Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bis obachtung (Bd. 13, Sp. 1039 bis 1064)
Abschnitt zurück Abschnitt vor

[Bd. 13, Sp. 1039]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) O , der fünfzehnte buchstabe unseres alphabets (vor der scheidung des I und J der vierzehnte Hederich 1717), dessen ausführliche behandlung in bezug auf ursprung, quantität und vertretung anderer laute sache der grammatik ist, auf die hier unter hervorhebung des wichtigsten nur verwiesen zu werden braucht. Aventin. 1, 517, 1 lehrt es 'rotundi oris spiritu' und ebenso Ickelsamer A 6b 'mit dem athem eines runden gescheubelten munds' aussprechen.
1) das organische kurze o zerfällt in zwei hauptarten.
a) wie in den übrigen europäischen westarischen sprachen ist auch im germanischen sprachstamme eine, wahrscheinlich durch einwirkung der accentuation herbeigeführte spaltung des kurzen a in e und o (goth. aí, aú) vor sich gegangen, die sich im oberdeutschen vor nachfolgendem a erhalten haben, während durch nachfolgendes i (zuweilen auch durch u) des affixes das e zu i erhöht worden ist und das o zu u sich gesenkt hat; im goth. erhielten sichundin der regel nur vor r und h und wurden im übrigen zu i und u: goth. nima nam numans; ahd. nimu nam ganoman; mhd. nim nam genomen, s. Kuhn zeitschrift 14, 440. Scherer zur gesch. d. d. spr.2 49 ff. Weinhold mhd. gr.2 § 7 und 58 ff.
b) wurzelhaftes u ist im oberd. durch nachfolgendes a des affixes in o verwandelt ('gebrochen') worden, welche erscheinung am deutlichsten im partic. perf. der ablautenden verba der u-classe hervortritt (Weinhold mhd. gr.2 § 8 und 72): goth. budans, bugans, lugans u. s. w., ahd. gabotan, gabogan, galogan, mhd. nhd. geboten, gebogen, gelogen.
2) unechtes o ist aus verschiedenen lauten hervorgegangen.
a) namentlich vor liquiden findet sich schon seit ahd. zeit eine trübung des a zu o, die in bestimmten fällen sich nhd. festgesetzt hat wie in dort, von, soll, trotz u. a. (Weinhold mhd. gr. § 58. 60. alem. gr. § 25. bair. gr. § 22), ferner in den präteritis ich drosch, glomm, klomm, quoll, scholl, schmolz, molk, focht; in mond hingegen ist es verdumpfung eines alten â (mânde, mânt Lexer 2, 2024).
b) als vertreter von altem ë steht o in oder, woche, wol (oberd. woll gesprochen): goth. aíþþau, ahd. ëddo und odo, mhd. ode, oder und ëder (Lexer 2, 140); goth. vikô, ahd. wëhha und wohha, mhd. woche, niederrhein. weche (Lexer 3, 963); goth. vaíla, ahd. wëla und wola, mhd. wol.
c) in nonne, wonne, sonne, sonst, sondern, sommer, in den präteritis wir krochen, rochen, schloffen, soffen, sotten, gossen, schossen, schmolzen, schwollen, quollen, schollen, molken, in den participien gewonnen, geronnen, geschwommen und mundartlich in vielen andern fällen (s. Weinhold alem. gr. § 24. bair. gr. § 21) ist o aus u entstanden.
d) o ist verkürzt aus â in (wir) fochten, droschen; aus ô in schon, ambosz (mhd. schône, anebôʒ); aus ou in soff, schloff, roch, kroch, im mundartlichen och (auch), geloffen u. a.; aus we in komen (ahd. chwëman) u. a. Weinhold alem. gr. § 25. bair. gr. § 23.
3) der an sich unorganische umlaut ö ('der mittellaut zwischen o und e' Ickelsamer A 7a) entwickelt sich seit dem 12. jahrh. holz hölzer, stock stöcke, mochte möchte u. s. w. (Weinhold mhd. gr.2 § 61. alem. gr. § 27. bair. gr. § 25). — unechtes ö steht
a) für mhd. e (theil 1, 4. 3, 3. Weinhold alem. gr. § 28. bair. gr. § 26) in dörren, hölle, ergötzen, löffel, löschen, schöpfen, geschöpf, zwölf und vielen andern; im älteren nhd. und noch mundartlich kommen derartige ö (für e und ë) viel häufiger vor als in der schriftsprache (s. zu Aventin. 4, 2, 30), z. b. hört Gengenbach gouchm. 188. 563, mör pfaffensp. 141, kröftig 94, gefört Nollh. 1009, öpfel Fischart flöhhatz (1573) 1584, wölln Ayrer 94, 4. 95, 23, nören Baumann quellen 1, 13, schröckend d. junge Göthe 1, 102, erschröcken 68. 222, schrök Schiller 3, 117, schröken 2, 43. 3, 519, schröklich 2, 67. — in der oberösterreichischen, steirischen und salzburgischen mundart kommt ö auch vor für den unbestimmten laut e in den sproszsilben, s. Weinhold bair. gr. § 27.

[Bd. 13, Sp. 1040]



b) als unechter umlaut statt o s. Weinhold bair. gr. § 25.
c) oberpfälzisch-nürnbergisch statt i besonders vor r (störbt, wörft, gebörg u. s. w.) Weinhold bair. gr. § 26.
d) statt ü in mönch, hölzern, ich quölle, schwölle u. s. w. Weinhold bair. gr. § 26. alem. gr. § 27; statt æ im conj. prät. ich drösche, föchte.
4) das lange o (ô) wird in der nhd. schrift entweder gar nicht vom kurzen o unterschieden (tod, brot, schonen, krone, grosz, stosz) oder durch oo, oh bezeichnet: moos, loos; ohr, lohn. unechtes ô entsteht
a) aus o durch dehnung (schon seit dem 13. jh., s. Weinhold mhd. gr.2 § 62. 68. 74. bair. gr. § 55. alem. gr. § 43): boden, bogen, loben, trog, bohren, hohl, kohle u. s. w.
b) aus â durch trübung (bair.-österr. schon seit dem 13., schwäb.-alem. seit dem 14. jh., Weinhold bair. gr. § 56. alem. gr. § 44): wo, woge, docht, montag, mohn, ohne, (arg-)wohn, dohle u. a. (mhd. wâ, wâc, tâht, mântac, mâhen, âne, wân, tâle aus tâhele); im präteritum pflog, wog, gohr entspricht es einem kurzen, im plur. pflogen, wogen, gohren einem langen a.
c) aus ou durch verdichtung, die nach dem hochdeutschen lautgesetze schon seit dem 8. jh. vor h (j, w) und vor den zungenlauten dtzsrn stattgefunden hat (Weinhold mhd. gramm.2 § 109. bair. gr. § 54), alemannisch auch vor andern consonanten (alem. gr. § 42), wie noch nhd. in strom statt straum, ferner in den präteritis ich bog, flog, klob, log, schob, stob, schnob, schrob, sog, trog.
d) einem alten u entspricht es in sohn (mhd. sun, md. und mnd. son) und in den präteritis wir kloben, schoben, flohen, flogen, bogen, zogen, logen, boten, froren, verloren.
5) der umlaut des langen o, dessen spuren sich bis ins 11. jh. verfolgen lassen (Weinhold mhd. gr.2 § 111), wird nhd. durch œ, , gewöhnlich (wie beim kurzen o) durch ö (öh) bezeichnet: böse, lösen, trösten, löhne, höhnen. unechtes œ steht
a) für kurzes ö in löblich, öl, höhle, die tröge u. s. w. (Weinhold bair. gr. § 57).
b) als unechter umlaut statt ô (s. Weinhold bair. gr. § 57. mhd. gr.2 § 113).
c) statt e oder ë in löwe, möwe, schwören, köder, trödel (mhd. kërder, trëdel).
d) statt æ in argwöhnisch; ältere und mundartliche belege bei Weinhold alem. gr. § 46. bair. gr. § 57. 58.
e) statt ü in könig, mögen, möglich, söhne, ich flöge, zöge u. s. w.
f) statt franz. eu in den fremdwörtern möbel, pöbel.
6) die biblische redensart das A und O für das erste und das letzte, der anfang und das ende ist hergenommen vom griech. alphabet, in welchem ω (ô) den letzten buchstaben bildet:

ich main dich, chünig, Alpha et O.
H. Vintler 26;

ich bin das A und O, der anfang und das ende. offenb. 1, 8; ich bin das A und O, der erst und der letzt. 1, 11, vgl. 21, 6. 22, 13;

bist gott und liegst auf heu und stroh,
wirst mensch und bist doch A und O.
P. Gerhard 55, 39 Göd.;

so bleibet disz das A und O
vom gantzen evangelio.
Zinzendorf teutsch. ged. 1, 305;

und seid von herzen froh;
das ist das A und O.
Göthe 10, 218, vgl. 17, 64;

und das ist das A und O.
Chamisso (1872) 1, 169;

A und O von dieses lebens psalter,
trübe jugend sinds, und trübes alter.
Platen 1, 85.


7) etwas o-förmiges: da that der herzog einen groszen ausruf, und machte mit dem munde ein O. Göthe 35, 168; plural:

die schöne Helena, die so die nacht durchfunkelt,
dasz sie die lichten O's (fiery O's), die augen dort, verdunkelt.
Schlegel sommernachtstraum 3, 2;

das goldene O, ein falter, der gelbe heuvogel: 'auf den hinteren flügeln ist ein weiszes auge in einem gelben ring, daher man diesen falter auch das goldene O nennt.' Oken 5, 1401.

[Bd. 13, Sp. 1041]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) o ! mit dehnungs-h oh! interjection der empfindung, entsprechend dem griech. , , lat. ô, altslav. a und o (= skr. â) gramm. 3, 288. Scherer zur gesch.2 412.
I. Gebrauch im gothischen und altdeutschen.
1) Vulfila gebraucht ô für griech. und οὐᾶ: ô kuni ungalaubjandô (ὦ γενεὰ ἄπιστος). Luc. 9, 41. Marc. 9, 19; ô diupiþa gabeins (ὠ βάθος πλούτου). Röm. 11, 33; ô unfrôdans Galateis (ὦ ἀνόητοι Γαλάται). Gal. 3, 1; ô sa gatairands þô alh (οὐᾶ ὁ καταλύων τὸν ναόν, pfui dich, wie fein zubrichestu den tempel Luther). Marc. 15, 29.
2) im ahd. begegnet kein dem goth. ô entsprechendes ô oder uo, sondern nur einmal bei Notker au (mit dem sanskr. âu, altslav. au zu vergleichen Scherer a. a. o.): aû wiêo diccho sie ingramdôn in in dero wuôsti (quotiens exacerbaverunt eum in deserto). ps. 77, 40; ferner im 11. jahrh. einmal proklitisch vor wê: et tot iam ictus et incussiones ferre non sustinens, barbarice clamans: 'au wê! mir mê!' vociferavit. Ekkehard casus s. Galli bei Pertz monum., script. 2, 98, 40; quisnam ille erat, qui 'auwê' vociferavit. 98, 46 (bei Goldast 1, 27a o we, owe und darnach in gramm. 3, 293). s. DWB au und DWB auweh th. 1, 598. 1045. — altfries. proklitisch in o wach, o wopen Richthofen 956a. dem ags. alts. altn. fehlt die interjection.
3) frühmhd. im 11. jahrh. nur proklitisch in ô wî, owî (Lachmann zum Iwein 450. Weinhold alem. gr. s. 315. bair. gr. s. 271); einfaches ô begegnet erst in den aus dem 12. jahrh. stammenden Windberger psalmen, die damit wol nur das lat. ô wiedergeben wollen (vgl. Lachmann zum Iwein 349).
a) vor dem vocativ: o herro, o domine! 551 (ps. 117, 25), doch steht im lat. der vocativ gewöhnlich ohne o: ó herro, domine! 143. 631. 641. 646 (ps. 34, 30. 138, 1. 140, 1. 142, 1); ó got, deus! 191. 242. 271. 281. 375 (ps. 43, 1. 53, 2. 59, 1. 62, 1. 78, 1); ó Juda chunich mîn, ó Moab cheʒʒel gedinges mînes, Juda rex meus, Moab lebes spei meae. 517 (ps. 107, 10); ó ir rîche dere erde singit gote, regna terrae cantate deo. 306 (ps. 67, 36); o ir berge, montes. 536 (ps. 113, 6); ó du tohter, filia. 628 (ps. 136, 10); lobe, ó fridegesiuni burch, den herren, lobe got dînen, ó du warte. 663 (ps. 147, 1); lobet ó ir diete liut sînen, laudate gentes populum ejus. nachtr. zu den Windb. ps. in Haupts zeitschr. 8, 136; o almahtiger herro, omnipotens deus! gebete zu den Windberger ps. bei Graff 36; o almahtiger got. 38; zwischen substantiv und possessiv: got o mîn. Windberger ps. 60 (ps. 17, 33). — auszerdem mhd. in dichtungen geistlichen inhalts: ô Jhesu Christ. Wackernagel kirchenl. 2, 52, 7 (12. jh.); ô Mariâ. 2, 66, 3. minnesinger 2, 255b (13. jahrh.);

ô hôher und starker .. got! 2, 383b;

ô süeʒiu frowe!
S. Helbling 11, 5;

im 14. jahrh. schon häufig, z. b.:

ô wîp, du hôher êren haft. minnes. 3, 392b;

ô êwiger got, pis mir niht gram.
Wackernagel kirchenl. 2, 454. 3, 2;

ô edel sêle halt dich frî. 466, 1;

ô wîselôse wîse ..
ô unverstanden wesen. 474, 2;

ô süeʒe helferinne. 485, 10 u. oft;

md. ô wunneclîcher hêrre! Elisabeth 4723.


b) als ausruf: o wie suoʒʒe goumen mînen gespræhe dîniu, quam dulcia faucibus meis eloquia tua. Windb. ps. 575 (ps. 113, 103); wole sprechet ó ó ó dem herren. nachtr. zu den Windberger ps. in Haupts zeitschr. 8, 137; sonst mhd. und md. nur selten:

o wol dir, welt, o wol dir hiute und iemer mêre wol. minnes. 2, 357b;

o wie süeʒer smac daʒ ist.
Wackernagel kirchenl. 2, 454. 3, 4;

her Brûne schrei 'och unde ô.' Reinh. 1555 (im alten Reinh. ohô!);

eia, herre got, und ô!
Jeroschin 5333.


