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kotz bis kotze (Bd. 11, Sp. 1900 bis 1903) | |||
| hu, Schweizer, kotz kreuz, zeuch von leder. 1) auswurf, gekotztes, westerw. 85, auf der Eifel 227b (s. kotzen): ein bach von kotz er do vergosz, 2) der husten, westerw. u. a.; auch in Thüringen, Sachsen sagt man er hat den kotz, einen kurzen husten. bei 1, 921 kotze fem.; vgl. mnd. snauekute catarrhus 106b. vergl. kätzen. [Bd. 11, Sp. 1901] 1, a) so md. und oberd. seit dem 14. jh. bezeugt: wer da huset edder heimet eine uffenbare kotzen eder ichkein mensche daʒ der stat nicht erlich were ... stadtr. von Clingen v. j. 1353, thür. rechtsdenkm. s. 197; lupa peke, kotze, huore, lupanar kotzenhus. Breslauer voc. von 1422 (mhd. wb. 1, 866b); Friczgis frauwe hat Peder Risteners frauwen geschulden hore und kocze. buszregister der grafsch. Büdingen 1475—82; die selbe hat die schefern ein alts koczgin (kotzchen) geschulden. das.; von huren weisz ich nicht dismal (die der erzbischof Albrecht gehabt hätte), on das seine c. h. der armen kotzen Else selige zu Magdeburg auch genomen das er doch ir nicht geben hat. 6, 361b; er hett sich an ein kotzen gehengt. chron. 332a; am fressen und saufen fehlet es ihm ja nit. spielleute soll er gnug haben und das ganze (haus?) voll arge, frische kotzen, mit denen er herüm springen könte. interim 345. b) auch von knaben die sich misbrauchen lassen: dann er will ein klein freud mit etlichen seinen kotzen haben. Bocc. (1535) 190b nr. 88, si vuole aliquanto sollarar con suoi zanzeri. c) md. auch kotsche (vgl. DWB klatschen aus klatzen): Jerusalem die kotzsche oder hure. Sar. 162b, in der schreibung wie klatzschen im 16. jh. 2) es diente zum schelten (vgl.kotzolt Neidh. s. 185). a) in der merkwürdigen wendung aller kotzen (vgl. 1, 220): halts maul, aller unendling kotzen! schlag her, bistu keck, aller kotzen! 3, 3, 8d, in einer ausg. in dieser st. mit umlaut kötzen, was an kötsche schlumpe erinnert; aus der Ruhl gibt 221 kötz f. als schimpfwort, lump, grobian.b) in zusammensetzung, nicht nur in kotzensohn (s. d.), auch als bloszer kräftiger zusatz zu andern wörtern, wie phî des kotzenherren! dür. chron. s. 291 für schlechter herre, im zorn vom landgrafen Ludwig im munde des schmidts in der Ruhl (die stelle daher auch bei jagteufel 1560 R 4b), ähnlich scheltend altthür. kotzenschalc, kotzendanc, s. Germ. 5, 241. 3) das wort musz alt sein. a) es findet sich auch mnd., und zwar mit ungebrochnem vocal, cute meretrix 357c, und ebenso engl. dial. cut 288b. b) diese aber finden einen anhalt in einem gleichklingenden namen der weibl. scham, mnd. kutte 163a, noch nd. kutt 121b, kutte 263b, ostfr. kutte, küttje (kunte) 129b, auch nl. kutte, schwed. dial. kuta, kutta 365b, engl. cut Hall., altengl. kutte 132; ziemlich einstimmend ist ein ahd. quiti vulva 4, 650, das wieder nahe an goth. qviþus leib, mutterleib rührt. s. weiter kuttel. c) beachtenswert ist übrigens, wie die berührung mit kotze gausape sich wiederholt in den lautlich ähnlichen fotze vulva und villus, und zotte, zote, s. 4, 44. 45. I. Gebrauch und bedeutung. 1) als zeug. a) gausape, ein kotz, ein tch das auf beiden seiten gefotzet (zottig, lockig) ist, serg. 84c; pannus villosus, rauch, zottet tuch, vulgo kotze. 1582 209 (anders 1588 229 und bei Chytr.); ein vierteil von einem englischen kotzen. handlungsbuch 14. vgl. kotzenmacher. b) auch von filz, wie es scheint, nach 'kotz, filtrum' in einem voc. inc. teut. ( 250b s. v. fulcrum), vgl. kotzhut. 