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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bis labbiszlein (Bd. 12, Sp. 1 bis 5)
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[Bd. 12, Sp. 1]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) L ist nach früherer anordnung der eilfte, jetzt, wo wir I und J in der schrift scheiden, der zwölfte buchstabe unseres alphabets, und ein laut der mit r und den nasalen m und n zusammen die gruppe der flüssigen (semivocales) bildet. es ist die jüngere modification des r-lautes, weshalb wir sehen, dasz ihm in den urverwandten sprachen theils, und zwar in der europäischen gruppe derselben, ein l, theils, in den asiatischen gliedern, die hier den ältern laut bewahrten, vielfach ein r entspricht (sanskr. ruć leuchten, griech. λευκός, ἀμφιλύκη, lat. lux, luceo, goth. liuhaþ, nhd. liecht licht; sanskr. sara, griech. ἅλς, lat. sal, goth. salt, ahd. mhd. nhd. salz, u. a.). seine hauptsächliche stellung ist folgende.
1) das deutsche l steht anlautend, inlautend und auslautend. da es sich leicht an andere consonanten anschlieszt, finden wir es in einer reihe anlautender verbindungen, pl, pfl, bl, fl (ahd. und mhd. auch vl), schl (ahd. und mhd. sl), kl, gl. ursprünglich besasz das hochdeutsche auch, wie das goth., niederdeutsche und nordische, ein anlautendes hl (einem urverwandten kl, kr entsprechend: ahd. hlinên lehnen griech. κλίνειν, lat. in-clinare, ahd. hliumunt leumund mit griech. κλύειν, altlat. cluere, sanskr. çru hören zusammenhängend), das sich jedoch seit dem 9. jahrh. in einfaches l umsetzt; so dasz ahd. hlahhan seit dieser zeit zu lahhan, lachen, hladan zu ladan, laden, hleip brot zu leip, leib, hlûtar zu lûtar, lûter, lauter, hlosên horchen zu losen u. s. w. werden. wesentlich durch den verlust dieses anlautenden h sind wörter in gleiche form gekommen, die nicht die mindeste verwandtschaft haben. so fallen uns laden (onerare) und laden (invitare), leib (panis) und leib (corpus), leiter (scala) und leiter (dux) dem laute nach zusammen, während sich ahd. hladan und ladôn, hleip und lîp, hleitara und leitari sehr deutlich unterscheiden.
2) die hauptsächlichsten in- und auslautenden verbindungen des l sind lm; lb, lp, lf; ld, lt, lz, ls, lsch; lg, lk, lch; rl. das mhd. hatte auch ein inlautendes lw, welches noch in ältern nhd. quellen fortdauert: ain pfilwelin Keisersberg bilg. 163b; pfulwen Fischart Garg. bei Kehrein gramm. 1, § 166. die neuere schriftsprache kennt diese verbindung, auszer in eigennamen wie Calw, nicht mehr, da sie in solchen fällen das w entweder weggeworfen oder zu b verhärtet hat, vgl. nhd. falb und fahl mit mhd. val, gen. valwes, nhd. gelb und mundartlich gel mit mhd. gel, gen. gelwes, nhd. schwalbe mit mhd. swalwe u. a. (s. auch theil 1 sp. 1054). — Das bis ins 17. jh. fortdauernde lh in enpfelhen, befelhen, befalh u. a. (Kehrein a. a. o. 1, § 353) ist uns jetzt zu hl mit stummem h geworden (empfehlen u. a.).
3) die verdoppelung des l, im gothischen auf wenige wörter beschränkt, hat im laufe der zeit sehr zugenommen, so dasz ahd. und mhd. ll nach kurzen vocalen schon häufig ist. doch vereinfacht es sich im auslaute wieder, wie noch heute im niederländischen: ahd. fallan fallen, stallâ ställe, aber fal der fall, stal; mhd. alles, snelles, aber al, snel. auch inlautend pflegt die gemination, sobald ein consonant folgt, vereinfacht zu werden (mhd. gellen vergällen, praet. galte). in der wilden schreibung der übergangszeit vom mhd. zum nhd. ist ll willkürlich, auch nach längen, selbst anlautend gesetzt (belege gibt Weinhold alem. gramm. s. 163); heute pflegen wir, ohne rücksicht auf historische begründung der gemination, das l im in- und auslaute nach kurzem stammvocale doppelt zu schreiben (alles, all, schnelles, schnell). vor unmittelbar folgendem consonanten aber genügt einfaches l (bald, felge, halten), und nur in der flexion, wo der stamm vor dem zusammenstoszen mit einem andern mitlaute ll zeigte, bleibt diesz, abweichend vom ahd. und mhd. gebrauche, erhalten

