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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
mancherlei bis mändelbaum (Bd. 12, Sp. 1531 bis 1536)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) mancherlei , diversus, varius, vielerlei, multiplex. Frisch 1, 638b; über die bildung vgl. auch DWB lei, oben sp. 580.
1) mhd. maneger leie, manger leije als zwei wörter im genitiv, und in der bedeutung von mehrerer verschiedenen art:

diu nahtigal diu singet uns die besten (weisen) wol ze prîse,
ze lobe dem meien al die naht.
manger leie ist ir gedâht,
ie lûter, danne lîse.
Neidhard 31, 21;

die spätere sprache kennt nur noch die zusammenrückung, ohne dasz lei in lebendiger bedeutung mehr gefühlt wird (vgl. unten 9), und strebt das wort aus seiner adverbialen geltung heraus in die adjective und substantive zu heben, wie das schon mhd. angebahnt wird (nr. 8): mancherley, adverbium, multifarie, inde multis modis. mancherley, varietas, diversus. voc. inc. theut. n 4a; doch zeigt sich die alte verwendung bis heute in einer reihe resten.
2) mancherlei tritt unflectiert hinter ein substantiv, wie mhd.:

schœne bluomen maniger leie
bringet uns dîn liehter schîn. minnes. 2, 68b Hagen;

schône dringent dur daʒ gras
bluomen manger leien. 154b;

nhd. schaw, ob es nicht die schwindtsucht sei,
die kumbt ausz ursach mancherlei.
H. Sachs fastn. sp. 2, 54, 150;

sie (die wolken) wechseln farben mancherlei:
so bunt ist auch der weiber treu.
Arndt ged. (1840) 293.


3) gewöhnlicher aber vor ein substantiv, verschiedene art und verschiedenes auftreten des substantivbegriffes zu bezeichnen (gegensatz einerlei th. 3, 166, nr. 2). das substantiv steht hierbei im singular: mancherlei gewicht und mas, ist beides grewel dem herrn. spr. Sal. 20, 10; gleich wie alle menschen aus der erden, und Adam aus dem staube geschaffen ist, und doch der herr sie unterschieden hat, ... und mancherlei weise unter jnen geordent. Sir. 33, 11; der schlug ganz Egypten mit mancherlei plage. Judith 5, 9; und sie brachten zu jm allerlei kranken mit mancherlei seuchen und qual behaft. Matth. 4, 24; der da gottesdienst thut, allein mit speise und trank, und mancherlei taufe und euszerlicher heiligkeit. Hebr. 9, 10; nun hatte meine neugier mancherlei nahrung. Göthe 19, 274; (ein mann) den seine geburt, seine fähigkeiten zu mancherlei anspruch berechtigen. 54, 98;

brauch alle köstlichkeit dabei (beim bankett)
mit mancherlei getrank und speisz!
H. Sachs fastn. sp. 1, 111, 348;

da werden knecht und die roszbuben
mit uns mancherlei spiel anfahen. 124, 5;

weil ir hapt an der arbeit scheuch,
wont mancherlei krankheit pei euch. 2, 36, 294;

im plural: und wenn einer des nachts auf seinem bette rugen und schlafen sol, fallen jm mancherlei gedanken für. Sir. 40, 5; fiengen an die schriftgelerten ... jm mit mancherlei fragen den mund zu stopfen. Luc. 12, 53; die jr jtzt .. trawrig seid in mancherlei anfechtungen. 1 Petr. 1, 6; als die guten haushalter der mancherlei gnaden gottes. 4, 10; lasset euch

[Bd. 12, Sp. 1532]


nicht mit mancherlei und frembden leren umbtreiben. Hebr. 13, 9; es sind mancherlei gaben, aber es ist ein geist. und es sind mancherlei empter, aber es ist ein herr. und es sind mancherlei kreften, aber es ist ein gott, der da wirket alles in allem. 1 Cor. 12, 4—6; gott wil aufs höhest die einigkeit haben, und nicht mancherlei secten. Luther 8, 21a; mancherlei nammen, wenn ein ding unglyche nammen hat, ambitus nominum. Maaler 282c; brief von mancherlei dingen geschriben, multijuges epistolae. 282d;

ich bin es, die von den menschen
... mit mancherlei namen begabt wird.
jetzo nennt man mich tugend, jetzt wahrheit.
Wieland 2. suppt.-bd. s. 361;

