Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
mamsellchen bis manchfalt (Bd. 12, Sp. 1520 bis 1533)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) mamsellchen, n. dim. des vorigen:

Narcisz dreht ihr den rücken zu,
und schreit ihr in die ohren:
mamsellchen, lasz sie mich in ruh,
sie hat hier nichts verloren.
Hölty 6 Halm.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
man, pron. der dritten person.
1) wie man aus der concreten bedeutung homo, zwar noch nicht im gothischen, wol aber in den dialekten vom ahd., alts., ags., altnord. ab, in die abstracte eines nicht näher bestimmten subjects übergeht, ein vorgang, dem die romanischen sprachen ähnliches, namentlich im franz. on, alt om, hom, zur seite setzen, ist gramm. 3, 6 fgg. 4, 220 fgg. ausführlich dargelegt. die alte concrete vorstellung schimmert öfter noch vor, weniger darin, dasz man in der schreibung im nhd. wie das sonst graphisch geschiedene mann behandelt wird:

fleiszig hat mann euch gefolgt in dem.
J. Ayrer fastn. sp. 105a (2866, 12 Keller; mann mit groszem anfangsbuchstaben);

[Bd. 12, Sp. 1521]


als vielmehr, indem man noch bisweilen mit genaueren bestimmungen des subjects in demselben satze tauschen kann (wie mhd. noch selbst der oder ein man in dem unbestimmten sinne von man steht, mhd. wb. 2, 1, 31b. Lexer 1, 2022, vergl. dazu auch jemand, niemand), mit er oder einer: dô engedrank man nie keinen wîn in dem klôster, er wære denne siech. von st. Martin 5, 30 Birlinger; so man einen menschen lobet, der on das geneiget ist z hoffart, da gibt einer im ursach, das üppigkeit in im ufgat. Keisersberg sünd. d. m. 32a;

des obʒes moht man eʒʒen
swie vil od swaʒ er wolde. Erec 8739;

wer viel wagt, kümmt üm viel. doch auch gewinnt man viel,
wer seine schanze setzt auf ein berühmtes spiel.
Fleming 133;

man verbindet sich in der älteren sprache bisweilen auch mit dem plural eines verbums: szo man den mastschwynen gersten malen. Michelsen Mainzer hof 37.
Formenrückgang zu men: ja lieben herrn, guth kortlingsbier schmeckt men zu solcher kirchmesse. Hildebrand volksl. 21 (v. j. 1492), hat die schriftsprache nicht weiter angenommen; in mundarten besteht theils mer (Ostmitteldeutschland, auch Baiern, wo bei mehr betonung selbst mier gesprochen wird Schm. 1, 1600 Fromm.), theils me, so namentlich im alemannischen gebiete:

me hackt, so lang der tag eim hilft,
me luegt nit um, und blibt nit stoh.
Hebel 1, 181.


2) man, seit der mhd. zeit im gebrauche nur auf den nominativ eingeschränkt, sagt ohne bezug auf ein bestimmtes subject im allgemeinen aus, was zugleich von mehreren gelten kann (gramm. 4, 220); bei dieser allgemeinheit ist eine mehrheit verstanden, man menschen, leute: und spricht man, er (der stein Panthera) hab sô vil tugent sô vil farb er hab. Megenberg 455, 28; do vorbot der keiszer, man sulde den gesten keine speisze verkouffen. Rothe dür. chron. 291, s. 223; weil dasselbe (regiment Moses) nur mit furcht göttlichs zorns, und der strafe die leute treibet, schrecket und plaget, das man für gott fleucht. Luther 7, 329b; man sagt, und ist kaum nicht war, das mehr Schweizer in Frankreich, als in jhrem land werden auferstehn. Garg. 27b; gleichwol wolte Paulus haben, man solte dem tyrannen unterthan, und gehorsam sein. Schuppius 385; leben sie wohl, wenn man anders im felde wohl leben kann. Gellert 4, 182; klagen, nichts als klagen! bittschriften, nichts als bittschriften! die traurigen geschäfte; und man beneidet uns noch! Lessing 2, 114; dasz man zu seinen (Rabeners) schilderungen musterbilder suchte und fand, war natürlich; dasz einzelne sich über ihn beschwerten, folgte daraus. Göthe 25, 75; unsere geschlossenen gesellschaften thaten ihre thüren vor ihm auf .. man hielt ihn für nichts besseres, als für ein stück honetten gauners und doch blickte man sehnsüchtig nach ihm aus, liesz er einmal auf sich warten. Immermann Münchh. 1, 167;

wo man zur freud zusamen kümpt,
frawen, jungfrawen, junge knaben.
B. Waldis Esop 4, 87, 37;

man zankt noch immer fort und fort,
es bleibet krieg an allem ort.
P. Gerhard 15, 17 Gödeke;

mit unrecht klagest du, treuherziger Aemil,
dasz man so selten nur auf deine worte bauen,
mit gleichem gleiches dir gar nicht vergelten will.
Lessing 1, 9;

da sieht man kein auge thränenleer,
und zum könige bringt man die wundermär.
Schiller bürgschaft v. 130;

wo man singet, lasz dich ruhig nieder,
ohne furcht, was man im lande glaubt;
wo man singet, wird kein mensch beraubt:
bösewichter haben keine lieder.
Seume ged. 148;

man sprach einmal von festgeläute,
man sprach von einem feuermeer.
Uhland ged. 92.


3) bei man ist auch ein einzelnes nicht bestimmtes subject ins auge gefaszt; man wie einer oder jemand, ohne dasz übrigens in allen fällen diese verwendung von der vorigen sich scharf trennen liesze: die nuʒ sind guot für die vergift, die man an kräutern iʒt oder an swämmen. Megenberg 334, 1; szo man die pferde beschlagen hott, sal er (der oberackermann) mit dem schmit aneschnyden (das kerbholz). Michelsen Mainzer hof 40; das ist kurz und rund unter die sünde beschlossen, das man nicht darf lange suchen und fragen, welche oder waserlei sünde in einem jeglichen zu strafen, oder wie viel und mancherlei sünde sein mögen. Luther 7, 184a; wie man gottselig leben, christlich regieren, land und leuten wol fürstehen soll (ein fürst nämlich). Zinkgref apophth. 1, 143; nun

[Bd. 12, Sp. 1522]


ja, ich habe sie zu lieben geglaubt! was glaubt man nicht alles! Lessing 2, 115; Just. vielleicht findet er, dasz ich ein ehrlicher kerl bin. Franc. o, man ist auch verzweifelt wenig, wenn man weiter nichts ist, als ehrlich. 1, 545; kommt man nun gar der höchst verdienstlichen übersetzung Shakespeares mit dem ausruf entgegen: von rechtswegen sollte man einen mann wie Shakespeare gar nicht übersetzt haben. Göthe 25, 92; es war immer ängstlich eine einladung zu seiner tafel anzunehmen, weil man nicht voraussehen konnte, welchen der ehrengäste er schonungslos zu behandeln zufällig geneigt sein möchte. 32, 35;

man glaubte ein donnerwetter rollen
zu hören, so schrie und knirscht er vor wuth.
Wieland 4, 49 (n. Amadis 2, 36);

welch eine figur! man könnte nichts zierlichers drechseln! 215 (9, 26);

wie schön er ist! man musz ihn gerne sehen! 10, 231;

das muntre hausgeflügel lärmt,
wenn man zum futter ruft.
Seume ged. 211;

wenn ich bedenke wie man wenig ist,
und was man ist das blieb man andern schuldig.
Göthe 9, 105.


