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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
trahieren bis trainieren (Bd. 21, Sp. 1170 bis 1172)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) trahieren, vb., immer mit dem obj. münze, gulden u. ä., das umlaufende geld auf die vollgewichtigen stücke durchsuchen und diese widerrechtlich zurückbehalten, von lat. trahere: die munze trahiren oder erseigern arch. d. hist. ver. in Würzburg 22, 122 (a. d. j. 1456), vgl. th. 10, 1, 202 s. v. seigern; s. auch Lexer mhd. handwb. 2, 1493. mehr auf die folge des aussuchens gerichtet, 'die währung verschlechtern, schwächen': müntz trahiren oder schwechen müntz-ordn. (1524) § 52. als trahieren ist wohl die glossierung von verrere mit traheren zu verstehen bei Diefenbach 613c a. d. j. 1487; in der form treieren aus Frankfurter urkunden 1476 u. 1477 bei Lexer a. a. o.
 
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trahierer, m.: alle trahierer, die die schweren goldenen oder silbernen stücke aus den leichten ziehen, zu bestrafen (a. d. j. 1463) württemb. geschichtsquellen 5, 421; gengeler, trahierer, lieberer (a. d. j. 1476) urkd.-buch d. stadt Heilbronn 2, 128. vgl. noch Lexer a. a. o.
 
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trahierung, f.: trahirung der gulden, treierung der munze Frankfurter urkd. a. d. j. 1476 u. 1477 bei Lexer a. a. o.
 
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trahle, f., s. DWB trallje.
 
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trahm, m., balken Mothes baulex. 4, 363; -boden; -decke ebda, vgl. DWB tram u. dram.
 
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traid, s. getreide th. 4, 1, 4458.
 
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traidel(-), s. treidel(-), treudel(-), trödel(-).
 
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train, m. , gefolge, zug; trosz, fuhrpark des heeres. wie norw. traen, schwed. träng, trein, engl. train, nl. trein aus frz. train 'gang, gefolge, zug'.
das entwicklungslose nebeneinander der verschiedenen deutschen bedeutungsgruppen hat seinen grund in der nahen sprachlichen gegenwart des französischen, das alle bedeutungen bis in phraseologische einzelheiten hinein schon vorgebildet hat. die ungleichmäszigkeit der bezeugung (noch Stör dict. frç.-all. [1663] und Eggers kriegs-lex. [1757] haben für das frz. wort nur deutsche entsprechungen) und

[Bd. 21, Sp. 1171]


die starke vereinzelung der bedeutungen im 17. und frühen 18. jh. lassen den entlehnungsvorgang als zunächst durchaus gelegentlich erscheinen; zu allgemeinerer geltung verhelfen dem wort erst das ende des 18. und das 19. jh., dieses zu gunsten éiner, der militärischen bedeutung.
1) begleitung, gefolge wie frz. (grand) train 'suite de valets, de chevaux etc.' Littré 2, 2, 2298a:

dann als gesammter train die leich im grab verlassen,
und wieder sich zertheilt in die und jene gassen,
war auch die trauer aus
Friebel (1704) heldenschreiben 15.

