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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
rahmen bis rahmenstickerei (Bd. 14, Sp. 67 bis 68)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) rahmen, rähmen, verb. achten auf etwas, zielen, trachten, bestimmen. mhd. râmen und ræmen, ableitung des mhd., neuhochdeutsch nicht mehr vorhandenen masc. râm, gestecktes ziel, zielen; mnd. ramen, zielen, zu treffen, zu erreichen suchen, ins auge fassen, trachten nach etwas. Schiller-Lübben 3, 418 (zu râm, rame, gestecktes ziel, festsetzung, bestimmung, beschlusz, absicht 417); niederl. raemen, deliberare, perpendere, mente supputare; et consilia conferre, statuere, constituere, concludere, perficere. Kilian; raemen nae yemands dood, bederfenisse, machinari mortem, interitum, necem, perniciem alicuius. ebenda; das verbum hat sich bis ins nhd., weidmännisch (vergl. unten 2) bis heute erhalten, verdunkelt in anberaumen, beraumen theil 1, 293. 1490 neben beramen 1486.
1) in der gewöhnlichen älteren sprache, intransitiv und mit genitiv des ziels: wer sich will greifen, ziehen und heben lassen und den seligmachenden gott tröstlich ergreifen, der räme der rechten seiten und ergreife gott, da er sich wil ergreifen und fassen lassen. Mathesius Sar. 145a; ja sie (die landsknechte) sahen nicht eins in die höhe, sondern rhameten der thür (strebten der thür zu). Pape bettel- u. garteteufel P 1a; der ist ein weiser mann, der maasze (mit maszen, mäszig) rahmen kan. Schottel 1133b;

o helft, lieben freunt, ee ich gar verge!
secht ir nit, wie sie mein thut ramen? fastn. sp. 50, 15;

reflexiv und mit genitiv, nach etwas streben, sich zu etwas hin machen, sich befleiszigen:

o narr, wie tropfst also herfur?
mich dunkt, wie du dich remst der thur. 52, 14;

[Bd. 14, Sp. 68]



erst must ich mich do laufens remen,
wann ich besorgt irs gwalts noch mer. 34, 28;

her der official, mein antwort sult ir vernemen!
ich will mich der rechten warheit remen. 322, 16;

transitiv, etwas in obacht nehmen: zu dem (guten freund) wil ich nun gehen, und mit jhme reden, ich gedenke, ich wil die zeit wol rhamen, wann mein herr wider wach wird, damit ich alsdann aufwarten könne. H. J. v. Braunschweig 369; für etwas rahmen, bestimmung treffen:

so rame wir vur uns heren vromen,
hei lasse unse vrunt in Colne komen.
Gotfr. Hagen reimchron. 2123.


2) weidmännisch: eines vogels rähmen, sive rahmen, ad avem collimare, volucrem petere. Stieler 1512, wie im Sachsenspiegel: ab her schûʒet oder wirfit einen man oder ein vihe, als her râmet eines vogels. 2, 38; jetzt mit acc., die hunde rahmen den hasen, holen ihn ein; rahmen, heiszet, wenn der windhund einen hasen einholet, und nöthiget, dasz er sich wenden musz. öcon. lex. 1973; rahmen, rähmen, rehmen, wenn der windhund an einen haasen komt, so macht der haase kurz vor dem hunde einen absprung, damit er einen vortheil gewinne, und der hund über ihn weg schiesze. Jacobsson 3, 351a;

sie rahmen ihn herum (die hunde den hasen): er läuft, und ach! wie schnell!
Hagedorn 2, 134.


 
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rahmen- in zusammensetzungen, vergl. auch rahm-.
 
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rähmen, verb. die abgeschnittenen weinranken auflesen (vgl. dazu unter rahmen 9): rähmen oder rebenlesen ist eine verrichtung, so in denen weinbergen alsobald nach dem schnitt geschehen und vorgenommen werden musz. öcon. lex. 1959.
 
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rahmenhobel, m. eine art des hobels für rahmen. Jacobsson 6, 88a.
 
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rahmennäherei, f. näherei am rahmen und das am rahmen genähte. rahmnäherei Campe.
 
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rahmennäherin, f. die so näht.
 
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rahmenschau, f. obrigkeitliche beschauung des noch an dem rahmen aufgespannten tuches bei den tuchmachern. Jacobsson 3, 361b.
 
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rahmenschenkel, m. das an den thüren lang heraufgehende holz, in welchem die füllungen sitzen.
 
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rahmenschirm, m. schirm in einem rahmen: rahmenschirme vor die fenster, um die zimmer sowohl vor der groszen sonnenhitze im sommer als auch im winter vor der kälte zu bewahren. Jacobsson 3, 361b.
 
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rahmenschuh, m. nennt der schuhmacher den schuh, dessen sohle auf rahmen liegt. vergl. unter DWB rahmen 8; ebenso rahmenstiefel, stiefel mit rahmensohlen.
 
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rahmenstickerei, f. stickerei am rahmen im gegensatz zu der stickerei aus freier hand.