4) man bezeichnet in bestimmterer weise ein subject, das nur seiner erscheinung und seinem wesen nach noch nicht bekannt ist, in formeln wie man kommt, man klopft u. ähnl., die nicht etwa dem franz. on vient, on frappe nachgebildet, sondern altes eigenes sprachgut sind:

jetzt klopft man, wer wil zu mir gan?
H. Sachs 3, 2, 147d;

häufig in der neueren sprache: es ist ein wagen vorgefahren; man pocht an die thüre, als wenn man sie einschlagen wollte. ich höre des grafen stimme. Göthe 14, 127; man pocht .. er ists! Lessing 1, 573; man kömmt. ruhig, alter knabe, ruhig! 2, 180; Karl. man kommt! La Roche. er ist es selbst. Schiller parasit 3, 1;

man kommt — hinweg! auf wiedersehen! Carlos 2, 4;

man pocht. sieh, wer es ist. Wallensteins tod 1, 1;

man naht. man kommt. bewaffnet volk erfüllt
den ganzen garten. Maria Stuart 3, 6;

auch sonst, näher an die vorige verwendung (nr. 3) rührend: in dem überrock hatte er ein zettelchen gefunden, worin man sich mit viel zärtlicher sorgfalt nach dem befinden eines oheims erkundigte. Göthe 19, 66.
5) man schlieszt in seiner unbestimmtheit ein bestimmtes subject mit ein.
a) ein ich, wenn dasselbe nicht ausdrücklich hervorgehoben, nicht von einer allgemeinheit oder unbestimmtheit völlig losgelöst werden soll: Papageno. sollte man übrigens in dieser wahrheitsliebenden gesellschaft die wahrheit sagen dürfen, so würde man bekennen, dasz man ein wenig aufgeschnitten hat. herr. nur ohne umstände. Papag. so würde ich sagen, dasz dieses unser ganzer reichthum sei. Göthe 11, 223; meine schwestern, indem sie ihre puppen aus- und ankleideten, erregten in mir den gedanken, meinen helden auch nach und nach bewegliche kleider zu verschaffen. man trennte ihnen die läppchen vom leibe, setzte sie, so gut man konnte, zusammen, sparte sich etwas geld, kaufte neues band und flittern, bettelte sich manches stückchen taft zusammen, und schaffte nach und nach eine theater-garderobe an. 18, 28; das universitätsgebäude (in Padua) hat mich mit aller seiner würde erschreckt. es ist mir lieb, dasz ich darin nichts zu lernen hatte. eine solche schulenge denkt man sich nicht, ob man gleich als studiosus deutscher akademien auf den hörbänken auch manches leiden müssen. 27, 90; was bedarf es einzelner beschreibungen, da man die hauptgebäude nach einander genannt wie sie in flammen aufgingen. 30, 322; durchlaucht dem herzog konnt ich am 24., als am tage, wo er nach Berlin reiste, für die bis zuletzt ununterbrochene sorgfalt mit erheitertem geiste danken: denn an diesem tage hatte sich das auge wieder geöffnet, und man durfte hoffen, frei und vollständig abermals in die welt zu schauen. 31, 91; zu fernerer vergleichung liesz man den groszen ausgewachsenen elephanten-schädel des museums gleichfalls zeichnen. 55, 167; da man nun hiezu die gemachten und zu machenden beobachtungen in einiger ordnung aufzuzeichnen gedachte, .. hat man eine tabelle nach obgedachtem schema entworfen und sie mit sich auf reisen geführt. 178 (und oft); häufig in wendungen der gewöhnlichen sprache: man hilft sich, wie man kann; man nimmt es wo mans findet, sagt der resolute; man macht mit euch keine umstände; da fragt man

[Bd. 12, Sp. 1523]


nicht lange, da geht man vorwärts u. ähnl.; oberst. gehorchen sie! graf. es ist mir unmöglich! oberst. so wird man sies lehren. Göthe 14, 247; aber .. man setzt dergleichen mit den menschen nicht durch, denn man ist immer nur éiner und sie sind viele. Immermann Münchh. 4, 23;

und man thet dir auch nicht unrecht,
dasz man die wahrheit von dir brecht,
und steket in die keichen dich (der graf zu seinem diener).
J. Ayrer fastn. sp. 105a (2865, 12 Keller);

und, wenn man fragen darf, herr ritter, beläuft sich die zahl
der bildnisse hoch?
Wieland 4, 32 (n. Amadis 2, 13);

man musz sich (sprach sie, und dachte in diesem stücke klug)
zumahl auf reisen mit dem, was dá ist, amüsieren. 5, 127 (16, 23);

die flügel zwar, spricht er, die schaffen keinen nutzen;
doch die kann man ja binden oder stutzen.
Schiller Pegasus im joche;

o warum ist man kind! warum entfernt
zur zeit, wo solche hülfe nöthig ist!
Göthe 10, 20;

ja, wenn mans nicht ein biszchen tiefer wüszte. 12, 158;

Ruprecht. das ist gelogen,
herr richter. Adam. schweig er, bis man ihn fragen wird.
H. v. Kleist zerbr. krug, 7. auftr.;

ebenso ein wir: und verantwurtend ir iwch deʒ nicht vor uns auf dem landfrid tz Augspurg, der da sin sol auf nun den nehsten sant Laurenzen tag, mant richt darumb tz iw alʒ der lantfrid stat. d. städtechr. 4, 189, 7 (v. j. 1393); man darf nur an das denken, was ein brief ist: so wird man sich diese fragen leicht beantworten können. man darf nur an die ordnung denken, die man beobachtet, wenn man im umgange von solchen dingen spricht, die man in einem briefe vortragen will. Gellert 4, 36; man spielte zusammen weiter fort (wir kinder). Göthe 24, 107; die geselligen persönlichkeiten in Carlsbad hatten diesen sommer für mich ein ganz ander wesen .. man hatte sich so oft gesehen, an derselben stelle, in denselben verbindungen, man hatte sich in seiner art und weise immer als dieselbigen gefunden; es war als hätte man viele jahre mit einander gelebt, man vertraute einander ohne sich eigentlich zu kennen. 32, 32; die den reisenden zugemessene zeit war zu kurz, als dasz man von allem bedeutenden hätte völlige kenntnis nehmen können; jedoch versäumte man nicht, den herrn domvicarius Hardy zu besuchen. 43, 323; wenn Haller den tod seiner gattin betrauert (man kennt das schöne lied). Schiller hist.-krit. ausg. 10, 469;

ein groszer herre, wie man weiszt,
ist nicht wie unser einer. 3, 170;

und dieses versteckte ich oder wir wechselt wol selbst in demselben satze mit man: man weigert sich anfänglich, man stellt sich aber so dabei an, dasz man sich so viel blosz giebt, man könne unsers herzens versichert sein; wir widersetzen der ehre halber uns mit dem munde unserm eignen verlangen. der mucker oder Molierens scheinheil. betrüger Tartüffe (Breslau 1748) s. 89 (ähnlich im franz. originale, Tart. 4, 5); es ist immer eine resolution als wie wenn man ins kalte wasser soll, ehe ich die feder nehmen mag, zu schreiben. Göthe 16, 245; man frage sich, ob nicht ein jedes fremde, aus seiner umgebung gerissene geschöpf einen gewissen ängstlichen eindruck auf uns macht. 17, 292; ob uns gleich die eltern so viel als möglich zurück hielten, so muszte man doch bei hof, wo ich eingeführt war, erscheinen. 19, 274;

scufzen wir, indem wir leben;
wird uns, durch den tod, ein mittel gegen alle noth gegeben:
so umarmt man die von uns stets gescholtne welt von neuen.
Brockes 9, 577;

da der kerker sich eröffnet, warum faszt man nicht den schlusz,
ihn mit freuden zu verlassen? warum lassen wir uns doch
wider willen aus ihm reiszen? weil wir, leider! unser joch,
unsre plag- und ketten lieben: und, durch meinungen verführt,
deren falschheit wir doch kennen, man sich mehrentheils vergnüget,
dasz wir andere betriegen, oder dasz man uns betrieget. 578;

dabei ists eine himmlisch schöne sache
um einen rechten braven herzensfreund,
der, ist man fröhlich, wacker mit uns lache,
und ehrlich weine, so man selber weint.
Bürger 19a.


