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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sold bis soldatenalter (Bd. 16, Sp. 1433 bis 1439)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sold, m. geldentschädigung für geleisteten waffendienst, in der neuen deutschen heeressprache ersetzt durch löhnung (schon bei Adelung steht, dasz 'im gemeinen leben und vom solde gemeiner soldaten' löhnung üblicher sei; vgl. unter 1).
I. sold geht zurück auf solidus (ital. soldo, franz. sou), name eines geldstückes (des dicken im gegensatze zur blechmünze); so heiszt auch direct die löhnung des kriegers solidus, soldus, soldum; in gleicher bedeutung ital. soldo, span. sueldo, franz. solde (f.). Diez et. wb.4 298; im älteren engl. souldye (Skeat etym. dict. 572a); nld. sold, dän. schwed. sold (aus dem deutschen übernommen). mhd. solt hat seine bedeutung schon weit über die ursprünglichen grenzen hinaus erweitert, es bezeichnet allgemein entgelt für geleistete dienste, dann gabe, geschenk, beihülfe, merkwürdigerweise auch, was für den lohn zu leisten ist, schuldige pflicht (mhd. wb. 2, 2, 467a. Lexer 2, 1055. man nimmt an, dasz das wort mit sollen in begrifflichen zusammenhang gebracht ist). salarium, solt, solt der arbeit, solte. Diefenbach gloss. 508a; stipendium, solt, tsolt, sult. mnd. solt, n. Schiller-Lübben 4, 288a; sold, kriegsold, stipendium, aes militare. Dasypodius; der sold, gält, die kriegszleut ze bezalen verordnet. Maaler 376c;

[Bd. 16, Sp. 1434]


gelt auff der hand, lauffgeld, verpflichtung, sold. Henisch 1464, 1; sold, kriegslohn, la soulde. Hulsius dict. (1616) 299b; pensio, bezahlung, sold. Corvinus fons lat. (1660) 477b; salarium. stipendium militae vel servitii, sold, besoldung. 561a; sold, m. stipendium Schottel 1417; vgl. Stieler 2054. Kramer deutschital. dict. (1702) 2, 832a. Steinbach 2, 601. Frisch 2, 284b; in neuer sprache ist, was schon Adelung richtig bemerkt hat, sold im grunde wieder auf seine ursprüngliche bedeutung eingeschränkt, 'nur in der höhern schreibart wird sold noch zuweilen für besoldung und lohn überhaupt gebraucht.' es wird nicht verwandt, um entschädigung, lohn für nicht kriegerische dienste zu bezeichnen, während besoldung wenigstens für regelmäszige bezüge auch in diesem weiteren sinne im gebrauche ist.
eine form der älteren sprache, die später wieder aufgegeben wird, ist soldie, soldige, f., so im nd., vgl. Schiller-Lübben 4, 287b; nld. soldij, f. soldye vel loen, salarium Diefenbach 508a; tzoldey, stipendium 553a; ebenso hochd. soldîe Lexer mhd. handwb. nachtr. 367.
gleichbedeutend mit sold sind in älterer sprache soldiment, soldament (n. und f.) mhd. wb. 2, 2, 468b. Lexer mhd. handwb. 2, 1052; soldât (auch mit geschlechtswandel als m., lat. solidata, franz. soldée) mhd. wb. 2, 2, 468b. Lexer mhd. handwb. 2, 1051. Schmeller 2, 270.
der plural, jetzt ungebräuchlich, wird in älterer sprache umgelautet: wann man in 10 söld hette geben. d. städtechron. 23, 241, 23; nach Schöpf 679 wird der plural soldi, scholdi (mit ital. endung) für 'geld' gebraucht.
II.
1) geldbezug für kriegsdienste: stipendium solt des fechtens, der reise und des kriegs. Diefenb. 553b; umb sold dienen, militare. Dasypodius; den sold gäben, und die knächt bezalen. Maaler 376c; sich mit (an) seinem sold begnügen lassen. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 832a; einem etwas am sold abbrechen. ebenda; vor den sold bey den Schweden dienen. Steinbach 2, 601; gedoppelten sold bekommen. ebenda; truppen in sold nehmen. Adelung; in eines sold treten. Campe. letzterer meint, dasz mit sold der ganze jahresgehalt des gemeinen bezeichnet werde, mit löhnung der theil, der jedesmal zur auszahlung gelangt. im jetzigen heere bekommen die offiziere gehalt, die unteroffiziere und gemeinen löhnung.
das er seinem heer den sold gebe. Hes. 29, 19; lasset euch benügen an ewrem solde. Luc. 3, 14 (Wulfila hat hier anno, f., Tatian lîbnara, f.); er helt auch bei hunderttausent mann an seinem sold stets zurosz unnd fsz. Franck weltb. 204b; man verbindet sich unter einander durch wort und handschlag, keinem kommando zu gehorchen, bis der seit monaten und jahren noch rückständige sold entrichtet .... sey. Schiller 8, 317;

