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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
miff bis milchabsonderung (Bd. 12, Sp. 2183 bis 2189)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) miff, im ablautspiele mit muff, zur bezeichnung eines hustenden, bellenden tones:

s ist nichts mit den alten weibern ...
miff! muff! gehts im hause
den ganzen tag herum;
junge mädel gehn halt grade,
alte weiber gehn krumm. ein kleiner feiner almanach 1, 142.


 
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miha, das gewieher des pferdes malend Stieler 2534, mit mihaschreier, equus hinniens.
 
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milan, m. falco milvus, die weihe; nach dem franz. milan. Nemnich 2, 1580. bei Adelung auch die milane.
 
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milbe, f.
1) acarus. das hochdeutsche wort (niederd. dafür miete, s. d., niederl. mijte, obschon auch meluwe, milwe acarus bei Kilian) ist in der alten sprache auf das eine oder andere insect bezogen, welches milbt, d. h. gegenstände in mehl oder staub verwandelt: ahd. ni curet iu trisiuuen treso in erdu,

[Bd. 12, Sp. 2184]


thâr iʒ rost inti miliuua furmalent (ubi erugo et tinea demolitur). Tat. 36, 1 (Matth. 6, 19, bei Luther die motten und der rost); mhd. tinea milwe, milhe, milb, plur. milwin Dief. 584b; als (gleichwie) die milwen daʒ gewant freʒʒent und verderbent. Megenberg 87, 13;

daʒ ê blût sam diu lilje,
daʒ wirt als daʒ gewant daʒ diu milwe
beneget unt friʒʒet.
H. v. Melk erinnerung 684,

also unser schabe oder motte bezeichnend; cimex milben Dief. 119b; milben, ciplex, virea, erugo. voc. inc. theut. n 7a; gern aber, und später ausschlieszlich geht das wort auf das geschlecht acarus: acarus milb, mele Dief. 6b;

wê dir von Zweter Regimâr! ..
du speltest, als ein milwe, ein hâr. minnes. 2, 241a Hagen;

in vielen arten, auf thieren, früchten, käse, mehl (Nemnich 1, 14 ff.), vgl. bienenmilbe, haarmilbe, käsemilbe, kornmilbe u. s. w.; auch auf der haut des menschen, vgl. DWB krätzmilbe; die milwen wolten inen das salz essen, sie hetten so alt salz, sie solten inen raten, wie sie es behielten vor den würmen. Keisersberg narrensch. 101a; ein schatz von salz daʒ wolten jm die mülben fressen. Pauli schimpf 18b; für milben und anderm unraht im haar. Gäbelkhover arzneib. (1599) 2, 101; die milwen, acarus, wie sie auf dem käsz wachsend. Maaler 290b; der käse ist der milben kindbette, caseus est acarorum puerperium. Steinbach 2, 61; womit soll ich dich vergleichen, alte närrische erde? bist du ein käse, auf dem milben umher krabbeln? Immermann Münchh. 3, 216; als bild äuszerster kleinheit:

noch kleiner vil dann ist ein milbe
sô wil ich meʒʒen. Kolmarer meisterl. 82, 47.


2) milbe, bei den meistersängern, weglassung des schluszlautes eines wortes: mylben, sind fehler, wann am ende des verses, der reimung halber abgebrochen wird, da doch dasselbige wort von natur den buchstaben erfordert, als: von diesem dinge will ich jetzo singe. Wagenseil de civ. Norimb. 529.
3) milbe, am Rheine der fisch cyprinus aspius, rappfisch, auch mülbe, minne. Nemnich 2, 1355.
 
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milben, verb. zu mehl oder staub machen (vgl. wegen des innern b unter mehl 1 sp. 1864 und mehleln sp. 1867): und sol man da zuo nên (zum lautertranke nehmen) xii corn piperis, pertheram, gingiber, spic, wol gesotin honec unde xxx meʒ wînes. disiu alliu suln wol gemilwet sîn. Wackernagel kl. schr. 1, 106; salz milben, gemilbet salz Schm. 1, 1587 Fromm. (aus Loris bergr.).
 
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milbenkäse, m. käse mit milben.
 
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milbenkrätze, f. eine krankheit: dies insect (acarus exulcerans) verursacht die sogenannte milbenkrätze. Nemnich 1, 17.
 
