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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
kötze bis kotzensohn (Bd. 11, Sp. 1903 bis 1907)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) kötze, f. korb, rückenkorb u. a.
I. Bedeutung und gebrauch.
1) korb: citella, sporta, kötze Dief. 127c 15. jh. (rhein.).
a) hauptsächlich tragkorb, rückenkorb mit armbändern (Schm. 2, 347, Vilmar 221), corbis dorsuaria Stieler 1020:

dein kötzen ist da worden leer.
Ayrer fastn. 108b,

vorher korb genannt (mit birnen); nam ihn (den mantel) in ein fränkische kötzen und truge ihn für das statthor. Kirchhof wendunm. (1602) 1, 511, eine kötze in bestimmter, fränk. form; bei diesem steine ruhte frau Hulda jedesmal aus, wenn sie ermüdeten mädchen, welche zu schwer mit gras, streu oder holz belastet waren, die kötze abgenommen und getragen hatte. Wolfs zeitschr. f. myth. 1, 24, unterfränk.; sah aus wie ein .. bettler und trug eine kötze auf dem rücken, als wollte er milde gaben darin sammeln. kinderm. no. 46, hessisch.
b) aber auch als doppelkorb den ein esel trägt, s. fastn. sp. 731, 21. 346, 1 (obscön angewandt).
c) auch für vogelkorb, bei Dasyp. s. v. avis: aviarium, ein vogelkrätze oder kötze, ein ort da man vogel ziehet oder neret. 16b. als fischkorb s. II, 1, a.
d) es gilt heutzutage, meist mit nebenform kütze (s. II, 1), in Franken, z. b. graskötz, tragkötz, mistkötz, hüenerkötz Schm. 2, 347, von da wesentlich das Main- und Rheinland abwärts, am Mittelrhein, in Nassau, Niederhessen (Vilmar 221, mit beschreibung

[Bd. 11, Sp. 1904]


der verschiedenen form des korbes), auf dem Westerwalde Schmidt 95, der es auch als pfälz. angibt; auch ins nrh. greifend bei Fromm. 5, 278b. 281, in Waldeck Curtze 478b (s. auch II, 1, a), anderseits südl. ins schwäbische (Schmidt a. a. o., vergl. übrigens II, 1, c). auch nordfränk., im henneb. Reinw. 1, 86. 2, 74, in der Ruhl Regel 151; nördl. aber selbst ins nd. gebiet greifend, götting. kœze, selbst kœte Schambach 110b, vgl. II, 2.
2) westerw. auch dicker bauch: sie hat eine kötze. Schmidt 95, eig. wol als futterkorb, freszkorb gedacht. so schon kötz bauch bei H. Folz, in der anrede an einen trinker:

wann du dein kötz seufest so vol.
Kellers fastnachtsp. 1211.

