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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
mama bis mammonist (Bd. 12, Sp. 1517 bis 1520)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) mama, f. schmeichelname für die mutter, aus dem franz. maman, das hier im 17. jahrh. aus der kindersprache in die sprache der eleganten welt vorzudringen scheint (vergl. Littré 2, 413b), herübergenommen, und demzufolge in der fremden betonung mamá geblieben: der garstige mann sagte, mama und wir müszten da bleiben (ein kind spricht). Klinger Otto 16, 15; da der vornehme schulmann sie .. zärtlich auf die nackte stirn küszte und gar mama sagte, — welcher name sich an sie so weich anlegte, wie ein herzkissen. J. Paul Qu. Fixlein 69; grüsze mama und die andern alle herzlich von mir. Hölty 239 Halm; mama bittet um übersendung der rechnung. 258;

als mich die mama
Hänschen küssen sah,
strafte sie mich ab.
Hagedorn 3, 71;

sein hocherleuchteter papa
pflag ihn oft selbst zu wiegen;
die tugendvolle frau mama
erzog ihn mit vergnügen. 112;

und fräulein Kolifischon macht uns mit vielem geräusche
das schooszkind der gnädgen mama durch launen und übermuth
kund.
Wieland 4, 11 (n. Amadis 1, 11);

empfindung gibt den ton auf unsrer kleinen bühne,
mama natur den unterricht.
Gotter 1, 77;

wen zur oekonomie
mama natur berief, ihn oder sie. 290;

wenn ich mal ungeduldig werde,
denk ich an die geduld der erde,
die, wie man sagt, sich täglich dreht
und jährlich so wie jährlich geht.
bin ich denn für was anders da?
ich folge der lieben frau mama.
Göthe 2, 306;

da hört ich, er habe vom lieben papa
und eben so von der frau mama
die allerschönsten rittergüter. 217;

nehmen sie mirs nicht übel, mama hat die löffel vergessen.
Voss Luise 1, 347.

die deutsche betonung máma, die jetzt öfter gehört wird, schlieszt sich an mundartliche formen an: schweiz. mamme, mammeli Seiler 202b, kärntn. mamme Lexer 185, niederd. mamme, mömme mutter Fromm. 6, 355; rhein. und westerwäldisch mamme

[Bd. 12, Sp. 1518]


Kehrein 271; formen die wol eben so wie das vornehmere mama entlehnt und mit dem unten folgenden mamme brust, euter nicht gleich sind. diese mundartliche betonung und zugleich die angegebene beziehung deutet durch die schreibung Stieler 40 an: mamme et mamma, non solum matrem et nutricem, verum etiam ubera significat; während Frisch 1, 638a nur in der schreibung stimmt: mamma, ein kindischer muttername, von fremden sprachen angenommen; vgl. auch niederl. mamme, mammeken, memme, memmeken, mater, nutrix, vulgo mamma Kilian. in gleicher weise hat sich das aus dem franz. übernommene papa gespalten: vornehm mit fremder betonung papá, volksmäszig pappe:

lieber pappe, ich helfe dich.
Göthe 13, 149.


 
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mamachen, n. kosend für mama:

kam mein mamachen nicht dazu,
so wars um mich geschehen!
Gleim 1, 220;

dann plagt ein mürrischer pedant
dein köpfchen mit latein,
so sehr mamachen auf ihn schmält,
bis in die nacht hinein.
Hölty 122 Halm.


 
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mameluck, m. abtrünniger: mammeluk defector Schottel 1361; mameluk, .. abtrünnig von der religion, oder von der liebe zum vaterland. Frisch 1, 638a. das arabische wort (mamlûk, sclave, leibwache aus circassischen und mingrelischen jungen sclaven bei den ägyptischen sultanen, vergl. Dozy Oosterlingen s. 61), ist wol über Italien (wo es als mammalucco aufgenommen) zu uns gekommen, zunächst in dem beschränkten gebrauche des ursprünglichen sinnes: deser duytzsche mammeloicke, Conrat geheischen, van Basel geboeren (in Ägypten). Harff 156, 22; gleich wie der Türke auch gleubt und helt, er müsse der welt herr sein, und mit seinen mahmetisten und mamelucken, in gold und silber gekleidet, daher prangen. Luther 8, 200b; erlangt aber seit dem 16. jahrh. allgemeinere bedeutung und grosze verbreitung: und so sich befind, dasz er durch einige gonst, mit gift oder gab, oder mit sonst ungepürlichen practichen darzu kommen ist (der papst zur wahl), so soll er nit allein verbant sein, sonder auch für ein ehrlosen ketzer und mamelucken oder apostatam gehalten werden. Fischart bienk. 45a;

