| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||
kotzen bis kotzentanz (Bd. 11, Sp. 1905 bis 1907) | |||
| I. Formen, verbreitung, verwandtschaft. a) es erscheint zuerst im 15. jh. (ist aber sicher weit älter): kotzen, speien, vomere, debibere. voc. 1482 r 1a. ee 4b; koczen n. gl. 385b, hier auch schon, aus den ersten jahren des 15. jh., sich bekotzen. b) auch kutzen, in einem rhein. voc. des 15. jh. 629a, vgl. das kutzen unter II, 3 und gützen unter I, c; in Sachsen findet sich auch keuzen, also bewegung im vocal, vgl. kœzen unter d. vielleicht waltet selbst alter ablaut (I A U), denn nl. heiszt es kitsen (s. e) und tirol. katzlen, sich erbrechen, s. 6, 292; das a auch in tirol. kätzgen ekel empfinden und in kâz! was man den kindern zuruft wenn sie husten, auch kâzde! (kaz dich! brich aus was dich stört), s. 307. diesem zuruf entspricht wieder bair. kuz! oder kutzaus! 2, 347, dem kätzgen aber schweiz., vorarlb. kötzelen sich zum brechen ekeln, kötzelig, zum brechen widerlich. c) schweiz. mit doppeltem anlaut, neben kotzen (chotze) auch gützen, z. b. von kleinen kindern, dazu gutz m. das gebrochene (wie oben kotz) 1, 504. mit g auch schwäb. goazken durch heftiges räuspern aus dem halse stoszen 216 (vgl.gorzgen, das würgen beim erbrechen das. 238). k- und g- wechseln auch sonst bei diesen schallwörtern, s. unter DWB kackezen, DWB kauzen 2, käken, köcken I, d, bes. DWB kickezen 4, die übrigens alle auf éinen stamm zurückgehn müssen. d) und auch kotzen musz zuletzt dazu gehören, benannt von dem klange den es gibt. kotzen stellt sich zu köcken, wie katzlen (b), kätzen zu käken, kauzen 2 zu kaüken (sp. 371). freilich hat köken nur oder doch meist langen vocal, aber es gibt eben auch kœzen sich erbrechen, in Nassau ( 241). selbst eine entstehung der verba auf -z aus denen auf -k ist möglich, wie blitz aus blick ward durch blikz hindurch (2, 129), wie klucken gluckern durch kluchzen, kluckzen, klucksen hindurch vielleicht zu klutzen ward (vergl. DWB gackzen). in dem kätzgen, goazken unter c könnte auch eine umstellung aus k-kz zu k-zk vorliegen, wie in blitzgen aus blickzen (2, 134), gatzgen aus gackzen. doch scheint das nur auf hd. boden annehmbar, und kotzen greift weiter (e); ein urspr. koz- aber neben kok- ist auch nicht undenkbar, vgl. DWB klatzen. e) kotzen ist nicht nur hd. und md. allgemein, es ist eigner weise auch nd., z. b. bei 114a in der Altmark, 251b in Pommern, 221 im nd. Hessen. und wie nrh., so auch fläm. kotsen, nl. kodsen, im 16. jh. aber merkwürdig kitsen, kidsen vomere Kil., Plant. ob böhm. kuckati, sloven. kozláti nur zufällig anklingen? II. Bedeutung und gebrauch. 1) kotzen vomere, im 16. jh. bei (nauseare Dief. 376c), Alberus aa 3b, Dasypodius, Frisius, Maaler, Junius, noch heute allgemein gültig, und zwar meist als der derbste ausdruck. a) intrans.: der fieng an vor gestank zu kotzen. bei Steinhöwel 146b; seint guter ding und kotzt darneben. da tht man anders hören nicht [Bd. 11, Sp. 1906] den tollen macht der wein noch töller, b) auch trans.: und die hund auffressen, was sie (die trunkenen) gekotzt haben. trunkenh. E 4a, daher das gekotzte, vomitum: deswegen fütterte frau Sibylle den kleinen Adolph allemal so lange, bis er kotzete, und um recht sicher zu gehn, strich sie ihm das gekotzete auch wieder ein paarmal an, bis sie ganz gewiss wuszte dasz nichts mehr hinunter wollte. anweisung zu einer unvernünft. erziehung der kinder 166. c) ebenso mit praepos.: kotzen sie aus ihrem eigenen inneren magen denen jungen die speise vor, dieselben zu ersättigen. t. jäger 378a; die schwere völlerei, d) aber auch unpers. mir kotzet, wird zum kotzen übel: und macht damit (mit dem tabakspeien) ein solches unflätig geiferwerk um sich herumb, dasz einem darob kotzen möchte. Simpl. 