II. Im nhd. ist der gebrauch dieser interjection offenbar unter einflusz und mit nachahmung des lat.-roman. ô und dessen constructionen sehr umfangreich geworden als an- und ausruf: o vocat, clamat, conqueritur, stupet, dubitat, indignatur, optat (rueffet, schryet, claget, bittet, ersufzet, wundert, zwyfelt, ungnedigt, hoffet). voc. incip. teut. Dief. 386a. vgl. gemma gemm. (1508) r 3d. Dasyp. (1556) T 6b.
1) als interjection des an- und zurufs.
a) vor dem vocativ als ein die anrede verstärkender zuruf (wie im griech.-lat.), wofür sich überall belege finden, z. b.:

o mensch, geh inn deines hertzen grund.
Wackernagel kirchenl. 2, 931, 8 (15. jh.);

[Bd. 13, Sp. 1042]



o liebes weib meins, vergisz dich nit. fastn. sp. 51, 4;

o narr, wie tropfst also herfur? 52, 13;

o neider, was suchstu? Meisterlin 32, 20; o alrun ich rüff dich an. Pauli 99 Öst.; o got erbarm dich uber mich. 160; darumb erbarm dich unser, o lieber vater! Luther 1, 327a; o herr hilf, o herr las wol gelingen. ps. 118, 25; o du ungleubiges geschlecht. Marc. 9, 19. Luc. 9, 41; und er sprach zu inen, o ir thoren und treges hertzen. 24, 25;

o lieber herr, was willst du thun?
H. Sachs 1, 85, 8;

o gut, o böses gut, was kanst du denen geben,
die deine folger sind.
Opitz (1644) 1, 95;

o ewigkeit, o ewigkeit,
wer wird dich können messen!
Spee trutzn. 54 B.;

o freundliche gelassenheit! ..
du kommst zu rechter zeit.
Günther 367;

o du, der erste der götter!
Klopstock Mess. 6, 521;

o du, du theurste der mütter! 7, 496;

o mutter, mutter! was mich brennt,
das lindert mir kein sakrament.
Bürger (1778) 84;

o liebe, leih mir den schnellsten deiner flügel.
Göthe 12, 124;

o kaiser! kaiser! räuber beschützen deine kinder. 8, 151; oh meine tochter! eure liebe macht mich so glücklich. Schiller 3, 66 (räuber, schausp. 2, 2);

o knabe, werde grosz und gut!
Stolberg 1, 357;

o alpe, grüne alpe! wie ziehts nach dir mich hin!
Uhland (1879) 2, 155;

o sonn', o meer, o rose!
Rückert 1, 270.


b) in ähnlicher weise vor einem imperativ, da bei demselben der entsprechende vocativ nur ausgelassen oder dem verb nachgesetzt ist, z. b.:

o helft, lieben freunt! fastn. sp. 50, 10;

o schweig du, sprach die seele.
Wackernagel kirchenl. 2, 1294, 5 (16. jh.);

o so frisz an meinen knochen!
Günther 120;

o! sprich zu meinem wunsch nicht nein!
o! halt die arme für mich offen!
Haller 162 Hirzel;

o! haltet nur ein wenig stille.
Lichtwer 177 (4, 23);

o fluchet meinem staube nicht. Geszner 1, 115; o pack dich! Lessing 1, 256; o! schweig doch davon. 461; o quäle mich nicht. 10, 274;

o kenne mich wieder!
Klopstock Mess. 6, 567;

o neig auf meine leier
dein allgefällig ohr!
Bürger (1778) 73;

o höret was wir singen!
Göthe 1, 43;

o löse meine zweifel! 9, 53 (Iphig. 3, 1);

oh sieh mich nicht an! Klinger Otto 87, 12 neudr.; oh sauszt um mich, blutige schatten! 82, 16;

o trockne diese thräne!
Gotter 1, 29;

o sei uns hold und nah!
Schiller 6, 413;

o! lösche deine fackel, tag! 11, 208;

o! nimm der stunde wahr, eh sie entschlüpft. 12, 111 (Piccol. 2, 6);

o legt mich nicht in das dunkle grab!
Uhland (1879) 1, 43;

elliptisch o stille nur! Lenz dram. nachlasz 290 Weinh.; o stille, stille! Grabbe 1, 406; o weiter, weiter (geredet)! 405.
2) als interjection des ausrufs der verschiedenartigsten affecte.
a) vor andern interjectionen, den ausdruck derselben verstärkend, o je! o jemine! o jerum! (theil 42, 2274. 2304. 2312), o pfui! o weh! o wol! (vgl. I, 4, b), z. b.:

es seind einmal drei schneider gewesen, o je!
und haben 'n schnecken fürn bären angsehen.o je, o je, o je! wunderhorn2 2, 682;

und, o je! da ich ihn doch einmal rühmen musz. H. Heine 3, 66;

o pfui, und pfui, und wieder pfui
den elenden!
Schiller 1, 269;

o wee, ach und wee mir armen weib! Tristrant 198, 3 Pfaff; o wee des unheils! 117, 19 (s. weiteres bei weh);

o wol der süszen streich!
Spee trutzn. 2 B.;

o wol und wol der stunde,
so mich zur busz gebracht! 72;

o wohl mir, dasz gestorben
der treue buhle mein.
Uhland (1879) 1, 5. s. wol.


b) vor ausdrücken der bejahung und verneinung und andern interjectionsartig gebrauchten wörtern, die einen ganzen satz ersetzen, z. b.: o doch! Lessing 10, 176. 254; o nicht doch! seid auszer furcht! Schiller 3, 417 (kabale 2, 6);

[Bd. 13, Sp. 1043]


o freilich! das bekümmert die dort oben! 6, 404;

o gut! gut, dasz ihr kommt. 12, 545 (Wallenst. tod 5, 12);

o gewiss! das allerbeste
blieb mir nicht verhehlt.
Göthe 5, 72;

o recht gerne! Siegwart 1, 31; E. kann ich hier nachtlager bekommen? S. o mit vielem vergnügen mein herr! Lenz dram. nachlasz 248 Weinh.; o ja, o nein! (theil 42, 2190 und oben sp. 591):

o ja, o ja! das will ich wol.
Uhland volksl. 274;

o ja, erzähl, erzähl von wort zu wort!
Göthe 9, 161 (Tasso 2, 4);

Wagner. zu schauen wie ...
.. wirs dann zuletzt so herrlich weit gebracht.
Faust. o ja, bis an die sterne weit! 12, 38;

o ja, gab das schneiderlein zur antwort, die riesen will ich schon bändigen. Grimm märchen (1843) 1, 132;

o nein, es hat ein andern sinn!
H. R. Manuel weinspiel 916;

o nein, sondern es geht umbher,
wie es mit stank beladen wer.
Ringwald l. w. 322;

o nein, das thaten sie nie! Schiller 2, 54 (räuber, schausp. 1, 3).
c) vor wer, was, warum, wie (vgl. I, 4, b) in ausrufungs- und fragesätzen, z. b.:

o, wer kan ihre freud .. beschreiben?
S. Dach 284 Öst.;

o wer gibt meiner asch ein leichtes häuflein sand!
Gryphius trauersp. 604 Palm;

o wer ist ärmer als du? Weise erzn. 64 neudruck; o was für verzweiflung, wenn er mich nicht erhört! Geszner 4, 131; o was fühl ich! 1, 116. 227;

o was entdeckt sich meinem blicke?
Drollinger 24;

o was ist das vergnügen der freundschaft für eine wollust! Gellert schwed. gräfin (1763) 116; o was waren das für lange tage für mich! 128; o, was für eines göttlichen ursprungs sind wir! Lessing 1, 136;

o, was empört mich mehr?sein undank?seine kälte?
Schiller 6, 403;

o! was sprech ich
nicht alles aus in diesem theuren namen? 12, 104 (Piccol. 2, 4);

o warum musz ich denn ein schlachtopfer meiner feinde werden! Gellert schwed. gräfin 24;

o wie sint ir nn sô rîch!
Wackernagel kirchenl. 2, 840, 5 (15. jh.);

o wie söll wir armen leut tn? Tristrant 50, 8 Pfaff; o wie ein so hartes urteil erteilet ist! 91, 21; o wie schantlich hat sich unser esel den wolf lassen fressen on widerstand. Steinhöwel Es. 204 Öst.;

o wie gut ist da sein,
wo miltigkeit regiert!
H. Sachs 3, 248, 26;

o wie vil königreich seindt durch ihne (ehrgeiz) verderbt worden! Albertinus narrenhatz 33; o, wie ist solche fromme fürstin .. so schwach! Philander (1650) 2, 90;

o wie bistu so verdrungen,
wo ist deine herrligkeit.
Opitz (1644) 2, 326;

o wie selig ist die stunde!
Günther 274;

o wie schön, wie ungezwungen!
Gellert 1, 316;

o wie viele güldne stunden
sind mir unbereut verschwunden!
Uz 1, 162;

o wie wallt mein herz
so gern dir zu!
Wieland suppl. 2, 259;

o wie schön ist, die ich minne,
o wie schön, an seel und leib!
Bürger (1778) 63;

o wie hat es mich entzückt!
Göthe 1, 45;

o wie freundlich hat er wort gehalten! 2, 110;

o wie sehr drückt die last mich, o wie sehr!
Platen 2, 7.


d) in optativsätzen vor dasz (theil 2, 824), wenn oder vor dem conjunctiv, wie lat. o utinam: o das mein leben deine rechte mit gantzem ernst hielte. ps. 119, 5; o das wir mit ihnen auf der ehene streitten müszten, was gilts, wir wolten inen angewinnen? 1 kön. 20, 23;

o das ich wer vor Troya todt!
H. Sachs 2, 161, 25;

o dasz ich doch bei euch des todes farben fünde!
Haller über die ewigkeit 8;

o dasz ich in der nähe
doch ihre farben sähe!
Göthe 1, 69;

o dasz sie frucht, o dasz sie freude bringe! 9, 150 (Tasso 2, 2);

o dasz der flügel Chronos harrte!
Schiller 1, 225. —

o, wann nur ich
dürfte so erkühnen mich!
Logau 2, 3, 82;

o! wenn der geizhals nur den greis gesehen hätte.
Gellert 1, 153;

[Bd. 13, Sp. 1044]


o wenns nur das mal geräth! Geszner 4, 129; o wenn ich nur einst seine dienste belohnen kann! 130. — o west ich doch, ... warmit man in z hilffe kumen möcht! Tristrant 50, 11 Pfaff; o wölt got, das ich gelaubt het! 67, 18; o hette ich flügel wie die tauben. ps. 55, 7; o hätte ich meine sünden recht bereuet! .. o hätte ich den armen mehr guts gethan. Philander (1650) 1, 419;

o wär ich doch ein raben-kind!
Günther 65;

o hätt ich niemals dir gefallen!
Haller 165 Hirzel;

o wäre mirs nur keine schande!
Gellert 1, 145;

o schlief ich doch von neuem ein!
Uz 1, 24;

o hättest du ihn da schlummern gesehn.
Klopstock Mess. 2, 80;

o weckte dich mein lauter ruf
aus deinem grabe wieder!
Bürger (1778) 68;

o könnte man von seinem tode sprechen!
Göthe 9, 48 (Iphig. 3, 1);

o trüg ich doch ein männlich herz in mir! 9, 76 (4, 4);

o hätte mans gethan!
Schiller 12, 98 (Piccol. 2, 2);

o könnt ich mir die lebende beschwören!
Platen 1, 29;

o kämest du herab zu mir!
Uhland (1879) 2, 8;

o dürft ich mir so hellen tod erbitten!
Rückert 1, 107.


e) auch in unzähligen andern fällen ist o oder o! als ausruf verschiedenartiger empfindung einem satze vorangestellt, z. b.:

o das wer mir ein rechtes weib! fastn. sp. 73, 7;

o das ist ein schweer ding. Luther 3, 202b;

o, sollichs weisz ich selber wol.
H. Sachs 1, 58, 4;

o, es hat vil ein andre gstalt,
als du .. weist davon.
Ayrer 152, 20;

o weicht die sonne nicht?
Gryphius trauersp. 781 Palm;

o, glücke thut es nicht!
Logau 2, 3, 91!

o! .. was hilft dich das?
Stoppe neue fabeln 1, 2;

o so schlag ich alle grillen
ihrer lästrung in den wind.
Günther 240;

o das ist ein buch!
Lichtwer 179 (4, 25);

o soll mein herz nicht um dich weinen?
Haller 159 Hirzel;

o es kömmt, es kömmt die zeit,
die zur lust uns träge macht.
Uz 1, 31;

o so bauten wir hier hütten der freundschaft uns!
Klopstock 1, 72;

o! ihr werdet mir einen gefallen thun, wenn. Lessing 1, 458; worüber lachst du denn? o über nichts. 161; o diesz will ich von dir flehen. Geszner 1, 243; o ich kann nicht, ich kann nicht fliehen! 245;

o! werd ich in den dunkeln gründen ..
nicht einen von euch wiedersehn?
Gotter 1, 11;

o sie ist werth zu sein geliebt!
Göthe 1, 85;

o es schläft alles, alles! 8, 152; o! das deutete der traum, den ich hatte. 126; o ich schäme mich nicht dieser .. neigung. 17, 187; o ich würde rasend werden, wenn. 16, 102; o! sie hat juwelen und eine krone. 136; oh ich musz, ich will enden. Klinger Otto 82, 5 neudruck; o mir friszts am herzen. 85, 14; o da thun sie ein werk der barmherzigkeit. Lenz dram. nachl. 62 Weinh.; o das wird nicht geschehen. 67; o ich musz weinen! 71; o ich werde schon mittel zu finden wissen! 419; oh ich habe viel gelernt bei meiner bäuerinn. 156; o ich bedanke mich tausendmal! Miller Siegwart 1, 69; o es war ein treflicher mann! 1, 82;

o dann rügst du mit fug.
Voss Od. 22, 45;

o der freie trägt erhaben
in der brust das weltgericht.
Tiedge Urania 5, 600;

o ich kenne dich! Schiller 2, 55 (räuber, schausp. 1, 3); oh es wütet in meinem innern. 65 (2, 2); oh! was habt ihr gemacht, vater! 70 (2, 2); oh sie ist ein unglückliches mädgen! 151 (4, 4);

o! werden wir auch jemals glücklich werden! 12, 145 (Piccol. 3, 5);

o dieses haus braucht keines meisters mehr. 551 (Wallenst. tod 5, 2);

o siehst du hier ..
die blauen blumen blühn?
Platen 1, 9;

o du bist gut.
Rückert 1, 366;

verdoppelt:

o, oh! ich weisz, der herr hat gnade funden
vor Saladin.
Lessing 2, 304 (Nathan 4, 2);

o, o, 's ist schändlich!
Tieck könig Lear 3, 2;

o, o! lehnte der junge mann mit bescheidenheit ab. Gutzkow ritter (4. aufl.) 3, 192.
f) in einen satz eingeschoben oder ihm nachgesetzt: hat — — o! hat gottes donner den bruder gerochen! Geszner 1, 212;

[Bd. 13, Sp. 1045]


und o welche mütterliche sorgfalt wars. Herder id. 1, 214; aber einen bedienten hat er, ohh! ein recht abscheulicher mensch! Lenz dram. nachl. 82 Weinh.;

und o! wie bist du es würdig, dasz.
Wieland suppl. 2, 265;

voll ernst ist das gesetz ...
o, furchtbar ernst in seiner majestät!
Tiedge Urania 5, 267;

es ist ein garstger tod, verbrennen.o!
Lessing 2, 198 (Nathan 1, 2).


