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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
szenar bis szische (Bd. 20, Sp. 1445 bis 1447)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) szenar, szenarium, m.; übersicht über den inhalt der szenen eines theaterstückes, auch der szenische entwurf eines solchen: alle hatten zu kommen und zu gehen, wie ich es ihnen ... aus meinem ... scenarium anbefahl Holtei erz. schr. 35, 77; nur die musterung der manuscriptberge ... kann eine rechte vorstellung davon geben, wie Ludwig ... den 'stämmen' und 'gelenken' szenar über szenar gewidmet (hat) E. Schmidt in: O. Ludwig ges. schr. 4, einl. 6; erweitert, für den gesamten szenischen aufbau: je lebendiger das szenarium, desto nötiger ist haltung in der ausführung, im dialog O. Ludwig ebda 5, 2.
 
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szene, f., s. DWB scene teil 8, sp. 1940f.; als nachtrag dazu die dort mangelnden belege der schreibung szene, die

[Bd. 20, Sp. 1446]


schon im letzten viertel des 18. jh. belegt ist, seit der mitte des 19. häufiger auftritt und in neuerer zeit allgemeine geltung erlangt. zu scene 1, bildlich etwas in szene setzen etwas künstlich und planvoll herbeiführen: das schweinepack von gegnern behauptet, wir hätten beim landvolk keinen anhang, unsere ganze geschichte wäre künstlich in szene gesetzt W. v. Polenz Grabenhäger (1897) 2, 101. zu scene 2: man hört in der szene musikanten ein stückchen blasen O. Ludwig ges. schr. 3, 11 E. Schmidt; übertragen: in majestätischer stille rückt das unermeszliche gewölbe (das himmelsgewölbe) so langsam fort, dasz wir die bewegung nicht eigentlich sehen, und doch schnell genug, um in einer nacht die malerischesten verwandlungen der szene hervorzubringen Fr. Th. v. Schubert verm. schr. (1823) 1, 8. zu scene 3: Fiesko ist ein anbeter der kunst, erhitzt sich gern an erhabenen szenen Schiller 3, 41 G.; sie sind mit den gemälden berühmter schauspieler und schauspielerinnen behangen, welche sämtlich in wichtigen szenen ihres spiels mit vielem ausdruck vorgestellt sind H. P. Sturz schr. (1779) 1, 8; auch bin ich ganz mit der eröffnung der szene und ihrer simplicität zufrieden (v. j. 1801) Caroline br. 2, 74 Waitz; die bezauberndste szene darin ist die, wo in einer grotte im tiefsten meeresgrund rothgekochte krebse einen tanz rückwärts ausführen fürst Pückler briefw. u. tageb. 4, 104; das bild im nächsten raume stellte Hamlet den Dänen dar, aber nicht nach einer szene des trauerspieles G. Keller ges. w. (1889) 2, 147; (die) hauptrolle ... der Hermione, von der ich vorläufig nur weisz, dasz ich eine ganze szene lang auf dem postamente stehe Fontane ges. w. I 5, 25. übertragen auf vorgänge in einer nicht dramatischen dichtung: szenen aus Geszners idyllen hielt er der bearbeitung würdiger Schubart leben u. gesinn. (1791) 1, 180; lesen sie die szene von dem bild, wie der könig die biene wegscheucht fürst Pückler briefw. u. tageb. 1, 162. zu scene 4 b: ich war zu weit von der szene entfernt, und in meiner besorgnis sah ich nichts als ihren unfall H. Beck d. herz behält s. rechte (1788) 12; es gibt eine aufklärung über gewisse szenen im menschlichen herzen, die sehr demüthigend für alles, was menschliche grösze heiszt, sein musz G. Forster s. schr. (1843) 7, 158; sind sie der meinung, dasz ich einer heftigen szene voller unliebsamkeiten und vielleicht voller beleidigungen entgegengehe, so verzichte ich von vorneherein auf den versuch, ihn (den onkel) zu meinem fürsprecher bei meinen eltern machen zu wollen Fontane ges. w. I 5, 65; derartige szenen (ehezwistigkeiten) hatten bei ihm immer diese wirkung H. v. Kahlenberg d. fam. Barchwitz (1902) 14.
 
