| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
sold bis soldatenalter (Bd. 16, Sp. 1433 bis 1439) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| I. sold geht zurück auf solidus (ital. soldo, franz. sou), name eines geldstückes (des dicken im gegensatze zur blechmünze); so heiszt auch direct die löhnung des kriegers solidus, soldus, soldum; in gleicher bedeutung ital. soldo, span. sueldo, franz. solde (f.). Diez et. wb.4 298; im älteren engl. souldye ( etym. dict. 572a); nld. sold, dän. schwed. sold (aus dem deutschen übernommen). mhd. solt hat seine bedeutung schon weit über die ursprünglichen grenzen hinaus erweitert, es bezeichnet allgemein entgelt für geleistete dienste, dann gabe, geschenk, beihülfe, merkwürdigerweise auch, was für den lohn zu leisten ist, schuldige pflicht (mhd. wb. 2, 2, 467a. 2, 1055. man nimmt an, dasz das wort mit sollen in begrifflichen zusammenhang gebracht ist). salarium, solt, solt der arbeit, solte. gloss. 508a; stipendium, solt, tsolt, sult. mnd. solt, n. 4, 288a; sold, kriegsold, stipendium, aes militare. Dasypodius; der sold, gält, die kriegszleut ze bezalen verordnet. 376c; [Bd. 16, Sp. 1434] gelt auff der hand, lauffgeld, verpflichtung, sold. 1464, 1; sold, kriegslohn, la soulde. dict. (1616) 299b; pensio, bezahlung, sold. fons lat. (1660) 477b; salarium. stipendium militae vel servitii, sold, besoldung. 561a; sold, m. stipendium 1417; vgl. 2054. deutschital. dict. (1702) 2, 832a. 2, 601. 2, 284b; in neuer sprache ist, was schon Adelung richtig bemerkt hat, sold im grunde wieder auf seine ursprüngliche bedeutung eingeschränkt, 'nur in der höhern schreibart wird sold noch zuweilen für besoldung und lohn überhaupt gebraucht.' es wird nicht verwandt, um entschädigung, lohn für nicht kriegerische dienste zu bezeichnen, während besoldung wenigstens für regelmäszige bezüge auch in diesem weiteren sinne im gebrauche ist. eine form der älteren sprache, die später wieder aufgegeben wird, ist soldie, soldige, f., so im nd., vgl. 4, 287b; nld. soldij, f. soldye vel loen, salarium 508a; tzoldey, stipendium 553a; ebenso hochd. soldîe mhd. handwb. nachtr. 367. gleichbedeutend mit sold sind in älterer sprache soldiment, soldament (n. und f.) mhd. wb. 2, 2, 468b. mhd. handwb. 2, 1052; soldât (auch mit geschlechtswandel als m., lat. solidata, franz. soldée) mhd. wb. 2, 2, 468b. mhd. handwb. 2, 1051. 2, 270. der plural, jetzt ungebräuchlich, wird in älterer sprache umgelautet: wann man in 10 söld hette geben. d. städtechron. 23, 241, 23; nach 679 wird der plural soldi, scholdi (mit ital. endung) für 'geld' gebraucht. II. 1) geldbezug für kriegsdienste: stipendium solt des fechtens, der reise und des kriegs. 553b; umb sold dienen, militare. Dasypodius; den sold gäben, und die knächt bezalen. 376c; sich mit (an) seinem sold begnügen lassen. deutsch-ital. dict. (1702) 2, 832a; einem etwas am sold abbrechen. ebenda; vor den sold bey den Schweden dienen. 2, 601; gedoppelten sold bekommen. ebenda; truppen in sold nehmen. Adelung; in eines sold treten. Campe. letzterer meint, dasz mit sold der ganze jahresgehalt des gemeinen bezeichnet werde, mit löhnung der theil, der jedesmal zur auszahlung gelangt. im jetzigen heere bekommen die offiziere gehalt, die unteroffiziere und gemeinen löhnung. das er seinem heer den sold gebe. Hes. 29, 19; lasset euch benügen an ewrem solde. Luc. 3, 14 (Wulfila hat hier anno, f., Tatian lîbnara, f.); er helt auch bei hunderttausent mann an seinem sold stets zurosz unnd fsz. weltb. 