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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bis räbeln (Bd. 14, Sp. 1 bis 7)
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[Bd. 14, Sp. 1]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) R , der siebzehnte, oder wenn man nach neuerer weise I und J als zwei zeichen zählt, der achtzehnte buchstabe unseres alphabets, mit l, m und n die gruppe der flüssigen (semivocales) ausmachend. über seine verwandtschaft zu l vergl. theil 6, sp. 1. sein laut ist mit dem knurren eines hundes verglichen und ihm der name des hundsbuchstaben gegeben worden, lat. litera canina, und danach bei Ickelsamer: das r ist der hunds buchstab, wie jn Persius nennet, wie der murret. die rechte weis, aufs kürzist lesen zu lernen (1534) A 7b; das r, ist ain hundts buchstab, wann er zornig die zene blickt und nerret, so die zung kraus zittert. grammat. B 2a;

wer vil zürnt do man nüt umb gyt
und umb sich schnawet als ein hunt,
kein gtig wort gat usz sym mundt,
kein bchstab kan er dann das r.
Brant narrensch. 35, 5;

damit im zusammenhange verstärktes r als zornreizender laut: das spott- und reizungszeichen rrr! Stieler kurze lehrschr. 6.
r ist nach seiner stellung im anlaute, inlaute und auslaute zu betrachten.
1) anlautend steht es einfach oder als zweites glied in den verbindungen br, pr, fr (braut, preisen, frei); dr, tr (drücken, trauen); gr, kr (grau, kranz); zr kommt nicht vor. als drittes glied in den verbindungen pfr, fremd phr (pfrieme, phrase), str (strauch), spr (sprieszen), in der alten sprache auch skr, was nachher zu schr wurde (ahd. skrîtan, mhd. scrîten, schrîten, nhd. schreiten). alte verbindungen waren auch hr und wr, aber in der ersteren ist schon früh das h abgefallen und das r einfach geworden: ahd. hreini, später reini, mhd. reine, nhd. rein; ebenso führen unser rabe, reif, reue, ring, ross, rücken, rufen, ruhm, rühmen u. a. auf altes hr zurück; wr erschien ahd. noch in uurehhan (exulem) Isidor. 27, 4 Weinhold, woneben, da diese verbindung ahd. nicht genehm war, mit hr exules hrechium (lies hrechiun) Steinmeyer-Sievers 2, 330, 35, gewöhnlicher aber recheo, reccho exul; in den unsern rache, rächen, reiszen, ringen, rügen zu grunde liegenden ahd. formen steht schon überall einfaches r (râcha, rechan, rîʒan, ringan, rôgan ruogan), während niederdeutsche dialekte zum theil bis auf heute wr geschützt haben: alts. wrâka, wrekan, wrîtan, wrôgian, mnd. wrake, wreken, wringen, writen, wrogen; niederrhein. wrechen, wroigen; einflusz solcher niederdeutschen lautverbindung aber ist es, wenn in dem anlaute der betreffenden worte statt des hochdeutsch allein berechtigten einfachen r ein fr (das gelegentlich auch nd. erscheint) sich geltend macht: vindicare frechen, vindex frecher Dief. 620a (mittelrheinisch, 15. jahrh.); ultor frecher 625b (ebendaher); palestra ringen l. frangen 406b (aus Trochus). in wrack haben wir wr aus dem niederdeutschen neu wieder aufgenommen. letzter rest eines wortes ist anlautendes r in den gekürzten adverbialformen rab, ran, rauf, rum, runter für herab u. s. w.
2) in- und auslautend ist r entweder ursprünglich (wie anlautend immer) oder aus altem s entstanden: letzteres in lehren, hören, beere, ohr, rohr, thier, in mir, dir, wir, ihr, in der endung des gen. dat. sg. weiblicher adjective und pronomina (guter, meiner, deiner, der u. s. w.), sowie in der endung des gen. plur. aller geschlechter, u. a., vergl. dazu er theil 3, 693; der wechsel zwischen diesem jüngeren r und dem ältern s in verbalformen war noch im mittelhochdeutschen lebendig, wenn es hiesz friesen, prät. frôs, aber plur. frurn, part. gefrorn, ebenso verliesen, verlôs, verlurn, verlorn, kiesen, kôs, kurn, gekorn, wir haben in allen verbalformen, zum theil schon seit der späteren mhd.