3) die person oder sache, die den affect erregt und über die der ausruf geschieht, steht
a) im nominativ oder vocativ, z. b.: das kind .. sprach (vor schmerzen klagend) zu seinem vater, o mein heubt, mein heubt! 2 kön. 4, 19; o welch eine tieffe des reichthums! Röm. 11, 33; o grosze blindheit und thorheit eines verliebtens! Albertinus narrenhatz 279; o eiteler vorsatz der menschen! Gryphius lustsp. 466 Palm;

o armes land! noch ärmer aber wir!
Hofmannswaldau pastor Fido 108 (4, 3);

o bittere gedult, die dieser mann musz tragen.
Rachel 1, 153;

o wonne, flammendes entzücken!
o freude, die die zunge bindt!
Haller 166 Hirzel;

o welch entzückendes vergnügen!
Lichtwer 151 (4, 8);

o das rabenaas! Lessing 1, 253; o der unbesonnene .. Wagenseil! 10, 202; o die! die wissen viel. 290;

o armes volk, dem je das loos
solch eines herrschers fiel!
Gotter 1, 64;

o schöner brunnen, der uns flieszt!
Göthe 12, 115;

o unsre freiheit! 8, 240;

o all die erinnerungen! Lenz dram. nachl. 117 Weinh.; o mein verlornes glück! 120; o ich ungeheuer von einem thoren! Schiller 2, 146 (räuber, schausp. 4, 3); o der heillose mann! 3, 45 (Fiesko 2, 2); o ich unglücklicher, o ich elender u. s. w., o ich elender mensch, o me perditum! Maaler 310a.
b) im genetiv (wie im lat.): o des senlichen und behenden scheidens! Tristrant 67, 23 Pfaff; o der losen christen! Luther 3, 118a; o der undankbaren menschen, o hominum ingratitudinem. Dasyp. (1556) T 6b;

o deiner elenden bulerei!
H. Sachs 3, 378, 11;

o meines königs und meines herrn!
Ayrer 351, 10;

o der angenehmen frucht,
die da deine liebste bringet.
Opitz (1644) 2, 37;

er that es, o des schimpfes! um mehr zu erben.
Lichtwer 146 (4, 5);

o des zaubers! den sie scheidend zauberte!
Klopstock 2, 6;

o der wunder! 2, 168;

o des todes! der gottesgabe! Mess. 16, 540;

o der aussaat, welche du, ewiger sohn!
dir in Smyrna sätest! 20, 759;

o der erzthoren! Lessing 10, 57; o des höllischen gauckelspieles! 2, 187 (Em. Galotti 5, 7); o des Franzosen, der keinen verstand gehabt hat! 6, 398; o, des groszen dienstes, den uns die thorheit dieses fakirs gethan hat! Wieland 8, 183;

o! ruft sie, des gütigen zufalls! der neue Amadis 12, 28;

o des schändlichen beginnens!
o des bübischen verraths!
Herder Cid 57;

o der niedrigen verräther! 58;

o des betrugs!
Voss Il. 22, 15;

o des geschickes
seltsamer windung!
Göthe 1, 120;

o des eitlen, kleinlichen menschen! 14, 145; o der unnöthigen strenge der moral! ... o der seltsamen anforderungen der bürgerlichen gesellschaft! 20, 137;

o des goldenen tags, da bei dem volke Teuts
noch gerechtigkeit galt.
Stolberg 1, 9;

o der helle, die dem guten schwärmer
nichts zu zeigen hat, als seine nacht!
o des lichtes, das den glauben ärmer
und die weisheit doch nicht reicher macht!
Tiedge Urania 1, 17;

o der unglückseligen stunde! Schiller 2, 321 (räuber, trauersp. 5, 5); o des frevelhaften eigensinns! 3, 500 (kabale 5, 7); o des kläglichen miszverstands! 3, 503;

o des verderblichen lichts!
Platen 1, 168.


c) im dativ (wie im griech.):

o dem verhängnis!
Opitz Arg. 1, 603;

o dem schmerzlichen brande! 2, 432;

o den betrübten tritten,
mit welchen erstlich wir das Persien beschritten.
Fleming 204;

[Bd. 13, Sp. 1046]


o den trefflichen menschen! d. j. Göthe 1, 361; o mir (griech. ὤ μοι)! werke 13, 152. Gerstenberg Ugolino 4. aufz. Immermann Münchh. (2. aufl.) 4, 89; oh mir! Schiller 2, 165 (räuber, schausp. 4, 5).
d) im accusativ (wie im lat.): o mich (engl. oh me) getreu! die schausp. der engl. komödianten 179 Tittm.; o mich elenden! Schuppius 746; o dich ein unglückseligen martyrer! 705;

o mich vergeszlichen!
Lessing 2, 266 (Nathan 3, 2).


e) im accusativ mit über: o, über die vorbitterinn! Lessing 1, 590; o über euch Pharisäer! Schiller 2, 104; o über den klugen einfall! Immermann Münchh. (2. aufl.) 3, 233; o über sie! o! o, sie sind nicht gekommen! Gutzkow ritter (4. aufl.) 4, 46.
4) in substantivischer verwendung: die 'o hätte ich! o wäre ich!' (s. 2, d). Philander 1, 419 ff.;

lieber läszt er sich beschämen,
als sein o und ach sich nehmen.
J. A. Schlegel, Gödeke elf bücher 1, 586a;

hier fliegt manch feurig o, und manch betraurend ach.
Zachariä (1767) 1, 167;

die zahlreichen ach und o! Börne 1, 169; dieselben achs! dieselben os! Gutzkow ritter (4. aufl.) 9, 53.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
o! interjection an ausrufe angehängt wie io th. 42, 2153. Schm.2 1, 10. Weinhold bair. gramm. s. 271. Frommann 6, 340. Schöpf 477. Lexer kärnt. wb. 21. 199; schon mhd. statt â in wâfenô (var. waffen io) Parzival 675, 18. Georg 4373.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
o! oh! oha!interjection, zuruf an pferde und andere zugthiere stillzustehn. Schm.2 1, 10. Frommann 5, 450 f. schweiz. idiot. 1, 22. Kehrein volksspr. in Nassau 1, 299. Dähnert 333a; sprichw. o ist stark, hält ross und wagen auf. Schm. a. a. o. vergl. Ickelsamer A 6b: o ist der starck laut, der die pferdt still stehn macht; in Grüszbeutels stimmenbüchlein (1534), neu herausgegeben von Fechner, ist bei o wagen und pferd, auf dem ein die peitsche schwingender fuhrmann sitzt, abgebildet.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
oase, f. kulturfähiger und bewohnbarer landstrich in einer sandwüste; überkommen aus gr. ὄασις, αὔασις, das aus dem ägyptischen (kopt. ouahe) stammt; eigentlich und übertragen: die wadis oder oasen (der arabischen wüste). Becker weltg. (4. aufl.) 5, 101;

will mich unter hirten mischen,
an oasen mich erfrischen.
Göthe 5, 4;

inselreiches meer beschauend,
eine wüste voll oasen.
Platen 2, 81;

einst, hoff ich, wird die seele sich erholen
von sandger wüst auf lachenden oasen. 3, 165;

und blüht in diesem grauen
und wüsten baue eine blume nicht,
die ihn zur lieblichsten oase wandelt?
Grabbe 1, 402;

jenes haus war eine oase .. deutscher gemüthlichkeit in der sandwüste der französischen verstandeswelt. H. Heine 10, 137.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
oasenschatten, m.:

bis endlich in oasenschatten
die quelle tränkt den müden zug.
Lenau (1880) 2, 105.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
ob, adv. und präpos. ahd. oba, opa, obe, mhd. obe, ob gehört mit auf, oben, über zu sanskr. upa, griech. ὑπό, lat. sub. L. Meyer goth. gr. 423. Curtius grundz.3 272.
I. adv. oben, über, nur noch gebraucht in zusammensetzungen wie obacht, obdach, obhut, obliegen, obmann, obsiegen u. s. w., ferner in participien obgedacht, obgenannt, oberwähnt, obberührt u. s. w. (im obigen, im vorhergehenden genannt u. s. w.), die im ältern nhd. viel häufiger vorkommen:

und dankt got in dem himel ob.
Murner geuchm. m 1b;

wie ob stedt (steht). Eulensp. 145, zusammengerückt obsteet Schwarzenberg 108b. Forer fischb. 57b. Kirchhof discipl. milit. vorr.; in obstehendem lehrsatz. Kant 8, 489; wie oblaut Zimm. chron. 4, 234, 10. Götz v. Berl. 11. 18; participia prät. (vgl. DWB oben 1, b, δ), z. b. obangedeutet S. Bürster 106; obangezogen Lennep lands. 2, 112a. Mainzer landr. XXI § 6. österr. weisth. 6, 402, 6; obangeregt 185, 27; obbegriffen 72, 28; obbehört Zimm. chron. 1, 136, 20; obbelobt Hahn histor. 4, 4 anm. d; obbemeldt Aventin. 5, 506, 7. Zimm. chr. 1, 141, 3. österr. weisth. 6, 4, 2 u. oft; obbemeldeter maszen Wieland, Merck briefs. 2, 261; obberürt Luther 3, 102a. Schwarzenberg 139b; obbeschriben österr. weisth. 6, 139, 28; obbestimbt 137, 3; die obbestrickten (oben erwähnten). Lohenstein Arm. 1, 362a; obernannt (oben genannt) Lennep lands. 2, 69a. 77a; oberwähnt Felsenb. 1, 56. Göthe 21, 218; oberzelt, oberzählt Frank weltb. 11b. Ryff chir. 139b. Fischart bienenk. 36a. S. Bürster 45; obgedacht Wickram der irr reitend bilger B 3 bl. 4. S. Bürster 63. 122. Göthe 29, 299 H.; ob-gefeltes urteil H. Sachs 8, 171, 28; obgehört Zimm. chron. 1, 179, 34. Götz

[Bd. 13, Sp. 1047]


v. Berl. 78; obgelobt Meyer bei Göthe 37, 346; ob gemelt und obgemelt H. Sachs 11, 228. 33. 239, 27. F. Platter 196 B. Schuppius 570. 674, obgemeldet Göthe 31, 85. 55, 11; obgenannt 31, 216; obgerurt Lennep lands. 2, 37a; obgesagt Luther 3, 409b. S. Bürster 93; obgesetzt 243. Butschky Patm. 382; wie obvermeldt Kirchhof wendunm. 255a; obgezeigt Siegfr. v. Lindenberg 2, 95. 148.
II. präposition, gegensatz zu nied (sp. 741), nun veraltet und nur in gehobener rede verwendet. vgl. Staub-Tobler schweiz. idiot. 1, 48 ff.
1) räumlich mit dativ.
a) über, oberhalb: ahd.

kapfetun sie lango ...
mit hanton oba then ougon.
Otfrid 5, 17, 37;

mhd. obe den rippenzwuo schulter likkent. Milstäter genesis 6, 25;

dô Sîfrit ob dem brunnen tranc. Nibel. 922, 1;

nhd. im grunt oder ob dem wasser. Tucher baumeisterb. 122, 14;

under dem nabel und ob den knieen. fastn. sp. 323, 26;

so wirff ich sei nider
und schütt ob ir mein gefider. Erlauer spiele 3, 133 Kummer;

wann ob der hand nit wer ir schnit.
S. Brant 79, 15;

wenn mein herrligkeit fur uber gehet, wil ich dich in der felskluft lassen stehen, und meine hand sol ob dir halten, bis ich furuber gehe. 2 Mos. 23, 22; er (gott) schweb ... ob allen dingen. Aventin. 4, 423, 20; arn und raben .. in lüften ob uns schwebend. 385, 33 (vgl. obschweben);

ob der stat stund am himel klar
ein fewrig schwerd.
H. Sachs 1, 319, 15;

so hoch der himmel ist ob der erd. 6, 277, 32;

die brucken ob der Tiber.
Ayrer 357, 1;

das tach ob der bruck. Hug Villinger chron. 67; do fiell der stein ettlich klafter ob mier (oberhalb im graben) nider. Th. Platter 12 B.; er sahe den engel ob seinem haupt. Reiszner Jerus. 102a; ob der linken brust. Fischart Garg. (1582) 262b; ob der Engelsburg. bienenk. 207a; der blieb in der luft ob ihn schweben. ganskönig A 2b; fliegen nicht sonderlich hoch ob dem wasser. Forer fischb. 18a; diese trauben kocht man ob einem guten hellen feuer in einem kessel. Tabernaemontanus 1283;

got, der zuvor ob dem gestirn gesessen.
Weckherlin 311;

die schwalb gleich als ein pfeil ob dem flusz herflieget. 759;

und wasz doch für ein schein
erzeigt sich ob dem hausz?
Rompler 27;

dein gnad lasz ob uns schweben.
Corner, Kehrein kirchenl. 1, 21, 9;

die gottliche gnad wird schwerlich ob ihm schweben. Schuppius 443;

das grausame gestirn, das ob Amanden steht.
Wieland Oberon 9, 34;

(sie) hielten ob ihm ihre hand.
Herder Cid 56;

(die hoffnung) hält versprechend ihn (kranz) ob jenem ziel,
das deinen tagen aufgesteckt ist.
Göthe 10, 42;

als ich (Jupiter) ob Argos flog,
kam wallend mir ein opferdampf entgegen
aus meinen tempeln.
Schiller 1, 331;

.. ob des todenreiches thoren
mein leben schwindelnd hängt. 235;

ob dem altar hing eine mutter gottes,
ein schlecht gemälde wars. 12, 135 (Piccol. 3, 3);

fern ob dem blauen strome,
am felsen wild und schroff.
Matthisson 136;

die flut stand funfzehn ellen hoch
ob bergen.
Rückert 3, 337;

siehst du hoch ob meinem haupte
jenen vogel?
R. Reinick lieder 170;

(wenn) lauter donner ob uns brüllt.
Usteri 3, 5;

Rothenburg ob der Tauber (auf einer höhe oberhalb der Tauber liegend). Schm.2 1, 16 (uf der Thauber L. Fries bauernkrieg 1, 41. 57).
b) über, auf: ahd.

gianga er .. oba themo waʒare thâr,
fasto oba ther undu (auf dem meer Matth. 14, 25).
Otfrid 3, 8, 17 f.;

mhd. hey waʒ rôter vankenob sîme helme gelac! Nib. 1990, 4;

dô truoc er ob der brünneein wâfen alsô breit. 1472, 3;

diu wahtel ... iʒt etleich vergiftig sâmen, und dar umb versmæhent si etleich weis läut ob irn tischen (vergl. 2). Megenberg 183, 23; nhd. die (leichen) stuenden all noch ob der erden in truchen. B. Zink 69, 30; die priester wurden ob dem altar erwürgt. Aventin. 4, 1139, 28; übelthäter ob der herren

[Bd. 13, Sp. 1048]


grund dem gericht zu antwurten. östr. weisth. 6, 234, 34 (16. jh.); nun gieng der herzog ob dem plaz ... umbher, sprach dem volk zu. Kiechel reisen 65; das es (pferd) sich mit groszer müeh mit den füeszen ob dem eis erhüelte. 77; all menschen ob aim haufen (alle zusammen) .. begern reich und selig zu sein. Aventin. 5, 36, 12; erwürgtens all ob ainem haufen. 261, 17; alle miteinander ob einem hauffen. Wickram rollw. 169, 17; ob einander, s. obeinander; die rufen, so ob den geschwären wachsen. Tabernaemont. 968; gerät, so ob der stangen hieng. Lindener schwankb. 12 Lichtenstein; ob den eieren sitzen, brten, in ovis sedere Frisius 1194a;

da sizt sie (spinne) nun ..
ob ihrem wunderding, das sie zur welt gebohren.
Schiller 1, 300;

uneigentlich: feind, so in ob dem hals lägen. Aventin. 4, 1174, 21; ob dem halsz stehn. Ayrer 3259, 9.
c) nach oben: alem. ob sich, zusammengerückt obsich, über sich, aufwärts, gegensatz zu niedsich (sp. 741, wo auch belege für obsich): sie sieht niemer ob sich uf den boum. Keisersberg seelenpar. 128b; den schenckel strecken ob sich gegen dem rucken. Ryff chir. 140a; obsich werts. Bechius Agric. 157.
d) gegenüber, vor:

und stehe mir ob augen.
Spee g. tug. 16. 613;

in allen dingen die gerechtigkeit ob augen haben. Philander (1650) 2, 493.
e) der geo- und topographischen lage nach, oberhalb und jenseits: ob disen bei dem Rhein wonen die Sycambri. Frank weltb. 27b; ein meil ob Rheinfelden ligt die statt Seckingen. Wurstisen 66; er kauft ein heusle ... ob dem bach. Zimm. chron. 4, 253, 17; (die grenze geht) ob der selbigen straszen .. nach der obern straszen ob der fronwisen. österr. weisth. 6, 246, 3; das land ob dem Lech. Aventin. 5, 643, 8, ob der Sau. 1161, 28; ob dem Wald, ob der Ems, s. nied sp. 741; das land ob der Enns. Aventin. 5, 69, 25. 368, 18; da entzündet sich im lande ob der Ens ein gefährlicher aufruhr. Schiller 8, 245.
2) die locale bedeutung geht, wenn das verweilen bei etwas, die beschäftigung mit etwas ausgedrückt werden soll, über in die temporale: ob (dem) tische, bei, an dem tische, bei der mahlzeit, aber auch während der mahlzeit, ebenso ob dem mahl, ob dem essen: mhd.