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(schallte, wollte, wegen schallen, wollen). in zusammensetzungen können nach unserer landläufigen orthographie sogar drei l auf einander folgen, denn dieselbe scheut selbst so 'unbarmherzige schreibungen' (vgl. theil 1, sp. lxi) wie schnelllauf, stalllicht nicht.
4) assimilation eines nebenstehenden consonanten ist mehrfach.
a) am häufigsten, und vielfach schon im ahd., erwächst aus lj die gemination ll, vgl. nhd. hölle, wille, hülle mit goth. halja, vilja, hulja; sie zeigt sich namentlich bei den auf l endigenden stämmen der ersten schwachen conjugation und der schwachen declination, doch nicht ohne ausnahme, vgl. goth. sulja mit ahd. sola, mhd. sol, nhd. sohle. nach langem vocale unterbleibt in folge allgemeinen gesetzes diese angleichung; wenn im nhd. langer vocal aus älterem kurzen sich ergibt, vereinfacht sich auch frühere gemination, und es erscheint wol das dehnungszeichen, vgl. nhd. wähle mit goth. valja, ahd. wellu; hehlen mit ahd. helian, hellan; quälen mit ahd. queljan, quellan, quellen u. a.
b) andere assimilationen bleiben gewöhnlich im bereich der mundarten, so wenn ll aus lch erwächst im tirol. weller, kärntn. wölla welcher; tirol. söller, kärntn. sölla, schles. siller solcher; oder aus lb in dem mitteldeutsch weit verbreiteten sell, seller für selb, selber, endlich aus ld und lt, wenn durch die meisten mitteldeutschen mundarten ball für bald, spallen für spalten, aller für alter u. ähnl., wenn auch nicht streng durchgeführt, läuft; henneberg.-fränkisch wall und neuer wâlt wald, plur. weller; kâlt, flectiert kaller, compar. käller, superl. källst u. ähnl. (Fromm. 2, 47); auch niederdeutsch hört man öller alter, öllern die eltern (Danneil 149b); hildesheimisch mellen melden, gollen und gullen golden, dullen dulden u. a. (Fromm. 2, 194). — Die schriftsprache hat ll aus ln entwickelt in elle (mhd. eline, elne, ellen und auch schon elle. Lexer 1, 541); noch Maaler hat eln, vgl. theil 3, sp. 414.
c) seltener tritt angleichung des vorausgehenden consonanten ein, wie in ahd. guollîh für guotlîh, wâllîh, wâllîhî für wâtlîh, wâtlîhî, mhd. eigellich statt eigenlich, küllinc verwandter statt künnelinc; im 15. jh. begegnet wegellîn, weglîn für wegenlîn, woraus nhd. wäglein erwächst; jetzt haben wir noch zwilling aus mhd. zwineling, und, bereits im mhd., spille aus ahd. spinala.
5) vom tausch des l mit andern consonanten ist vorzugsweise
a) der mit dem nächstverwandten r zu erwähnen. l für r steht, abgesehen von zahlreichen mundartlichen beispielen, abgesehen ferner von der neigung der kindersprache für r l zu gebrauchen (vgl. dazu schon Plut. qu. rom. 54. Quintil. 1, 11, 5), in der schriftsprache in pflaume aus lat. prunum, vgl. holländ. pruim; tölpel aus mhd. dörpel, dörper; pilgrim und pilger, schon ital. pellegrino, lat. peregrinus; maulbeere, schon im 12. jh. mûlbere, früher mûrperi, môrperi aus lat. morum; früher galt auch das noch jetzt oft gehörte balbier, balbieren (theil 1, sp. 1080) in der schriftsprache. bei den meisten der angeführten beispiele darf die scheu vor zwei nahe auf einander folgenden r in demselben worte als grund des tausches gelten. mehrfach schwanken die endungen -el und -er, vgl. DWB hadel und hader (lumpen); körpel und körper; martel und marter; und neben marmor steht marmelstein. tändeln heiszt österr. tandern (Höfer 3, 211), wie ahd. tantarôn, tändelei früher tanderey (Aventinus), mhd. tenterîe. eine anzahl verben werden in gleichem sinne mit -eln und -ern abgeleitet, im alemannischen ist hudeln und hudern, schnadeln und schnadern, täppelen und täpperen, wihelen und wihern u. a. von éiner bedeutung (Weinhold al. gramm. s. 219). manchmal hat der eine dialekt die ableitung mit -el, der andere

