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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
mammon bis man (Bd. 12, Sp. 1519 bis 1524)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) mammon, m. reichthum, geld und gut. das mehrmals im neuen testament erscheinende chaldäische wort mâmôn und mammôn, welches, weil es eine personification des reichthums bezeichnet, im griechischen urtext wie in der vulgata in der chaldäischen form geblieben, hat auch Luther unübertragen gelassen: jr könnt nicht gott dienen, und dem mammon (μαμων). Matth. 6, 24, ähnl. Luc. 16, 13; ich sage euch auch, machet euch freunde mit dem ungerechten mammon (ἐκ τοῦ μαμωνᾶ τῆς ἀδικίας). Luc. 16, 9; so jr nu in dem unrechten mammon (ἐν τῷ ἀδίκω μαμων) nicht trew seid, wer wil euch das warhaftige vertrawen? 11; während früher Behaims evangelienbuch es verdeutschte: ir mget gote niht gedienen und dem girgûte. Matth. 6, 24 u. ähnl., ebenso Luc. 16, 9. 11. 13 (sonst wurde es auch anders gegeben: mammon, mamon schacztewfel, dʒ gutis dufel Dief. 345c, mit hervorhebung des ursprünglichen persönlichen begriffes; Ulfilas hatte theils das fremde persönliche schw. masc. mammôna, theils das deutsche unpersönliche fem. faíhu-þraíhna gesetzt). seit Luther hat sich das wort eingebürgert, ein übler, bald mehr bald weniger deutlich hervortretender beisinn ist bis auf heute geblieben, oft auch die persönliche bedeutung: mammons gut macht mut und übermut. Mathesius Sar. 37a; der mammon ist zur hülf kein nutz. Kirchhof wendunm. 5a; der mammon hat den schlüssel zu reicher leut geldkasten, und sie dörfen ihn nicht aufschlieszen, wann sie wollen, sondern wann der mammon wil. wem gönnt aber der mammon etwas? Schuppius 644;

verflucht sei mammon, wenn mit schätzen
er uns zu kühnen thaten regt,
wenn er zu müszigem ergetzen
die polster uns zurechte legt!
Göthe 12, 82;

und mit titel:

erleuchtet nicht zu diesem feste
herr Mammon prächtig den pallast? 206;

welche aber oft auch verblaszt: es ging halsbrechend fort (auf einer reise), und als ich auf der folgenden station bezahlen

[Bd. 12, Sp. 1520]


wollte, war der ganze beutel mit dem kupfer weg. ich war anfangs etwas grämlich und hatte einigen verdacht auf meine gesellschaft; als ich aber das grosze loch unten in der bastdecke fand, das mein wichtiger mammon geschlagen hatte, .. war ich schon zufrieden. Seume mein sommer 66;

der mammon macht in aller ohren
den schön- und angenehmsten klang.
Günther 172;

so kan ich wohl vor disz den kahlen mammon geben? 551;

die ihr aus dunklen grüften
den eitlen mammon grabt,
seht was ihr hier in lüften
für reiche schätze habt!
Brockes 2, 169;

hier ist so ein mittelgipfel,
wo man mit erstaunen sieht,
wie im berg der mammon glüht.
Göthe 12, 205.


 
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mammonist, m. mammonsdiener: zur schmach und schande allen mammonisten und bösen christen. Mathes. Sar. 50b; da redet Paulus (1 Tim. 5) nicht vornehmlich von der vorsorge des leibes, wie es die mammonisten heutigen tags auszlegen, welche ihren geiz und wucher damit färben. Schuppius 188.
 
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mammonsbesen, m.:

wenn ich nur mit dem mammonsbesen
nicht so gar merklich hett gekert.
B. Ringwald tr. Eck. G 5a.


 
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mammonsblech, n.:

mein herz, das fromme schaaf, nicht vom gemeinen haufen,
läszt niemals seinen trieb durch mammonsblech erkaufen.
Günther 475.


