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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
meuterbrut bis mewenbüttel (Bd. 12, Sp. 2165 bis 2167)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) meuterbrut, f. aufrührerbrut:

nimm die kohorten, die den schweif mir bilden,
und wirf die deutsche hilfsschaar gleich,
die meinem zug hierher gefolgt, zusammen!
zur hölle mitleidlos, eh sie sich noch entschlossen,
die ganze meuterbrut herab!
H. v. Kleist Hermannsschlacht 5, 9.


 
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meuterei, f. anstiftung von aufruhr: item, welcher wider den feldobersten, und andere seine vorgestelte oberkeiten, ein meuterei würde machen, der soll darumb .. an leib und leben gestraft werden. reuterbestallung zu Speyer von 1570, art. 55; kompt es letzlich dazu, dasz eine meuterei nach der andern entstehet. Kirchhof mil. disc. 82; richtet mit den Preuszen eine neue meuterei an wider den orden. Schütz Preuszen 34; dieser elende, der bei der armee eine meuterei anrichten wollen. A. Gryphius (1698) 1, 359; die meuterei stillen, seditionem sedare Steinbach 2, 60; die meuterei würde dadurch ursache bekommen, ihre blutgierigen hände noch mehr zu beflecken. J. E. Schlegel 2, 567; die knechte machten wegen des gesetzes .. eine meuterei. Klopstock 12, 92; mich treulos zu verlassen; die sie mir alle schwuren, auf ihre seele! denn zum sohne überzugehen, ihn in meuterei zu stärken! Klinger Otto 25, 28;

ja, es ist lenger nit zu beiten,
das sich im heer kein meuterei
oder aufrhur durch verretrei
begeb.
H. Sachs fastn. sp. 4, 87, 301;

ich musz sehr fürchten ein aufruhr
im volk, von wegen meinr unfuhr.
vil mewtrey wern wider mich gmacht. 120, 231;

suspect, despect, respect, sind solcher stücke drei
dadurch die ganze welt wird voll von meuterei.
Logau 1, 124, 32;

dahinter, fürcht ich sehr, steckt eine meuterei,
die ich sogleich ans tageslicht will ziehn.
H. v. Kleist Hermannsschlacht 5, 8;

[Bd. 12, Sp. 2166]


in freiem scherzhaften sinne:

was also zwischen dame Klare
und ihrem fräulein, seit der kleinen meuterei
die jene mit dem herrn im langen blonden haare
im dunkeln angelegt, verhandelt worden sei.
Wieland 21, 242;

in der form meiterei:

zum fünften, solt michs nit verdrieszen,
das jr betstrambler so geflissen
mit ewerm bicken, griffen, zwicken
dem hauszvatter sein gsind abstricken ...
wie kann ich euch hie fallen bei
und loben solche meiterei.
Fischart flöhhatz in Scheibles kloster 10, 892.


 
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meuterer, m. seminator discordiae, rerum novarum studiosus, schismaticus. Stieler 1275: bin ich und andere mehr von adel, und andere gute gesellen bewegt und erbetten worden, von eines wegen, der hat der meütterer geheiszen (mit übernamen). Götz v. B. 95; demselbigen meütterer weiter verhülflich zu sein. 96.
 
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meuterheer, n. heer von aufrührern:

und wenn wir dann dem meuterheer begegnen,
wir stürzen uns voll zuversicht hinein!
Körner 1, 124.


 
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meuterisch, adj. seditiosus, factiosus, tumultuosus. Stieler 1275: meuterische absichten. Beckers weltgesch. 7, 20; eine meuterische truppe. Dahlmann gesch. d. franz. revol. s. 286.
 
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meutern, verb. meuterei anstellen: die truppen haben gemeutert;

ihr meutern und empören,
worin hernach sie ihre gröszte stärke
im krieg gezeigt. Shakesp. Coriolan 3, 1.