204b; man verbindet sich unter einander durch wort und handschlag, keinem kommando zu gehorchen, bis der seit monaten und jahren noch rückständige sold entrichtet .... sey. 8, 317; von rottem golt ir (der Lacedämonier) solt sol sein. wie gemeinen solds soldaten. bald rufft das heer nach sold. sein sold der söldner dient für sold, und sold ist geld. 2) im solde, im solde stehen kann ganz im sinne von 1 gebraucht werden: ein kapitän im venezianischen solde. in neuerer sprache aber auch von einem nicht militärischen dienstverhältnis, meist verächtlich, mit der andeutung, dasz die verlangten und geleisteten dienste nicht ehrenwerth sind und das dienstverhältnis auf geheimer abmachung beruht: er steht als spitzel im solde der deutschen polizei; wer leistet mir für die treue eines prinzen gewähr, dessen minister in österreichischem solde stehen. 8, 186; denn das weisz ja die ganze welt, ich wollt ich wäre gold, [Bd. 16, Sp. 1435] im bilde: wenn sie in deinen (der bescheidenheit) sold (der frühling) hat viel dienerschaft im sold. die allgemeinere anwendung von sold im sinne von entgelt für dienste, lohn, gehalt, noch im älteren nhd. üblich, wird später für den gewöhnlichen ton der rede aufgegeben, nur als gewählter ausdruck angewandt; in älterer sprache auch freier, belohnung, gabe, gegengabe: salarium, solt der arbeit. 508a; dienersold 2054; welcher reiset jemals auff seinen eigen sold? 1 Cor. 9, 7; wer kan auff eygen kost und sold reysen? 15, 298, 3 Weim. ausgabe; vgl.: der solt auff seyn (des königs) sold kummen. weltb. 163a; (ich) habe andere gemeine beraubet, und sold von jnen genomen, das ich euch predigete. 2 Cor. 11, 8; sintemal kein sold furhanden ist, damit man prediger, pfarrer und anderer ämter enthalte. briefe 2, 381; obs recht sey, das einer sold neme odder, wie sie es nennen, dienstgelt odder mangelt und lasse sich damit bestellen, das er sich verbindet dem fürsten zu dienen. werke 19, 653, 19 Weim. ausgabe; item anno 1478 adi 6 maczo hab ich mein solt von dem firtelmeisterampt eingenomen. haushalt. 174; sallarium solt tibi signat (bei den juristen). handschr. des 15. jahrh. in zeitschr. f. deutsche philol. 11, 323; des vorstner solt ist järlich zwelf schilling. steir. taidinge 305, 40; item wan der lantrichter lediger leüt, dienstpotten, tagwercher, haidstaller oder ander begert, ... und da er die nicht bekomben mag ... und der lantrichter iren solt, haab und guet bei demselben hauszwürt mit punt und fällen verbeut. 329, 2; vom lohn der bauerknechte und mägde in einer älteren quelle bei 2, 270; dan so ich darzue gewidemt und erfodert und umb solchs wegen mit statlichem sold und belonung von E. F. G. mein leben lang versehen pin. bair. chron. 1, 6, 18; reiten nit zu hof dan wer dienst und sold hat. 43, 3; sein vater am sold bei obgenanten Julio dem ersten kaiser gelegen und desselbigen dolmetsch, kuchenmaister und secretarius gewesen. 3, 14; doch was dat lôn vil klene solt. dat kunst si beter denne golt nu nim silver unde golt hefstu silver unde golt, aus dem theuren golde, ein beutel, schwer von Genueser gold, und, um dem guten volk das freundliche mahl zu lohnen, und müszt' ich sie mit gold oft aber wird sold in höherem sinne für entgelt, lohn gebraucht und zwar in guter oder schlimmer bedeutung. geistlich: da dan der gut, der bösz, der falsch und der getrew, wen will doch deine güttigkeit er hält ein recht gerichte heran, du prahler, und hole den sold, [Bd. 16, Sp. 1436] daʒ si wol gæben minnen solt, ein mensch, der doch kein engel ist, ihr erschien viel thaten hatt' er ihr zu lieb' gethan, ich werb' um liebe bei Selinden. der sänger singt von der minne sold. kein silber und gold diesz spänglein zart von reinem gold vorzeiten warn die soldner werth, der pumpernickel des soldats 1) die bedeutungsgeschichte des wortes schlieszt sich der entwickelung der heereseinrichtungen an, was hier im einzelnen nicht verfolgt werden kann. in der zeit der allgemeinen wehrpflicht wird das wort weitergeführt, und die besondere beziehung zu sold entschwindet dem sprachgefühl; alles gehässige und verächtliche, was sich früher wol mit soldat