b) man, ein persönliches pronomen der dritten person im sing. oder plur. verhüllend: ich weisz nicht, wie ich es wagen konnte ... auf einmal ihre hand zu fassen, diese zarte hand zu küssen, sie an mein herz zu drücken. man zog sie nicht weg. Göthe 22, 62; ich spielte den narren (als clavierlehrer einer jungen dame), man hörte mich an, man lachte, man rief: er ist doch immer allerliebst. unterdessen hatte man das notenbuch unter einem sessel gefunden .. nun setzte

[Bd. 12, Sp. 1524]


sich das schöne kind ans clavier. 36, 46; und doch! doch! .. wenn himmel und erde, wenn schöpfung und schöpfer zusammenträten, für ihre unschuld bürgten, es ist ihre hand — ein unerhörter, ungeheurer betrug, wie die menschheit noch keinen erlebte! das also wars, warum man sich so beharrlich der flucht widersetzte! darum .. gab man seinen anspruch auf meine liebe mit so viel heldenmuth auf! Schiller kab. u. liebe 4, 2;

nun musz sich ohne verzug
was füsze hat eilig aufs suchen begeben.
wohl fünfzig mohren durchirren mit brennenden fackeln den wald;
man ruft, dasz felsen und wipfel erbeben.
Wieland 4, 105 (n. Amadis 5, 2);

man langet an, man steigt
vom pferd, und gleich im ersten entgegengehen,
ist beiden, sie hätten einander schon irgendwo gesehen. 5, 56 (13, 28);

weil er nunmehr die freier gestraft, der edle Odysseus,
schwöre man heiligen bund; er bleib ihr könig auf immer! Odyss. 24, 483;

und so namentlich auch, wenn man in unbestimmter weise auf eine oder mehrere zu einer handlung zuständige personen hinweist: man hat ihn gestern verhaftet (das gericht); man hat ihn für mundtodt erklärt; Fiesko. man wird dich peinlich verhören. mohr. ich bekenne dann oder läugne? Fiesko. läugnest. man wird dich auf die tortur schrauben. Schiller Fiesko 2, 9;

weil ich streit
und fehden jeder art, auf hundert meilen weit,
von ganzem herzen, so sehr wie Sancho Pansa, hasse,
man streite nun im ernst, um köpfe, oder zum spasze.
Wieland 5, 104 (n. Amadis 15, 31);

der Lebrecht, den man kürzlich losgesprochen.
H. v. Kleist zerbr. krug, 7. auftr.;

in solchen fällen kann für man auch der plur. sie stehen.
c) das unbestimmte man kann endlich auch in ein ihr der anrede umschlagen: man hält sie dieser entschlieszung nicht fähig, weil ihr sie habt zaudern, weil ihr sie habt zurücktreten sehn. Göthe 8, 218;

doch dieser lächelnden ist gar nicht zu entgehn!
man hielte sie, so obenhin besehn,
für minder schön; allein beim zweiten blicke
ist euer herz schon weg, ihr wiszt nicht wie,
und hohlt mirs, wenn ihr könnt, zurücke!
Wieland 10, 181;

in ein ihr und wir: ferner sieht man seitwärts mauern angeschlossen und zwinger terrassenmäszig herab sich streckend .. wo ihr euch an den mauern andrängt stellt sich der glatte ahorn, die rauhe eiche, die schlanke fichte mit schaft und wurzeln entgegen, um diese müssen wir uns herumschlängeln und unsere fuszpfade verständig führen. Göthe 15, 303.
6) man für das pronomen der zweiten person in fragender und mahnender anrede: Olivier sagte, liebster hr. bruder Eckarth, er verzeihe, dasz ich fragen mag, wo hält man sich denn anjetzo auf? Eckarth antwortete in Salina, sonsten hab ich ein gütlein .. gekauft. unwürd. doctor 398; später nur noch in strafendem oder hochmüthigem tone: verspracht ihr mir nicht heilig ihr wolltet auf eurem posten bleiben? graf! graf! man wollte sich klug betragen. Göthe 11, 82; musz ich auch hier belästigt werden? was will man von mir? Schiller parasit 1, 7;

die mutter liesz einen pfaffen kommen;
der hatte kaum den spasz vernommen,
liesz sich den anblick wohl behagen.
er sprach: so ist man recht gesinnt!
wer überwindet der gewinnt.
Göthe 12, 145;

so vielfach im gemeinen leben: man schweige!; man höre auf das was ich sage!, alem. los-men-au! man höre! Seiler 205a; im verhörstone der polizei wird dieses man besonders gepflegt: wer ist man? was will man hier? wo hat man sich bisher aufgehalten? u. ähnl.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
man, adv. nur, ein niederdeutsches wort, mnd. men und man (Schiller-Lübben 3, 62b fg.), dem mhd. wan entsprechend, einigemal von schriftstellern niederdeutscher heimat in die schriftsprache herübergenommen: das kann ich man eben nicht so recht begreifen. Claudius 1, 132; ich rief dem obersten aus der thür entgegen, er möchte man herein kommen. Varnhagen Blücher 28;

doch weil man diese rüben gar dünn gesäet sind.
Doman in
Morhofs unterr. 355.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
man, m. s. DWB monat.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
manch, adj. und pron. nonnullus.
1) goth. manags πολύς; ahd. manac, mhd. manec, manc, manech, manch; alts. altnfr. maneg, mnd. mannich, mennich, mnl. menig; ags. manig, monig, engl. many; fries. monich,

[Bd. 12, Sp. 1525]


manech; altnord. entspricht margr, was sich im altschwed. marger fortsetzt, während im neuschwed. und dän., unter einflusz des deutschen, die formen schwed. mngen, dän. mange sich ergeben haben; urverwandt ist das kirchenslav. mnogŭ, poln. mnogi, serb. mlogi viel. von mehreren etymologischen deutungsversuchen des wortes scheint der, welcher das wort mit griech. μένος kraft, macht, stärke zusammenstellt (Kuhns zeitschr. 9, 259) das meiste für sich zu haben, in lautlicher beziehung sowol wie in der des begriffes, bei welchem letzteren zu erinnern ist, wie auch mächtig bisweilen in den sinn der fülle und menge hinübergreift (oben sp. 1408).
2) der alten mhd. form manec, manig, mit umlaut auch menic, gegenüber, die noch jetzt in den zusammensetzungen DWB mannigfach, DWB mannigfalt u. s. w. dauert (s. d.), steht eine mitteldeutsche, die den g-laut, auslautend sowol als bei der flexion im inlaute, in ch umgesetzt hat:

dâ vil manich heiden saʒ. livl. chron. 212;

dar undir lac vil mancher tôt.
sie brâchten manchen man in nôt. 293;

ouch sant er mit im, als ich las,
vîrzic brûdre ûʒirwelt
unde manchin rischin helt.
Jeroschin 5674;

