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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
malvasier bis malz (Bd. 12, Sp. 1512 bis 1514)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) malvasier, m.
1) griechischer wein, zufrühest aus der gegend von Napoli di Malvasia auf Morea, sodann auch von inseln des griechischen archipels und endlich selbst aus Sicilien importiert, als eine der edelsten sorten gepriesen; in verschiedenen leicht abweichenden formen des namens: malmasia, malfesya, malfesetum, malvaticum edel win, malmasie, malmasy, malmasier, malmatier, malmesie, malfeseyer, malfasyer Dief. 345a; vinum malmasinum, malmasetum, malvaticum malmasier, malvasier, malvoschy. 620c; von denen malfasier und malmasier im 14. bis 16. jahrh. besonders gebräuchlich sind: man sol ouch den kriechel und rômâner (zwei fremde weine) schenken ein ganzeʒ trinken umb zwêne zweinziger und ein halbeʒ trinken umb einen zweinziger, und malfasier ein trinken umb drî zweinziger und ein halbeʒ trinken umb anderhalben zweinziger. Meraner stadtrecht in Haupts ztschr. 6, 417; wie ein köpflin malfasyer das in ein vasz mit wein gelossen würt, das sich selbs verlürt, und würt zu wyn recht und redlich. Keisersberg post. 2, 67a; und nymt aber einen leimen klotzen, und macht dar usz ein rein lustlich trinkgeschirr, darin man malmasier und lutertrank der ewigen seligkeit in sol thn, das ist, er ordnet disen menschen z ewiger seligkeit.

[Bd. 12, Sp. 1513]


bilg. 78c; gleich als wenn man malmasier unter wenig wasser gösse, da ist wasser, aber so gar zu malmasier worden, das (dasz es) nicht mehr geschmeckt wird. Luther 3, 493b; was were aller wein und malmasier in aller welt, wenn wir solten einen tag wassers mangeln? 5, 44b; malmasy und ander wein, den man unserm herren dem künige und den fürsten .. zu liebung geben hat. d. städtechr. 2, 10, anm. 7;

muscatell und auch malmasier
das trink ich für saurs pier. fastn. sp. 726, 4;

das ich und darzu jr all drei
morgen zu nacht in meinem hausz
wollen wol leben in dem sausz!
da wöll wir malmasier zugieszen.
H. Sachs fastn. sp. 2, 46, 257 Götze;

später nur noch malvasier: malvasier, vinum Creticum, vinum Arvisium Hederich 1570; in Katalonien nahe bei Sitgis, einer kleinen stadt, wächst eine gattung weintrauben, die einen vortrefflichen malvasier giebt. Jacobsson 3, 11b;

da funden wir gut gepraten hasen,
gute forhen und gute esch,
und ausz dermaszen gut genesch:
reinfal, pinol und malvasier,
vernetz, welschwein und rumenier.
H. Sachs fastn. sp. 1, 73, 121 Götze;

da halten wir heint gros gasterei,
hecht, forhen wir peraiten lasen (lassen),
vögl, capaune, rephnr und hasen,
und drinken darzw malvasier. 2, 34, 241.


2) malvasier, auch hammelshoden, eine traubenart von groszen schwarzen guten beeren, die einen leichten gesindewein geben. Nemnich.
3) malvasier nennen östreichische vogelsteller den finken nach einer besondern art seines schlages. Nemnich 2, 1657.
 
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malvasierbirne, f. eine birnenart, auch apothekerbirne. Nemnich.
 
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malvasiertraube, f. eine traubenart. Jacobsson 8, 173. vgl. malvasier 2.
 
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malve, f. die pflanze malva, deutsch pappel (s. d.); der lateinische name hat sich seit dem 18. jahrh. eingebürgert: die pappel-stöcke ... dieses gewächse ist unter seinem lateinischen nahmen malva bei denen gartenliebhabern fast mehr bekannt als unter diesen. öcon. lex. 1816; ich sagte zu ihm, der mensch müszte sich wie die blätter der groszen malve, in den verschiednen tagzeiten seines lebens, bald nach morgen bald nach abend richten. J. Paul Qu. Fixl. 196;

mir sind cichorien, mir sind des ölbaums früchte
und leichte malven stets vergnügende gerichte.
Hagedorn 3, 25 (nach Horaz 1, 31);

und in der malve, die dort blühend steht,
erkenn ich froh des herbstes klare nähe.
Körner Rosamunde 3, 10;

wieder hab ich dich gesehen,
blasse malve! blühst du schon? ..
bist du doch des herbstes rose.
Uhland ged. 54.


 
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malvenartig, adj. malvaceus; in der botanik von einem besonderen bau der blumenkronen.
 
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malvenbaum, m. lavatera arborea, ein malvenartiger strauch. Nemnich 3, 348.
 
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malvenfalter, m. papilio malvae.
 
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malvenstockrose, f. alcea rosea, malva hortensis. Nemnich 1, 157.
 
