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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bis nabelbinde (Bd. 13, Sp. 1 bis 6)
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[Bd. 13, Sp. 1]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) N ist der vierzehnte buchstabe unseres alphabets (vor der scheidung des I und J der dreizehnte. Hederich 1654), gehört zur gruppe der sog. flüssigen und berührt sich vielfach mit m, aus dem es oft entstehen und wie dieses im in- und auslaute sonantisch werden, d. h. verklingen und aus- oder abfallen kann, wovon weiter unten gehandelt wird. das echte n entspricht in allen stellungen einem lingualen n der urverwandten sprachen (nacht eines hahn zu lat. nox unus canere). als gutturaler nasal wird es ng nk geschrieben (s. unten 9, b). die ausführliche behandlung des lautes gehört in die grammatik; nur das wichtigste kann hier hervorgehoben werden.
1) anlaut. anlautendes n ist oft entstanden aus hn : napf neigen nusz, ahd. hnapf hneigjan hnuʒ. mundartlich kann es auch abfallen oder unorganisch vortreten.
a) abfall: bair. ack est eben essel acher u. s. w. für nack nest neben nessel nacher. Weinhold bair. gramm. § 165. Lexer kärnt. wb. xiii, schwäb. wetterauisch, siebenb.-sächsisch ache arcisse Apoleon und dgl. Birlinger schwäb. wb. 346a. Weigand 2, 173. Fromm. zeitschr. 5, 210. 363. 453. vgl. auch mnd. wb. 3, 142 f.
b) vortritt: bair. alemann. und md. nast nassel nahle u. s. w. für ast assel ahle Weinhold bair. gr. § 165, alem. gr. § 199. Fromm. zeitschr. 4, 37. vereinzelt auch schon mhd. (nitniuwe Lexer 2, 88) und md. (naft, nernsticheit Weinhold mhd. gr. § 199. vgl. mnd. wb. 3, 142 f.).
Anlautendes n ist manchmal nur der überrest eines verstümmelten einsilbigen wortes, s. DWB nab nauf naus nein nüber nunter aus hin-ab u. s. w., neben aus en-eben, mhd. nouwe aus en, in ouwe Lexer 2, 192, bair. naufaren, naufart Schm. 1, 3 Fromm. Weinh. bair. gr. § 165.
2) inlaut. inlautendes n ist häufig geschwunden oder unorganisch eingeschoben.
a) ausfall erfolgt bereits im ahd. besonders vor lingualen consonanten, mhd. schwindet n nicht selten sowol in wurzel- als bildungssilben (Weinh. mhd. gr. § 197), namentlich gern im alemannischen seit dem 14. jahrh. Weinh. alem. gr. § 200. Seiler Basler mundart 216. Birlinger schwäb. wb. 344. nhd. ist es ausgefallen in süden süd (aus sunt, noch erhalten in Sundgau; Sunderwasser aus urkunden des 13. und 14. jahrh. in Alemannia 9, 96), in dem aus dem nd. aufgenommenen sachte für hd. sanfte, in vertheidigen (aus vertagedingen, verteidingen), in der ableitung ig statt altem inc anc: könig pfennig honig. alem. ist nt nd der ableitung oder flexion häufig zu t d geworden: juged tuged, sie singet lebet u. s. w. Weinh. alem. gr. § 200. Birlinger schwäb. wb. 344. man vgl. auch mnd. wb. 3, 143a.
b) einschub, der auf nasalierung beruht und namentlich alem., aber auch bair. begegnet, s. Weinhold alem. gr. § 200. 201. 301, bair. gr. § 166. 168 (wêninc heiling meinst zinstag u. s. w., besonders in der 2. person pl. ir habent gebent, auch mit abfall des t: ir haben, werden Amadis 427. 428, ir nemmen Wickram 135, 9; ir haben, zürnen Schade pasq. 3, 163, 20. 24; ir tätten städtechron. 5, 91, 4). derartiges n haben wir noch in dienstag, nackend neben nackt, maunzen neben mauzen, genung (d. j. Göthe 2, 41. Herder 1, 385 Hempel. H. Heine rom. 251) neben genug. — Euphonistischer natur ist aber jenes n, das alem.-schwäb. zwischen zwei vocalen eingeschoben wird: zweinist dreinist wienich (wie ich) u. s. w. Weinh. alem. gr. § 201; Stalder dial. 65. Schmeller gramm. § 609. zwaynen städtechr. 4, 337 anm. 6, gênend 86 anm. 6.