sonst findet sich ch auslautend, nicht im inlaute, sowol mittelniederdeutsch (mannich, mennich, aber mennigen dach Schiller-Lübben 3, 28a), als auch im oberdeutschen:

ros unde rinder,
unde ander manich wunder. genesis in den fundgr. 2, 12, 40;

er scowôt al bi sunter
die manegen wunter. 15, 36;

dringt aber seit dem 15. jahrh. auch hier in den inlaut vor: gar an vil und menichen enden. d. städtechron. 2, 226, anm. 1 (v. j. 1450);

das geschicht mir ietz an manchem ort.
N. Manuel 49, 459 Bächtold;

als leider geschicht an menchen orten. 59, 715;

und wird, nach Luthers vorgange, der allein solche formen braucht, im 16. jahrh. so allgemein, dasz formen, die das alte g noch zeigen, nur vereinzelt noch vorkommen, zum theil im vereine mit umlaut des stammhaften a:

vil meng gt biderman.
Uhland volksl. 405;

du hast mir hie verlaszen
gar mengen stolzen man. 407;

do hb sich ein groszer strit
dasz menger tot gelag. 409;

darumb ht euch vor diesem stral,
der manig mensch bringet zu sorgen.
H. Sachs fastn. sp. 1, 20, 191 Götze;

da ich han
vorhin gefrt manigen man,
auch manch jungfraw und schöne frawen. ebenda 200;

auch so begeit sich mengen zeiten,
das du verkriegest all dein gut. 31, 314;

so mengen sünder grosz.
Schade sat. u. pasqu. 1, 16, 135;

es möcht wol menger han gedacht:
hat mich der teufel ins kloster bracht. 18, 201;

wie er vor Ofen so mengen Turken hette umbbracht. Wickram rollw. 132, 11 Kurz; mundartlich dauern diese formen in Oberdeutschland: manig, mang, manich, manch, schwäb. menig, meng Schm. 1, 1604 Fromm.; alem. mänge Seiler 203a;

isch Basel nit e schöni tolli stadt?
s sin hüser drinn, s isch mengi chilche nit
so grosz, und chilche, s sin in mengem dorf
nit so viel hüser.
Hebel 1, 173.

seltene schreibung ist manich:

durch mich wird manich mensch erfrewt.
H. Sachs fastn. sp. 1, 94, 421 Götze.


3) die bedeutung von manch ist im gegensatz zu dem zusammenfassenden viel eine trennende, es hebt den einzelnen oder unbestimmte einzelne, deren auch eine gröszere anzahl sein kann (vgl. unten 4, a. b, α und b, γ), aus einer masse heraus (daher das wort auch als adjectiv im nhd. keine steigerungsformen mehr entwickelt); wie aber diese bedeutung erst nach und nach sich ausgebildet hat (in den alten deutschen dialekten, ebenso im englischen, schwedischen, dänischen, ist sie nur zum theil vorhanden, in unserm subst. menge nicht), so gibt es auch in der spätern sprache berührungen mit dem begriff viel:

zu Rottenburg hat es sich angespunnen,
ist mancher bawr zuamen komen,
mit yren klugen sinnen.
Hildebrand volksl. 107, 4 (von 1525);

[Bd. 12, Sp. 1526]


schweiz. wie menga? wie viel? Tobler 315a; der wie mengste? der wie vielte? die wie mengste stund hets gschlage? wie viel uhr? Seiler 203a; vergl. das fragende wie mancher, unten nr. 7.
4) diese vereinzelnde bedeutung zeigt sich namentlich in dem häufigen singularen gebrauch von manch.
a) substantivisch, als mancher, manche, manches:

maneger lobt ein fremedeʒ swert,
het erʒ dâ heime, eʒ wære unwert.
Freidank 61, 11;

mancher karget und sparet, und wird da durch reich. Sir. 11, 18; mancher dienet dem andern zu unrechten sachen. 20, 25; mancher ist arm bei groszem gut, und mancher ist reich bei seim armut. spr. Sal. 13, 7; es gefellet manchem ein weg wol, aber endlich bringet er jn zum tode. 14, 12; es glückt manchem in bösen sachen, aber es gedeiet jm zum verderben. Sir. 20, 9; schöne weiber haben manchen bethöret. 9, 9; mancher wil lieber betteln gehen, als andern dienen und unterthan sein. Schuppius 338;

reichthumb und gwalt hat manchen ebn
bracht umb ehr, gut, seel, leib und lebn.
H. Sachs fastn. sp. 1, 93, 359 Götze;

du manchem hast in puesen blasen,
das ime ausdrang der angstschwais. 2, 8, 262;

propsteien pfründen auch da bei
hat mancher under seiner hant
dem die geschrift ist unbekant.
Schade sat. u. pasqu. 1, 9, 64;

dasz er die heiligen an liegen tht
und verfrt maniges fromen mt! 29, 70;

was hat doch mancher mehr als armer leute schweisz?
was iszt und trinket er?
P. Gerhard 4, 41;

des weltlichts vollen glanz kann mancher nicht ertragen,
der seinen schimmer liebt, wenn er in wassern scheint.
Hagedorn 1, 83;

mancher, dessen keimende talente
nie zur reife kamen,
ruht vielleicht hier unter diesen kreuzen.
Hölty 51 Halm;

manchen hält man für fett,
er ist nur geschwollen.
Göthe 3, 253;

in den verbindungen gar mancher, mhd. vil maneger, wie mancher, so mancher, die den begriff heben:

vil maneger hât der ougen niht,
des herze doch vil wol gesiht.
Freidank 55, 5;

die eine (von den frauen) flcht, die ander schilt
wenn sie die held anschawen;
gar mancher dann ir maul verschwilt
wenn sie die held verhawen.
Uhland volksl. 613;

du hast gar manchen fälschlich im verdacht.
Göthe 9, 197;

wie mancher stürzet seine seel
durch klugheit, wie Achitophel.
P. Gerhard 260, 29;

so mancher schwimmt im überflusz,
hat haus und hof und geld. (
J. M. Miller) mildheim. liederb. nr. 160, 2;

manche dünkt sich schön, ist es aber nicht;

ich hab es oft versucht, und manche schön genannt,
so häszlich sie auch war.
Gellert 1, 55;

manches ist nicht zu billigen, was er gethan hat; wozu noch manches durch boten aus der nachbarschaft geholt werden sollte. Göthe 18, 156;

anstatt zu forschen, ob des hörers geist
nicht schon für sich auf guten spuren wandle,
belehrt er dich von manchem, das du besser
und tiefer fühltest. 9, 197;

dünkt mir gleich, in frischer luft
hätt ich manches noch zu schaffen.
Uhland ged. 34;

es hat mir ja dein fleisz so manches vorgelesen,
das an vernunft und kunst weit über andre geht.
Günther 571;

das neutr. manches kann sich aber auch auf unbestimmter hingestellte personen beziehen (vergl. denselben gebrauch von alles, th. 1, 212, nr. 5): wan mangeʒ spricht: ach, wie ain guot predig der herr heut tet. Megenberg 118, 24; die götter lassen manches in kummer, leiden, marter und gefenknusz kommen. b. d. liebe 217a.
b) adjectivisch, unmittelbar vor einem substantive.
α) in der gewöhnlichen flexion des starken adjectivs: und ist mancher freund, der wird balde feind. Sir. 6, 9; solchs that sie manchen tag. ap. gesch. 16, 18; manches bidermans weib und kinder. Schade sat. u. pasqu. 3, 208, 22; der niemand thut mir in meiner hauszhaltung allhier mehr schaden, als mancher soldat seinem bauren, bei dem er in quartier liegt. Schuppius 337; nicht jede absicht ist offenbar, und manches mannes absicht ist zu miszdeuten. Göthe 8, 260;