verband, wird auf das wort söldner abgewälzt. in der neuen heeressprache bezeichnet soldat einmal jeden angehörigen des heeres (im gegensatz zum 'civilisten'), dann die gemeinen im gegensatz zu offizieren und unteroffizieren; ferner dient es als berufsbezeichnung für die offiziere und unteroffiziere, insofern sie über das staatsbürgerliche masz hinaus dienste thun. im dienstverkehr werden die gemeinen nicht als soldaten, sondern nach ihrer waffe bezeichnet (kanonier, musketier, dragoner N.; aber in zusammensetzung: trainsoldat N.) (soldaten werden) angenommen (geworben), bewehret und auffm musterplatz gemustert. Comenius sprachenthür übers. [Bd. 16, Sp. 1437] von Docemius 695; beurlaubet (abgedanket). 723; barritus, das geschrey und zusprechen der soldaten, wenn sie in gestelter schlachtordnung einander zusprechen, und zur tapfferkeit ermahnen. fons lat. (1660) 87b; versuchter soldat, veteranus; ausgedienter, freywilliger soldat; stadtsoldat, praesidiarius; schiffsoldat. 2055; soldaten exerciren, trillare soldati; einlegen, in die quartier legen, einquartieren; in rotten, glieder, compagnien, regimenter, bataillons, esquadrons austheilen; garnison-, besatzungsoldat (im gegensatz zum feldsoldaten); gemeiner soldat; ausgemusterter soldat. deutsch-ital. dict. (1702) 2, 832b; fluchen, schweren wie ein soldat. ebenda; ein soldate werden; grentzsoldate. 2, 602; ein ausgehärteter soldat; soldaten auf den beinen haben. gloss. (1728) 499; stadt-soldaten, die eine stadt, als eine reichs-stadt zum reich giebt, als ihr contingent. 2, 285b; im engern verstande werden die gemeinen zu fusze zum unterscheide der reuter und dragoner, soldaten genennet. kriegsl. 2, 920; ein gemeiner soldat, welcher oft nur soldat schlechthin genannt wird. Adelung; unter die soldaten gehen, einen unter die soldaten stecken. Campe; soldaten einziehen, vereidigen u. s. w.; die nicht seemännisch, nur für den waffendienst ausgebildete besatzung auf kriegsschiffen nennt man seesoldaten. naut. wb. 625b; einen artilleristen scherzhaft kanonensoldat. 4, 155; ebenda sladod, scherzhafte verdrehung von soldat; berufssoldat im gegensatze zu dem, der nur seiner heerespflicht genügt. erstlich hat sich einer ausz den soldaten so voll gesoffen im gebränten wein, dasz ihm derselb das hertz hat abgestoszen. wendunmut 2, 439 Österley; und wie ich anderwert gesagt, dasz soldthaten heutigs tags für den sold gar wenig thaten thun, ist ursach, weil sie eben gar wenig sold für jhre thaten bekommen. 2, 543; wie leicht könten die gemeinen soldaten einen neuen gefährlichen auffruhr oder lärmen in Teutschland anrichten. friedej. Teutschland (1653) 108; dahero muesz es (das dorf) ... so wol kaiserlich als lantfürstlich soldaten rasttag, nachtlöger, einkehrens und durchzigen vill ungemach erleiden. tir. weisth. 1, 71, 20; kais. völker und soldaten. 80, 39; zigeiner, vaganten oder ausgerissne soldaten. 46, 3; arme oder andere vagirende leit, soldaten oder herrnloses gesindl. 92, 35; durchstreichenden soldaten. 4, 1, 269, 21; auch solle mit einquartierung der soldaten ein gleichheit und moderation gebraucht werden. steir. taid. 528, 37; ein soldat verkaufft sein leben umb geld; gib ihnen viel kopfstücke, so gibt er dir seinen kopf wiedrumb. ein tapfferer soldat, wenn er wohl auszgefuttert ist, greifft den feind hurtig an, wann er aber mit leerem bauch fechten soll, wird er sich hurtig mit der flucht wehren. pers. rosenth. 