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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ratsbedürftig bis ratscher (Bd. 14, Sp. 189 bis 191)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ratsbedürftig, adj. des guten rats anderer bedürfig. Adelung; dafür rahtbedürfig, egens consilio Stieler 280.
 
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ratsbedürftigkeit, f.
 
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ratsbefehl, m. senatus consultum, rahtsbefehl Stieler 1431.
 
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ratsbote, m. gesandter eines rates: der radtsbott, legatus Maaler 322b; die radtsbotten fürkommen, inen fürlaufen, tempus legatorum antecapere. ebenda; bote eines rates: stadt- oder rahtsbote, nuntius publicus civitatis. Stieler 182.
 
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ratsbuch, n. buch, worin die beschlüsse eines rats verzeichnet werden: was man in stätten teutsches lands kräftig haben wil, und das niemandt widerkommen mög, das laszt man ins rathsbch verzeichen. Agr. spr. 184b.
 
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ratsch, interj. zur bezeichnung eines knatternden oder reiszenden geräusches: ratsch! gieng die leinwand auseinander; nassauisch ratsch! ratschtig, ratschdich, ausruf beim plötzlichen durchbrechen, durchreiszen, fallen. Kehrein 324; in Waldeck ratsch, schallwort: ratsch, da hatte ich es! auch ausruf beim zerreiszen von zeug u. s. w. Curtze 494a; niederd. ratsch! ausruf beim zerreiszen von zeug und dem ähnlichen stoffen. Fromm. 5, 289; im ablautspiele: dat geit ritsch ratsch, sagt man, wenn etwas in viele stücke zerrissen wird. brem. wb. 3, 439; auch als adv.: ratsch, wie abgerissen, mit einem male, unmittelbar, gänzlich,

[Bd. 14, Sp. 190]


rein, dâ was et med der fründschaft ratsch ûte u. ähnl. Schambach 168a; schweiz. rätsch! interj. um die schnelligkeit auszudrücken. Seiler 235b. vgl. ratz.
 
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rätsch, m.
1) männliche ente: diser vogel, so ent, ant, antvogel, und das männlin entrach, oder von seiner stimm wägen rätsch genennt wird. Heuslin vogelb. 28a. vergl. das fem. rätsche 3.
2) schweiz. der rätsch, miszlungener hanf, der nur gerätschet werden kann. Stalder 2, 261.
 
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ratsche, rätsche, f. , nach dem tone ratsch
1) eine rassel, klapper, knarre; für kinder: wecken dagegen mit der ratsche oder kinderklapper gefühle. Schubart leben u. gesinnungen 2, 111; für nachtwächter: dazwischen schallt das geklapper einer pritsche und das knarrende gekreisch einer rätsche. L. Mittermaier die söhne des waffenschmieds (volkserzählung) s. 89; als orchesterinstrument: sie müssen den tam-tam schlagen, und die ratschen in bewegung setzen, womit man in den schlachtmusiken das klein-gewehrfeuer macht. Immermann Münchh. 1, 46; als ersatz für die glocken in der karwoche: bair. die rätschen thurmklapper Schm. 2, 190 Fromm.; kärntn. ratsche, karfreitakratsche Lexer 205; tirol. charfreitirâtsch Schöpf 537; ratsche, in den katholischen provinzen in Oberdeutschland die klapper, womit in der karwoche anstatt der glocken zur kirche gerufen wird. Jacobsson 3, 365b; schweiz. rätscha Tobler 367b; schwäb. die rätsch, schnarre, klapper Schmid 421.
2) hanfbreche: die rätschen, damit die weiber den hanf brechend und bereitend, stuparius malleus. Maaler 325a; breche, rätsche, brake, ein hölzernes werkzeug, womit der flachs oder hanf nach dem trocknen im ofen von seinem innern kern befreiet wird. Jacobsson 1, 285b; die rätschen, flachsbrechel Schm. 2, 190 Fromm. (voc. v. 1735); schweiz. rätscha Tobler 367b; rätsche, hanfbreche Seiler 235b.
3) rätsche, anas boschas domestica. Nemnich 1, 266. vergl. DWB rätsch 1, und rätschente. in Solothurn aber ist rätsche die elster. Stalder 2, 261.
4) rätsche oberdeutsch, verächtlich von einer schwatzenden und klatschenden person: schweiz. rätsch, klatschmaul Tobler 367b. Stalder 2, 261; bair. die rätschen, schwatzhafte person Schm.; tirol. râtsch eine geschwätzige alte Schöpf 537; schwäb. rätsch, plauderhafte, freche weibsperson Schmid 421; kärntn. râtsche, schreiende, zänkische person, und verächtlich der mund. Lexer 205; nassauisch ratsch, schwätzerin, klatschmaul Kehrein 324.
 