[Bd. 12, Sp. 1527]


dasz weiszt iez maniger biederman,
der anders wenig lesen kan.
Schade sat. u. pasqu. 1, 29, 77;

und netze diese schwelle
mit manchem threnenbach.
Zinkgref bei
Opitz (1624) 209;

des friedens angesicht,
das mancher mensch noch nie einmal
geschaut in diesem jammerthal.
P. Gerhard 10, 69;

da mancher mannnicht wieder kann
zur sühn erweichet werden. 225, 31;

ein junger mensch, der sich vermählen wollte,
und dem man manchen vorschlag that.
Gellert 1, 118;

auf tod und leben wird gekämpft, und herrlich
wird mancher pasz durch blutige entscheidung.
Schiller Tell 4, 2;

auch manchen mann, auch manchen held,
im frieden gut und stark im feld,
gebar das Schwabenland. graf Eberhard der greiner;

dasz manche magd ihrer frauen nicht ein gut wort gibt. Schuppius 337; arbeiten, bei denen .. die nätherinnen manche nadel zerbrachen. Göthe 18, 32;

haben uns die warheit verschwigen
und manche zauberei getriben.
Schade sat. u. pasqu. 1, 18, 182;

wir weren alle mancher not
uberhaben. 81, 54;

grosz seufzen manche stunde
ohn aufhörlich er trieb.
J. Gebhard bei
Opitz (1624) 208;

ich bin ja auch mit mancher frau bekannt.
Gellert 1, 55;

so ward doch mancher mutter kind
von einem herrn oft klug geschlagen. 245;

und so sasz das trauliche paar, sich, unter dem thorweg,
über das wandernde volk mit mancher bemerkung ergötzend.
Göthe 40, 236;

und manche schlacht wird kühn und wild geschlagen.
Körner 2, 95;

manches korn wird in die erde gesät, aber nicht jedes geht auf;

wie manches mahls es sich begibt.
Melissus bei
Opitz (1624) 169;

den ahnherrn der Narcissen,
der manches jungfernherzchen stahl.
Hölty 5 Halm;

dem gotte mit der binde
ward noch manches lied geweiht.
Uhland ged. 79;

doch sah ich manches auge flammen
und klopfen hört ich manches herz. 93;

vor zahlwörtern: er hat hier manches hundert thaler zugesetzt;

(wer da) kennt zuvor die see und ihren tiefen schlund,
wie sie so manches schiff versenket in den grund,
so manchen anker frist, so manchen mast verschlinget,
so mannig tausend mann um leib und leben bringet.
Rachel sat. (1677) 41.

in der mehrzahl der hierher gehörigen fälle hebt sich manch dadurch heraus, dasz es mehr als das folgende substantiv betont wird, wodurch es den sinn nicht sowol einer anzahl schlechthin, sondern einer beachtenswerten anzahl empfängt; seltener ist manch unbetont und dann auch ohne die verstärkte bedeutung: in mancher stadt ist nicht gut zehren, sunt urbes, in quibus caro vivitur. Stieler 1224;

sag nur, warum du in manchem falle
so ganz untröstlich bist?
Göthe 3, 278;

es ist aber jedem einzelnen satze abzufühlen, ob das wort mit oder ohne die angegebene betonung steht (vergl. auch unten γ).
β) der unflectierte nom. (beziehentlich acc.), der im mhd. in allen drei geschlechtern waltet (vgl. auch mhd. wb. 2, 1, 58b);

manc tôre sprichet wîsiu wort.
Freidank 80, 18;

eʒ was leit den recken, eʒ weinte ouch manec meit. Nib. 71, 1;

manc lop dem kriuze erschillet.
Walther 77, 22;

ist später hier gewöhnlich nur noch dem neutrum eigen (vergl. dazu unten 4, c, δ): durch manch mittel und subtile geschwindlistige behendigkeit. Schade sat. u. pasqu. 3, 75, 13; manch weib ist keusch und fromm. Stieler 1224;

manch laster und schand bliebe verhüt,
wenn man des weins nicht so vil einschüt.
Schade sat. u. pasqu. 1, 163, 304;

manch trostlosz wort sie saget,
manch seufzen sie da führt.
Zinkgref bei
Opitz (1624) 173;

manch ries papier wird voll geschrieben.
Gellert 1, 42;

Kunz borgt manch capital. 43;

darüber klagt manch spottgedicht. 297;

manch nixchen wurde roth,
manch nixchen wurde lüstern.
Bürger 24a;

[Bd. 12, Sp. 1528]


selten dem masculinum: in einem wasser daʒ manig wint treibt hin und her. Ortolf arzneipuch 12b;

manch mensch tregt darnach gros verlangen.
Schade sat. u. pasqu. 1, 54, 12;

manch ander mehr auf sein als deinen nutzen lugt.
Zinkgref bei
Opitz (1624) 181;

manch hofschranz suchte zwar sofort
das kniffchen zu vereiteln. 26a;

traut, mädchen, leichten rittern nicht!
manch ritter ist ein bösewicht. 29b;

und dem femininum:

beseht die flache handt, inwendig der jhr finden
werd manch verborgne kunst nit jedem zu ergründen.
Zingref bei
Opitz (1624) 217;


γ) verstärkter begriff von manch tritt nicht nur in den verbindungen gar manch, so manch, wie manch hervor (vgl. dazu oben 4, a und b, α): gar manches leid hat er erfahren müssen;

es spricht iez vil menger man ...
Schade sat. u. pasqu. 1, 17, 161;

und haben so manche sect und rott. 1, 120, 348;

wie läszst du mich so manchen schmerz
und grosze angst erfahren!
P. Gerhard 214, 75;

(gott) der so überflüssig labt
und mit so manchem gut begabt
das menschliche gemüthe. 240, 41;

wie manches leid, wie manche not,
wie manches jammerheer
brächt uns in angst, thät uns den tod,
wo gott nicht bei uns wär. 248, 13;

so manches bein,
das ich mir verscharren müssen.
Gellert 1, 78;

nur in den frühsten jugendjahren
erschienst du mir so manches jahr.
Uhland ged. 43;

sondern haftet auch bisweilen am einfachen manch mehr oder weniger deutlich (vergl. dazu oben α am ende): manches jahr noch werde ich an dieser arbeit zubringen müssen (eine gröszere reihe von jahren); er hat manchen brief geschrieben ehe er zu seinem gelde kam;

zween wächter, die schon manche nacht
die liebe stadt getreu bewacht.
Gellert 1, 137;

manch jährlein hab ich gesungen und feuer geschürt,
manch jährlein gesungen und schwert und lanze gerührt.
Uhland ged. 350;

und als das Rolandslied wie ein sturm erscholl,
da wallete manch panier, manch herze schwoll,
da brannten ritter und mannen von hohem muth. 351.


c) dem manch folgt ein weiteres adjectiv.
α) in schwacher form, wenn manch flectiert ist, was mhd. in den obliquen casus vorkommt (gramm. 4, 555):

dô sach man sî dî brûdre intpfân
mit manchem scharfin pfîle.
Jeroschin 26176;

nhd. mancher tapfre held, manches schöne kind;

haucht auf ihre sonnenhüte
manches weisze blüthenblatt.
Hölty 132 Halm;

(als) manches matte schiefe lied
sich mit dem reinen schmerz vereinte.
Göthe 2, 153;

in genetiven und dativen:

(Venus) wirt mehren jr hofgesindt
mit manchem scharpfen pfeil geschwindt.
H. Sachs fastn. sp. 1, 14, 24;

wie manches schweren unglücks lauf
hat er zurück gekehrt!
P. Gerhard 119, 63;

du hast mein herz erhöhet
aus mancher tiefen not. 180, 10;

sie bringt ihm manch geschenk, und schmückt sein kleines haus
mit mancher bunten haut, mit bunten federn aus.
Gellert 1, 25;

(Thyrsis) klagt mit manchem bangen schalle
sein leid dem nahen wiederhalle. 321;

(wo) dein geselliger scherz flügel des augenblicks
mancher seligen stunde gab.
Hölty 73 Halm;

mit manchem jungen paare.
Göthe 3, 45;

doch die befreiten lande tragen
noch manches vorgen dranges spur.
Uhland ged. 83;

hierher werden auch die fälle zu ziehen sein, in denen die schwache form von der starken nicht mehr formell verschieden ist: wie manche arme hure sitzet wol itzo in der hölle bei dem reichen schlemmer. Schuppius 336; wann manche faule magd der haber sticht, und sie die guten tage, welche sie bei herrn und frauen hat, nicht länger ertragen kan, so hänget sie sich an einen tügenichts. 341; ich dachte damals nicht, dasz es mir so manche verdrieszliche stunde machen sollte. Göthe 18, 11; es finde sich ja so manche leere zeit. 127;

und mit entzücken blick ich auf
so manchen lieben tag. 1, 97;

[Bd. 12, Sp. 1529]


in einer sprachlich kühnen anrede:

gehab dich wol, du manche süsze nacht,
die ich mit ihr in liebe durchgebracht.
Fleming 534.


β) bisweilen auch in starker form, namentlich im nom. masc. und neutr.: mancher loser sack (eine magd ist gemeint) ist so muthwillig, dasz, wenn sie ihr mühtlein anders nicht kühlen kan, so kühlet sie es an den kindern. Schuppius 349;

vor freuden sprang auf mancher grober paurtrülle,
wol über benk und über tisch.
Uhland volksl. 647;

oft manches mattes herze
erquickt disz warme bad. anonymus bei
Opitz (1624) 176;

so fängt auch mancher weiser mann
ein gutes werk zwar frölich an.
P. Gerhard 217, 16;

wie mancher böser schwarzer geist. 248, 13;

wie manches junges frommes blut
wird jämmerlich verführet. 101, 49;

mein scheitel graut vor noth, viel hofnung ist beschnitten,
und mancher schöner tag ohn eine lust dahin.
Günther 581;

und noch im späteren 18. jahrh.: wie mancher christlicher bauer würde seinem gutsherrn gern diese oder jene gefälligkeit erweisen; wie mancher freier mann würde mit vergnügen zu dieser oder jener gemeinen unternehmung einen beitrag thun. Möser patr. phant. 1, 167; wie viel falsche eide sind nicht darüber geschworen, und wie mancher ehrlicher kerl ist darüber nicht an eine schlechte frau gefesselt worden? 2, 121.
γ) adjective in substantiver stellung folgen in schwacher form:

wer weisz, ob mancher grosze nicht
im herzen, wie der schulze spricht?
Gellert 1, 134;

da spricht sie manches schmerzliche, das meiste
verschlieszt sie bitter in des busens grunde.
Uhland ged. 147;

selten in starker: mancher reicher lacht, wann die armen weinen. Frisch 1, 638b.
δ) nach unflectiertem manch (vgl. dazu oben b, β) steht das adjectiv in starker form; jenes hat statt im nom. aller drei geschlechter und im acc. des neutrums: ich habe manch böses wort vertragen, plurimas concoxi contumelias. Stieler 1224; wie manch liebliches gemählde würd uns nicht ein poetischer Watteau aus diesen ohne ordnung hingeworfnen bildern zusammen setzen? Wieland 10, 17;

mich hat auf meinen wegen
manch harter sturm erschreckt.
P. Gerhard 284, 18;

ein held, der sich durch manche schlacht,
durch manch verheertes land des lorbeers werth gemacht.
Gellert 1, 260;

es flatterte, voll schaums,
manch knotigte perücke
im wipfel eines baums.
Hölty 10 Halm;

(er) blies manch blaues wölkchen
zufrieden in die luft. 12;

als Gellert, der geliebte, schied,
manch gutes herz im stillen weinte ...
Göthe 2, 153;

auch das manch folgende adjectiv kann ohne flexion sein:

des (darum) manch arm mensch nackend gat.
N. Manuel 57, 660 Bächtold;

was in der neuern poetischen sprache dauert, freilich nur am neutrum:

manch blutig treffen wird um nichts gefochten.
Schiller Piccol. 2, 7;

so ist manch heilig recht zu retten.
Uhland ged. 83;

nur in nicht gefeilter rede wird manch auch in andern casus unflectiert gesetzt: manch armem manne, manch armer frau wäre mit diesem gelde geholfen (sorgfältiger manchem armen manne, mancher armen frau); es gibt manch tapfern kerl, der das unternähme.
5) pluraler gebrauch von manch, nhd. im ganzen weniger häufig als der singulare; auch er hält den begriff der vereinzelung fest. die fügungen sind dieselben wie oben 4; substantivisch:

ein erröthen
zurückzunehmen, haben manche schon
der schande sich geopfert.
Schiller don Carlos 2, 15;

manche schweigen wol auch, weil die zeit das schweigen gebiete.
Körner 1, 114;

adjectivisch: manche leute sind wunderlich, nonnulli homines obstinati et morosi sunt. Stieler 1224; so würdest du dich überzeugen, dasz manche fähigkeiten des geistes auch dabei ihr freies spiel haben können. Göthe 18, 52; manche schuldner baten um aufschub, manche waren unhöflich, manche

[Bd. 12, Sp. 1530]


läugneten. 140; seine schriften, ... die manche zehn scudi werth wären. 34, 298;

schon seit manchen schönen jahren
seh ich meine schiffe fahren. 1, 101;

so sind wir scheinfrei denn nach manchen jahren
nur enger dran als wir am anfang waren. 3, 102;

und die thaten mancher jahre
gehn dir in dem nachbar auf. 121;

solch ein fest ist uns bescheeret,
mancher gaben schmuck verehret. 4, 90;

im nom. acc. hat ein darauf folgendes adj. starke form: manche wol unterrichtete leute. gramm. 4, 556; in andern casus aber kann die schwache eintreten: im besitz so mancher majestätischen kleider, rüstungen und waffen. Göthe 18, 87, obschon auch hier mancher majestätischer kleider nicht sprachwidrig wäre; vor substantivisch gebrauchten adjectiven:

nein, prinz, ich schliesze nicht, wie manche spröden schlieszen.
Wieland 17, 243 (Idris 4, 59);

vor Agamemnon lebten manche braven,
so wie nachher, von sinn und hoher kraft.
Göthe 46, 212.


6) singularer und pluraler gebrauch neben einander:

und doch ist dies der alte schauplatz noch,
die wiege mancher jugendlichen kräfte,
die laufbahn manches wachsenden talents.
Schiller hist.-krit. ausg. 12, 6;

lebhaft wurden die gassen; denn wohl war bevölkert das städtchen,
mancher fabriken beflisz man sich da, und manches gewerbes.
Göthe 40, 236;

wobei manch auch im plural unflectiert:

manch bunte blumen sind an dem strand!
meine mutter hat manch gülden gewand. 1, 183.


