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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
mamme bis mamsell (Bd. 12, Sp. 1519 bis 1520)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) mamme, f. brust, mutterbrust, euter: dem kind die dutten oder mammen zucken. S. Frank sprichw. 2, 82a; mamm, fem., uber, mamma, dütte, zitze. Schottel 1361; mamme Stieler 40, vgl. oben unter mama; niederl. mamme, borste, mamma, mammilla, uber Kilian; auch als mämm: so ist ihr hals ja schier so weisz als eine gestandene saurmilch, und ihre brüstlein, die darunter ligen, sein von gleicher farbe und ohn zweifel so hart anzugreifen wie ein gaisz mämm, die von übriger milch strotzt. Simpl. 1, 144 Kurz. es ist ein weitverbreitetes altes kinderwort, dessen lippenlaute das saugen malen, daher auch mit der bedeutung des getränkes für kinder, z. b. schweiz. mämma, das mämmi, mammeli saugglas für kinder Tobler 310b; mämm-mämm, mämmi, mämmeli getränkchen der unmündigen kinder Stalder 2, 194 (vgl. auch oben mammkändlein und nachher mämmeln). s. weiteres unter memme.
 
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mammeln, verb. murmeln: under des kam sein horasbetter und tonsurat an statt, ... mit demselben mammelt und mummelt er alle seine kirchen lös uns (kyrie eleison). Garg. 162b. es steht ablautend zu mummeln, s. d., und vgl. das folgende mämmeln.
 
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mämmeln, verb. ein wenig trinken, im trinken läppern: subbibo ich trink ein wenig, mämmele. Dasyp.; in zimlicher weise trinken, mämmeln, subbibere Calepin. (1570) 1475; schweiz. mämmelen und mammen, gern trinken, sichs dabei behagen lassen. Stalder 2, 195; kärntnisch ammeln und mammeln, dem kinde die brust reichen, es ätzen Lexer 6; bair. aber ist memmeln und memmezen ausdruck für das oft wiederholte bewegen der lippen, besonders beim kauen, wiederkauen, leise sprechen u. s. f.: der has, der künighas memmelt. der alte hat das maul voll brod und memmelt ... wer seinen unmuth nicht laut auslassen darf, macht sich mindestens durch memmeln luft. Schm. 1, 1598 Fromm., was zu ahd. lefs-mammalôt balbutit (Graff 2, 728) stimmt und sich mit dem vorhergehenden mammeln berührt; vgl. auch DWB mummeln.
 
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mammon, m. reichthum, geld und gut. das mehrmals im neuen testament erscheinende chaldäische wort mâmôn und mammôn, welches, weil es eine personification des reichthums bezeichnet, im griechischen urtext wie in der vulgata in der chaldäischen form geblieben, hat auch Luther unübertragen gelassen: jr könnt nicht gott dienen, und dem mammon (μαμων). Matth. 6, 24, ähnl. Luc. 16, 13; ich sage euch auch, machet euch freunde mit dem ungerechten mammon (ἐκ τοῦ μαμωνᾶ τῆς ἀδικίας). Luc. 16, 9; so jr nu in dem unrechten mammon (ἐν τῷ ἀδίκω μαμων) nicht trew seid, wer wil euch das warhaftige vertrawen? 11; während früher Behaims evangelienbuch es verdeutschte: ir mget gote niht gedienen und dem girgûte. Matth. 6, 24 u. ähnl., ebenso Luc. 16, 9. 11. 13 (sonst wurde es auch anders gegeben: mammon, mamon schacztewfel, dʒ gutis dufel Dief. 345c, mit hervorhebung des ursprünglichen persönlichen begriffes; Ulfilas hatte theils das fremde persönliche schw. masc. mammôna, theils das deutsche unpersönliche fem. faíhu-þraíhna gesetzt). seit Luther hat sich das wort eingebürgert, ein übler, bald mehr bald weniger deutlich hervortretender beisinn ist bis auf heute geblieben, oft auch die persönliche bedeutung: mammons gut macht mut und übermut. Mathesius Sar. 37a; der mammon ist zur hülf kein nutz. Kirchhof wendunm. 5a; der mammon hat den schlüssel zu reicher leut geldkasten, und sie dörfen ihn nicht aufschlieszen, wann sie wollen, sondern wann der mammon wil. wem gönnt aber der mammon etwas? Schuppius 644;

verflucht sei mammon, wenn mit schätzen
er uns zu kühnen thaten regt,
wenn er zu müszigem ergetzen
die polster uns zurechte legt!
Göthe 12, 82;

und mit titel:

erleuchtet nicht zu diesem feste
herr Mammon prächtig den pallast? 206;

welche aber oft auch verblaszt: es ging halsbrechend fort (auf einer reise), und als ich auf der folgenden station bezahlen