dâ Dancwart mit den knehtenob den tischen saʒ. Nibel. 1858, 3;

dar umb redent witzig läut wênig ob dem tisch. Megenberg 18, 15; nhd. ob dem tisch, super mensam Maaler 310a. F. Platter 198 B.; schluegen und rauften sich ob dem tisch. Aventin. 5, 327, 19; als ich ob tisch sasz. B. Zink 107, 31; du sitzest ob tisch. Keisersberg evang. (1517) 103a; da man ob dem tisch sasz. Pauli 60 Öst.; z end sagen alle, die ob tisch sitzen, amen. Frank weltb. 145b; als man ob disch sasz. Zimm. chron. 1, 289, 16. 26; so baldt das der frawen ob disch furkame. 289, 20; dergleichen hendel sein im vil begegnet, insonderhait einsmal .. ob disch. 4, 173, 38; von der zucht ob disch. Weller dichtungen des 16. jahrh. 67;

jucken und kratzen niemand sol
ob einem disch (bei, während einer mahlzeit). 68;

dasz er nicht oft das glasz erwisch,
und wenig esz ob solchem disch.
Scheidt Grobian. 1659;

(ich wil) singen frisch, frlich ob tisch. Fischart Garg. 92b; er hat ob tisch offentlich geredt. Reiszner Jerus. 2, 96a; ein versottenes bein unter kraut oder ruben, in welchem man ob tisch das marck suecht. Rompler gebüsch seiner reimgetichte, s. 18 der vorr. — ob dem maal, inter, super coenam. Maaler 310a; ob dem essen und trinken, in cibo et vino. ebenda; ob dem nachtessen. F. Platter 148. 184. 202 B.; Nero hat seinen bruder ob dem essen mit gift getödtet. Reiszner Jerus. 2, 83a;

und sitzen geren oben an
in schulen und auch ob dem essen.
H. Sachs 6, 376, 3;

ähnlich ob einem buche, ob den büchern: man wird mich nit ob den bchern wie Archimedem erstechen. Fischart Garg. (1582) 241b; er sitzt mit dem Wendelin drinne ob einem heilgen buche. Tieck 2, 35;

ob einem alten buche
bring ich die stunden hin.
Uhland (1879) 2, 138.


3) ob drückt ein übertreffen, einen vorzug oder eine herrschaft aus
a) über eine bestimmte zahl hinaus, mehr als, wobei (wie überhaupt bei zahl- und maszbestimmungen) flexionslosigkeit des substantivs

[Bd. 13, Sp. 1049]


und damit ein scheinbarer accusativ eintreten kann, doch kommt auch wirkliche rection des accusativs vor: ob 400 mannen ... eilten den feinden nach. B. Zink 39, 14; (es wurden) ob 1200 dorffer verhert und verprant. Meisterlin 288, 25; ob 37 klofter lank. Tucher baumeisterbuch 318, 24; schlg man ob 6 tuszend man z tod. Hug Villinger chron. 23; ob tussend guldin. 175; es warend ob den tausigen, erant super mille Maaler 310a; sie erschlgen ob hundert person. Wurstisen 189; in der statt Jerusalem sint ob zehen tausent juden verdorben. Reiszner Jerus. 2, 89;

das wesen wärt ob vierzehen tagen.
S. Brant 110b, 87;

nun han ich gelebt ob hundert jar.
Salat verl. sohn 1376 Baechtold;

ich und mein eltern haben fürwar
mein schenkstatt ob die achtzig jahr.
Ayrer 1525, 13;

wie ... ob 300 jarn gehalten ist worden. österr. weisth. 1, 1, 4 (17. jahrh.).
b) übertreffen und vorzug bezeichnend, vor: mhd.

ein wort ob allen worten
entslôʒ dîner ôren porten.
Walther 5, 23;

wande iuwer stimme
diu ist .. ob aller kurzwîle ein gimme. Gudrun 395, 4;

nhd. got grüesz euch ...
ob allen frauen mein liebste junkfrau. fastn. sp. 409, 5;

als ich dich werdt und lieb hielt ob allen dienern. Bocc. 33a; ich han euwer tochter lieb ob allen frawen. 33b; das die schwerste sünde ist und abgötterei ob allen abgöttereien. Luther 1, 32a;

die ob allen
opfern am besten dir gefallen.
H. Sachs 6, 286, 26;

denn er ist klug und weisz ob allen.
Waldis Es. 2, 65, 30;

mein trost ob allen weiben!
Uhland volksl. 131;

sie liebt mir ob ihn allen.
Leisentrit, Kehrein kirchenl. 1, 49, 3;

erwöhlend euch ob andern allen.
Weckherlin 356;

die war die schönste ob allen. buch d. liebe 41d; die, so dir ob allen dingen lieb ist. Galmy 305;

du lässest dir gefallen
die nährerin des glücks, die gottesfurcht, ob allen.
Rist Parnasz 369.


c) das höherstehen und vorgesetztsein, eine macht und herrschaft bezeichnend, über: mhd.

wol wær er künic rîch
ob wîten fürsten landen. Nibel. 394, 7;

küngîn ob allen frouwen.
Walther 77, 12;

nhd. hette er ein ... gebten meister ob ime. Fronsperger kriegsb. 1, 106a; so es (das kind) ein wenig ersterket, so ist .. strafen und bedreuen der eltern und zuchtmeister ob im. Wirsung arzneib. 2;

sein vorsatz wird von dem, der ob uns ist, gelänkt.
Rompler 127;

(richter) denk, dasz ein richter ob dir sei.
Simrock sprichw. 457;

gebeut mit frohem mute
ob meinem gut und blute.
Rückert 1, 50.


4) ob einem halten, zu einem halten, an etwas festhalten zum schutze oder aus anhänglichkeit und treue (th. 42, 276): die hielten ob den juden hart und errettetens. Aventin. 5, 484, 22; wirt in von den parteien heimlich vil geschenkt, damit man ob inen halt. 362, 21; und halte ob dem wort, das gewis ist. Tit. 1, 9; (sie) setzen sich wider mich darumb, das ich ob dem guten halte. ps. 38, 21;

sondern halt fest ..
ob den statuten unverzagt.
Ringwald laut. w. 213;

ich will nemen keinen gmahl,
ob euch hart halten wie der stahl.
Ayrer 1217, 26;

dann wer gott fürcht, der liebt auch ihn
und helt ob seinen worten. 2129, 11.


5) ob bezeichnet den grund und anlasz, über, wegen; schon ahd. opa deru sahhu, quam ob rem Graff 1, 79.
nhd.
a) mit dem dativ (vgl. DWB ab th. 1, 7, mit dem es wechselt):

ir herren, erschreckt nicht ob den gesten. fastn. sp. 372, 4;

euch zu ermanen, das ir ob dem glauben kempfet. Judas 3;

(wir wollen) die königin trösten thun
ob ihrem erstgebornen sun.
H. Sachs 8, 34, 4;

ob der that musz ich gleich erstummen. 121, 3;

und prüsten sich ob gottes gaben. 10, 36, 31;

ob uns sie sich auch hat beschwerd.
Ayrer 1964, 28;

er verwunderte sich ob dem volke. Rihel Liv. 3; ob welchem (anblicke) der könig heftig erschrocken. Kirchhof wendunm. 122a;

[Bd. 13, Sp. 1050]


dasz er gleich ob im erschrack. Wickram rollw. 47; diese fisch ob dem donner sehr erstarren. Forer fischb. 180a; ob solchem unwesen. Schuppius 677; der geist ereifferte sich ob solchem beginnen. Widmann Fausts leben 140 K.; wie sehr hat sich Holland ob madamen reise entsetzet. Leibnitz 1, 180;

gesang, ob dem die nachtigall schweigt.
E. v. Kleist 1, 14;

sei stolz ob meiner heraufkunft.
Klopstock Mess. 2, 178;

die beiden armen seelen starben
vor freuden fast ob dem gericht.
Wieland 9, 205;

ohne murren ob der kleinen mühe.
Gökingk 1, 220;

staune dann noch ob dem wunder.
Bürger 73b;

erstaunt ich ob der öden gänge schweigsamkeit.
Göthe 41, 186;

wir .. stauneten ob der erscheinung.
Voss Il. 2, 320;

was jammerst du ob der vollbrachten that?
Stolberg 14, 189;

ich schrie wieder und verwunderte mich ob meiner stimme. F. Müller 1, 17; du zankest immer und ob allem. Pestalozzi 4, 95;

entrüstet fand ich diese graden seelen
ob dem gewaltsam neuen regiment.
Schiller 13, 318 (Tell 2, 2);

doch hätt ich das andre vergessen
ob all dem edeln wein.
Uhland (1879) 2, 47;

ob jener maid, mit welcher ihr geredt,
habt ihr zu lang verweilet an der stell. 167;

erschrick nicht
ob meiner wiederkunft. 3, 192;

lach, o weiser, nicht ob jenem, der gefallen.
Rückert Bostan 114, 7;

ob diesen dingen hier kommt mich bewundrung an. 219, 8;

des königs rache ob der plötzlich erneuerten Slavennoth. Dahlmann dän. gesch. 1, 300; die klügeren lachten ob der neuen mode. Auerbach ges. schriften 8, 143; er schalt sie ob ihrer langsamkeit. 186.
b) mit dem genetiv, der manchmal auch schon unter a beim femin. (da der genetiv und dativ sing. gleichlautet) verstanden sein kann:

der nicht weisz, wie ihm geschah
ob der wunder, die er sah!
Stolberg 1, 185;

ihr staunet mich an, ihr seid
verwundert ob des seltsamen geräthes
in meiner hand.
Schiller 13, 178 (jungfr. v. Orl., prolog 3);

dieser genetiv ist wol durch ausgelassenes wegen zu erklären: da hat es (das pferd) ob solches wegen über einen berg herab gestürzt. esels adel (1617) 12.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
ob, conjunction.
I. Formen und herkunft.
1) goth. ibai und einzeln auch iba, dem ahd. ibu (angeglichen ibi), ipu, mhd. alem.-elsäss. ëbe, ëb, öb (theil 3, 5. Weinhold mhd. gr. § 324, eb zeitschr. f. d. alterth. 20, 148, 80. 85 aus dem 12. jahrh. Bechius 28. F. Platter 202. 210 B., öb N. Manuel ablaszkrämer 152, auch bair. lautet ob manchmal wie éb Schm.2 1, 16), alts. mnd. ef, ags. g-if (= goth. jabai), engl. if, altfries. ef, j-ef, g-ef, altn. if, ef dem laute nach entspricht.
2) der ahd. durch umstellung und entstellung von ibu, ipu entstandenen nebenform ubi, upi, ube und upa, opa, oba, ob entspricht altmhd. ube, obe, mhd. obe, ob, nhd. ob, md. ob, of, mnd. mnl. nl. of, altfries. of, j-of.
3) goth. ibai und iba sind aller wahrscheinlichkeit nach erstarrte und adverbial gebrauchte casus (dativ und accus. sing.) von einem fem. iba (zweifel?), das ahd. im Notkerschen iba (das wenn, die bedingung) sich erhalten hat: mit ibo, âno ibu, âne iba Graff 1, 76; altn. if, ef n. und ifi, efi m., der zweifel.ahd. ibu (ibo) wäre demnach ebenfalls als ein adverbial gebrauchter dativ (instrumental) von iba zu fassen, s. gramm. 3, 284. Fick2 340. 700. L. Tobler in den beitr. zur gesch. der deutschen spr. u. lit. 5, 369 (wo schwed. mn 'verhältnis' und mnne 'ob' verglichen wird). Weinhold mhd. gr. § 324. Kluge wb. 243a.
4) Bopp vgl. gramm.3 2, 201 (dazu 3, 485 anm.), L. Meyer goth. spr. § 69 und Scherer zur gesch.2 402 lösen goth. iba, ibai auf in i-ba, i-bai, erklären den ersten theil aus dem alten relativstamme ja (sanskr. ya) und identificieren den zweiten mit dem suffixe ba, mittels dessen im goth. adverbia und adjectiva gebildet werden und in welchem Scherer die dativendung (germ. grundform baja, mit ausfall des j bâ, ba) vermutet.
II. Bedeutung und gebrauch.
Wenn wir an dem I, 3 angegebenen ursprunge festhalten, so liegen in ob (wie im griech. εἰ) die zwei nahe verwandten begriffe der bedingung und des zweifels, so dasz aus der ursprünglichen

[Bd. 13, Sp. 1051]


bedeutung des adverbial gebrauchten dativs (instrumentals) 'mit bedingung, mit zweifel' auch die zwei hauptbedeutungen des zur conjunction gewordenen adverbs sich leicht ergeben.
A. ob als condititional- und concessivpartikel.
1) si, wenn, wenn etwa, im falle dasz, falls, wo, wofern, so (gramm. 3, 285) in einem vorausgehenden, eingeschobenen oder nachfolgenden bedingungssatze, dessen verb je nach der aussage (wirklichkeit oder nur möglichkeit) im indicativ oder conjunctiv stehen kann: ahd. ibu dhanne einic chiloubit (quod si quis hoc crediderit). Isidor 7, 18 Weinhold; waʒ toufist thû, oba thû Crist ni bist (si tu non es Christus?). Tatian 13, 22; oba thû gotes sun sîs (si filius dei es). 15, 3;

er sih gote leidit,oba er siu zwei gisceidit.
Otfrid 5, 12, 76;

nû hilf er 'mo, ob er wolle! 4, 30, 32;

mhd. obe wir iht haben friunde,die werdent schiere besant. Nibel. 58, 4;

der (schade) wirt mir nu vergolten,ob ich gelücke hân. 248, 3;

waʒ töhte ob ich mich selben trüge? Iwein 7573;

nhd. der groszen scheden, .. die wir nemen würden, ob wir nit volfüren. Tristrant 26, 11 Pfaff; und meinet sich selbs dester ringer .. sein an seinen wirden und eren, ob er im das land nit auch undertenig macht. 7, 3; ob (wenn Luther) du sihst den esel des, der dich haszt, ligen under der bürde, nit fürgang. vierte bibelübers. 2 Mos. 23, 5; und ob (wo nun Luther) das saltz verschwindet. Matth. 5, 13; alle dise ding gib ich dir, ob (so Luther) du niderfelst und anbetest mich. 4, 9; ob es sich füget, daʒ got ... über euch gepüte. Bocc. 26, 28 K.; herre, ob ich euern willen nicht getn hab, das last euch nicht fremde duncken. 38, 22; ob es not ist. Tucher baumeisterb. 104, 19; ob fewer auszkeme. 107, 20. 117, 18; ob icht schaden doran gescheen were. 148, 6 u. oft; ob ie gewalt ... wolt gegen mir geubt werden. Chmel urk. Max. nr. 36;

ob ich dann thu, als ir auch tut. fastn. sp. 144, 6;

du muest groszer laster von mir han,
ob mir got mein leben gan. 414, 7;

der soll z ziten sich nit klagen,
ob man im arbeit dt versagen.
S. Brant 59, 17;

und theilt das wildprt ob ers fing.
Gengenbach der welsch flusz 21;

ob sich das spil hat gfangen an,
far ich mit groszer schand dar van. 214;

ob ir euch damit hetten verschuldet, das ir es denn beichtent. Keisersberg sünden des munds 27a; ob ainer .. fiel, dorft er kaineswegs wider aufstên. Aventin. 4, 131, 9; ob wir nicht alles können ausecken, ligt nichts an. Luther 4, 32a; auch bat er, ob er beleidigt einen menschen, .. solchs wolt man im verzeihen. 3, 419b; ob ein man gesundiget hat, wiltu drumb uber die gantze gemeine wten? 4 Mos. 16, 22;

ob du nit wartest straff und pein,
dein sünd ausz lieb söl schmertzlich sein.
Schwarzenberg 114a;

und ob dich glück nit wider brächt. 117b;

mergk auch darbei, ob niemant stürb,
all zeitlich nottürft bald verdürb. 151b u. oft;

er wöl mirs gelt nit mehr fürlegen ..,
ob ich wöl ungeraten sein.
H. Sachs 11, 216, 23;

ob du junkfrawen wilt hofieren,
darfst ja nicht mit in disputieren
von .. philosophei.
Scheidt Grobian. 1100;

und schon das hausz mit schergen .., ob er wolt entlauffen, bewart war. Wickram rollw. 41, 10;

so enthalt dich, ob du fliehest,
dasz du nicht zurücke sihest.
Logau 1, 4, 60;

ob die warheit finster wird, findet sich das licht mit nichte. 1, 6, 8 u. oft;

ob ihr ihn (den ort) zu vernichten sucht,
ein brandmahl wird er euch.
Ramler 1, 81;

was wäre es, ob ich erst bei dem dritten oder bei dem vierten abgebrochen hätte? Lessing 8, 194;

ob ich irdsches denk und sinne,
das gereicht zu höherem gewinne.
Göthe 5, 8;

trotz sei dieser welt geboten,
ob einer lebt auf diesem erdenrund,
der mehr anbetung für dich fühlt als ich.
Schiller 12, 482 (M. Stuart 2, 9);

es ist mir auch gar nichts daran gelegen,
ob sie mich für gestorben hält.
Rückert 1, 249;

ob gott will. Luther 3, 44b. 60a. 343a. 4, 533a. br. 1, 313. Schwarzenberg 149. Butschky kanzl. 7. 11. 274. Felsenb. 1, 93 und so auch von neueren noch gebraucht (statt so gott will), z. b.: von Alceste

