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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bis macherlohn (Bd. 12, Sp. 1359 bis 1396)
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[Bd. 12, Sp. 1359]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) M , der dreizehnte buchstabe unseres alphabets. als solchen führt ihn unter den grammatikern des 17. jahrh. noch nicht Schottel, wol aber Stieler (hochteutsche sprachkunst s. 4) auf, während der spätere Hederich und der ihm folgende Steinbach (nach dem älteren brauche I und J als éin zeichen zu rechnen) M den zwölften buchstaben sein lassen. über die stellung des lautes innerhalb der sog. flüssigen (semivocales) vgl. oben sp. 1; in den urverwanten sprachen entspricht ihm im allgemeinen ebenfalls m (maus, ahd. mûs, kslav. myši, lat. mus, griech. μῦς, sskr. mûshî; same, ahd. sâmo, kslav. sěme, litt. sėm, lat. semen; um, mhd. umbe, ahd. umpi, lat. ambi-, griech. ἀμφί). neuhochdeutsches m ist nach seinem vorkommen im anlaute, inlaute und auslaute zu skizzieren, wobei rücksichtlich seiner berührungen mit dem nächstverwanten nasal n auch bd. 7, sp. 1 ff. zu vergleichen.
1) im anlaute bindet sich m nicht, wie l, n, r, w mit andern consonanten (keine verbindungen km, pm, tm, zm, und in der alten sprache kein hm wie hl, hn u. s. w.). tausch mit w tritt nur selten auf; m für w in der weitverbreiteten und alten form mir für wir nos (selbst altnordisch, namentlich in alten norwegischen handschriften steht mér für vér, wie mit für den dual vit wir beide, vgl. Wimmer altnord. grammat. § 94a): im Deutschen mundartlich als mir, mer, mr über Oberdeutschland und Mitteldeutschland, die alemannischen, bairischen, fränkischen, hessischen, düringischen, obersächsischen und schlesischen sprachgebiete reichend, auch in älteren schriftlichen denkmälern, sowol in fällen, wo man assimilation annehmen könnte: darzu haben wir im all geraten und geholfen, indem mir gröszlichen unrecht gethon. Zimm. chr. 1, 104, 24; als auch in solchen, wo eine derartige annahme ausgeschlossen ist: jedoch mir muesten uf unser parthei zu allen theiln gelt haben. 4, 135, 27; von dem wir all den namen haben, dasz mir christen heiszen. Schade sat. u. pasqu. 3, 69, 4;

da zugent mir in das convent. 345, 30;

dar umb mer bidden uch und flehen,
das er (ihr) alle swiget stille
dorch unser lieben frawen wyllen.
mer woln hude spielen von der martel Jesu Crist. Alsfelder passionsspiel bei Haupt 3, 482;

das hochdeutsche wacholder, wachholder ist als macholdere, macholder, machaldel, machandel ins niederdeutsche übernommen (brem. wb. 3, 108. Schütze 3, 70. Schambach 128a. Danneil 130a); umgekehrt trat w für m ein im alemannischen wan, geschwächt wen für man (Weinhold alem. gramm. § 167), ebenso im bairischen wan gleicher bedeutung, winter für munter, wurzab für murz, morschab (bair. gramm. § 136); übertritt des m in b in der präp. bit für mit (vgl. Weinhold mhd. gramm. § 149. Lexer mhd. handwb. 1, 285).
2) m im inlaute ist der nasal vor labialen in den verbindungen mb, mp, mf, mpf.
a) über mb und theilweise mp vgl. nachher c und no. 4 unter mm; mp tritt hervor als ergebnis einer assimilation in mit emp- zusammengesetzten verben, substantiven und adjectiven, wie empfangen mit seiner sippe, empfehlen, empfinden, ahd. int-fâhan, int-fëlhan, int-findan, mhd. entvâhen, enphâhen und auch schon emphâhen, entvelhen, enphelhen, entvinden, enphinden; in wimper, mhd. wintbrâ; ferner in empor, ahd. in por, mhd. en bor (vgl. th. 3, 433; in ambosz, mhd. anebôʒ, anbôʒ, haben wir mb behalten); wogegen ein nhd. empfallen zu gunsten des unassimilierten entfallen bald wieder gewichen ist (th. 3, 421),

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wie sich ebenso ein emperen für entbehren nur im 16. jahrh. findet, während verben wie entbieten, entblöszen, entbrennen, entfahren, entfalten, entfliehen, entfremden sich ganz oder fast ganz (empfremden th. 3, 522. 523) der assimilation verschlieszen. in entbeiszen (th. 3, 491), ahd. intpîʒan, ist dieselbe enthaltung sichtbar, während das dazu gehörige subst., ahd. impîʒ sich zur form imbisz und weiter sogar zu immisz, immes gewendet hat (th. 42, 2064). freilich werden jene unassimilirten verben und ihre ableitungen so nur geschrieben oder in sorgfältiger rede gehört; die nachlässige oder schnelle aussprache gewährt nichts anderes als empieten, emplöszen, emprennen, empfaren u. s. w., namentlich im süden.
b) mf fand sich in goth. fimf (altnord. assimiliert fimm), ahd. fimf neben finf und funf, mhd. nhd. zwar vünf, fünf, aber die schreibung fümf, vumf hält sich mhd. lange (Lexer 3, 566); ebenso in ahd. samfti, semfti mit dem adverb samfto, noch mhd. semfte neben senfte und samfte, samphte, sampfte neben sanfte; in ahd. ramft, mhd. ramft und ranft. in diesen fällen ist nhd. die schreibung n durchgedrungen, aber die aussprache, zumal die des gewöhnlichen lebens, hält meist an fümf, samft, ramft fest. gleicherweise wird in kunft, vernunft, zunft jetzt ein n geschrieben, aber vielfach noch kumft, vernumft, zumft gesprochen (die der aussprache gemäsze schreibung kommt bis in das vorige jahrh. vor, über kumft th. 5, 2647; vernumft Steinbach 2, 136; zumft Schm. 2, 1125 Fromm.); auch der jägerausdruck brunft lautet brumft und schrieb sich früher so, vgl. th. 2, 430. in allen den aufgeführten substantiven ist m überdem etymologisch berechtigt. nicht so in senf, hanf, wo semf, hamf gesprochen und auch, wiewol selten, aber ebenso auszerhalb des gebietes des hochdeutschen, geschrieben wird (sinape semph Dief. 535c; vgl. schwed. hampa, dän. hamp hanf), wo aber zusammenziehung aus senef, hanef, ahd. senaf, hanaf vorliegt.
c) m aus n entsteht zuweilen in compositen, wenn ein ihm unmittelbar folgender compositionstheil mit b oder m beginnt, so wird im mhd. und noch im 16. jahrh. die vorsilbe un- in solchem falle mehrfach als um- angetroffen: zu swilcher wîs ers (des gutes) abe gêt umbetwungen. Sachsensp. 2, 24, 2; iʒ sy beweglich oder umbeweglich. Magdeb. blume 2, 1, 45; ein iclich umbesprochin man. 2, 2, 62; so will ich euch dises streichs den ich umbschuldt (unbeschuldet) von euch entpfach, ingedenk sein! Zimm. chron. 2, 279, 21; ummaht für un-maht Lexer 2, 1910;

noch was der wîn umbezalt. d. Wiener merfart 539;

kühner und selten ist es, wenn m im auslaute eines selbständigen wortes unter dem einflusse eines folgenden anlautes b oder m für n vorkommt: die har zusamem binden. Schertlin br. 38; macht .. dem beutel stumpf. Abele unordn. 2, vorr. 9a (vergl. dazu einige alem. beispiele bei Weinhold al. gramm. § 168);

da machat im mein herr zu ritter. fastn. sp. 424, 22.

ein überbleibsel dieser assimilationsneigung ist uns in den eigennamen Würtemberg für Würtenberg, Wirtenberg, Homburg, Homberg für Honburg, Honberg (aus zer hôhen burc, zem hôhen berc, schon bei Notker uber Lybanum, hômberg ps. 71, Hattemer 2, 251b) erhalten, im 16. jahrh. schrieb man auch Wittemberg.
d) vor pf steht in schreibung und sprache nur m: kampf, dampf, glimpf, schimpf, dumpf, strumpf, sumpf, und frühere schreibungen npf: esz hettent knaben geton in einem schinpfe. d. städtechr. 9, 1043, 15;

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die starke gotes kenpferîn,
sînes gelouben stenpferîn. Martina 109, 92,

fehlen im nhd. wol schon seit dem 16. jahrh. ausnahmslos. in den worten hampfel, mumpfel (vgl. th. 42, 322) aus hand voll, mund voll hat sich die lautgruppe mpf aus zusammenrückung und assimilation ergeben.
e) übergang des inlautenden m vor t in n (kunt für kumt er kommt, sant für samt, sammet), vgl. th. 7, 2.
f) übergang eines inlautenden m in b hat statt in erbel für ermel (th. 3, 715), marbel, marber für marmor (s. unten).
3) m im auslaute.
a) einst waltete es vielfach in flexionen des verbums wie des nomens, am verbum als zeichen der 1. pers. sing. ind. präs. mancher verbalclassen, ahd. hâpêm, salpôm, pim, tuom, gâm, stâm, im dat. plur. aller substantive, adjective und pronomina, ahd. tagum, wortum, gastim, sunum, gibôm, hanôm, zungôm u. a., guotêm, mildêm, dêm, dësêm, im, sëlpêm u. a.; dieses m geht schon in der spätern ahd. zeit in n über, und bleibt als solches im mhd. und nhd., so weit es nicht, wie in der schwachen conjugation, ganz abfällt (habe, salbe). m galt ferner im dat. sg. masc. und neutr. am adjectivum und pronomen: ahd. guotemu, dëmu, dësemu, wo es sich, inmitten der schwächung seiner umgebung im allgemeinen hielt und bis heute gehalten hat: mhd. guoteme, guotem, deme, dem, deseme, desem, nhd. gutem, dem, diesem. allerdings fehlen auch hier versuche nicht, dieses m jenem gleich zu behandeln und zu n abzuschwächen, versuche, die schon mhd. beginnen, und sich namentlich im 17. jahrh. bei schriftstellern mitteldeutscher heimat häufiger finden, bis sie die sprachliche achtsamkeit des 18. jahrh. wieder beseitigt; mhd. beispiele in groszer anzahl bei Weinhold mhd. gramm. § 465. 468. 487, hier nur eine kleine auslese späterer: wen der hof zu schwer wehre. weisth. 4, 644; mit silbernen schlagloth. Erker (1580) 36a; bei einen guten trunk Reihnwein. med. maulaffe 766; eine gattung von gemeinen lumpenpack. Chr. Weise kl. leute 220; so wuste ich allemal so eine artige lügente ihn vorzubringen, dasz er mir sein lebetage nichts sagte. Schelmuffsky 1, 11; mit einen guten degen. 37; sprich du zu deinen herrn wieder, ich liesze ihn sagen, warum er nicht selbst zu mir gekommen wäre. 38; vgl. auch jemanden neben jemandem theil 42, 2302;

und satzt sich ausz dem sonnenschein ..
auf ein hügel mit grünen mosz. froschmäus. C 5a (1, 1, 2);

wie schön ein käiser doch in unsern lorbeer geht.
Fleming 223;

(ich will) mich freuen über allen,
was die herren lassen fallen.
P. Gerhard 322, 39 Gödeke;

doch musz auch unser tod zu schnöden lockaas dienen.
A. Gryphius (1698) 1, 274;

und gleichwol seufzet es bei blassen mondenschimmer ...
Günther 593;

mit mühsamen getümmel.
Brockes 2, 143;

anders ist es, und schwache adjectivform nach vorausgegangener starker liegt vor bei Klopstock:

Gabriel sah ihn vor sich in süszem luftigen schlafe. 3, 36 (Mess. 1, 534);

wie umgekehrt z. b. Luther starke adjectivform auch nach dem artikel setzt: in dem grausam verkeretem wesen. 1, 285a.
b) verwandelung des m in n am ende von bildungssilben in busen, boden, besen, faden, eiden u. a., vgl. th. 7, sp. 2, welcher vorgang vereinzelt sogar in einen abfall des auslautenden consonanten verläuft, vgl. DWB fade für fadem, faden th. 3, 1231, gade für gadem, gaden th. 41, 1132, während in athem, odem, brodem der alte auslaut sich für schrift und sorgfältigere aussprache bis heute hält (wie er auch im mundartlichen kradem th. 5, 1931 haftet), in eidam selbst noch mit tieftoniger ableitungssilbe.
c) übergang eines auslautenden m zu n im stamme, vergl. th. 7, 2; andere beispiele aus dem mhd. und der sprache des 16. jahrh. hat Schade sat. u. pasqu. 2, 361 fg. gesammelt.
d) auslautendes m entstanden aus n nach r in thurm, früher thurn; früher galt auch harm für harn (th. 42, 481), wie sich mhd. einmal barm für barn findet (mhd. wb. 1, 143a, 16).
4) die gemination mm ist altberechtigt in brummen, summen, schwimmen, amme, hamme, ramme, rammeln, stammen, stamm, schwamm u. a., in fremdwörtern wie summe, flamme, mammon; als zeichen der kürze des ihm vorhergehenden vocales gesetzt in hammel, hammer, himmel, kammer, kümmel, kummet, kommen, nimmst, nimmt, kommst, kommt, genommen, gekommen, imp. nimm! komm! in der ältern sprache,

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wo die kürze des vocals in nehmen durchaus noch bestand, ward auch nemmen geschrieben: nemmend war (gebt acht). Wickram rollw. 101, 9 Kurz; und noch bei Schiller: so nimmt (nehmet) doch nur vernunft an! räuber 5, 1 (im munde des alten Daniel); häufig auch steht mm als assimilation von mb in klimmen, krümmen, wamme, zimmer, imme, kummer, kamm, lamm, dumm, krumm, einfach in um, mhd. umbe, in amt aus älterem ambt für ambet, ambehte (die schreibung ammet begegnet aber auch Lexer 1, 48), und im lehnworte wams neben wammes, mhd. wambeis, wambas, wambeʒ. hier hat der sprachgebrauch zwischen mm und mb lange, und bei den einzelnen worten ungleich, geschwankt, wamme für wambe begegnet schon im 13. jahrh. nicht unhäufig, während formen wie krumb, umb, darumb, ambt sich noch in der schriftsprache des 17. jahrh. finden (mundartlich bis heute dauern), und es ist neben dem angegebenen triebe zur assimilation doch auch wieder eine solche neigung für die verbindung mb vorhanden, dasz die letztere in der ältern sprache auch für einfaches m, mm eintritt: schon mhd. begegnet z. b. für swam, swammes auch swamp, swampes, und im 16. 17. jahrh. stehen formen wie bermbt (z. b. Hes. 26, 17), er kombt (bei Opitz kömpt : bestimpt theil 5, 1629), er nimbt, nicht vereinzelt; nemblich für nämlich Simpl. 4, 211 Kurz;

und wurff imbs (ihm es) von dem schlosz hienab.
H. Sachs fastn. sp. 1, 6, 188 Götze.

so hat sich auch frembd für fremd ergeben, das sogar weiter zu fremb, fremm ausartet (th. 41, 125). mm für mp in bammeln neben bampeln (th. 1, 1095. 1096), bummern neben bumpern (2, 516); mm aus mn ist schon früh geworden in stimme, ahd. stimma aus stimna (goth. stibna), später in zu-sammen, mhd. ze-samene, zesamne; verdammen, mhd. verdamnen (neben verdampnen); unser nennen hat sich aus ahd. nemnan ergeben, indem eine durch andere angleichung entstandene form nemmen, die mhd. und im ältern nhd. sich findet: das er etlich buchstaben und sunderlich etlich vocal kant und nemmen kan. Ulensp. no. 29, s. 41 Lappenb.;

söllind ir drum üch nit meister nemmen (: schemen).
N. Manuel 186, 1481 Bächtold,

vor jener gewichen ist. im lehnworte zimmet, zimmt steht mm umgekehrt für nm: ahd. cinment, später zinmend, und dann im 15. jahrh. zimmat, neben der volleren form cynnamet, die Luther braucht. in immer, nimmer ist mm die folge einer mit vocalkürzung verbundenen wortentstellung (êomêr, iomer, iemer, nêomêr, niomêr, niemer). in den formen im, am für in dem, an dem wird einfaches m geschrieben, doch verlangte man früher auch hier doppelte schreibung: am, cum, ist besser geschryben mit zwyfachem m, amm, dann es gilt an dem. Maaler 15c; mhd. lautete die zusammenziehung inme, anme.
 
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, das geschrei eines schafes nachahmend: mich ruft mein kindlein in der wiege (ein lamm), es schreit sein ewig mä, als wie ein Franzose ... ja, schrei nur dein mä. Arnim schaub. 2, 333; eines bockes:

es ist eins bocks natürlich art,
so man jm uszrouft den bart,
mag er nit basz, er schrygt doch mä.
U. Eckstein rychstag 833.

vgl. DWB .
 
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maar, maasz, maat, s. DWB mar, DWB masz, DWB mat.
 
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machandel, m. wacholder, vgl. oben unter M 1, sp. 1359: wacholder oder machandelbaum. Schnurr 1664 s. 285; maggandel juniperus, maggandelbeer, grana juniperi. Schottel 1360.
 
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machbar, adj. quod fieri et effici potest. Stieler 1196.
 
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mache, f.
1) die handlung des machens, verfertigens; von Frisch 1, 631b als ein wort niederer kreise aufgeführt, es ist mundartlich über ganz Deutschland verbreitet (niederd. make, mack Danneil 133b, mitteld. mache, nass. mache arbeit Kehrein 269, bair. schwäb. mache, schweiz. machi arbeit Stalder 2, 190), auch holländ. make, engl. make, wird aber in der nhd. schriftsprache seit dem 17. jahrh. nur in sparsamer verwendung angetroffen, in formeln wie in der mache haben, sein, in die mache geben, nehmen u. ähnl.: wir waren nicht ursache davon, dasz die stücke von 24 ducaten mitten in der mache verdurben. Chr. Weise neue prob. 213; die kleider sind noch in der mache. körbelmacher 132; das kleid ist noch in der mache, vestis adhuc sub manibus sartoris est. Steinbach 2, 4; weil der catalogus davon bereits in der mache ist. Schmid bei Lessing 13, 636; arme poeten, die keinen schuh anzuziehen hatten, weil sie ihr einziges paar in die mache gegeben. Schiller räuber 2, 3; nun hab ich eine rührende

[Bd. 12, Sp. 1363]


romanze in der mache. Bürger 464a; er vertraut mir, dasz ein noch viel heilloseres gesetz in der mache sei, ein verbot nämlich für alle beamte und officiere, fremde staatspapiere und eisenbahnactien zu kaufen. Varnhagen tageb. 2, 310; bildlich in vertraulicher rede einen in die mache kriegen, nehmen, einen in der mache haben, ihn bearbeiten, ihm den kopf zurechtsetzen, ihn nachdrücklich belehren; dér weg ist am sichersten, dasz ihr ihn auf frischer that in die mache kriegt. Chr. Weise liebesalliance 62; da hatte ich einen herrn geistlichen in der mache. neue prob. 238; diese damen und noch einige andere, welche sie sich beizugesellen wuszten, nahmen den kaiser Alexander in die mache. Arndt leben 251; Lobeck hat auch den armen Creuzer wieder einmal schön in der mache gehabt. Passow leben (1839) 146.
2) die fertige arbeit und die art derselben:

Daja. dasz Recha eine christinn ist: das freuet
euch, einen christen, einen tempelherrn,
der ihr sie liebt, nicht mehr? tempelherr. besonders da
sie eine christinn ist von éurer mache.
Lessing 2, 294;

in Düringen sagt man der rock hat eine schöne mache, ist schön gearbeitet, fällt besonders gut ins auge; und die neueste zeitungssprache wendet das wort auch auf geisteserzeugnisse, besonders in der formel geschickte mache: das drama hat eine geschickte mache, ist aber sonst unbedeutend.
3) in Leipzig, Halle a/S., der Lausitz, Schlesien ist mache das fett, das an gemüse gethan wird. Albrecht 164a, Weinhold 59a, die schmelze, die es eszbar macht. vgl. dazu machen I, 1, c.
 
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machen, verb. facere, efficere. das verbum gehört den westgermanischen sprachen an (Zimmer in Haupts zeitschr. 19, 459): ahd. machôn, mhd. machen; alts. altnfr. macôn, niederd. niederl. maken; fries. makia, ags. macian, engl. make; in das isländische und schwedische ist es als maka, ins dänische als mage entlehnt worden. das prät. lautete ahd. machôta, conj. machôti, mhd. machete, machte; die conjunctivform hat sich zuweilen auch nach einer andern conjugationsclasse als mechte festgesetzt, und diese findet sich auch noch im 16. 17. jh., wie in der düringischen mundart noch jetzt: wo aber jrgent einer eins andern münz umbreget, oder widerumb in tiegel brecht und geringe münz darausz mecht. Carolina art. 111; wäre kein wunder, dasz der gerechte gott aus solchen meisterlosen weibern salzseulen mächte. Creidius 1, 363;

nit das sy mächt die selben rein.
Murner geuchm. E ijb;

wann du auf falsche hülf und vortheil schon gedächtest,
und fest dein auge zu, bei diesem kampfe, mächtest.
D. v. d. Werder Ariost 3, 68, 2;

im alemannischen aber braucht man die präteritalform miech (wie von einem reduplizierenden verbum): er heg-gseit, es miech em nüt (er sagte, das thäte nichts bei ihm); dasz en der choli zhinterfür miech (verrückt machte). Fromm. 5, 405, 42; ich miech keine umstände, wenn ich du wäre. Schmid schwäb. wb. 368; und damit in beziehung steht das früher einige male vorkommende starke part. prät. gemachen, das Schm. 1, 1556 Fromm. und Lexer 1, 2001 aufweisen. über den wechsel des part. gemacht mit machen nach infinitiven vgl. unten I, 23, e.
machen, ahd. häufiger ga-machôn als blosz machôn, stützt sich auf das ahd. adjectiv gamah, aptus, idoneus, habilis, commodus u. ähnl., an. makr, gewöhnlicher makligr geziemend, passend, bequem, entwickelt sich demnach von der vorstellung des passend machens, bereitens aus (über seine weiteren verwandten griech. μέγας, μείζων, μέγιστος, μάγγανον hilfsmittel u. s. w. vgl. Fick2 382); die überlegende und zielbewuszte arbeit, die den begriffskern bildet, hebt Lessing gelegentlich hervor: fräulein. siehst du, Francisca, da hast du eine sehr gute anmerkung gemacht. Franc. gemacht? macht man das, was einem so einfällt? 1, 527; wie leicht, wie angenehm ist es, einem künstler nachzuforschen, dem das gute nicht blos gelingt, sondern der es macht. 7, 21; mit dem sinnverwandten thun, das aber einen weiteren sinn hat, als machen, kann das letztere in manchen fällen wechseln, es wird mit ihm auch in eine formel gebunden:

ist es tag, so mach und thu
ich, was mir gebühret.
P. Gerhard 247, 89 Gödeke;

ebenso mit schaffen: von allen seinen werken, die gott schuf und machet. 1 Mos. 2, 3;

er macht und schafft,dasz sie viel kraft
und grosze stärke kriegen.
P. Gerhard 213, 39.