 
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mammonsdiener, m.: grosze herren und potentaten, und andere reiche leut und mammonsdiener. Schuppius 132. vgl. DWB mammonsknecht.
 
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mammonsdienst, m.
 
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mammonsknecht, m.:

nit gottes, aber mammonsknecht. trag. Joh. B 4;

damit entfährt der geist dem losen mammonsknechte.
Caniz 88 ('der tod des ungerechten geizhalses');

es wird Aurel, der nichts, als armuth, scheut,
zum mammonsknecht, zum Harpax unsrer zeit.
ihm ist der klang von vielen todten schätzen
ein saitenspiel, das zählen ein ergetzen.
Hagedorn 2, 69.


 
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mamsell, f. das franz. mademoiselle in volksmäsziger umformung, im vorigen jahrh. als bezeichnung und titel bürgerlicher unverheirateter aufgekommen: hatte ich nicht recht, mamsell? (eine kammerjungfer zu ihrer jungen herrin). Lessing 1, 384; die mamsell hat schon ein laufens, ein befehlens heut verführt, dasz es unleidlich war. Göthe 10, 177; sie sehen, dasz meine absichten auf mamsell Louisen ernsthaft sind. Schiller kab. u. liebe 1, 2; mamsell Millerin, sie haben einen falschen verdacht. 3, 6;

also erschrak auch Hans, da er plötzlich das wort von der hochzeit
hörte der lieben mamsell, die er oft auf den armen geschaukelt.
Voss Luise 3, 1, 536;

die mamsell dort drüben wird sich wundern.
Körner nachtwächter, 7. auftr.;

plur. die mamsellen, aber auch die mamsells: ich will nur gehen, und meinen mamsells den spasz erzählen. Lessing 1, 416; er .. lobte mich, dasz ich den mamsells einen spasz machen wolle; sie wären so brav und gut, besonders mamsell Riekchen. Göthe 25, 352. das wort ist heute, wo fräulein bezeichnung auch bürgerlicher unverheirateter geworden (th. 41, 89), nicht mehr genehm, und nur noch für höher stehende dienerinnen gebräuchlich, vergl. ladenmamsell, schneidermamsell, wirthschaftsmamsell, welche letztere auch wol schlechthin die mamsell genannt wird.
 
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mamsellchen, n. dim. des vorigen:

Narcisz dreht ihr den rücken zu,
und schreit ihr in die ohren:
mamsellchen, lasz sie mich in ruh,
sie hat hier nichts verloren.
Hölty 6 Halm.


 
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man, pron. der dritten person.
1) wie man aus der concreten bedeutung homo, zwar noch nicht im gothischen, wol aber in den dialekten vom ahd., alts., ags., altnord. ab, in die abstracte eines nicht näher bestimmten subjects übergeht, ein vorgang, dem die romanischen sprachen ähnliches, namentlich im franz. on, alt om, hom, zur seite setzen, ist gramm. 3, 6 fgg. 4, 220 fgg. ausführlich dargelegt. die alte concrete vorstellung schimmert öfter noch vor, weniger darin, dasz man in der schreibung im nhd. wie das sonst graphisch geschiedene mann behandelt wird:

fleiszig hat mann euch gefolgt in dem.
J. Ayrer fastn. sp. 105a (2866, 12 Keller; mann mit groszem anfangsbuchstaben);