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szenerie, scenerie, f., älter scenerei, s. teil 8, sp. 1941, aus frz. scénerie 'schauplatz der handlung einer szene' im theater; übertragen: die prachtvolle und erhabene scenerie des engen gebirgspasses Ritter erdkde (1822) 10, 411; er (Koreff) erzählt flieszend ... mit glücklicher szenerie und immer mit bester laune Varnhagen v. Ense tageb. (1861) 3, 126; (die vier freunde) fuhren an Mendon vorüber, dieser ganzen entzückenden szenerie der Seineufer, wo zwischen blütenbäumen, immergrünen rasen, in weiszen landhäusern selige, sorgenlose geschlechter zu wohnen scheinen H. v. Kahlenberg Eva Sehring (1901) 125.
 
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szenisch, adj., adv., s. scenisch teil 8, sp. 1941; dazu noch: dies ist aber nicht nur ein szenischer verlust, sondern ist der ruhepunkt des ganzen stückes H. Laube bei fürst Pückler briefw. u. tageb. 6, 103; der anstand, den wir bei einer szenischen darstellung gewahrt sehen wollen O. Ludwig ges. schr. 5, 336 E. Schmidt; (er) sei vor allem neugierig, wie fräulein Wanda gewisse szenische schwierigkeiten ... überwinden werde Fontane ges. w. I 5, 33.
 
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szepter, n., s. DWB scepter teil 8, sp. 1941ff., wo die junge schreibung szepter fehlt; zu scepter 1 a: den preuszischen adler ..., der allerdings auf den zolltafeln mit seinem szepter in der hand komisch aussieht fürst Pückler briefw. u. tageb. (1873) 6, 437; eine weinflasche als szepter O. Ludwig ges. schr. 2, 504 E. Schmidt. zu scepter 2: auf

[Bd. 20, Sp. 1447]


dem ihrem (der kirche) szepter unterstellten gebiete Fontane ges. w. I 4, 20. zu scepter 3: szepter für die dollen zum pullen Eichler v. bug z. heck (1938) 424. —
 
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szepterträger, m., s. DWB scepterträger teil 8, sp. 1944; dazu als nachtrag: drey seulen, daran der sceptertreger namen stehen J. Barth weiberspiegel (1565) h 8a.
 
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szische, genus fraglich; ein name des zeisigkrautes (sideritis scordioides L.) und verwandter arten: wenn man frauenflachs, szysche oder ruffkraut kochet und damit den patienten badet J. G. Schmidt rockenphilos. (1709) 1, 6; um Dreszden nehmen sie (als mittel gegen verzauberung) ein kraut, welche sie allda szische nennen, dessen eigendlicher name zeisigkraut, lateinisch sideritis, ist, und an andern orten, als in Thüringen, beruffkraut genennet

[Bd. 20, Sp. 1448]


wird ebda 10. zur erklärung s. teil 15, 520 s. v. zeisigkraut und 521 s. v. zeisgenkraut, zeischenkraut; doch liegt eher unmittelbare entlehnung aus dem slav. vor (s. Grassmann dt. pflanzenn. 180 u. zs. f. dt. phil. 5, 229), vgl. čech. čiž zeisig. formal ähnlich ziesz, ziest, auch schiesz, schieszt (s. oben teil 9, 30 u. Grassmann a. a. o. 180) für die ebenfalls zeisgenkraut, berufkraut, beschreikraut genannten pflanzen stachys recta L. und stachys annua L., vgl. Holl pflanzenn. 430a, Pritzel-Jessen 388 u. 387; als schistek, schistetz Elbtal bei Leitmeritz nach Marzell; tziest für stachys annua Barth. Zorn botanol. medica (1714) 639; auch bergschiest für sideritis scordioides Chr. Fr. Reusz diction. bot. (1781) 1, 328; Holl 36a.