in modaler stellung, wo heute eine präposition nicht fehlen dürfte: mancherlei farb, discolor (verstanden von mancherlei farbe). mancherlei form, multiformis. mancherlei gestalt, multigena, multiformis, diversificatus. voc. inc. theut. n 4a; nachdem vor zeiten gott manchmal, und mancherlei weise geredt hat zu den vetern durch die propheten. Hebr. 1, 1.
4) in solcher stellung (nr. 3) rührt mancherlei der bedeutung nach auch öfters an bloszes manch, indem nicht mehr vereinzelung nach der art, sondern nur nach der zahl damit hervorgehoben wird: wie der gülden zeug schimmert, und wie sie mancherlei harnisch hatten. 2 Macc. 5, 3; ir künig ist ein heid, hat mancherlei weiber. Frank weltb. 226a; solch untüchtig arznei werden von mancherlei arzt gebrauchet. aber zum vollkommen ende kompt jhrer keiner. Paracelsus chir. schriften 367 B.
5) stellung von mancherlei zwischen artikel und substantiv, erst in der neueren sprache beobachtet: von dem mancherlei gefühle der menschlichen seele. Kant 1, 71 (von 1764); wenn ich es nur vermöchte, dir die mancherlei schlangengänge ihrer empfindungen zu schildern. Thümmel 4, 187; das mancherlei frische grün (schien ihm) doch gar zu bunt. Göthe 22, 128; ah, dasz ich stünde am thor der verdammnis, hinunterschauen dürfte mein aug auf die mancherlei folterschrauben der sinnreichen hölle. Schiller Fiesko 5, 13.
6) mancherlei, von mancher art, in prädicativer stellung: item Mahmet spricht in dem gesetze, das alle menschen sind einerlei gewest, und einerlei glaubens, aber gott habe sie mancherlei gemacht, da er mancherlei propheten gesand hat. Luther 8, 21a; die bekleidung oder bedeckung des hauptes ist mancherlei. Winkelmann 3, 97; ihre (der menschen) gestalt ist mancherlei. Klinger Otto 12, 19; nun aber sind die assoziationen äuszerst willkührlich, unendlich zufällig und mancherlei. Schiller hist.-krit. ausg. 1, 89; weisz ich, wie mancherlei seine wege sind? Göthe 56, 212;

mancherlei, mein vater, ist des lebens wonn
und weh! 33, 260;

und in adverbialer: erinnert sie, wie unser vater Abraham mancherlei versucht ist, und ist gottes freund worden, nach dem er durch mancherlei anfechtung bewerd ist. Judith 8, 19.
7) selten hat mancherlei adjectivische flexion erhalten: wir sind mancherleien und tödlichen krankheiten und fellen unterworfen. Luther tischr. 351b; es ist die luft, gewitter und landesart, wegen der vielen mancherleien und weit von einander gelegenen provincien, nicht einerlei. pers. reisebeschr. 3, 2.
8) substantive ausgestaltung des wortes, als neutrum, beginnt schon mhd.:

willekomen sî uns der meige,
der uns bringet maneger hande bluot,
bluomen unde maneger leige
daʒ dien kleinen vogelen sanfte tuot.
G. v. Neifen 31, 29;

nhd. das mancherlei, die verschiedene, mannigfache art, die verschiedenheit:

jetzt ists
der meinungen verhasztes mancherlei,
die menge, die es uns verbittert.
Schiller hist.-krit. ausg. 6, 153;

doch selig, theilt ein menschenherz,
verständig, gut und treu,
voll mitgefühls in freud und schmerz,
des lebens mancherlei.
Voss 4, 129;

was will dies flimmern und schimmern?
dies bunte mancherlei?
Arndt ged. (1840) 443;

gewöhnlicher ohne artikel, zur bezeichnung einer verschiedenartigen anzahl oder menge, mit genetiv: eine stad ... da mancherlei volks innen wonet. 2 Macc. 12, 13; kurz, der gesinnungen waren, wie es in solchen fällen zu gehen pflegt, mancherlei. Wieland 8, 322;