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die mit -er ausschlieszlich verwendet, so tritt dunkel, ahd. tunchal, mhd. tunkel im alts. als duncar, niederl. donker, umgekehrt unser wacker, ahd. wachar, mhd. wacher, wacker im ags. als vacol auf. mhd. veʒʒel (balteus) und veʒʒer (compages) sind noch in der bedeutung geschieden, nhd. hat fessel die bedeutung von veʒʒer angenommen; nhd. lächeln und lächern, wandeln und wandern werden genau auseinander gehalten.
Seltener tritt r für l ein, vgl. DWB kristier, DWB kristieren für klystier, klystieren theil 5, 2334.
b) l und n tauschen, wie in ahd. sliumo schleunig neben ursprünglichem sniumo, mnl. slecke, nnl. slak, hochd. schnecke, in lutschen und nutschen (Lessing 12, 550), so vorzüglich gern in wörtern, in denen sonst zwei l nahe auf einander folgen: vgl. lolhart und nolhart, lullen sagen und nullen; ahd. chlobalouh ist jetzt knoblauch, klüppel (noch bei Göthe 16, 261) jetzt knüppel, kläuel jetzt knäuel. in endungen hat sich l für ursprüngliches n ergeben in schierling, ahd. scerning und scerling, sammeln, ahd. samanôn, friesel, das im 15. jahrh. noch friesen lautete; in fremdwörtern: kümmel aus cuminum, lägel aus lagena, orgel aus organum, tirol. orgalist für organist, komulion für communion (Fromm. 3, 100); aus ital. fazzoletto wird fazenetlein: nimpt etliche hembder, zwei par hosen und den gefüllten rock sampt etlichen fazenetlin. Wickram rollw. 181, 17 Kurz; alemannisch fazenetli:

o lueg, wie strahl um strahl verglimmt,
und wie sie (die sonne) 's fazenetli nimmt,
e wülkli, blau mit roth vermüscht,
und wie sie an der stirne wüscht.
Hebel 1 (1853) 133.


6) was die einwirkung eines l auf benachbarte laute angeht, so kann es im mhd. ein unmittelbar folgendes t zu d erweichen (gramm. 12, 409): behalden neben behalten, schelden neben schelten u. a.; solche erweichungen dauern auch noch in folgenden jahrhunderten fort, vergl. Kehrein gramm. des 15.—17. jahrh. 1, § 232, und mundartlich selbst bis heute: hennebergisch fâld fehlt, gestâld gestalt, gewâld gewalt, wald wählt (Fromm. 2, 500). ein dem l vorausgehendes a dunkelt zu o, und wie schon ahd. holôn neben halôn holen, im altsächs. old annosa neben ald, altniederfr. twifold anceps für twifald erscheint, so geht nhd. soll auf ahd. scal zurück, neben welchem in späterer ahd. zeit bereits scol und auch sol sich geltend macht, und unsere praeteritalformen quoll, soll, schwoll, scholl, schmolz, molk, sind frühere qual, bal, swal, schall, smalz, malc.
 