[Bd. 13, Sp. 1052]


soll dann, ob gott will, die rede nicht mehr sein. Wieland Mercks briefs. 2, 76. — verstärkt durch nachfolgendes etwa, etwan (th. 3, 1182), vielleicht: ob ihm etwan ein guter freundt zu hausz käme. buch d. liebe 286a; ob villeicht mein anschlag .. nit statt wolt haben. Aventin. 1, 246, 9.
Im nachfolgenden hauptsatze steht oft ein correlatives so: ahd.

ob unsih avur ladôt heimman armer thehein,
... sô swillit uns thaʒ muot sâr.
Otfrid 3, 3, 25;

mhd. ob ir die rede meinent
mit etelîcher sicherheit,
sô bin ich iuwer bete bereit. Erec2 3893;

nhd. ob wir dem schimpf heten zu vil getan,
so schült irs uns nit verübel han. fastn. sp. 608, 10;

wann ob ich (wenn ich nur Luther) rr sin gewand, so wird ich gesund. vierte bibelübers. Marc. 5, 28; und ob jemand sündiget, so haben wir einen fursprecher bei dem vater. Luther, 1 Joh. 2, 1; ob man dich fragt, wo dein herr sei, so magst du antworten ... buch d. liebe 264b; ob du das thust, so bistu zu ainer guten stund geborn worden. 266c; ob die zeit kompt des ends, so verswinden sie. Paracelsus chir. schriften 367b;

ob einst der feindt wurd an ihn tretten ..
so hat er sich nit zu entsetzen.
Waldis Es. 1, 93, 8;

ob uns der herr wolt schlagen,
so sei uns Maria bereit.
Corner, Kehrein kirchenl. 1, 377, 13;

ob iedem ich nicht das kan thun, was er von mir begehret,
so ist mir selbst nicht alle mal, was ich gleich will, bescheret.
Logau 2, zugabe 36.


2) als wenn, wie wenn, manchmal im sinne von dasz, wie dasz; mit dem conjunctiv.
a) einfaches ob: mhd. (die jungen enten) nernt sich selber, ob si der muoter niht hieten. Megenberg 169, 17; md.

daʒ si gein ir liefen,
'mûter, mûter' riefen ..
in aller der gebêre,
ob si ir mûter wêre. Elisabeth 3590;

nhd. bis ins 18. jahrh., nun veraltet:

so musz der ander so sein gemalt,
an seinem leib so ungestalt,
ob er der teufel were.
Gengenbach tod teufel und engel 66;

da hastu einen kalen placken,
und wol ein schrammen ...
ob dirs mit flegeln geschlagen wer.
Waldis Esopus 1, 56, 40;

bald weht der windt kalt ausz norden,
ob er den botten wolt ermorden. 89, 12;

(ich) thet, ob ich nicht gehöret het.
Ulenberg, Kehrein kirchenl. 2, 43, 10;

die jung .. stehdt mir ob dem halsz,
ob wolt sie mirs ablernen alsz.
Ayrer 3259, 10;

sie war zwar schön genug, die er mit sich fuhrte,
doch schien hoffertig sie und ob sie allzeit murrte.
D. v. d. Werder Ariost 20, 106, 6;

welcher aber darvon lieffe, ob ihm der teuffel nach dem buckel greiffen wolte. Philander (1650) 1, 80; ich zwar nehme mich an, ob in ihrem betrübten zustand ich ihnen mittel und linderung verschaffen wolte, aber. 121; derjenige, der andere menschen zu verschlingen suchet, ob wäre es nichts dann eine bestie. pers. baumg. 1, 20 anm.; ich möchte vielleicht auch beschuldiget werden, ob gienge ich zu viel satyrice drein. Simpl. 1, 826, 2; dieweil dann nun ein gemürmel unter meinem hauszgesind entstanden, ob hätten sie nun ... ein gespeuck (var. gespenst) im hausz vermerckt. 2, 568, 24; dann was einige halbgelehrte hievon klügeln, ob hindere die poeterey die wissenschaften, ist ein thörichter schlusz. Morhof unterr. 593; im fall aber ein und andere etwas verbrochen, mus man sich gegen die andern stellen, ob hette man es nicht erfahren. Butschky Patm. 624 (440); er (der fürst) scheinet, ob wehre alle ehr .. auf der welt ihme zu diensten gemacht. 718 (500); dasz keinem der mindeste argwohn eingefallen, ob soll er thäter sein. Abr. a S. Clara Judas 1, 116;

(sie) sang, ob wolte sie die gantze welt bewegen.
B. Neukirch, Hofmannswaldau 1, 75;

in den letzten worten scheinet zwar Saxo anzuzeigen, ob sei der ertzbischöfliche sitz zu Bremen geblieben. Hahn histor. 3, 34 anm.; er hatte ihn in verdacht, ob stünde er nach der crone. 135; doch müssen wir nicht glauben, ob sei Henrici crönung gerade am oster-fest geschehen. 147 anm., und oft; dasz aber endlich Cäsar vorgeben wolle, als stünden die Aeduer mit den Römern in einem genauen bündnisse. Bünau

[Bd. 13, Sp. 1053]


1, 96; und bilden sich immer .. ein, ob hätten sie den schatz oben beim kopfe. rockenphil. 400 (3, 39);

wann der sonnen glantz durch rege zweige bricht,
so scheints, ob mehre sich im schatten ihre menge.
Brockes 1, 204;

es scheint, ob suchten sie (schmetterlinge) durch ihrer flügel spielen
... der liebe brand zu kühlen. 217 und oft.


b) als ob wie schon im mhd. (sam oder als ob):

als ob ins solte danken
Etzel der künek mære. klage 152;

er (wâpenroc) schein als ob hie brünne
bî der naht ein queckeʒ fîwer. Parz. 71, 12;

und senke schône dînen schaft
als ob er sî gemâlet dar. der Winsbeke 21, 3;

nhd. (vgl. th. 2, 822) als ob, quasi, gleich als ob, gerad als ob, quasi vero Frisius 1103b:

so lauft der ander her und dar,
als ob in die amaiszen peisen. fastn. sp. 336, 21;

als ob einer berin würden gezugkt die welffen in dem wald. vierte bibelübers. 2 kön. 17, 8; dir ist nützer du seiest ein murck, als ob du vil kunnest reden. Keisersberg granatapf. 193b; do loufen si hin als ob si unsinnig weren. Schade sat. 3, 62, 37 (vom jahre 1521);

die güldin leuchter in dem saal
geben liecht flammen uberal,
als ob es liechter tage wer.
Murner En. (3. ausg.) D 1b;

lauff in die warme stub hinein,
als ob du woltst erfroren sein.
Scheidt Grobian. 4452;

ich kom bei in zu solchen nöten,
als ob sie mich gar wolten tödten.
H. Sachs 14, 105, 14;

wer hoch zu steigen denckt, kümmt der nicht auff die spitze,
kümmt doch durch steigen mehr er fort, als ob er sitze.
Logau 2, 2, 95;

als ob der bapst dem concilio nicht schuldig sei zu gehorsamen, als ob das concilium alle seine kraft und wird von im entpfanegn, als ob in kein gesetz nicht bünd. Sleidanus histor. 7b; sie tantzten und sprungen auff dem markt herumb, als ob sie unsinnig weren. Kirchhof wendunm. 1, 197 (1, 166) Öst.; ich wuste mich so demütig zu stellen, als ob ich die hoffart nie gekant hätte. Simpl. 1, 486, 3; so bin ich .. bereit, auszugeben, als ob ich bei Sylvia heute gewesen. Gryphius lustsp. 540 Palm;

als ob ihm einer göttinn mund
.. die vorschrift machte.
Günther 141;

sie wird denken, als ob sie ihnen deswegen erst gewogen würde. Gellert 3, 16; ich will ihn bereden, als ob sie ihn selbst liebten. 80; eine jede böse handlung musz .. so betrachtet werden, als ob der mensch unmittelbar aus dem stande der unschuld in sie gerathen wäre. Kant 6, 202; nicht als ob ich meine übersetzung frei von allen mängeln halten wollte; nicht als ob ich mir schmeichelte, überall ... den wahren sinn des verfassers getroffen zu haben! Lessing 6, 370; nicht als ob ich dir nicht filosofie genug zutraute, ... aber. Wieland 8, 212; ich halte Egmont hier, als ob ich ihm noch was zu sagen hätte. Göthe 8, 254; er war so stolz darauf, als ob die erfindung sein gewesen wäre. 17, 88; als ob er seine waffen weniger gegen den kaiser ... habe richten wollen. Schiller 8, 223; als ob er nur der kraft dieser gründe nachgäbe, bewilligte er. 256;

täuschet euch nicht mehr,
als ob es noch wie gestern mit euch stünde! 12, 504 (M. Stuart 3, 6);

abwechselnd mit als wenn: er hat meinen vater überreden wollen, als ob ich ihn selbst liebte, und als wenn du hingegen den herrn D. liebtest. Gellert 3, 94; gehäuft: der churfürst selbst schlosz sich mit allen truppen .. in das Tillysche lager ein, gleich als ob an diesem einzigen posten alle seine hoffnungen hafteten. Schiller 8, 230.
c) eben ob:

nach dem tödtlichen sprunge
(du) wieder stehest und läufst, eben ob nichts wär' geschehn.
Göthe 1, 361.


3) wenn auch, obgleich, obschon, wiewol, in concessiven adverbialsätzen mit der stellung und construction wie bei 1: mhd.

ob ich dir ie gemente
od phluoc in furch gedente. meier Helmbrecht 308;

md. ob ich ûf der erde von ûch lîde. passional 205, 38 Köpke;

[Bd. 13, Sp. 1054]


nhd. ob (wenn schon Luther) die herbergen stond wider mich, min hertz fürcht sich nit. vierte bibelübers. ps. 27, 3; ob er das auszschreien des heroldts vernommen, achtet er dessen nicht. buch der liebe 194a;

bei dir hab ich kein rast noch ru,
ob ich kein ursach gieb darzu.
H. Sachs 14, 130, 16;

wer nichts mehr vermag von thaten,
ob er viel vermag im rathen,
mag nur bei den buhlereien
dieses nahmens (eines guten soldaten) sich verzeihen.
Logau 1, 7, 43;

ob wahrheit sich verkrochen,
die zeit die wird sie suchen. 2, 5, 69;

die ihn doch nie erkandten,
ob sie Messias stets in ihren schulen nandten.
Fleming 4;

wahr ists, dasz (ich) wohl reden nie gelehrt ..,
doch was dir meine faust genützt, wird dein gewissen
entdecken, ob ich schweig.
Gryphius trauersp. 45 Palm;

da ich Olympien ...
tieff um verzeihung bat und, ob sie unbewegt
mir lange widerstund, in neue bande legt. 279;

nur mein hertz soll gar nichts sagen,
ob es noch so heftig glüht.
Günther 250;

verlasse vaterland und freund,
ob jenes ruft und dieser weint.
Kretschman 1, 82;

ob meine seele blute, ich gebe mich in seinen willen. Grabbe 1, 14;

du bleibst dir selbst in jeder pein,
ob alle dich verlieszen.
Platen 1, 116;

behaglich schlummerst du im harem am mittag,
ob drauszen in der hitz ein fremder schmachten mag.
Rückert Bostan 17, 7.


Im nachfolgenden hauptsatze steht oft ein correlatives so, so doch, so dennoch oder blosz doch, dennoch: und ob er sölches nicht besorgt hette, so hette er doch leides halben ... nit geschlaffen mügen. Bocc. 329, 38 K.; und ob er mich tödtet, dannocht getraw ich in in. Keisersberg granatapfel 72b; ob seine wurtzel in der erden veraltet ..., so grunet er doch wider. Hiob 14, 8; und ob ich alber bin mit reden, so bin ich doch nicht alber in dem erkentnis. 2 Cor. 11, 6; ob aber mir solch lob nit mag widerfaren, so ist es dannocht eine schwere arbeit geschehene thaten beschreiben. Polychorius Sal. 8b; ob dein nest noch so hoch wer als desz adlers, so will ich dich dannoch herab stürtzen. Reiszner Jerus. 1, 21a; und ob man hier einwenden und sagen wollte, dieses weren abscheuliche .. exempel, so ist dergleichen .. verrichtet worden von einem christlichen potentaten. Schuppius 527;

wer unrecht billich hält, ob unrecht er nicht thut,
so thut er doch nicht recht, dasz böses er heist gut.
Logau 2, 3, 76;

ob sterben grausam ist, so bild ich mir doch ein,
dasz lieblichers nicht ist, als nun gestorben sein. 3, zugabe 17;

ob die sonne finster wird, wird es dennoch wieder lichte. 1, 6, 8;

ob die wollust uns thut hold,
doch verletzt sie mehr. 3, 10, 60;

ob ich leiblich von euch bin,
dennoch sind wir ungescheiden.
Fleming 462;

mein heiland lebt! ob ich nun werd
ins todes staub mich strecken,
so wird er mich doch aus der erd
hernachmals auferwecken.
P. Gerhard 122, 15 Göd.;

und ob du mehr und mehr dich strenger wilst erzeigen,
bleib ich doch für und für, wie ich vorhin gesinnt.
Gryphius lustsp. 371 Palm;

ob es noch so stürmisch thu,
singt mein geist bei stiller ruh
doch ein hönisch lied dazu.
Günther 214;

ob mirs an zweck und an gedanken fehle,
musz ich zum schlusse disz sonett doch schreiben.
Uhland (1879) 1, 168.