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malwerk, n. malerei, gemälde; häufig im 16. und 17. jh., im 18. abkommend: mahlwerk pictura Steinbach 2, 977; vil müh und malwerks an einn hafen odder glasz legen, das ausz der handt ein mal gefallen, zu stucken bricht. S. Frank sprichw. 2, 90a; haben die poeten jhr fantasey und malwerk hierinn gebrauchet. Mathes. Sar. 16b; blumen, für denen alle farben und mahlwerke erblasten. Lohenstein Arm. 1, 1339b; an dem mahlwerke des pfauenschwanzes, des taubenhalses und der papegoyenflügel. 1340a; so ist doch dieser grief (kunstgriff) auf leinwand zu mahlen so gemein als das mahlwerk in nasse kalkmauer .. worden. 2, 188b; Zeuxis pinselte so kunstreich, das auch die vögel betrogen, und durch sein mahlwerk körre wurden. Butschky Patm. 834;

ihr mahlwerk der natur, ihr blumen in den gründen.
Opitz 2, 157;

es stöhrt die lust, so uns bereiten
des schönsten mahlwerks trefflichkeiten,
ein fehl, der gleich ins auge springt.
Brockes 1, 509;

(der blumen heer) schmücket, es bekränzet
das ufer nicht allein,
wie sonst ein schöner rahm bei einem malwerk thut,
es schmückt so gar die klare fluth
mit einem holden wiederschein. 2, 182.

[Bd. 12, Sp. 1514]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) malz, n. bracium; alts. altnord. schwed. dän. malt, ags. mealt, engl. malt, ahd. mhd. malz, niederd. malt und molt, niederl. mout, im gothischen nicht bezeugt, aber sicher vorhanden gewesen; das uralte gemeingermanische wort hängt, da die sache durch schroten und einweichen dargestellt wird, aufs engste zusammen mit sanskr. mard reiben, zerreiben, griech. ἀμαλδύνω erweiche, schwäche, μέλδω erweiche, schmelze, ags. meltan schmelzen, goth. gamalteins, welches im gen. gamalteinais als glosse zu disvissais ἀναλύσεως 2 Tim. 4, 6 begegnet, ahd. mhd. malz, altn. maltr, weich, sanft, schlaff. maltz, brasium, est frumentum per ignem exiccatum ad braxandum. voc. inc. theut. n 3b; gemahlen malz, polenta, byne molita. Stieler 1304; malz machen, hordeum macerare et torrere, malz mahlen, bunam contundere, commolire polentam, gedörret malz, hordeum tostum. ebenda; das malz hat eine truckne eigenschaft. Tabernaem. 636; das bier, aus geschrotenem malz, hopfen und wasser in einem küpfernen kessel oder pfanne kochen und zubereiten. öcon. lex. 288; er hat bier zu brauen: nun will er mit allen auf das theuerste hinausz, und gleichwohl läszt er es an hopfen und malz allenthalben fehlen. Chr. Weise erzn. 62 Braune; die gildemeister oder bauerrichter sind beeidigt, darauf zu sehen, dasz die wirthe, welche zum feilen kauf brauen, das gehörige malz dazu nehmen, und nicht mehr davon ziehen, als die ordnung erlaubt. Möser phant. 1, 180;

wer wolt auch wol hier (in Glogau) studiren,
wo man nur pflegt einzuführen
leinwand, wolle, korn und malz,
ochsen, Grötzer bier und salz?
A. Gryphius (1698) 2, 72;

sprichwörtlich: wiewohlen ich vermeinet, aus meinem jungen vetter einen gelehrten und wackern mann zu ziehen, .. so musz ich aber doch leider sehen und erfahren, dasz bei ihm hopfen und malz verlohren. Salinde 162; der general Igelström versuchte den stoiker ein wenig zu sybaritisiren; aber auch er sagte sehr oft in guter laune: an dem menschen ist hopfen und malz verloren. Clodius in Seumes leben s. 87; vergl. unter hopfen th. 42, 1795.
 
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malz, adj. aussätzig; mhd. malât, malâde, malâtes, als verhüllender ausdruck aus dem romanischen übernommen, ital. altspan. malato, franz. malade, provenz. malapte, malaut, catal. malalt krank aus lat. male aptus, woraus sich ein mittellat. malatus gebildet hatte, vgl. Diez wb. der rom. sprachen 1, 259; vgl. auch unten malzei und malzig. leprosus malz, maletzig Dief. 324c; wie kommts das mer armer, blinder, malzen und bettler sein in der christenheit, denn in der ungläubigkeit? Pauli 87; die malzen und juden .. sol keiner inn sein hausz begeren. Fischart bienk. 245b;

und sagen, wie sie teilen wöllen
die geistlich zinsz mit iren gesellen:
z dem ersten in den spittal geben,
den malzen auch da neben.
Murner luth. narr 736;

es .. händt sich zuo im vil armer gselt,
der blinden, malzen und der krüpplen. trag. Joh. P 6;

und da der malz nun ist erwacht,
da griff er fluchs an seine nas.
Fischart von Dom. leb. 4364.