ebenso nordböhm. kober (s. d. 1, b) bauch, eig. korb, und osnabr. kype korb (s. kiepe) auch für bauch, z. b. he heft syne kype vull, s. Strodtm. 103.
3) andres flechtwerk: sind mit binzen und kötzen, ausz einem gemösz gemacht, bekleidet. Frank weltb. 1567 197b.
4) merkwürdig für wiege bei Kirsch cornuc. 1, 572a: incunabula, kindswiegen, kötze, doch wol eigentlich korbwiege.
5) fraglich scheint bei Stieler 1020 kötze als schrank; da er als andere aussprache dafür köde angibt (d. i. köte, s. d.), auch als korb, so liegt da wol eine vermengung vor.
II. Formen und verwandtschaft.
1) die formen zeigen ziemliche manigfaltigkeit.
a) kütze wird als neben kötze geltend angegeben nass., fränk., henneb., hier als 'feiner' von Reinwald 1, 86. und wie dieser es auch aus Koblenz gibt, so ist es dort überrh. älter bezeugt: und wannie (für mhd. swanne) er einen weiszen fisch fanget, sol er ihme in den mund speien und die kütz bieten (hinhalten). felt er in die kütz, so ist er des gehofeners, felt er ausz, so ist er wiederumb des herren. weisth. 2, 528, ein fischkorb. trotzdem wird kötze bei seiner verbreitung auch echt sein.
b) der vocal wird theils kurz theils lang angegeben, beides zugleich vom Westerwalde, aus Nassau, kötz und köz, kütz und küz (d. i. eig. küze u. s. w.) Kehrein 1, 241, nur lang hess., waldeck., götting., auch pfälz. 'keeze' Reinwald 1, 87 (vgl. c). ebenso schwanken kitze und kieze gleicher bed. (sp. 700). doch wird überall die kurze form die ursprüngliche sein. vergl. die doppelform kitze und kieze katze sp. 870.
c) als nordschwäb. wird übrigens kätze angegeben, so aus Schw. Hall von Reinwald 2, 74, und ebendaher ein älteres zeugnis, 'ketz tragkorb' bei Schmid 311, dessen e gleich ä sein wird: ein trunkener redt heraus wie eine ketz die keinen boden hat. Seybold lustgarten (1677); auch das pfälz. kêze unter b könnte daher gehören. so stellt sich aber in kitze, kütze, kätze völlige ablautung dar. und noch anders im vocal schwäb. käuze (kaize) f. bäckerkorb der auf dem rücken getragen wird Schmid 304.
2) für das alter des wortes ist die frage wichtig, ob es sich auch im nd. bereiche findet. das gött. köte unter I, 1, d, zudem als selten bezeichnet, ist als beweis nicht ausreichend, da es der hd. form entstammen kann; merkwürdig wäre daran die rückverschiebung des z zu t, die doch wirklich vorkommt (s. u. kerze). sonst find ich nur ein engl. wort das zu kitze stimmt: kit korb von stroh oder binsen für häringe oder sprotten, doch auch korb überhaupt Halliwell 496a.
3) hohes alter wird ihm aber wol durch folgende merkwürdige gleichungen verbürgt.
a) für wiege findet sich ein englisches cott (auch kleines bett) Halliw. 272b, das für kötze wiege (I, 4) in frage kommen kann. die wiege heiszt aber hd. auch hotze (Frisch, Dief. 162b, nov. gl. 123b), und diesz scheint im grunde eins mit schweiz. hutte korb, hotte Frisch 1, 471a, vergl. das. hotzeln auf dem rücken tragen wie einen korb. also kötze korb, wiege : hotze wiege, korb, und beide gleich bis auf die anlautstufe.
b) wie aber korb selbst auch häuschen, hütte ist, schon ahd. (sp. 1799), so stellt sich zu jenem hutte korb überraschend hütte selbst, und ebenso zu kötze korb das md. nd. kote hütte, engl. cot. beide wortpaare gleichen sich völlig in der sache, in der form dem lautstoffe nach auch, nur die lautstufe des anlauts ist gleichmäszig abweichend. das ganze aber ist ein neuer beweis, dasz in der vorzeit hütten, häuser auch durch flechtwerk, korbwerk hergestellt wurden (s. sp. 1800 β). vergl. auch kiepe korb mit kiffe häuschen?
c) vielleicht findet auch kotze wollengewebe hier sein unterkommen. es traten dort II, 3 wörter auf mit dem begriff flechten (s. besonders kaute, kauze geflochtenes flachsbündel). das weben ist ja nichts als eine art flechten, und das älteste weben, das doch mit der hand geschehen muszte, war notwendig ein wirkliches

[Bd. 11, Sp. 1905]


flechten. noch jetzt tragen die Gottschewer hirten in Krain mäntel die sie sich von lindenbast machen (3. jahresber. d. vereins des krain. landesmus. 1862 s. 24), wie die Inder sich kleider aus bast flechten. für unsere vorzeit gibt eine andeutung gleicher kunst goth. snôrjô korb, flechtwerk verglichen mit hd. schnur, für die Slaven vielleicht böhm. koš korb vergl. mit košile hemde. ja man könnte kleid so zusammen bringen wollen mit nd. kloet korb (s. DWB klauer 2), klauder weidicht.
d) einen einigungspunkt für unsere wörter und begriffe böte überraschend das finnische, da heiszt kudon zugleich stricken und weben undbauen Renvall 1, 224b (ehstn. kuddoma stricken und weben); und der finnischen anklänge sind zu viel und zu bedeutsame, als dasz man sie schlechtweg zurückweisen könnte (s. z. b. unter kanker, kitzeln 3, a, kocke haufe 2, b, kasten 8, b, kitz II, 5).
 