[Bd. 14, Sp. 2]


zeit, r eintreten lassen (frieren, fror, verlieren, verlor, küren, kor), und das ursprüngliche s nur in ableitungen wie frost, verlust, kust (th. 5, 2877) bewahrt. in andern verben schwankte der wechsel auch mhd., wie in genesen, prät. genas, genâren und genâsen, part. genern und genesen, wo sich nhd. s wieder festgesetzt hat, während r in den bildungen nähren, nahrung sich zeigt; in mhd. wesen, prät. was, wâren, part. gewesen, wo letztere form vom wechsel frei blieb und noch bleibt, während wir seit dem 16. jahrh. auch in den sing. des prät. war das r haben vordringen lassen. unsere comparativendung zeigt r aus s schon seit ahd. zeit, während der superlativ das alte s hielt (goth. alþiza, alþists, ahd. altero, altist, jetzt älter, ältest); in mehr gegen meist ist das verhältnis etwas verdunkelt, vgl. theil 6, 1871. 1947. die ursache des übergangs eines s in r beruht in alten, für unsere sprache vorgeschichtlichen betonungsverhältnissen, worüber die grammatik auskunft gibt.
3) in- und auslautend steht r als erstes glied einer gröszeren reihe von consonantverbindungen, rb, rp, rf, rm; rd, rt, rz, rs, rn, rl; rg, rk, rch (starb, körper, werfen, arm, werden, art, schwarz, hirse, warnen, kerl, arg, wirken, durch), auch in rst (dürsten, wurst), rsch (barsch, knirschen), rps (knirps); nur in fremdwörtern steht rv (arve, larve, entlarven), nicht vorhanden sind die verbindungen rh, rq, rsp, für das noch mittelhochd. geltende rw ist rb eingetreten (farbe, gerben, mhd. varwe, gerwen). doppeltes r (in wirren, verworren, dürr, irre, narr, farre, knarren u. s. w.) ist in folge verschiedenartiger assimilation, groszentheils schon in alter zeit entstanden (vergl. dazu unten 4 und 5), in fern neben ferr (th. 3, 1532. 1540) und stern (ahd. sterro und sterno) hat eine neben der assimilierten form bestandene ursprünglichere wieder die oberhand gewonnen. schlieszendes r an mehrsilbigen substantiven und adjectiven gehört verschiedenen bildungssuffixen an, die jetzt überein, in der alten sprache sehr verschieden lauteten, wie auch ihre bedeutung sehr verschieden ist: masculina wie fischer, sänger, schnitter, sünder, betrüger u. a. (ahd. fiskâri, sangâri, snitâri, sundâri, triugâri) sind persönliche eine thätigkeit vollbringende begriffe, andere wie keller, weiher, mörser, söller lehnwörter, deren ausgang mit veränderung des geschlechts an lat. -arium (cellarium, vivarium u. a.) anschlieszt, wieder andere wie acker, eiter, finger, höcker, schober, und neutra wie futter, luder uralte concretbegriffe (ahd. achar, eitar, fingar, hovar, scobar, fuodar, luodar); über bildungen wie kater, ganser vergl. th. 5, 274; adjective wie hehr, wahr, sauer, wacker, bitter sind ursprünglich mit iterativbedeutung versehen gewesen.
4) beliebt war inlautendes rr für älteres rs, was aber in dem falle geblieben ist, wenn ein t der ableitung darauf folgt: daher unser dürre, dürr (goth. þaúrsus, vergl. th. 2, 1735), aber durst (th. 2, 1747); im ältern nhd. durren, turren, dürren, türren, wagen (th. 2, 1743, goth. gadaúrsan), aber 2. sg. du darst, tarst, prät. dorste, torste, mit den ableitungen durst, kühnheit (2, 1746), dürsten, wagen (1749). sonst hat sich die verbindung rs in hirse gehalten, doch nicht ohne neigung zur verbreiterung des zischlautes in der form hirsche (vergl. th. 42, 1571), welche verbreiterung die oberhand gewonnen hat in birschen, herschen, kirsche, kirschen, knirschen (th. 5, 847. 1441), unwirsch und, an stelle eines mhd. rʒ, in hirsch th. 42, 1563. sie geht von Mitteldeutschland aus, und wird in oberdeutschen mundarten noch heute zurückgewiesen.
5) die assimilation rr aus früherem inneren rj trat ahd. bei verben und deren ableitungen nicht ungern ein, sowol nach kurzem