[Bd. 12, Sp. 1533]


der götter vil und mancherlei
sie eren thun mit vilerlei.
Schade sat. u. pasqu. 1, 120, 349;

wenn unglücks ist so mancherlei.
H. Sachs fastn. sp. 1, 7, 229;

dafür fügung mit der präpos. von:

von blättern sah ich mancherlei ergrünen,
da waren rosen, auch vergiszmeinnicht.
Göthe 4, 98;

ohne beigesetzten genetiv: du solt deinen weinberg nicht mit mancherlei beseen. 5 Mos. 22, 9; wo du dir mancherlei fürnimpst, wirstu nicht viel dran gewinnen. Sir. 11, 10; und er redet zu jnen mancherlei, durch gleichnisse. Matth. 13, 3; und er fraget jn mancherlei. Luc. 23, 9;

des (darum) hab ich mencherlei angfangen.
N. Manuel 56, 627 Bächtold;

ich hör ihm gerne zu,
denn mancherlei doch denkt sich bei den worten.
Schiller Piccol. 2, 1;

komm mit spielen und küssen,
und träumen der nacht,
die mancherlei wissen,
was der tag nicht gedacht.
Arndt ged. (1840) 316;

zwar harr ich stets auf mancherlei,
doch alles geht an mir vorbei.
Platen 28;

auch giebts von Cypern mancherlei zu fragen,
von frauentracht und andern seltsamkeiten.
Uhland ged. 438.


9) durch das verblassen des begriffes von lei geschieht es (wie in allerlei th. 1, 224, keinerlei th. 5, 493 nr. 3; vgl. auch oben sp. 580), dasz substantive wie art oder weise zu mancherlei treten: mancherlei weise, adverbium, multifarie multisque modis. voc. inc. theut. n 4a; mancherlei art der pflanzen. weish. Sal. 7, 20; zwar ist mancherlei art der stimme in der welt. 1 Cor. 14, 10; auf mancherlei art, aliter atque aliter. Steinbach 2, 19.
 
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mancherleiheit, f.: eine identität, keineswegs aber eine mancherleiheit. Fichte nachgel. werke 3, 357.
 
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manchesmal, adv., zusammenrückung von manches mal, vgl. nachher manchmal: manichsmal, adverbium, pluries, plerique, plerumque, multociens. voc. inc. theut. n 4a; dardurch manchsmal sich begibet ... Fischart bienk. 146a;

ach ja, wie manchesmal
hast du mit süszen worten
mir aufgethan die pforten
zum güldnen freudensaal.
P. Gerhard 112, 44.


 
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manchfalt, manchfaltig, s. mannigfalt, -faltig.
 
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manchmal, adv. zusammenrückung des unflectierten manch (oben sp. 1527) mit mal: manchmal, sive etlichmal, aliquoties, multoties, quandoque Stieler 1223; bisweilen auch in der form mannigmal (vergl. DWB manch sp. 1525): so oft ich kann, werde ich antworten, und mannigmal habe ich viel zeit. Rabener briefe 37; diese frage (was ist wahrheit) ist dadurch, dasz sie schon so mannigmahl durch den mund eines Pilatus ging, nichts desto schlechter geworden. Wieland 24, 43; ohne dasz sie sich (wie in mannigfalt u. ähnl.) hätte festsetzen können: führten sie auf diese weise gar manchmal die unerfreulichen begebenheiten des tags auf die betrachtung der vergänglichkeit. Göthe 17, 302; manchmal sah sie ihn auch umgeben .. von etwas beweglichem. 303;

ob manchmahl schon obsieget
gewalt und menschen list.
Zinkgref bei
Opitz (1624) 216;

wie manchmal hat sich hier und dar
ein groszes wetter der gefahr
um uns gezogen auf.
P. Gerhard 8, 21;

kannst dem schicksal widerstehen,
aber manchmal gibt es schläge.
Göthe 2, 299;

manchmal meid ich dich wohl, mich nicht zu verrathen aus vorsicht.
Platen 51;

im gegensatz zu oft:

sein heisz gefühl für jede gute that, ..
wenn er auch manchmal, wenn er oft gefehlt,
ja, das verdiente wol ein bessres schicksal.
Körner Rosamunde 2, 9;

in andern fällen aber ist manchmal gleich oft: denn die pharisäer und alle jüden essen nicht, sie wasschen denn die hende manchmal (πυκνά, goth. ufta). Marc. 7, 3; nachdem vor zeiten gott manchmal (πολυμερῶς) und mancherlei weise geredt hat zu den vetern durch die propheten. Hebr. 1, 1.
Nebenformen: zu manchmalen. Bocc. (1580) 1, 33a; manchmals:

wer manchmals eine nusz für gut hat angerühret,
hat drinnen einen wurm und dran ein loch verspüret.
Logau 1, 24, 82;

kümt witfraw her vom wüten,
wann niemand sie wil bitten?
manchmals triffts überein,
soll ja nicht immer sein. 3, 192, 5.