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milbenzahn, m. zahn einer milbe, als bild für etwas kleinstes:

ein schnek, der uf der erden schlicht,
der möcht wol höher springen
dann min vernunft vergriffen hat.
ein milwenzan ist gröszer (spricht ein narr).
Manuel 307, 48 Bächtold.


 
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milbig, adj. milben enthaltend: milbiger käse, milbiges mehl.
 
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milch, f. lac.
1) milch ist ebenso altes gemeingut der germanischen sprachen, wie das dazu gehörige verbum melken (sp. 1997): goth. miluks; altnord. mjólk, schwed. mjölk, dän. melk; ags. meolc, engl. milk; fries. melok; alts. miluk, niederl. niederd. melk; ahd. miluh, mhd. milich, milch; in den urverwandten sprachen entspricht auffallender weise nur altirisch melg (W. Stokes three irish gloss. xxx), während das altbulg. mlèko mit seiner sippe (russ. moloko, poln. böhm. mleko, wend. mlȯko u. s. w.) als deutsche lehnwörter zu gelten haben, da sie im falle der urverwandtschaft nicht gleicherweise k im inlaut wie das deutsche zeigen könnten; lat. und griech. haben in ihrem lac, lactis, γάλα, γάλακτος völlig abstehende bildungen. dasz milch fast allein steht in den germanischen sprachen, während sein verbum melken in seiner besondern bedeutung durch die europäischen sprachen geht, wird sich so erklären, dasz es ursprünglich ein auf germanischem boden gebildetes verbalsubstantiv war, die handlung des melkens (also das was das spätere melke sp. 1997) ausdrückend, und nachher erst den begriff des durch das melken erlangten, des hervor gemolkenen annahm.
2) während milch heute im sing. der biegung entbehrt, bildete die alte sprache den dat. miluhhi, mileche: ih trank ouh dâ mînen uuîn mit mînero miliche. Williram 74, 5 Seemüller; der

[Bd. 12, Sp. 2185]


sich, wenn auch mhd. nicht nachzuweisen, noch bei den Schlesiern des 17. jahrh. findet:

wann bei der Römer zeit man sah mit milche trifen
den himmel.
Logau 1, 109, 59;

bei der sich fruchtbar-sein und jungfrauschaft vermählet,
der es am männer-lust, doch nicht an milche fehlet.
Lohenstein himmelschlüssel s. 30, 640;

als stoffname entbehrt das wort im hochd. des plurals, das fries. hat ihn allerdings gebildet: and (Moyses) lâttese an thet lond thet flât fon melokon and fan hunige. Richthofen 132, 31.
3) milch, zuältest und ohne weiteren zusatz war gewöhnlich auf die kuhmilch bezogen.
a) sie bildet einen hauptbestandtheil der einfachen menschlichen nahrung, im verein mit dem was land oder hausthiere an ertrag liefern: der mensch darf zu seinem leben, wasser, fewr, eisen, salz, mehl, honig, milch, wein, öle und kleider. Sir. 39, 31; und er trug auf butter und milch, und von dem kalbe das er zubereit hatte, und satzts jnen fur. 1 Mos. 18, 8;

die milich si ouch nuʒʒen,
mit den vellen sich rusten. genes. in den fundgr. 2, 24, 41;

in dûhte durch guot,
sô man im gab milich unde prôt. 25, 7;

(du muszt sorgen) umb das fleisch und umb das prat, ..
umb di milich und smalz,
eia umb das mel und umb daʒ salz. Erlauer spiele 1, 39 Kummer;

von groben brot isz ich ein ranft (sagt der bauer),
mein trunk ist wasser, milch und schotten.
H. Sachs fastn. sp. 1, 118, 93;

vom lande der stadt geliefert:

das man int stat auf morgen fru
hienein auf den jarmark bring
kesz, milch, schmalz und ander ding. 2, 141, 4;

ich wolt heudt in die stadt gahn,
milch und air in die stadt nein tragen. 3, 86, 9;

während die kuh sie dem bauer gibt:

so wart nur fleiszig unser ku
bedes mit streien und mit misten,
gib ir futer zu rechten fristen,
auf das sie uns nur geb viel millich. 2, 142, 32;

ein kuh,
darvon ich kesz und millich hab. 3, 115, 65;

sein vieh, sein land, sein garten giebt gerichte,
die milch, den fisch, den braten und die früchte.
Hagedorn 1, 73.