4) das concessive ob wird im nhd. gern verstärkt durch die einräumenden adverbia auch, gleich, schon, wol, zwar, woraus durch zusammenrückung unsere concessiven (auch in verkürzten sätzen gebrauchten) conjunctionen obgleich, obschon, obwol, obzwar entstanden sind, die des zusammenhanges wegen gleich hier eingereiht werden (vgl. die concessiven wenn, wie mit nachfolgendem auch u. s. w.). gramm. 3, 286.
a) ob — auch, ob auch, quamvis etiam Stieler 1371.
α) ob — auch: ob ich auch so türstiglich het gethon wider min sele. vierte bibelübers. 2 kön. 18, 13; und ob wir auch schwach sind in im, so leben wir doch .. in der kraft gottes unter euch. Luther 2 Cor. 13, 4; und ob ir auch leidet umb gerechtigkeit willen, so seid ir doch selig. 1 Petr. 3, 14;

[Bd. 13, Sp. 1055]


darnach bedenck den rechten grund,
ob er dich auch entsetzen kund.
Ringwald l. w. 44;

so bleibts doch noch verschwiegen frei,
ob sich auch ...
Eyering 1, 291;

ob ich mich auch jetzo schmiege.
Günther 159;

ob tausend auch zur rechten euch,
zur linken tausend sänken (.. so).
Klopstock 7, 272;

ob der liebe lust auch flieht,
ihre pein doch nie verglüht.
Schiller 11, 207.


β) ob auch:

ob auch das ross sich grauend bäumt, ..
nicht rast ich.
Schiller 11, 277;

alle rast erscheint uns als ein segen,
ob auch im schatten sie des todes blühe.
Geibel juniuslieder (1883) 191.


b) ob — gleich, ob gleich, obgleich.
α) ob — gleich: ob sie gleich das thun aus bldigkeit und furcht, ists dennoch unrecht. Luther 3, 137b; (David) kund nicht warm werden, ob man in gleich mit kleidern bedeckt. 1 kön. 1, 1; und sie sollen auch dienen, ob sie gleich ... grosze könige sind. Jer. 25, 14; es kamen (zum professor der anatomie) .. auch damoisellen, ob esz glich ein mans person, z zeschwen. F. Platter 192 B.;

ob mir gleich niemandt vil vertraw.
H. Sachs 3, 352, 32;

ob ich gleich nit bin reich an gut,
so bin ich aber reich an tugent. 12, 265, 26;

ob sies gleich nichten wirdig sein,
so thu ers gott zu ehren allein.
Eyering 1, 67;

so lebe ritterlich und lasz mich unverlacht,
ob du gleich edel bist gebohren, ich gemacht.
Opitz (1644) 1, 92;

ob sie gleich nun ziehn und ziehn,
kommen langsam sie doch hin.
Logau 1, 2, 2;

ob eine red uns schön und künstlich gleich bedeucht,
so ist sie doch ein wind, der hin zum winde zeucht. 1, 2, 76;

ob ich der thorheit kram hier gleich herunter streue (.. so). Simplic. 2, 163, 4;

und ob wir gleich aus schwachheit fallen, so fellet doch gottes gnade nit. J. Arndt christenth. 51; ob sie gleich das selbe nicht nachthun, was andern angenehm ist. Weise erzn. 194 neudruck;

ob ich gleich einsam bin (.. so).
Canitz 259;

und ob sein todten-lied gleich besser hat geklungen (.. so).
Besser 314;

ob ich nun gleich grosz verlangen gehabt, .. so. rockenphil. 71 (1, 55); ob man mir demnach gleich rahten wollen .., so. Liscov 76; ob nun gleich keiner von meinen freiern seine absicht erreichte, so weckten sie doch die erinnerung von der süszigkeit der liebe bei mir wieder auf. Gellert schwed. gräfin (1763) 32; Agathon mag zu entschuldigen sein, dasz er diese arbeit verschob, ob es gleich eine von denen ist, welche sich so wenig aufschieben lassen, als .. Wieland 2, 227;

diesz alles, obs für schlecht gleich ist zu achten, ..
doch nimmst du's an.
Klopstock 7, 195;

ob ganz Israel gleich ihm das todesurtheil mit ausspricht,
... dennoch. Mess. 6, 375;

(das grab) inwendig fürchterlich ist, ob es auszen der frühling
gleich mit der blume beduftet. 9, 444;

mitlachen kann ja wohl der gestrenge herr der schöpfung, ob wir arme geschöpfe gleich nicht mitdenken dürfen. Lessing 2, 166; ob wir gleich an sehr groszen werken oft sehen, dasz .., so. 6, 507; doch will ich diesen einwurf fallen lassen, ob er gleich weiter getrieben werden kann. Wieland 1, 89; man glaubte sie immer zu hören, ob man sie gleich nur sah. 202; ob er ihr nun gleich grosze dinge versprach. Bürger 271b;

ach, ich weisz dem keinen tadel,
ob es gleich das herz mir bricht. 44a;

ob sich gleich auf deutsch nichts reimet,
reimt der Deutsche dennoch fort.
Göthe 1, 163;

und ob ers gleich nicht fordert, fühlst du es doch .. 9, 10 (Iphig. 1, 2);

gehorchen will ich,
ob ich gleich hier noch manches sagen könnte. 9, 165 (Tasso 2, 4);

ob er gleich .. sich sehr thätig zeigte, so. 17, 247; in solchen fällen hielten .. bestimmte gespielen an mir, andre auf der gegenseite, ob es gleich öfter manchen parteiwechsel gab. 24, 76; ob man gleich .. über den erfochtenen sieg das te deum anstimmte, so. Schiller 8, 295; ob also gleich die architektonische schönheit des menschlichen baues durch .. bedingt ist, so. 10, 71;

ich hasz ihn nicht, ob ich ihn gleich bekämpft.
Uhland (1879) 3, 109.

[Bd. 13, Sp. 1056]



β) ob gleich (neben einander, doch getrennt), etsi, etiamsi, licet Alberus D 3a. Frisius 485a. Stieler 1371: dann ob gleich Pompeius ein bessere sach gehabt hett, solt er doch gegen einem solchen hohen fürsten ... sich freundtlicher erzeiget haben. Frank chron. 16a; ob gleich das rebhun sehr listig, ist es doch in disem stücke fast thorecht. Heyden Plin. 404;

ob gleich die harpf ist gt und scharpf.
Frank, Wackernagels kirchenl. 3, 963, 1;

ob gleich man mich scheucht ..,
so hab ich bei meins gleichen platz.
H. Sachs 3, 352, 35;

ob gleich das edle land
... nun ist in fremder hant (.. so).
Opitz (1644) 1, 207;

ob gleich beruff und stand pflegt sabath-tag zu halten,
soll dennoch stets sein amt das cristenthum verwalten.
Logau 1, 9, 59;

was hunger Tantaln kränckt,
ob gleich vor seinen mund viel obs sich niedersenckt.
S. Dach 265 Öst.;

ob gleich die heuchler schmähn,
... bald wird, was hindert, schwinden.
Gryphius (1698) 2, 444;

und der hat eben nicht das schlimmste theil gefunden ..,
ob gleich kein zeit-buch noch von seinen thaten schreibt.
Canitz 289;

auf zwanzig meilen war kein mann von dir zu spüren,
ob gleich du im triumph mich spöttisch dürfen führen.
Besser 192;

ich will hoffen ..,
ob gleich niemand nach mir fragt.
Günther 159;

ob gleich, der uns der sünd entrisz,
den todten sündern ärgernisz
und thorheit war!
Klopstock 7, 288.


γ) zusammengerückt obgleích und óbgleich: obgleich er dy almuszherren gemaindt het, so. Widmann Regensb. chron. 59, 19; obgleich solche predig auff in wer geschaffen, so. 59, 36; so besorgt sein gnaden, obgleich aller fürsten rethe .. zusamen komen .., das dannoch. L. Fries bauernkrieg 1, 49; obglich das mer fluotet und hohe wellen gibt, falt es denecht nit zesamen. F. Platter 199 B.; obgleich unsere holzene häuser oftermahlen fewr gefaszt ..., sein jedoch die gegenmüttel jedeszmahl an der hand gewest. S. Bürster 64;

obgleich der geist nicht bestehn mag
des fleisches böse brünste,
so dempft er doch von tag zu tag
sein arge list und künste.
Leisentrit, Kehrein kirchenl. 1, 189, 6;

die schwachheit ist fürwahr bei dem nicht klein,
der, obgleich die, die ihm ihr hertze giebt,
es noch so sehr betheurt ..,
er sei noch nicht genug geliebt.
Canitz 306;

du kennst mein hertz, das sonder list,
obgleich nicht ohne falschheit ist.
Günther 65;

aber obgleich unsre seele von dem körper wird getrennt,
achtet sie doch dieses wenig.
Brockes 9, 604;

obgleich ganz Juda die lasten empfindet (.. dennoch).
Klopstock Mess. 6, 370;

obgleich eine solche meinung selten vorkäme .., so ist doch der grund dazu .. Kant 7, 330;

such' ihn durch wald und höhn
und óbgleich flimmer vor dir gehn,
ermüde nicht ihn zu empfahn.
Herder ged. 1, 177;

und óbgleich Amor öfters mich begütet,
mocht' ich zuletzt mich nicht mit ihm befassen.
Göthe 2, 13;

und so erfreu ich mich
auch deiner gegenwart ...
obgleich betrunken. 5, 213;

dasz du dich zu den meinen überall
zutraulich halten mögest, wie ich dich
als mein, obgleich entfernt, gewisz betrachte. 9, 227 (Tasso 5, 2);

meine rechte (hand), obgleich im kriege nicht unbrauchbar, ist gegen den druck der liebe unempfindlich. 8, 16; bleibt es (document) ja doch in deinen händen, obgleich entstellt durch die unterschrift eines dritten! 17, 141; nach Charlottens, obgleich neidlosen gesinnungen konnte es doch kein entschiedenes fest werden. 151; ein groszer garten ... lag, obgleich mit obstbäumen reichlich ausgestattet, offen vor ihren augen. 21, 62; dasz er sie (gabe) sich, obgleich dargereicht, kaum zueignen konnte. 22, 70; ein guter, obgleich zu solchen arbeiten völlig unfähiger knabe. 24, 48; in der vergangenheit spiegelt sich manche erscheinung der zukunft, obgleich dämmernd und täuschend auch für das auge des sehers. Bürger 400a;

für etwas unverfänglichs halt ich ihn (den eid),
obgleich ich dieses förmliche nicht liebe.
Schiller 12, 181 (Piccol. 5, 1).

[Bd. 13, Sp. 1057]



c) ob — schon, ob schon, obschon.
α) ob — schon: obs schon nit fabeln weren, ut iam fabulae non sint. Alberus D 3a; ob du schon laugnest. Frisius 485a;

das er dich furpas nimmer mer
tar (darf) zeihen keiner pubrei nicht,
ob ers schon mit den augen sicht. fastn. sp. 45, 9;

ob ich schon schlem .. bisz mitternacht. Keisersberg granatapfel 94a; ob si schon nit isset, so läszt si doch die andern süw nit darz kommen. Schade sat. 3, 62, 32 (vom j. 1521); und ob ich schon wandert im finstern tal, fürchte ich kein unglück, denn du bist bei mir. ps. 23, 4; und ob ir schon (vorher wenn ir schon) viel betet, höre ich euch doch nicht. Jes. 1, 15; ob ir schon das gethan habt, doch will ich mich an euch selbs rechen. richter 15, 7; und ob er (dein feind) sich schon neiget und bücket, so halt doch an dich und hte dich fur im. Sir. 12, 11; ob er schon hette grosze und glückliche schlachten erobert, solt er doch ... Micyllus Tacit. 43b;

wir sind von einen vatter gleich,
ob wir schon arm sind oder reich.
Scheidt Grobian. 654;

ob dieses und dergleichen schon unliebsam z hören, ist es doch ... Kirchhof wendunm. 1, 23 (1, 14) Öst.; ob sie ihn ietzt schon kenneten, ward doch nit einer, der seinen ht ein wenig geruckt hett, funden. 1, 153 (1, 121); ob einer schon da gelehrt war, so. Polychorius Sal. 13b; ob aber die bascha schon mechtige herren seind, .. so werdens doch gleichwol für sclaven ihres kaisers gehalten. Rauwolff reise 78; ob es (schlosz) nun schon zerstöret worden, ists doch ... 179; ob derowegen schon ein kunst gefunden wurde .., so ists doch. Albertinus narrenhatz 90;

ob deine liebste schon ihr selbst nicht schaden kan,
so ... stecket sie doch ihre töchter an
mit einer grimmen brunst.
Opitz lob des krieges gottes 175;

denket, dasz man doch nichts kriegt,
ob man schon auch lange siegt.
Fleming 292;

konte er nicht warm werden, ob man ihn schon mit kleidern bedecket. Schuppius 11a; deszwegen hielte ich vor nötig, mich wieder demütig zu stellen, ob ichs schon nicht sei. Simplic. 1, 460, 23; ob nun schon wir Teutschen uns desto weniger .. zu schämen haben, so. Leibnitz 1, 484;

deine vatters güte hast du lassen trieffen,
ob wir schon von dir weglieffen!
J. Neander bundeslieder 139;

da wird kein knie gebeugt,
ob ihn der nachbar schon mit höflichkeit beschweret.
Günther 501;

ob ich dein lob hier schon
mit schwachen lippen lalle:
so weisz ich, es gefalle
dir doch durch deinen sohn.
J. A. Schlegel verm. ged. 2, 23;

er weisz ihn (den namen), ob er ihn schon nicht genannt hat. Lessing 10, 60; empfangen sie noch meinen dank ..., ob ich schon weisz, dasz sie mir diesen dank gern schenken. 12, 315.
β) ob schon, etiamsi Clajus gramm. (1678) 249. Stieler 1371: ob schon andere ein ander weise hielten, so. Luther 3, 273a;

die heilg kirch mag irren nit,
ob schon ein babst irret z zit. nüw schiff von Narrag. (
Zarncke 187b);

so sei nun alle zeit der lest,
ob schon der vatter und die gest
nun hetten lang auf dich gewart.
Scheidt Grobian. 1391;

ob schon in unserem abwesen schöne jüngling z unseren weibern gehen, werden auch von inen solche grade leut geboren. Kirchhof wendunm. 1, 88 (1, 69) Öst.; ob schon seine mitgefangene im dieses ... heftig widerrietten, war es doch umsonst. 1, 116 (1, 90); ob schon Salomon der aller weisest war, so hatte er doch vil räht. Albertinus narrenhatz 54. vergl. 40. 57. 109. 182. 196; ob schon der herr Simpel .. seine heimlich verborgene rathschläg nit eim jeden wird auf die nase hencken, so. eselkönig 112;

ob schon ein lahmer hier den schnellen uberjaget.
Opitz lob des krieges gottes 118;

ach preiset ihn mit höchstem schall ..,
ob schon die welt von hellem knall
auch solt in stuck zerspringen!
Spee trutzn. 114 B.;

(er) blieb dem B. und G. gleich gewogen,
ob schon verwandschaft ihm den einen mehr verband,
ob schon der andere ihm gieng besser an die hand.
Gryphius lustsp. 561 Palm;