[Bd. 12, Sp. 1364]


die angegebene richtung des verbums auf einen gegenstand der arbeit bringt der älteren sprache die vorwiegende transitive fügung, dazu die reflexive; erst in jüngerer zeit steht machen auch intransitiv.
I. machen, transitiv.
1) arbeitend etwas bereiten, verfertigen; mit einfachem oder näher bestimmtem object, dem ein persönlicher dativ hinzutreten kann.
a) als ein allgemeines geschäfts- oder handwerkswort, dem genauere bezeichnungen der art des schaffens gegenüber stehen: häuser, hütten, schiffe machen (bauen); kleider, röcke machen (nähen), faden machen (spinnen), einen strumpf machen (stricken), geld machen (prägen) u. ähnl.; fone diu machont sie marmorea sepulchra (steininiu grap). Notker ps. 48 (2, 171b Hattemer); ein kleid, das in eins snyders husz were zue machen. weisth. 1, 424 (Schwarzwald, 14. jahrh.); der deschenmacher macht Ulenspiegeln ein grosze desche. Ulensp. 59 s. 86 Lappenb.; und flochten feigenbletter zusamen, und machten jnen schürze. 1 Mos. 3, 7; mache dir einen kasten von tennen holz, und mache kammern drinnen. 6, 14; Jacob ... bawet im ein haus, und machet seinem vieh hütten. 33, 17; mache daselbs einen altar dem gott, der dir erschein. 35, 1; (er) machet jm einen bundten rock. 37, 3; und Salomo macht auch schiffe zu Ezeon Geber. 1 kön. 9, 26; und der könig lies machen von hebenholz pfeiler im hause des herrn. 10, 12; hie ist gut sein, lasset uns drei hütten machen, dir eine, Mosi eine, und Elias eine. Marc. 9, 5; irrdine geschirr machen, componere pocula de luto. Maaler 278c; dasz er jetzunder güldine (trinkgefäsze) machte, der zuvor erdine gemacht hätte. Schuppius 700; wenn die schwalben ihre alte nester nicht wieder finden, werden sie neue machen. 575; ich habe es nicht einmal angeführet, dasz tags vor der hochzeit der regimentquartiermeister ungerufen kam und das schwein abstach, und gratis würste machte, wie man noch an keinem hofe asz. J. Paul Qu. Fixlein s. 171;

in wachs trückt sie die schlüssel ab
und wurf imbs von dem schlosz hienab.
darnach machet er schlüssel fein.
H. Sachs fastn. sp. 1, 6, 189 Götze;

wenn jr mir macht darzu ein kranz,
so spring ich frölich an den reyen. 39, 72;

was henker, was soll dieses sein?
für eine todte frau ein brautkleid auszusuchen?
gesetzt, ich wollte wieder frein:
so müszt ich ja ein neues machen lassen.
Gellert 1, 67;

sprichwörtlich: wo der zimmermann das loch gemacht hat, vgl. oben sp. 1095, no. 8; übertragen: diese nacht sei eine festnacht der götter, die freude soll ihr meisterstück machen. Schiller Fiesko 1, 4.
b) als ausdruck der landwirtschaft heu machen, grummet oder emd machen, aus gras durch mähen und trocknen bereiten: verdorret es (das gras), ehe man denn hew macht. Hiob 8, 12; da man nach der ersten erndte die wiesen noch einmal hauet und grummet machet. öcon. lex. 1010; dergleichen matten werden im frühjahr abgeätzt, und wenn das heu gemacht ist, wachsen sie abermals stark genug. Göthe 43, 203.
c) essen, speise, trank machen: ein eʒʒen machen. Br. Berthold 268, 21;

dîn hane der dort stât,
den heiʒ mir machen ze naht,
durch got, sô du beste maht. Amis 967;

so befalch er Ulenspiegeln, das er nem was er het und mecht dem bauren ein supp. Ulensp. 34 s. 65 Lappenb.; mach mir ein essen, wie ichs gern habe. 1 Mos. 27, 4; butter machen, lac in butyrum cogere, spissare. Stieler 1191; eh die schokolade gemacht ist, madam, unterhalten sie mich. Schiller Fiesko 2, 2; kaffee, thee, brantwein machen; ein gemachtes essen, als küchenausdruck, das ordentlich und eszbar bereitet ist: fatuae betae, magerer kohl, der nicht genug geschmälzt oder nicht gemacht ist, ut loquuntur mulieres. Corvinus 1, 249a; ein ungemachtes kraut (als karge kost). Mathes. Sar. 9b;

desz vaters zimmeraxt, der mutter näterei
erwurben ihm mit noth den halbgemachten brei.
am mangel mangelts nicht.
Fleming 4;

feuer, licht machen: jre zweige werden für dürre brechen, das die weiber komen und fewr damit machen werden. Jes. 27, 11; nim das beste von der herd, und mach ein fewr drunder, markstück zu kochen. Hes. 24, 5; ich mache licht. Göthe 15, 6.

[Bd. 12, Sp. 1365]



d) in bezug auf spiel und tanz, einen walzer, reien, ein stück machen, aufspielen, auch nur eins machen: ich liesz yn (ihnen) mein schiffmann eins machen auf einer portugalischen sackpfeifen. Frank weltb. 216b; zeuch die geig aus dem sack, oder nem die sackpfeiff strack und mach uns den tutelei, den spisinger und tirlefei. Garg. 99b; der könig den spielleuten befelhen liesz, den welschen tanz zu machen. buch d. liebe 231d;

nun pfeif auf, pauker, juch heia o!
mach uns ein seuberlichs denzlin behend. fastn. sp. 335, 32;

ir spilleut, machet uns ain süeszen don! 413, 18;

pfeift auf, ir lieben knecht,
und machet mir den reien recht! 578, 15;

pfeif auf, spilman, mach jn ein danz.
H. Sachs fastn. sp. 1, 20, 196 Götze.

vgl. dazu intransitives machen unten III, 6, b.
e) in bezug auf geistige arbeit, ein buch, eine schrift, ein drama, gedichte, verse machen; wir fühlen aber nur, wenn der ausdruck ein buch machen mit verächtlicher betonung gebraucht wird, dasz darin etwas geschäftsmäsziges liege, vgl. dazu büchermacher, buchmacher th. 2, 473. 475, bei andern formeln hat sich die geschäftsmäszige nebenbedeutung auf das substantiv macher zurückgezogen, verse machen wird ohne alle weitere beziehung von dichterischem schaffen gebraucht, ein versemacher mit herabsetzendem beisinne: horet jr vom hause Israel, dis wort, denn ich mus dis klaglied uber euch machen. Amos 5, 1; zur selbigen zeit, wird man ein spruch von euch machen. Micha 2, 4; bcher machen und auszlassen gon, libellos de re aliqua dare. Maaler 278d; dasz man eine solche schrift mache. Schuppius 506; ich lasse es dahin gestellt sein, ob es (das buch Hiob) Moses selbst gemacht hab. 293; es ist pedanterei, dasz man auf universitäten viel disputierens macht. 5; man bittet mich, zur feier desselben (namenstages) eine öffentliche poetische rede zu machen. Schiller hist.-krit. ausg. 3, 184; ich weisz es eben so gewisz, dasz herr Gottsched den Candide gemacht hat, als herr Gottsched weisz, dasz der verfasser der misz Sara Sampson die briefe, die neueste litteratur betreffend, macht. Lessing 6, 222; ich kenne nur éine sache, die süszer ist als ein buch zu machen, nämlich eins zu entwerfen. J. Paul Qu. Fixl. 88; sonst wäre gegenwärtige zweite auflage gar nicht zu machen gewesen. 29;

auch spilt keiser Claudius viel
und macht ein buch von dem bretspiel.
H. Sachs fastn. sp. 1, 64, 333 Götze;

die verse, welche man im bethen ausgedacht,
sind schlecht wie ein gebeth, wobei man verse macht.
Hagedorn 1, 114.


f) auch allgemein eine arbeit, ein geschäft machen: er hat seine arbeit gemacht und kann gehen; die schüler haben schularbeiten zu machen; gebst einen guten goldschmid, machest sauber arbeit. Garg. 87b; sie wollte alles selbst thun und machte auch ihre geschäfte, zwar langsam und mitunter unbehülflich, doch genau und mit groszer sorgfalt. Göthe 18, 166;

die sahen nun mit gutem bedacht,
was arbeit unser held gemacht.
Uhland ged. 330;

ein geschäft machen heiszt verhüllend auch den leib leeren.
2) machen, wie erzeugen, schaffen.
a) so in bezug auf gott:

waʒ wunders in der werlte vert!
wie manic gâbe ist uns beschert
von dem der uns ûʒ nihte hât gemachet!
Walther 20, 18;

du hast himel und erden gemacht. Jes. 37, 16 (vgl. DWB am anfang schuf gott himel und erden. 1 Mos. 1, 1); er ists der die berge macht, den wind schaffet. Amos 4, 13; gott von himel, welcher gemacht hat das meer und das trocken. Jona 1, 9; und gott sprach, laszt uns menschen machen, ein bild das uns gleich sei. 1 Mos. 1, 26; und gott machet zwei grosze liechter. 16; sommer und winter machestu. ps. 74, 17; da sind walfische, die du gemacht hast. 104, 26;

wer brachte sonn und mond herfür?
wer machte kräuter, bäum und thier?
P. Gerhard 221, 46 Gödeke;

eh ich durch deine hand gemacht. 158, 18;

und sollt er (gott) sein geschöpfe hassen,
warum denn hat er uns gemacht?
Drollinger 30.


b) aber auch von irdischen wesen, in bezug auf erzeugung von nachkommenschaft, ein kind machen, kinder machen, früher selbst in würdiger rede gesagt (vgl. kind th. 5, 708), jetzt nur

[Bd. 12, Sp. 1366]


noch als derber ausdruck; kinder machen, kinder gebären, dare operam liberis, sobolem facere. Maaler 279a; vom manne: Micol ward von gott gestrafet und ward unberhaftig, macht kein kindt mee. Keisersberg sünd. d. m. 46a; die erst meinung und die furnemest (der ehe) ist kindlein machen und die ziehen zu der eer gottes. narrensch. 112a; die zween brüder machten vil schöner sön, die bei jhrem leben erwuchsen. b. d. liebe 268c; wann man im Elsasz sagt, dieser mann hat das kind gemacht, drumb musz man jhm zu jar die zunftvermehrung irrten schenken, das er uber ein jar dest williger sei. Garg. 104b; es ist dein vater! er hat dir das leben gegeben, du bist sein fleisch, sein blut — also sei er dir heilig! wiederum eine schlaue consequenz! ich möchte doch fragen, warum hat er mich gemacht? Schiller räuber 1, 1;

neur das mein mutter nit elich was;
mein vater machet mich auf einer penk. fastn. sp. 250, 32;

(der) ein söllichs nit kan bedenken,
das man die leut macht pei der nacht. 317, 3;

doch kan ich mit weidelichen sachen
bei tag und nacht wol leut machen (spricht der jüngling). 319, 14;

von frauen, ein kind machen, gebären: (der könig) reit eines moles für einen wiher: do hette ein varende dohter 7 kint in geworfen die sü eines moles mittenander hette gemaht und geborn. d. städtechr. 8, 385, 11; sie (die witwe) het nit mer dan den sun, und was im willen, keinen mer ze machen. Keisersberg evang. 63; also eine bricht ir ee, und würd mit einem kindt gon, und macht das kind, das ist nit sünd, sunder recht, das sye das kindt macht, aber das sie ir ee hett gebrochen darvon sye das kind entpfangen hatt, das ist sünd. bilg. 211d; mir ist mein junkfrauschaft so lieb, wann ich schon wüszt, dasz ich zween sün solt machen, die alsz heilig weren, so wolt ich dannocht keinen man haben. J. Pauli schimpf 37;

nicht machs kindt jetzt (spricht der bauer zu seiner frau), das bitt ich dich,
du sichst dasz wir mühselig sind,
und wilt jetzundt machen ein kindt,
ach liebe Krein, verzieh die sach
ein kleine weil, und thu gemach.
E. Alberus Esop 46b;

in dieser nechst vergangen nacht
hat mich mein mutter erst gemacht. 84a;

von thieren: do gedocht Jacob, wie gethete ich, dye schefflin werden nun ytlich schefflin machen on flecken, wysz oder ganz schwarz. Keisersberg bilg. 41d; 'lieber sag mir eins. warumb lydest du das schryen und schnatteren diner gensz und enten vor diner düren?' do sprach jener. darumb lyd ich sy, das sie mir jung entlin und genszlin machen, darmit ich mich erner. 76d; in sprichwörtlicher wendung:

es macht kein wolf kein lemblin nit.
Brant narrensch. 49, 20.


3) machen, durch wahl oder sonstige bestimmung schaffen, einsetzen, anordnen: dan satzt man baubst Gregorium ze Rom ab .. und macht ze Kostenz baupst Martinum ausz wälschen landen. d. städtechr. 4, 231, 22; aber nach diesem geschicht keret sich Jerobeam nicht von seinem bösen wege, sondern verkert sich, und macht priester der höhen von den geringsten des volks. 1 kön. 13, 33; zu seiner zeit fielen die Edomiter ab von Juda, und machten über sich einen könig. 2 chron. 21, 7.
4) machen, darstellen, vorstellen, einen charakter, eine eigenschaft aus sich heraus gestalten, eine rolle spielen: hört nur zu und merket wol drauf, dan hie wird ein kräh ein taub machen. Fischart bienk. 107b; und du, klettre auf einen castanienbaum, wenn jemand kommt, so mach deine nachtigall (ahme die nachtigall nach, wie du gewöhnlich thust). Göthe 57, 171; dasz er den finken vergasz, und die nachtigall machte, und vor kurzer wuth liebend flötete. J. Paul leben Fibels 18; ich bin die wachtel und Victor macht den hahn. Freytag handschr. 2, 376; diese anmaszung kann nicht berechtigen, den philosophen machen zu wollen. Kant 1, 191; ein altes weib, das die begeisterte macht. Thümmel 3, 156; na, so mach sie doch das kind nicht (spiele sie nicht das kind). Lenz 1, 270; dasz er .. sich angewöhnt hatte, im gespräch auf eine feine weise theils ironisch, theils spöttisch den sophisten zu machen. Göthe 19, 122; nun machte er sogleich als gast den wirth, spendete reichliche früchte an seine gespielen. 21, 14;

(sie) bedeckt ihr auge; macht die blinde,
lauscht aber durch die finger her.
Bürger 19a;

[Bd. 12, Sp. 1367]



doch bald, wie weiber: stolz, ihn heisz zu sehn,
macht sie die spröde, thut sie fremd und kühl.
Freiligrath dicht. 6, 201;

von schauspielern: Philine, die eins von den landmädchen machte. Göthe 18, 278; mad. Brandel hatte diesen abend eigentlich die Nottingham zu spielen, sie vergriff sich aber in der rolle, und machte die Fulmer (in graf Essex). Schiller hist.-krit. ausg. 3, 586; übertragen: kurz er muszte, um nur die tochter zu sehen, die erbärmliche rolle machen, dasz er hinter der triumph-volante, wovor immer neuer vorspann trabte, stand. J. Paul heiml. klagel. 16;

auch spielen wir unsre trunknen nüchtern.
so macht man schelm und bösewicht,
und hat davon kein ader nicht.
Göthe 13, 11;

und sonst vorstellen: ich wollte wohl darauf schwören, dasz ich niemahls einen erträglichen santon (muhamedanischen mönch) machen würde. Wieland 8, 9; da der marchese viel blut verlor, so machte Biondello, so gut er konnte, in der eile den wundarzt. Schiller hist.-krit. ausg. 4, 277; Julie empfing ihren .. bräutigam schicklich aber zuvorkommend, Lucinde dagegen machte die ehre des hauses, wie jene ihrer person. Göthe 21, 133; auch herauskehren, eine eigenschaft die in einem ist: ich mache hier (beim heiraten) gern den bürgersmann, gnädiger herr. Schiller kab. u. liebe 1, 5; er (mein vater) wird mich zwingen, den unmenschlichen sohn zu machen. 3, 4; öffentlich ehrt, liebkost sie ihn, insgeheim macht sie seine tyrannin. Warbeck 2. act (677a); im gegensatz zu bloszem spielen: ich aber sage von ihm und behaupte dreist, dasz dieser herr Selicour, der jetzt gegen euer excellenz den redlichen mann spielt, einen rechten spitzbuben machte, da die zeit dazu war. parasit 2, 4;

wenn jud
und muselmann, auf jud, auf muselmann
bestehen: soll allein der christ den christen
nicht machen dürfen?
Lessing 2, 313;

auf éin mal machte die auf mich die aufmerksame,
und fragte: kennen sie mich nicht?
Bürger 106a;

sah ich an das kind und dachte heimlich:
will das bübchen doch den meister machen!
Göthe 2, 188;

figur machen (vgl. th. 3, 1630), sich gut, vortheilhaft darstellen: das schönste exemplar einer blondine, die .. neben den ersten schönheiten des hofes noch figur machen würde. Schiller kab. u. liebe 1, 5; wüsten sie nur, was für eine jämmerliche figur die gesamte orthographische grübelei in meinen augen mache. Reiske Thucyd., vorrede.
5) machen, bezüglich der veränderung von körpertheilen im affect: ein gesicht machen; augen, grosze augen machen; krumme finger, lange zähne machen; die katze macht einen buckel, wenn ein hund sie anbellt; du wirst gaffen! du wirst augen machen! Schiller räuber 1, 2; was hast du? du machst ein verdrieszlich, ein kaltes gesicht. Göthe 10, 158; ihr müszt nicht so augen machen und nicht so ein maul, ihr lernt es sonst noch viel länger nicht. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 3, 36;

urplötzlich stand die kirche,
mit ihrem thurme, da.
er machte grosze augen,
wie er die kirche sah.
Hölty 11 Halm;

will keiner trinken? keiner lachen?
ich will euch lehren gesichter machen!
Göthe 12, 103;

da guckt ich der eule ins nest hinein.
die macht ein paar augen! 208;

eine böse, keine gute miene machen; gute miene zum bösen spiel machen;

die Tiefenbacher machen böse minen.
Schiller Wallenst. tod 3, 7;

in freierem sinne miene machen etwas zu thun: marquis macht miene sich zu entfernen. don Carlos 1, 8; wer die freiheit zu stürzen miene macht. Fiesko 3, 5.
6) weiter in höchst mannigfacher art von menschlicher thätigkeit, die mit überlegung ergriffen und zum abschlusz gebracht wird; hier steht machen als farblosester verbaler ausdruck statt lebendigerer. so in bezug auf handarbeit, wo nähere bestimmungen hinzutreten: einen flecken aus einem kleide machen, entfernen; einen deckel auf das glas machen, darauf drücken; mache den besatz auf das kleid! nähe ihn darauf;

ein herr genöthigt auszugehn,
vergasz, aus groszer eil, die sackuhr an der wand,
wo sie ein zahmer affe fand,
und that, was er gar oft von seinem herrn gesehn.
er machte sie mit einer binde
sich um den leib.
Lichtwer fabeln 3, 14, 5;

[Bd. 12, Sp. 1368]


auch von unabsichtlichem thun: einen fehler, ein ungeschick machen; wir wissen noch nicht ob wir bestehen werden, vielleicht machen wir eine sau. A. Gryphius 1698 726; einen flecken in das kleid, einen risz in die neue hose machen. am häufigsten aber in einer groszen reihe mehr oder weniger fester verbindungen in bezug auf freiere thätigkeit, wo machen etwa wie ausführen, vollführen steht; die folgenden beispiele geben nichts als eine kleine auslese: einen weg, eine reise, einen gang, schritte machen: sie haben doch, zum element! ein gut stück weges gemacht. Lenz 1, 88; gewisz haben sie (die kerls) einen ritt gemacht. Schiller räub. (trauersp.) 1, 3; ich (will) die runde durch Genua machen. Fiesko 3, 5; nur muszte er versprechen, .. eine reise nach Provence zu machen. histor.-krit. ausgabe 4, 130; wollen wir nicht einen gang über den Marcusplatz machen? 200; wir hatten kaum dreiszig schritte gemacht, so bemerkte ich den Armenier wieder. ebenda; sie hatte den weg schon einmal gemacht, sie kannte die wirthsleute. Göthe 17, 382; dasz ich vor einigen jahren die grosze tour machte. J. Paul Qu. Fixl. 3;

bald eine fahrt auf dem see, bald nach dem lande zu machen.
Wieland 4, 98 (n. Amadis 4, 21);

die pferde machen einen umweg.
Schiller Macbeth 3, 6;

was rechte leute sind, die machen lieber
den halben umweg um den langen flecken,
eh sie den rücken beugten vor dem hut. Tell 3, 3;

in freierem und bildlichem sinne: wollen sie mich akkompagnieren, herr von Walter, so mach ich einen gang auf dem fortepiano. Schiller kab. u. liebe 5, 7; wie erlaubt ihr die sittsamkeit, gegen ihn schritte zu machen? hist.-krit. ausg. 111, 192;

begleitet, wen ihr wollt, ihr matten Pierinnen,
und hinkt, so gut ihr könnt, in elegien mit!
solch laufen offenbart den zustand blöder sinnen,
und unsre schickung macht fast keinen sichern schritt.
Günther 569;

dem ganzen corps gereichts
zum sporn, zum beispiel, macht einmal ein alter
verdienter kriegsmann seinen weg.
Schiller Piccol. 1, 1;

bahn, raum, platz, eine gasse machen: ich habe das haus gereumet, und fur die kamel auch raum gemacht. 1 Mos. 24, 31; machet ban, machet ban, reumet den weg. Jes. 57, 14; machend jr da weite, hinc vos amolimini. Maaler 278d; die wachen machen platz. Schiller hist.-krit. ausg. 3, 290;