[Bd. 12, Sp. 1534]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) mand, m., mande,f. korb ohne henkel: mand, mann, plur. mande, mannen, corbem significans. Stieler 1226; mand, mande, so wird im niederdeutschen, am Niederrhein, und um den Main herum ein korb genannt. Jacobsson 3, 13a; in der form manne: die körb oder mannen uff den heuptern tragen. Alberus F 2a; maun: die maun, korb, den die weiber uff den hauptern tragen. Qq 1b; niederd. niederl. mande Schiller-Lübben 3, 21b; ags. corbis mondi, mond, mand Dief. 150b; engl. maund; in das franz. als manne, picard. mande übergegangen, vgl. Diez wb. d. rom. spr. 2, 368.
 
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mandel, m. f.
1) haufe frischgeschnittenen und gebundenen getreides, getreide- oder strohbund; als masc.: Boas .. legt sich hinder einen mandel. Ruth 3, 7; und zündet die (schwänze der füchse) an mit fewr, und lies sie unter das korn der Philister, und zündet also an die mandel, sampt dem stehenden korn. richt. 15, 5; am wasser Chebar ... da die mandel stunden. Hes. 3, 15; und haben so viel altar, als mandel auf dem felde stehen. Hos. 12, 12; plur. mandeln, auf feminines geschlecht weisend, welches später ausschlieszlich hervortritt: in der erndten, wenn du die mandeln solt erben. Jes. 17, 11; zur zeit der erndte sahe man die sperlinge haufenweise auf den mandeln sitzen und solches überflusses frölich genieszen. Scriver andachten (1721) 987; das getraide wird im felde zur erndtezeit, wann es gesammlet und aufgebunden ist, in mandeln gesetzt, da denn das ährenlesen hinter denen abgeführten mandeln nach, und nicht zwischen denen annoch stehenden, denen armen leuten vergönnet wird. öcon. lex. 1500; der moment, wegen der heranreifenden feldfrüchte, war sehr bedeutend. in Thüringen stand alles zum schönsten, im Fuldaischen fanden wir die mandeln auf dem felde und zwischen Hanau und Frankfurt nur noch die stoppeln. Göthe 43, 19; darauf schritten sie über die stoppeln zu den garben; der schnelle blick des landwirths übersah die zusammengelegten mandeln. Freytag handschr. 1, 97. die mandel wird ihrem umfange nach bestimmt: mandel, strues frugum ex quindecim mergitibus, quindena, funfzehn garben. Frisch 1, 638b; mandel, eine hocke von funfzehn garben. Voss 2, 337; bair. mannl, mandel, mehrere (10 bis 15) getreidegarben, die auf dem felde aufrecht zusammengestellt, und an dem obern ende mit einer umgekehrten garbe, wie mit einem hute, bedeckt werden. Schm. 1, 1601 Fromm.; in Tirol besteht ein getreidehock aus zehn garben, sechs hocken bilden einen schober oder ein mandl, die oberste garbe heiszt huet. Fromm. 6, 152; niederländ. mandele, manipulus, et duo fasces straminei, et mergites duodecim, vulgo mandula. Kilian.
2) mandel, eine anzahl von fünfzehn (auch, mit zugabe éines stückes, von sechszehn, was in Düringen eine bauernmandel heiszt): mandel, certus numerus, quindecim. Schottel 1361; als fem., mit der gleichen form im plural bei zahlwörtern, sonst mandeln: so wolden sie eine mandel haupthechte und 3 mandel zahlhechte ... nehmen. Schweinichen 1, 359; die lerchen asz ich nicht eher, als bisz eine mandel im weinkeller 20. groschen galt. Chr. Weise erzn. 44 Braune; von einer mandel pfannkuchen solte mir wohl besser werden. comöd. 315; dasz gemeldter herr nicht eine, sondern wohl ganze mandeln der artigsten dames zu seinen guten freundinnen hätte. ehe eines mannes 338; eine halbe mandel worte. causenm. 77; eine mandel eier, eine mandel käse ... vier mandel machen ein schock aus. Jacobsson 3, 13a; hier ist das verzeichnis der weiblichen (charaktere, die in einem buche geschildert werden, 15 stück) ... eine schöne mandel! Lessing 4, 478; herr. wie viel habt ihr denn bis jetzt gefunden (von den goldenen eiern)? Papageno. ohngefähr zwei bis dritthalb schock ... herr. allerliebster Papageno, ihr lieszt mir wohl eine mandel zukommen? Göthe 11, 220; der rock kostet seine mandel thaler. Immermann Münchh. 3, 10; als neutrum: ein mandel hofleute. J. Paul a. d. teuf. pap. 1, 29.
3) in der zweiten bedeutung reicht das wort landschaftlich zumal über das östliche Mitteldeutschland, und bis Schmalkalden (Vilmar 260), auch nach Niederdeutschland: mannl, die mandel, fünfzehn, auch die garbenmandel L. Parisius zusätze zu Danneils wörterb. 26, wo es alt bezeugt ist: quindena ein mandel Dief. nov. gloss. 311b (aus einem niederd. glossar von 1425 und aus Trochus), auch vom gelde: negen mandel nyger croschen. hallisches schöppenbuch bei Schiller-Lübben 3, 22a; die erste bedeutung steht in der latinisierten form mandala schon in einer urkunde von 1242 des chartulars der abtei Mont S. Martin zu Cambray: viginti mandalas straminis .. in illis octo modiis