7) einem fragenden wie mancher? quotus quisque? Maaler 282c; und Jhesus sprach z en: wî manig brôt habit ir? und sî sprâchin: sibene. Behaims evang. buch, Matth. 15, 34;

er war nicht minder gelehrt in alter und neuer geschichte,
zumahl in der die nie geschah;
wie mancher Herkules war, wie viel an masz und gewichte
der becher gehalten, zu welchem die keusche Helena
das muster lieh, das alter der pyramiden,
... und tausend andre dergleichen
probleme ins reine zu bringen, muszt ihm Salmasius weichen.
Wieland 4, 60 (n. Amadis 3, 6),

antwortet so mancher:

dann nimm so manchen dreifusz, als du nöthig glaubst.
Göthe 41, 182;

welches auch correlativ steht: so manch heubt, so mancher seckel. 2 Mos. 38, 26; denn so manche stad, so manche götter hastu Juda, und so manche gassen zu Jerusalem sind, so manchen schandenaltar habt jr aufgericht. Jer. 11, 13;

so manche lini sich allda entwerfen thut,
so manche tugent helt in sich jhr keuscher muth.
Zinkgref bei
Opitz (1624) 217;

in der form als mancher: als mancher kopf, als mancher sinn, als vil der leüten, so vil der meinungen, als mancher bauwr, als manche juppen, quot homines, tot sententiae. Maaler 282c.
8) über die verbindung ein mancher, die noch jetzt im oberdeutschen häufig gehört wird, vgl. th. 3, 138; sie ist bei heutigen süddeutschen schriftstellern gelegentlich anzutreffen: und ein mancher blieb haften. Scheffel Ekkeh. 11; sonst nur in älteren quellen:

ein mancher weltmann baut, ...
ein mancher pflanzet bäum und machet schöne gärten.
Rompler 11;

ein mancher, wan er nur den ärmel gleichsam rüttelt,
so gibt es hurtig vers. 79;

ist nicht ein mancher nun in hoher ehrenstell,
der blos ein schlechter knecht, ein ringer spieszgesell
vor disem bei ihm war? 134;

ein mancher führt ein härz mit Venuspfeil durchschossen;
ein mancher kränz und zweig ausz Daphnes har entsprossen;
auf vilen wafen steht der Mars in grimmer wuth. 150;

ein mancher meint er hab ein schatz,
so ists ein garstig wüste katz. Simpl. 1 (1713), 366;

er hielt ein manches glas bis oben angefüllet.
Drollinger 66;

und wol auch bei Luther: denn es ist ein einiges wörtlin, das gott mechtig sei, aber es hat ein gros und manch geschrei. 3, 300b. heute ist gebräuchlich manch ein, manch einer, vgl. th. 3, 138, wobei manch in allen fällen unflectiert steht: manch eines ganzes vermögen gieng dabei verloren; er hat manch einem geholfen, aber auch manch einen verderben lassen.

[Bd. 12, Sp. 1531]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) mancherart, adv., zusammenrückung der genitive mancher art, die gewöhnlich getrennt vorkommen:

lebt wohl und lebet glücklich, vieledle fraue zart,
und mögt ihr euch indessen erfreuen mancherart.
Platen 319.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
mancherhand, ähnliche zusammenrückung wie die vorige, mhd. maneger, hande (mhd. wb. 1, 630b, vergl. auch unter hand th. 42, 362 und allerhand th. 1, 224); auch später noch lange getrennt geschrieben: das bedeut das die natur maniger hant anvechtung hat von manigerlei sühte. Ortolf arzneipuch (1477) 12b; mancher hant krapfen und essen. kuchenmeisterey a 2; nach mancher hand sünd. Frank weltb. 138b; begab sich manicher hand misbrauch. Liv. v. Schöfferlin 45; und demnach solch werklin von vielerlei mancher hand blümlin zusammengerafft und gesamlet ist. Fischart bienk. 6a; doch auch zusammengerückt: also hat auch der oberst werkmeister, gott der herr, manicherhand gezeuges, damit er die seel purgieret, das sie im angenem würt. Keisersberg seelenp. 24a; mancherhand, multifarius, multiplex, diversus Stieler 752; jetzt selten geworden:

ich habe studien gar mancherhande,
auf die der reiche und der fürst was hält,
und kenntnisse so ernste wie galante.
Tieck 1, 353;

er holt sich farben mancherhand,
und bemalt sich von innen des häusleins wand.
Rückert 35.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
mancherlei , diversus, varius, vielerlei, multiplex. Frisch 1, 638b; über die bildung vgl. auch DWB lei, oben sp. 580.
1) mhd. maneger leie, manger leije als zwei wörter im genitiv, und in der bedeutung von mehrerer verschiedenen art:

diu nahtigal diu singet uns die besten (weisen) wol ze prîse,
ze lobe dem meien al die naht.
manger leie ist ir gedâht,
ie lûter, danne lîse.
Neidhard 31, 21;

die spätere sprache kennt nur noch die zusammenrückung, ohne dasz lei in lebendiger bedeutung mehr gefühlt wird (vgl. unten 9), und strebt das wort aus seiner adverbialen geltung heraus in die adjective und substantive zu heben, wie das schon mhd. angebahnt wird (nr. 8): mancherley, adverbium, multifarie, inde multis modis. mancherley, varietas, diversus. voc. inc. theut. n 4a; doch zeigt sich die alte verwendung bis heute in einer reihe resten.
2) mancherlei tritt unflectiert hinter ein substantiv, wie mhd.:

schœne bluomen maniger leie
bringet uns dîn liehter schîn. minnes. 2, 68b Hagen;

schône dringent dur daʒ gras
bluomen manger leien. 154b;

nhd. schaw, ob es nicht die schwindtsucht sei,
die kumbt ausz ursach mancherlei.
H. Sachs fastn. sp. 2, 54, 150;

sie (die wolken) wechseln farben mancherlei:
so bunt ist auch der weiber treu.
Arndt ged. (1840) 293.


3) gewöhnlicher aber vor ein substantiv, verschiedene art und verschiedenes auftreten des substantivbegriffes zu bezeichnen (gegensatz einerlei th. 3, 166, nr. 2). das substantiv steht hierbei im singular: mancherlei gewicht und mas, ist beides grewel dem herrn. spr. Sal. 20, 10; gleich wie alle menschen aus der erden, und Adam aus dem staube geschaffen ist, und doch der herr sie unterschieden hat, ... und mancherlei weise unter jnen geordent. Sir. 33, 11; der schlug ganz Egypten mit mancherlei plage. Judith 5, 9; und sie brachten zu jm allerlei kranken mit mancherlei seuchen und qual behaft. Matth. 4, 24; der da gottesdienst thut, allein mit speise und trank, und mancherlei taufe und euszerlicher heiligkeit. Hebr. 9, 10; nun hatte meine neugier mancherlei nahrung. Göthe 19, 274; (ein mann) den seine geburt, seine fähigkeiten zu mancherlei anspruch berechtigen. 54, 98;

brauch alle köstlichkeit dabei (beim bankett)
mit mancherlei getrank und speisz!
H. Sachs fastn. sp. 1, 111, 348;

da werden knecht und die roszbuben
mit uns mancherlei spiel anfahen. 124, 5;

weil ir hapt an der arbeit scheuch,
wont mancherlei krankheit pei euch. 2, 36, 294;

im plural: und wenn einer des nachts auf seinem bette rugen und schlafen sol, fallen jm mancherlei gedanken für. Sir. 40, 5; fiengen an die schriftgelerten ... jm mit mancherlei fragen den mund zu stopfen. Luc. 12, 53; die jr jtzt .. trawrig seid in mancherlei anfechtungen. 1 Petr. 1, 6; als die guten haushalter der mancherlei gnaden gottes. 4, 10; lasset euch