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3) auslaut. auslautendes n hat sich in älterem nhd. und mundartlich erhalten im accus. inen. Julius v. Braunschw. 44 und durchaus bei Brotuff, ebenso in der 1. pers. sing. präs. ind. der schwachen verben ich warnen städtechron. 5, 229, 22. siebenb.-sächs. ich liewen (lebe), ich arbeden Fromm. zeitschr. 5, 363. dieses n ist aus m entstanden und bildet im ahd. die endung der genannten 1. person in der zweiten und dritten classe der schwachen verba, ist aber später bair. alem. und md. auf die 1. person der ganzen schwachen und vielfach auch der starken conjugation übertragen worden. Weinhold bair. gr. § 280. 307, alem. 339. 361, mhd. 350. 378. wie anlautendes kann auch auslautendes n überrest eines verstümmelten einsilbigen wortes (eines pronomens oder des artikels) sein: hab'n aus habe ihn, auf'n aus auf ihn, ann aus an den städtechron. 1, 52, 26. Weller ged. des 16. jahrh. 68. vonn aus von den ebenda. 76. zun aus zu den Spee trutzn. 1, 51. 35, 77. wie'n aus wie ein H. Heine (1876) 11, 78. 12, 66. auslautendes n kann verklingen und abfallen oder unorganisch angeschoben werden.
a) abfall im nom. sing. von ferse kette küche rabe waffe wolke u. s. w., besonders im infinitiv, dessen n oder en schwinden kann in ober- und mitteldeutschen mundarten. schon Hugo v. Trimberg sagt im Renner 22252 ff.:

swenn t und n und r
sint von den Franken verre
an manges wortes ende,
wer wil dâfür si pfende?

vgl. gr. 1, 931 f. Weinh. mhd. gr. § 197, bair. 169, alem. 202. 350. 370.
b) anschub in albern einzeln fern gestern nun sondern, besonders im nom. schwacher masculina: der backen balken bissen braten brunnen funken galgen graben haufen nachen u. s. w., seltener bei fem.: die birn, bair. alem. die flaschen kirchen hauben katzen u. s. w. Weinh. bair. gr. § 349, alem. 404. die schwestern städtechron. 5, 125, 11.
4) n für m. abgesehen von vielen fällen der flexion, wo bereits in ahd. zeit wegen leichterer aussprache auslautendes n für m eingetreten ist, hat diese wandelung seit dem 13. jahrh. im ober- und mitteldeutschen, besonders im alemannischen, zugenommen: flexivisches m wird auslautend überall zu n, häufig tritt dieser übergang auch ein in suffixen und stammsilben.
a) in suffixen: besen boden (noch bodem : odem P. Gerhard 43, 6 Göd.), faden eiden (chron. d. stadt Elbogen 77, 45) gaden farn farnkraut u. a.; in brodem atem und odem wird das m zwar noch geschrieben, aber in der regel als n gesprochen (bei Göthe odem und auch oden im reime auf boden, s. DWB odem; auch broden 41, 327).
b) n für stammhaftes m im auslaut oder vor b p pf t kommt in unserm schriftdeutschen nicht mehr vor; zahlreiche belege aus der ältern ober- und mitteldeutschen sprache und aus den heutigen oberd. mundarten hat Weinhold gesammelt mhd. gramm. § 198. 200, bair. 169, alem. 203. hein : rein Murner gauchm. 346. städtechron. 4, 174, 16. 257, 16. sturn 257, 29. helnparte 5, 278, 16. breutigan : than H. Sachs 8, 716, 29 K. kunt (kommt) oft in Brants narrensch. z. b. 57, 17. 64, 37. 82, 21.
5) n für l in knoblauch aus klobelauch (th. 5, 1449), schierling ahd. scerning, knäuel mhd. kliuwel, knüppel bei Göthe 16, 261 klüppel; küben kübel Murner narr. 81, 24. schintfessel städtechron. 4, 53, 20. Aventin 1, 178, 15. basl. knüble klauben Seiler 59a. siebenb.-sächs. mängz milz, zäppen zipfel