erstlich so war der Lucifer
von got geschaffen ein engel zart,
der bald zum mamelucken wart,
und tet sich über got erheben.
B. Krüger in Tittmanns schausp. a. d. 16. jahrh. 2, 117, 356;

und (Christus) dich hinwider als ein hirt
für seinem gott bekennen wird,
wann er die losen mammeluckn
erschrecklich wird zusammen druckn,
die ihn aus lieb der menschen gabn,
in dieser welt verleugnet habn.
B. Ringwald l. w. 54;

hierauf so gehn wir unerschrockn
an diese lose mameluckn.
Wackernagel kirchenl. 4, nr. 1507, 28;

mamelucken allerlei,
welche wol heisen teufels lucken,
weil sie gar wol sein art ausztrucken.
Fischart jesuiterhütlein 950;

das richtet uns (teufeln) der Paulus an,
der mammeluck, der lose held.
Dedekind christl. ritter (1590) 49b;

wie nun der liebe brand
bei überschneiten jahren
gehalten wird vor einen übelstand:
so ist bei grünen jahren
nicht lieben, der natur ein mameluk zu sein,
und wider ihr gebot sich freventlich zu setzen.
Hofmannswaldau getr. schäfer 7;

man will dich der natur zum mammelucken machen. heldenbriefe 141;

dasz mich solche lust beseelt,
die kein wechsel eitler sachen
kan zu mammelucken machen.
Menantes gal. ged. (1704) 51;

ja, du schimpfierest deinen orden,
und bist zum mammelucken worden. 271;

es war der schönste zug, der einen wackern, frommen,
groszherzgen mann von adlichem gemüth
von einem mammeluck und heiden unterschied.
Wieland 21, 241.

auf dem Westerwalde ist mameluck ein heimtückischer, verschlossener mensch. Kehrein 271.
 
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mameluckenname, m.: besonders hatte sein hasz den general Murat recht herzlich gefaszt, von dessen schamlosen erpressungen er zähneknirschend sprach, und der schon durch seinen mameluckennamen allen kredit bei ihm verloren hatte. Seume spazierg. 1, 109.

[Bd. 12, Sp. 1519]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) mameluckin, f.:

last die natur doch nicht zur mameluckin werden.
Hofmannswaldau begräbnisged. 68.


 
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mammkändlein, n. kleine flasche mit einer zinnernen saugvorrichtung, die mutterbrust bei säuglingen ersetzend:

ein schrepfhörnlein und scherlein fein,
ein mistgabel und mamkändlein,
ein apoteckers püxs so frei (zeichen im kalender für die an gewissen tagen vorzunehmenden verrichtungen; hier gut kinderentwöhnen bedeutend). ganszkönig D 5a.


 
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mamme, f. brust, mutterbrust, euter: dem kind die dutten oder mammen zucken. S. Frank sprichw. 2, 82a; mamm, fem., uber, mamma, dütte, zitze. Schottel 1361; mamme Stieler 40, vgl. oben unter mama; niederl. mamme, borste, mamma, mammilla, uber Kilian; auch als mämm: so ist ihr hals ja schier so weisz als eine gestandene saurmilch, und ihre brüstlein, die darunter ligen, sein von gleicher farbe und ohn zweifel so hart anzugreifen wie ein gaisz mämm, die von übriger milch strotzt. Simpl. 1, 144 Kurz. es ist ein weitverbreitetes altes kinderwort, dessen lippenlaute das saugen malen, daher auch mit der bedeutung des getränkes für kinder, z. b. schweiz. mämma, das mämmi, mammeli saugglas für kinder Tobler 310b; mämm-mämm, mämmi, mämmeli getränkchen der unmündigen kinder Stalder 2, 194 (vgl. auch oben mammkändlein und nachher mämmeln). s. weiteres unter memme.
 
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mammeln, verb. murmeln: under des kam sein horasbetter und tonsurat an statt, ... mit demselben mammelt und mummelt er alle seine kirchen lös uns (kyrie eleison). Garg. 162b. es steht ablautend zu mummeln, s. d., und vgl. das folgende mämmeln.
 