(sie eilt) durch alle sklavenwachen,
die sie mit wunder sehn, und schweigend platz ihr machen.
Wieland 23, 273 (Oberon 12, 44);

bildlich: diese traurige periode hatte einer noch traurigern platz gemacht. 403a; der freiheit eine gasse machen;

(gott) macht bahn,da man kan
gehn zur himmelsfreuden.
P. Gerhard 123, 47 Gödeke;

herr, mache mir gerade bahn. 127, 64;

mach in mir deinem geiste raum. 241, 79;

hier ist der apfel.
man mache raum — er nehme seine weite,
wies brauch ist.
Schiller Tell 3, 3;

ich mache
mir bahn zu ihm, mit zwanzig jünglingen
gesinnt wie ich, zerbrech ich seine veste. 1, 4;

einen zutritt, eintritt, eine unternehmung, einrichtung, anschlag, komplott, krieg, jagd u. ähnl. machen: sie machen listige anschlege wider dein volk. ps. 83, 4; mache dir einen zutritt durch dienst und gehorsam bei denen die knechtische gemüther lieben. Schuppius 550; das stück, .. womit er seinen eintritt in die grosze welt machen wollte. Göthe 18, 264; unter dem vorwande einiger einrichtungen, die noch darin zu machen wären. Schiller hist.-krit. ausg. 4, 150; er machte ein kleines komplot unter des herrn kompagnie. Lessing 1, 546; ich sehe aus diesen papieren, dasz Doria und sein anhang komplott gemacht haben, mich .. zu ermorden. Schiller hist.-krit. ausg. 3, 90; Fiesko wird morgen tod im bette gefunden. ich hab die anstalt gemacht. 102; dasz dein herr damit (mit den schiffen) jagd auf die Türken mache. 71; der polizeikommissair instruirt .. seine untergebenen, auf das kistchen jagd zu machen. 151, 266; Arbon .. machte der darstellung, wie sie das blatt zeigte, den krieg. Göthe 15, 275;

das, rief sie, hab ich wohl gedacht,
so gut man auch die anstalt macht,
so finden sie doch grund, der armen frau zu spotten.
Gellert 1, 55;

ich machte den versuch, durch fröhlichkeit und scherz
den dämon, der dich plagte, zu verjagen.
Wieland 9, 22;

[Bd. 12, Sp. 1369]



die sich ein grausam spiel damit gemacht,
das schwache herz der sterblichen zu verführen.
Schiller hist.-krit. ausg. 151, 44 (Phädra 2, 5);

allen formen macht er den krieg. 11, 122;

er hat mirs aber auch gedacht
und mir einen verfluchten streich gemacht.
Göthe 13, 60;

ein bündnis, frieden, eine regel, ein gesetz u. ähnl. machen: das zeichen des bunds, den ich gemacht habe zwischen mir und euch. 1 Mos. 9, 12; an dem tage machte der herr einen bund mit Abram. 15, 18; also macht Joseph jnen ein gesetz bis auf disen tag, uber der Egypter feld. 47, 26; und Josua macht frieden mit jnen. Jos. 9, 15; und die tochter des königes gegen mittage wird kommen zum könige gegen mitternacht, einigkeit zu machen. Dan. 11, 6; machte ein königlich decret. Schuppius 82; sie machten deszwegen scharfe politische gesetz, und hielten auch darüber. 212; da der Prager friede gemachet wurde. 361;

wolt er kein bündnusz mit jn machen.
H. Sachs fastn. sp. 1, 58, 141 Götze;

es ist der blutge schatten könig Darnleys,
der zürnend aus dem gruftgewölbe steigt,
und er wird nimmer frieden mit mir machen,
bis meines unglücks masz erfüllet ist.
Schiller M. Stuart 1, 4;

éine sache machen, bekanntschaft, brüderschaft machen: mit diesen patrioten und mir éine sache zu machen und die tyrannen von grund aus zu stürzen. Schiller hist.-krit. ausg. 3, 114 (Fiesko 4, 6); einer von meinen leuten machte mit einem jäger zufälligerweise .. bekanntschaft. 4, 225; für die bekanntschaften, die sie mir gemacht. Göthe 14, 183;

du, ewge kraftmachst brüderschaft
mit uns, die wie ein dampf und rauch vergehen.
P. Gerhard 153, 11 Gödeke;

du willst, ich soll itzt mit Cecil,
dem feinen mann, bekanntschaft machen.
Hagedorn 1, 90;

so machen wir uns muth und kraft,
und mit dem schwarzen brüderschaft,
der in der hölle bratet.
Schiller räuber 4, 5;

verbeugung, bücklinge, kratzfüsze machen, das kreuz machen: der musikus machte das kreuz vor dem teufel. Schiller hist.-krit. ausg. 4, 208; er macht eine verbeugung, und will sich entfernen. 5, 81; rathmann Stutzer, der gegen die schöne Anna so viel artige dienerlein machte. Arnim kronenw. 1, 240; noch bin ich nicht im stande, den musen viel kratzfüsze zu machen. Hölty 243 Halm;

er machte, wenn er nahe war,
verliebte reverenze. 7;

die reverenz zu machen einem hut,
es ist doch traun! ein närrischer befehl!
Schiller Tell 3, 3;

abschied, den hof, aufwartung, glückwunsch machen: die beide mit Galmyen dem ritter bis gen Lunden ritten, und erst daselbst ein abscheidt mit ihm machten. Galmy 209; dasz ihr mir alle eure aufwartung so machtet. Schiller hist.-krit. ausg. 3, 57 (Fiesko 2, 8); dasz er der bürgerkanaille den hof macht. 373 (kab. u. liebe 1, 5); er machte dem neuen doge seinen glückwunsch. 4, 156; macht ihr meinen empfehl! Lessing 1, 521;

auch wird des ritters in ehren gedacht,
der Kolifischetten indesz die cour gemacht.
Wieland 4, 111 (n. Amadis 5, 11);

bemerkung, bericht, erzählung machen, worte machen: ich werde keine erzählung von demjenigen machen, was ich .. zu leisten gedenke. Kant 8, 16; einer von euch wird die stadt visitieren, und mir von der stärke und schwäche der vesten plätze rapport machen. Schiller hist.-krit. ausg. 3, 98; mehr als einmal habe ich die bemerkung gemacht, wie pünktlich der nach lob geizende künstler sein spiel .. auf die geistesschwäche seines publikums ausrechnete. 532; ein narr macht viel wort. pred. Sal. 10, 14; denn so mächtig war ich nicht, dasz ich ein lautes wort machen konte. polit. stockf. 186; so wird er höchst anziehend, wenn er gleich wenig worte macht. Göthe 23, 213;

o eile, geh! mach keine worte mehr!
Schiller Wallenst. tod 4, 11;

geschrei, getümmel, gemurmel, aufhebens (s. th. 1, 667) u. ä. machen; frage, einschränkung, einspruch machen: da er höret, das ich ein geschrei machte und rief. 1 Mos. 39, 15; machet kein getümel. apostelg. 20, 10; bistu nicht der Egypter, der vor diesen tagen ein aufrhur gemacht hat? 21, 38; das er (Moses) von unnützen sachen so viel fests machet. Luther

[Bd. 12, Sp. 1370]


4, 143a; viel prahlens machen, jactare se sumtuosius insolentiusque. Steinbach 2, 2; in einem gasthof, wo sich auch ein avantürier aufhält, der in der stadt viel wind macht. Schiller hist.-krit. ausg. 151, 272;

dasz zugleich die groszen hund erwachten,
und durch das ganze haus ein stark gebelle machten.
Hagedorn 1, 27;

macht unser fleisz kein grosz geräusch.
Gellert 1, 70;

nobili .. welche .. ein dumpfes gemurmel machen. Schiller hist.-krit. ausg. 3, 287; schlieszlich lege ich den lesern eine schon oft gemachte frage vor. 2, 381; Biondello machte einwendungen. 4, 331; die erste einschrenkung, die ich dem Leibnitzschen gesetze mache. Kant 8, 37;

ich mache einspruch gegen diesz verfahren.
Schiller Demetrius, 1. act, v. 28;

forderung, erfahrung, entdeckung machen: sollten sie schon diese traurige erfahrung gemacht haben? räuber (trauersp.) 4, 1; aus .. einigen entdeckungen, die die prinzessin von Eboli macht. hist.-krit. ausg. 3, 181; die höchste und letzte foderung, welche der philosoph und gesetzgeber einer öffentlichen anstalt nur machen können. 510; die Spanier .. machten so unbillige forderungen. 4, 125; eine schuldforderung an Warbeck zu machen. 151, 219;

wichtige
entdeckungen, die ich gemacht, verändern
der sache ganze lage. don Carlos 4, 12;

gedanken machen, vom ausbilden von vorstellungen über eine bestimmte sache gesagt, beispiele s. theil 41, 1968. 1970 fg.; vergleichung, begriff, schlüsse machen, ein geheimnis machen: einen ähnlichen kalkul macht die menschliche vernunft. hist.-krit. ausg. 2, 54; wann hättest du zeit gehabt, eine vergleichung zu machen. 3, 371; überlegung? ich habe nur eine gemacht. 566; kaum können wir uns einen begriff von dem elend machen, das jene zeiten gedrückt hat. 9, 140; wir erliegen an dem versuche, uns von dem ersten (unter mehreren angeführten gegenständen) eine vorstellung zu machen. 10, 129; das schicksal der seele ist in die materie geschrieben. machen sie nunmehr den glücklichen schlusz. 2, 351; diese betrachtung machte ich bei Arezzo, wo sich eine herrliche plaine aufthut. Göthe 27, 180; macht sich .. seine nöthigen deutlichen begriffe. J. Paul Qu. Fixlein 123;

(ein) geistig wesen,
das zweifelt, forscht und schlüsse macht.
Hagedorn 2, 17;

ich hab gefehlt, dasz ich
aus diesem schritt dir ein geheimnis machte.
Schiller Maria Stuart 4, 6;

rechnung, testament, anspruch machen: die rechnung hatte ein meister gemacht. kab. u. liebe 3, 504; wie ist es denkbar, eine ewige schenkung an eine wandelbare meinung zu machen? hist.-krit. ausg. 8, 15;

(ein mann) der uns an seinem letzten endt
gemachet hat ein testament,
darinn er uns sein hab verschreibt.
H. Sachs fastn. sp. 1, 55, 30 Götze;

ich hab das reich von einem furchtbarn feinde
befreit, und mache anspruch auf belohnung.
Schiller Wallenst. tod 5, 11;

mach deine rechnung mit dem himmel, vogt. Tell 4, 3;

ein mehr machen, bei der abstimmung: darauf sollen sie alle ... der verlesenen artikelsbestallungen, ein mehr darüber zu machen, ermahnt werden. Fronsperger kriegsb. 3, 7a; geschenk, geschäft, handel, schulden machen: er macht dem würt bei die acht gulden an die wand. Uhland volksl. 620; dasz dem käufer wegen des verkauften guts procesz gemacht werde. Mainzer landr. (1755) 25 § 7; die freude der geistlichen war so grosz, dasz sie Hackert ein geschenk zu machen gedachten. Göthe 37, 263; oder endlich will man dem schönen geschlecht ein präsent damit machen. Schiller hist. - krit. ausg. 2, 377; Antwerpen .. machte damals innerhalb eines monats mehr und gröszere geschäfte, als in zwei ganzen jahren Venedig. 7, 42; sie frug mich, ob das wahr wäre, was die leute sagen, dasz sie ein toller christ geworden sind, schulden machen, die cour machen, teufeleien machen. Freytag journalisten 1, 2;

entlehest vil auf borg und bitt,
machst grosz geltschult und zalst jr nit.
H. Sachs fastn. sp. 1, 60, 205 Götze;

ich war bange,
der kaufmann möchte immer wieder kommen,
sein ross zurücke fodern, solchen guten
handel hab ich gemacht.
Tieck Octavian s. 225;

[Bd. 12, Sp. 1371]


einen vertrag, einen contract machen, schlieszen; ehen werden im himmel gemacht. Schuppius 147; mit knappem ausdruck: auf ein vierteljahr wenigstens muszt du uns zusagen. St. macht vier wochen, damit könnt ihr beide zufrieden sein. Göthe 8, 141; einrede, ausflucht, entschuldigung, zögerung u. s. w. machen: allda macht es nicht lang mist, sondern nam seinen weg durch die königliche weinstrasz zu der linken. Garg. 104a; nach dem ich gefahr merkte, also dasz ich nit länger mist bei ihm zu machen .. getraute, setzte ich mich aufs pferd. Simpl. 3, 231 Kurz; sie (die festung) macht mäuse, und will sich nicht ergeben. Göthe 14, 285; das gesetz, welches jeden ausländer von bedienungen entfernt, macht bei dem oberstatthalter eine ausnahme. Schiller 7, 79; die gerichte machten einen stillstand. 233; ich mache mir luft. 2, 217; frau von P. machte dem marquis über seine wortbrüchigkeit die bittersten vorwürfe. 3, 564; wie würden sie je einen zweiten gebrauch davon machen können? 2, 106; ob ich ihre anmerkung über den ersten aufsatz recht gefaszt habe, werden sie wol sehen; sonst mir es hoffentlich aber nicht übel deuten, dasz ich keinen andern gebrauch davon gemacht habe. Lessing 12, 457; ich mache ihnen deshalb meine entschuldigung. Freytag handschr. 1, 75;

die (zunge) macht dem helden luft.
Logau 2, 14;

so wie ein witzling um sich schaut,
der einen einfall hat, und mit geschrei und lachen
so glücklich ist, ihm luft zu machen.
Gellert 1, 156;

ordnung, sitte, ernst, spasz, witz u. s. w. machen: und (er) macht die ordnung zu Basek. 1 Sam. 11, 8; (ihr) haltet die sitten meines heiligthums nicht, sondern machet euch selbs newe sitten in meinem heiligthum. Hes. 44, 8; wo man leichtfertigkeit will treiben, spiel und schimpf machen. Keisersberg seelenp. 161a; ein kleines kind lief in der stuben umher und machte ihm viel spielens und kindlicher lust. Scriver andachten 1721 23; neben deren stuhl er aber leider Philinen knien und allerlei thorheiten machen sah. Göthe 18, 265; nunmehr ernst zu machen und uns diesen unvergleichlichen mann zum claviermeister zu geben. 24, 184; es war eine drohung, woraus er wol nimmermehr ernst gemacht hätte. Schiller 3, 421; ich will mir einen spasz machen, mich mit pfaffen herumzubeiszen. 2, 182; wenn sie sich diese lust noch nicht gemacht haben, gnädiger prinz, so empfehle ich ihnen diesen standort. 4, 336;

ich liebe den tanz mit schwärmerei;
versprechen sie mir, wenn etwa eine der feen
den spasz mir macht, ein stündchen oder zwei
mit ihrer dienerin zu drehen!
Wieland 4, 53 (n. Amadis 2, 43);

macht euch
darüber keine sorge!
Schiller Wallenst. tod 2, 5;

kartenspiel, würfelspiel u. ähnl. machen: grad oder ungrad machen, ludere par impar Maaler 280c; wir wollen ein spielchen machen; von körperbewegungen, kehrt, rechtsum, linksum machen: wie ihm nun das nicht allzuwohl deuchten mochte, so machte mein bär links um. Münchhausens reis. 36; anfang, aufschub, ende, den garaus machen: sie haben den anfang gemacht zu bekennen, ich machte den anfang zu fehlen. Schiller hist.-krit. ausg. 3, 539; der anfang ist schon bestens gemacht. 4, 272;

wenn
ich zweifeln soll, so laszt mich wenigstens
bei euch den anfang machen. don Carlos 3, 4;

da sie aber her zusamen kamen, machet ich keinen aufschub, und hielt des andern tages gerichte. ap. gesch. 25, 17; wenn wollt jr der rede ein ende machen? Hiob 18, 2; denn er sol ein endschaft mit Mose und dem gesetz machen. Luther 8, 261a;

er (der tod) macht deiner freud ein endt.
H. Sachs fastn. sp. 1, 32, 347 Götze;

o richter, fürsichtig und klug,
mach disem kampf ein frölich endt! 67, 440;

mach end, o herr, mach ende
an aller unser not!
P. Gerhard 187, 89 Gödeke;

mach meinem zweifel, meiner angst ein ende.
Schiller hist.-kr. ausg. 151, 26 (Phädra 1, 3);

lange vorher, eh es noch abend wurde, machten die beiden frommen schwestern den aufbruch. 3, 548; der kutscher der nicht halt machen wollte. 2, 86; euch .. den garaus zu machen. 308; lasz einen wassertropfen in deinem gehirne verirren, und dein leben macht eine plötzliche pause. 183; man beschuldigt

[Bd. 12, Sp. 1372]


sonsten die Schwaben, dasz sie erst anfangen wenn ihre nachbarn feierabend machen. 376.
7) in zahlreichen andern fügungen geht machen nicht wie bisher, auf eine directe, sondern auf eine indirect das object beschlagende thätigkeit, wie verursachen, bewirken. doch berühren sich die fälle mit den vorher unter 6 aufgeführten oft sehr nahe.
a) so von gemütsbewegungen, wie freude, zorn, schrecken u. ähnl. machen: gott hatte jnen eine grosze freude gemacht, das sich beide, weiber und kinder freueten. Neh. 12, 43; einem fröud machen, einen belustigen und erfröuwen, alicui voluptatem dare. Maaler 279a; des herrn majors von Walter hohe gnaden machen uns wohl je und je das bläsier. Schiller hist.-krit. ausg. 3, 361 (kab. u. liebe 1, 2); wahrhaftig mit beiden erzählungen werde ich ihnen eine .. grosze freude machen. J. Paul Qu. Fixl. s. vi;

dasz ihm der ackersmann
zur erndte keinen trost noch hoffnung machen kan.
Opitz 1, 3;

thun wir nun das, ist er bereit
uns wieder anzunehmen,
macht aus dem leide lauter freud
und lachen aus dem grämen.
P. Gerhard 24, 38 Gödeke;

kurzweil, liebe schwester, solls (das kind) uns machen,
mit uns spielen, scherzen, singen, lachen.
Wieland 10, 32;

was du willst, macht mir allemal vergnügen.
Schiller hist.-kr. ausg. 6, 135;

jr macht des zorns uber Israel noch mehr, das jr den sabbath brecht. Neh. 13, 18; einem ein ungunst oder unwillen machen, invidiam alicui facere Maaler 279a;

also dasz ich gemachet han
den ersten zorn und neid,
der zwischen rittern und pauren leit. fastn. sp. 442, 16;

die weiber machten beide Isaac und Rebeca eitel herzeleid. 1 Mos. 26, 35; (der herr) macht ein schrecken in jrem heer. 2 Mos. 14, 24; sie gehen daher wie ein schemen und machen jnen (sich) viel vergeblicher unruge. ps. 39, 7; ja mir hastu erbeit gemachet in deinen sünden, und hast mir mühe gemacht in deinen missethaten. Jes. 43, 24; flieht, flieht! mein anblick könnte ihm einen trüben augenblick machen. Schiller hist.-krit. ausg. 3, 12 (Fiesko 1, 1); (Ferdinand ist) der erste mann, der mir schrecken macht. 396 (kab. u. liebe 2, 2); machen sie mir nicht angst, mein süszer. 428 (3, 2); das eben ists, was mir kummer macht. 538;

dich hat ein weib zur welt gebracht,
und machst dem, der die welt gemacht,
so unerhörte schmerzen!
P. Gerhard 47, 18 Gödeke;

warum machet solche schmerzen,
warum machet solche pein,
der von unbeschnittnem herzen,
dir, herzliebstes Jesulein? 67, 1;

den himmel aus den angeln rücken,
und den geringsten wurm zerdrücken,
das macht ihm (gott) beides gleiche müh.
Drollinger 29;

du stirbst! die erd erschüttert.
die arbeit hab ich dir gemacht,
herr, meine seele zittert.
Gellert 2, 132;

fordert keine andre liebe,
denn es macht mir schmerz.
Schiller ritter Toggenburg;

auch muth, muthlosigkeit, meinung, lust, eindruck, wirkung machen: sein stand machte ihm ein belieben zu glauben, dasz alles dasjenige, was durch viel mühe zuwege gebracht würde, auch eben darumb höchst schätzbar und desto köstlicher sei. Simpl. 1, 11 Kurz; es ist niemand geschickter opinionen zu machen als das betrügliche frauenzimmer, indeme sie manchmal durch freundliches halstrücken artlich thränen machen. Schuppius 531; dann gleichwie ein orator und redner im eingang seiner red, den favor desz zuhörers entweder machet oder verlieret. 728; sihe, ich wil jm einen andern mut machen. Jes. 37, 7; der erste gelungene versuch macht zu dem zweiten muth. Schiller hist.-krit. ausg. 7, 213; auch, sagt er, werdest du dir keine hoffnung machen, jemals gnade zu seinen füszen zu erwimmern. 2, 230; sollen wir uns ein gewissen daraus machen, unserem kameraden zu lieb die stadt drauf gehen zu lassen? 259; alles, was er gegen den korsaren vorbringen konnte, machte keinen eindruck auf seine richter. 4, 147; der graf von Thurn unterliesz nicht, den schlimmen eindruck zu vermehren, den dieses kaiserliche schreiben unter den versammelten ständen machte. 8, 68; jenes mädchen .. hat eine tiefe wirkung auf

[Bd. 12, Sp. 1373]


mein herz gemacht. 3, 555; Giafar war entzückt über die wirkung, die er gemacht hatte. Klinger 5, 72;

wie macht doch kreuz so lange zeit!
P. Gerhard 210, 39 Gödeke.