[Bd. 14, Sp. 3]


vocale (nerran neben nerjan, swerran und swerjen) als nach langem (hôrran, arstôrran, zistôrran, vuorran, kafuarri); geblieben ist sie später nur in zerren, während sie sonst nicht nur nach langem, sondern auch nach kurzem vocale sich vereinfachte und im nhd. selbst dehnung des letzteren bewirkte, vergl. nährer, ernährer, schwören, kehren (fegen), wehren, wehr u. a.
6) über tausch des r mit dem nächstverwandten l vergl. th. 6, sp. 2, nr. 5, a; mundartlich geht dieser tausch weiter, als in der schriftsprache (vergl. alem. kilche für kirche, bilche für birke th. 5, 792), namentlich bei dissimilationsbestrebungen, wenn es z. b. in der Oberpfalz kulfürst für kurfürst (Schm. 1, 412 Fromm. unter post) heiszt. ein eigenthümliches dentales r, was im niederdeutschen (vergl. Nerger gramm. des mecklenb. dialekts 147 fg.) und im hessischen (Pfister chattische stammeskunde s. 57) für inlautendes d eintritt und was auch durch hr bezeichnet wird (lahre, laden, vahrem, faden, laihre, leiden u. s. w. ebenda), hat in der schriftsprache nichts entsprechendes.
7) umsetzung des inlautenden r nach niederdeutscher weise, die auch ins mitteldeutsche reichte, ist erfolgt in bernstein (th. 1, 1526), bersten (th. 1, 1527), mhd. bresten, born (2, 243); in dornstag für donnerstag (2, 1252), dornstral, dornstein (2, 1254) ist sie allgemein nicht durchgedrungen, ebenso wenig in dirte für dritte, eine form, die nicht nur mhd. bei dem Sachsen Rumzlant (im reime auf wirde und zimirde. MSH. 2, 370b) vorkommt, sondern sich nd. als dirde, derde, darde noch erhalten hat. Alemannen setzen r in chriesi, kriese für kirse, kirsche (th. 5, 844) um. r in -bert an eigennamen (Albert, Robert, Herbert u. a., auch Bertha, Berthold) ist an alter stelle geblieben, in der nebenform -brecht (Albrecht, Ruprecht) aber ist umsetzung eingetreten (goth. baírhts, ahd. beraht, alts. berht, glänzend, hell).
8) aus- oder abfall des r. alter ausfall zeigt sich gegenüber mhd. werlt in welt, einer schon im 12. jahrh. nachweisbaren form, in dem jüngeren köder für querder, ahd. querdar (vgl. th. 5, 1571), in ekel für erkel (th. 3, 394), fodern für fordern (vgl. th. 3, 1866), theilweise auch in mader für marder (th. 6, 1621), möser und moser für mörser (2592), und dem fremden palier, polier für parlier; plakat ist aus franz. placquard, niederl. plackaert neben plackaet (Kilian) entstanden. in den mundarten geht die ausstoszung eines innern r zur erleichterung der aussprache auch noch weiter, bairisch und österreichisch (wo für diese unterdrückung des consonanten der ausdruck rätschen gilt, Schm. 2, 190 Fromm.) in zahlreichen, zum theil schon alten beispielen belegt bei Weinhold bair. gramm. s. 168, auch im alemannischen sprachgebiete, alem. gramm. s. 166; in Leipzig mattern für martern, quatier für quartier Albrecht 167a. 188a, maschieren, räucherkätzchen für marschieren, räucherkerzchen u. v. a. s. 21, § 122; niederd. basch für barsch oben th. 1, 1140. nach Weigands ausführungen ist auch in backe, mala, zuerst kinnlade, alter ausfall eines r eingetreten, worauf die ahd. form braccho neben baccho weist, und das wort somit verschieden von backe in hinterbacke, gerade wie spiesz, jagdspiesz aus spriesz, ags. spreót, wasen neben rasen aus niederd. wrasen, wocken neben rocken wol aus einem vorauszusetzenden niederd. wrocken hervorgeht. abfall des auslautenden r in hochbetonten silben in da neben dar, hie neben hier, meh (6, 1864) neben mehr, wo neben wor-an, wor-in u. s. w.; in schwachbetonten oder tonlosen silben nicht in der schriftsprache; aber landschaftlich, im süden wie im norden, zeigt es grosze neigung für verflüchtigung, wenn namentlich das folgende wort mit vocal beginnt (vate, brude, kellne für vater, bruder, kellner u. ä.), worüber in andern landschaften gespottet wird. anders ist ein mundartlicher mitteldeutscher abfall des r in e für er, unse für unser (obersächsisch Albrecht s. 21), der zu altniederd. he er, unsa unser tritt.
9) die schreibung rh, die wir, abgesehen von griechischen wörtern, anlautend noch im flusznamen Rhein und bezüglichen zusammensetzungen allgemein, theilweise auch noch in rhede (wofür jetzt die bessere schreibung reede aufgenommen ist), und selbst in dem getränknamen rhum (wofür jetzt besser rum) haben, stammt aus der wilden schreibung des 16. jahrh., das h ist nur dehnungszeichen, welches statt hinter, vor den zu dehnenden vocal gesetzt ward: man schrieb rhat, rhaten, rhum, rhümen, selbst rheu, wie nhemen, mher, thun. die schreibung th ist uns davon bis jetzt geblieben, die schreibung Rhein ist aufrecht erhalten worden dem griech. 'Ρῆνος, lat. Rhenus zu liebe, obwol ganz unnütz.
10) r als subst. neutr., der name des lautes und des zeichens dafür: r, .. wie das r der Lateiner, aber mit der zungenspitze und nicht mit der gurgel (zu sprechen). Gottsched kern der sprachkunst s. 3, ältere belege oben im eingange; ein groszes r,