[Bd. 12, Sp. 1521]


als vielmehr, indem man noch bisweilen mit genaueren bestimmungen des subjects in demselben satze tauschen kann (wie mhd. noch selbst der oder ein man in dem unbestimmten sinne von man steht, mhd. wb. 2, 1, 31b. Lexer 1, 2022, vergl. dazu auch jemand, niemand), mit er oder einer: dô engedrank man nie keinen wîn in dem klôster, er wære denne siech. von st. Martin 5, 30 Birlinger; so man einen menschen lobet, der on das geneiget ist z hoffart, da gibt einer im ursach, das üppigkeit in im ufgat. Keisersberg sünd. d. m. 32a;

des obʒes moht man eʒʒen
swie vil od swaʒ er wolde. Erec 8739;

wer viel wagt, kümmt üm viel. doch auch gewinnt man viel,
wer seine schanze setzt auf ein berühmtes spiel.
Fleming 133;

man verbindet sich in der älteren sprache bisweilen auch mit dem plural eines verbums: szo man den mastschwynen gersten malen. Michelsen Mainzer hof 37.
Formenrückgang zu men: ja lieben herrn, guth kortlingsbier schmeckt men zu solcher kirchmesse. Hildebrand volksl. 21 (v. j. 1492), hat die schriftsprache nicht weiter angenommen; in mundarten besteht theils mer (Ostmitteldeutschland, auch Baiern, wo bei mehr betonung selbst mier gesprochen wird Schm. 1, 1600 Fromm.), theils me, so namentlich im alemannischen gebiete:

me hackt, so lang der tag eim hilft,
me luegt nit um, und blibt nit stoh.
Hebel 1, 181.


2) man, seit der mhd. zeit im gebrauche nur auf den nominativ eingeschränkt, sagt ohne bezug auf ein bestimmtes subject im allgemeinen aus, was zugleich von mehreren gelten kann (gramm. 4, 220); bei dieser allgemeinheit ist eine mehrheit verstanden, man menschen, leute: und spricht man, er (der stein Panthera) hab sô vil tugent sô vil farb er hab. Megenberg 455, 28; do vorbot der keiszer, man sulde den gesten keine speisze verkouffen. Rothe dür. chron. 291, s. 223; weil dasselbe (regiment Moses) nur mit furcht göttlichs zorns, und der strafe die leute treibet, schrecket und plaget, das man für gott fleucht. Luther 7, 329b; man sagt, und ist kaum nicht war, das mehr Schweizer in Frankreich, als in jhrem land werden auferstehn. Garg. 27b; gleichwol wolte Paulus haben, man solte dem tyrannen unterthan, und gehorsam sein. Schuppius 385; leben sie wohl, wenn man anders im felde wohl leben kann. Gellert 4, 182; klagen, nichts als klagen! bittschriften, nichts als bittschriften! die traurigen geschäfte; und man beneidet uns noch! Lessing 2, 114; dasz man zu seinen (Rabeners) schilderungen musterbilder suchte und fand, war natürlich; dasz einzelne sich über ihn beschwerten, folgte daraus. Göthe 25, 75; unsere geschlossenen gesellschaften thaten ihre thüren vor ihm auf .. man hielt ihn für nichts besseres, als für ein stück honetten gauners und doch blickte man sehnsüchtig nach ihm aus, liesz er einmal auf sich warten. Immermann Münchh. 1, 167;

wo man zur freud zusamen kümpt,
frawen, jungfrawen, junge knaben.
B. Waldis Esop 4, 87, 37;

man zankt noch immer fort und fort,
es bleibet krieg an allem ort.
P. Gerhard 15, 17 Gödeke;

mit unrecht klagest du, treuherziger Aemil,
dasz man so selten nur auf deine worte bauen,
mit gleichem gleiches dir gar nicht vergelten will.
Lessing 1, 9;

da sieht man kein auge thränenleer,
und zum könige bringt man die wundermär.
Schiller bürgschaft v. 130;

wo man singet, lasz dich ruhig nieder,
ohne furcht, was man im lande glaubt;
wo man singet, wird kein mensch beraubt:
bösewichter haben keine lieder.
Seume ged. 148;

man sprach einmal von festgeläute,
man sprach von einem feuermeer.
Uhland ged. 92.