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la, interj.
1) bei dem trällern einer melodie oder bei übung der singstimme ohne text (beim solfeggieren):

vocalisierend saszen da
um mich (Apollo) herum die töchter (musen),
das sang und klang, la-la, la-la,
geplauder und gelächter.
H. Heine 18, 47;

beim stimmen der kehle, in verbindung mit ähnlichen lauten:

Altmeyer. a! tara lara da! Frosch. die kehlen sind gestimmt!
Göthe 12, 104;

als kehrreim einer strophe:

an dem reinsten frühlingsmorgen
gieng die schäferin und sang ..
so la la! le ralla!
Göthe 1, 21, vgl. 22.

vgl. auch trallala.
2) in der redensart so so, la la, im sinne von ziemlich, leidlich, wie das franz. la la (en réponse, avec le sens de médiocrement. Littré 2, 226a): 'wie geht es?' je nun, so so, la la!; sein herr hatte sonst noch allerlei redensarten an sich, die er bei jeder gelegenheit wiederholte, zum exempel: so so, la la. Hebel (1853) 2, 148.
 
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la, die note a der tonleiter, bei schriftstellern bis ins 17. jh.:

auff von dem ut hôch in das lâ.
Wolkenst. no. 90. 1, 13.

bei Abraham a S. Clara im wortspiele mit dem mundartlichen (bairischen, alemannischen) imperativ la des verbums lân lassen: endlich wurde ich zu einem kranken berufen, dessen leben schon auf das letzte la mi fa ging, das ist, lasz mich fahren. werke (Passauer ausg.) 11, 255; bist du schon in der gefahr, dasz dir nit gleich der tod das lamifare singet. 5, 264.
 
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lab, n. coagulum, bei Stieler 1099 der leb und der lab, sonst auch femin. (vgl. unten labe), wie schon mhd. neben lap ein fem. labe, auch in der freieren bedeutung einer sauern flüssigkeit überhaupt, erscheint (Lexer wörterb. 1, 1806); ahd. kann mit ungewissem geschlechte nur belegt werden jura lab (Haupts ztschr. 15, 533b). über die etymologischen bezüge des worts vgl. unter leber und libbern, verschieden davon ist das gleichbedeutende lippe und lüppe, s. d. coagulum lap, labe, lab, lob, layp Dief. 128c; lab oder lob dauon die milch gerynnet oder renne oder keszlab,

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coagulum. voc. theut. 1482 r 8b; keym oder lap, cogillum. q 2b; laab, n. coagulum, prensura (chylus ex lacte materno residuus, quo lac spissatur), lääben, laab in die milch thun. Schottel 1353.
1) lab ist das namentlich aus kälbermagen hergestellte mittel zum scheiden der milch: ist sie (die milch) ein wenig warm geworden, so wirft man einen löffel voll sauren saft darein, den man lup oder lab nennt. Raff naturgeschichte für kinder (1788) 545;

milch giebts ewig bei mir, schneeweisz: theils wird zu getränk
sie
aufbewahrt, und theils mit verdünnetem labe gekäset.
Voss Ovid no. 54, 73;

auch die im magen noch saugender thiere befindliche geronnene milch (vgl. oben die stelle aus Schottel): laab, lab, laff, .. käselaab, .. heiszet eigentlich die in dem magen eines sog-kalbes befindliche säure, oder die annoch unverdaute milch, so das kalb von der mutter gesogen, ehe es noch etwas anders genossen, als welche auf gewisse art zugerichtet, die milch gerinnen macht, dasz man käse daraus verfertigen kann. öcon. lex. (1731) 1344; die magenlab in den (hirsch-) kälbern ist gut für das gift und heilet die schlangenbisz. Hohberg 2, 610b. man unterscheidet, je nach dem thiere von welchem das lab herrührt, kalbslab, lammslab, hasenlab (Frisch 1, 561b), hirschlab, ziegenlab u. a.
2) lab heiszt auch der labmagen selbst: (die vier magen der wiederkäuenden thiere) heiszen pansen oder wanst; haube oder müze; buch oder faltenmagen oder psalter; und ruthe oder lab. Raff naturgesch. 543.
3) lab, pflanzensaft der die milch gerinnen macht:

schnell wie die weisze milch vom feigenlabe (ὀπός) gerinnet
flüssig zuvor; denn eilig erharscht sie umher dem vermischer.
Voss Il. 5, 144.