[Bd. 14, Sp. 4]


ein kleines r schreiben; in sprichwörtlichen redensarten: drei r und drei s gebüren gott, rechen, rühmen, richten, sorgen, segnen, selig machen. Sghottel 1141b; diese drei r,

rächen, richten, und rühmen,
wollen gott allein geziemen.
Schuppius 309;

ihre (der krebse) beste zeit, in welcher sie jungen, mausen, und wohlschmeckend sind, sind die monate, in deren namen kein r ist, als mai, junius, julius und augustus. Amaranthes frauenzimm.-lex. 1805; in den monaten, wo kein r ist, als von mai an bis in den september, durfte keine auster angerührt werden, weil sie sich in den heiszen monaten vermehren. Göthe 37, 235.
 
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raa, f. segelstange, s. DWB rahe.
 
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rab, äuszerste kürzung des adv. herab, in quellen des 15. und 16. jahrh.: warf garben rab auf das theun. Wickram rollw. 170, 3 Kurz;

die sprach, sie het vor gehabt ain man,
der het kain naht an ir gefeirt,
er het ains oder zwai rab gleirt. fastn. sp. 701, 22;

du nembst es gott von füszen rab,
das du nur kömbst zu groszer hab.
H. Sachs fastn. sp. 1, 88, 197;

(bis) ims pluet ubers maul rab fleust. 2, 91, 294;

dasz er (Sisyphus) den groszen schweren stein,
der immer wider walzt herein,
so oft den berk musz welzn hinan,
wie oft der rabwarts laufen kan.
Schade sat. u. pasqu. 1, 137, 398;

später kaum mehr geschrieben, aber in der hausrede auch heute noch gewöhnlich; vergl. ran, rauf, raus, runter, und nab, nan, naus, nunter; auch unten rabher.
 