b) glück, unglück, ehre, schande machen: welche es nicht thun (die frauen, die unfreundlich zu ihren männern sind), die machen inen selbst unglück. F. Roth aller christl. hausmütter ABC D 2; was für ehre konnt es den grazien machen, sterbliche mädchen .. auszulöschen? Wieland 10, 84; diese treue, die das elend seines bruders macht. Schiller 728a; dieser einzige umstand machte sein unglück. hist.-krit. ausg. 8, 44; seine bildungsschule hat das glück mancher hunderte gemacht. 3, 530; wenn das ist, so macht es dem scharfsinn seines landesherrn ehre. 2, 373; das schwerdt macht seinem führer nicht schande. 3, 141;

es konnte .. das ganze menschengeschlecht
nicht stolz genug sein auf die ehre, die Belladonna ihm machte.
Wieland 4, 134 (n. Amadis 6, 20).


c) redens, lärm, aufsehen machen: ein aufruhr und gelöuff inn der statt machen, motus urbanos excitare, seditionem facere Maaler 279a; warum unterdrücken unsere bessern köpfe so oft ihr glücklichstes talent, mit dessen hälfte vielleicht ein ausländer wundergeschrei macht? Schiller hist.-krit. ausg. 2, 381; unsre gesetze sind strenge, und ihre begebenheit machte lerm. 4, 85; das beispiellose unglück des prinzen machte aufsehen. 327; sich eine partei, sich einen namen machen: nachdem sie vergebens versucht hatten, sich unter dem übrigen adel eine parthie zu machen. 9, 9; voll begierde, sich auf kosten der katholischen geistlichkeit .. einen namen zu machen. 8, 12; wolauf, laszt uns eine stad und thurm bawen, des spitze bis an den himel reiche, das wir uns einen namen machen. 1 Mos. 11, 4.
d) von körperlichen regungen und veränderungen: (gott) feret uber mich mit ungestüme, und macht mir der wunden viel on ursach. Hiob 9, 17; solches macht ein wunderschönes angesicht, und erhält die haut klar. Schuppius 470; staatsgeschäfte werden uns keine grauen haare mehr machen. Schiller Fiesko 1, 7; diese feuersbrunst zu bergen, die das geständnis auf meinen wangen macht. 4, 12;

die aloebringt bittres weh,
macht gleichwol rote wangen.
P. Gerhard 85, 70 Gödeke;

kein blut vergieszts und macht doch tausend wunden (der pflug).
Schiller Turandot 2, 4;

viel sitzen macht träges blut; niesen macht ein freies gehirn.
e) in bildlichen wendungen, einem flügel machen, einem beine machen, ihn zum aufstreben, zur eile veranlassen: las deine augen nicht fliegen dahin, das du nicht haben kanst, denn das selb macht jm flügel wie ein adeler, und fleucht gen himel. spr. Sal. 23, 5; wart, ich will dir beine machen! drohung an einen langsamen;

was steht ihr horchen? will euch beine machen.
seht nach den tischen, nach den flaschen!
Schiller Piccol. 4, 5.


f) auch ich mache blut, verursache durch meine lebensweise bluterzeugung: ich verdaue, mache blut, dünste aus. M. Mendelssohn in Nicolais leben v. Gökingk 199;

(Pervonte) gelüstet nichts, als täglich seinen magen
zu füllen und auf seinem schragen
zu flackern wie bisher, macht gutes blut dabei.
Wieland 18, 139;

sechs tage machte nun der glückliche Pervonte
in seiner Vastola gesellschaft gutes blut. 196;

dafür macht auch ein reicher fliegenfänger
bei seiner sultanskost nicht halb so frisches blut. 21, 407;

die augen machen wasser, werden zum vergieszen von thränen bewogen:

wie mancher sieht bei seinem trauerspiel
dasz unsre augen wasser machen. 9, 133;

morast, mist machen: der mensch entstehet aus morast .. und macht morast. Schiller räuber 4, 2;

wie jeder ist,
so macht er mist.
Simrock sprichw. s. 378.


g) in noch anderen fügungen, wo ein bewirken, eine folge ausgedrückt wird: der summer macht oder bringt das feber, aestas adjicit febres Maaler 279a; das machet dein zorn, das wir so vergehen. ps. 90, 7; was hat nit acus nautica in den schiffarten gethan? was hat aber die buchtruckerei in den schriften gemacht? Schuppius 768; weist du das mährchen

[Bd. 12, Sp. 1374]


mit dem medusenkopf? der anblick macht steine. Schiller Fiesko 3, 9;

hör, lantzknecht! du machst dir allein
dein armut.
H. Sachs fastn. sp. 1, 120, 184 Götze;

dann wo ich wirf mein kletten an,
die hangen fast, das macht mein gelt. fastn. sp. 262, 19;

wie kömmts, dasz dirs so kläglich geht?
das macht dein huld und treue.
P. Gerhard 42, 17 Gödeke;

dasz feuersflammen
uns nicht allzusammen
mit unsern häusern unversehns gefressen,
das machts, dasz wir in seinem schosz gesessen. 107, 19;

des höchsten rath, der machts allein,
dasz menschenrath gedeihe. 217, 10;

die reime laufen mir zu paaren in den kiel;
und disz macht Lesbia.
Günther 582;

ach himmel! hast du lust mir alles wegzunehmen?
nimm auch mein leben hin; der ernst macht dieses wort (es wird im ernste gesprochen). 617;

in der allgemeinen formel das macht nichts (neben das thut nichts), das hat keine weiteren folgen: wenn es auch ein wenig regnet, das macht nichts; ein fünfzig thälerchen etwa. was will das machen? Engel phil. f. d. welt 19.
h) auch mit persönlichem object, ursache sein, dasz einer etwas wird: weisheit macht vernünftige leute. spr. Sal. 13, 10; sie reiszen gut und gelt zu sich, und machen der widwen viel drinnen (im lande). Hesek. 22, 25; machet euch freunde mit dem ungerechten mammon. Luc. 16, 9; also, wann ein guter künstler in ein land kombt, der macht so viel lehrjungen und discipul, dasz hernach die kunst im ganzen land ausgebreitet wird. Schuppius 57; die vernunft ists, welche die menschen von dem unvernünftigen vieh unterscheidet. der gebrauch der vernunft macht kluge leute. 848; jetzt fliehen die Geusen, und zehntausend glückliche menschen sind gemacht. Schiller 844a; nun, siehst du, so mus es doch wahr sein, dasz die gewalt nicht tyrannen macht. hist.-krit. ausg. 3, 156 (Fiesko 5, 16); das schwert in der hand macht den helden. 276; seine (Philipps II) politik machte nur elende. 4, 109; ein groszer mensch musz auch in seinen verirrungen noch glückliche machen. 328;

du (armut) aber machst vil übelthäter,
dieb, rauber, mörder und verräther.
H. Sachs fastn. sp. 1, 28, 219;

wisset jr nicht? hoffen und harren
das hat gemacht viel groszer narren. 1, 39, 80;

was ist das beste buch? des heilands lehr und leben.
was macht denn einen christ? der trieb, ihm nachzustreben.
Günther 545;

ein narr macht ihrer zehn; kleider machen leute; kleider machen ein man. kleider machen leut. Frank spr. 1, 19a; das kleid macht den mann. Kant 10, 132; ihr seid nicht allein diebe, sondern ihr macht auch diebe. Schuppius 204;

gelegenheit macht diebe,
zusammensein macht liebe. sprichwort;

(der fürst) war sehr verwundert als ich, anstatt von tragödien und romanen (als gegenständen meiner beschäftigung) zu vermelden, aufgeregt durch die heutige refractions-erscheinung, von der farbenlehre mit groszer lebhaftigkeit zu sprechen begann. denn es ging mir mit diesen entwicklungen natürlicher phänomene wie mit gedichten, ich machte sie nicht, sondern sie machten mich. Göthe 30, 32; ihr bewundert die übereinstimmung dieses gebäudes mit seinen bewohnern, die ihr gestern kennen lerntet. sie ist aber vielleicht noch sonderbarer, als man vermuthen sollte: das gebäude hat eigentlich die bewohner gemacht. denn wenn das leblose lebendig ist, so kann es auch wohl lebendiges hervorbringen. 21, 16; so fühl ich denn in dem augenblick, was den dichter macht, ein volles, ganz von éiner empfindung volles herz! 8, 50.
i) machen, in der ältern rechtssprache, testamentarisch bestimmen, ordnen, verfügen: daʒ eliche gemechte unser burger, die nit elich lebendige kinde habent, einander ir varende gt vergaben, ordenen und machen mögent. Basler rechtsqu. 1, 113 (v. j. 1431); einen erben machen oder ordnen, haeredem instituere Maaler 278b. vgl. dazu vermachen. auch sonst rechtlich ordnen; das haben wir so gemacht, schriftlich bestimmt; so nehmen diese kinder ihr gemachtes voraus vorzüglich. Mainzer landrecht v. 1755 II § 15.
k) machen, bildend, formend bewirken: einen kreisz oder ring machen, sich in einen ring stellen, orbes facere Maaler 279c; der see macht hier einen busen gegen niedriges land zu. Göthe 43, 203; der see macht eine bucht ins land. Schiller Tell 1, 1.

[Bd. 12, Sp. 1375]



8) machen, etwas veranstalten: und Salomo machte zu der zeit ein fest, und alles Israel mit jm ein grosze versamlungen. 1 kön. 8, 65; und da sein vater hin ab kam zu dem weibe, machte Simson daselbs eine hochzeit. richt. 14, 10; und Abraham macht ein gros mal am tage, da Isaac entwenet ward. 1 Mos. 21, 7; (wir lesen) dasz auch die andern söhne vorher ein wolleben oder eine gasterei gemachet hatten, ein jeglicher in seinem hause auf seinen tag, und hätten ihre schwestern zu sich geladen zu essen und zu trinken. Schuppius 159; wir wollen eine collecte machen. Schiller hist.-krit. ausg. 4, 211; ein haus machen, vgl. th. 42, 648;

Jeanette, deine schwestern machen hochzeit. jungfrau von Orl., prolog 1;

dem reichen kam ein gast: dasz der bewirthet würde,
nahm er kein rind, kein schaf aus seiner weid und hürde:
die räuberische faust macht ihm ein freudenmahl
von jenem weiszen schaf, das er den armen stahl.
Hagedorn 2, 5;

etwas ist zu machen, zu veranstalten, ins werk zu setzen: indesz wenn wir nur, ich und die mutter, ihm morgen und übermorgen unablässig wie angelschwimmfedern und fuszblöcke nachrücken, .. so ist es schon zu machen. J. Paul Qu. Fixl. 209.
9) machen, herrichten, in ordnung bringen; das bett machen: bette machen, lectos sternere, ornare Stieler 1192; wenn ich gleich lange harre, so ist doch die helle mein haus, und im finsternis mein bette gemacht. Hiob 17, 13; daher in einem rätsel vom bette:

verfertigt ists vor langer zeit;
doch mehrentheils gemacht erst heut.
Bürger 112a;

die haare machen, sie in zöpfe oder locken legen; holz machen, es für den bedarf der heizung herrichten, zerkleinern; fisch machen, fisch ausnemmen, purgare pisces Maaler 278c; und es steht dann machen als ein vielgebrauchtes haushaltungswort im sinne von wieder ordnen, ausbessern: der stuhl ist zerbrochen, lasz ihn machen; wenn ein schiff zerbrochen und zum machen ausgezogen wird. Lori bergr. 194;

der strang ist mir entzwei. mach mir ihn, vater.
Schiller Tell 3, 1.


10) machen durch eine thätigkeit erlangen, erringen: beute, gefangene machen; beute machen, praedas facere Steinbach 2, 1; das ganze lager wurde erobert, und eine grosze anzahl gefangener gemacht. Schiller hist. - krit. ausg. 9, 5; fahnen, geschütz nebst der ganzen bisher gemachten beute kamen in die hände des siegers. 6; glück machen (verschieden von oben 7, b): je mehr er zusehends in Venedig glück machte. 4, 269;

das überraschende macht glück. don Carlos 3, 10;

auch sich etwas machen, erwerben:

die kinder des verworfnen drachen,
die laster reisten über land,
um anderswo sich was zu machen,
weil sich zu hause mangel fand.
Lichtwer fab. 1, 7;

alles machen können, erringen, durchsetzen:

(Piccolomini) kann bei dem Friedländer alles machen,
hat auch einen groszen stein im brett
bei des kaisers und königs majestät.
Schiller Wallenst. lager, 11. auftr.;

häufig geld machen, in dem sinne von erhandeln, durch handel gewinnen, wie engl. to make money (unterschieden von geld machen, prägen, oben 1, a): köufig, auf den kauf gerüst, alles darausz man gält macht, promercalis Maaler 247c; gält machen, das ist, gält lösen und samlen, oder zesamen legen, pecuniam facere, expedire pecuniam, pecuniam ex re aliqua conficere Maaler 278c; es war (unter den schauspielern) immer nur die frage: was wird das stück machen (einbringen)? ist es ein zugstück? Göthe 18, 89; (eine) schrift, die so eben eine erneute starke auflage gemacht hat (erreicht, durch verkauf der vorigen). Weserzeitung 1859 4875; und so dient machen in kaufmännischer sprache für erhandeln, verhandeln, mit bezug auf den dabei erlangten preis: eine ware wird gemacht; kurische gerste ist im lande gemacht worden (in Kurland selbst verhandelt). Weserzeitung 1859 4871; das schiff macht 30 c. (gewinnt 30 cents fracht) für die reise. ebenda.
11) machen, als resultat ergeben, ausmachen, betragen; so bei rechnungen und vergleichen: item man sal holen das kornmasz und habermasz zu Kyssige an der brucken, und yenner vier sollen machen diszer funfe. weisth. 3, 889 (15. jahrh.); die kinder von Lea, die sie Jacob gebar in Mesopotamia, mit seiner tochter Dina, die machen allesampt mit sönen

[Bd. 12, Sp. 1376]


und töchtern, drei und dreiszig seelen. 1 Mos. 46, 15; eine mina macht zwanzig sekei. Hes. 45, 12; und es kam eine arme widwe, und legte zwei scherflin ein, die machen einen heller. Marc. 12, 42; was der herr major mir schuldig: drei und einen halben monat lohn, den monat 6 thaler, macht 21 thaler. Lessing 1, 519;

vorstellung wenigstens ist; ein vorgestelltes ist also,
ein vorstellendes auch, macht, mit der vorstellung, drei!
Schiller hist.-krit. ausg. 11, 418;

ausmachen, vom inhalt eines gefäszes: capsaces, ein vat dat XII eymer maekt. Dief. 98c; wann ein wolbeladenes schiff ankömt, das macht mehr als wann hundert wagen zu lande kämen. Schuppius 93; und sonst von etwas aus theilen bestehendem: nur machen viele kleine dinge leider kein groszes. Göthe 43, 96;

der ring macht ehen,
und ringe sinds, die eine kette machen.
Schiller Maria Stuart 2, 2.


12) machen, mit dem allgemeinen objecte es oder was, in mehrfachem gebrauche.
a) es machen, es treiben, als allgemeinste bezeichnung einer thätigkeit oder eines treibens: potz herrich! wenn sies ihren guten freunden nicht besser machen. Wieland 11, 187; jr gedachtets böse mit mir zu machen, aber gott gedachts gut zu machen. 1 Mos. 50, 19; hoffe auf jn, er wirds wol machen. ps. 37, 5; machs gut auf dem seitenspiel und singe getrost. Jes. 23, 16; mit näherer bestimmung durch so oder wie: die kinder Israel sprachen zu dem herrn, wir haben gesündigt, mache es nur du mit uns, wies dir gefellet. richt. 10, 15; nim jn, und las jn dir befolhen sein, und thu jm kein leid, sondern, wie ers von dir begert, so machs mit jm. Jer. 39, 12; hätt ichs nicht gesehen, wie sies machen, einen zu stürzen. Klinger Otto 12, 4; so machts der sohn dem vater, der nicht will, wie er. 31, 28; wie man es macht, so gehts, quilibet fortunae suae faber. Steinbach 2, 2; entzweien? .. wie mach ich das? Schiller kab. und liebe 3, 2;

ich mach es wie ich wil, so mag ich keinem tügen.
Logau 1, 185, 75;

nimm mich und mach es du mit mir
bis an mein letztes ende
wie du wol weiszst,dasz meinem geist
dadurch sein nutz entstehe.
P. Gerhard 85, 75 Gödeke;

mach es nicht, wie mirs die gönnen,
die mein abgesagte feind (sind). 146, 41;

so machens, Phöbus, deine leute,
so führen sich die meisten auf.
Günther 167;

die sehnsucht fängt mich an mit stiller angst zu quälen,
und machts, wie seitenweh, das blinde stiche giebt. 580;

es kurz machen, vgl. th. 5, 2838; es lange machen, zögern:

auf ihn hofft alle welt. er macht es zimlich lange,
eh er disz werk fing an.
Fleming 3;

es nicht lange machen, nicht zögern; es nicht lange mehr machen, häufiger ausdruck für bald am sterben sein:

du sichst ich bin nun alt und schwach,
villeicht ichs auch nicht lang mer mach
und werd getragen zu dem grab.
Scharpfenecker Acolast (1544) Bb;

und sie versamleten sich wider Mosen und Aaron, und sprachen zu jnen, ir machts zu viel. 4 Mos. 16, 3; ach der herr sei unbemühet, der herr ist zu vil angsthaft, der herr machts nur zu viel. Garg. 44b; er machte so lang und viel mit mir, bisz ich alles eingieng. Simpl. 1, 76 Kurz; so bunt haben wirs nie gemacht. Schiller räuber 4, 5; machs wol! machs gut! als abschiedsgrusz (noch jetzt düringisch):

geht denn, liebste; macht es gut.
Fleming 396;

zeuch hin; machs wol; komm wieder. 450;

es mit einem machen kann auch prägnanten sinn haben, freundlich mit einem verfahren: er hat es mit mir gemacht, amicabiliter mecum rem transegit Steinbach 2, 3; wenn er es nicht mit mir machen will, kauf ich es nicht, nimium aestimanti relinquo merces. ebenda.
b) in frage und abhängigem satze mit was; entweder allgemein auf ein thun oder treiben hinzielend: waʒ den tüfel, waʒ machstu hie? Ulensp. 20, s. 26 Lappenb.; Paulus aber antwortet, was machet jr, das jr weinet, und brechet mir mein herz? ap. gesch. 21, 13; etliche die da stunden, sprachen zu jnen, was machet jr, das jr das füllen ablöset? Marc. 11, 5; wir wusten nit, was der wind machen würde. Schuppius 714; Lisette. und was machen sie mit einander? Anton. was sie machen? sie zanken sich. Lessing 1, 245; du blutest ja —

[Bd. 12, Sp. 1377]


was hast du gemacht? Schiller räuber 3, 2; wer überrascht ist, jemand an einem orte anzutreffen, fragt was machst du denn da? was machst du hier? quid rerum hic geris? Steinbach 2, 2; kinder, was macht íhr da (wie kommt ihr denn hierher)? Freytag bilder aus d. d. verg. 2 (1859), 397;

die andre schaar ist kummers voll,
und weisz nicht, was sie machen soll.
P. Gerhard 54, 83 Gödeke;

was grämt ihr euch? was macht ihr doch?
ich bin ja unverloren. 97, 3;

oder auf das befinden bezogen: ja! Daniel ich wills nicht mehr verhehlen! ich bin dein Karl, dein verlorner Karl! was macht meine Amalia? Schiller räuber 4, 3;

wie oft ich mit verdrusz, der mein vergnügen nagte,
weil du nicht bei mir warst, was mag er machen? fragte.
Göthe 7, 14.


c) es machen, etwas machen, verhüllend von einer nicht zu nennenden thätigkeit: es machen, es einer machen, sie beschlafen; etwas machen, seine notdurft verrichten:

die leineweber haben eine gute manier,
sie machen einander was vor die thür. volksreim.


13) machen, etwas aus etwas, seltener von etwas, nach den verschiedenen beziehungen des verbums; im eigentlichen sinne, bereiten, formen, schaffen: o narr, meinestu, das du von einem andern klotzen erden und von einem andern Adam gemacht seiest, denn der underthon. Keisersberg narrensch. 118a; gott der herr machet den menschen aus dem erdenklos. 1 Mos. 2, 7; an allem das aus fellen gemacht wird. 3 Mos. 13, 48; an einigerlei ding das von fellen gemacht ist. 48; gedenk doch, das du mich aus leimen gemacht hast. Hiob 10, 9; wenn man milch stöszt, so machet man butter draus. spr. Sal. 30, 33; man hätte drei theaterstücke daraus (aus den räubern) machen können. Schiller hist.-krit. ausg. 2, 375; (kinder) die sich aus stühlen, tischblättern und teppichen eine hütte am ofen machen. Göthe 16, 254; so ist die mittlere lage einer spielkarte aus makulatur gemacht, nur die zwei äuszersten lagen aber aus feinem druckpapier. J. Paul Qu. Fixl. 6;

alsô der tuot, der ûʒ wahse
ein bilede machet. genes. in den fundgr. 2, 13, 26;

in sprichwörtlichen wendungen: ich schicke solch exemplar darumb hinein, dasz sie bald sollten fertig werden, da machen sie mir ein lagerobs daraus. Luther br. 4, 133;

so machen sie aus der noth wohl eine tugend.
Schiller Piccol. 3, 1;

bewirken, dasz einer etwas wird: ich wil .. dich schenden und ein schewsal aus dir machen. Nahum 3, 6; sie weisz, was sie aus mir gemacht hat. Schiller kab. und liebe 4, 2; auf eine vorstellung hinweisend: ich habe meine tante gesprochen, und bei weitem das böse weib nicht gefunden, das man bei uns aus ihr macht. Göthe 16, 6; in bezug auf gewinnung (oben 10): wann der ochs fett ist, so wil ich ihn verkaufen, und ein stück geld darausz machen. Schuppius 246; nach oben 11 in bezug auf ein resultat, ein urtheil: die rapidität womit der verstand aus dreimal drei neune macht. Schiller hist.-kr. ausg. 10, 194; als der freund sich allein befand, dachte er über die wunderliche person erst nach, die ihn hatte einladen lassen, und wuszte nicht recht, was er daraus machen sollte. Göthe 23, 11; der amtsdiener wuszte nicht, was er aus dem ankömmling machen sollte. 227; aus der dreieinigkeitslehre läszt sich nichts fürs practische machen. Kant 1, 236;

was soll man daraus machen?
Schiller Wallenst. tod 3, 17;

eine schätzung bezeichnend: die alten machten sehr viel aus dem dilemma (legten groszen wert darauf). Kant 1, 466; wunderzeichen, aus denen man sich jetzt nichts mehr macht. 10, 204; dasz ich es sehr deutsch herausgesagt, wie wenig ich mir daraus (aus einem titel) mache, können sie mir auch glauben. Lessing 12, 457; je mehr man ursache hat, aus den todten etwas zu machen, damit die lebendigen als etwas erscheinen. Göthe 54, 122; ich würde mehr aus Albanos gedächtnismahl machen, .. ging ich nicht wichtigern begebnissen entgegen. J. Paul Tit. 1, 89; er selber machte nicht viel aus dem tage und vergasz ihn. 2, 96; sie sah aus, als wenn sie sich aus nichts etwas mache, aber sie wuszte alles, was auf der strasze vorging. Freytag handschr. 1, 36; Hans theilte dem doctor leise die neuigkeit mit, und war sehr betroffen, dasz dieser nichts daraus machte. 157;

ich kenne dich zu gut, um was daraus zu machen;
ich finds nur lächerlich.
Göthe 7, 46.