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Fromm. 5, 362. mhd. und md. sniume und sliume, wernt und werlt, enlende und ellende Weinh. § 193. 200.
6) altes n ist nhd. durch m vertreten in thurm, besonders vor labialen geht der linguale nasal gern in den labialen über: ambosz empor imbisz wimper (aus wintbrâ); mhd. auch umbillich umprîs u. s. w. für unbillich unprîs.
7) die gemination nn. während goth. nn im in- und auslaute steht (manna mann, rinnen rann, brinnan brann u. s. w.), pflegt ahd. und mhd. inlautendes tönendes nn im auslaute zu tonlosem n zu werden (mannes man, rinnen ran, brinnen bran u. s. w.) und auch im inlaute bei folgendem consonanten sich zu vereinfachen (rennen rante, brennen brante, kennen kante). in der übergangszeit zum nhd. (Kehrein 1, 145) und selbst im nhd. bis ins 18. jahrh. hinein ist im gebrauche von n und nn (dieses auch nach langen vocalen und namentlich in verbindung mit andern consonanten) eine förmliche willkür eingetreten (noch Gellert z. b. schreibt schwed. gräfin 1, 59 närrin, aber freundinn 16, kan 27, 49 neben kann 53, 69, d. j. Göthe 1, 164 ff. oft binn neben bin), bis sich endlich die mechanische regel herausgebildet hat, das n im in- und auslaute nach kurzem stammvocale zu verdoppeln und diese doppelung auch in verbindung mit t beizubehalten, also mannes mann, sinnen sann sinn gesinnt, spannen spannte, können kann konnte (aber kunst). mit voller consequenz ist diese regel freilich nicht durchgeführt: in der aussprache ist z. b. kein unterschied zwischen mann man (pron.) an, sinn in bin aber wol in der schreibung.
8) sehr oft ist nn durch assimilation entstanden und zwar aus nj (der häufigste fall z. b. in brennen kennen sinnen dünne u. s. w.), aus nd (bair. alem. anner finnen schinnen Weinh. bair. gr. § 171, alem. 204. winnmüle Birlinger 346a. angezunnet chron. d. stadt Elbogen 98, 27. 107. 20. 110, 45. der Burgunner histor. volkslieder nr. 137, 8, von Burgunn 131, 3), aus ng (anhennig Basler chron. 1, 147, 17. mitteldeutsche reime nn : ng bei Weinh. mhd. gr. § 201).
9) n geht verbindung ein mit lingualen und gutturalen.
a) nd nt nz organisch in binden finden schrinden u. s. w., bair. kenten (zünden) kunter; glanz schranz u. s. w., unorganisch in jemand niemand mond leinwand aus ieman nieman mâne lînwât, nackend barchent aus nacket barchet, für nn: besunden Basler chron. 1, 451, 9; von hinden 453, 17; pfindigs fleisch Birlinger 346b, in unserm sog. partic. fut. pass. zu lesend, zu tragend aus mhd. ze lesenne, ze tragenne.
b) ng nk ist der gutturale nasal, organisch z. b. in den bildungen mit -ing -ung, stammhaft in bringen singen ring, danken wanken krank, unorganisch für nd mit belegen bei Weinh. mhd. gr. § 201, bair. 171. stung hung stunde hund Gotthelf erz. 1, 251. 253, anger ander 2, 248; für nt: der gesangten gesandten Basler chron. 1, 187, 29; für nn Lexer kärnt. wb. xiii (kinge ringe). Weinhold bair. gr. § 170; für mb in der ableitung ung für umb (irtung Aventin 1, 201, 29. Birlinger 347a).
10) n kann im mhd. ein unmittelbar folgenden inlautendes t zu d erweichen: ich kande kunde brande. in der übergangszeit herscht groszes schwanken (Kehrein 1, 232), nhd. ist die erweichung wol noch in der aussprache, aber nicht mehr in der schrift zu erkennen.
N oder NN, statt eines namens, den man nicht weisz (nomen nescio) oder nicht nennen will (notetur nomen). wir sind der bischof zu N. Schade pasq. 3, 163, 25; gegenwärtiger briefzeiger (vorzeiger eines passes) N von N. Kirchhof milit. discipl. 211; sie wolten ermeldten NN frey passieren lassen. ebend.; weil mich meine verpflichtungen nacher N .. beruffen. Butschky kanzl. 96;