3) bei man ist auch ein einzelnes nicht bestimmtes subject ins auge gefaszt; man wie einer oder jemand, ohne dasz übrigens in allen fällen diese verwendung von der vorigen sich scharf trennen liesze: die nuʒ sind guot für die vergift, die man an kräutern iʒt oder an swämmen. Megenberg 334, 1; szo man die pferde beschlagen hott, sal er (der oberackermann) mit dem schmit aneschnyden (das kerbholz). Michelsen Mainzer hof 40; das ist kurz und rund unter die sünde beschlossen, das man nicht darf lange suchen und fragen, welche oder waserlei sünde in einem jeglichen zu strafen, oder wie viel und mancherlei sünde sein mögen. Luther 7, 184a; wie man gottselig leben, christlich regieren, land und leuten wol fürstehen soll (ein fürst nämlich). Zinkgref apophth. 1, 143; nun

[Bd. 12, Sp. 1522]


ja, ich habe sie zu lieben geglaubt! was glaubt man nicht alles! Lessing 2, 115; Just. vielleicht findet er, dasz ich ein ehrlicher kerl bin. Franc. o, man ist auch verzweifelt wenig, wenn man weiter nichts ist, als ehrlich. 1, 545; kommt man nun gar der höchst verdienstlichen übersetzung Shakespeares mit dem ausruf entgegen: von rechtswegen sollte man einen mann wie Shakespeare gar nicht übersetzt haben. Göthe 25, 92; es war immer ängstlich eine einladung zu seiner tafel anzunehmen, weil man nicht voraussehen konnte, welchen der ehrengäste er schonungslos zu behandeln zufällig geneigt sein möchte. 32, 35;

man glaubte ein donnerwetter rollen
zu hören, so schrie und knirscht er vor wuth.
Wieland 4, 49 (n. Amadis 2, 36);

welch eine figur! man könnte nichts zierlichers drechseln! 215 (9, 26);

wie schön er ist! man musz ihn gerne sehen! 10, 231;

das muntre hausgeflügel lärmt,
wenn man zum futter ruft.
Seume ged. 211;

wenn ich bedenke wie man wenig ist,
und was man ist das blieb man andern schuldig.
Göthe 9, 105.


4) man bezeichnet in bestimmterer weise ein subject, das nur seiner erscheinung und seinem wesen nach noch nicht bekannt ist, in formeln wie man kommt, man klopft u. ähnl., die nicht etwa dem franz. on vient, on frappe nachgebildet, sondern altes eigenes sprachgut sind:

jetzt klopft man, wer wil zu mir gan?
H. Sachs 3, 2, 147d;

häufig in der neueren sprache: es ist ein wagen vorgefahren; man pocht an die thüre, als wenn man sie einschlagen wollte. ich höre des grafen stimme. Göthe 14, 127; man pocht .. er ists! Lessing 1, 573; man kömmt. ruhig, alter knabe, ruhig! 2, 180; Karl. man kommt! La Roche. er ist es selbst. Schiller parasit 3, 1;

man kommt — hinweg! auf wiedersehen! Carlos 2, 4;

man pocht. sieh, wer es ist. Wallensteins tod 1, 1;

man naht. man kommt. bewaffnet volk erfüllt
den ganzen garten. Maria Stuart 3, 6;

