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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sandhase bis sandicht (Bd. 14, Sp. 1766 bis 1767)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sandhase, m.
1) eigentlich, auf sandboden lebender hase. Nemnich 2, 381. Adelung. dann auch eine art kaninchen, dem hasen an grösze und farbe ähnlich. Hunziker 216. Seiler 248b.
2) spitzname für bewohner sandiger gegenden. Schmeller 2, 304. Frommanns zeitschr. 3, 483 (elsäss.). 4, 315 (henneb.-fränkisch). ähnlich:

die Nüremberger alle stunden
werden genennet die sandhasen
weil sie bawen all mesz und strasen.
H. Sachs 4, 3, 92.


3) ein fehlwurf beim kegelspiel, wenn die kugel, ohne das laufbrett der bahn zu berühren, auf dem sande derselben läuft. Vilmar 337. Spiesz 203. Jecht 90b. ten Doornkaat Koolman 3, 85a: o, tränke wieder jeder deutsche man saure milch .. und hörte nichts als 'alle neun!' oder 'sandhase!' von der benachbarten kegelbahn. Immermann 1, 11 Boxberger.
 
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sandhaufe, -haufen, m. haufen sandes. Adelung, mhd. santhûfe Lexer mhd. handwb. 2, 606: dâ man daʒ kint (bei der taufe) în stôʒet, daʒ sol in aller der werlte niht sîn danne einvaltigeʒ waʒʒer: eʒ sol weder wîn noch milch sîn noch bier — êtelîche toufent in santhûfen —: eʒ sol in aller der werlte niht sîn danne waʒʒer. Berth. v. Regensburg 1, 298, 20.
 
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sandhäuslein, n., oberdeutsch sandhüsli, sandbüchse. Hunziker 216.
 
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sandhirsch, m. auf sandboden lebender hirsch. Jacobsson 3, 508b. Nemnich.
 
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sandhöhle, f. höhle im sande, mnd. santhol, n. sandgrube. Schiller-Lübben 4, 25a.
 
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sandhorst, m. haufe, hügel von sand, sandbank in und vor strommündungen. Adelung. vgl. DWB sandhäger und DWB horst 4 oben theil 4, 2, 1834.
 
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sandhose, f. kegel- oder säulenförmig aufgewirbelter sand. jüngere nachbildung zu wasserhose. Weigand 2, 523.
 
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sandhügel, m. aus sand bestehender, sandiger hügel, tumulus arenae. Stieler 808, brevia ac syrtes, pulvinum dorsum maris. Apin gloss. 479: wie ich so auf dem sandhügel am flusz hintrolle, glitsch, so rutscht der plunder unter mir ab und ich zehn rheinländische schuhe lang hinunter. Schiller

[Bd. 14, Sp. 1767]


räuber 3, 2 schauspiel; das geniste, das den dürren sandhügel hinunter wächst. Göthe 16, 74.
 
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sandhuhn, n. bezeichnung hühnerartiger, im sande lebender vögel: 1) glareola Campe. Oken 7, 570. 2) charadrius oedicnemus Frischbier 2, 246b.
 
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sandhülse, f. hülse aus sand, wie sie manche insekten zum schutze ihrer larven bereiten. Oken 5, 1470.
 
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sandicht, sandig, adj. arenosus. Stieler 1680. Frisch 2, 148b erklärt sandig, arenosus, sabulosus; sandicht, particulis quasi arena molestus, doch läszt sich im sprachgebrauch eine bedeutungsverschiedenheit zwischen den beiden wörtern nicht erkennen. mhd. ist belegt sandic, sandec Lexer mhd. handwb. 2, 603, sandig, sandech, sandicht, sandecht Dief. gl. 48a. 506a. in älterem nhd. auch mit verbindung der beiden adjectivbildenden suffixe icht und ig sandachtig, sandechtig Dief. 47a. 506a, sandechtig Dasypodius, sandächtig Maaler 342c: in der provintz Franckreich, Languedoc und Mompelier wächst es (das kraut traubenkropf) von sich selbst, sonderlich aber in kisechtigen und sandechtigen orten. Tabernaemontanus (1664) 86 H. ebenso mnd. sandechtig Schiller-Lübben 4, 23a, sandachtich Lübben mnd. wb. 315a. der gleichen sprachperiode gehören umgelautete formen an, sendig, sendicht Dief. 47a: wiewol gott das wasser hält nicht mit einem eisernen, sondern sändigen ufer. Luther tischr. 2, 131. die schreibung sandigt findet sich besonders in quellen des 17. und 18. jh.: viele rühmen sich groszes dinges, groszer kunst und geschickligkeiten, und bauen auff die groszen gunst ihrer hohen patronen als auff ein sandigten grund gleichsam grosze häuser und schlösser ihrer fortun und hoheit. Schuppius schriften 553; er wandelt durch ungebahnte sandigte wüsten. Schiller räuber 4, 4. auf oberd. sprachgebiet begegnet mundartlich sampik, samptik Hintner 205, vgl. dazu samt, sampt unter sand I. nd. ist das durch angleichung der inlautenden consonanten entstandene sannig. Schambach 179a. Danneil 179b.
Bedeutung.
1) voll sand, aus sand bestehend oder viel sand enthaltend: daʒ waʒʒer ist daʒ pest ze trinken, daʒ durch velse fleuʒt und durch sandigʒ ertreich. Megenberg 103, 36; daʒ ist dâ von, daʒ daʒ ertreich inwendich sandig ist und wolwik und daʒ eʒ oben ain vest stark rinden hât. 113, 12; mnd. dat lant (der Tartaren) is tomal sandechtig unde unfruchtbar. quelle bei Schiller - Lübben 4, 23a; ein wesschaftig weib ist einem stillen man, wie ein sandiger weg hinauff, einem alten man. Jesus Syrach 25, 26; es (das dritte hundsgras) wächst in sandechtigem grunde. Tabernaemont. (1664) 517 H; es giebt umb Venedig herumb nichts als lauter sandigte berge. Reuter Schelmuffsky 101 neudruck; deine fusztapfe in wilden sandigten wüsten (ist) mir interessanter, als der münster in meiner heimat. Schiller kab. u. liebe 3, 4; (im bilde)

des wæne ich dienest han gesat
an ein sandigeʒ sunnen brat (von der sonne ausgedörrtes land),
da nimmer niht wirt von gemat.
Hagen minnes. 3, 468 bb;

ihn dann send' ich gen Sparta und hin zur sandigen Pylos.
Voss Odyssee 1, 93;

am ufer
streckt eine zunge sandig sich ins meer.
Grillparzer 6, 58.

der mhd. dichter nennt den aus kalk und sand bereiteten mörtel, der die mauersteine verbindet, sandig pflaster:

eʒ rageten für die zinnen
türne von quâdern grôʒ,
der fuoge niht zesamene slôʒ
kein sandic phlaster:
sî wârn gebunden vaster
mit îsen unt mit blîe.
Hartmann v. Aue Erec 7852.


2) sandartig, sandähnlich: sandächtig herte, oder etwas herts wie sand, arenacea duritia. Maaler 342d; sandig brot, ut Wittebergae, panis arenaceus. Stieler 1680. im Zillerthal heiszt käse sandig, der beim zerschneiden in kleine stücke zerfällt. Schm. 2, 304. Schöpf 580.