 
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meutmacher, m. aufrührer, aufwiegler. ein seit dem anfang des 16. jahrh. in unserer sprache erscheinendes wort (als meitmacher bei Wilw. von Schaumb.: lies den meitmachern die heubter abschlagen, aufrührern in Holland. 115); niederl. muytmaecker, seditiosus, tumultuosus, turbulentus, rerum novarum studiosus seu cupidus (Kilian), was auf niederl. neben mutenêren ausgebildetes muyten zurückgeht (vgl. oben meutenieren). es kam sicher mit den landsknechten aus den Niederlanden ins Oberland, als wort ihrer kriegssprache (vergl. ähnliches unter meit 6 sp. 1988), und wurde im laufe des 16. jahrh. allgemein: ward ein meutmacher und aufrührer gescholten. Luther tischr. 219b; die waren lermstifter und meutmacher. 292a; der da für ein meutmacher .. verklaget worden. Fischart bienk. 215b; das er .. etliche meutmacher hart gestraft hab. Garg. 270a; Albertus bischoff zu Mentz war ein groszer meutmacher und anstifter viles jamers im reich. G. Nigrinus papist. inquis. 406; solche meutmacher und schnarker. Kirchhof disc. milit. 34; hat es auch noch meutmacher und rebellen in den stätten hin und wider? Philander 1 (1642), 190; wann sie für aufrührer und meutmacher ... gehalten würden. Schuppius 506; wieder dergleichen beharrliche teufelskinder, meutmacher, mörder und ehrendieb. 678 (aus einem Straszb. edict von 1658); so werden sie als aufwiegler und meutmacher angesehn. Klopstock 12, 276 (und noch mehrmals in der alterthümelnden gelehrtenrepublik s. 307. 308. 329);

die schalt er als lose meutmacher,
seine neider und widersacher. froschmäus. X 1b (2, 2, 1);

abweichende formen: welche die rechten Cadmes brüder und haderkatzen und land aufwiegler und kirchen meitmacher sein. Mathesius Sar. 154b; er soll als ein meitmacher, aufrührischer und meineidiger gestraft werden. Fronsperger kriegsb. 1, 12b; er .. soll auch keinen munsteren oder durch passieren lassen, der vorhin ein meutenmacher gewesen ist. Reutter v. Speir kriegsordn. 9; diese ehrlichen leute wollen aber lieber sterben, als dem begehren dieser meutemacher ein genüge thun. zeitvertr. 106.
 
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mewchen, n. junge oder kleine mewe: was wäre dann aus den armen kleinen möwchen geworden, die, noch unbefiedert, im sandneste der groszen düne liegen? H. Heine 1, 150. mewchen heiszt auch die mewentaube, columba turbita.
 
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mewe, f. der wasservogel larus; der name ist bei den seeumwohnenden stämmen uralt: ags. mæw (masc.), altengl. mow, engl. mew; alts. mêu (larum, genus avis, et vocabitur saxonice meum. larus vocatur saxonice meū, nostri musare. Steinmeyer-Sievers 1, 342, 48; larum meu 340, 9), ins ahd. als mêh gekommen (larum mêh in diutisco dicitur. 801, 20); niederd. mewe, niederl. meeuw (meeuwe, larus, gavia, avis vulgo meva a voce quam edit dicta. Kilian; gavia mieuwe Dief. 258b); altn. mâr, isländ. mâfr, dän. maage, schwed. mse (auch in ahd. glossen wird ein larus mesu, mesa überliefert

[Bd. 12, Sp. 2167]


Steinmeyer-Sievers 1, 340, 15); litt. entspricht mwas, altfranz. miawe, picardisch mauve, neufranz. muoette (Littré 2, 645c). das wort ist erst in den letzten jahrhunderten in aufnahme gekommen, Luther setzt statt des in der vulg. 3 Mos. 11, 16 begegnenden larum den kuckuc, in Heuszlins vogelbuch heiszt er der meb. 174a; der meben oder mewen sind mancherlei geschlecht. 173b; auch Schottel gibt als masc. meu, gavia, hollbrot, rotgans, (franz.) mouette, avis aquatica, (holl.) meeu 1364. erst später erscheint die fem. form meve und mewe, vom niederdeutschen her: grosze schwarze meeven. Mandelsloh bei Olearius reisebeschr. (1696) 106b; mewe, fischmewe, larus. Hübners handlungslex. (1722) 1193; meewe oder meerschwalbe, ist ein wasservogel. öcon. lex. (1731) 1605; mewe, larus Frisch 1, 661c; schreibungen wie möve, möwe ergeben sich nachher und dauern bis heute:

die grauen mewen fliehn
mit bangem flug, und nähern sich dem lande.
Hagedorn 2, 124;

ists (das vaterland), wo am belt die möve zieht?
Arndt ged. (1840) 216;

schon flattert, leichenwitternd,
die weisze, gespenstische möwe.
H. Heine 15, 232;

die weiszen möwen,
aufgescheucht aus den sandigen nestern. 247;

ein allezeit gedeckter tisch,
auf dem die möven fische speisen.
Freiligrath dicht. 1, 20;

ob meinem haupte ziehn
drei möven, schwer und träg. 22;

mewen heiszen auch vögel aus der gattung sterna, z. b. sterna fissipes schwarze meve Nemnich 4, 1368 u. a.
 
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mewen, verb. s. DWB mäuen.
 
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mewenbüttel, m. larus parasiticus, struntjäger, eine mewenart, die andere von ihrer beute verjagt. Nemnich.