[Bd. 13, Sp. 1058]



wie denn das liebe volk gar leichtlich alles gläubet,
ob schon der buhler .. seinen spott nur treibet,
ob schon er jeglich haar von lauterm golde nimmt.
Rachel 6, 607;

ruhig, ob schon elend, zu leben. Felsenburg 1, 338; auch bei Lessing findet sich noch die getrennte schreibung neben obschon: ob schon beide vorwürfe ... der eigentlichen mahlerei gleich fähig sind, so. 6, 463.
γ) obschon, lexicalisch erst bei Rädlein und Denzler, doch begegnet man der zusammenrückung schon viel früher: obschon kain gaist in dem gestirn sitzt, vermag gott dannoch so vil, das das gestirn von im selber umbher muesz gên. Aventin. 4, 188, 7;

obschon die dörner stechen,
sich tröstet er der pein.
Spee trutzn. 37 B.;

das fleisch verfällt noch nicht, obschon das hertze schwer.
Gryphius lustsp. 183 Palm;

mit deinen obschon wenigen articuln .. verursachest du mir nicht geringe bangigkeit. Widmann Fausts leben 113 K.; obschon auch derjenige, der den letzten kampf ritterlich verrichtet, einen guten kampf gekämpfet hat, so. Spener leichpredigten 7; wenn gott in .. seiner linken den einzigen immer regen trieb nach wahrheit, obschon mit dem zusatze, mich immer und ewig zu irren, verschlossen hielte. Lessing 10, 50; ich bin glücklich und gesund, obschon erst am dienstage früh, ... angekommen. 12, 314; obschon mein mann nicht liebt, dasz man seinen geburtstag feire, so. Göthe 17, 29; leserlich, obschon flüchtig geschrieben. 23, 41.
d) ob — wol, ob wol, obwol.
α) ob — wol: ob es wol unbillich ist, quanquam injurium est. Maaler 310a; du solt dich nicht fürchten fur iren worten, .. ob sie wol ein ungehorsam haus sind. Hes. 2, 6; denn ob wir wol im fleisch wandeln, so streitten wir doch nicht fleischlicher weise. 2 Cor. 10, 3; und ob er wol gecreutziget ist in der schwacheit, so lebet er doch in der kraft gottes. 13, 4; ich bin nun mehr in dem alter, ob ich wol das hertz und den willen hett, dasz ich euch nicht wol z statten kommen mag. Kirchhof wendunm. 1, 35 (1, 22) Öst.; ob sie wol damals von diesem fürnemmen keinen argwon gefast. Amadis 188 K.; ob wür wol gueten appetit zu essen hatten, mochten wür doch weder brot noch anders .. bekommen. Kiechel reisen 73; ob nun wol gott alle notturft .. bescheret, nicht destoweniger sehen wir, dasz. Albertinus narrenhatz 207; ob ich aber wol nicht zweiffele .., jedennoch. Opitz (1644) 2, 169;

ob schreien wol nicht hilft. 1, 305;

ob glaub und fleisch wohl klein.
Gryphius (1698) 2, 444;

der schatz ist offenbar, ob er wohl nicht viel werth. lustsp. 75 Palm; ob er wol .. darzu geneigt gewesen, kondte er doch ... alles dessen gar wol enthalten. eselkönig 239; ob er wol reich gewesen, habe er doch nach hausz bettlen müssen. Simplic. 1, 270, 3; ob ich wohl weisz, dasz. Lohenstein Arm. 1, 131a; die sind blind an ihren seelen, ob sie wol in zeitlichen dingen so scharfsichtig sein. J. Arndt christenth. 164.
β) ob wol, esto, etsi, etiamsi, licet Alberus D 3a: und ob wol ire schwester Juda gesehen, dasz ich der abtrünnigen Israel ehebruch gestrafft ..., noch fürcht sich ... Juda nicht. Jer. 3, 7; ob wol ire bletter abgestoszen werden. Jes. 6, 13; ob wol den fuchsz solchs schwer sein dunckte, verhiesz er es doch .. z halten. Kirchhof wendunm. 1, 82 (1, 65) Öst.; ob wol nun der könig .. im keinen zweifel machte. Amadis 93 K.; ob wol nun Amadis vermerckt, warumb er disz redet, that er doch nicht dergleichen. 361;

ob wol die armut fast wee thut,
ist sie doch zu viel dingen gut.
Eyering 1, 110;

ihr (der Niederländer) ob wohl kleines land beschämt die weite welt.
Fleming 120;

habe dank, dasz deine jugend,
ob wol eine kurtze zeit,
mir so viel gab genügligkeit.
Logau 1, 8, 69;

dann ob wol die schmaichlerei wie das öl lieblich ist, so. Albertinus narrenhatz 162; ob wol man an vil orten die juden vertriben, so. 177; ob wol die ehe zugelassen ist, ... dennoch. Schuppius 23.
γ) obwol (kanzleimäszig und dasselbe nachahmend obwolen), quamvis, etiamsi Rädlein. Denzler ('obwohl wird besser von einander gerissen, als zusammengelassen' Heynatz 2, 308):

so nehmet, werthe frau, von der euch guten hand
disz, obwohl schlechte, hinn.
Fleming 57;

obwoln einer krank war. Kiechel reisen 444; und obwohlen gedachter herr obriste leutenambt ... hat desz feinds ... eingeschickte

[Bd. 13, Sp. 1059]


trompeter und trommelschlager publice verhöret. S. Bürster 41; obwohl sie auch andere riechen müszten. Simpl. 2, 259, 20; obwoln nun d. Faustus vermainet. Widmann Fausts leben 145 K.; obwoln .. kein mangel an irgend einem getrank allda erschiene, .. doch. 493; obwohl viel mittel zum zahnweh sein, so. Ettner medic. maulaffe 57; obwohln vortreffliche medici diese beide geträncke sonderlich recommendiren, halte ich ihre anordnung mehr vor eine medicinische politique, die leute in einer bessern .. diät zu erhalten. 149;

die mir, obwohl entfernt, doch stets vor augen stehn.
König bei
Hofmannswaldau 7, 15;

die gründlichkeit wird nichts einbüszen, obwol (im gegentheil, vielmehr) gewinnen. J. Paul vorschule 3, 8; ich werde kommen, obwol etwas später; ich will es thun, obwol ungerne u. dergl.
e) ob — zwar, ob zwar, obzwar.
α) ob — zwar:

ob rache zwar und furcht die strengen worte führen (.., doch).
Gryphius trauersp. 558 Palm;

ob ihn zwar .. seine unersättliche begierde reitzte (.., doch). Lohenstein lobrede auf Hofmannswaldau 23; ob mir zwar wohl bewust ..., iedoch. Ringwald laut. warh. vorrede A 3b; ob nun zwar die Hanauer gleich lermen hatten, so. Simplic. 1, 257, 4; ob uns nun zwar diese befreiung viel zu langsam zu statten kam, so erholte sich doch mein printz in etwas. Zigler Banise 170, 34 Bobert.; ob nun zwar man sich auf die affecten nicht zu gründen ..., dennoch aber. Leibnitz 1, 214; ob nun zwar Holland zu trennen ... schwer fallen wird, so. 243; und ob die menschen zwar manche form einer kirche mit unglücklichem erfolg versucht haben möchten, sie dennoch nicht aufhören sollen .. Kant 6, 276; ob er (glaube) zwar ... für blos historisch gehalten werden sollte ..., doch. 294.
β) ob zwar:

wolan! ich bin bereit,
ob zwar der fremde fall nicht sonder bitterkeit.
Gryphius trauersp. 332 Palm;

ob zwar mit allzuspäter reu. schles. Helikon 2, 142;

dann ob zwar etliche gefunden werden, welche keine figur haben, können doch selbe die regel ... keineswegs hintertreiben. Harsdörfer gesprächsp. 1, 54; ob zwar sein geschlecht .. fortgepflantzet wird, so. Lohenstein Arm. 2, 705b; ob zwar nicht ohn ist, dasz. Simpl. 1, 26, 2; mein gewohnlich, ob zwar verbottenes mittel. 265, 17; ob zwar die schmertzen desz leibes ihnen so wehe thun als andere, so ist doch kein böses gewissen da. Spener leichpred. 52; denn ob zwar anfangs die stoischen weisen ... gantz verachtet waren, so erlangten sie doch ... ein so groszes ansehen. Lohenstein Armin. 1, 451b; ob zwar ... kein fremder dieser weihe fähig war. 689b;

der freundschaft feste werd ich dennoch, freund, ob zwar
mit etwas kleinern bechern feiern.
Gökingk 3, 157;

die streng regelmäszigen, schönen, ob zwar nicht gerade fein geschnittenen züge. Dahn die kreuzfahrer 1, 10.
γ) obzwar erst von Campe aufgenommen aus Heynatz 2, 308: meine gegenwärtige, obzwar geringe arbeit. J. D. Michaelis hebr. gramm., zueignung; eine gewisse, obzwar unerreichbare vollständigkeit. Kant 2, 456;

fern strahlt .. wohlthätger genien reihntanz,
obzwar von spuk ...
fabelte jäger und mönch.
Voss ged. 3, 223;

und nicht harrt' Aineias, obzwar ein rüstiger kämpfer. Il. 5, 571;

neuerdings wieder häufiger im gebrauch, z. b.:

obzwar am besten wird die nacht
bei freunden und bechern zugebracht.
Kinkel ged. (1857) 397;

er wischte sich den schönen bart, der gar zierlich kraus, obzwar schon merklich grau, den .. mund umzog. Dahn die kreuzfahrer 1, 107; in den wirtshäusern zahlte ich, obzwar mit der mutter geld. Rosegger heimgarten 923b; obzwar ich schrieb, mir ergienge es sehr wohl .. so. 925b u. öfter.
f) manchmal auch gehäuft ob auch gleich, ob auch schon, ob auch wol, ob gleich wol, ob schon gleich, ob zwar wol, obwol zwar: und wird dir guts geschehen, ob du auch wol ein sünder bist. Sir. 3, 16; dann ob er schon gleich bekenn. Alberus D 3a; (ich suchte in der anatomie) selbs anzegrifen, ob mir glich wol anfangs solchs seer abschchlich was. F. Platter 232 B.; ob gleichwol die grben reich ist von gold und silber. Bechius Agricola 85;

[Bd. 13, Sp. 1060]


und nimpt dir nichts an freuden dein,
ob alt leut auch gleich frlich sein.
Eyering 1, 41;

ob ich gleich wol, wie es sein soll,
dich nicht als preisen kan (.., dannoch).
Corner, Kehrein kirchenl. 1, 396, 34;

ob gleichwol ir mir unbekandt. Amadis 118 K.; ob gleichwol mir nicht bewuszt. 130; ob gleichwol du jetzt in geringerm ort bist. 160 u. oft; ob zwar wol mehrere dergleichen fragen ... obhanden, so. Widmann Fausts leben 211 K.;

ob er schon gleich vom adel her,
oder ein burgermeister wer.
Scheidt Grobian. 1171;

obwohlen zwar es das ansehen haben möchte. Wieland 8, 233.
B. ob als partikel der indirecten frage (an, num), wenn die aussage in frage gestellt, wenn ein zweifel, eine ungewiszheit oder ein streben nach gewiszheit ausgedrückt wird (wobei der begriff der frage, des zweifels auch ausgelassen sein kann). über goth. ibai, iba, das dem griech. μή sowol in dessen fragender (lat. num) als in der verneinend conjunctionalen bedeutung (lat. ne) entspricht, s. L. Tobler in den beiträgen 5, 368.
1) einfaches ob.
a) gewöhnlich mit dem conjunctiv; oft in prägnantem sinne ob etwa, ob vielleicht (vgl. 3): ahd. ih frâgên iwih, oba iʒ arloubit sî in sambaʒtag wola tuon. Tatian 69, 4;

unkund ist mir drâto,ob er sî ubil dâto.
Otfr. 3, 20, 113;

dua mih wîsi,ob ih thir liob sî. 5, 15, 13;

mhd. ir sult ouch Sigmundemînen jâmer sagen,
ob er mir helfen welleden küenen Sîfriden klagen. Nibel. 955, 4;

und (sie) vrâget in mære,
ob im iht kunt wære
umb in, den sî dâ suochte. Iwein2 5938;

ob ich zeigen künne,
wâ der spiegel sî? minnesinger 2, 152a;

nhd. er reit durch kurtzweil in den walt, ob er abenteur möcht vinden. Tristrant 110, 14 Pfaff; der münch in fraget, ob er .. mesz gehört het. Bocc. 43, 9 K.; da fragt er, ob er allein wer. Pauli 116 Öst.; ob der babst möcht darüber dispensieren, das setzt er in ein zweiffel. 312; so wurdest du wol sehen, ob ich dir antworten künte. Keisersberg sünden des munds 9a;

doch wil ich lassen alles meer
durchziehen ..,
ob ihm das meer hett schaden thon.
Murner En. (3. ausg.) C 5a;

frage sie, obs ir und irem man ... wol gehe? 2 kön. 4, 26; wenn jemand kompt und fragt, ob jemand hier sei? so sprich niemand. richt. 4, 20; möcht er wol ermessen, ob er ... sie wol empfangen habe. Amadis 91 K.;

sollen sie vor den puls euch greiffen
und fülen, ob derselb noch schlag.
Fischart flöhhatz (1573) 2042;

obs aber ihm noch werd glücken ..,
das weis der herr im himmel drobn.
Ringwald laut. warh. 7;

eur stim thut gebn,
ob das gericht recht sei besetzt.
Ayrer 261, 9;

der herr ... fragen thet,
ob er auch lieb zum schäfflein hett.
Eyering 1, 92;

(er wird gefragt) ob er auch gern stürbe. Opitz (1644) 2, 176; so werde ich stracks erkennen, ob sie meine Lucretia sei. Gryphius lustsp. 567 Palm; siehe, ob H. zu hause sei. 545; sie gienge von hausz zu hausz, ob sich ihrer jemand erbarmen ... wolte. Philander (1650) 1, 31; zu sehen, ob ich meinen magen ... wieder mit guter manier füllen möchte. Simplic. 2, 369, 4; ob der korb .. auch dazu gehöre, das mögen die rechtsgelehrten unter sich ausmachen. Rabener (1755) 1, 94;

ob der mittler ihn wohl noch liebte?das nicht!ihm vergäbe?
Klopstock Mess. 17, 676;

ich habe gezweifelt, ob man dem herrn Cramer ein poetisches genie zugestehen könne. Lessing 6, 225; ob der schauspieler das geschrei .. des schmerzens bis zur illusion bringen könne, will ich weder zu verneinen noch zu bejaen wagen. 403; ich fragte, ob das nur das geschäft der kinder sei. Göthe 23, 52; ob jener fall eintreten könne, davon hat N. nicht die mindeste vermuthung. 59, 17; ob diese weise nachgiebigkeit ... die erwartete wirkung gethan haben würde, bleibt dahin gestellt. Schiller 7, 227 u. o.;

auf allen bergen halten sie wacht,
ob roth der tag erscheine.
Geibel juniusl. (1883) 19.


b) mit dem indicativ, wenn der gedanke als ein bestimmter aufgefaszt wird: ahd. oba her suntig ist, ni weiʒ. Tatian 132, 15; mhd.

sô wil ich selbe gân
zuo mîner lieben muoter,ob ich erwerben kan,
daʒ uns ir scœnen meidehelfen prüeven kleit. Nibel. 341, 6;