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rab, interj. nachahmung des geschreis des raben:

(der rabe) schreit mit betrübtem ton rab! rab!
W. Hey fabeln für kinder nr. 1.

vergl. DWB rap.
 
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rabatte, f. leiste, streif.
1) zunächst als kunstwort des gartenbaus von den Holländern übernommen, wo es einen schmalen mit buchsbaum besetzten und mit ziersträuchern bepflanzten streifen landes bezeichnete (schon im 16. jahrh. rabat, subscus, regula, stria, sulcus, canaliculus Kilian, vergl. engl. rabbet, falz, fuge); im 18. jahrh. erst im öcon. lex. (1731) sp. 1953 angeführt und beschrieben, dann vielfach, auch in der sprache der dichter, erwähnt: doch konnte sie sich von diesen rabatten und beeten nicht trennen. Göthe 17, 181; blumen ... die vom frühjahr bis in den herbst, in reichlicher abwechslung, die rabatten so wie die beete schmückten. 24, 55;

in gärten auf den blühenden rabatten (: latten).
Ramler 2, 122.


2) rabatte bei den schneidern, ein umgeschlagener saum an kleidungsstücken, besonders der andersfarbige aufschlag an uniformen: wenn der sohn zum erstenmal ein kleid mit rabatten anlegte. Möser phant. 1, 28.
 
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rabbeln, verb. für rappeln, bei schriftstellern niederdeutscher heimat; bei Bürger im sinne sich geschäftig bezeigen, um jemand sich mühen:

ich möchte, fiel sie ein,
ihm (dem stier) wohl ein kränzel binden
und um die hörner winden.
er wird schon artig sein,
wenn ich hübsch traulich rabble,
und hinterm ohr ihn krabble. 22b;

bei Voss ohne vernunft sich gebaren:

zeugts, schwestern, sanft bekrabbelt
um hüft und brust,
wie hold ihr zuckt und rabbelt
vor seelenlust! 4, 122 (rundgesang für die schnellgläubigen),

mit der anmerkung: er rabbelt, rappelt, oder es rappelt bei ihm, heiszt es von einem, der in hize vernunftlos handelt und spricht. s. 302; vergl. in Ditmarsen rabbeln, sich bemühen fortzukommen (z. b. von einem pferde, das auf dem wege in den kot sinkt und sich heraushelfen will), in Hamburg viel schwatzen Schütze 3, 268; rabbeln, geschwind und unbedachtsam plaudern. brem. wb. 3, 413; in Ostfriesland rappeln und rabbeln, irre und wirr oder verrückt sein, irres, wirres, verrücktes, dummes zeug schwatzen oder reden, phantasieren u. s. w. ten Doornkaat-Koolman 3, 13b; vergl. in der Altmark rabbel, der zustand in welchem jemand vor aller geschäftigkeit nie zur ruhe kommt, auch der seelenzustand des rappelns, verrücktseins Danneil 167, rabbeln, den rabbel haben 168a. auch bei Göthe einmal rabbeln, sich hin und her bewegen: von fern sah ich

[Bd. 14, Sp. 5]


einen menschen in einem grünen, schlechten rocke, der zwischen den felsen herum rabbelte, und kräuter zu suchen schien. 16, 135, aber ursprünglich war geschrieben herumkrabelte. der junge Göthe 3, 336. s. weiteres unter rappeln.
 
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rabböglein, n. umdeutschung des ital. ribeba, ribeca, franz. rebebe, rebec, name eines geigenartigen saiteninstruments; in unzüchtiger wendung: (die schreiber haben) auch zum schlaftrunk ein metzle berueft. die ist zu inen kommen und hat inen uf dem rabbögle gespilt. Zimm. chron. 4, 302, 2; vergl. dazu auf der geige spielen in ähnlichem gebrauche theil 41, sp. 2573, nr. 4, a.
 