[Bd. 12, Sp. 1378]



14) einen oder etwas zu etwas machen, eben auch in verschiedenen wendungen: gott hat den menschen zu seinem bilde gemacht. 1 Mos. 9, 6;

Hans Adam war ein erdenklos,
den gott zum menschen machte.
Göthe 5, 14;

ich will dich zum groszen volk machen. 1 Mos. 12, 2; ich habe jn zum herrn uber dich gesetzt, und alle seine brüder hab ich jm zu knechte gemacht. 27, 37; da gieng alles volk gen Gilgal und machten daselbst Saul zum könige. 1 Sam. 11, 15; einen solchen karakter .. hätte man entweder nie zum vertrauten, oder niemals zum feind machen sollen. Schiller hist.-krit. ausg. 3, 422; sie machen mich bei jeder neuen eroberung (in der liebe) zu ihrer vertrauten. 540;

da machat im (für in, vgl. sp. 1360) mein herr zu ritter. fastn. sp. 424, 22;

heut macht uns, so sollten sterben,
gottes blut zu gottes erben.
P. Gerhard 68, 23;

machst mich vom knechte der welt zu einem deiner knechte,
und tilgest meine missethat.
Gellert 2, 169;

sei stolz! du hast heute missethäter zu engeln gemacht! Schiller hist.-krit. ausg. 2, 325;

würfel spil und huren lieb
macht manchen man zu einem dieb.
H. Sachs fastn. sp. 1, 65, 397 Götze;

man sage es unsern schönen, die mit einer farbigten landschaft im gesicht unsre weisheit zur närrin machen wollen. Schiller hist.-krit. ausg. 2, 351; die poesie .. soll nie die gelehrsamkeit zu ihrer auslegerinn, nie den eigennutz zu ihrem fürsprecher machen. 10, 174;

die wunder der natur, die gott zu lehrern machte,
stehn vor mir da, und diese hör ich nicht.
Gellert 2, 126;

sie zweifeln — wohlan! ich will, auf ihre gefahr,
ihr eignes auge zum richter machen.
Wieland 4, 157 (n. Amadis 7, 18);

ein traum der uns zum gast der götter macht. 9, 110;

verzweiflung
macht mich zur furie, zum thier.
Schiller don Carlos 5, 3;

einen zu etwas machen, ihn durch worte oder handlungen für etwas erklären; einen zum lügner machen, einen lügenstrafen: und machte die zu lügener, die jn getadelt hatten. weish. Sal. 10, 14; wenn du mich zum lügner machst, junge — vor dem fürsten, der lady, der stadt, dem hof mich zum lügner machst. Schiller kab. u. liebe 1, 7; in andern fügungen: deswegen (wegen seiner sternkunde und traumdeuterei) ist er (der schäfer) auch von nachbarn allen gotssambt zu so einen straffen kerl gemacht worden (dafür erklärt). Schoch stud. leb. D 2; er machte sie (die damen) zu Engländerinnen, weil sie eine fremde sprache gesprochen und ihn mit gold bezahlt hätten. Schiller hist.-krit. ausg. 4, 325;

zu welchem rasenden macht man den herzog!
er könnte daran denken, dreiszig tausend
geprüfter truppen, ehrlicher soldaten ...
von eid und pflicht und ehre wegzulocken? Piccol. 5, 1;

einen zu ehren, zu schanden, zum spott, zum gelächter machen: mus der Luther her halten, und die prediger münche zu ehren machen. Luther 3, 515a; was gott wil zu ehren machen, das machet er vorhin zu schanden. 4, 214b; wiltu sie von dir stoszen, so mache sie wider ganz zu ehren, wie sie gewest ist, ehe du sie berüret hast. 5, 243a; sie (die naturkraft) wird wieder schnell erhaben, sobald sie die kunst (acc.) des menschen zu schanden macht. Schiller hist.-krit. ausg. 10, 133;

nu pin ich gar zu groszen schanden
gemacht von dem vilzpauren. fastn. sp. 414, 36;

lasz sie spotten, lasz sie lachen!
gott, mein heil,wird in eil
sie zu schanden machen.
P. Gerhard 123, 36;

macht einst die zeit den schlusz noch ganz und gar zu schanden.
Günther 550;

wer sind die willigen, die dich zum wunder machten?
ists meistens nicht ein volk, das ich und du verachten?
Gellert 2, 21;

ich will
ihn (Posa) zum gelächter machen.
Schiller don Carlos 5, 9;

das mich der teufel und die seinen hie auf erden zu asschen, und in der helle zum ewigen brand gemacht hetten. Luther 6, 315a; du (pistole) kannst mich zu nichts machen. Schiller hist.-krit. ausg. 2, 303; einen überlegenden schurken, dergleichen Franz, der jüngere Moor, ist ... zum gegenstand der bildenden kunst zu machen. 361; wenn er sein fürstenthum

[Bd. 12, Sp. 1379]


nur zur schatzkammer seiner wohlthätigkeit macht! 3, 157;

diesz alles
macht ich zu nichte. 6, 223;

ein tropfe hasz, der in dem freudenbecher
zurückbleibt, macht den segenstrank zum gift. 13, 260 (jungfr. v. Orl. 3, 4);

(wir) machen den brief der tochter zur einzigen bedingnis seiner befreiung. 3, 425; da ich mir alle mystische bücher zu nutze machte. 4, 239; (sie haben) ihre eigene beschränkung zum maaszstab des schöpfers gemacht. 47; wie sehr auch einige neuere aesthetiker sichs zum geschäft machen, die künste der phantasie und empfindung ... zu vertheidigen. 10, 1; allgemeine mittheilbarkeit seiner empfindungen musz sich der mensch zum gesetz machen. 42;

jetzt aber, da verdrusz und gram
und lange weil bei tag, und noch langweilgers wachen
bei nacht, zerstreuungen ihr zum bedürfnis machen.
Wieland 22, 279 (Oberon 6, 58);

du machest die stad zum steinhaufen. Jes. 25, 2; z latin machen, in latin verdolmetschen, latine reddere. Maaler 279c; ich hab alle meine habseligkeiten zu gold gemacht. Schiller Fiesko 5, 15; ich gehe, mache meine kostbarkeiten zu geld. kab. u. liebe 3, 4;

allein ich bitt euch umb verzug (schuldner zum gläubiger),
bisz dasz ich etwas zu gelt mach.
J. Ayrer fastn. sp. 129c (2983, 33 Keller).


15) dieses zu kann namentlich in der älteren sprache fehlen:

er sach wol daʒ im wære gâch,
unde machte in dar nâch
ritter als im wol tohte. Greg. 1473;

es begab sich .. das herzog Ernst von Sachsen der churfürst mit groszer herlichkeit gen Rom reit, in willen seiner son ein bischof zu Meinz zu machen. Wilw. v. Schaumb. 55; (dasz der böse geist) gott in seinen worten ein lügener mache. Luther 1, 181b; das sie alle heiden hoffen Jüden zu machen. 5, 130b; sollen sie nun bleiben in jhrer pracht und rhum, so müssen sie sich etwas höhers bessers und heiligers machen, denn die gemeine christen sind. 131a; wer mich unter den rottengeistern kan zwifeltigen papisten, und erger weder den bapst machen, der kan nicht feilen. 6, 315a; weiter leugt er (Mahmet), das die christen Mariam eine göttin machen. 8, 23a; er gedacht jn könig zu machen. 2 chron. 11, 22; du .. machest mich ein heubt unter den heiden. ps. 18, 44; wir haben die lügen unser zuflucht, und heuchelei unsern schirm gemacht. Jes. 28, 15; und machet uns erben ewiger seligkeit. Melanchthon hauptart. christl. lehre im corp. doctr. christ. (1560) 563; du hast zwar keine kinder, welche wir dir in groszer anzal wünschen. wann aber die götter ein anders haben wollen, würdest du deinen namen und geschrei glückseliger nie der ewigkeit einschreiben können, als wann du diese sach allein wirst promoviren, und der ganzen insul kinder gleichsam adoptiren, und die deinigen machen. Schuppius 726; da sich Vieilleville nun durch diese kriegslist meister von der stadt gemacht hatte. Schiller 1082a; Verrina. dann wärst du geschickt, die sprache meines grams zu verstehen und meinen entschlusz anzustaunen. Bourg. ich werd ihn hören und mein (zu dem meinigen) machen. Fiesko 3, 1;

mein fühlend herz macht ihr vergnügen mein.
Wieland 17, 126 (Idris 2, 102).


16) machen mit prädicativem adjectiv zum object, welches das ergebnis der thätigkeit oder das ziel derselben bezeichnet.
a) mit sächlichem object: ein kleid fertig machen, ein zimmer bereit machen; die stube rein machen; der schreiner macht den einen tisch rund, den andern eiförmig, den dritten viereckig; einen krug voll, den andern leer machen; etwas klein, grosz machen;

sie machônt iʒ sô rehtaʒjoh sô filu slehtaʒ,
iʒ ist gifugit al in ein,selb sô helphantes bein.
Otfrid 1, 1, 15;

der hieʒ dâ lære machenvil manic leitschrîn
von silber und von golde. Nib. 1313, 2;

der herr .. macht das meer trocken. 2 Mos. 14, 21; und (er) machet jn (den altar) inwendig hol. 38, 7; also wil ich das land wüste machen. 3 Mos. 26, 32; machet die thore weit, und die thüre in der welt hoch. ps. 24, 7; als ich das Thomasthor vorbeiging, sah ich gewaffnete soldaten .. die galeeren des grafen von Lavagna segelfertig machen. Schiller hist.-krit. ausg. 3, 106 (Fiesko 3, 11); so machst du deine sache nur

[Bd. 12, Sp. 1380]


halb. 159 (5, 16); alle schulen der ketzer werden aufgehoben, alle ihre kirchen dem erdboden gleich gemacht. 7, 293;

wie der lenz die gärten lustig macht (schmückt).
Hagedorn 1, 62;

etwas sich eigen machen, nütze machen; etwas kund machen, weisz machen: sonderlich machet er jm den spruch Bileam, num. 24., nütze. Luther 8, 82a; wenn ich mir einen ausdruck von Milton eigen machen darf. Wieland 10, 58;

ich sing und mach auf erden kund
was mir von dir bewust.
P. Gerhard 118, 3;

unwissenheit und ernst schlieszt öfters beider mund;
ihr umgang nähret sich durch beider stumme blicke.
man machet sich die lust aus diesem eintrachtsglücke
einsylbicht, doch nur selten, kund.
Hagedorn 2, 38;

einst machte durch sein ganzes land
ein könig den befehl bekannt,
dasz jeder, der ein amt erhalten wollte,
gewisse zeit auf reisen gehen sollte.
Gellert 1, 46;

aus Gent
empfangen sie den ersten brief
von mir, der das geheimnis unsers umgangs
laut machen soll.
Schiller don Carlos 5, 11;

trotz aller dieser gelehrsamkeit hätte
ein mädchen von vierzehn, das gott mit fünf bis sechs sinnen bedacht,
ihm, wie dem kleinsten kinde, wer weisz was weis gemacht.
Wieland 4, 61 (n. Amadis 3, 7);

da die rebellen selbst .. dem könig die landung streitig machen konnten. Schiller hist. - krit. ausg. 7, 225; sie werden doch diese grille nicht wahr machen wollen? 3, 142 (Fiesko 5, 5);

ihr meister in der kunst zu lügen! ..
ein schlechter mensch, ihr werdet lachen,
wird euch den vorzug streitig machen.
Gellert 1, 212;

das gesetz ist der freund des schwachen,
alles will es nur eben machen.
Schiller braut von Messina v. 887;

auch in mehr indirectem sinne (vgl. dazu oben nr. 7), bewirken, dasz etwas so oder so wird: das beide prediger und hörer die zal der heiligen teglich mehr und gröszer machen. Luther 3, 28a; und die Egypter zwangen die kinder Israel zu dienst mit unbarmherzigkeit, und machten jnen jr leben sauer. 2 Mos. 1, 14; dein vater hat unser joch zu schweer gemacht, mach du unser joch leichter. 2 chron. 10, 10 (vgl. v. 4); mache jre zungen uneins herr. ps. 55, 10; ein frölich herz macht das leben lüstig. spr. Sal. 17, 22; es wird einem sauer gemacht das biszchen leben und freiheit. Göthe 8, 9; überhaupt aber, musz ich dir sagen, macht das klima nicht sonderlich viel, das genie kommt überall fort. Schiller hist.-kr. ausg. 2, 82 (räuber 1, 3); ich machte grösze mit grösze wett. 3, 137 (Fiesko 5, 1); wollen sie die impertinenzen ihrer frau mit ihrer galanterie wieder gut machen? 195 (Fiesko 1, 3 bühnenbearbeitung); ich will dir dein herz nicht noch schwerer machen. 477 (kab. u. liebe 5, 1); zieh hin! lade alle deine sünden auf, .. und wenn die last noch zu leicht ist, so mache mein fluch das gewicht vollkommen. 479; was ich bei meinen zeitgenossen verderbe, steht noch immer in meiner macht wieder gut zu machen. 5, 2; diese schönheitlinie, in alle buchstaben verzogen, will er durch kupferplatten, die er selber sticht, für die kanzleien gemeiner machen. J. Paul Qu. Fixl. 201;

er macht das bittre kreuze süsz.
P. Gerhard 174, 48;

der aber, der uns ewig liebt,
macht gut, was wir verwirren. 222, 90;

auf ein urtheil, eine vorstellung zielend (vgl. dazu oben unter 13): wenn dir etwan ain anmtiger gedank einfelt, so laufest du im nach (wie einem schmetterling) .. und machest dir es z tausent malen hüpscher im kopf dann es an im selbs ist. Keisersberg geistl. spinn. N 4c; ein ding greüwlich machen, zum greüwlichsten auszlegen, ad saevitiam aliquid trahere. Maaler 279a; das ist, wenn sie (die böse natur) ein mal ein werk aufbringet, das sie wolgethan heiszet, kan sie jrs so nütz machen, sich spiegeln und kutzeln, das sie gott solle für den grösten heiligen ansehen. Luther 4, 457a; dasz ich aber den fabeln die gleichnissen gleich mache, ist die ursach, dasz die fabeln nichts anders sind, dann liebliche gleichnissen. E. Alberus Esop IV;

das schwesterliche lob musz ihnen übrigens nicht
des pinsels treue verdächtig machen.
Wieland 4, 126 (n. Amadis 6, 10);

von dingen, die etwas verursachen: macht mir den kopf nicht warm, ihr mädchen! Freytag journalisten 2, 1;

[Bd. 12, Sp. 1381]


langweiliger besuch macht zeit und zimmer enger.
Hagedorn 1, 87;

sie, deren mund nichts sprachlos macht,
sie reden heut als mit bedacht. 126;

dann will die dichtkunst mich durch ihren reiz ergetzen,
der in die seelen wirkt, und herzen edler macht. 28;

noch macht der saft der purpurtraube
des menschen krankes herz gesund.
Hölty 203 Halm;

oder mit denen etwas vollbracht wird: viele tropfen machen endlich das glas voll;

gute nacht, ihr schönsten brüste!
macht nun andre hände voll (füllt sie).
Günther 276.


b) das adjectiv ist näher bestimmt, entweder durch mit und folgendes subst.: und (er) machet Jerusalem vol mit unschüldigem blut. 2 kön. 24, 4;

ihr finger faszt die spindel wol
und macht sie schnell mit garne voll.
P. Gerhard 243, 36;

oder durch genetive: mache jr angesicht vol schande. ps. 83, 17; du machest das land vol früchte die du schaffest. 104, 13.
c) mit allgemeinem object es, und persönlichem dativ: er macht sichs viel zu schwer; Luise. mein gott! wie wird ihnen? Ferd. heisz und enge — will mirs bequemer machen. Schiller kab. u. liebe 5, 7;

ich wills dem viehe leichter machen.
Gellert 1, 58;

und sprach die dame: mach dirs leicht!
da wurd ihm gleich das auge feucht.
Schiller gang nach dem eisenhammer.


d) mit persönlichem object: ich habe jn gesegnet, und wil jn fruchtbar machen. 1 Mos. 17, 20; da aber der herr sahe, das Lea unwerd war, macht er sie fruchtbar und Rahel unfruchtbar. 29, 31; da aber die kinder Israel mechtig wurden, machten sie die Cananiter zinsbar. Jos. 17, 13; du hast heute schamroth gemacht alle deine knechte. 2 Sam. 19, 5; mache die gottlosen dünne wo sie sind. Hiob 40, 7; nach dem könig, den sie schon bereit gemacht haben. pred. Sal. 2, 12; jre magd Abra machet sie frei. Jud. 16, 28; Christus ist in die welt kommen, die sünder heil zu machen. Reiszner Jerus. 1, 26a; nimm den braven Hungen, sein weib und kinder in den schutz, mach sie glücklich. Klinger Otto 19, 8; lieber gott, wenn du einen tief verwunden willst, machst du ihm die menschen, die er aus dem staube gezogen, undankbar! 26, 2; groszer hauptmann! heut hast du mich zum erstenmal stolz gemacht! Schiller hist.-krit. ausg. 2, 172 (räuber schausp. 4, 5); macht mich nicht rasend, Moor. 290 (räuber trauersp. 4, 8); du machst mich bald ungeduldig. 3, 101 (Fiesko 3, 8); womit du mich schamroth machst. 124 (4, 12); den Bourgognino lasz ich um einen kopf kürzer machen. 146 (5, 9); sie (weibspersonen) wurden ausfündig gemacht. 542; er machte ihn fürs erste mit verschiedenen erdichteten anschlägen des vizekönigs gegen die republik Venedig bekannt. 4, 131; wie konnte man sie für die unglücklichen folgen ihrer löblichen absichten verantwortlich machen? 9, 12; wenn uns Virgil mit grausen über das höllenreich erfüllen will, so macht er uns vorzüglich auf die leerheit und stille desselben aufmerksam. 10, 144;

nu het er (Amis) trunken gemaht
beidiu bruoder unde knehte,
daʒ si lâgen rehte
als ob si wæren erslagen. Amis 1525;

er (mein buhle, der wein) hat mich nechten trunken gmacht,
und frölich heut den ganzen tag.
Uhland volksl. 585;

erweiche unsern harten mut
und mach uns böse fromm und gut.
P. Gerhard 16, 50;

da bist du, mein heil kommen,
und hast mich frei gemacht.
ich lag in schweren banden,
du kömmst und machst mich los,
ich stund in spott und schanden,
du kömmst und machst mich grosz. 26, 24;

mache mich, o gnadenquell,
durch dein waschen rein und hell. 77, 37;

damit der gerechte knecht,
der vollkommne sühner,
gläubig mach und recht gerecht
alle sündendiener. 168, 135;

wenn der himmel brennt und kracht
und die erde furchtsam macht.
Günther 99;

sie macht den hund mit streicheln stumm,
und lockt ihn freundlich auf die seite.
Gellert 1, 53;

die memmen weinen,
von einem knaben weich gemacht.
Schiller don Carlos 5, 5;

[Bd. 12, Sp. 1382]


zum adjectiv tritt ein bestimmender zusatz, genitiv oder infinitiv:

(mein buhle wein) macht mich lustig zu singen.
Uhland volksl. 585;

(du hast bezwungen) alle sorgen, die dich früh,
auch oft bei den späten nachten
voller angst und wehmut machten.
P. Gerhard 29, 24;

du machst mich alles jammers frei. 153, 87;

in bezug auf vorstellung und urtheil: einen schlecht machen (ihn vor andern als schlecht hinstellen), in gewöhnlicher rede: die mutter schämte sich nicht einmal, den vater vor den kindern schlecht zu machen; dasz er das nicht sage, um sie schlecht zu machen, wie er sich ausdrückte (ein bauernbursche). Göthe 16, 119; auch anderweit:

der Houdart, den ich mir zum muster nie erlesen,
ist nicht so grosz, auch nicht so klein gewesen,
als Fontenell und Rousseau ihn gemacht.
Hagedorn 1, 104.


e) auch von dingen: dasz dich der donner stumm mache, lügengeist du! Schiller hist. - krit. ausg. 2, 185 (räuber 5, 1); nicht blos auf menschen und menschenkarakter, auch auf schicksale macht uns die schaubühne aufmerksam. 3, 519;

ihn machte
der helmbusch kenntlich und das lange haar. Wallensteins tod 4, 10;

wo in vielen fällen der begriff des verursachens und bewirkens (vgl. oben 7) besonders deutlich sich zeigt: du solt nicht geschenke nemen, denn geschenke machen die sehenden blind. 2 Mos. 23, 8; es macht mich toll, wenn ich daran denk. Klinger Otto 18, 16; was macht euch auf einmal so bleich? Schiller hist.-krit. ausg. 2, 186 (räuber schausp. 5, 1); o meine tochter! eure liebe machte mich so glücklich. 246 (räuber trauersp. 2, 3); wilde lebensart, leidenschaft, und lange trennung hatten ihn unkenntlich gemacht. 356; ihre erbitterung macht sie ungerecht. 3, 46 (Fiesko 2, 3); dieses urtheil macht mich eitel auf meine tochter. 74 (2, 17); alles vereinigt sich den prinzen und die königin strafbar zu machen. 181; gefahren werden meine Louise nur reizender machen. 372 (kab. u. liebe 1, 4); wie einen das doch alt machen kann! 551; das gemeiner gewordene gold machte den soldaten immer theurer. 7, 14; wie schnell standen diese truppen im reiche, wenn ein entscheidender streich sie hier nothwendig machte. 8, 23; das machte meine seele weich, dasz ich, so oft ich dieses freundliche roth- und weiszblühende zufriedene gesicht sah, es gleichsam innerlich anreden muszte: o sei nicht so fröhlich, armes opfer! J. Paul Qu. Fixlein 4, 25;

was auch der pöbel weisz, kann mich nicht lüstern machen.
Hagedorn 1, 17;

die schönheit gab sie (die natur) mir, und ich gab mir die tugend;
nicht jene macht mich stolz, nein! diese macht mich kühn.
Gellert 1, 94;

der schmerbauch mit der kahlen platte!
das unglück macht ihn zahm und mild.
Göthe 12, 107;

was ihn euch widrig macht, macht mir ihn werth.
Schiller M. Stuart 1, 3;

sein hohes alter machte ihn von einer verbindung dieser art nicht abgeneigt. hist.-krit. ausg. 4, 127;

lasz dich das wort nicht reun, das mich belehrt,
mich klar macht über meine pflicht. M. Stuart 4, 11.