[Bd. 13, Sp. 1061]



ob si mich haʒʒet?nein si niht. minnesinger 1, 307a;

i'n weiʒ, ob imʒ der tievel gap. 2, 110a;

nhd. (manchmal statt eines zu erwartenden conjunctivs): er lgt, ob man die pferdt auch sattelt. Pauli 42 Öst.; ob sie nun sich erfrewt, darf man nit fragen. Amadis 161 K.; ich frage ob du das vater unser kanst. Simplic. 1, 64, 9;

wer weisz, ob's manchem noch mag werden einst so gut.
Fleming 53;

so sol euch .. werden kund gethan,
ob ein poet denn nichts als blosz lügen kann. 228;

ob man schwerer in die hölle als zuvor, jetzt reisen kan?
Logau 3, 3, 43;

es weisz noch ich noch du,
ob dieser gang nicht kan zu aller nutz gedeien.
Gryphius trauersp. 329 Palm;

warum kann ich nicht erfahren, ob ich ihrer liebe würdig bin, ob ich hoffen darf? Gellert schwed. gräfin (1763) 7; ich musz wissen, ob sie noch lebt. 41; ob er gefährlich verwundet ist, wissen wir nicht. Lessing 12, 134; gott weisz, ob ers that! Thümmel reise 2 (1791), 59; bis ich höre, ob Th. gewisz kommen will. 162; ich weisz oft nicht, ob ich auf der welt bin! Göthe 16, 80; ob er gestorben ist, weisz ich nicht zu sagen. 24, 151;

sie (die nachbarin) lauschet überquer,
ob ich zu hause bin. 1, 31;

aber frag einmal den kaiser,
ob er dir die städte gibt. 5, 157;

davon will ich nichts weiter hören,
ob man auch künftig haszt und liebt. 12, 85;

es wird nicht gesagt, ob der prinz dieszmal wirklich aus dem staatsrath getreten ist. Schiller 7, 208;

drum prüfe, wer sich ewig bindet,
ob sich das herz zum herzen findet! 11, 308;

jetzt will ichs .. probiren ..,
ob mir der fürst hilft mit seinem geld. 12, 20 (Wallenst. lager 5);

obs just seine worte sind, weisz ich nicht. 28 (6);

ob mir das zukommt, mag dies blatt euch lehren. 252 (Wallenst. tod 2, 5);

lasz sehn, ob sie (gottes hand) ihn zweimal retten wird. 13, 366 (Tell 3, 3);

ob zwei seelen es giebt, welche ganz sich verstehn?
wer antwortet!
Platen 2, 167;

ob das fäszchen voll war, weisz ich nicht. 3, 202; sie wandte sich zurück, ob er ihr nachkam. Freytag ahnen 1, 177.
c) in verwundernden gegenfragen, z. b.: ob ich seiffe haben müste? Gryphius lustsp. 77 Palm;

P. hat ihn dein auge .. gesehn?
M. ob ihn mein auge sah?
Klopstock Mess. 14, 348;

E. gibts muttermörder? M. obs ihrer gibt? wie das gefragt ist! H. L. Wagner die kindermörderin 75, 7 neudruck; ich. und kennt ihr denn dieses gefühl? er. ob ich es kenne? Göthe 36, 29; ich. und ihr findet schönheit in diesen neuen gesängen? er. ob ich schönes darin finde? bei gott, dafür stehe ich euch. 106; ich. liebt ihr euer kind? er. ob ichs liebe? ... bis zur narrheit. 122.
d) daher auch elliptisch in verwundernden ausrufen und bekräftigungen: plattd. of he dô wol bêne mâken kun (ob er da wol beine machen konnte)! Frommann 3, 285 statt: wie kann man da noch fragen, ob ...; 'hat es dir gefallen?' und ob! u. dergl. Albrecht Leipziger mundart 178a.
2) ob nicht mit conjunctiv:

schau, ob wir nicht sein liebes volk sein. fastn. sp. 22, 7;

er fragte, ob ich .. nit lust hätte? Philander (1650) 1, 122 f.; (sie fragten) ob er nicht könne liebliche lieder dichten? 2, 245; ich machte hohe gedanken ..., ob ich nicht noch mit der zeit ein kerl von ästimation abgeben wurde. Simplic. 2, 112, 19; schau denn, ob du dir nicht selber trauen könntest! Gryphius lustsp. 453 Palm;

drum hab ich mich der magie ergeben,
ob mir ..
nicht manch geheimnisz würde kund.
Göthe 12, 30;

ob nicht ein fallstrick irgendwo hier laure,
musz ich die augen aller orten haben.
Schiller 6, 130 (Phöniz. 2, 1);

mit indicativ:

wer weisz ...,
ob nicht ein neuer trieb die adern schwellen macht.
Canitz 226;

kein mensch vermag zu sagen, ob er nicht
des helmes braucht.
Schiller 13, 179 (jungfr. von Orl., prolog 3).

[Bd. 13, Sp. 1062]



3) ob wird verstärkt durch nachfolgendes doch, etwa, vielleicht (in der regel mit dem conjunctiv): ob villeicht, forsitan voc. 1482 x 7a; wer weisz, ob mir got villeicht des sigs vergane. Tristrant 10, 20 Pfaff;

ich bitt dich, bsih ihm basz das heft,
ob villicht eins dient zum gescheft.
Fischart nachtrab 566;

ich lig an deiner tauben thür,
ob ich doch möge kommen für.
Opitz (1644) 2, 306;

bis sie vernommen, ob etwa die edelfrau vor mich sorgen wolte. Felsenburg 2, 90; da gerieth ich plötzlich auf die gedanken, ob vielleicht der (affe) unser töchterlein da hinauf getragen hätte. 1, 252;

gleich geht er aufzusuchen,
ob noch vielleicht ein guter honigkuchen
.. zum mahl vorhanden sei.
Hagedorn 2, 174;

ob vielleicht im fluge
ein guter streich gelänge.
Lessing 2, 231 (Nathan 2, 1);

mahn ihn desz ...,
ob ihm gefalle vielleicht, beistand zu gewähren den Troern.
Voss Il. 1, 408;

in ihr vertrauen stahl ich mich, ob ich
etwa von ihren ränken was entdeckte.
Schiller 12, 461 (M. Stuart 2, 4);

die vesten alle müssen wir bezwingen,
ob wir vielleicht in ihren (Berthas) kerker dringen. 13, 388 (Tell 4, 2).


4) bei doppelfragen u. s. w. wird der zweite theil eingeleitet durch ob, oder ob, oder.
a) ob — ob:

was hab ich dessen frommen,
ob ich ein kind, ob ich ein greisz
von hie werd hingenommen?
S. Dach 157 Öst.;

ob papst, ob Luther ihr, ob ihr Calvin gefalle,
ist unklar.
Logau 1, 7, 4;

wann hat uns die natur die gröszte treu gethan?
ob, wann wir gehen ab, ob, wann wir kommen an? anhang 41;

ob dieser zanck durch stahl zu schlichten, ob durch güt.
Gryphius trauersp. 206 Palm;

ob dich die stutzer fliehn, die deine sklaven waren;
ob dir ein sturmwind nur den lockenbau verwirrt;
ob dich ein bürger gar als ehman küssen wird ...
dies alles weis ich nicht.
Zachariä (1767) 1, 215;

da müssen herz und kopf sich lange zanken,
ob menschenhasz, ob schwermuth siegen soll.
Lessing 2, 196 (Nathan 1, 1);

Daja. da kömmt er!
Recha. und scheinet unentschlossen
wohin?ob weiter?ob hinab?ob rechts?
ob links? 244 (2, 4);

ob der könig das heer hätte schicken sollen, ob nicht vielmehr die macht seiner ... gegenwart allein stärker gewirkt hätte, ist meine sache nicht zu beurtheilen. Göthe 8, 257; ob sich der nacken diesem joche biegen, ob er sich vor dem beile ducken soll, kann einer edlen seele gleich sein. 265; ob man in der wissenschaftlichen welt noch so denkt, ob es zu den neuen lehren paszt, wüszte ich nicht zu sagen. 17, 48;

ob ich .., ob dieser heisze kopf
den streit zuerst begonnen? 9, 161 (Tasso 3, 4);

ob du auch so, mein fürst,
ob alle deine diener diese that
so unbedeutend halten, zweifl' ich fast. 163 (3, 4);

und eh der tag sich neigt, musz sichs erklären,
ob ich den freund, ob ich den vater soll entbehren.
Schiller 12, 198 (Piccol. 5, 3);

ich such umsonst in eurem blick zu lesen,
ob meine unschuld, meiner feinde eifer,
ob meiner feinde böser rath gesiegt. 409 (M. Stuart 1, 2);

ob ihr damit (mit dem schwerte) den herzog
enthaupten laszt, ob nicht, mir gilt es gleich.
Uhland (1879) 3, 164;

was vorzuziehn von beiden?
ob erst' ob letzte liebe?
Rückert 2, 261.


b) ob — oder ob: ob des die grosze freuntschaft ursach was, oder ob der heilig geiste in dem kaufman ... würket, ist mir nicht wissend. Bocc. 30, 4 K.; ob solch geist der stern sêl sein .., oder obs nur in den stern wie ein schifman in dem schif sitzen ..., des sein die gelerten noch nit eins. Aventin. 4, 187, 13 ff.; ich wuste nicht, ob mich der kerl foppt oder obs ihm ernst war. Simplic. 1, 767, 14;

(merken,) obs wol, oder obs übel klingt.
Eyering 1, 99;

dasz wir erkennen,
ob uns wahrheit von Kalchas enthüllt ward oder ob nicht so!
Voss Il. 2, 300;

sag mir, ob wir stehen
oder ob wir weiter gehen?
Göthe 12, 205;

[Bd. 13, Sp. 1063]


er war im zweifel, ob diesz seine eigene melodie .. oder ob sie jetzt erst so angepaszt sei. 23, 6; ob dieses nachtschrecken gegen morgen nachliesz, oder ob Wilhelm .. nicht mehr dafür empfindlich war, ist schwer auszumitteln. 23, 10; ob — wie oder ob:

von dem (hügel) es ungewiss, ob er sich allgemach
von unten in die höhe lenket,
wie oder ob er sich ..
mit sanften fall von oben abwärts senket.
Brockes 1, 214;

(streiten) ob unsre welt zu sein einst angefangen,
wie oder ob die daur der welt von ewigkeit? 3, 21.


c) ob — oder, der gewöhnlichste fall: eb esz casu geschechen sye oder mit fleis, las ich bleiben. F. Platter 225 B.; (dasz sie) seine meinung, ob er zum frieden oder krieg rieth, auch hören wolten. Kirchhof wendunm. 1, 34 (1, 22);

so sicht ein jeder, ders nicht weiszt,
ob du seist mager oder feiszt.
Scheidt Grobian. 421;

gantz und gar (er) nichts verstat,
obs ubel oder wol steh,
obs wol thu oder weh,
obs schad sei oder nutz,
obs bösz bring oder guts,
obs ehr sei oder schandt.
H. Sachs 4, 173, 30 ff.;

so wird er bald vermercken wol, ..
ob er ein fuchs sei oder has.
Ringwald l. warh. 71;

doch ist ihm blieben unvermelt,
ob ihr todt oder lebendig seit.
Ayrer 1562, 37;

ob die zeit weint oder lacht ..,
darnach fragt die jugend nicht.
S. Dach 513 Öst;

er stund noch in der wahl, ob er einen juristen oder medicum abgeben wolte. Simplic. 2, 385, 5; ich weisz nicht, ob ich zweifle an seiner treu oder an ihme selber. Gryphius lustsp. 453 Palm; ob der schreiber oder der handelnde in gröszerm umfange wirke? Klopstock 12, 32; wenn sie leben können, so ist es gleichviel, ob sie von mäszigen oder von groszen einkünften leben. Lessing 12, 59; und niemand fragt jemals, ob du glücklich oder unglücklich bist. Göthe 21, 45;

(sie) zogen vorbei,
ob ich weise oder thörig,
völlig unbekümmert. 5, 55;

denn noch wissen wir nicht ..,
ob wir zum glück heimkehren
... oder zum unglück.
Voss Il. 2, 253;

ihr sollt erklären, ob ihr euren herrn
verrathen wollet oder treu ihm dienen.
Schiller 12, 253 (Wallenst. tod 2, 5).


d) oft steht ob — ob, ob — oder ob, ob — oder mit auslassung des fragebegriffes elliptisch für: ohne zu fragen oboder, gleichviel oboder (sich berührend mit A, 3): das handeln wir, ob die schwermer der veter sprüche recht brauchen, oder ob sie mit lügen umgehen. Luther 3, 368b;

ob ihr moosige hütten, ob goldpalläste bewohntet,
all ihr niedrigen menschen erscheint!
Klopstock Mess. 18, 507;

er liest es (das gedicht) jedem froh und laut,
ob es uns quält, ob es erbaut.
Göthe 5, 11;

ob er heilig, ob er böse,
jammert sie der unglücksmann. 41, 3;

irrthum ist irrthum!
ob ihn der gröszte mann, ob ihn der kleinste beging.
Schiller 11, 120;

ob er vollende oder unterliege —
ihm einerlei! 5, 2, 386 (don Carlos 4, 21);

ob uns der see, ob uns die berge scheiden. 13, 324 (Tell 2, 2);

ob es schadet, ob es frommt, ..
o geniesz es, wenn es kommt!
Platen 1, 103;

für ihn in freundschaft halt ich still,
ob er als freund, ob er als feind mich halten will.
Rückert Bostan 83, 12.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
obacht, f.
a) die acht ob etwas, observantia, cura, custodia Schottel 641a. Stieler 11, eine nach analogie von obdach u. a. im 17. jahrh. entstandene wortbildung (vergl. DWB aufacht th. 1, 617, obhut, obschutz, obsicht, obsorge). es heiszt einen oder etwas in obacht nehmen, haben, halten:

drumb sollstu billich mich in höher obacht nehmen.
D. v. d. Werder Ariost 5, 30, 1;

wo sein gedächtnis noch die wort in obach hält,
mit den der vater schied.
Gryphius trauersp. 536 Palm;

weilen sie die loszung nit in obacht genohmen. S. Bürster 191; ein herr hat wol in obacht zunemen, dasz ihm nit allein mit dem mund und leib, sondern mit hertzen gedient werde. Lehmann 124, 43; als wird sich ein jedweder stand .. in obacht zu nehmen wissen. Scheible das schaltjahr 1, 450 (vom j. 1643); als sie ihre landsachen in fleisziger obacht hielte.

[Bd. 13, Sp. 1064]


Zinkgref apophth. 1, 117; man müsse die zierliche wohlredenheit auch in obacht halten. Schuppius 417; sihe, dasz das volk die handwerck fleiszig in obacht nehmen möge. 737; mit versicherung, zeit seiner abwesenheit das seinige ... in allerbeste obacht zu nehmen. Ettner medic. maulaffe 83; etwas aus der obacht lassen, deponere curam alicujus rei Aler 1484b; auch für sinnliches wahrnehmen und merken: um alle dasige anstalten wohl in obacht (in augenschein) zu nehmen. Felsenb. 2, 561; welche gestalt man aber wegen der gewaltigen höhe mit dem gesichte, auch nicht einmal mit den ferngläsern in obacht nehmen konnte. 4, 242; ob auch augen genug da sind, alle die herrlichkeiten zu sehn, zu würdigen, in obacht zu nehmen. Tieck ges. nov. 6, 180; obacht geben, acht geben, aufpassen: obacht geben! oder blosz obacht! als warnungsruf; mit genetiv, die sorge für, die aufsicht über etwas: es wäre alles vergebens, wann man nicht obacht der kirchen und schulen hätte. Schuppius 741; vorsetze diesen (meinen sohn) deiner kühe obacht (gib ihm die aufsicht über deine kühe). 73.
b) vom göttlichen schutze: göttlicher obacht empfehlen, divinae tutelae commendare Stieler 11; göttlicher obacht überlassen. Butschky kanzl. 908. 913; dame, welche er der gnädigsten obacht des allerhöchsten befahl. Freytag bilder (1867) 3, 354; auch persönlich, der schutzherr, beschirmer:

wa nicht aus groszer lieb, obacht
du, got, mein got gewesen.
Weckherlin 88;

ihr schutzherr und obacht. 629.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
obachten, verb. gebildet aus dem vorigen (vergl. DWB beobachten, aufachten); transitiv, etwas in obacht nehmen. Erberg 550a: hernach habt ihr ja nichts besseres zu obachten, als ewere schuldigkeit bei ewerer churfürsten zu verichten. Elis. Charl. (1871) 328; intransitiv: ich obachte, attendo Steinbach 1, 4; man musz darauf obachten. Campe.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
obachtung, f. was obacht Erberg 550a. Steinbach 1, 4: damit sie ihr vleiszige obachtung der wacht halber geben sollen. österr. weisth. 6, 260, 42 (vom j. 1629).