[Bd. 12, Sp. 1535]


siliginis et avenae et viginti mandalis straminis. Du Cange v. Henschel 4, 220a, und wird, wie die früher vorkommende, so auch die ältere sein, aus der sich jene erst in manchen gegenden herausgebildet hat; sie ist auch die verbreitetere, da sie sich auszer dem nl. nd. md. im bairischen sprachgebiete findet, wo man mandl allerdings als diminutiv zu mann umgedeutet und an eine aufgerichtete menschliche figur gedacht hat (vergl. oben nr. 1 a. e.). der eigentliche begriff des wortes läszt sich sicher nicht feststellen, an mand, mande korb ist wol schwerlich anzuknüpfen, obschon dasselbe auch den gegenden angehört, wie mandel; eher an das fries. monda, manda gemeinschaft, mnd. mande gemeinschaft und gemeinschaftlich (Schiller-Lübben 3, 21b), so dasz man bei mandel zunächst an die vereinigung verschiedener garben zu einem bunde gedacht hätte.
 
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mandel, m. und f. amygdala.
1) ahd. nur im plur. mandilun, mandalon bezeugt (Graff 2, 817):

jû leit in erde
Aarôn eine gerte:
diu gebar nüʒʒe,
mandalon also edile.
Müllenhoff u.
Scherer denkm. 39, 1, 4;

sowie in den zusammensetzungen mandalboum, mandalnuʒ; mhd. mandel. der deutschen form liegt, da die sache einst auf dem handelswege für Deutschland zunächst von Italien her eingebracht ward, auch das ital. mándola, mándorla zu grunde, das, nebst dem span. almendra, portug. amendoa, provenz. amandola, franz. amande, und einem mittellat. amandola (Diez wb. d. rom. spr. 1, 261) aus amygdala, ἀμυγδάλη entstellt ist; das niederl. amandel schlieszt sich an die provenzalische form an. amigdalum mandel, niederd. mandele Dief. 30c; amigdalum, nux longa, mandel voc. opt. 47b, 59; in der ältern sprache auch als masc., wobei wol das geschlecht von kern eingewirkt hat (vgl. unten mandelkern), und als stoffwort im sing. (wie reis, mehl u. ähnl., vergl. auch DWB hering 3, th. 42, 1105): man sol nemen ein phunt mandels. b. v. guter speise 1; mache mandels ein halp phunt. 2; wiltu machen ein gronen, ploben oder gelben mandel (speise von mandeln). kuchenmeisterey b 2; stosz den mandel mit milch. ebenda; zwai pfunt mandels (an die brühe zu fischen). Tucher baumeisterb. 124, 31;

ich mein ouch die werden wip,
die da tugendhaften lip
tragent ân falschen wandel.
ir wird (wert) gat für den mandel
und für aller Kriechen golt.
Altswert 62, 27;