4) lab, salzwasser in der siedenden pfanne. Schm. 1, 1402 Fromm.
 
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lab, n. refectio, labung, mhd. lap, gen. labes, masc. und neutr.:

ward uns der edel winstock
vom himmel herab gesant,
den minnsamen herzen
z einem sszen lab.
Uhland volksl. 885;

von der speise:

wie sich das kunter durch menschlich lab
zu solcher wachsung erhebt hab. fastn. sp. 214, 7.

vgl. DWB labe.
 
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labander, m., betont labánder, longurio, langer, schlaffer mensch; ein schlesisches wort, vielleicht von dem mundartlichen, niederd. und mitteld. labben, lappen, schlaff und träge hängen, nach art eines eigennamens und mit anlehnung an die seit dem 16. jahrh. zahlreichen gelehrten auf -ander gebildet: wenn ich so ein recht langer labander wär, müszt ich vielleichte mit. Holtei Lammfell 3, 86.
 
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labbe, f.
1) mundartlich, nieder- und mitteldeutsch, eigentlich die hängelippe, dann lippe und mund überhaupt, von Stieler 1060 als sächsisch verzeichnet, der auch labbe und flabbe in der bedeutung labeo, hangmaul, groszmaul beibringt, vgl. auch DWB flappe theil 3, 1724. schweizerisch labbele, f., dickmaul, dicke herabhängende lefze Stalder 2, 149.
2) labbe, groszlabbe, ein fisch mit dicken lippen, mugil circa labia rubescens. Campe.
3) labbe, eine mövenart, larus parasiticus, sonst struntjäger, strandjäger. Nemnich 3, 334.
 
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labber, adj., lenis, schwach, sanft, nnl. labber, ein niederdeutscher, zunächst in der seemannssprache und in der formel eine labbere kühlte (wind der das schiff mäszig treibt) lebender ausdruck. Bobrik 444b. die weiterbildung labberig, labbrig schlaff, fade, auch fade von geschmack, ist niederdeutsch ziemlich allgemein verbreitet (Schambach 117a. Dähnert 264a. Danneil 121a). ein dazu gehöriges verbum labbern, nnl. labberen, ist wieder nur seemännisch und bedeutet hin und herschlagen, wappern, von segeln die der wind nur am seitenrande trifft, so dasz sie nicht aufgebläht werden. Bobrik 449a. 390a.
 
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labberdan, m. gesatzener kabeljau, bei Frisch 1, 561c asellus salitus, gesalzener stockfisch; waare und name kommen aus den Niederlanden, wo sich zufrühest die form abberdaen (Kilian), später auch labberdaan, laberdaan findet; eine alte form slabberdaen bei de Vries wb. der nederl. taal 4. aflev. s. 602. der englische name ist haberdine; die deutung, dasz es der vorzugsweise bei der schottischen stadt Aberdeen gefangene kabeljau sei, der nachher die allgemeine bezeichnung der fischart veranlaszt hätte, wird verworfen, ohne dasz etwas wahrscheinlicheres zur etymologie

[Bd. 12, Sp. 5]


beigebracht werden könnte. für das hochdeutsche ist das wort bis jetzt nicht vor ende des 17. jahrh. nachzuweisen; Hohberg (1716) 3, 3, 21b schreibt laperdan: laperdan oder kabliau; siede den laperdan; heutzutage wird auch laberdan, labredan gelesen.
 
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labbern, verb. s. oben unter labber und unten labern.
 
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labbiszlein, n. biszlein zur labung, erquickung: darumb ich lieber den papst wolt bitten, dasz er im ein labbiszlin in den mund stosze. Fischart bienk. 233a.