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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
meut bis meuterei (Bd. 12, Sp. 2164 bis 2165)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) meut, m. ein nichts, für meit sp. 1986 f., vergl. namentlich sp. 1988 nr. 5:

ja wol, sie geit kein mewt umb mich.
H. Sachs fastn. sp. 1, 151, 154.


 
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meute, f. koppel hunde zur hetzjagd; übernommen im 18. jh. aus dem franz. meute (von lat. mota), altfranz. mute und meute, welches zufrühest zug im allgemeinen bedeutet, seit dem 13. jh. aber schon auf die jagdhunde bezogen ist (Littré 2, 551b). das wort erscheint in Döbels eröffneter jägerpractica (1746) 2, 91b. 97a als jägerisches kunstwort schon mehrfach gebraucht (bei Göchhausen 1741 noch nicht), und erlangt dann auch allgemeinere verwendung: eine meute hunde. Arnim 1, 162; es hängt sich eine ganze meute hunde an mich. dessen schaubühne 1, 32;

ob hart gleich hinter drein
die meute rascher hunde bellt.
Bürger 151a;

die lüfte
hallen vom reitergalopp und gebell der spürenden meute. 246a;

es stellt sich der erschöpfte hirsch und zeigt
der meute sein gefürchtetes geweih.
Schiller Tell 1, 4;

hetzt sie die meute, die mordathmende,
die sie umringt, das schönste wild zu fangen.
H. v. Kleist Penthesilea, 22. auftr.;

laut bellte dort die meute,
vor der die hindin floh,
und fiel die blutge beute,
erscholl ein wild halloh.
Uhland ged. 375;

hirsch und säue, rudelweis,
hetzend hinterdrein die meute.
H. Heine 17, 67;

übertragen auf eine rotte von menschen: der eine regierende graf verschreibt sich eine meute jagdhunde, wie sie kein potentat in Europa hat; der angrenzende besoldet eine meute hofmusici, die wenigstens eben so viel lärm macht. Knigge umgang mit menschen 3, 37; von der meute der recensenten parforce gejagt zu werden. 196;

eine ganze meute
von geilen Römern, die den platz durchschweifte.
H. v. Kleist Hermannsschlacht 4, 6.


 
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meutemacher, m. s. unter meutmacher.
 
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meuten, verb. meuterei machen (das folgende meutenieren in deutscher form, wie auch nl. muyten neben mutenêren steht, s. unten meutenieren und meutmacher): meuten, agitare seditiones Schottel 1364;

willst du der frechen schaar, die nichts als meuten kan,
gebieten sonder furcht: so fang am höchsten an,
und schmeisz die köpfe weg, die ander überholen.
A. Gryphius (1698) 1, 502;

auch von Stieler 1275, aber als selten gegenüber meutenieren aufgeführt.
 
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meutenieren, verb. aufruhr erregen. ein wort der soldatensprache, welches, wie manches andere (vergl. DWB marsch und DWB marschieren sp. 1671. 1675) vor dem 30jährigen kriege aufgenommen worden ist aus dem franz. mutiner, d. h. être mutin, faire le mutin den rebell machen Littré 2, 677a; der wurzelhafte zusammenhang

[Bd. 12, Sp. 2165]


dieses mutin, mutiner mit franz. meute (s. oben) wird anzunehmen sein, auch franz. esmeute, émeute aufruhr lautete früher émute (Littré 1, 1344c), spanisch entspricht motin aufruhr, amotinar aufwiegeln, ital. ammutinare Diez 2, 376; ins englische. hat das wort als mutine, mutiny sich empören, aufnahme gefunden, wie ins niederl. als mutenêren und umgebildet muyten seditionem meditari, conspirare, turbas ciere, coire, coitionem facere (Kilian). die letztgenannte niederländische form hat bildungen schon im anfange des 16. jahrh. ans deutsche abgegeben, lange bevor meutenieren direct aus dem französ. entlehnt wurde; auch die form, in der diese entlehnung geschah (eu für franz. u) hängt von solchen niederländischen einflüssen ab, vgl. unten meutmacher, welches letztere die deutschen bildungen meuterer und meuterei hervorrief, wol auch meuten, das doch hochd. erst später bezeugt ist. im deutschen wird meutenieren in Böcklers kriegsschule (1668) unter den 'kriegswörtern' aufgeführt und erklärt: mutine, so da sich absondern, mutiniren, meüteniren oder sich absondern. s. 1027. später bei Stieler 1275 meuteniren, als häufigerer ausdruck gegen meuten; unruhigen köpfen anlasz geben, ubels zu tuhn, zu meuteniren. Butschky Patm. 855.
 
