einen fehler macht Fischer schwäb. 2, 312; zur etymologie s. DWB troll, DWB trulle.