1684 3, 99. so noch schweiz. mir kötzelet oder kötzerlet 2, 125. vgl. mir köket sp. 1567 (3). e) oft mag es übrigens nur als kraftwort für spucken stehen, deutlich z. b. in folg.: 'herr, ich wuszt nicht wo hin einsmals, darumb kotzt ich in s. Thomas kirch'. da lachet der heilig man, sprach 'lieber son, das ist alles nichts gethan, wir alle in unserm kloster kotzen täglich darein'. Bocc. 1, 16a (1. novelle), wo der it. text hat sputai una volta nella chiesa di dio. auch speien hat ja diese und jene bedeutung zugleich. s. auch 3, b. 2) bildlich. a) von dem, der ein unrecht, eig. ein übermasz büszen musz, wie der völler mit kotzen: so müssens nun doppel kotzen, was sie einfach gefressen. practica der pfaffen (Cammerlander) J 1b, doppelt büszen, was sie verschuldet; volle rähte (d. i. trunkene ratmannen) volle rathschläge, volles unglück, welches die arme unterthanen mit ihrem untergang speien und kotzen müssen. de politico 19, es gleicht der redensart ausessen müssen, was ein anderer eingebrockt. b) kotzen ab .., ekel, widerwillen empfinden gegen .., heftig verschmähen: der kotzet auch ab der ehe, si nicht besser dann hrerei achtende. chr. 1531 437b; also richtet der teüfel under diser warheit (der hussit. lehre) ein auflauf an, damit ers verdacht und der welt verhaszt machet, dʒ man darab als ab einem grewel kotzet und auf der alten ban blib. das. 1536 237a; vgl. mehr eigentlich: kaum hatten sie das gemantsche gekostet, als sie anfiengen dargegen zu kotzen und zu speien. nov. 13. so noch das schweiz. kötzelen unter 1, d, aber unpersönlich, taedere. c) selbst geistig, von sich kotzen, aus dem geiste entfernen: darumb, kaufman, mein rat ietz wer, d) auch für reden, verächtlich (wie köcken II, 4): warumb doch will ein jeder lapp 3) aber auch für bloszes starkes husten, der laut dieses hustens, der auch das brechen begleitet, ist gewiss der eig. inhalt des wortes, wie bei köcken (II, 1); vgl. DWB kotz, DWB kotzer 2, auch kutzen. a) kotzen husten geben z. b. 2, 390, 1, 921, 1768. 1787, und noch für heute wird es angegeben z. b. aus Tirol, Hessen, vom Mittelrhein (Kehrein). so wol in folg.: [Bd. 11, Sp. 1907] fieng an zu kotzen und zu schneuzen, b) als hessisch bei 221 kotzen sich räuspern, die kehle durch auswurf reinigen, mit einem beleg aus dem 17. jh.: hyena, welch thier wie ein mensch kotzen und schnupfen kan, wie im froschm. vorhin kotzen und schneuzen. westerw. mit auswurf husten 85. s. kotzicht mucosus, kotzigkeit katarrh. c) aber hessisch ausdrücklich auch blosz husten, besonders heftig husten ('sehr üblich'), dazu kotzer einer der mit einem starken husten behaftet ist. 4) was ist folg. gekotzt? in Grandgoschiers vorräten bütten voll geplotzter rettich und gekotzter mörrettich ausz dem Elsasz. Garg. 54a (1575 E 7a, Sch. 87). vgl. allenfalls kotzvoll.
|
| |
| © 1998—2013 by Trier Center for Digital Humanities / Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier Home | Impressum | Kontakt | ![]() | ||