b) in der bibelsprache gilt das land für gesegnet, worin milch flieszt: zur selbigen zeit werden (in Juda) die berge mit süszem wein triefen, und die hügel mit milch flieszen .. aber Egypten sol wüst werden. Joel 3, 23; besonders aber, worin milch und honig flieszt: und bin ernider gefahren, das ich sie errette von der Egypter hand, und sie ausfüre aus diesem lande, in ein gut und weit land, in ein land, darinnen milch und honig fleuszt. 2 Mos. 3, 8 und oft; darumb es (Palästina) auch genand ward ausz solchen ursachen mit honig und milch flüssig. S. Frank weltb. 176a; beides zusammen der inbegriff der süszigkeit: deine lippen, meine braut, sind wie triefender honigseim, honig und milch ist unter deiner zungen. hohel. 4, 11; von daher bei dichtern:

vergönne mir, o Jesulein,
dasz ich dein mündlein küsse,
das mündlein, das den süszen wein,
auch milch und honigflüsse
weit übertrifft in seiner kraft.
P. Gerhard 159, 39;

dein mund hat mich gelabet
mit milch und süszer kost. 50, 38;

hab ich gleich die poesie verletzet,
dasz sie mich nicht, wie dich, mit milch und honig speist.
Günther 561;

(bis) der verliebten schäfer paare wieder
an milch- und honigströmen zärtlich wandeln.
H. v. Kleist Hermannsschlacht 2, 5;

auch wein und milch werden als köstliches zusammengestellt: die jr nicht gelt habt, kompt her, keufet und esset, kompt her und keuft on gelt und umb sonst, beide wein und milch. Jes. 55, 1;

dein Israel, das fromme heer,
geht zum gelobten lande,
da milch und weinstets fleusz herein
wie ström in ihrem rande.
P. Gerhard 292, 101.


c) die milch ist süsz, sahnig, wenn sie frisch von der kuh kommt, sauer, geschieden, gestockt, geronnen, wenn sie länger gestanden hat: bracht die beürin erst ein grosz kar mit gter sszer milch, darinn stigen sie mit den löfflen. Wickram rollw. 112, 11 Kurz;

[Bd. 12, Sp. 2186]


wann die schweren kühe brüllen,
gern die blanken eimer füllen,
und die dirne melkend singt,
dann, auf ihrem bunten kranze,
leicht, als schwebte sie im tanze,
süsze milch nach hause bringt.
Stolberg 1, 232;

sahnige milch in gestülpter
porzellanener kumme.
Voss Luise 1, 564;

gescheiden milch, schiston Dasyp.; lac schistum, geronnene milch Kirsch cornuc.; gerahmte milch, lac emunctum, alte milch, requietum, frische milch, recens, geronnene milch, concretum, gesottene milch, coctum, gefälschte milch, mixtum, ungefälschte milch, sincerum, gebackene milch, lac frixum, dicke, sive saure milch, oxygala. Stieler 1266;

wir essen all nit gern hebrin prei,
so ess wir ungern gerunnen milch. fastn. sp. 344, 5;

kalte milch, warme milch; kuhwarme milch, s. th. 5, 2584;

wann er hat heut schon suppen gessn,
ein brei und kalte milch gefressn.
H. Sachs fastn. sp. 3, 124, 4;

hierauf wird warme milch, nebst feld- und gartenfrüchten,
in irdnen schüsseln aufgetischt.
Hagedorn 2, 101;

in der milchwirtschaft ist unterschieden ganze milch und halbe milch, erstere, wie sie von der kuh kommt, mit vollem rahmgehalt, letztere abgerahmt; dünne milch, lac liquidum, abgelaszne milch, lac secundarium, sua pinguedine exutum Stieler 1266; in ganzem zustande ist die milch weisz:

der schnee ist hell, die milch ist weisz.
P. Gerhard 159, 54;

aber blau, entweder wenn die kühe krank sind: der küster .. verkauft ein mittel wider die blaue milch, und will die bösen geister vertreiben können, wenn die butter nicht gerathen will. Möser patr. phant. 3, 105; oder wenn die sahne genommen ist:

nichts gessen, dann ein heidelprei
und darzu auch ein blawe millich.
H. Sachs fastn. sp. 3, 98, 169;