von rottem golt ir (der Lacedämonier) solt sol sein.
H. Sachs 23, 193, 19 Keller-Götze;

wie gemeinen solds soldaten.
Weckherlin ged. (1648) 354;

bald rufft das heer nach sold.
A. Gryphius (1698) 1, 17;

sein sold
musz dem soldaten werden, darnach heiszt er.
Schiller Picc. 2, 7;

der söldner dient für sold, und sold ist geld.
Grillparzer 8, 184.

vgl. oben siebensöld, plur., auf siebensöld hereintreten, groszspurig, wie einer der siebenfachen sold bekommt. auf halben sold, halbsold gesetzt werden. im bilde: der kurzlebige, auf den halben sold eines halben jahrhunderts gesetzte mensch. J. Paul dämmer. 12; unser jetzt auf den halben sold gesetzter luxus. friedenpr. 19.
2) im solde, im solde stehen kann ganz im sinne von 1 gebraucht werden: ein kapitän im venezianischen solde. in neuerer sprache aber auch von einem nicht militärischen dienstverhältnis, meist verächtlich, mit der andeutung, dasz die verlangten und geleisteten dienste nicht ehrenwerth sind und das dienstverhältnis auf geheimer abmachung beruht: er steht als spitzel im solde der deutschen polizei; wer leistet mir für die treue eines prinzen gewähr, dessen minister in österreichischem solde stehen. Schiller 8, 186;

denn das weisz ja die ganze welt,
dasz der Friedländer einen teufel
aus der hölle im solde hält. Wallensteins lager 6;

ohne jeden nebensinn: ich habe längst einen mahler im solde, der seine ganze kunst verschwendet, den sturz des Appius Klaudius fresco zu mahlen. Fiesko 1, 13; frei:

ich wollt ich wäre gold,
dir immer im sold.
Göthe 1, 34.

[Bd. 16, Sp. 1435]


im bilde:

wenn sie in deinen (der bescheidenheit) sold
mit siegeskränzen ziehn.
Bürger 84b;

(der frühling) hat viel dienerschaft im sold.
W. Müller ged. 1, 230 (1837).


die allgemeinere anwendung von sold im sinne von entgelt für dienste, lohn, gehalt, noch im älteren nhd. üblich, wird später für den gewöhnlichen ton der rede aufgegeben, nur als gewählter ausdruck angewandt; in älterer sprache auch freier, belohnung, gabe, gegengabe: salarium, solt der arbeit. Diefenbach 508a; dienersold Stieler 2054; welcher reiset jemals auff seinen eigen sold? 1 Cor. 9, 7; wer kan auff eygen kost und sold reysen? Luther 15, 298, 3 Weim. ausgabe; vgl.: der solt auff seyn (des königs) sold kummen. Franck weltb. 163a; (ich) habe andere gemeine beraubet, und sold von jnen genomen, das ich euch predigete. 2 Cor. 11, 8; sintemal kein sold furhanden ist, damit man prediger, pfarrer und anderer ämter enthalte. Luther briefe 2, 381; obs recht sey, das einer sold neme odder, wie sie es nennen, dienstgelt odder mangelt und lasse sich damit bestellen, das er sich verbindet dem fürsten zu dienen. werke 19, 653, 19 Weim. ausgabe; item anno 1478 adi 6 maczo hab ich mein solt von dem firtelmeisterampt eingenomen. Tucher haushalt. 174; sallarium solt tibi signat (bei den juristen). handschr. des 15. jahrh. in zeitschr. f. deutsche philol. 11, 323; des vorstner solt ist järlich zwelf schilling. steir. taidinge 305, 40; item wan der lantrichter lediger leüt, dienstpotten, tagwercher, haidstaller oder ander begert, ... und da er die nicht bekomben mag ... und der lantrichter iren solt, haab und guet bei demselben hauszwürt mit punt und fällen verbeut. 329, 2; vom lohn der bauerknechte und mägde in einer älteren quelle bei Schmeller 2, 270; dan so ich darzue gewidemt und erfodert und umb solchs wegen mit statlichem sold und belonung von E. F. G. mein leben lang versehen pin. Avent. bair. chron. 1, 6, 18; reiten nit zu hof dan wer dienst und sold hat. 43, 3; sein vater am sold bei obgenanten Julio dem ersten kaiser gelegen und desselbigen dolmetsch, kuchenmaister und secretarius gewesen. 3, 14;