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rabe, m. corvus.
1) gemeingermanisches wort von eigenthümlicher germanischer prägung, nur im gothischen nicht überliefert, aber als hrafns sicher zu vermuten; sonst altnord. hrafn, schwed. rafn, ramn, dän. ravn; ags. hräfn, hrefn, hräm, engl. raven; niederl. rave, raaf, niederd. rave; ahd. hraban, raban, ravan, hram, ram, letzteres gewöhnlich in zusammensetzungen (vorzüglich in eigennamen wie Engilram, Wolfram, Hramwolf, Ramfrid u. a.), aber auch in der einzelform: curvus, hram. voc. sti. Galli 331; die junginen derô rammô. Notker ps. 146, 9; daneben schwache form in rabo; mhd. raben, ram und nunmehr vorwiegend rabe, letzteres oberdeutsch auch in rappe übergehend, s. d., während ramm in den sette communi sich hält Schm. 2, 89 Fromm. als urverwandt wird betrachtet griech. κόραξ rabe, κορώνη krähe, lat. corvus und cornix, doch wegen der eigenartigen deutschen bildung nicht ohne zweifel, vergl. Kluge etym. wb. 261a. neben der rabe im fem. die rabe: durch den heszlichen anblick der schwarzen rabe. pers. rosenth. 5, 13; da spricht man an einem ort der rabe, am andern die rabe, corvus. Stieler kern d. sprachk. 62, er hat einzelne gegenden Düringens im auge, auch am Harze spricht man die rôb.
2) rabe, bezogen auf den bekannten vogel: corvus, rabe, ein swarzer rabe Dief. 153c; (Noah) liesz einen raben ausfliegen. 1 Mos. 8, 6; nachteulen und raben werden daselbs (in einem wüsten lande) wohnen. Jes. 34, 11; hervorgehoben und zu bildern verwendet werden eigenschaften und handlungen desselben; so seine lange lebensdauer:

so sah ich schnelle wandlung! drei schwestern, sie
wie raben alt und finster, in rabenschwarz
gehüllet.
Stolberg 2, 176;

seine stimme, der rabe krächzt, kreischt; in diesem finstern unterirdischen gewölbe, ... wo wilde raben krächzen, und mitternächtliche uhus heulen. Schiller räuber 4, 5;

die freiheit auch ist dieses jahr begraben,
um ihre leiche krächzen wälsche raben.
Arndt ged. 43;

sein geschrei wird gedeutet: cras, cras, ist der raben sang. Simrock sprichw. s. 76;

wer mit dem raben spricht cras, cras,
dem ist zur busz kein tag zu pasz.
Stricker schlemmer (1584) O 5b;

es ist schicksalverkündend, namentlich böses schicksal anzeigend (vergl. rabenbotschaft):

der rab ist heiser,
der Duncans tödtlichen einzug in mein haus
ankrächzen soll.
Schiller Macb. 1, 10,

the raven himself is hoarse,
that croaks the fatal entrance of Duncan
under my battlements. Shakesp. Macb. 1, 5;

wie prophetischer raben silberklang
in höchster, einsamster luft
umklangen mich töne der zukunft.
Arndt ged. 76;

aus wolken tönt er hoch sein kühnstes lied,
prophetisch gleich des raben klang und schwingen
hört mans von sternen zu der erde klingen. 169;

seine farbe: seine locken sind kraus, schwarz wie ein rabe. hohel. 5, 11; der schwarze rabe, corvus niger. Steinbach 2, 212;

berusz dich kolschwarz wie ein rab.
H. Sachs fastn. sp. 3, 132, 222;

daher im sprichwort: wer sich entschuldigt, dem gehts oft wie einem raben, je mehr er sich wäscht, bleibt er doch schwarz. Lehmann flor. 204; es hilft kein bad am raben. der raben bad und der huren beichte sind unnütz. Simrock sprichw. 436; höchste seltenheit ist ein weiszer rabe: seine absicht war weiter keine, als auf eine angenehme art zu lehren, wie weit die wahre freundschaft gehen müsse, und was sie für ein weiszer rabe, nach den vollkommnen begriffen, die man sich davon zu machen habe, sei. Lessing 3, 363; fast allemal folge auf einen raren weiszen raben Marc Antonin eine menge Comodusse. Heinse Ardingh. 1, 306;