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meutenierer, m. seminator discordiae, rerum novarum studiosus, schismaticus. Stieler 1275; meutenirer seditiosus Frisch 1, 661c; indehm er die meutenirer unter sich uneins zu machen trachtet. Butschky Patm. 901.
 
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meutenierisch, adj. seditiosus, factiosus, tumultuosus. Stieler 1275.
 
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meutenierung, f. factio, conspiratio, commotio, rerum novarum molitio. Stieler 1275; meutenirung, rebellio Frisch 1, 661c; heimliche widerspenstigkeit und meutenirung. Butschky Patm. 901.
 
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meuter, m. der da meutet, aufruhr stiftet: meuter, seditiosus Steinbach 2, 60; als meuter, missethäter in den tiefsten thurn geworfen. Göthe 8, 154; ohne mich zum meuter und rebellen zu stempeln. L. Tieck ges. nov. 4, 118;

was er auch bringen mag, er darf den meutern
nicht in die hände fallen.
Schiller Wallenst. tod. 3, 10;

der giftge meuter.
H. v. Kleist Hermannsschlacht 5, 9;

der meuter zuckt das messer auf den schah.
Platen 76;

in Schillers Fiesko für bandit, meuchelmörder gebraucht: der rang (unter den schelmen) trifft nunmehr die meuter, giftmischer und alle, die ihren mann lang hinhalten und aus dem hinterhalt fassen. 1, 9; doch noch éinen meuter wird Genua haben? (für Fiesco). 2, 14; wir führen es (unser mordunternehmen) aus wie soldaten oder wie meuter. 3, 5.
 
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meuterbrut, f. aufrührerbrut:

nimm die kohorten, die den schweif mir bilden,
und wirf die deutsche hilfsschaar gleich,
die meinem zug hierher gefolgt, zusammen!
zur hölle mitleidlos, eh sie sich noch entschlossen,
die ganze meuterbrut herab!
H. v. Kleist Hermannsschlacht 5, 9.


 
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meuterei, f. anstiftung von aufruhr: item, welcher wider den feldobersten, und andere seine vorgestelte oberkeiten, ein meuterei würde machen, der soll darumb .. an leib und leben gestraft werden. reuterbestallung zu Speyer von 1570, art. 55; kompt es letzlich dazu, dasz eine meuterei nach der andern entstehet. Kirchhof mil. disc. 82; richtet mit den Preuszen eine neue meuterei an wider den orden. Schütz Preuszen 34; dieser elende, der bei der armee eine meuterei anrichten wollen. A. Gryphius (1698) 1, 359; die meuterei stillen, seditionem sedare Steinbach 2, 60; die meuterei würde dadurch ursache bekommen, ihre blutgierigen hände noch mehr zu beflecken. J. E. Schlegel 2, 567; die knechte machten wegen des gesetzes .. eine meuterei. Klopstock 12, 92; mich treulos zu verlassen; die sie mir alle schwuren, auf ihre seele! denn zum sohne überzugehen, ihn in meuterei zu stärken! Klinger Otto 25, 28;

ja, es ist lenger nit zu beiten,
das sich im heer kein meuterei
oder aufrhur durch verretrei
begeb.
H. Sachs fastn. sp. 4, 87, 301;

ich musz sehr fürchten ein aufruhr
im volk, von wegen meinr unfuhr.
vil mewtrey wern wider mich gmacht. 120, 231;

suspect, despect, respect, sind solcher stücke drei
dadurch die ganze welt wird voll von meuterei.
Logau 1, 124, 32;

dahinter, fürcht ich sehr, steckt eine meuterei,
die ich sogleich ans tageslicht will ziehn.
H. v. Kleist Hermannsschlacht 5, 8;

[Bd. 12, Sp. 2166]


in freiem scherzhaften sinne:

was also zwischen dame Klare
und ihrem fräulein, seit der kleinen meuterei
die jene mit dem herrn im langen blonden haare
im dunkeln angelegt, verhandelt worden sei.
Wieland 21, 242;

in der form meiterei:

zum fünften, solt michs nit verdrieszen,
das jr betstrambler so geflissen
mit ewerm bicken, griffen, zwicken
dem hauszvatter sein gsind abstricken ...
wie kann ich euch hie fallen bei
und loben solche meiterei.
Fischart flöhhatz in Scheibles kloster 10, 892.