vom ende des 17. bis weit ins 19. jh. hinein vor allem das gefolge eines vornehmen; train geleitschaft, mitzug Stieler zeitungslust u. nutz (1695) 670; hofstatt, ... gefolge eines herrn Wächtler commodes manual (1703) 313; hofgesinde ... geleite ... suite Sperander à la modesprach 749b; Kinderling reinigk. d. dtsch. spr. 151; auch in den westlichen randmundarten: treng 'aufzug, staat, gefolge': e groussen tr. feïhren Follmann dtsch.-lothr. maa. 102; Gangler Luxemb. umgangsspr. 452; Rovenhagen Aach. ma. 147; später abgeschwächt, mit schwund der concreten seite der vorstellung als 'aufwand' schlechthin: der verdrusz, den ich gehabt mit meinem manne ... wegen der ganzen geschichte und dem groszen train, den er führt Holtei erz. schr. 27, 45; durch die synonymenpaarung besonders deutlich: es scheint immer sicherer zu werden, dasz ich Rochows posten ... übernehme. dann habe ich ... 21000 rhtlr. gehalt, musz aber einen groszen train und hausstand führen Bismarck briefe an s. braut u. gattin 276, mit schwund des abstracten gehaltes als in bewegung befindlicher 'haufe von menschen': gegen abend fuhr der ganze train nach Paris auf der eisenbahn zurück Gutzkow ritter vom geiste 4, 29.
2) 'zug, reihe von gleichartigen gegenständen' wie frz. train 'suite de bêtes etc., de voitures etc.' Littré 2, 2, 2298b: ein langer train von bäumen tractus arborum Apinus gloss. nov. 535; hierher auch 'train ein zug an einander hängender wagen auf einer eisenbahn bei einer fahrt' Hoffmann wb. d. dtsch. spr. 5, 675: das bedienungspersonal für einen ganzen train (von eisenbahnwagen) ist gering Karmarsch-Heeren techn. wb. 2, 12.
3) das frz. 'être en (bon) train' erscheint in redensarten wie den folgenden: da wir einmal im train waren, brachten wir eine menge neuer lesarten zusammen Gerstenberg briefe über merkwürdigk. d. lit. 200 lit.-denkm.; in zwei minuten ist die conversation im schönsten train v. Gaudy s. w. 8, 124, vgl. die deutsche wendung im zuge sein th. 16, 391; mit charakterisierenden attributen: wenn sie ... wiederkommt, so will sie einen ganz andern train anfangen Caroline 1, 59 Waitz; man ... suchte das gespräch in einen gleichgiltigen train zu bringen Immermann 10, 225 Boxb.; besonders oft im alten train: wir leben hier übrigens noch in unserm alten train fort br. v. u. an Bürger 1, 82 Str.; meist geringschätzig: in Deutschland ist nichts zu machen als im alten train buchstaben ohne geist zu lehren Gervinus an Dahlmann 2, 159 Ippel; alles im alten train, ohne die kleinste variante A. v. Droste-Hülshoff br. an Levin Schücking 181; auch Gangler Luxemb. umgangsspr. 455; einer zustandsbezeichnung 'eigenart', 'aufzug' sich nähernd: verabscheut sie (die tante) mich? ein biszchen; doch nur so lange du in bebrilltem train für den künftigen herrn von Eichenau galtest Holtei erz. schr. 8, 64; von Christian viii habe ich von anfang her nur den gemeinen train der fürstlichkeit erwartet Dahlmann an Jac. Grimm 1, 463 Ippel.
4) 'trosz, fuhrpark des heeres', vgl. frz. train 'corps de troupes ... chargé du transport' Littré 2, 2, 2298b. nach vereinzelter bezeugung zu anfang des 17. jhs.: von munition, geld, pagage, train und andern Londorp acta publ. (1627) 2, 1566b, erlangt diese bedeutung erst im 19. jh. nach ihrer officiellen aufnahme in die sprache der heeresverwaltungen (in Preuszen um 1780 Poten handwb. d. militärwissensch. 9, 163; Kiesling gesch. d. trains d. kgl. preusz. armee 3) allgemeine geltung, die alle anderen bedeutungen

[Bd. 21, Sp. 1172]


in den hintergrund drängt: in Freiburg hatten sie sich von den Östreichern anwerben lassen ... so kam er unter den train A. v. Droste-Hülshoff 2, 308 Schücking; auch mundartlich in Basel (Seiler 83), Aachen (Rovenhagen 147), Barmen (Leithäuser 159), Elberfeld (Elberfelder ma. 164). im plural trains: unsere kolonnen und trains führten in der mehrzahl zu schwere wagen Ludendorff kriegserinn. 60. gebräuchlich in zahlreichen compositionen wie z. b. trainkaserne; -knecht (gegen das ... gewaltsame ausheben der tr. allg. dtsche bibl. 100, 338); -kolonne; -officier; -soldat; -wagen; -zug u. ähnl.
infolge der nicht durchaus soldatischen obliegenheiten dieser truppengattung oft mit geringschätzendem unterton:

das ist der train, der train, der train.
den säbel trägt er nur zum schein,
der säbel ist ihm angelötet,
damit er keine kinder tötet soldat. spottvers nach 1900,