[Bd. 14, Sp. 6]


ja, sprecht ihr, das sind weisze raben, und gegen eine, die was nützt,
stehn allzeit tausend solche klötzer, woraus man keine tugend schnitzt.
Günther 426;

der rabe ist lieblos gegen seine jungen: die raben werfent etleicheu kint auʒ dem nest, wenn si der arbait verdreuʒt mit in, daʒ si in niht genuog speis pringen mügent. Megenberg 176, 31, vergl. DWB rabenmutter, DWB rabenvater, rabeneltern, rabenkind 1; er ist diebisch, daher er stielet wie ein rabe, instar corvi furatur, furacior corvo est. Stieler 1495;

es kommt noch wohl heraus, dasz er mein dieb ist. raben
und dohlen wollt ich eh in meinem hause haben
als ihn.
Göthe 7, 110;

bestehlen und be — — mich, wie die raben. 13, 77;

gierig und gefräszig:

gieriger als raben
fällt alles zu, und friszt so lang sich satt
als die verschwenderin noch was zu geben hat.
Wieland 18, 194;

auf die beute fallend:

das opfer liegt — die raben steigen nieder.
Schiller Tell 4, 3;

die augen aushackend: ein auge das den vater verspottet, und veracht der mutter zu gehorchen, das müssen die raben am bach aushacken, und die jungen adeler fressen. spr. Sal. 30, 17; dasz ihr die raben die augen aushackten! Fr. Müller 3, 198;

da sprach zu im (dem fuchs) der rab im spot: ..
derhalb ich auch zu mancher frist
eim so ligenden fuchs geschicket
sein aug mit meim schnabel auspicket.
H. Sachs dichtungen 2, 177, 36 Tittmann;

erziehst du dir einen raben,
so wird er dir ein aug ausgraben.
Simrock sprichw. 436;

als aasfresser und raubvogel mit andern raubthieren zusammen gestellt, vergl. schon ags.:

se wonna hrefn
(sceal) fûs ofer fægum,fela reordian,
earne secgan,hû him ät æte speów,
þenden he wið wulfwäl reáfode. Beówulf 3025;

(gefragt) wie es jhm gefalle, dasz sie den könig aus Spanien zum keiser genommen? hat er geantwortet: die raaben müssen einen geier haben. Zinkgref apophth. 1, 197; der rabe hat der krähe nichts vorzuwerfen. Simrock sprichw. 436;

man raumpt vor mir auf wie vor rabn und wolfn,
das ich kein beut kan mehr erdapn.
H. Sachs fastn. sp. 1, 76, 216;

rab auf dem dach, fuchs vor der thür,
hüt sich mann und rosz dafür.
Simrock sprichw. 436;

besonders gern ist der rabe am galgen, wo der gehenkte sein frasz wird, vergl. galgenvogel, galgenrabe; daher gehört der verbrecher dem raben: was den raben gehört, ertrinkt nit. S. Frank sprichw. 1, 140b; ist aber alle trewe vormanung an dir verloren, wolan so far forthin, was den raben gehört, das erseufet nicht. Musculus hosenteufel (1556) C 2b;

wan was zu tail sol wern den raben,
wie wir ein altes sprichwort haben,
das ertrinkt nit in wassers walgen,
es ge den hoch über den galgen.
H. Sachs fastn. sp. 5, 105, 209;

in verwünschungen: wünschte ich nun solche zudringliche allen raben zur beute. Göthe 26, 345 (vergl. einen an den galgen wünschen th. 41, 1169);