zum troste der guten frau Magdalis hat
N. N. hieher mich gebunden.
Bürger 66a;

der N. N. ist auch so übel dran, sagte Lotte. Göthe 16, 127.
NA, interj. bei fragen, zu- und ausrufen, um einen leisen zweifel, eine erwartung, ermunterung, aufforderung, abweisung oder etwas abgeschlossenes, unabänderliches auszudrücken oder einzuleiten, ähnlich wie das fragende, auffordernde oder ausrufende nu und nun, woraus es aber doch nicht (wie Heyse 2, 227 annimmt) verkürzt sein kann, vgl. DWB nanu. die goth. fragepartikel an, mit der wol das lat. an und vielleicht auch das gr. ἄν zusammenzustellen ist (L. Meyer § 211), möchte Grimm gr. 3, 758 sammt dem lat. an für umgestelltes (mit ni verwandtes) na halten, das ahd. bei Notker in der mitte und am schlusse verneinender fragesätze gebraucht wird. die vermutung liegt nahe,

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in unserm ober- und niederdeutschen na jenes ahd. na zu erblicken, wenn sie auch nicht erwiesen werden kann. vgl. Diefenb. 1, 45. Weigand 2, 173.
1) bei fragen. na, säd de fru, is dat nu nich schön? Grimm märchen (1843) 1, 118; na schwogache, wie hösst denn deina sohn? Firmenich 1, 113; na jungfer, wird es bald? Kotzebue dram. 2, 255.
2) bei aus- und zuruf sehr häufig in gewöhnlicher rede (na, komm! na, wird's! na, endlich! na, schnell!). na, schwogache, trink doch noch e mohl! Firmenich 1, 113; na, das ist hier der fall nicht. Lenz 1, 102; na, habe nur noch geduld bis pfingsten. Kotzebue dram. 2, 190; na, Lieschen, jetzt musz ich dich auf viertelstündchen verlassen. 2, 193; na, sagt ich, Urschel, dann will ich hoffen, dasz es etwas rechtes ist. Gutzkow ritter v. g. 2, 75; na (wie nicht anders zu erwarten war), das auge lief wirklich aus. Immermann Münchh. 4, 56; na na! genug von dem. Fischart Garg. 252b.
 
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na, s. DWB nach, DWB nahe, DWB nein.
 
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, interj. nein. nä, mein guter herr, erwiederte der andere, so haben wir nicht gehandelt! Wieland 20, 6; nä, das ist mir zu schwer. Gotter 3, 290. s. DWB ne und DWB nein.
 
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nab, adv. verkürzt aus hinab. bair. nab na no Schm. 1, 1116. 1707. 1713 Fromm. nd. naff Schambach 142a. Danneil 143;

der wolff wardt fro, lieff nab ins thal.
B. Waldis 4, 7, 89 Kurz;

darumb weich mir von diesem plan
und heb dich nab undter die erd!
H. Sachs 3, 205, 29 Keller;

den andern theil nach diesen dingen
wolt es nab seim anherren bringen. 7, 444, 17 u. ö.

auch hin nab:

ich legt mich auff den pauch,
hin nab zu schawen auch. 3, 273, 17.