die milch wird gemolken, gegessen, getrunken, abgerahmt, gestoszen, gelabt: frische milch essen, vesci sorbitiuncula lactaria Stieler 1266; sitzen drei knaben um eine schale, eben gemolkene milch schlürfend, ohne weiteres hülfsmittel als begierige lippen. Göthe 39, 195; sie sollen deine (des landes) früchte essen, und deine milch trinken. Hes. 25, 4; welcher weidet eine herd und isset nicht von der milch der herden? 1 Cor. 9, 7;

fül dein spindel, denn wöl wir launen,
und gute milch und semel essen.
H. Sachs fastn. sp. 1, 125, 53;

wenn man milch stöszt, so machet man butter draus. spr. Sal. 30, 33; man musz die milch so lang stoszen bis butter daraus wird. Lehmann floril. 1, 29; milch laben, gerinnen machen:

als er darauf die hälfte der weiszen milch sich gelabet,
stellt er sie eingedrängt in geflochtene körbe zum ablauf. Odyss. 9, 246;

die milch gerinnt, schlägt um, wird sauer, dick: die milch hat sich geschüttet, lac concrevit, coactum est Stieler 1266; die milch wird vom feuer dicke, lac igne spissatur. Steinbach 2, 73; diejenige milch, so von sich selbsten, ohne feuer oder laab, gerinnet, wird schlottermilch genennet. öcon. lex. 1610; die milch lauft oder rinnt zusammen, lac coit, wird saur, acorem concipit, wird dick, serescit. Frisch 1, 663a.
d) milch mit dem unbestimmten artikel, wie sonst bei stoffnamen, wenn geschlossene und abgegrenzte hervorhebung bei einer beschreibung geschieht: mhd. ein milch und ein bluot. troj. krieg 3024 (s. die stelle unten 6, a); nhd. der weisze dicke und einer milch gleichende saft. öcon. lex. 1612; es sihet ein milch der andern nit so gleich (non tam ovum ovo simile). Agr. spr. 66a; die gartenfrüchte sind herrlich, besonders der salat von zartheit und geschmack wie eine milch; man begreift warum ihn die alten lactuca genannt haben. Göthe 28, 128; ein gericht, eine schüssel milch bezeichnend:

geh nein, richt mir ein millich ahn.
H. Sachs fastn. sp. 2, 115, 303;

wir wollen auf den streit auch heute lustig sein;
wir essen eine milch.
Gellert 3, 473;

sonst, wenn die milch nach verschiedener art bezeichnet werden soll: es ist aber immer eine milch besser und gesunder als die andere, nachdem nemlich die weide und das futter beschaffen, und von einander unterschieden ist, mit welchem die melk-kühe gefüttert werden. öcon. lex. 1608.
4) milch anderer hausthiere, durch zusätze oder den zusammenhang der rede ausdrücklich bezeichnet: mit waschen ... in

[Bd. 12, Sp. 2187]


gaiʒeiner milch. Megenberg 478, 1; butter von den kühen, und milch von schafen. 5 Mos. 32, 14; und solt das böcklin nicht kochen, dieweil es an seiner mutter milch ist. 2 Mos. 23, 19; die esel werden in Frankreich, Italien und anderer orten gemolken, und die milch denen lungensüchtigen zur arznei gebrauchet. öcon. lex. 1592; aus milch macht man geiskäs, gleichformig denen die man ausz kümilch zu machen pfleget. Sebiz feldb. 144; vgl. die zusammensetzungen eselmilch, geiszmilch, kamelthiermilch, losenmilch, oder von einer losen (lac suillum), roszmilch, schaafmilch Maaler 289d. milch von säugethieren überhaupt: die hasenmilch ist ganz dick, und als Aristoteles spricht, habend sy allein under den thieren milch ee dann sy gebärend. Forer thierb. 69b; die milch der hunden ist dicker dann anderer thieren milch. 87a.
5) milch der frau, muttermilch: daʒ sehzehend (zeichen, dasz die frau ein knäblein trage) ist, daʒ der frawen milich dick ist und zæh, alsô der si sprengt auf ein glas, sô stênt die tropfen dar auf als die arwaiʒ und flieʒent niht. aber sô diu frawe mit aim dirnlein gêt, sô ist ir milich dünn und wäʒʒrig und zerflieʒent ir tropfen. Megenberg 41, 8; milch einer söugammen, ros vitalis Maaler 290a; man neme weibermilch (als arznei). Sebiz feldb. 74; es heiszt die milch saugen, von der milch entwöhnt werden: dasz du solt milch von den heiden saugen, und der könige brüste sollen dich seugen. Jes. 60, 16; wem sol er zu verstehen geben die predigt? den entwehneten von der milch, denen die von brüsten abgesetzt sind. 28, 9;