[Bd. 12, Sp. 1520]


wollte, war der ganze beutel mit dem kupfer weg. ich war anfangs etwas grämlich und hatte einigen verdacht auf meine gesellschaft; als ich aber das grosze loch unten in der bastdecke fand, das mein wichtiger mammon geschlagen hatte, .. war ich schon zufrieden. Seume mein sommer 66;

der mammon macht in aller ohren
den schön- und angenehmsten klang.
Günther 172;

so kan ich wohl vor disz den kahlen mammon geben? 551;

die ihr aus dunklen grüften
den eitlen mammon grabt,
seht was ihr hier in lüften
für reiche schätze habt!
Brockes 2, 169;

hier ist so ein mittelgipfel,
wo man mit erstaunen sieht,
wie im berg der mammon glüht.
Göthe 12, 205.


 
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mammonist, m. mammonsdiener: zur schmach und schande allen mammonisten und bösen christen. Mathes. Sar. 50b; da redet Paulus (1 Tim. 5) nicht vornehmlich von der vorsorge des leibes, wie es die mammonisten heutigen tags auszlegen, welche ihren geiz und wucher damit färben. Schuppius 188.
 
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mammonsbesen, m.:

wenn ich nur mit dem mammonsbesen
nicht so gar merklich hett gekert.
B. Ringwald tr. Eck. G 5a.


 
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mammonsblech, n.:

mein herz, das fromme schaaf, nicht vom gemeinen haufen,
läszt niemals seinen trieb durch mammonsblech erkaufen.
Günther 475.


 
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mammonsdiener, m.: grosze herren und potentaten, und andere reiche leut und mammonsdiener. Schuppius 132. vgl. DWB mammonsknecht.
 
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mammonsdienst, m.
 
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mammonsknecht, m.:

nit gottes, aber mammonsknecht. trag. Joh. B 4;

damit entfährt der geist dem losen mammonsknechte.
Caniz 88 ('der tod des ungerechten geizhalses');

es wird Aurel, der nichts, als armuth, scheut,
zum mammonsknecht, zum Harpax unsrer zeit.
ihm ist der klang von vielen todten schätzen
ein saitenspiel, das zählen ein ergetzen.
Hagedorn 2, 69.


 
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mamsell, f. das franz. mademoiselle in volksmäsziger umformung, im vorigen jahrh. als bezeichnung und titel bürgerlicher unverheirateter aufgekommen: hatte ich nicht recht, mamsell? (eine kammerjungfer zu ihrer jungen herrin). Lessing 1, 384; die mamsell hat schon ein laufens, ein befehlens heut verführt, dasz es unleidlich war. Göthe 10, 177; sie sehen, dasz meine absichten auf mamsell Louisen ernsthaft sind. Schiller kab. u. liebe 1, 2; mamsell Millerin, sie haben einen falschen verdacht. 3, 6;

also erschrak auch Hans, da er plötzlich das wort von der hochzeit
hörte der lieben mamsell, die er oft auf den armen geschaukelt.
Voss Luise 3, 1, 536;

die mamsell dort drüben wird sich wundern.
Körner nachtwächter, 7. auftr.;

plur. die mamsellen, aber auch die mamsells: ich will nur gehen, und meinen mamsells den spasz erzählen. Lessing 1, 416; er .. lobte mich, dasz ich den mamsells einen spasz machen wolle; sie wären so brav und gut, besonders mamsell Riekchen. Göthe 25, 352. das wort ist heute, wo fräulein bezeichnung auch bürgerlicher unverheirateter geworden (th. 41, 89), nicht mehr genehm, und nur noch für höher stehende dienerinnen gebräuchlich, vergl. ladenmamsell, schneidermamsell, wirthschaftsmamsell, welche letztere auch wol schlechthin die mamsell genannt wird.