doch was dat lôn vil klene solt.
G. von Minden 63, 16 Seelmann;

dat kunst si beter denne golt
unde geit boven alle riken solt. 70, 26;

nu nim silver unde golt
unde gif Theophilo duren solt,
unde heit ên jo hêrliken leven. Theophilus 791;

in höherem sinne 'wertvoller besitz':

hefstu silver unde golt,
so wil ik dy den dûrsten solt
den ik ye gewan verkopen:
myne sele, dei in der dopen
mit godes blode is gereinet. 591;

aus dem theuren golde,
desz mancher mehr verthut, als er sein hat zu solde.
Fleming ged. 92 (1666);

ein beutel, schwer von Genueser gold,
(des künft'gen dienst's voraus bezahlter sold).
Wieland 21, 231 (Klelia und Sinibald 3, 325);

und, um dem guten volk das freundliche mahl zu lohnen,
wirft Hüon eine hand voll gold
der wirthin in den schosz. allein die glücklichen wuszten
nicht was es war, und übten das gastrecht ohne sold. 22, 62 (Oberon 2, 9);

und müszt' ich sie mit gold
aufwiegen, groszer mann, ich nehme sie in sold.
Gotter 1, 201 (1787).

man spricht von einem ehren-, dichtersold und kann damit eine entschädigung oder belohnung von geldeswert bezeichnen.
oft aber wird sold in höherem sinne für entgelt, lohn gebraucht und zwar in guter oder schlimmer bedeutung. geistlich:

da dan der gut, der bösz, der falsch und der getrew,
was werck er auch begangen,
wirt dafür seinen sold und rechten lohn empfangen.
Weckherlin ged. (1648) 219;

wen will doch deine güttigkeit
mit sold in deinem zelt belohnen? 50;

er hält ein recht gerichte
für seinen thron,
gibt sold und lohn
mit völligem gewichte.
P. Gerhardt 224 Gödeke.

in schlimmem sinne: der tod ist der sünden sold. Röm. 6, 23. weltlich, an den feind gerichtet:

heran, du prahler, und hole den sold,
wir wollen die münze nicht fälschen.
Arndt ged. (1840) 445.

im liebesdienste, sowol im weiteren sinne wie im engern, in letzterem falle die höchste liebesgunst bezeichnend, vgl. oben DWB minnesold, th. 6, sp. 2245:

[Bd. 16, Sp. 1436]


daʒ si wol gæben minnen solt,
swerʒ dâ mit dienste het erholt. Parz. 232, 13;

ein mensch, der doch kein engel ist,
kann traun! um kleinern sold nicht minnen.
Wieland 9, 226 (Sixt und Klärchen 1);

ihr erschien
beym ersten anblick Geron als der mann
aus allen männern, dem ein edles weib
den sold der minne nicht versagen könnte. 18, 35 (Geron der adeliche);

viel thaten hatt' er ihr zu lieb' gethan,
und manchen süszen kusz und manche glühende
umhalsung in geheim zum sold empfangen. 20;

ich werb' um liebe bei Selinden.
mich kann allein ihr süszer sold
an allgetreue dienste binden.
Bürger 18a;

der sänger singt von der minne sold.
Schiller 11, 383:

anders gewendet, äuszerer entgelt für die liebe, dank, zeichen der liebe:

kein silber und gold
ist meiner lieb ein sold. wunderh. 1, 115 Boxberger;

diesz spänglein zart von reinem gold
ist seiner liebe pfand und sold.
Kind ged. 1, 8 (1817).