du warst, noch eh du wurdst geborn,
und eh du milch gesogen,
verdammt, verstoszen und verlorn.
P. Gerhard 326, 9;

zwillinge oder milchbrüder sind von éiner milch genährt, haben éine milch gesogen; bildlich von menschen éiner sinnesart:

all dieses volk gehorcht Friedländischen
hauptleuten. dies befehligen, sind alle
in éine schul gegangen, éine milch
hat sie ernährt, éin herz belebt sie alle.
Schiller Piccol. 1, 2;

die milch tritt ein, sticht, drückt, macht beschwerden (wenn sie zu reichlich sich bildet), versiegt, vergeht; nach der anschauung des volks steigt die milch in den kopf, wenn eine wöchnerin gemütskrank wird; die erst milch, die einer kindtbeterin kumpt, colostrum Maaler 290a; das den weiberen die milch vergange, oder die uberige milch verschwinde, musz man legen auf die düttenwartzeln die wurzeln von groszem schwalbenkraut. Sebiz feldb. 90; wenn eine frau die übrige milch vertreiben will. Hohberg 1, 318a;

dazu macht mir die milch beschwerden,
und peinigt mich mit meiner brust,
nicht längst starbs kindlein, meine lust.
Tieck Octavian. 146;

unvertilgbare eigenschaften eines menschen sind mit der ersten milch eingesogen (vgl. auch unter muttermilch):

Aurel. was gilts sie geben nach? priest. wofern sie nicht gesogen
den irrthum mit der milch, und in dem wahn erzogen,
und bisz in tod erstarrt.
A. Gryphius (1698) 1, 487;

wohin erst mancher kaum, nach langem schweisz, gediehen,
das war ihm alles schon in erster milch verliehen.
Caniz 179;

verehrung, hasz und gunst flöszt mit der milch sich ein,
des ahnen aberwitz wird auch des enkels sein.
Haller schweiz. ged. 70;

und der rauhe mensch hat wilde milch genossen:

ich wüste nicht wer der, und wannen er entsprossen,
und was für wilde milch sein erster mund genossen,
der ernstlich hier nur siht, der frölich hier nicht lacht.
Logau 2, 65, 58;

bei der milch, im zustande des säuglings: (ein blinder bettler, der) etliche kinder mit seinem weibe gezeuget, die er aber alle noch bei der milch gelähmet und zu krüpeln gemacht. Simpl. 3 (1684), 139.
6) milch in vergleichen und sprichwörtern.
a) ein reines weisz ist der milch verglichen:

sîner zande glîʒ
ist wîʒer den diu milich wîʒ. genes. in den fundgr. 2, 78, 1;

seine augen sind rötlicher denn wein, und seine zeene weiszer denn milch. 1 Mos. 49, 12; ire Nazarei waren reiner denn der schnee, und klerer denn milch. klagel. Jer. 4, 7; die jugendliche weisze der haut heiszt milch:

auf seinen wangen ist zu schaun
anstatt der jugend milch, ein lebhaft, männlich braun.
Hagedorn 2, 82;

[Bd. 12, Sp. 2188]


und sie wird in gegensatz zu dem rot der wangen durch den vergleich wie milch und blut gestellt: meitle weisz wie milch, nichts dann milch und blt, puellae lacteolae Maaler 290a; freilich sahe der schöne und zu selbiger zeit arme Solande wie milch und blut, und deswegen denen gelben staub und sonnenschwarzen ungesunden bettlern ganz ungleich. polit. stockf. 22;

reht als ein milch und als ein bluot
wol under ein gefloʒʒen
was im ein lîch gegoʒʒen
under sîn antlitze gar. troj. krieg 3024;

ir schön angsicht so wol rundiert, ..
getemperiert wie milch und blt,
als weisze gilgen seind gestalt,
so man darz rot rosen halt. Grobian. J 1a (v. 2140);

ich sah zwar nichts als milch und blut (das gesicht der schönen),
und was sich weiszer noch als alabaster nannte (ihre brust).
Hoffmannswaldau u. a. ged. 4, 105;