auch sonst, näher an die vorige verwendung (nr. 3) rührend: in dem überrock hatte er ein zettelchen gefunden, worin man sich mit viel zärtlicher sorgfalt nach dem befinden eines oheims erkundigte. Göthe 19, 66.
5) man schlieszt in seiner unbestimmtheit ein bestimmtes subject mit ein.
a) ein ich, wenn dasselbe nicht ausdrücklich hervorgehoben, nicht von einer allgemeinheit oder unbestimmtheit völlig losgelöst werden soll: Papageno. sollte man übrigens in dieser wahrheitsliebenden gesellschaft die wahrheit sagen dürfen, so würde man bekennen, dasz man ein wenig aufgeschnitten hat. herr. nur ohne umstände. Papag. so würde ich sagen, dasz dieses unser ganzer reichthum sei. Göthe 11, 223; meine schwestern, indem sie ihre puppen aus- und ankleideten, erregten in mir den gedanken, meinen helden auch nach und nach bewegliche kleider zu verschaffen. man trennte ihnen die läppchen vom leibe, setzte sie, so gut man konnte, zusammen, sparte sich etwas geld, kaufte neues band und flittern, bettelte sich manches stückchen taft zusammen, und schaffte nach und nach eine theater-garderobe an. 18, 28; das universitätsgebäude (in Padua) hat mich mit aller seiner würde erschreckt. es ist mir lieb, dasz ich darin nichts zu lernen hatte. eine solche schulenge denkt man sich nicht, ob man gleich als studiosus deutscher akademien auf den hörbänken auch manches leiden müssen. 27, 90; was bedarf es einzelner beschreibungen, da man die hauptgebäude nach einander genannt wie sie in flammen aufgingen. 30, 322; durchlaucht dem herzog konnt ich am 24., als am tage, wo er nach Berlin reiste, für die bis zuletzt ununterbrochene sorgfalt mit erheitertem geiste danken: denn an diesem tage hatte sich das auge wieder geöffnet, und man durfte hoffen, frei und vollständig abermals in die welt zu schauen. 31, 91; zu fernerer vergleichung liesz man den groszen ausgewachsenen elephanten-schädel des museums gleichfalls zeichnen. 55, 167; da man nun hiezu die gemachten und zu machenden beobachtungen in einiger ordnung aufzuzeichnen gedachte, .. hat man eine tabelle nach obgedachtem schema entworfen und sie mit sich auf reisen geführt. 178 (und oft); häufig in wendungen der gewöhnlichen sprache: man hilft sich, wie man kann; man nimmt es wo mans findet, sagt der resolute; man macht mit euch keine umstände; da fragt man

[Bd. 12, Sp. 1523]


nicht lange, da geht man vorwärts u. ähnl.; oberst. gehorchen sie! graf. es ist mir unmöglich! oberst. so wird man sies lehren. Göthe 14, 247; aber .. man setzt dergleichen mit den menschen nicht durch, denn man ist immer nur éiner und sie sind viele. Immermann Münchh. 4, 23;

und man thet dir auch nicht unrecht,
dasz man die wahrheit von dir brecht,
und steket in die keichen dich (der graf zu seinem diener).
J. Ayrer fastn. sp. 105a (2865, 12 Keller);

und, wenn man fragen darf, herr ritter, beläuft sich die zahl
der bildnisse hoch?
Wieland 4, 32 (n. Amadis 2, 13);

man musz sich (sprach sie, und dachte in diesem stücke klug)
zumahl auf reisen mit dem, was dá ist, amüsieren. 5, 127 (16, 23);

die flügel zwar, spricht er, die schaffen keinen nutzen;
doch die kann man ja binden oder stutzen.
Schiller Pegasus im joche;

o warum ist man kind! warum entfernt
zur zeit, wo solche hülfe nöthig ist!
Göthe 10, 20;

ja, wenn mans nicht ein biszchen tiefer wüszte. 12, 158;

Ruprecht. das ist gelogen,
herr richter. Adam. schweig er, bis man ihn fragen wird.
H. v. Kleist zerbr. krug, 7. auftr.;