17) statt des persönlichen accusativs ist bisweilen ein persönlicher dativ gesetzt, so bei angst machen, wobei das subst. gefühlt worden ist (vgl. th. 1, 359), ebenso bei bange machen, bei welchem eine eigentlich adverbiale fügung vorliegt (th. 1, 1102. 1103, wo zahlreiche belege für den gebrauch des dativs wie des accusativs): Kalkagno. was? leben soll der heide, leben und uns alle verrathen haben? Fiesko. leben, und euch allen — bang gemacht haben. Schiller Fiesko 4, 9;

sein (eines kometen) stral ist breit und lang,
macht uns fast angst und bang.
P. Gerhard 105, 50;

was erneust du deinen stich,
machst mir angst und bange? 136, 12;

auch in andern, einen innern menschlichen zustand bezeichnenden verbindungen: und der vierde engel gos aus seine schale in die sonne, und ward jm gegeben, den menschen heis zu machen mit fewr. offenb. 16, 8; Jakobi 'von den göttlichen dingen' machte mir nicht wohl. Göthe 32, 72;

diesz wort macht den umstehenden,
durchglühten muscheln ähnlich, heisz. 6, 75;

wie schon mhd.:

bluotec sweiʒ im machte warm. Parz. 385, 20;

[Bd. 12, Sp. 1383]


aber geistliche zusprüche mochte er doch nicht, sie machten ihm wunderlich. J. Gotthelf 3, 270;

der könig, dem ich weisz nicht was oft schwer
ums herze macht, betreibt den rückzug sehr.
Wieland 10, 289;

es war ich weisz nicht was, das einem seltsam bang
und schwer macht, in der luft. 21, 182.


18) das adjectiv ersetzt ein particip präsentis: durch seine weisheit sind die tiefen zurteilet, und die wolken mit taw triefend gemacht. spr. Sal. 3, 20; die machen die leute in der stad süffzend (variante süffzen, vgl. unten 19), und die seele der erschlagenen schreiend. Hiob 24, 12; was derselbe mir von seines lebens anstellung wissend gemacht. Butschky kanzl. 460; das an unterschiedenen orten in mühlen an denen einschüttekasten zwo schellen gehangen wären, welche, wann das eingeschüttete korn gar aus gebeutelt, klingend gemacht würden. Riemer pol. maulaffe c. 100; das meereswasser aufschwellend machen. Kant 9, 71; ich bin nicht hier um die ansprüche der liebe geltend zu machen. Göthe 3, 88; um dieses wort geltend zu machen. 103; doch wer ist so gebildet, dasz er nicht seine vorzüge gegen andre manchmal auf eine grausame weise geltend machte? 17, 18; die tradition, die einen von seiner nation hochgefeierten namen auch auf dem continent hatte geltend gemacht. 31, 57; sie (die von den bischöfen geübte inquisition) wird in den Niederlanden wenig widerspruch finden, und die vermehrte anzahl der bischöfe wird sie hinreichend machen. Schiller 821a;

wofern mir ein wort von Aschylus geltend zu machen
erlaubt ist.
Wieland 4, 143 (n. Amadis 6, 33);

und zeigt durch eure macht,
dasz sie euch siegend macht.
Zachariä poet. schr. 2, 294;

ein partic. prät.: wie ein trawm, wenn einer erwachet, so machstu herr, jr bilde in der stad verschmecht. ps. 73, 20;

und mane dîne strîtêre
daʒ sî sîn gevêre
des rîchis widirsachin
und dî verterbit machin!
Jeroschin 5086.


19) in vielen fällen aber ein infinitiv, wobei die beispiele den unter 16 gegebenen parallel gehen.
a) mit sächlichem object:

sô machet ir mir stille stên
diu waʒʒer diu dar in gên. Amis 115;

lasz dem Rein seinen flusz, du macht (magst) in nit machen flieszen nach deinem willen. Keisersberg seelenp. 61b; sie machet mir und dem botten mit ihrem klagen die augen ubergehen. Galmy 308; machen das haar wieder wachsen, ad pilum ulcera reducere Maaler 278d; man msz in die händ speien, und vil streich thn, wil man den baum fallen machen. Agr. spr. 221a; er aber machte seine liebreiche vaterschaft auf das beste gelten. Göthe 28, 189; alle menschen .. machen ihre fehler gelten. 49, 80; an jenem abend .. machte ich nur mein ewiges eigenthumsrecht auf deine vortrefflichkeit gelten. Schiller 775a;

pauk auf und mach die seiten klingen. fastn. sp. 566, 7;

er machte finden es durch einen zauberer (lo fece ritrovar).
D. v. d. Werder Ariost 11, 22, 7;

du (gott) schlachtest ihn (Christum) als wie ein lamm,
machst herz und adern flieszen.
P. Gerhard 69, 34;

wenn ihr so scharf ihn anseht, bringt ihr ihn
nur auf, und macht sein übel länger dauern.
Schiller Macbeth 3, 8;

da er (der mai) uns unsere bohnen und gurken erfrieren machte. Wieland in Mercks briefs. 1, 290;

(die sonne) macht alles lebens säfte kochen.
Bürger 42a;

dasz, die in allen stillen knospen wühlen
und blüten machen auseinander gehen,
die frühlingslüft' auch meine brust musz fühlen.
Rückert 250;

was ich dem staat auch schuldig bin, natur
macht allzudringend ihre fordrung gelten.
Göthe 7, 267;

der saft fängt an .. das gewächs .. verdorren und absterben zu machen. Kant 9, 6; indehm er (der epheu) durch seine umschlingung dem baum alle nahrung entzeucht, ihn verdorren macht. Butschky Patm. 707;

ein rascher meilenbreiter spalt,
der plötzlich zwischen uns den boden gähnen machte.
Wieland 9, 15;

ein spieszhirsch, dem die nahe jagd
die schlanken läufte zittern macht.
Hagedorn 2, 29;

ihr (der nachtigall) meisterlied macht alle ohren lauschen.
Schiller hist.-krit. ausg. 1, 28.

[Bd. 12, Sp. 1384]



b) mit persönlichem object: die menner .. die da wider murren machten die ganze gemeine. 4 Mos. 14, 36; ein gter fürer macht das volk (die krieger) nacher gehn. Frank spr. 1, 20a; dardurch jhr andere leute warten machet. b. d. liebe 291a; er wandele in den wegen Jerobeams der Israel habe sündigen gemacht. Schuppius 7; wie der verlohrne sohn in fremden landen mangel lidte, da machte ihn gott an seines vaters haus gedenken. Butschky Patm. 10; machst mich so weinen! Fr. Müller 1, 338; er sagte, mach ihn eilen. Göthe 8, 48; wir wollen sie singen machen. 83; C. du willst also? Cl. mach mich können, so will ich. 10, 106; man kann sie nicht genug empfinden machen wie verehrungswürdig ein mann ist, der ihnen in ihren nöthen beisteht. 15, 11; er hatte drei knechte bei sich, und wenn wir nicht gewollt hätten, würd er uns haben wollen machen. 42, 5; ich gebe ihnen mein leben, wenn das sie steigen machen kann. Schiller kab. u. liebe 1, 7; desto besser verstund ich .. mit einem wink zehen bediente fliegen zu machen. 2, 3; musz dieser verwünschte onkel auch gerade jetzt zurückkommen und mir in den weg laufen, recht ausdrücklich, um mich plaudern zu machen. neffe als onkel 2, 9; und damit machte er ihn gehen. Pestalozzi schr. 2, 142;

wer sich nun da stellet ein (im himmel) ..
der macht gott und engel lachen.
P. Gerhard 63, 56;

ich will die kinder singen machen.
Göthe 10, 246;

sie .. sind kränker gar, als sie
uns glauben machen wollen?
Schiller don Carlos 4, 1;

mit transitiven verben: wo es mühe kostet, seine zuhörer die wahrheit seiner vorstellungen glauben zu machen. Heilmann Thucyd. 213; es kömmt mir manchmal vor, als wollten sie durch dieses benehmen ihre eignen jugendsünden .. gut, und sie das publikum vergessen machen. Klinger 12, 47; das mag ein prior seine mönche glauben machen. 11, 69; nein Wurm, das macht er mich nimmermehr glauben. Schiller kab. u. liebe 1, 5; sie machen andere viel leiden, indem sie leiden. Göthe 21, 113; der den spötter von Ferney vernunft hören machen wollte. 56, 215;

ists nicht dieweil du machst die männer hörner tragen?
Opitz 1, 430;

mit sächlichem, auf eine innere bewegung hindeutendem subject: und finden sich wenig ursachen, welche einen für der klinge fordern, und den andern erscheinen machen. Butschky kanzl. 216; (seelen) bei denen eine einzige angenehme empfindung hinlänglich ist, sie alles vergangenen und künftigen kummers vergessen zu machen. Wieland 1, 27; dieser letzte gedanke machte ihn stutzen. 2, 209; dieser anblick und die furcht, dasz er gar todt sein möchte, machten den gutherzigen tropf auf einmahl seines eignen ungemachs vergessen. 12, 15; es sind ahnungen höherer wahrheiten, die uns der liebe begehren machen. Bettine tageb. 36;

tragkeit, ein ursach aller sünd,
macht murmelen Israhel die kind.
Brant narrensch. 97, 20;

wein macht mich als unmuts vergessn.
H. Sachs fastn. sp. 1, 60, 210 Götze;

nachdem die lieb ...
mich mit vermehrten pein und plagen
hat machen seufzen, weinen, klagen.
Weckherlin vorrede zu d. psalmen;

denn solch erkenntnisz bringt dir ruh
und macht die seele brennen
in reiner liebe.
P. Gerhard 177, 40;

mein balsam, wollest eilen,
lindern, heilen
den schmerzen, der allhier
mich seufzen macht und heulen! 203, 99;

erröthe wenigstens, Lucinde,
dasz nichts dich mehr erröthen macht.
Lessing 1, 3;

alle diese schönen luftgesichte,
deren nahme deine junge brust
überwallen macht.
Wieland 9, 343;

deine sinne täuschen dich!
grosze liebe macht dich rasen!
Bürger 43a;

ach! das ende macht mich zittern,
wie den schiffer in der nacht
der tumult von ungewittern
vor dem abgrund zittern macht. 44a;

ich bringe
beweise, die sie zittern machen sollen.
Schiller don Carlos 2, 11;

o diese thränen kenn ich, schöne seele!
die freude macht sie flieszen. 4, 21;

[Bd. 12, Sp. 1385]



nur von fern ein gastmahl wittern
macht mir alle glieder zittern.
Göthe 11, 129;

das also war des pudels kern!
ein fahrender scolast? der casus macht mich lachen. 12, 69;

Reineke sagte heiter darauf: die gute vermahnung
macht mich muthiger gehn. 40, 214;

die eifersucht machte sie so vieles sagen, dasz ich zeit bekam, mich zu fassen. Wieland 2, 65; das bischen vergnügen macht mich alles andere rein vergessen. in Mercks briefs. 1, 92; die schönheit der lage (der gegend) machte mich dort vergnügte tage zubringen. herzog Karl August an Merck (1855) 270; ihr undank gegen diese ihre beschützer macht sie auch noch das wenige verlieren, was auf dem festen lande Italiens noch ihre herrschaft erkennt. Schiller 1041a; der verdammte hof hat dich beides versäumen machen. Göthe 8, 45.
c) der infinitiv ist durch zu vermittelt: das liesz er einen andern gottsfürchtigen mann zu wissen machen. pers. baumg. 6, 13; sie haben scenen mit unter, die uns aus herzensgrunde zu lachen machen. Lessing 7, 46; nehmen sie mir nicht übel, antwortete der kürbisz, wenn mich diese frage zu lachen macht. Wieland 12, 250; dummkopf! mach ihn nicht zu lachen. Klinger 1, 100; du machst mich mit deinem ernst zu lachen. Göthe 14, 57; meine mutter möchte mich gern in activität haben, sagst du: das hat mich zu lachen gemacht. 16, 56; ein leichter sinn? das macht mich zu lachen, wie das wort in meine feder kommt. 91; so machte uns .. ein alter blinder betteljude aus dem Isenburgschen zu lachen. 48, 33;

zwar zu lachen
wird heute dich der ausspruch machen,
allein zu weinen sicher auch einmal.
Gökingk 3, 171;

magst sie immer weinen machen (spricht die komödie zur tragödie),
das ist, dünkt mich, gar nicht schwer,
doch ich mache sie zu lachen,
das ist besser und ist mehr.
Göthe 13, 199;

in Teutschland macht man die kinder mit dem heiligen Nikolaus zu fürchten. Klinger 12, 238; Gottfr. sie sitzt, das arme mädchen! und verjammert und verbetet ihr leben. Sickingen. wir wollen sie zu singen machen. der junge Göthe 2, 112;

durch solche flut und see der widerwertigkeit
mich führend, machtest du mich dieser herrlichkeit
und hochheit zu genieszen.
Weckherlin 69.


20) auch hier statt des persönlichen accusativs ein dativ: wenn er dem auge glauben machen wollte, anstatt eines sphärischen körpers, eine blosze zirkelrunde fläche bemahlt zu sehen. Lessing 8, 130; Alcibiades gerieth (wie er ihr in der folge glauben machen wollte) beim anblick dieses gemäldes auszer sich. Wieland 3, 260; indem sie mir auf diese weise mein unrecht lebhaft empfinden machen. Göthe 10, 74; dem domherrn mach ich glauben, die prinzessin wünsche das halsband zu besitzen. 14, 146; die schönen in Venedig wissen ihm die kränkungen vergessen zu machen. Schiller 736a; der infinitiv durch zu vermittelt: beredete er mich, dasz ich meinem weib schrieb und ihr meine gelegenheit zu wissen machte. Simpl. 2, 15 Kurz; von diesen allen, wann mir durch eure briefe es würde zu wissen gemacht sein. Schuppius 720; dieses mein sreiben wird dem herrn mein vorgenommenes verreisen zu wissen machen. Butschky kanzl. 97; kerl, du machst einem mit deinen reden zu fürchten, dasz man des todes sein könnte. Lessing 2, 396; in den formeln einem etwas zu thun machen, einem zu schaffen machen, woneben solche mit persönlichem accusativ nicht gehen: da fielen nun hohe fragen vor, welche in diesen schweren zeiten manchem doctor solten zu schaffen machen. Chr. Weise erzn. 80 Braune; sogar die bedienten des hauses suchten sich im zimmer zu thun zu machen, wenn ich redete. Schiller hist.-krit. ausg. 4, 240.
21) zum object tritt ein adverb, das das verbum der allgemeinen thätigkeit der richtung nach bestimmt: einen nieder machen, niederstrecken, tödten; etwas, einen herunter machen. vgl. th. 42, 1190; zurecht machen; etwas zusammen machen, zusammen fügen oder legen; sich etwas auseinander machen, entwirren, aus einander legen; einem etwas vor machen, ein gaukelspiel vor die augen bringen; das der bapst auch die keuschheit selbs los machet wenn er wil. Luther 5, 12b; predigten, .. in welchen pabst, die väter der trientischen kirchenversammlung .. auf eine possierliche art herunter gemacht wurden. Schiller hist. - krit. ausg. 7, 215; willst du mir ein glas limonade zurecht machen. kab. u. liebe 5, 2; machte sie ihre arbeit zusammen, ging in ihr zimmer. Göthe 16, 185;

[Bd. 12, Sp. 1386]


die mutter siehts wohl nicht, man macht ihr auch was vor. 12, 149;

nicht rasten will ich tag und nacht,
bis dasz ich nieder ihn gemacht.
Bürger 52b.

vergl. auch die zusammenrückungen aufmachen, ausmachen, durchmachen, hinmachen u. a.
22) das object vertritt ein ganzer satz.
a) machen, dasz .. bewirken, veranstalten:

hôhiu minne reizet unde machet
daʒ der muot nâch werder liebe ûf swinget.
Walther 47, 8;

das er füllet die einöden und wildnis, und macht das (dasz) gras wechset. Hiob 38, 27; er macht das das tiefe meer seudet wie ein töpfen. 41, 22; tag und nacht ist dein, du machest das beide sonn und gestirn jren gewissen lauf haben. ps. 74, 16; sie dachten weniger daran selbst zu gefallen, als zu machen, dasz ihre gespielen gefallen muszten. Wieland 10, 84; guter mann, macht dasz mirs (wir es) wiederkriegen! Klinger Otto 17, 32; mache, dasz die mutter herüber kommt, Heinrich! Göthe 10, 159; machen musz er (der liebhaber), dasz das mädel lieber vater und mutter zum teufel wünscht, als ihn fahren läszt. Schiller kab. u. liebe 1, 2; o machen sie, dasz mir das wolkenbild halte, und ich will meine glühenden arme darum schlagen. hist.-krit. ausg. 4, 286;

du setzest mich zu tische,
machst, dasz ich mich erfrische.
P. Gerhard 121, 30:

o Jesulein, dein frommer sinn
macht, dasz ich so voll trostes bin. 152, 74;

der grund, da ich mich gründe,
ist Christus und sein blut;
das machet, dasz ich finde
das ewge wahre gut. 229, 19;

(Racine und Moliere) der eine macht,
dasz man bei hofe weint, der andre, dasz man lacht.
Gellert 1, 151;

eure kriegrischen
anstalten machen, dasz wir davon hören.
Schiller Macbeth 5, 5.


b) machen, dasz .. schleunig bewirken, sich beeilen (mit beziehung auf machen unten III, no. 7): mach, dasz du fortkommst, bruder! Schiller neffe als onkel 1, 12; du willst nur machen, dasz du aus diesem hause kommst. Göthe 20, 149; mach! mach, Körner, dasz du in die session kommst. Schiller hist.-kr. ausg. 4, 188; da sagte Johannes, sie sollten doch machen, dasz sie heim kämen ehe die kirche aus sei, er möchte nicht in die kirchenleute laufen. J. Gotthelf 2, 337;

greift an! macht, dasz ein ende wird! die wache
ruft ins gewehr. sie werden gleich erscheinen.
Schiller Piccol. 2, 1.


c) machen, mit prädicativem adjectiv (wie 16) und abhängigem satz: denn so man auf dich harret, das macht deinen kindern offenbar, wie süsze du seist. weish. Sal. 16, 20; bis man ausfindig macht, wo die zwei enden ihres (der ewigkeit) ringes ineinander greifen. Schiller hist.-krit. ausg. 3, 39 (Fiesko 1, 12); als ihm aber die gesandten begreiflich machten, dasz er sich auf diese weise in dom Pedros falle locken liesze. 4, 158.
d) machen, von einem wettstreite: mit einem machen welcher der böser sei, certare cum alterius improbitate Maaler 279a.
23) besondere verwendung des part. präteriti.
a) gemacht, im gegensatze zu dem natürlich gegebenen oder gewachsenen: gemachte blumen, gemachte früchte; gemachte perlen, edelsteine; gemacht gold, aurum factum et adulterinum, gemacht silber, argentum factum et falsum Stieler 1192; in bezug auf geistiges: gegebene oder gemachte begriffe. Kant 1, 422; Lichtenbergs Hogarth und das interesse daran war eigentlich ein gemachtes. Göthe 31, 57; dasz Müllers gefühle und urtheile von seiner frühesten jugend an gemacht waren. Niebuhr leb. 1, 513; nie ist es etwas gemachtes oder erkünsteltes, was uns entgegen tritt, überall nur der ausdruck dessen, was als denken und fühlen wirklich in ihm vorgeht. Savigny kl. schr. 4, 228; ein gemachter graf hiesz ein durch adelsbrief gewordener, nicht erbgesessener: es kan ehe ein guter fleisziger handwerksmann zu hausz und hof kommen als ein gemachter graf zu einer grafschaft. Schuppius 58; ein comes palatinus oder gemachter pfalzgraf. 555; wie mhd. gemachet vriunt ein erwählter, im gegensatze zum blutsfreund ist:

gemachet vriunt ze nôt bestât,
dâ lîhte ein mâc den andern lât.
Freidank 95, 16.


b) gemacht, vollendet, ausgeführt, abgeschlossen, im gegensatze zu etwas unfertigem: als Hackert dem könig das memorial geben wollte, sagte er: gebt es dem minister marchese

[Bd. 12, Sp. 1387]