(sie) sah immer aus wie milch und blut.
Hölty 143 Halm;

hier steht, den du gerettet,
ein kind wie milch und blut.
Uhland ged. 395;

milch von der farbe der haut im gegensatz zu dem schwarz der augen:

ein mädel jung am wege sasz,
und blumen auseinander las;
die augen kohln, die hände milch,
die wangen rosn, das mieder zwillch.
Gleim 3, 198.


b) milch, als die nahrung der säuglinge, übertragen auf die erste geistige kost: milch hab ich euch zu trinken gegeben, und nicht speise, denn jr kundtet noch nicht, auch künd jr noch jtzt nicht. 1 Cor. 3, 2; und die jr soltet lengest meister sein, bedürfet jr widerumb das man euch die erste buchstaben der göttlichen wort lere, und das man euch milch gebe, und nicht starke speise. Hebr. 5, 12; und seid girig nach der vernünftigen lautern milch, als die jtzt gebornen kindlin, auf das jr durch die selbigen zunemet. 1 Petr. 2, 2 (vgl. dazu milchchrist, milchglaube); wie auch auf die erste und grundlegende bürgerliche nahrung: von unfruchtbarem golde zu einer schnellen grösze gebläht, sah man die monarchie (Karls V) an einer langsamen zehrung schwinden, weil ihr die milch der staaten, der feldbau entzogen wurde. Schiller hist.-krit. ausg. 8, 98.
c) milch, mit folgenden genitiven, in bildern die ebenfalls auf dem süszen und ersten nährmittel des menschen fuszen: ich hab euch mit der milch so vieler gutthaten getränket. Schuppius 324; die geistlichen peitschen die milch des evangeliums so lange bis sie sauer wird. J. Paul liter. nachlasz 4, 251;

ja, stünds in meiner macht, ich schüttete
die süsze milch der eintracht in die hölle,
und allen frieden bannt ich aus der welt.
Schiller Macbeth 4, 6,

nay, had I power, I should
pour the sweet milk of concord into hell;
du hast aus meinem frieden mich heraus
geschreckt, in gährend drachengift hast du
die milch der frommen denkart mir verwandelt. Tell 4, 3.


d) milch, als sinnbild des weichen, noch jungen oder unreifen, vgl. DWB milchbart, DWB milchbengel, DWB milchfriedel, milchhaar, milchhörnig, milchjahre, milchling u. a.; auch des weichen, verzagten im gemüte (vgl. auch milchherzig, milchig):

doch dein wesen fürcht ich:
s hat zu viel milch des weichen menschenthums. Shakesp. Macb. 1, 5,

it is too full o'the milk of human kindness;

da es doch, wie ich sehe, unmöglich ist, deine zu milch gewordene galle zu reizen, und selbst die schändlichste aller greuelthaten dich nicht bewegen kann, die verbrecher in die strudel des Flegethons hinab zu donnern! Wieland 25, 238.
e) milch in sprichwörtern und redensarten: süsze milch soll man vor katzen hüten. wer das einbrocken bezahlt, dem schenkt man die milch. die milch balgt wohl, aber sie talgt nicht (füllt auf, aber macht nicht fett). es kommt keine milch von hofen, es ist denn eine maus darin ersoffen. Simrock sprichw. 377; ihre milch wollte nicht mehr gelten (doctrina eorum obsolescere incepit). Keisersberg bei Frisch 1, 663a; schwäbisch er läszt die milch abe, gibt nach, spannt seine forderung nicht mehr so hoch. Schmid 385; tirol. die milch sinken lassen, den mut verlieren. Schöpf 438; wie das wasser das aufflackendre feür löschet, also löschet den zorn der gedank so du hast von deinen sünden .. und darumb fahe an, lasz die milch nider und gesitz, und also gedenk dein aigne arbaitsäligkeit die an dir ist. Keisersb. siben schaiden dd 3d; das bild