 
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soldabzug, m.: andere habe blosz der soldabzug betrübt. Brentano ges. schriften 9, 245.
 
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soldament, s. DWB sold I gegen ende.
 
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soldan, m., s. DWB sultan.
 
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soldanell, f.: der meerkl, oder soldanell, brassica marina, soldana, soldanella. Lonicerus kräuterb. (1577) 221 B. bei Tabernaemontanus (1664) die meerwinde, soldanella. 1265 D; gemeint ist convolvulus soldanella L.
 
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soldat, m. ursprünglich der sold empfangende, geworbne krieger im gegensatze zu dem, der nach land- oder lehnrecht zum waffendienste verpflichtet ist, nach ital. soldato, franz. soldat; das wort ist in dem eigentlichen mhd. noch ungebräuchlich, an seiner stelle werden andre bildungen verwandt, vgl. DWB söldner; soldât kommt aber im sinne von sold vor. mnd. soldât Schiller-Lübben 4, 287c; nld. soldaat, dän. und schwed. soldat. im engl. aber soldier, vgl. DWB söldner; soldat, kriegsmann. Hulsius dict. (1616) 299b; soldat zu fusz, zu land, zu wasser. ebenda; soldat, miles, der sold hat. Schottel 1417; Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 832a meint, das wort sei durch die spanischen und ital. söldner am ende des 16. jahrh. über Flandern nach Deutschland gekommen; dem liegt eine richtige beobachtung zu grunde, soldat wird zunächst auf die gemeinen bezogen, diese werden aber im 16. jahrh. noch als knechte (infanterie) und reisige (kavallerie) bezeichnet:

vorzeiten warn die soldner werth,
die wurden in landtsknecht verkehrt,
denen bleib lang die meinste stimm.
ietzund gilt solcher nam auch nim,
dann soldat kompt und ihn verdringt,
und was sonst nach dem welschen klingt.
Kirchhof wendunm. 3, s. 108 Österley.

bei Schütze (beschr. d. lande Preuszen 1599) steht im register soldaten, im text s. 238 soldener; Campe bezeichnet soldat als ein 'niedriges, aber deswegen noch nicht verwerfliches' wort und fürchtet im ergänzungswb., dasz soldat nicht werde aus der sprache ausgetilgt werden können. soldat flectiert schwach; genitiv des soldaten; starker genitiv:

der pumpernickel des soldats
wird mandelkuchen.
Heine 1, 313 Elster;

plur. soldaten; derb, lustig soldatens: soldatens spielen. J. Paul Siebenk. 2, 130; Steinbach 2, 601 hat den nom. der soldate, eine mundartliche form saldat (alem.) ist in der zeitschr. f. d. philol. 18, 472 belegt.
1) die bedeutungsgeschichte des wortes schlieszt sich der entwickelung der heereseinrichtungen an, was hier im einzelnen nicht verfolgt werden kann. in der zeit der allgemeinen wehrpflicht wird das wort weitergeführt, und die besondere beziehung zu sold entschwindet dem sprachgefühl; alles gehässige und verächtliche, was sich früher wol mit soldat verband, wird auf das wort söldner abgewälzt. in der neuen heeressprache bezeichnet soldat einmal jeden angehörigen des heeres (im gegensatz zum 'civilisten'), dann die gemeinen im gegensatz zu offizieren und unteroffizieren; ferner dient es als berufsbezeichnung für die offiziere und unteroffiziere, insofern sie über das staatsbürgerliche masz hinaus dienste thun. im dienstverkehr werden die gemeinen nicht als soldaten, sondern nach ihrer waffe bezeichnet (kanonier, musketier, dragoner N.; aber in zusammensetzung: trainsoldat N.)
(soldaten werden) angenommen (geworben), bewehret und auffm musterplatz gemustert. Comenius sprachenthür übers.