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kotzen , vomere, sich erbrechen.
I. Formen, verbreitung, verwandtschaft.
a) es erscheint zuerst im 15. jh. (ist aber sicher weit älter): kotzen, speien, vomere, debibere. voc. 1482 r 1a. ee 4b; koczen Dief. n. gl. 385b, hier auch schon, aus den ersten jahren des 15. jh., sich bekotzen.
b) auch kutzen, in einem rhein. voc. des 15. jh. Dief. 629a, vgl. das kutzen unter II, 3 und gützen unter I, c; in Sachsen findet sich auch keuzen, also bewegung im vocal, vgl. kœzen unter d. vielleicht waltet selbst alter ablaut (I A U), denn nl. heiszt es kitsen (s. e) und tirol. katzlen, sich erbrechen, s. Frommann 6, 292; das a auch in tirol. kätzgen ekel empfinden und in kâz! was man den kindern zuruft wenn sie husten, auch kâzde! (kaz dich! brich aus was dich stört), s. Schöpf 307. diesem zuruf entspricht wieder bair. kuz! oder kutzaus! Schm. 2, 347, dem kätzgen aber schweiz., vorarlb. kötzelen sich zum brechen ekeln, kötzelig, zum brechen widerlich.
c) schweiz. mit doppeltem anlaut, neben kotzen (chotze) auch gützen, z. b. von kleinen kindern, dazu gutz m. das gebrochene (wie oben kotz) Stalder 1, 504. mit g auch schwäb. goazken durch heftiges räuspern aus dem halse stoszen Schmid 216 (vgl.gorzgen, das würgen beim erbrechen das. 238). k- und g- wechseln auch sonst bei diesen schallwörtern, s. unter DWB kackezen, DWB kauzen 2, käken, köcken I, d, bes. DWB kickezen 4, die übrigens alle auf éinen stamm zurückgehn müssen.
d) und auch kotzen musz zuletzt dazu gehören, benannt von dem klange den es gibt. kotzen stellt sich zu köcken, wie katzlen (b), kätzen zu käken, kauzen 2 zu kaüken (sp. 371). freilich hat köken nur oder doch meist langen vocal, aber es gibt eben auch kœzen sich erbrechen, in Nassau (Kehrein 241). selbst eine entstehung der verba auf -z aus denen auf -k ist möglich, wie blitz aus blick ward durch blikz hindurch (2, 129), wie klucken gluckern durch kluchzen, kluckzen, klucksen hindurch vielleicht zu klutzen ward (vergl. DWB gackzen). in dem kätzgen, goazken unter c könnte auch eine umstellung aus k-kz zu k-zk vorliegen, wie in blitzgen aus blickzen (2, 134), gatzgen aus gackzen. doch scheint das nur auf hd. boden annehmbar, und kotzen greift weiter (e); ein urspr. koz- aber neben kok- ist auch nicht undenkbar, vgl. DWB klatzen.
e) kotzen ist nicht nur hd. und md. allgemein, es ist eigner weise auch nd., z. b. bei Danneil 114a in der Altmark, Dähnert 251b in Pommern, Vilmar 221 im nd. Hessen. und wie nrh., so auch fläm. kotsen, nl. kodsen, im 16. jh. aber merkwürdig kitsen, kidsen vomere Kil., Plant. ob böhm. kuckati, sloven. kozláti nur zufällig anklingen?
II. Bedeutung und gebrauch.
1) kotzen vomere, im 16. jh. bei Altenstaig (nauseare Dief. 376c), Alberus aa 3b, Dasypodius, Frisius, Maaler, Junius, noch heute allgemein gültig, und zwar meist als der derbste ausdruck.
a) intrans.: der fieng an vor gestank zu kotzen. Brant bei Steinhöwel 146b;

seint guter ding und kotzt darneben.
Murner schelmenz. 31b;

die andern sein seu, wann sie trunken sein, so speien sie und kotzen. Pauli sch. u. e. cap. 46 (104b); speihen, undewen, koppen und kotzen. Frank chr. 1531 103a; die melonen klen wol und sein vast nutzlich denen die gern kotzen wolten, dann nach der speise bewegen und treiben sie vil schleims aus dem magen. Herrs Columella 105b;

da tht man anders hören nicht
dann grolzen, reibsen, farzen, kotzen.
Wickram pilger P 2 (bl. 54);