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mämmeln, verb. ein wenig trinken, im trinken läppern: subbibo ich trink ein wenig, mämmele. Dasyp.; in zimlicher weise trinken, mämmeln, subbibere Calepin. (1570) 1475; schweiz. mämmelen und mammen, gern trinken, sichs dabei behagen lassen. Stalder 2, 195; kärntnisch ammeln und mammeln, dem kinde die brust reichen, es ätzen Lexer 6; bair. aber ist memmeln und memmezen ausdruck für das oft wiederholte bewegen der lippen, besonders beim kauen, wiederkauen, leise sprechen u. s. f.: der has, der künighas memmelt. der alte hat das maul voll brod und memmelt ... wer seinen unmuth nicht laut auslassen darf, macht sich mindestens durch memmeln luft. Schm. 1, 1598 Fromm., was zu ahd. lefs-mammalôt balbutit (Graff 2, 728) stimmt und sich mit dem vorhergehenden mammeln berührt; vgl. auch DWB mummeln.
 
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mammon, m. reichthum, geld und gut. das mehrmals im neuen testament erscheinende chaldäische wort mâmôn und mammôn, welches, weil es eine personification des reichthums bezeichnet, im griechischen urtext wie in der vulgata in der chaldäischen form geblieben, hat auch Luther unübertragen gelassen: jr könnt nicht gott dienen, und dem mammon (μαμων). Matth. 6, 24, ähnl. Luc. 16, 13; ich sage euch auch, machet euch freunde mit dem ungerechten mammon (ἐκ τοῦ μαμωνᾶ τῆς ἀδικίας). Luc. 16, 9; so jr nu in dem unrechten mammon (ἐν τῷ ἀδίκω μαμων) nicht trew seid, wer wil euch das warhaftige vertrawen? 11; während früher Behaims evangelienbuch es verdeutschte: ir mget gote niht gedienen und dem girgûte. Matth. 6, 24 u. ähnl., ebenso Luc. 16, 9. 11. 13 (sonst wurde es auch anders gegeben: mammon, mamon schacztewfel, dʒ gutis dufel Dief. 345c, mit hervorhebung des ursprünglichen persönlichen begriffes; Ulfilas hatte theils das fremde persönliche schw. masc. mammôna, theils das deutsche unpersönliche fem. faíhu-þraíhna gesetzt). seit Luther hat sich das wort eingebürgert, ein übler, bald mehr bald weniger deutlich hervortretender beisinn ist bis auf heute geblieben, oft auch die persönliche bedeutung: mammons gut macht mut und übermut. Mathesius Sar. 37a; der mammon ist zur hülf kein nutz. Kirchhof wendunm. 5a; der mammon hat den schlüssel zu reicher leut geldkasten, und sie dörfen ihn nicht aufschlieszen, wann sie wollen, sondern wann der mammon wil. wem gönnt aber der mammon etwas? Schuppius 644;

verflucht sei mammon, wenn mit schätzen
er uns zu kühnen thaten regt,
wenn er zu müszigem ergetzen
die polster uns zurechte legt!
Göthe 12, 82;

und mit titel:

erleuchtet nicht zu diesem feste
herr Mammon prächtig den pallast? 206;

welche aber oft auch verblaszt: es ging halsbrechend fort (auf einer reise), und als ich auf der folgenden station bezahlen

[Bd. 12, Sp. 1520]


wollte, war der ganze beutel mit dem kupfer weg. ich war anfangs etwas grämlich und hatte einigen verdacht auf meine gesellschaft; als ich aber das grosze loch unten in der bastdecke fand, das mein wichtiger mammon geschlagen hatte, .. war ich schon zufrieden. Seume mein sommer 66;

der mammon macht in aller ohren
den schön- und angenehmsten klang.
Günther 172;

so kan ich wohl vor disz den kahlen mammon geben? 551;

die ihr aus dunklen grüften
den eitlen mammon grabt,
seht was ihr hier in lüften
für reiche schätze habt!
Brockes 2, 169;

hier ist so ein mittelgipfel,
wo man mit erstaunen sieht,
wie im berg der mammon glüht.
Göthe 12, 205.


 
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mammonist, m. mammonsdiener: zur schmach und schande allen mammonisten und bösen christen. Mathes. Sar. 50b; da redet Paulus (1 Tim. 5) nicht vornehmlich von der vorsorge des leibes, wie es die mammonisten heutigen tags auszlegen, welche ihren geiz und wucher damit färben. Schuppius 188.