 
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nabe, f. das hohle mittelstück des rades, wodurch die achse geht und in dessen mittleren erhabenen theil (bock Jacobsson 1, 246) die speichen eingelassen sind: die nab, das mittel im rad, da die radspeichen auff stond und darinn die ax gadt. Maaler 296a (ebenda auch der naben, karrennaben); die räder nennet man erstlich, wie man sie von den radmachern oder wagnern bekommet, ehe sie beschlagen oder mit eisen belegt werden, scheiben, das umb die asche (achse) herumb lauft, das nennet man eine nabe. Colerus 2, 145b. in den vocabularien wird damit lat. axa, gumpha, mediolus, modiolus verdeutscht: nabe (nawe), ein n. an dem rade. Dief. 63b. 271a. 353b. 364b. ahd. napa nabe Graff 2, 995, mhd. nabe, ags. nafu nafe, altn. naf nöf, nd. engl. nave. das wort ist urverwandt mit skr. nâbhi nabe und nabel, gr. ὀμφαλός, lat. umbo umbilicus Fick2 111. 782.
1) in eigentlicher bedeutung: mhd.

ûʒ ebenô dem holze quec ..
diu reder und die naben.
Konrad troj. kr. 30017;

ein loch wîter danne ein nabe
gie im durch den hals grôʒ.
H. v. Neustadt Apoll. 10213;

nhd. und waren reder wie wagenreder. und ir achsen, naben, speichen und felgen war alles gegossen. 1 kön. 7, 33. (vgl. historienbibel 411);

ausz der aichen
do wil ich machen nab und spaichen. fastn. sp. 556, 6;

silbern glänzen die naben in schön umlaufender ründung.
Voss Il. 5, 726 (vgl.
Stolberg 11, 185.
Lessing 6, 466);

ain fuedrige nab, radnabe eines lastwagens. Kaltenb. pant. 87, 16.
2) uneigentlich von rad und wagen gebraucht:

der bahn, an der
er dicht herum die kurze wendung
seiner nabe nahm.
Stolberg 13, 42.


3) übertragen auf die nabe der himmelsachse: polus, des hiemels nabe. Dief. 446a; des glücksrades:

pfui, metze du, Fortuna! all ihr götter
im groszen rath, nehmt ihre macht hinweg;
brecht alle speichen, felgen ihres rades,
die runde nabe rollt vom himmelsberg
hinunter in die hölle.
Schlegel Hamlet 2, 2.


4) ein nabenartiges geschütz, mörser Schmid 398 mit berufung auf Stetten augsb. kunst- und handw. gesch. 2, 111.
5) bildlich: mhd. nâch der alten nabe durchloufen, in gewohnter weise Frauenlob ml. 33, 5; nhd. des narren herz ist

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wie ein rad am wagen und seine gedancken laufen umb wie die nabe. Sir. 33, 5;

eine deutsche stadt möcht ich erbauen ...
mittelpunkt von einem weiten reiche,
nabe eines rads von mancher speiche.
Rückert ged. 1, 315.


 
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nabel, m. der nabel bei menschen und den übrigen säugethieren, die vernarbung der nach der geburt abgeschnittenen (bei thieren abgebissenen) nabelschnur und die dadurch entstandene rundliche vertiefung auf dem bauche: der nabel ist ein mitel oder nâhent pei der mitel menschleichs leibs. Megenberg 33, 19. — ahd. napalo nabalo auch napulo nabulo, napolo nabolo, nabilo nabelo Graff 2, 995, mhd. nabele nabel, ags. nafela, altn. nabbi, nd. navel naffel mnd. wb. 3, 163b. umbilicus, nabel nabbel Diefenb. 625b. bair. nabel nappel Schm. 1, 1712 Fromm. Schöpf 461. nabel ist eine ableitung von nabe gramm. 2, 102.
1) in eigentlicher bedeutung: mhd. gein dem nabel, unz ûf den nabel, under dem nabel u. s. w. Lexer 2, 3; nhd.