(du) tust unter mandel pfirsingkeren
und unter weinper muckenkopf. fastn. sp. 478, 8;

ich scholt im kochen gute speis
baide von mandel und von reis. 784, 34;

auch wenn der einzelne kern gemeint ist: der mandel, nux graeca Maaler 282d;

zu süsz für euch ist diser mandel.
Weckherlin 481;

das fem. hat später sich ausschlieszlich behauptet: nemet von des landes besten früchten in ewer secke, und bringet dem manne geschenke hinab, ein wenig balsam, und honig, und würz, und myrrhen, und datteln und mandeln. 1 Mos. 43, 11; fand er den stecken Aaron des hauses Levi grunen, und die blüet aufgangen und mandeln tragen. 4 Mos. 17, 8;

(die frau) trägt fette milch voll schaum
und saftge pfirschen auf, und feigen frisch vom baum,
beklagend, dasz ihr jüngst die mandeln nicht geriethen.
Wieland 22, 167 (Oberon 4, 38);

südlich vom drei-spitzen-cap,
wo die datteln und die mandeln
wachsen.
Freiligrath dicht. 1, 134;

man unterscheidet süsze und bittere mandeln: sowohl aus denen süszen als bittern mandeln, wird ein oel gepresset. öcon. lex. 1501; bildlich bittre mandeln essen, bittres erdulden:

lasz die wetter unterdessen,
uber unsrer unschuld stehn!
must du bittre mandeln essen,
und vorjetzt auf dornen gehn;
so bedenke, das vergnügen
wird uns einst zusammen fügen.
Günther 256;

gebackene mandeln (als confect). öcon. lex. 1501; dasselbe sind gebrannte mandeln: schüttete ihr Laertes gebrannte mandeln in den schoos, von denen sie sogleich zu naschen anfing. Göthe 18, 145.
2) mandel, auch der mandelbaum: wie er (der mandelbaum) denn .. in denen weinbergen am Main und Rheinstrom und Speyer und in der bergstraszen trefflich fortkommt, also

[Bd. 12, Sp. 1536]


dasz von denen dasigen bauern ganze wägen voll mandeln in die umliegende orte zu markt gebracht werden. öcon. lex. 1503;

die lerche singt, die mandel blüht; es knospet
der feigenbaum.
Herder z. litt. 6, 39.

s. mandelgarten.
3) mandeln im halse, amygdalae, zwei mandelförmige oder länglicht runde schleimdrüsen, welche sich am anfang des schlundes, ein wenig unter dem zäpfchen befinden. Nemnich 1, 244; geschwulst der mandeln, tonsillarum inflammatio. Stieler 1228.
4) versteinerte mandeln, mandelsteine, mandelförmige steine, amygdalites, mandelförmige steinspiele, welche bald in einer mutter, bald einzeln auszer der mutter gefunden werden. Nemnich.
5) mandel, eine muschelart, venus pectinata. ebenda 4, 1549.
 
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mandel, f. wäschrolle, für mangel (s. d. und mange): mandel, mangel, rolle, ist eine maschine oder werkzeug, mittelst dessen das reine leinene, wie auch ander geräthe, nachdeme es gehörig darzu bereitet worden, glatt und weich gemachet wird. öcon. lex. 1499.
 
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mandelbaum, m. amygdala Maaler 282d: amygdalus haiʒt ain mandelpâm. Megenberg 315, 17; wenn der mandelbawm blühet. pred. Sal. 12, 5;

Medeen seh ich rasen:
ich seh auf Didus brust von blut geschwellte blasen:
die bleiche Phyllis hangt von ihrem mandelbaum.
A. Gryphius (1698) 1, 210;

auch groszmuth macht dem alter raum,
es blüht ja schon der mandelbaum
auf deinen lorbeereichen haaren.
Günther 134 (anspielung auf 4 Mos. 17, 5 ffg.);

und, dicht in schatten eingeschleiert, fliegt
sie schnell dem lager zu, wo zwischen mandelbäumen
(der knabe neben ihr) die königstochter liegt.
Wieland 23, 143 (Oberon 9, 33).


 
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mändelbaum, m. pinus sylvestris, die kiefer. Nemnich 4, 984. s. DWB mädelbaum.