Caraccioli, dasz er es im nächsten rath vorträgt: die sache ist gemacht. Göthe 37, 263;

wars etwa kaiserliche majestät,
die ein gemachtes heer ihm übergab,
den führer nur gesucht zu ihren truppen?
Schiller Piccol. 1, 2;

wollt ihr hier die armseligen fünfhundert (pfund)
fürs rosz, fragt ich den kaufmann .. ja, sagt er!
der handel war gemacht; wer froh wie ich?
Tieck Octavian s. 225;

von personen: frau, du hast ein gemachten herren (einen herrn wie er sein musz). Garg. 151b; in der formel ein gemachter mann mit bezug auf einen abschlusz in gesellschaftlicher stellung oder in vermögensverhältnissen: wenn du ein gemachter mann bist, wenn du das gewünschte ziel erreicht hast. Göthe 10, 54; in späteren zeiten, da er schon ein gemachter mann, im besitz von entschiedenem namen, und in einer sehr guten obgleich nicht festen lage war. 19, 121; ich merke wohl, wenn ich wollte, könnte ich bald ein gemachter mann sein. 20, 91; da ich doch weisz, dasz du schon ein gemachter mann warst, als ich .. dir in gewissen verlegenheiten beistand. 22, 40; nun bin ich ein gemachter kerl, hier ist ein dukaten oder ein edelstein innen. Arnim schaub. 2, 69; so weit hat nähmlich schon jetzo der Deutsche es im komischen gebracht, und ist ein gemachter mann in Flögels komischer literatur. J. Paul komet 1, xix.
c) gemacht, spielerausdruck: im billardspiel der ball ist gemacht, als spielgewinn getroffen, erworben; beim kegeln der eckkegel ist gemacht; und übertragen, mit persönlichem object: einer ist gemacht, mit list ausgeplündert oder zu einer leistung gebracht; er ist gemacht (wir haben ihn so weit). Klinger 1, 144; jetzt wollen wir zusammen die kammerdiener und laquaien schälen (sie im spiele betrügen, sagt ein bedienter zum andern), während die herren von unsern chefs gemacht werden. 113.
d) einer oder etwas ist für etwas, zu etwas gemacht, ganz dazu geschaffen oder geeignet: auf erden ist jm niemand zu gleichen, er ist gemacht on furcht zu sein. Hiob 41, 24; zwei herrliche dekorazionen waren ganz für das stück (die räuber) gemacht. Schiller hist.-krit. ausg. 2, 374; weil wir doch einmal so gemacht sind, dasz wir alles mit uns, und uns mit allem vergleichen. Göthe 16, 91;

der kopf, den Saladin mir schenkte, wär
mein alter? ist ein neuer, der von allem
nichts weisz, was jenem eingeplaudert ward,
was jenen band. und ist ein beszrer; für
den väterlichen himmel mehr gemacht.
Lessing 2, 285;

auf meine sicherheit bedacht (spricht Musarion),
fand ich zuletzt ich müsse mich zerstreuen.
mir schien ein geck dazu ganz eigentlich gemacht.
für schönen, die den zwang der ernsten liebe scheuen,
taugt eine puppe nur, die trillert, hüpft und lacht.
Wieland 9, 23;

und in der that ist einer schönen nacht
zum staunen, zum filosofieren,
nichts anders gleich! sie ist dazu gemacht
die seelen unvermerkt den leibern zu entführen. 10, 288;

er ist nun einmal nicht gemacht, nach andern
geschmeidig sich zu fügen und zu wenden.
Schiller Piccol. 1, 4;

bin ich
zur herrscherin doch nicht gemacht! Maria Stuart 4, 9;

gemacht, geschaffen, mit adverbien der art: lieber Karl, warst so sanft gemacht. Klinger Otto 33, 14; es ist ein langweiliger, träumiger mensch. übel ist er nicht gemacht. Göthe 57, 163.
e) für das part. gemacht kann im umschriebenen präteritum nach einem infinitive der inf. machen stehen, vergl. die ausführungen unter haben th. 42, 74; das geräusch der waffen hat mich der angelegenheiten meiner schwester nicht vergessen machen. Klinger 3, 245; seine noten .. haben mich seinen nahmen auf ewig vergessen machen. 11, 144; wir haben die welt ohnehin schon von uns reden machen. Göthe 17, 350;

ich salutire den gelehrten herrn!
ihr habt mich weidlich schwitzen machen. 12, 69;

bei auslassung des hilfsverbums haben:

(ich sage) die wahrheit die so oft
mich blutge thränen weinen machen.
Lessing 2, 294;

und das part. gemacht ist sogar weniger gebräuchlich: der alte meister hatte .. sein übriges vermögen auf alle mögliche weise gelten gemacht. Göthe 18, 56.
24) der infinitiv in substantivem gebrauche: Egmont ist in der arbeit, und ich hoffe er wird gerathen. wenigstens habe

[Bd. 12, Sp. 1388]


ich immer unter dem machen symptome gehabt, die mich nicht betrogen haben. Göthe 29, 29; es kommt nicht aufs denken, es kommt aufs machen an. 30; er (Meyer) hat mir zuerst die augen über das detail, über die eigenschaften der einzelnen formen aufgeschlossen, hat mich in das eigentliche machen initiirt. 164; wenn ich nur über einige stufen im machen hinweg könnte. im begriff und zwar im ächten wahren begriff bin ich weit vorgerückt. an Karl August 1, 79; dasz .. beinahe des redens mehr ist, als des machens. J. Paul uns. loge 1, xxx; ferner hegt' er .. mehr grimm als achtung .. gegen das machen einer carrière. Tit. 1, 50;

ach, hüter unsers lebens,
fürwahr, es ist vergebens
mit unserm thun und machen,
wo nicht dein augen wachen.
P. Gerhard 19, 23;

zwar ich besitz es gegenwärtig,
doch soll ich mir nur selbst gestehn:
ich wollt es wäre noch nicht fertig,
das machen war doch gar zu schön!
Göthe 22, 80;

in der formel gut machen haben (vergl. dazu unter haben th. 42, 66): ein weiser mann in Greckenland beredt seine bürger, dasz sie dem tyrannen nicht die schafhunde überantworten, denn darnach würden die wölfe gut machen wider die ganze herde haben. Mathesius Luther 95a und danach Schuppius 831;

(niemand kann mich besiegen, als) ein wahrer königssohn,
den sein mutter nicht gseuget hat.
ein solcher allein mir vor stadt.
die andern all können nicht siegen,
noch mir jrgents im kampf obliegen.
darumb hab gar gut machen ich.
J. Ayrer 279a (1393, 10 Keller);

Albinus sasz voll mut mit singen und mit lachen;
da Gilvus dieses sah, du hast, sprach er, gut machen,
du nimmst das dritte weib, die erste die mir lebt,
die hat auch noch nicht lust, dasz mir man sie begräbt.
Logau 1, 84, 45.


II. machen, reflexiv.
1) etwas, eine sache macht sich, tritt ins werk, entsteht, geschieht: item do sich der krieg also ie machen wolt. d. städtechron. 2, 348, 9; da macht es sich, das der Illsung und Hörlin mit einander im raut (rath) auf stieszen, das ward gestillt. 4, 318, 17; darum so das erst mittel nicht fur sich geht, wird sich das spiel machen, das der papst text wird machen, und ich ihn glossieren. Luther br. 1, 208; die geselschaft macht sich, societas coitur. Maaler 279a; so hetzt eins das andre; und was man abzuwenden sucht, das macht sich erst recht. Göthe 8, 187; so machte sich in kurzer zeit durch die gegenwart des gehülfen eine andre lebensweise. 17, 277; sie wissen wohl noch nicht, .. dasz sich indessen auch unter uns eine heirath gemacht hat? 20, 91; ich habe sie (eine übersetzung Ossians) noch nicht gelesen, denn ich hoffte immer, sie von ihnen zu hören; aber seither hat sichs nicht finden, nicht machen wollen. 16, 166; wie machte sich diese entdeckung? Wieland 35, 327; frau von P. empfand, dasz sie nicht mehr geliebt ward, aber sie muszte sich überzeugen, und das machte sich ohngefähr auf folgende art. Schiller hist.-krit. ausg. 3, 537; seitdem machte sichs, dasz jeden mittag leise an Ilses klingel gezogen wurde. Freytag handschr. 1, 305;

auch ir geschütz klein und grosz
hinter sich thäte brennen los,
der schimpf der thät sich machen.
Liliencron volksl. 2, 528b;

mein unglück will sich nun erst machen.
Römolt hoffart (1534) 1421;

da macht sich nichts, wie grosz, wie klein es sei,
Beelzebub ist immer auch dabei.
Wieland 21, 159;

vor allem erzähl ich mit fertiger zungen,
wie meine Deutschen den sieg errungen,
und dasz sich alles so schickt und macht,
wie ers gewünscht, und wie ers gedacht.
Göthe 11, 338;

etwas macht sich natürlich oder von selbst: nichts macht sich von sich selbst, wie wir alle wissen. Wieland 10, 128; unaussprechlich war meine zufriedenheit, als ich ihn eines abends über die frauen reden hörte. das gespräch machte sich ganz natürlich; einige damen aus der nachbarschaft hatten uns besucht und über die bildung der frauen die gewöhnlichen gespräche geführt. Göthe 20, 54;

thu nur das rechte in deinen sachen,
das andre wird sich von selber machen. 2, 237;

es scheint als habe sich nur alles selbst gemacht. 4, 159;

[Bd. 12, Sp. 1389]


in täglicher rede fragt man wie macht sich die sache? wie nimmt sie ihren fortgang? hier erscheint auch eine person als subject: wie macht sich mein sohn in der lehre? fragt der vater den lehrmeister; und es wird mit verwendung von machen in prägnantem sinne geantwortet die sache macht sich, nimmt einen guten verlauf, die sache macht sich nicht, will nicht vorwärts; ihr sohn macht sich jetzt noch nicht besonders, wird sich aber nach und nach schon machen. eben auch der täglichen rede gehört an wie sichs macht, je nachdem; vielleicht reise ich, vielleicht nicht, wie sichs gerade macht;

richter. frau, sagt, setzt ir zu recht die sach?
frau. richter, ja, wie es sich halt mach! fastn. sp. 542, 11.


2) häufig sich machen, mit näher bestimmendem prädicativen adjectiv, in wendungen von mancherlei art.
a) von personen und persönlich gedachtem, sich stark, widersetzig, kenntlich, unkenntlich machen u. ähnl.: da wards Jacob angesagt, sihe, dein son Joseph kompt zu dir, und Israel macht sich stark, und satzte sich im bette. 1 Mos. 48, 2; aber weil die Jüden sich widersetzig machten. Luther 8, 87a; dies brachte uns auf die vermuthung, dasz er vielleicht in die hände der pfaffen gerathen sein möchte und sich katholisch gemacht hätte. Schiller 723b; kleide dich um, mach dich ganz unkenntlich. hist.-krit. ausg. 2, 243 (räuber trauersp. 2, 2); o geschwind, lasz sie (die leibwache) sichtbar werden, und mache du dich nur unsichtbar. 3, 317 (Fiesko, bühnenbearbeitung 4, 14); diesen da haben wir gefangen, er wollte sich flüchtig machen. 152, 17; sagen sie mir doch meine herren, wie ich mich diesem bakardo verständlich machen soll. 4, 202; mit meinem kleinen hause hatten sich meine kreditoren bezahlt gemacht. 70; Verrina geschwind, mache dich fertig. 3, 35 (Fiesko 1, 10);

mit der welt und ihren kindern
mach ich mich nicht gern gemein.
Günther 82;

sich beliebt, berühmt, gekannt, namhaft, nützlich, verdient, werth machen: unterdessen hatte sich Karl Moor .. durch auszerordentliche streiche weit und breit ruchtbar und furchtbar gemacht. Schiller hist. - krit. ausg. 2, 355; die niederländische reiterei hatte sich in diesem kriege besonders nahmhaft gemacht. 9, 7;

umfang ihn als ein kind, mit ausgestreckten armen!
er macht sich deiner werth, und kommt dir selbst zuvor.
Günther 600;

sie werden unsers gnädigsten vertrauens
sich werth zu machen wissen.
Schiller don Carlos 2, 5;

ihr machtet
um meine krone euch verdient. 3, 10;

sich beschwert machen, beschwerde erheben: wurden aber hiezu sich die kirchendiener beschwert machen, als die ungezwungen zu sein vorgeben. Luther br. 3, 368; sich einer sache gewis machen, sich vergewissern; darauf haben sie sich wol nicht gefaszt gemacht? Schiller räuber 2, 3; sich lästig, zudringlich, nothwendig, nützlich, unentbehrlich, sich selten, rar, kostbar machen: wuszte ich mich nothwendig zu machen durch Konrad den frommen. Klinger Otto 9, 32; der herzog sucht eine parthie für die Milford. ein anderer kann .. mit der dame das vertrauen des fürsten anreiszen, sich ihm unentbehrlich machen. Schiller hist. - krit. ausg. 3, 375 (kab. u. liebe 1, 5); du bursche? was du? der nothnagel zu sein, wo die menschen sich rar machen? 452 (4, 3); jetzt macht der arme teufel sich kostbar. 4, 211;

wer sich
den menschen nützlich machen will, musz doch
zuerst sich ihnen gleich zu stellen suchen.
Schiller don Carlos 4, 3;

sich schuldig, pflichtig, anheischig, verbindlich machen: so darf es ein ehrlicher mann fast nicht mehr wagen, ein gutes werk zu thun, ohne sich der gefahr auszusetzen, sich auch für die zukunft dazu pflichtig zu machen. Möser patr. ph. 1, 167; dieser (letzte versuch) war, dasz er (der marquis) sich anheischig machte, beiden frauenzimmern eine beträchtliche leibrente auszuwerfen. Schiller hist.-krit. ausg. 3, 564; sie (die besatzung) sollte sich verbindlich machen, die einwohner in keinem stücke zu belästigen. 7, 275; jedes mitglied der union hatte sich zugleich anheischig machen müssen, neue mitglieder anzuwerben. 8, 50; eines so groben widerspruchs macht sich die übereinstimmungliebende natur nicht schuldig. 10, 78;

dieser
hat alle schuld, wenn ich mich schuldig machte.
Göthe 9, 160;

[Bd. 12, Sp. 1390]


sich lustig, fröhlich machen: wie da seine knechte und hirten gehen, und sich mit ihren hirtenliedern lustig machen. Schuppius 102; dasz gute freunde zusammen kommen, mit einander essen und trinken, und sich in ehren frölich machen. 153; die götter machten sich an seiner hochzeit so lustig, als ob jeder seine eigene beginge. Wieland 10, 20; ein Schweizer voltigierte .. einst so heftig als er konnte von der stube auf den sessel und von diesem wieder herunter — da man ihn darüber befragte, gab er an: er mache sich lebhaft. J. Paul Qu. Fixlein 3;

sie sprach, thut euch fein lustig machen.
L. Sandrub kurzweil 101;

sich schön, breit, grosz, mausig, wichtig machen, mit worten oder geberden: diese ausleuftige rede hab ich müssen thun, wiewol gar ungerne, weil der hessige geist sich so gern wolt schön machen mit der fürsten von Sachsen schande. Luther 3, 49b; ich gedenke aber es werde ein töchterlin sein, die machen sich so seltsam, sperren sich. br. 4, 7; du könntest gott danken, und dich vor der welt grosz machen, wenn du .. eine so edle that gethan hättest. Göthe 8, 122; neulich auf dem jahrmarkte warf er den fremden, der sich mit schwingen grosz machte, rechtschaffen an den boden. 11, 6; wer ist denn der, der sich so mausig macht? 30, 22; sie aber machte sich auf ihrem schemel so breit, als wenn sie im hause allein wäre. 116;

warlich ich musz derer lachen,
die so breit und hoch sich machen.
Logau 1, 178, 27;

da er nun seine strasze ging
dacht er: ich machte mich zu gering;
will mich aber nicht weiter schmiegen,
denn wer sich grün macht den fressen die ziegen.
Göthe 13, 116;

wenn erst die schande wird geboren,
wird sie heimlich zur welt gebracht ...
wächst sie aber und macht sich grosz,
dann geht sie auch bei tage blosz. 12, 197;

er macht sich nur lächerlich; ich will mich nicht besser machen als ich bin; ein angeben bezeichnend (vgl. oben I, 16, d a. e.): er macht sich arm, gibt sich dafür aus; er macht sich viel reicher als er ist.
b) von dingen: so merkwürdig sich auch das unglückliche project des Fiesko in der geschichte gemacht hat. Schiller vorrede zu Fiesko; ihre glückseligkeit macht sich nur selten anders als durch verderben bekannt. kab. u. liebe 1, 7; seit einigen tagen machte sich das wetter ungewisz. Göthe 28, 80; die gegend macht sich wieder grün. 83; so werden sie doch auch diesen ort, der sich so berühmt macht, öfters besucht haben. 30, 224; zur ersten ausgabe .. welche sich selten macht. 29, 285; die grazie macht sich sinnlich und ist auch nicht erhaben, sondern schön. Schiller 1123b;

also wil in allen sachen
nur der anfang schwer sich machen.
Logau 3, 89, 64;

wer zu loben von viel sachen,
da wil lob sich schwerer machen,
als bei dem, wo nichts sich weiset,
das man füglich rühmt und preiset. 150, 78;

mit besonderem bezug auf die darstellung für das auge, wie sich ausnehmen: das nah gelegene capitol war mit erleuchtet und die feuerwerke auf dem platz des capitols abgebrannt. das ganze zusammen machte sich sehr schön. Göthe 29, 32; oder für das gehör: eine natürliche sprache, kurz und abgebrochen, machte sich eindringlich und rührend. 15, 320.
3) sich machen mit infinitiv: man that alles, um sich von dem könig bemerken zu machen. Göthe 25, 105;

doch weil der schlaf sich oft erwarten macht,
bleibt eine stets zurück, ihm mährchen zu erzählen.
Wieland 10, 130.


4) sich machen zu etwas: und er macht sich zum groszen grewel, das er den götzen nachwandelt aller dinge. 1 kön. 21, 26; noch ehe drei jahre um sind, mach ich mich zum mönch. Schiller 1090a; sie (die mutter) gab mir nichts mit; wozu ich mich machen will, das ist nun meine sache. räuber 1, 1; mich selbst will ich an die stelle des glases zum zeichen machen, ob unsre verbindung möglich sei oder nicht. Göthe 17, 345;

der starken engel compagnie
zieht fröhlich an, macht dort und hie
sich selbst zum wall und mauren.
P. Gerhard 183, 14;

der ritter naht, den reif ihm abzuziehn,
und macht, unwissend, sich zum oberherrn der geister.
Wieland 22, 113 (Oberon 3, 30).

[Bd. 12, Sp. 1391]



5) dieses zu kann fehlen: sich meister von ihren besitzthümern zu machen. Göthe 8, 260; ein schauspieler der sich meister hierin macht. 44, 312;

so macht euch wenigstens zuvor des ringes meister.
Wieland 22, 113 (Oberon 3, 30).


6) sich machen, als allgemeiner ausdruck für ein angreifen oder eine bewegung, die öfters an den begriff der eile rührt oder in ihn überstreift.
a) mit adverbien der richtung, sich herbei, herzu, heran, hin, drüber machen u. ähnl.: aber die Philister machten sich wider dran, und theten sich nider im grunde. 1 chron. 15, 13; mach dich herunter (vom felsen). Göthe 14, 79; wir .. machten uns die felsen wieder hinunter. 16, 242; wir machten uns also wieder zu den hütten hinauf. 248; der graf .. hat sich auf seinem braunen vorausgemacht. 259; zwei vermummte kerle ... machten sich schon über ihn her. Lessing 1, 306; ich machte mich noch die gestrige nacht dahin (zur gräfin). Schiller Fiesco 3, 4;

kein pesser heirat wirt nicht erdacht,
dann wo sich gleich und gleich zusamn macht. fastn. sp. 517, 22;

alsbald es morgen fru neur tagt,
so will ich mich dahin machen
und recht thun allen den sachen. Teuerd. 47, 55;

der würt gwiszlich nicht saumen sich,
sonder sich nunmehr herzu machen.
J. Ayrer 199b (990, 1 Keller);

ein paar recht frommer Jüden,
die machten sich zum kreuz herzu,
dich, o du unser ewge ruh,
zu deiner ruh zu bringen.
P. Gerhard 169, 5;

kein weib ist jetzt so gut und artig, kein schönes kind so fromm und jung,
ein meistersänger macht sich drüber und führt es durch die musterung.
Günther 429;

ihr scheint diesz fänomen
der kleinen mühe werth, sich näher hin zu machen.
Wieland 4, 179 (n. Amadis 9, 23);

so wie die seele sich — dem leibe
zu nahe macht, weg ist die zauberei! 9, 213;

sich hinweg, von dannen, davon, beiseite, weiter machen u. ähnl.: machend euch bald darmit hinweg, eh das mein mann kompt. Pauli schimpf 84; da macht er sich von dannen und grub einen andern brun. 1 Mos. 26, 22; so macht euch nu ferne von jnen. Esra 6, 6; weil ich nit weichen wöllt .. sollt ich mich von dannen machen. Luther br. 1, 605; brachte mich dieses endlich zu dem entschlusse, mich anderwärts hin zu machen, daselbst nieder zu lassen und für mein geld zu zehren. Plesse 3, 412; ich musz auf reisen gehen, und ich werde mich, je eher je lieber, davon machen. Lessing 1, 300; wirst du dich mit dem haab und gut deines vaters auf und davon machen? Schiller hist.-krit. ausg. 3, 478 (kab. u. liebe 5, 1); Montfort hat sich davon gemacht. 151, 288; wir thun auch wohl und machen uns weiter. Göthe 42, 242; nur mache ich mich des morgens beiseite, um zu zeichnen. 29, 113; sein herz mache sich in gestalt einer thräne, wie eine perle aus der mürben muschel los. J. Paul Qu. Fixl. s. 44;

itzt musz ich weiter fort. doch solst du, meine zier,
noch dieses wahre wort von mir zu letzte wissen,
je weiter ich mich mach, je näher kömst du mir.
Fleming 623;

du hast dich weg gemacht ins ausland.
Schiller Iphig. 3, 4;

und ich dachte: du machst dich davon und wartest nicht länger.
Göthe 40, 194.