ebenso ein wir: und verantwurtend ir iwch deʒ nicht vor uns auf dem landfrid tz Augspurg, der da sin sol auf nun den nehsten sant Laurenzen tag, mant richt darumb tz iw alʒ der lantfrid stat. d. städtechr. 4, 189, 7 (v. j. 1393); man darf nur an das denken, was ein brief ist: so wird man sich diese fragen leicht beantworten können. man darf nur an die ordnung denken, die man beobachtet, wenn man im umgange von solchen dingen spricht, die man in einem briefe vortragen will. Gellert 4, 36; man spielte zusammen weiter fort (wir kinder). Göthe 24, 107; die geselligen persönlichkeiten in Carlsbad hatten diesen sommer für mich ein ganz ander wesen .. man hatte sich so oft gesehen, an derselben stelle, in denselben verbindungen, man hatte sich in seiner art und weise immer als dieselbigen gefunden; es war als hätte man viele jahre mit einander gelebt, man vertraute einander ohne sich eigentlich zu kennen. 32, 32; die den reisenden zugemessene zeit war zu kurz, als dasz man von allem bedeutenden hätte völlige kenntnis nehmen können; jedoch versäumte man nicht, den herrn domvicarius Hardy zu besuchen. 43, 323; wenn Haller den tod seiner gattin betrauert (man kennt das schöne lied). Schiller hist.-krit. ausg. 10, 469;

ein groszer herre, wie man weiszt,
ist nicht wie unser einer. 3, 170;

und dieses versteckte ich oder wir wechselt wol selbst in demselben satze mit man: man weigert sich anfänglich, man stellt sich aber so dabei an, dasz man sich so viel blosz giebt, man könne unsers herzens versichert sein; wir widersetzen der ehre halber uns mit dem munde unserm eignen verlangen. der mucker oder Molierens scheinheil. betrüger Tartüffe (Breslau 1748) s. 89 (ähnlich im franz. originale, Tart. 4, 5); es ist immer eine resolution als wie wenn man ins kalte wasser soll, ehe ich die feder nehmen mag, zu schreiben. Göthe 16, 245; man frage sich, ob nicht ein jedes fremde, aus seiner umgebung gerissene geschöpf einen gewissen ängstlichen eindruck auf uns macht. 17, 292; ob uns gleich die eltern so viel als möglich zurück hielten, so muszte man doch bei hof, wo ich eingeführt war, erscheinen. 19, 274;

scufzen wir, indem wir leben;
wird uns, durch den tod, ein mittel gegen alle noth gegeben:
so umarmt man die von uns stets gescholtne welt von neuen.
Brockes 9, 577;

da der kerker sich eröffnet, warum faszt man nicht den schlusz,
ihn mit freuden zu verlassen? warum lassen wir uns doch
wider willen aus ihm reiszen? weil wir, leider! unser joch,
unsre plag- und ketten lieben: und, durch meinungen verführt,
deren falschheit wir doch kennen, man sich mehrentheils vergnüget,
dasz wir andere betriegen, oder dasz man uns betrieget. 578;

dabei ists eine himmlisch schöne sache
um einen rechten braven herzensfreund,
der, ist man fröhlich, wacker mit uns lache,
und ehrlich weine, so man selber weint.
Bürger 19a.


b) man, ein persönliches pronomen der dritten person im sing. oder plur. verhüllend: ich weisz nicht, wie ich es wagen konnte ... auf einmal ihre hand zu fassen, diese zarte hand zu küssen, sie an mein herz zu drücken. man zog sie nicht weg. Göthe 22, 62; ich spielte den narren (als clavierlehrer einer jungen dame), man hörte mich an, man lachte, man rief: er ist doch immer allerliebst. unterdessen hatte man das notenbuch unter einem sessel gefunden .. nun setzte

[Bd. 12, Sp. 1524]


sich das schöne kind ans clavier. 36, 46; und doch! doch! .. wenn himmel und erde, wenn schöpfung und schöpfer zusammenträten, für ihre unschuld bürgten, es ist ihre hand — ein unerhörter, ungeheurer betrug, wie die menschheit noch keinen erlebte! das also wars, warum man sich so beharrlich der flucht widersetzte! darum .. gab man seinen anspruch auf meine liebe mit so viel heldenmuth auf! Schiller kab. u. liebe 4, 2;

nun musz sich ohne verzug
was füsze hat eilig aufs suchen begeben.
wohl fünfzig mohren durchirren mit brennenden fackeln den wald;
man ruft, dasz felsen und wipfel erbeben.
Wieland 4, 105 (n. Amadis 5, 2);

