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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
mandel bis mandelbrot (Bd. 12, Sp. 1535 bis 1536)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) mandel, m. und f. amygdala.
1) ahd. nur im plur. mandilun, mandalon bezeugt (Graff 2, 817):

jû leit in erde
Aarôn eine gerte:
diu gebar nüʒʒe,
mandalon also edile.
Müllenhoff u.
Scherer denkm. 39, 1, 4;

sowie in den zusammensetzungen mandalboum, mandalnuʒ; mhd. mandel. der deutschen form liegt, da die sache einst auf dem handelswege für Deutschland zunächst von Italien her eingebracht ward, auch das ital. mándola, mándorla zu grunde, das, nebst dem span. almendra, portug. amendoa, provenz. amandola, franz. amande, und einem mittellat. amandola (Diez wb. d. rom. spr. 1, 261) aus amygdala, ἀμυγδάλη entstellt ist; das niederl. amandel schlieszt sich an die provenzalische form an. amigdalum mandel, niederd. mandele Dief. 30c; amigdalum, nux longa, mandel voc. opt. 47b, 59; in der ältern sprache auch als masc., wobei wol das geschlecht von kern eingewirkt hat (vgl. unten mandelkern), und als stoffwort im sing. (wie reis, mehl u. ähnl., vergl. auch DWB hering 3, th. 42, 1105): man sol nemen ein phunt mandels. b. v. guter speise 1; mache mandels ein halp phunt. 2; wiltu machen ein gronen, ploben oder gelben mandel (speise von mandeln). kuchenmeisterey b 2; stosz den mandel mit milch. ebenda; zwai pfunt mandels (an die brühe zu fischen). Tucher baumeisterb. 124, 31;

ich mein ouch die werden wip,
die da tugendhaften lip
tragent ân falschen wandel.
ir wird (wert) gat für den mandel
und für aller Kriechen golt.
Altswert 62, 27;

(du) tust unter mandel pfirsingkeren
und unter weinper muckenkopf. fastn. sp. 478, 8;

ich scholt im kochen gute speis
baide von mandel und von reis. 784, 34;

auch wenn der einzelne kern gemeint ist: der mandel, nux graeca Maaler 282d;

zu süsz für euch ist diser mandel.
Weckherlin 481;

das fem. hat später sich ausschlieszlich behauptet: nemet von des landes besten früchten in ewer secke, und bringet dem manne geschenke hinab, ein wenig balsam, und honig, und würz, und myrrhen, und datteln und mandeln. 1 Mos. 43, 11; fand er den stecken Aaron des hauses Levi grunen, und die blüet aufgangen und mandeln tragen. 4 Mos. 17, 8;

(die frau) trägt fette milch voll schaum
und saftge pfirschen auf, und feigen frisch vom baum,
beklagend, dasz ihr jüngst die mandeln nicht geriethen.
Wieland 22, 167 (Oberon 4, 38);

südlich vom drei-spitzen-cap,
wo die datteln und die mandeln
wachsen.
Freiligrath dicht. 1, 134;

man unterscheidet süsze und bittere mandeln: sowohl aus denen süszen als bittern mandeln, wird ein oel gepresset. öcon. lex. 1501; bildlich bittre mandeln essen, bittres erdulden:

lasz die wetter unterdessen,
uber unsrer unschuld stehn!
must du bittre mandeln essen,
und vorjetzt auf dornen gehn;
so bedenke, das vergnügen
wird uns einst zusammen fügen.
Günther 256;

gebackene mandeln (als confect). öcon. lex. 1501; dasselbe sind gebrannte mandeln: schüttete ihr Laertes gebrannte mandeln in den schoos, von denen sie sogleich zu naschen anfing. Göthe 18, 145.
2) mandel, auch der mandelbaum: wie er (der mandelbaum) denn .. in denen weinbergen am Main und Rheinstrom und Speyer und in der bergstraszen trefflich fortkommt, also

[Bd. 12, Sp. 1536]


dasz von denen dasigen bauern ganze wägen voll mandeln in die umliegende orte zu markt gebracht werden. öcon. lex. 1503;

die lerche singt, die mandel blüht; es knospet
der feigenbaum.
Herder z. litt. 6, 39.

s. mandelgarten.
3) mandeln im halse, amygdalae, zwei mandelförmige oder länglicht runde schleimdrüsen, welche sich am anfang des schlundes, ein wenig unter dem zäpfchen befinden. Nemnich 1, 244; geschwulst der mandeln, tonsillarum inflammatio. Stieler 1228.
4) versteinerte mandeln, mandelsteine, mandelförmige steine, amygdalites, mandelförmige steinspiele, welche bald in einer mutter, bald einzeln auszer der mutter gefunden werden. Nemnich.
5) mandel, eine muschelart, venus pectinata. ebenda 4, 1549.
 
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mandel, f. wäschrolle, für mangel (s. d. und mange): mandel, mangel, rolle, ist eine maschine oder werkzeug, mittelst dessen das reine leinene, wie auch ander geräthe, nachdeme es gehörig darzu bereitet worden, glatt und weich gemachet wird. öcon. lex. 1499.
 
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mandelbaum, m. amygdala Maaler 282d: amygdalus haiʒt ain mandelpâm. Megenberg 315, 17; wenn der mandelbawm blühet. pred. Sal. 12, 5;

Medeen seh ich rasen:
ich seh auf Didus brust von blut geschwellte blasen:
die bleiche Phyllis hangt von ihrem mandelbaum.
A. Gryphius (1698) 1, 210;

auch groszmuth macht dem alter raum,
es blüht ja schon der mandelbaum
auf deinen lorbeereichen haaren.
Günther 134 (anspielung auf 4 Mos. 17, 5 ffg.);

und, dicht in schatten eingeschleiert, fliegt
sie schnell dem lager zu, wo zwischen mandelbäumen
(der knabe neben ihr) die königstochter liegt.
Wieland 23, 143 (Oberon 9, 33).


 
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mändelbaum, m. pinus sylvestris, die kiefer. Nemnich 4, 984. s. DWB mädelbaum.
 
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mandelblatt, n. blatt des mandelbaums: daʒ die pfersichpleter lenger sint und braiter wan diu mandelpleter. Megenberg 342, 22; das den mandelblätteren geleich sihet, amygdaliceus. Maaler 282d; salix amygdalina, die weide mit mandelblättern. Nemnich 4, 1198.
 
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mandelblume, f. anemone pulsatilla, küchenschelle, küchenkraut. Nemnich.
 
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mandelblüte, f. blüte des mandelbaums: rôt sam die mandelplüet. Megenberg 342, 23;

er, der die sanfte lieblichkeit
der jungen mandelblüthe leiht.
Bürger 37b.


 
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mandelbrei, m. pulmentum amygdalitium. Stieler 227.
 
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mandelbret, n. ein mit einem handgriffe versehenes bret, worauf die wäsche geglättet wird, und das statt einer mandel, rolle, dient. öcon. lex. 1500. vgl. DWB mangebret.
 
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mandelbrezel, f. brezel aus mandelteig. Amaranthes frauenzimmer-lex. (1773) 2014.
 
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mandelbrot, n. panis amygdalinus, mandelbrot. Frisch 1, 638c:

nicht minder kam, auf ihr gebot,
viel backwerk angeflogen,
pasteten, torten, mandelbrodt.
Hölty 26 Halm.