[Bd. 11, Sp. 1906]



auf beide ermel wüsch den rotz,
dasz wer es seh, vor unlust kotz.
Scheit grob. A 4b;

den tollen macht der wein noch töller,
bisz dasz er grölzet, speit und kotzt.
H. Sachs 5, 148b;

stärket den erlöcherten (f. erlecherten) magen vom kotzen oder brechen. Tabern. 390; farzen und kotzen, mit zucht zu melden. Philander 1650 2, 414; und alle endlich kotzten wie die gerberhunde. Simpl. 1, 100.
b) auch trans.: und die hund auffressen, was sie (die trunkenen) gekotzt haben. Frank trunkenh. E 4a, daher das gekotzte, vomitum: deswegen fütterte frau Sibylle den kleinen Adolph allemal so lange, bis er kotzete, und um recht sicher zu gehn, strich sie ihm das gekotzete auch wieder ein paarmal an, bis sie ganz gewiss wuszte dasz nichts mehr hinunter wollte. Salzmann anweisung zu einer unvernünft. erziehung der kinder 166.
c) ebenso mit praepos.: kotzen sie aus ihrem eigenen inneren magen denen jungen die speise vor, dieselben zu ersättigen. Fleming t. jäger 378a;

die schwere völlerei,
befleckt mit ausgekotzten speisen.
Brockes 9, 480.

vgl. sich bekotzen (s. I, a), das auch im folg. versteckt ist: (der betrunkene) entschlief, darzu sich aller bespeiet und kotzet. Kirchhof wendunm. 146a, das erste be- gilt, wie oft, mit für das zweite verbum (vergl. sp. 866 unter c, auch klügeln 1, b). s. auch 2, c.
d) aber auch unpers. mir kotzet, wird zum kotzen übel: und macht damit (mit dem tabakspeien) ein solches unflätig geiferwerk um sich herumb, dasz einem darob kotzen möchte. Simpl. 1684 3, 99. so noch schweiz. mir kötzelet oder kötzerlet Stalder 2, 125. vgl. mir köket sp. 1567 (3).
e) oft mag es übrigens nur als kraftwort für spucken stehen, deutlich z. b. in folg.: 'herr, ich wuszt nicht wo hin einsmals, darumb kotzt ich in s. Thomas kirch'. da lachet der heilig man, sprach 'lieber son, das ist alles nichts gethan, wir alle in unserm kloster kotzen täglich darein'. Bocc. 1, 16a (1. novelle), wo der it. text hat sputai una volta nella chiesa di dio. auch speien hat ja diese und jene bedeutung zugleich. s. auch 3, b.
2) bildlich.
a) von dem, der ein unrecht, eig. ein übermasz büszen musz, wie der völler mit kotzen: so müssens nun doppel kotzen, was sie einfach gefressen. practica der pfaffen (Cammerlander) J 1b, doppelt büszen, was sie verschuldet; volle rähte (d. i. trunkene ratmannen) volle rathschläge, volles unglück, welches die arme unterthanen mit ihrem untergang speien und kotzen müssen. Philander de politico 19, es gleicht der redensart ausessen müssen, was ein anderer eingebrockt.
b) kotzen ab .., ekel, widerwillen empfinden gegen .., heftig verschmähen: der kotzet auch ab der ehe, si nicht besser dann hrerei achtende. Frank chr. 1531 437b; also richtet der teüfel under diser warheit (der hussit. lehre) ein auflauf an, damit ers verdacht und der welt verhaszt machet, dʒ man darab als ab einem grewel kotzet und auf der alten ban blib. das. 1536 237a; vgl. mehr eigentlich: kaum hatten sie das gemantsche gekostet, als sie anfiengen dargegen zu kotzen und zu speien. Wiedemann nov. 13. so noch das schweiz. kötzelen unter 1, d, aber unpersönlich, taedere.
c) selbst geistig, von sich kotzen, aus dem geiste entfernen:

darumb, kaufman, mein rat ietz wer,
das du all wohn und böse lehr
die du glernt hast, kotzest von dir. Naogeorgs kaufman, übers. v.
Menius (1540) J 1a,

vielleicht nach lat. respuere, das vielgebraucht war für verwerfen, verschmähen u. ä., hier als wiederausspeien genommen.
d) auch für reden, verächtlich (wie köcken II, 4):

warumb doch will ein jeder lapp
für gut teutsch á la mode kotzen?
Weckherlin 534 (263).

so lat. evomere iram u. dgl., vgl. DWB speien. daher nass. kotzen ein geheimnis ausplaudern (Kehrein 241)?
3) aber auch für bloszes starkes husten, der laut dieses hustens, der auch das brechen begleitet, ist gewiss der eig. inhalt des wortes, wie bei köcken (II, 1); vgl. DWB kotz, DWB kotzer 2, auch kutzen.
a) kotzen husten geben z. b. Schmotther 2, 390, Steinbach 1, 921, M. Kramer 1768. 1787, und noch für heute wird es angegeben z. b. aus Tirol, Hessen, vom Mittelrhein (Kehrein). so wol in folg.:

[Bd. 11, Sp. 1907]


fieng an zu kotzen und zu schneuzen,
kleglich zu stehen (flehen?) und zu seufzen. froschm. K 7a,

vom fuchse, der sich dem begegnenden bären krank stellt; auch das eine und andere beispiel unter 1 dürfte hierher gehören, wie vielleicht das farzen und kotzen, vergl. DWB husten und kotzen Kirchhof wendunm. 117a. übrigens sind auch darin noch unterschiede, denn
b) als hessisch bei Vilmar 221 kotzen sich räuspern, die kehle durch auswurf reinigen, mit einem beleg aus dem 17. jh.: hyena, welch thier wie ein mensch kotzen und schnupfen kan, wie im froschm. vorhin kotzen und schneuzen. westerw. mit auswurf husten Schmidt 85. s. kotzicht mucosus, kotzigkeit katarrh.
c) aber hessisch ausdrücklich auch blosz husten, besonders heftig husten ('sehr üblich'), dazu kotzer einer der mit einem starken husten behaftet ist.
4) was ist folg. gekotzt? in Grandgoschiers vorräten bütten voll geplotzter rettich und gekotzter mörrettich ausz dem Elsasz. Garg. 54a (1575 E 7a, Sch. 87). vgl. allenfalls kotzvoll.
 
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kotzenbrauter, m. paederast. Steinhöwels Bocc. 2, 159a. s. DWB kotze 1, b sp. 1901 und brauten minnen.
 
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kotzenbruder, m. als scheltwort, in übers. aus dem ital., falscher verreter und kotzenbruder. Bocc. (Straszb. 1535) 191b, gleich dem vorigen, wo nicht für den der sich misbrauchen läszt.
 
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kotzengrob, bair. östr., grob wie eine kotze (sp. 1902), eig. und bildlich, vgl. 'grober filz' gleich grobian.
 
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kotzenherre, s. DWB kotze meretrix 2, b sp. 1901.
 
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kotzenkleid, n. melota. voc. th. 1482 p 5a, vgl. kotzicht.
 
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kotzenmacher, m. verfertiger von kotzen (sp. 1902) Frisch 1, 541a: das ehrsame kotzenmacherhandwerk gerathet gänzlich in abschlag, weilen alle gaisz- und pferdhaare zur ausstaffierung deren parocken aufgekauft werden. Neiners tandelmarkt (Schm. 2, 347). noch in Östreich. decken- und kotzenmacher Weserzeitung 1853 no. 2965 in einer aufzählung der gewerbe der Siebenbürger Sachsen.
 
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kotzenmantel, m. mantel von kotzen, z. b. in seebädern, zum wärmen nach dem bade (in einem berichte der Augsb. allg. zeit. aus Dieppe). schon im 16. jahrh.: penula, kotzenmantel, regenmantel. Altenstaig (Dief. 423c). ein beleg aus d. 15. jh. bei Birlinger Augsb. wb.: daʒ teten si unter ainen koczenmantel, der was nit von edelm gewant (zeug).
 
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kotzenmenger, m. ein witzwort des 17. jh.: ich war zu dem gefangenen wild ein williger gast (schmauste tüchtig mit), welches dann mit so vielen kannen und gläsern begossen worden (so dazu getrunken), dasz etliche von der gesellschaft beinahe mit Gäbel dem kotzenmenger in querell gerathen weren, auch denselben mit granaden ausz einem feurmörser, in welchem eine zunge hangt (d. i. dem munde), beschossen hetten, wie dann auch natürlicher weise hette zugehen (d. i. es dahin kommen) können, dasz, demnach (nachdem) der has gefressen, der fuchs were geschossen worden. S. Boldrian allerh. seltzame würme 91. das ist ein rechtes stück geistreichigkeit des 17. jh.; denn wie den fuchs schieszen ein witzwort für speien ist (4, 334), so spielt das andere witzelnd um es herum; der kotzenmenger schlieszt sich an nrh. kotzmänger an, fleischverkäufer auf dem kotzmarkt, d. i. kaldaunenmarkt (Aach. mundart 124), sein name Gäbel ist nach nrh. göbbele speien, göbbel katzenjammer (das. 69) gewählt, man sagt in Aachen für speien sich met der (d. i. dem) nobber Göbbels schlon (mit nachbar G. schlagen), da letzteres dort ein häufiger name ist. wegen des nrh. kotz- s. kottfleisch a. e.
 
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kotzensohn, m. hurensohn, kotzensun. voc. th. 1482 r 1b. q 2a. in ältern rechten oft als schimpfwort verpönt, s. Schm. 2, 347.