man langet an, man steigt
vom pferd, und gleich im ersten entgegengehen,
ist beiden, sie hätten einander schon irgendwo gesehen. 5, 56 (13, 28);

weil er nunmehr die freier gestraft, der edle Odysseus,
schwöre man heiligen bund; er bleib ihr könig auf immer! Odyss. 24, 483;

und so namentlich auch, wenn man in unbestimmter weise auf eine oder mehrere zu einer handlung zuständige personen hinweist: man hat ihn gestern verhaftet (das gericht); man hat ihn für mundtodt erklärt; Fiesko. man wird dich peinlich verhören. mohr. ich bekenne dann oder läugne? Fiesko. läugnest. man wird dich auf die tortur schrauben. Schiller Fiesko 2, 9;

weil ich streit
und fehden jeder art, auf hundert meilen weit,
von ganzem herzen, so sehr wie Sancho Pansa, hasse,
man streite nun im ernst, um köpfe, oder zum spasze.
Wieland 5, 104 (n. Amadis 15, 31);

der Lebrecht, den man kürzlich losgesprochen.
H. v. Kleist zerbr. krug, 7. auftr.;

in solchen fällen kann für man auch der plur. sie stehen.
c) das unbestimmte man kann endlich auch in ein ihr der anrede umschlagen: man hält sie dieser entschlieszung nicht fähig, weil ihr sie habt zaudern, weil ihr sie habt zurücktreten sehn. Göthe 8, 218;

doch dieser lächelnden ist gar nicht zu entgehn!
man hielte sie, so obenhin besehn,
für minder schön; allein beim zweiten blicke
ist euer herz schon weg, ihr wiszt nicht wie,
und hohlt mirs, wenn ihr könnt, zurücke!
Wieland 10, 181;

in ein ihr und wir: ferner sieht man seitwärts mauern angeschlossen und zwinger terrassenmäszig herab sich streckend .. wo ihr euch an den mauern andrängt stellt sich der glatte ahorn, die rauhe eiche, die schlanke fichte mit schaft und wurzeln entgegen, um diese müssen wir uns herumschlängeln und unsere fuszpfade verständig führen. Göthe 15, 303.
6) man für das pronomen der zweiten person in fragender und mahnender anrede: Olivier sagte, liebster hr. bruder Eckarth, er verzeihe, dasz ich fragen mag, wo hält man sich denn anjetzo auf? Eckarth antwortete in Salina, sonsten hab ich ein gütlein .. gekauft. unwürd. doctor 398; später nur noch in strafendem oder hochmüthigem tone: verspracht ihr mir nicht heilig ihr wolltet auf eurem posten bleiben? graf! graf! man wollte sich klug betragen. Göthe 11, 82; musz ich auch hier belästigt werden? was will man von mir? Schiller parasit 1, 7;

die mutter liesz einen pfaffen kommen;
der hatte kaum den spasz vernommen,
liesz sich den anblick wohl behagen.
er sprach: so ist man recht gesinnt!
wer überwindet der gewinnt.
Göthe 12, 145;

so vielfach im gemeinen leben: man schweige!; man höre auf das was ich sage!, alem. los-men-au! man höre! Seiler 205a; im verhörstone der polizei wird dieses man besonders gepflegt: wer ist man? was will man hier? wo hat man sich bisher aufgehalten? u. ähnl.
 
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man, adv. nur, ein niederdeutsches wort, mnd. men und man (Schiller-Lübben 3, 62b fg.), dem mhd. wan entsprechend, einigemal von schriftstellern niederdeutscher heimat in die schriftsprache herübergenommen: das kann ich man eben nicht so recht begreifen. Claudius 1, 132; ich rief dem obersten aus der thür entgegen, er möchte man herein kommen. Varnhagen Blücher 28;

doch weil man diese rüben gar dünn gesäet sind.
Doman in
Morhofs unterr. 355.