1, 17; gleich wie die soldaten, so im felde tapffere leute; im quartier aber stänker, mauser und böse früchte seyn. Pathmos 532; es ist ein gewisser soldat gewest, der eines lustigen kopffs ware, diser tragte immerzu einen rothen hut. Judas 2, 361 (1690); der erste soldat ist der ertz-engel Michael gewest. etwas für alle (1699) 52; man findt zuweilen einen soldaten, der den bloszen nahmen führet; im übrigen ligt er die meiste zeit zu Wien beym haasen-wirth im quartier, und musz ihn der nechste flecksieder mit hertz versehen, wenigist umb 3. kreutzer. ein mancher prangt mehrer mit der plumschi, als mit der courage: ein mancher verstehet sich besser auf die pastetten, als auf die pasteyen: ein mancher tracht mehrer nach der parocken, als nach den paraquen: ein mancher befleist sich mehrer auf das haar-pulver, als auf das schiesz-pulver; ein mancher steckt öffter in der schlaff-hauben, als beckel-hauben; ein mancher hört lieber die fletten und flautten, als er sicht die flinten; ein mancher liebt mehrer die Sabindel, als den säbel. 56; man kans zwar nit laugnen, dasz bey den soldaten die heiligkeit zimblich schitter wachse, und finde man mehrer federbusch als schein auff den chaszkett und peckelhauben. reimb dich 97 (1693). (von einem soldaten wird gefordert) dasz er drey stuck an sich habe, etwas von dem garten, etwas von der karten, etwas von der schwarten. von der schwarten disz, dasz er bey infallender noth könne hunger auszstehen, dasz ihm die schwarten krachen. von den karten musz er haben hertzbub, von dem garten musz er haben das blümel ritterspohren, wo diese drey ding seynd beysammen, verdient man erst eines soldaten nahmen. 96; mit der tapferkeit des soldaten verband er den kalten und ruhigen blick des feldherrn. 8, 380; ihren soldaten, statt ehrenvollen [Bd. 16, Sp. 1438] soldes, ein bettelhaftes almosen kümmerlich zu spenden. 43, 398; ein schön soldat hinderm glasthurm. frisch auff, jhr dapfere soldaten, der soldat ist nicht gut dein (des kriegsgottes) volck auch die soldaten ein theil, der sich soldaten nennt, ich bin ein preuszischer soldat, mein seel! ich werde kein soldat, sein sold der saus und braus der dem tod in's angesicht schauen kann, ich gehe durch den todesschlaf krieger nicht, soldaten kaum, das ist dem könig seine gröszte freud, sobald ein soldat wird geboren, wo die soldaten sieden und braten, im bilde und übertragen: ich hatte eine so hübsche anrede einstudirt, als nur eine sein kann; — als er aber seine groszen hellen augen auf uns herabsenkte, waren meine worte schlechte soldaten, sie wollten nicht marschiren. 7, 303 (1863); ich bin gottes soldat, und wo er mich hinschickt, da musz ich gehen. briefe an seine braut, nr. 172. soldaten spielen wird zunächst vom kinderspiel gesagt, wenn sie selbst die soldaten vorstellen. Campe; mit soldaten (zinn-, bleisoldaten) spielen, wenn sie sich nachgemachter figuren bedienen. dann aber braucht man soldaten spielen spöttisch von fürsten, die ihre truppen nur zum schauspiel, nicht für den ernstfall halten und ausbilden; besonders soldatenspielerei wird so verwandt; vgl. Siebenk. 2, 130 ff. 2) soldat wird in neuer sprache oft als allgemeine berufsbezeichnung gebraucht, wenn es sich um offiziere handelt: er wird soldat, im gegensatz zum juristen, theologen, philologen u. s. w. in bezug auf militärische eigenschaften auch vom höhergestellten: der könig, der fürst ist ein guter soldat. deutsch-ital. dict. (1702) 2, 832c; ein ansehnlicher soldat ware Judas Machabaeus [Bd. 16, Sp. 1439] bey den Hebräern, ein tapfferer soldat ware Pausanias bey den Lacedemoniern, ein unüberwindlicher soldat war Cyrus bey den Persiern u. s. w. reimb dich 97 (1693). 3) besonderes: a) vom bauern im schachspiel: man siehet immerdar beym schachspiel, dasz ein soldat in einem augenblick könig wird. baumgarten 2, 9. vgl. soldätchen. b) soldaten heiszen im kindermund die blütenkolben von plantago (major?). 2, 343b. c) blaue soldaten (salvia pratensis) Pritzel-Jessen. d) turbo pica, eine meerschnecke, nld. soldaat; ebenso als name des bernhardskrebses (cancer bernhardus) Nemnich. ein soldätchen, das im frieden mit dem langen säbel klirrt,
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