[Bd. 16, Sp. 1437]


von Docemius 695; beurlaubet (abgedanket). 723; barritus, das geschrey und zusprechen der soldaten, wenn sie in gestelter schlachtordnung einander zusprechen, und zur tapfferkeit ermahnen. Corvinus fons lat. (1660) 87b; versuchter soldat, veteranus; ausgedienter, freywilliger soldat; stadtsoldat, praesidiarius; schiffsoldat. Stieler 2055; soldaten exerciren, trillare soldati; einlegen, in die quartier legen, einquartieren; in rotten, glieder, compagnien, regimenter, bataillons, esquadrons austheilen; garnison-, besatzungsoldat (im gegensatz zum feldsoldaten); gemeiner soldat; ausgemusterter soldat. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 832b; fluchen, schweren wie ein soldat. ebenda; ein soldate werden; grentzsoldate. Steinbach 2, 602; ein ausgehärteter soldat; soldaten auf den beinen haben. Apin gloss. (1728) 499; stadt-soldaten, die eine stadt, als eine reichs-stadt zum reich giebt, als ihr contingent. Frisch 2, 285b; im engern verstande werden die gemeinen zu fusze zum unterscheide der reuter und dragoner, soldaten genennet. Eggers kriegsl. 2, 920; ein gemeiner soldat, welcher oft nur soldat schlechthin genannt wird. Adelung; unter die soldaten gehen, einen unter die soldaten stecken. Campe; soldaten einziehen, vereidigen u. s. w.; die nicht seemännisch, nur für den waffendienst ausgebildete besatzung auf kriegsschiffen nennt man seesoldaten. Bobrik naut. wb. 625b; einen artilleristen scherzhaft kanonensoldat. Schütze 4, 155; ebenda sladod, scherzhafte verdrehung von soldat; berufssoldat im gegensatze zu dem, der nur seiner heerespflicht genügt.
erstlich hat sich einer ausz den soldaten so voll gesoffen im gebränten wein, dasz ihm derselb das hertz hat abgestoszen. Kirchhof wendunmut 2, 439 Österley; und wie ich anderwert gesagt, dasz soldthaten heutigs tags für den sold gar wenig thaten thun, ist ursach, weil sie eben gar wenig sold für jhre thaten bekommen. Philander 2, 543; wie leicht könten die gemeinen soldaten einen neuen gefährlichen auffruhr oder lärmen in Teutschland anrichten. Rist friedej. Teutschland (1653) 108; dahero muesz es (das dorf) ... so wol kaiserlich als lantfürstlich soldaten rasttag, nachtlöger, einkehrens und durchzigen vill ungemach erleiden. tir. weisth. 1, 71, 20; kais. völker und soldaten. 80, 39; zigeiner, vaganten oder ausgerissne soldaten. 46, 3; arme oder andere vagirende leit, soldaten oder herrnloses gesindl. 92, 35; durchstreichenden soldaten. 4, 1, 269, 21; auch solle mit einquartierung der soldaten ein gleichheit und moderation gebraucht werden. steir. taid. 528, 37; ein soldat verkaufft sein leben umb geld; gib ihnen viel kopfstücke, so gibt er dir seinen kopf wiedrumb. ein tapfferer soldat, wenn er wohl auszgefuttert ist, greifft den feind hurtig an, wann er aber mit leerem bauch fechten soll, wird er sich hurtig mit der flucht wehren. Olearius pers. rosenth. 1, 17; gleich wie die soldaten, so im felde tapffere leute; im quartier aber stänker, mauser und böse früchte seyn. Butschky Pathmos 532; es ist ein gewisser soldat gewest, der eines lustigen kopffs ware, diser tragte immerzu einen rothen hut. Abraham a S. Clara Judas 2, 361 (1690); der erste soldat ist der ertz-engel Michael gewest. etwas für alle (1699) 52; man findt zuweilen einen soldaten, der den bloszen nahmen führet; im übrigen ligt er die meiste zeit zu Wien beym haasen-wirth im quartier, und musz ihn der nechste flecksieder mit hertz versehen, wenigist umb 3. kreutzer. ein mancher prangt mehrer mit der plumschi, als mit der courage: ein mancher verstehet sich besser auf die pastetten, als auf die pasteyen: ein mancher tracht mehrer nach der parocken, als nach den paraquen: ein mancher befleist sich mehrer auf das haar-pulver, als auf das schiesz-pulver; ein mancher steckt öffter in der schlaff-hauben, als beckel-hauben; ein mancher hört lieber die fletten und flautten, als er sicht die flinten; ein mancher liebt mehrer die Sabindel, als den säbel. 56; man kans zwar nit laugnen, dasz bey den soldaten die heiligkeit zimblich schitter wachse, und finde man mehrer federbusch als schein auff den chaszkett und peckelhauben. reimb dich 97 (1693). (von einem soldaten wird gefordert) dasz er drey stuck an sich habe, etwas von dem garten, etwas von der karten, etwas von der schwarten. von der schwarten disz, dasz er bey infallender noth könne hunger auszstehen, dasz ihm die schwarten krachen. von den karten musz er haben hertzbub, von dem garten musz er haben das blümel ritterspohren, wo diese drey ding seynd beysammen, verdient man erst eines soldaten nahmen. 96; mit der tapferkeit des soldaten verband er den kalten und ruhigen blick des feldherrn. Schiller 8, 380; ihren soldaten, statt ehrenvollen