der kan dich rüern pei dem nabl. fastn. sp. 402, 1;

der püsst irs hungers unter irn nabel. 747, 33;

o wie ist sie eine liebe tochter. wie gerne höret sie von der schelmerey wann ich ihr darvon schwatze: es kitzelt sie recht um den nabel. ped. schulfuchs 85; dein nabel, da du geborn wurdest, ist nicht verschnitten. Hesek. 16, 4; dein nabel ist wie ein runder becher, dem nimer getrenck mangelt. hoh. lied 7, 2 (dîn nabel ist gedrâter napf. Williram 5, 165 Hoffm.); der nabel geht oder tritt heraus. Frisch 2, 3a; wie ein nabel gemacht oder gestaltet. Maaler 296a; die bletter (des nabelkrauts) sind etwas hol und erhaben wie ein nabel. Bock kräuterbuch 384; schlappe bis auf den nabel herabhängende brüste. Lessing 6, 518;

da nahete, der ihn verwundet,
Peiros, und bohrte die lanz in den nabel ihm.
Voss Il. 4, 525;

ironisch von den erscheinungen des somnambulismus:

im nabel ist sie (seele) gern zu haus,
nehmt es in acht, sie wischt heraus.
Göthe 41, 325;

darnach der nabel als sitz der seele auch einflüsternd:

als hätte, da wär ich sehr erstaunt,
der nabel mir was ins ohr geraunt. 3, 264.

plur. näbel, doch selten: zwei nebel. rockenphilos. 1, 305.
2) bildlich: nun ist der tag halb begraben bis zu dem nabel. Albr. v. Eyb Menaechmi 96b; der gelehrte nabel, der gelehrte kitzel, dünkel, hergenommen von der kitzlichen empfindung des nabels:

es plagt ihn der gelehrte nabel
von vieler kunst und wissenschaft,
und der noch etwas grüne schnabel
gab jeder sylbe ton und kraft.
Günther 166.


3) die nabelschnur: mhd. mit dem nabeln ist daʒ kindel an gepunden in der muoter leib und nimt sein narung mit dem nabeln in der muoter leib. Megenberg 33, 20. auch nhd. hört man wol den nabel unterbinden, abschneiden.
4) umgebung des nabels, bauch: das wird deinem nabel gesund sein und deine gebeine erquicken. spr. Sal. 3, 8. in der metzger- und küchensprache: der dicke nabel, das bauchfleisch vom rindvieh. Schm. 1, 1712 Fromm.
5) in übertragener bedeutung, erhöhter oder vertiefter mittelpunkt:
a) schildbuckel (ὀμφαλός):

den siebenhäutigen stierschild
traf er gerad auf den nabel.
Voss Il. 7, 267. 13, 192.

vgl. nabelschild, nabelstelle.
b) schlusz eines gewölbes oder einer kuppel. Vochs baulex. 198. vom himmelsgewölbe:

am nabel des himmels hängt ein schild
von fein geschliffnem golde.
Fr. Müller 1, 240.


c) knotenpunkt eines hochlandes.
d) astron.: der nabel der Andromeda, der stern Mirach in dem gurte der Andromeda. mathemat. lex. 1, 920.
e) brennpunkt einer linse. Adelung.
f) botan.: stelle des samens, an welcher er in der frucht befestigt ist; kelchnarbe; trichterförmig vertiefter mittelpunkt an scheibenförmigen pflanzentheilen; als pflanzenname statt wasser-, sumpf-, venusnabel, nach den kreisrunden in der mitte vertieften blättern genannt. Graszmann pflanzennamen 246, vgl. DWB nabelkraut; bei pilzen der erhöhte mittelpunkt des hutes. Campe.
g) die mittlere vertiefung oder spitze in den windungen einer schneckenschale. vgl. DWB nabelschnecke.

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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) nabelader, f. vena umbilicaris. Aler 1424b.
 
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nabelartig, adj. adv. wie ein nabel gestaltet.
 
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nabelausfall, m. nabelausfall ist eine beschwerung der kleinen kinder, welche einige auch unter die brüche rechnen wollen. Zedler 23, 15.
 
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nabelband, n. nabelschnur Kramer 2, 149a; nabelbinde Zedler 23, 17.
 
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nabelbinde, f. fascia umbilicaris, schmale leinwandbinde, womit der nabel neugeborner umwickelt und niedergedrückt wird. Frisch 2, 3a. Amaranthes frauenzimmerlex. 1311; bandage zur heilung eines nabelbruchs. Jacobsson 6, 613a.