ich wolt, es fressen jn die rabn,
so dörft wir uns nicht förchten mehr.
J. Ayrer fastn. sp. 63b (2652, 33 Keller);

anspielung auf einen biblischen bericht: und die raben brachten jm (Elias) brot und fleisch, des morgens und des abends. 1 kön. 17, 6, mehrfach: stimme. wer pocht da? he? bist dus, Hermann, mein rabe? Hermann. bins, Hermann, dein rabe. steig herauf ans gitter und isz. Schiller räuber 4, 5;

herbei, Elias' fromme raben!
A. v. Droste-Hülshoff ged. 327.


3) rabe, bezogen auf andere vögel.
a) der kleine rabe, corvus corone, die krähe, rabenkrähe. Nemnich 2, 1241.
b) der indianische rabe, buceros bicornis. Nemnich 1, 709: wegen der vielen bäume und holzungen vor der stadt, gibt es auch sehr viel federwild oder vogel, sonderlich papagoyen von allerhand art, deren etliche gar grosz, und werden bei uns indianische raben genant. Mandelslo morgenl. reisebeschreib. 1, 18.
4) rabe, ungarischer ducaten mit dem bilde eines raben, vergl. rabenducaten: worüber er (der könig von Ungarn Matthias

[Bd. 14, Sp. 7]


Corvinus) nachgehends die bildnüsz desz raabens, samt dem ring auf die güldne münz hat prägen lassen, diese raaben gelten annoch sehr viel, und singen der zeit weit lieblicher, als ein nachtigall. Abr. a S. Clara Judas 1, 288;

denn weisz man ohngefehr ein nest voll gelber raben,
so will man augenblicks das tümmste gänszchen haben.
Günther 445;

Chremes, der allein die güldnen raben zählt. 541;

gelbe raben schreien, anspielung auf das prahlen mit dem golde:

kein reichthum überwiegt das weh,
kein thaler hilft der braut,
wenn ihr die zwietracht in der eh
zuletzt ein zuchthaus baut.
das ungewitter ist nicht weit, wo gelbe raben schrein. 258.


5) rabe, eine schneckenart von glänzend schwarzer schale, nebenart von helix stagnalis.
6) rabe, rabenschnabel, in der kriegskunst der alten eine maschine, mit der man im kriege zur see enterte und bei belagerungen dem feinde abbruch that. Jacobsson 7, 20b.
7) rabe, corvus, ein gestirn im südlichen theil des himmels. mathem. lexicon (1747) 1, 1069.
8) der fisch cyprinus aspius, der raubalet heiszt auch rappe, rape, rabe und rappfisch. Nemnich 2, 1355.
 
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rabe, f. neben rübe, s. d.: morella raben l. gelb ruben Dief. 368a; raben, vulg. moren, napa, rapa, morella. voc. inc. theut. r 1b; jetzt noch im Zillerthale raben, rapa rapifera succosa, wasserrübe, in Graubünden und Wallis rafen. Pritzel u. Jessen 67a; auch räbe in Graubünden, Wallis, Bern. ebenda; bair. räben, weisze feldrübe, brassica rapa. Schm. 2, 4 Fromm.; ein hochsteigend gewächs, wird mit der zeit ein lange holzechte räbe. Tabernaemont. 1290. vgl. auch rape.
 
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rabellen, verb. stehlen: do hat er ain jungen gesellen auszer dem schlosz geen sehen, der ain sack mit flaisch, brott und anderm gestollen gehapt .. als er aber herr Schweigkarten gesehen, ist er übel erschrocken, also das im der herr wol angemerkt, das er den sack hab rabellet. Zimm. chron. 1, 392, 10.
 
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räbeln, verb. lärmen, poltern. schweizerisch. Stalder 2, 252: das räble ganz anders als sonst (vom geräusch der dreschflegel gesagt), das gehe doch auch zu boden. J. Gotthelf Uli der knecht 140. vgl. unter rappeln und rabbeln.