[Bd. 16, Sp. 1438]


soldes, ein bettelhaftes almosen kümmerlich zu spenden. Göthe 43, 398;

ein schön soldat hinderm glasthurm.
was hastu bey nacht für ein sturm.
Sommer Cornel. releg. F 7b;

frisch auff, jhr dapfere soldaten,
ihr, die jhr noch mit teutschem blut,
ihr, die jhr noch mit frischem muht,
belebet, suchet grosze thaten.
Weckherlin ged. (1648) 522;

der soldat ist nicht gut
der nicht fest trawt auf gott
der nicht mannfest in noth
und singt das re sol ut.
Philander 2, 714;

dein (des kriegsgottes) volck auch die soldaten
verträget mit gedult ausz lust zu guten thaten
des sommers heiszen schein, des kalten winters noth,
schöpfft wasser mit der hand, iszt liebes schwartzes brodt,
drückt in der nacht das land, geht nackend und zerrissen,
trägt eysen in der faust, und bastschue an den füssen,
ist bauch und seckelleer.
Opitz 1, 108 (1690);

ein theil, der sich soldaten nennt,
versammlet sich in weiten auen,
mit langen messern in der hand,
womit sie sich, von wut entbrannt,
bey tausenden zerhauen.
Gellert 3, 123 (1775);

ich bin ein preuszischer soldat,
der in der schlacht bei Kunersdorf
das bein verlor.
Hölty 38 Halm;

mein seel! ich werde kein soldat,
und wandre lieber hinterm pflug. 39;

sein sold
musz dem soldaten werden, darnach heiszt er.
Schiller Picc. 2, 7;

der saus und braus
macht denn der den soldaten aus? Wall. lager 6;

der dem tod in's angesicht schauen kann,
der soldat allein, ist der freye mann. 11;

ich gehe durch den todesschlaf
zu gott als ein soldat und brav.
Göthe 12, 198;

krieger nicht, soldaten kaum,
banditen, gauner, feige mörder sind's.
Baggesen poet. werke 2, 44 (1836);

das ist dem könig seine gröszte freud,
soldaten und die bauersleut.
der soldat der streit für's vaterland,
der bauersmann schafft uns brod ins land.
Leoprechting aus dem Lechrain 263;

ein guter soldat hinder dem ofen, ferox extra periculum. Dentzler 2, 266a; ein junger soldat, ein alter bettler, Martis praemium paupertas. ebenda; de hunger drift 't d'r henin, sä' de soldât, do êt hê spek up sîn botterbrôd; 't is 'n slump, dat'n soldât in d'hemmel kumd. ten Doornkaat Koolman 3, 255b; vgl. zum letzten: damitt wirdt er eher in den himmel kommen alsz mitt betten. wo soldatten ordinari hinkommen, geht es nicht woll her. Elis. Charl. v. Orl. briefe s. 64 Holland (Tüb. 1871), nr. 399;