[Bd. 12, Sp. 1532]


nicht mit mancherlei und frembden leren umbtreiben. Hebr. 13, 9; es sind mancherlei gaben, aber es ist ein geist. und es sind mancherlei empter, aber es ist ein herr. und es sind mancherlei kreften, aber es ist ein gott, der da wirket alles in allem. 1 Cor. 12, 4—6; gott wil aufs höhest die einigkeit haben, und nicht mancherlei secten. Luther 8, 21a; mancherlei nammen, wenn ein ding unglyche nammen hat, ambitus nominum. Maaler 282c; brief von mancherlei dingen geschriben, multijuges epistolae. 282d;

ich bin es, die von den menschen
... mit mancherlei namen begabt wird.
jetzo nennt man mich tugend, jetzt wahrheit.
Wieland 2. suppt.-bd. s. 361;

in modaler stellung, wo heute eine präposition nicht fehlen dürfte: mancherlei farb, discolor (verstanden von mancherlei farbe). mancherlei form, multiformis. mancherlei gestalt, multigena, multiformis, diversificatus. voc. inc. theut. n 4a; nachdem vor zeiten gott manchmal, und mancherlei weise geredt hat zu den vetern durch die propheten. Hebr. 1, 1.
4) in solcher stellung (nr. 3) rührt mancherlei der bedeutung nach auch öfters an bloszes manch, indem nicht mehr vereinzelung nach der art, sondern nur nach der zahl damit hervorgehoben wird: wie der gülden zeug schimmert, und wie sie mancherlei harnisch hatten. 2 Macc. 5, 3; ir künig ist ein heid, hat mancherlei weiber. Frank weltb. 226a; solch untüchtig arznei werden von mancherlei arzt gebrauchet. aber zum vollkommen ende kompt jhrer keiner. Paracelsus chir. schriften 367 B.
5) stellung von mancherlei zwischen artikel und substantiv, erst in der neueren sprache beobachtet: von dem mancherlei gefühle der menschlichen seele. Kant 1, 71 (von 1764); wenn ich es nur vermöchte, dir die mancherlei schlangengänge ihrer empfindungen zu schildern. Thümmel 4, 187; das mancherlei frische grün (schien ihm) doch gar zu bunt. Göthe 22, 128; ah, dasz ich stünde am thor der verdammnis, hinunterschauen dürfte mein aug auf die mancherlei folterschrauben der sinnreichen hölle. Schiller Fiesko 5, 13.
6) mancherlei, von mancher art, in prädicativer stellung: item Mahmet spricht in dem gesetze, das alle menschen sind einerlei gewest, und einerlei glaubens, aber gott habe sie mancherlei gemacht, da er mancherlei propheten gesand hat. Luther 8, 21a; die bekleidung oder bedeckung des hauptes ist mancherlei. Winkelmann 3, 97; ihre (der menschen) gestalt ist mancherlei. Klinger Otto 12, 19; nun aber sind die assoziationen äuszerst willkührlich, unendlich zufällig und mancherlei. Schiller hist.-krit. ausg. 1, 89; weisz ich, wie mancherlei seine wege sind? Göthe 56, 212;

mancherlei, mein vater, ist des lebens wonn
und weh! 33, 260;

und in adverbialer: erinnert sie, wie unser vater Abraham mancherlei versucht ist, und ist gottes freund worden, nach dem er durch mancherlei anfechtung bewerd ist. Judith 8, 19.
7) selten hat mancherlei adjectivische flexion erhalten: wir sind mancherleien und tödlichen krankheiten und fellen unterworfen. Luther tischr. 351b; es ist die luft, gewitter und landesart, wegen der vielen mancherleien und weit von einander gelegenen provincien, nicht einerlei. pers. reisebeschr. 3, 2.
8) substantive ausgestaltung des wortes, als neutrum, beginnt schon mhd.:

willekomen sî uns der meige,
der uns bringet maneger hande bluot,
bluomen unde maneger leige
daʒ dien kleinen vogelen sanfte tuot.
G. v. Neifen 31, 29;

nhd. das mancherlei, die verschiedene, mannigfache art, die verschiedenheit:

jetzt ists
der meinungen verhasztes mancherlei,
die menge, die es uns verbittert.
Schiller hist.-krit. ausg. 6, 153;

doch selig, theilt ein menschenherz,
verständig, gut und treu,
voll mitgefühls in freud und schmerz,
des lebens mancherlei.
Voss 4, 129;

was will dies flimmern und schimmern?
dies bunte mancherlei?
Arndt ged. (1840) 443;

gewöhnlicher ohne artikel, zur bezeichnung einer verschiedenartigen anzahl oder menge, mit genetiv: eine stad ... da mancherlei volks innen wonet. 2 Macc. 12, 13; kurz, der gesinnungen waren, wie es in solchen fällen zu gehen pflegt, mancherlei. Wieland 8, 322;

[Bd. 12, Sp. 1533]


der götter vil und mancherlei
sie eren thun mit vilerlei.
Schade sat. u. pasqu. 1, 120, 349;

wenn unglücks ist so mancherlei.
H. Sachs fastn. sp. 1, 7, 229;

dafür fügung mit der präpos. von:

von blättern sah ich mancherlei ergrünen,
da waren rosen, auch vergiszmeinnicht.
Göthe 4, 98;

ohne beigesetzten genetiv: du solt deinen weinberg nicht mit mancherlei beseen. 5 Mos. 22, 9; wo du dir mancherlei fürnimpst, wirstu nicht viel dran gewinnen. Sir. 11, 10; und er redet zu jnen mancherlei, durch gleichnisse. Matth. 13, 3; und er fraget jn mancherlei. Luc. 23, 9;

des (darum) hab ich mencherlei angfangen.
N. Manuel 56, 627 Bächtold;

ich hör ihm gerne zu,
denn mancherlei doch denkt sich bei den worten.
Schiller Piccol. 2, 1;

komm mit spielen und küssen,
und träumen der nacht,
die mancherlei wissen,
was der tag nicht gedacht.
Arndt ged. (1840) 316;

zwar harr ich stets auf mancherlei,
doch alles geht an mir vorbei.
Platen 28;

auch giebts von Cypern mancherlei zu fragen,
von frauentracht und andern seltsamkeiten.
Uhland ged. 438.


9) durch das verblassen des begriffes von lei geschieht es (wie in allerlei th. 1, 224, keinerlei th. 5, 493 nr. 3; vgl. auch oben sp. 580), dasz substantive wie art oder weise zu mancherlei treten: mancherlei weise, adverbium, multifarie multisque modis. voc. inc. theut. n 4a; mancherlei art der pflanzen. weish. Sal. 7, 20; zwar ist mancherlei art der stimme in der welt. 1 Cor. 14, 10; auf mancherlei art, aliter atque aliter. Steinbach 2, 19.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
mancherleiheit, f.: eine identität, keineswegs aber eine mancherleiheit. Fichte nachgel. werke 3, 357.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
manchesmal, adv., zusammenrückung von manches mal, vgl. nachher manchmal: manichsmal, adverbium, pluries, plerique, plerumque, multociens. voc. inc. theut. n 4a; dardurch manchsmal sich begibet ... Fischart bienk. 146a;

ach ja, wie manchesmal
hast du mit süszen worten
mir aufgethan die pforten
zum güldnen freudensaal.
P. Gerhard 112, 44.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
manchfalt, manchfaltig, s. mannigfalt, -faltig.