b) mit präpositionen der richtung: sich auf die beine, auf die reise, den weg machen: machend eüch auf die straasz, farend darvon, inite viam. Maaler 278d; sie machten sich auf die füsze, und suchten in vollem lauf jene zu erreichen. Heilmann Thucyd. 451; hofmarschall macht sich auf die beine. Schiller kab. u. liebe 4, 3; machte ich mich mit Kaysern und meinem zweiten Fritz auf die beine und durchging von dienstag bis heute abend die plätze, die ich schon kannte. Göthe 29, 162; die Franzosen ahmten das manifest des herzogs von Braunschweig in umgekehrtem sinne nach, entboten guten willen und gastfreundschaft, und ob sich schon bei ihnen mehr volk als sie von oben herein regieren konnten auf die beine gemacht hatte, so geschah dieser aufruf .. mehr um den gegentheil zu schwächen, als sich selbst zu stärken. 30, 84; endlich machten wir uns auf die reise. 18, 179; ich machte mich auf den weg, und überraschte ihn hier. 20, 35; es ist genug! sagt' er, warf der wirthin das geld auf den tisch, liesz den wein, den er sich hatte reichen

[Bd. 12, Sp. 1392]


lassen, unberührt stehen — wir machten uns auf den weg. Schiller räuber 2, 3; wir machten uns sogleich auf den weg. hist.-krit. ausg. 4, 315;

besagter Seladon, sobald er den unfall erfuhr,
macht, wie natürlich, sich auf die beine, die spur
der dame, die er liebt, in diesem gebirge zu suchen.
Wieland 5, 85 (n. Amadis 15, 3);

sich an eine arbeit, an eine person, an einen ort machen: dasz ich mit meiner commendation an e. k. f. g. mich machen sollte. Luther br. 5, 421; hierauf machte er sich an die korallenrothen lippen. irrgart. d. liebe 550; an keinen will ich mich mehr machen (spricht ein teufel), der sich blosz von der vernunft leiten läszt ... macht euch, ihr teufel, an die, welche sich vom glauben leiten lassen. Klinger 5, 397; er hat sich auch an eine übersezung des Tibull gemacht. Schiller hist. - krit. ausg. 2, 378; der englische botschafter macht sich an Eduard und sucht ihn auszuforschen. 151, 221; machte sich sogleich still an die sache selber. J. Paul flegelj. 1, 8; jener raufer und trunkenbold .. machte sich vom ersten tage, an welchem er über unsre schwelle schritt, an das unerfahrne wesen. L. Tieck ges. nov. 1, 151;

ein ketzermacher nagelneu,
der sich an Spenern ohne scheu
und an briefwechsel hat gemacht,
wird von Hans Sachsen ausgelacht. der abgewürzte koch o. o. 1729;

drauf machte Jacob sich ans thor.
Bürger 48b;

da macht er sich an meine frauen.
Göthe 13, 60;

sich in etwas machen: sich in die flucht machen, in fugam se conjicere Maaler 279b; nachmalen haben sie sich durch Teutschland über den Rein in Frankreich gemacht. Micrälius alt. Pommern 1, 62; ein reicher, wenn er sich des tages ausbegibt, musz gegen der nacht sich wieder in seinen pallast machen. pers. rosenth. 3, 27; Abraham machet sich .. in das götzen-hausz. 7, 20; sich mit ihm in den garten zu machen. gespenst 274; wenn man sich einmal in die welt macht und sich mit der welt einläszt. Göthe 28, 80;

lasz machen uns ins hausz hinein.
H. Sachs 5, 217b;

was fahr ich dan noch weitters fort,
dasz ich mich nicht mach in den port?
Weckherlin 377;

o Amor, den kein mensch bezwinget,
der sich in haab und güter dringet,
in frauenzimmer wangen macht,
und ruht daselbst die ganze nacht.
Opitz 1, 186;

so wird die erste flamm, ehr sie sich kan erheben,
mit dunkelvollem dunst und schwarzen rauch umgeben,
bisz sie sich selbst erhitzt und in die bäume macht.
A. Gryphius (1698) 1, 24;

zur zeit der stillen mitternacht
die schönste ambassade
von weibern sich ins lager macht.
Bürger 26a;

sich gegen, gen einen ort machen: dasz ich jetzt gen Wittenberg mich gemacht hab. Luther br. 2, 169; das jr euch gen Montabon .. machtent. Aimon bog. Q 1;

da macht ich mich gen Cracaw zu.
E. Alberus Esop 134b;

sich zu einer person, einer arbeit, einem orte machen (dafür auch bei: der geist aber sprach zu Philippo, gehe hinzu, und mache dich bei diesen wagen. ap. gesch. 8, 29): und (er) macht sich zu jr am wege. 1 Mos. 38, 16; aber weil er sich schwer dazu macht (die sache nicht leicht angreift), und anders fürgenommen, will ein stärker beruf hie noth sein. Luther br. 3, 15; ich hab mich wohl schwer dazu gemacht. 531; der junge edelmann .. sich freundlich gegen ihn erzeiget, indem sich die andern auch hübschlich zu ihnen machten. Galmy 229; in der oster-nacht sind 5 personen aus zu jagen gegangen, und wie man geläutet, haben sich zweene von ihnen zur kirchen gemachet. pers. reisebeschr. 2, 3; diejenigen die sich zu dem höchsten gott machen (sich ihm nahen). pers. rosenth. 7, 20; ietzo wollen wir uns etwas näher zu seinen uns hinterlassenen stücken machen. Lessing 3, 16; machen sie sich so lange zu Dorenburg. Woldemar 54;

wer sich wil zu dem tisch (zum abendmahl) machen,
der hab wol acht auf sein sachen,
wer unwirdig hinzu geht,
fur das leben den tod empfeht.
Luther 8, 363b;

ich mach, herr Jesu, mich zu dir.
P. Gerhard 44, 10;

sich hinter, über, vor, nach etwas machen: da erhub sich der engel gottes, der fur dem heer Israel her zoch, und macht sich hinder sie, und die wolkseule macht sich auch von jrem angesicht, und trat hinder sie. 2 Mos. 14, 19; als

[Bd. 12, Sp. 1393]


die leute zu Sodoma .. sich für Lohts hausz macheten, und kurzüm die männer so zu ihm eingekehret, sie zu erkennen, heraus haben wollten. Schuppius 508; (er) machte sich über die milchtöpfe. Göthe 14, 301; haben sich nach Rügen gemachet. pers. reisebeschr. 2, 3;

da trauten die bauern nicht weiter zu folgen,
denn es war dunkel geworden, sie machten sich wieder nach hause.
Göthe 40, 193;

sich aus, von etwas machen; wir machten uns gestern vor tags aus dem bette. J. Paul uns. loge 3, 75;

ich will sie in schand sitzen lassen
und will mich weit machen von jr.
Seb. Wildt tragöd. (1566) B 4a;

darnach macht er sich von dem ort
mit sein apostelpferden (zu fusze) fort.
Fischart S. Dominici leb. H 4a;

der grosze Sigismund, der nicht so zeitlich sich
von dieser welt gemacht (hätte), woferren er durch dich
nicht seine statt ersetzt.
Opitz 1, 2;

wie ein wilder kauz, der sich zu machen scheuet
aus seiner öden statt.
Fleming 22;

da macht ich mich, mit donnerstimme,
noch endlich aus der höhle fort.
Göthe 1, 212.


c) sich machen in etwas, sich verwandeln: sy machet sich in eines wolfes wis. hexenproceszact. im geschichtsfreund 6, 248; item aber hat sy vergigen (gestanden), das sy sich heig gemachet in eins katzen wis, und ist gangen gen Ospental .., und hat Toman Vegly ein kind verderbt. ebenda.
III. machen, mit fortlassung eines objects, in der neueren sprache verbreiteter als in der ältern.
1) handeln, in irgend etwas thätig sein:

solt gott noch unserm willen machen,
ubel ging es in allen sachen;
wir wurden weinen me dann lachen.
Brant narrensch. 28 überschr.;

häufig als mit machen, dabei sein: mit dem hofmeister hat es keine noth, der ist gut und machet mit, wo der zapfe läufet und der pelz ein loch hat. ped. schulfuchs 69; fort machen, weiter handeln (vgl. th. 41, 23): machen sie immer fort, und ich wünsche ihnen viel glück zur unternehmung. Schiller Fiesko 3, 10; in der formel einen machen lassen, einen an seinem verfahren nicht hindern: laszt herzog Georgen mit den seinen machen, er hat sein urtheil und richter. Luther 6, 1b; nichts scheint rathsamer, als jene nur machen und ihren gang fortsetzen zu lassen. Kant 6, 404; dasz er bloser zuschauer sei, und die natur machen lassen musz. 10, 115; lassen sie nur mich machen; es soll gewisz gehen. Wieland 19, 301; rechnet auf mich! laszt nur mich machen. Schiller räub. 2, 1; richter der welt! dort winseln millionen seelen nach dir — dorthin kehre das auge deines erbarmens — mich lasz allein machen, richter der welt! kab. u. liebe 4, 4; auch machen, machen lassen mit wie und abhängigem satze: sie gieng hin und machet, wie Elia gesagt hatte. 1 kön. 17, 15;

steh in geduld, wart in der still
und lasz gott machen, wie er will,
er kanns nicht böse machen.
P. Gerhard 23, 5.


2) an etwas machen, arbeiten: ich mach teglich an der appellation, und wil nicht ein einige syllaben widderrufen. Luther 1, 119b; weil er noch das werk für ihm hat und daran machet. 4, 2b; also machten alle weise menner unter den erbeitern am werk. 2 Mos. 17, 8; jetzt nur noch in nicht gewählter rede: der geselle macht an seinem meisterstück.
3) machen mit prädicativem adjectiv, ausführen, vollführen, bewirken dasz etwas ist oder wird: ich kan tödten und lebendig machen. 5 Mos. 32, 39; lessige hand macht arm, aber der vleiszigen hand macht reich. spr. Sal. 10, 4; das liecht der gerechten macht frölich. 13, 9; stark getrenke macht wilde. 20, 1; so schüchtern macht die liebe. Wieland 10, 19; es ist leichter morden, als lebendig machen. Schiller hist. - krit. ausg. 2, 251 (räuber trauersp. 2, 2); sie werden mir das gelenk auseinander treiben. das macht geläufiger. 3, 61 (Fiesko 2, 9); der tod macht quitt. 69 (2, 14); bleiben sie bei dieser vermuthung — sie macht vielleicht weniger elend. 437 (kab. u. liebe 3, 4);

(drei dichter die) zur dame ihrer gedanken die freundliche weisheit gewählt,
die glücklicher macht und witz mit empfindung vermählt.
Wieland 10, 7;

der schnee macht kalt, das feuer brennt.
Schiller hist.-krit. ausg. 11, 65;

[Bd. 12, Sp. 1394]


machten sie aus übel ärger. Luther br. 3, 439; weh denen .. die aus sawr süsze, und aus süsze sawr machen. Jes. 5, 20;

zur wahrheit lasz mich sein bereit,
dasz ich nicht mach aus sauer süsz.
P. Gerhard 262, 86.


4) machen mit allgemeinem subject das, zu dem ein erklärender satz tritt; das macht, das ist der grund, das verursacht es: da sprach ich, weisheit ist ja besser denn sterke, noch ward des armen weisheit veracht, und seinen worten nicht gehorcht. das macht, der weisen wort gelten mehr bei den stillen, denn der herrn schreien bei den narren. pred. Sal. 9, 17; durch faulheit sinken die balken, und durch hinlessige hende wird das haus triefend. das macht, sie machen brot zum lachen, und der wein mus die lebendigen erfrewen. 10, 19; warumb aber die roszkäferisch scherabeierisch art den eierschalen so feind: das macht, weil sie verdreuszt, dasz sie ausz roszfeigen und keinen eiern kommen. Garg. 196a;

gibst weder gelt noch pfand,
das macht dasz ichso dienstbarlich
mich gen der welt kan halten. 90a;

die angst so mich bewohnt,
läszt keinen augenblick mich lust und luft gewinnen.
das macht, weil Wittenberg mir so zuwider scheint,
dasz mir kein freudenstern darinnen aufgegangen.
Günther 624;

kellermeister. das ist
die siebenzigste flasche nun, herr leutnant.
bedienter. das macht, der deutsche herr, der Tiefenbach,
sitzt dran.
Schiller Piccol. 4, 5;

vgl. das vorarlbergische:

es machts, es sind halt dbürger hüt
nô mitternacht nôch zemmakô.
Fromm. 4, 279, 73.


5) nachahmung romanischen sprachgebrauchs sind die formeln es macht warm, es macht kalt, in süddeutschen, jenem sprachgebiete benachbarten mundarten: tirol. es macht kalt, warm, auch es macht tag, nacht (vgl. ital. fa giorno, notte) Schöpf 407; alem. s macht chalt, il fait froid Seiler 199b; durch einflusz des französischen seit dem vorigen jahrh. auch hin und wieder in der schriftsprache: es macht warm in der nähe, und wir stehn da wie butter an der sonne. der junge Göthe 2, 123; verschieden ist es macht mir warm, oben I, 17. auch heiszt es jetzt das macht schön, das macht nicht schön, nach dem franz. cela fait beau, wo der althergebrachte deutsche ausdruck das läszt schön ist, vgl. DWB lassen 14, sp. 227 fg.
6) machen auf die frage wie und mit der antwort so, um allgemein eine ins auge oder ins ohr fallende thätigkeit zu bezeichnen.
a) wie macht der hund? er macht: wau, wau!; der angeredete machte verwundert o! und blieb stehen; das kind machte so (indem die geberde des kindes gleichzeitig nachgeahmt wird); wie die capitulation um war, adieu, herr hauptmann, macht ich, und ging nach hause. Göthe 11, 11; hat mans nur erst so weit im reinen, dasz die gemüther topp machen (die geberde des einschlagens). Schiller kab. u. liebe 1, 1;

das lämmchen macht mä! mä!
die krähe macht krah! krah! aus einem alten canon;

mit unbestimmtem subject:

klip, klap, klap, klap, machts vor der thür
im langen dunkeln gange.
L. Ph. Hahn ged. 25.


b) machen, aufspielen, fiedeln, was zunächst an die oben I, 1, d aufgeführten fälle grenzt: zwei alte ehrliche Dürrwälder traten heute mit einer geige und einem hackebret in meine stube. packt euch, schnauzte meine frau; wir brauchen keine spielleut. husch! kamen meine jungens zu mir. o bitte, vater, lasz ein bischen machen. ja, macht was her! a. m. im Tockenb. 264;

darumb ich in (ihnen) mach auff der gigen (sagt der teufel),
auf das sie können kurzwil triben,
es sei mit tanzen pfyffen singen
und mit mir ad infernum springen.
P. Gengenbach todtenfresser 132 (s. 156 Gödeke);

ein löffel da der spilman was,
der kont gar wol auf einem hafen machen. Frankfurter liederbuch 140, 82;

in einem obscönen bilde:

hausfrau, du zeihest mich einer sach,
wie ich auf fremder geigen mach. fastn. sp. 161, 22.


7) machen, allgemeiner ausdruck einer beschleunigten thätigkeit.
a) hurtig machen, schnell, flink machen, fort machen, in irgend welchem thun sich beeilen, gewöhnlich im imperativ, als aufforderung dazu: Schnaps (mit vorbereitung). sperrt die ohren auf! sperrt die augen auf! Märten. so macht denn fort! Göthe 14, 265; Schnaps. so hört mich. Märten. so macht fort. 277;

[Bd. 12, Sp. 1395]


komm herbei, geliebter Tityrus,
mache fort, und komm herbei.
Fleming 400;

mach fort und schleppe was du hast.
Göthe 41, 287;

macht fort! ich musz noch heut nach Hussahe.
H. v. Kleist zerbr. krug, 5. auftr.;

wenn
er hurtig macht, fällt auch für ihn was ab.
Schiller Piccol. 4, 1;

mach hurtig, Jenni. zieh die naue ein.
der graue thalvogt kommt, dumpf brüllt der firn. Tell 1, 1;

komm! komm! mach hurtig, guter doctor. Macb. 5, 5.


b) auch bloszes machen für eilen, sich beeilen: Röse! Röse! wo bleibt das frühstück? ... mach nur, Röse. Göthe 14, 259;

der eine, der gern siegen wollte (im schachspiel),
sann einmal lange nach, um recht geschickt zu ziehn;
der affe stiesz darauf an ihn
und nickte, dasz er machen sollte.
Gellert 1, 148;

Nathan. ja, gut erzählen, das ist nun
wohl eben meine sache nicht. Sal. schon wieder
so stolz bescheiden? mach! erzähl, erzähle!
Lessing 2, 276.

vgl. dazu oben I, 22, b sp. 1386.
8) machen, gehen, reisen, vielleicht aus einen weg, eine reise machen (I, 6) verkürzt, mundartlich, in Ober-, Mittel- und Niederdeutschland verbreitet, auch aus älterer zeit schriftlich bezeugt: ehe sich der morgenstern retteriret .. will ich von hinnen machen. Romeo u. Julie bei Cohn Shakesp. in Germany 379;

komb, lasz uns machen zu dem haufen.
H. Sachs 3, 1, 35a;

wird in gewählter sprache vermieden, schlüpft aber etwa in einer zeitung durch: dieselben (soldaten) hatten den weg von dort bis hierher in kleinen tagesmärschen gemacht und hatten heute rast. von hier machen sie per eisenbahn nach Erfurt. Frankfurter journ. v. 28. märz 1871.
9) machen in kaufmännischer rede, ein geschäft machen, handel treiben: er macht in strumpfwaaren; in wein machen; auf diesem platze wird in spirituosen, auf jenem in getreide gemacht; übertragen hört man auch: er macht jetzt in frömmigkeit; er macht stark in patriotismus. wir haben schlecht gemacht, sagt der walfischfänger vom schlechten fange. Brem. sonntagsbl. 1854 23.
 
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machenschaft, f. was gemacht, gearbeitet wird, das gemachte, ein namentlich süddeutsches wort: zeig deine machenschaft her, was du gemacht hast; das ist keine gute machenschaft; auch bestimmung, anordnung, einrichtung (vgl. DWB machen sp. 1370 unten): an unredliche machenschaften des alten herrn haben wir niemals gedacht. neue Zürcher zeitung 1881.
 
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macher, mächer, m. der da macht, etwas arbeitet oder schafft.
1) die umgelautete form findet sich bei Luther und Alberus (und ist noch jetzt wetterauisch): gemacht ist alles. von wem? von einem mecher. Luther 8, 150b; bildmecher sculptor Alb. A 1b; salbenmecher D 1a; tchmächer J 1b; blechmecher n 4b; sie hat sich nicht verbreitet.
2) macher, bewirker, schöpfer: macher parator. voc. inc. theut. n 3a; plastes machir Dief. nov. gloss. 294b; macher, der etwas macht, factor Maaler 280c; sô tuot er noh malignos spiritus, die gentilium errorum auctores sint (die leiden tiefela, die dero heidenon irridin machara sint). Notker ps. 77 (Hattemer 2, 279b); der macher bistu (gott). Wackernagel pred. 101, 21; und das wort ist der arbeiter und macher der formungen in der auszgesprochenen weiszheit. J. Böhme de signatura rerum 4, 32; bei neueren mit beziehung auf griech. ποιητής: (sie) versuchten eben darum nicht, es zu erklären, weil sie es als unerklärbar fühlten: sie machten es, und stellten es dar — denen welche sehen können. diesz ist der karakter des dichters, des wahren machers. Wieland 25, 333; jeden der im stande ist seinen empfindungszustand in ein object zu legen, so dasz dieses object mich nöthigt, in jenen empfindungszustand überzugehen, folglich lebendig auf mich wirkt, heisze ich einen poeten, einen macher. Schiller an Göthe 784.
3) macher in zusammensetzungen ist vielfach der bedeutung von machen I, 1, a (oben sp. 1364) angeschlossen, vergl. schuhmacher, hutmacher, kammacher, korbmacher, kleidermacher, mützenmacher, stellmacher, uhrmacher, windenmacher u. a. als handwerkerische bezeichnungen; in kalendermacher, spaszmacher waltet beziehung auf geschäftsmäsziges; in bezug auf geistige arbeit ist mit macher ein verächtlicher nebenbegriff verbunden, vgl. DWB machen I, 1, e (oben sp. 1365): Hoppedizel hatte auszer ihm an einem nachmittag fünf leute bei sich, den gerichthalter Kolb, den flöszinspektor Peuschel, einen alten

[Bd. 12, Sp. 1396]


karmenmacher, einen hofzimmerfrotteur und einen hofjunker; denn was wird der leser nach zunamen dieses volks fragen? J. Paul uns. loge 1, 115; macher endlich nach machen I, 6 und 7 in bestellungmacher (J. Paul Qu. Fixl. 158), lärmmacher, berichtmacher, muthmacher u. a.
4) macher, in der neueren sprache nach franz. faiseur gebraucht, der etwas ins werk setzt, einrichtet, mit dem nebensinne des versteckten und hinterlistigen: der eigentliche macher des ganzen handels war er; der wucherer hielt sich im hintergrunde, aber er hatte mehrere macher, die seine opfer umgarnten. vergl. mächler.
 
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macherei, f. factio, factum, facinus, opus, actio, opera, negotium, occupatio, plasma, factus Stieler 1195; mit verächtlichem nebensinne: bei den Göttingern (dem Hainbund) gehört dieses schielen nach dem lorbeer, der dem genius von selbst zufällt, auch zu der macherei und zwecksetzenden geschäftigkeit, an der die ganze schule krankt. W. Herbst J. H. Voss (1872) 1, 110.
 
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macherlohn, m. n. lohn eines verfertigers von handarbeit (nach macher 3): als wier gan Ulm kamen, hiesz mich Paulus mit dem tch umbher gan, den macherlon darz heischen. Th. Platter 26 Boos; und gehet vil auf macherlon, wenn man hauben, gepreme und porten knippen, klecklen und klippen sol. Mathesius hochzeitpred. K 3a; aber traun! er wuste nicht wo er das macherlohn hernehmen solte. pol. stockf. 261; ich will ihnen das macherlohn doppelt bezahlen. Gellert 3, 411; in freierem sinne: das macherlohn für einen notar (gebühren für notarwerden). J. Paul flegelj. 1, 31;

so lange, wie ich reden kan,
soll immer euer lob erschallen,
weil ihr (zwei schwestern bei einer näharbeit) so manchen stich gethan,
mir armen diener zu gefallen.
mein herz stellt sich hier selber ein,
mit diesem will ich euch begaben,
wenn ihr nur wollt zu frieden sein,
ein schlechtes macher-lohn zu haben.
Caniz 206;

früher machlohn: tapharthembdt, das mitsamt dem machlon und ander zugehorde über sechs guldin cost. Nürnb. pol. ordn. 97.