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ratschen, rätschen, verb.
1) rasseln, klappern: ratsche, .. ein werkzeug, welches ratschet. Adelung; bair. rätschen, klappern: am charfreitag wird nicht mit glocken geläutet, sondern gerätscht. Schm. 2, 190 Fromm.; tirol. râtschen, klappern Schöpf 537; im niederdeutschen gilt ratschen von dem tone eines risses (vergl. die interj. ratsch) und vom reiszen selbst: ratschen, henin ratschen, einen risz in etwas thun. brem. wb. 3, 439.
2) rätschen, den hanf brechen, schweizerisch Stalder 2, 261; in Appenzell rätscha, den hanf klopfen Tobler 376b; decorticare canabim, hanf rätschen, oder reiten. Dasyp.
3) rätschen, ratschen, von dem laute der enten: so sagt man von den änten, dasz sie ratschen. Adelung; schweiz. rätsche, schnattern wie die enten Seiler 235b; aber auch von fröschen: wie kan man den fröschen das retschen verbieten? Zimm. chron. 1, 153, 27.
4) im bairischen sprachgebiete den laut r schnarren oder fehlerhaft aussprechen. Schm. a. a. o. Lexer 205.
5) verächtlich und allgemein oberdeutsch schwatzen, plaudern, und hier altbezeugt: rättschen, wie die weiber schwätzen, wenn sie z jren gfätteren kommend, garrire, das rättschen und schwätzen, rättscheten, garrulitas Maaler 324d;

das dunkt mich syn ein wyser herr,
der syn sach weisz, sunst nyemans mer,
vor usz, do jm syn heil lyt an.
es will yetz rätschen yederman ..
ich halt nit für ein wysen man
wer nit syn anschlag bergen kan.
Brant narrensch. 39, 16.


6) ratschen, rätschen, hessisch und westerwäldisch von einem kartenspiel: rätschen, rætschen, karten spielen, im verächtlichen sinne. Vilmar 316; ratschen, herumratschen, leidenschaftlich spielen, z. b. kartenspiel. Kehrein 324, gehört vielleicht nicht hierher, und wird von Weigand mit böhm. hrati spielen, hráč spieler zusammengestellt: dardurch sie (bauers- und handwerksleute) .. desz müsziggangs sich gewehnen, auch wohl in spielen

[Bd. 14, Sp. 191]


und rätschen zum verderben gerahten. fischordnung des landgr. Georg von Hessen vom 8. april 1642.
 
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rätschente, f. eine entenart: die rätschent, spiegelent, wilde blauwe ent, anas fera, torquata minor. Maaler 325a.
 
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ratscher, rätscher, m. der da ratscht oder rätscht.
1) nachtwächter, der die rätsche hat; daher straszenwächter oder scherge überhaupt: ein engel, so das register hatte, fand, dasz noch etliche schergen und rätscher vor zu fordern wären. Philander 1 (1642), 267; am rande nur schergen.
2) der flachs oder hanf bricht: rätscher Stalder 2, 261.
3) schwätzer, plauderer, klätscher, übler nachreder: jr zuckerpapagoi, hetzenamseler, hetzenschwetzer, starnstörer, scherenschleifer, rorfinken, kunkelstubische gänsprediger, schärstubner, judasjagige retscher, waffelarten, babeler und babelarten, fabelarten und fabeler. Garg. 17b; zuschürer, rätscher, mährentrager, ohrenbläser. Philander 1, 673;

die rättscher sind dört uff der ban.
was mögen sy geschaffet han? Daniel 1545 Ob.


4) ratscher, leidenschaftlicher spieler. Kehrein 324.