[Bd. 12, Sp. 2189]


ist wol hergenommen von der beim kochen in die höhe schieszenden milch, die, vom feuer genommen, sich schnell wieder setzt.
7) milch, von milchähnlichen pflanzensäften.
a) von feigen und feigenbäumen: milch von einem feigenbaum, lac ficulnum. Maaler 290a; lasse inn den bisz drei oder vier tropfen milchs von feigenbäumen oder feigen tropfen. Sebiz feldb. 95 (der auffallende genitiv milchs hier wol gebildet weil der verfasser an saft dachte); aber auch von pflanzen der gattung euphorbia (vgl. teufelsmilch, wolfsmilch) u. a.: milch wird auch der weisze dicke und einer milch gleichende saft gewisser kräuter genennet. öcon. lex. 1612. s. milchkraut.
b) der saft in den noch unreifen samenkörnern des getreides: das korn tritt in die milch, steht in der milch, wenn die körner sich bilden; das (düngen) thut man in Schlesien bald nach der saat ... ehe das korn in die milch tritt. Colerus hausb. 200; wenn das korn in der milch gefreuert, so verdirbts sehr. 2; wenn es in sommer am längsten tag so kalt würde, dasz es eisz gefröre, da sage ich, würde man gewisz gnung theure zeit darauf kriegen, weil alle zu selbiger zeit in der milch stehende früchte erfrieren würden. rockenphilos. 2, 174;

wenn Sirius den weizen-ähren
die milch aussaugt.
Gökingk 1, 279;

es stockte in dem zarten halm die milch
der welken ähren, und die sonne trank
der rebe nektar und des ölbaums saft.
Stolberg 4, 6.


c) auch der wein ist in der milch, im ersten jahre nach der kelterung, wenn er noch keine vollreife und weisz-flockichtes aussehen hat (federweisz th. 3, 1410): die win, die am Kaiserstl wachsen, die sol man in der milch trinken, wan sie sind nit wierig (halten sich nicht). Mone zeitschr. 3, 284 (von 1510).
d) milch aus mandeln, ein aus mandeln bereiteter milchweiszer saft; s. DWB mandelmilch.
8) milch, bei fischen: milch heiszet bei den fischen männlichen geschlechtes das zarte mark, so sie im leibe tragen, darinnen ir saamen enthalten ist. öcon. lex. 1612; milch im visch oder im hering, lactis. voc. inc. theut. n 7a; erstlich lassen die milcher (männlichen fische) ihre milch von sich und spannen die im wasser aus gleich wie ein netz oder tuch. Colerus hausb. 493. milch in dieser bedeutung wird von Schottel 1364 als neutr. gegeben.
9) milch, eine drüse: under der kählen theilen sie (die venae) sich in 12 merkliche äste, zwischen der ersten abtheilung ligt das priesz oder milch (thymus), ist eine grosze schwammächte drüse. H. Schaevius anat. abrisz (bei Würtz wundarznei) s. 11; milch, im fleisch, am halse der kälber, kalbsmilch, glandium vitulorum, eine zarte speise, thymus Frisch 1, 663a; vgl. milchstücklein und kalbsmilch.
10) milch bei den bienenzüchtern, die in einem dicken milchfarbigen safte liegende brut.
11) milch bei den weiszgerbern: durch die milch ziehen heiszt bei ihnen die feinen lamm- und ziegenfelle mit weiszer stärke einreiben, damit sie, da sie zu handschuhen gebraucht werden, ein schönes weisz bekommen. Jacobsson 3, 65a.
12) milch von flüssigkeiten, deren aussehen an milch erinnert, vgl. DWB bleimilch, DWB kalkmilch, DWB jungfernmilch 2; vom schäumenden wasser der bergströme, gletscher (vgl. milchen):

den durst mir stillend mit der gletscher milch,
die in den runsen schäumend niederquillt.
Schiller Tell 2, 2;

endlich vom chylus, dem milchartigen speisesaft im thierischen körper, vgl. DWB milchader, DWB milchbehälter, DWB milchbehältnis, milchgefäsz, milchsaft.
13) milch, name des zitzenkrauts, lampsana communis.
14) schweizerisch, im Simmenthal, heiszt milch die gesamtheit der käse, welche den sommer hindurch auf einer alp gemacht werden. Stalder 2, 210.
 
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milchabsonderung, f.: wenn die hündin schon einige wochen gesäugt und die ernährung von 5 bis 6 jungen schon eine bedeutende milchabsonderung entwickelt hat. hannov. magazin 1844 s. 317.