besonders deutlich in zusammensetzungen: trainbauer für trainsoldat Imme soldatenspr. 38; René Delcourt expressions d'argot all. (1917) 168; der einzige mensch, der mit selbstbewusztsein über die strasze geht, ist der soldat, vom general bis zum trainknecht Bismarck an general v. Gerlach 277; der jubel ... ist in allen reihen bis auf die trainsoldaten herunter v. Roon denkwürdigk. 2, 527; der geringste trainknecht hat seinen stolz O. Ludwig ges. schr. 4, 70; meine trainsoldaten waren alle kavalleristen, die nun mit schmerzlichem neide ihre jungen nachfolger sich im felde tummeln sahen, während sie als 'pontonfahrer' trainknechtdienste versahen Scheibert mit schwert u. feder 262; übertragen: seine formen blieben rauh und roh, sein wissen 'stückwerk', weshalb er sich selbst zum 'train- und fuhrwesen des gelehrten arméecorps' rechnete Holtei erz. schr. 14, 39; wohl durch 3 beeinfluszt: es war schon ein besonderer luxus, wenn der jurist, der theologe, der philologe sich noch mit lehrvorträgen auszer seinem 'fache' befaszte. die meisten blieben in der trainkolonne, die unmittelbar zum amte fuhr, und empfingen, was auf diesem wege ihnen als proviant zugemessen wurde Immermann w. 18, 148 Boxb.
5) durch frz. traîne und traînée 'morceaux de charogne ... pour attirer un loup' Littré 2, 2, 2300a ist beeinfluszt train jagen die hunde nach einem 'geschleppe' von wildfleisch d. i. nach einer an einer schnur geschleppten lockspeise jagen lassen: Schencke will nit trein jagen, aber ich habe es befohlen Friedrich Wilhelm I. an Leopold v. Anhalt 396 Krauske; 'trainjagen, trainieren besteht darin, dasz man auf dem geschleppe von hirschläufen die hunde als übung zur parforcejagd jagen läszt' Kehrein waidmannsprache 293.
 
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train, m., 'schleppkleid', eine in der mode des späten 18. jahrh. den rückentheil des weiblichen rockes bedeckende, in eine schleppe auslaufende stoffauflage meist aus kostbaren stoffen; aus engl. train schleppe (frz. traîne): das schleppkleid (train) ist von einem reichen lilaseidnen zeuge magazin der neuesten engl. u. deutsch. moden 1 (1793) 136; der train oder kleid von dunkelröthlichem atlas mit jungen weiszen fuchs aufgeschlagen ebda 442, vgl. dazu die abbildungen xiv u. xlvii.
 
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trainieren, vb., 'cunctari, moram ducere, ... rem differre' Apinus gloss. nov. 535; aus frz. traîner in ders. bed.; hierüber trainirte sich die sache von tage zu tage, und kam die stadt Magdeburg in euszerste noth und gefahr v. Chemnitz kgl. schwed. krieg (1648) 1, 146; der prozesz geht gut ..., aber — was auch immer mein gewissen dazu sagen mag — so trainir ich ihn gewisz so lang, als es möglich ist Schöpfel Thomas Imgarten (1777) 78; (ob sie) über das blosze trainiren ungeduldig, in die Schweiz (gegangen?) A. v. Droste-Hülshoff br. an Levin Schücking 125; heute auszer gebrauch.
 
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trainieren, vb., zur erreichung von sportlichen leistungen planmäszig üben; in der ersten hälfte des 19. jh. entlehnt aus engl. train in ders. bed.; anfangs stets deutlich trans., heute mit ellipse des objects (auch des refl.-pron.)

[Bd. 21, Sp. 1173]


meist absolut gebraucht. ursprünglich ein wort aus dem pferdesport: minister trainiert dich (das röszlein marotte) zum wettlauf A. Grün ges. w. 4, 18 Frankl.; die von Walther trainirten fohlen trugen regelmäszig den sieg davon Ebner-Eschenbach ges. schr. 2, 219; dann auch, und im 20. jh. in erster linie, vom menschen: mehrere gutachten sind der ansicht, dasz der preuszische soldat ... für die strapazen des krieges ... hinlänglich trainirt sei Wilhelm I. militär. schr. 2, 266; heute deuten worte wie durchtrainiert, guttrainiert, besonders in der triviallitteratur auf einen vollkommenheitsbegriff: elastisch in jeder bewegung, wie ein gut trainierter Viebig d. schlafende heer 1, 35; dazu, unverändert aus dem englischen übernommen, trainer, m., sportlehrer und training, n., arbeit des trainierens, das auch als compositionselement für eine grosze reihe sportlicher worte in gebrauch ist (trainingsanzug, -fahrt, -erfahrung, -spiel u. a.) und die älteren bildungen mit trainier- fast gänzlich verdrängt hat. auch übertragen auf geistige leistungen gedächtnistraining, willenstraining.