sobald ein soldat wird geboren,
seyn ihm drey bauren auserkohren,
der erste, der ihn ernährt,
der ander, der ihm ein schönes weib beschert,
und der dritt, der vor ihn zur höllen fährt. Simpl. 3, 220, 1 Kurz;

nach dem bekannten alten sprüchwort ...:

wo die soldaten sieden und braten,
und pfaffen zu weltlichen dingen rathen
und weiber führen das regiment,
da nimmts gar selten ein gutes end. 1, 48 Keller;

vom tollen soldaten gebissen, übereifrig im dienst. Horn soldatenspr. 76.
im bilde und übertragen: ich hatte eine so hübsche anrede einstudirt, als nur eine sein kann; — als er aber seine groszen hellen augen auf uns herabsenkte, waren meine worte schlechte soldaten, sie wollten nicht marschiren. J. Mosen 7, 303 (1863); ich bin gottes soldat, und wo er mich hinschickt, da musz ich gehen. Bismarck briefe an seine braut, nr. 172.
soldaten spielen wird zunächst vom kinderspiel gesagt, wenn sie selbst die soldaten vorstellen. Campe; mit soldaten (zinn-, bleisoldaten) spielen, wenn sie sich nachgemachter figuren bedienen. dann aber braucht man soldaten spielen spöttisch von fürsten, die ihre truppen nur zum schauspiel, nicht für den ernstfall halten und ausbilden; besonders soldatenspielerei wird so verwandt; vgl. J. Paul Siebenk. 2, 130 ff.
2) soldat wird in neuer sprache oft als allgemeine berufsbezeichnung gebraucht, wenn es sich um offiziere handelt: er wird soldat, im gegensatz zum juristen, theologen, philologen u. s. w.
in bezug auf militärische eigenschaften auch vom höhergestellten: der könig, der fürst ist ein guter soldat. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 832c; ein ansehnlicher soldat ware Judas Machabaeus

[Bd. 16, Sp. 1439]


bey den Hebräern, ein tapfferer soldat ware Pausanias bey den Lacedemoniern, ein unüberwindlicher soldat war Cyrus bey den Persiern u. s. w. Abraham a S. Clara reimb dich 97 (1693).
3) besonderes:
a) vom bauern im schachspiel: man siehet immerdar beym schachspiel, dasz ein soldat in einem augenblick könig wird. Olearius baumgarten 2, 9. vgl. soldätchen.
b) soldaten heiszen im kindermund die blütenkolben von plantago (major?). Frischbier 2, 343b.
c) blaue soldaten (salvia pratensis) Pritzel-Jessen.
d) turbo pica, eine meerschnecke, nld. soldaat; ebenso als name des bernhardskrebses (cancer bernhardus) Nemnich.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
soldat, im mhd. im sinne von sold, s. mhd. wb. 2, 2, 468. Lexer mhd. handwb. 2, 1051.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
soldätchen, n.:

ein soldätchen, das im frieden mit dem langen säbel klirrt,
gleicht der windmühl', deren flügel ohne korn im steine schwirrt.
W. Müller ged. 2, 403 (1837).

als übersetzung von lat. latrunculus für die steine des römischen bretspiels (ludus latrunculorum): es wurde auf einer art von damenbret, welches Seneca tabula latruncularia heiszt, mit steinen (calculi) gespielt, welche latrunculi oder soldätchen genannt wurden. Wieland 24, 138.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
soldäteln, verb. 'nach soldatensitte riechen'. Stalder 2, 376; soldatela, soldatisch sein. Tobler 424b.
 
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soldatenabschied, m., überschrift eines gedichtes bei Fr. Müller 2, 339 (heute scheid' ich, heute wandr' ich).
 
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soldatenalter, n.: sobald nun die sechs söhne ..., in das soldatenalter traten, liesz vater Piepmeyer alle sechs an einem und demselben tage in die kurfürstliche zopf- und stiefeletten-garde eintreten. Immermann Münchh. 1, 18 (1841).