2) stück davon, als decke u. dgl.; entlehnt poln. koc m. a) als bettdecke u. ä., mhd. 8, 153 v. 280, lodex kotze voc. opt. 28a, voc. inc. teut. n 4a, voc. 1482 r 1b, culcitra kotz 161c, bei 366d kotz cento, teges, im voc. inc. teut. h 4a geferbte deck oder kocz, fulcrum, culcitra, im voc. th. 1482 pp 1a wullin kotz, lane owirra (?): [Bd. 11, Sp. 1902] dar zuo gib ich euch gestrak (zur aussteuer) b) pferdedecke, gausape orb. p. 1, 157: so sol man das ross mit einer kotzen bedecken. gebr. der ross 1, 1; lasz das pferd mit wüllenen kotzen fein warm zu decken. 2, 55; decke ihm (dem pferde) eine kotze oder einen sack .. über, dasz es fein wieder erwarmet. a. a. o. 263. c) es heiszen aber später auch andere als wollene decken so, z. b. leinene: wans etwe ein stückl hausleinwed zu hemeden, hosenfuetter, kotzn und leilachern brauchn thetn. tintenf. 40. von ziegen- und pferdehaaren: das ehrsame kotzenmacherhandwerk gerathet gänzlich in abschlag, weilen alle gais- und pferdhaare zur ausstaffierung deren parocken aufgekauft werden. tandelm. bei Schm. 2, 347. d) es ist noch südd. in voller geltung, östr. 2, 150, bair. kotzen, kutzen m. in allen drei bed. 2, 347, schwäbisch kotz f. wolldecke und bedeckung überhaupt 323. mittel- und nordd. jetzt unbekannt, während doch Stieler, Schottel, Steinbach, Rädlein es noch haben, vgl. unter 3. 3) als kleid, hauptsächlich mantel, als regenmantel, reisemantel, pilgerkleid, bei bauern und bettlern. so ahd. allein als lacerna, vestis fimbriata (zottig), birrus, paenula, mhd. z. b. Parz. 664, 27; er nam ainen rauhen kotzen (als pilger), er legt in an den leib. Wolfdietrich bei ouch dede hei an darnâ (sich verkleidend) seins kleids gewand von kamelhar II. Nebenformen und verwandtschaft. 1) die formen. a) zunächst ist wieder die vielseitige ausbildung als m. und f., stark und schwach zu beachten. das starke m. gehört z. b. dem Rheinlande an, denn die altmrh. gl. zu Heinr. summ. geben koz lacerna Germ. 9, 28, wie nrh. im Karlm. unter I, 3 kotz, oberrh. choz penula bei Graff aus einer Straszb. hs. b) die nebenformen mit u werden echt sein (bair. unter 2, d, schles. unter 3), denn auch ahd. zeigt sich ungebrochner vocal in umbichuzî f. amictus, pichuzan und umbichuzan amicire 4, 539, und so gibt noch voc. von 1420 s. 37a neben toga ein kocze togatus kuczt, eine übrigens md. quelle, womit bezeugt ist dasz die heutige beschränkung aufs oberd. nicht ursprünglich ist; auch in den md. Marienleg. 22, 151 ein praet. kuzte, legte als mantel um. c) selbst mit umlaut kütze, bei 2, 347 aus Nürnberg als grobes oberkleid, 'der teufel hat ihn bei der kützen', schon mhd. (wb. 1, 866b); die form stimmt zu dem ahd. umbichuzî unter b. 1020 gibt auch kötze f., pl. kötzen, gausape, storea, stragulum villosum (neben kotz f.), vgl. lacerna ketz nov. gl. 225b. das urspr. u bezeugen wol aber auch mhd. kutzmentelîn Renner 241b (vgl. 228a kurze mentelîn, verschrieben?) und kutzhuot für caliendrum ( nov. gl. 66b), das sonst mit filzhut glossiert wird (s. I, 1, b); vgl. DWB kotzhut und DWB kotzenmantel. d) merkwürdig aber auch küte, bettdecke, oberrh.: wann die kellerin uns das bett soll machen, so msz sie gar eben [Bd. 11, Sp. 1903] lgen, das sie das underlilach rechts leg, das die nät gegen dem bett sei, und das oberlilach lätz mit der nät gegen der küten oder sergen, uf das uns die nät nit schnatten (schwielen) hinin in die hut trucken. post. 3, 40a. das altfranz. coute bettdecke kann es nicht sein, denn dem entspricht kolte (s. d.); aber serge wird wie hier gleich küte, so bei (u. I, 1, a), also auch in Straszburg, gleich kotze genannt, und ebenso kommt kuthut bei Keisersb. anscheinend gleich kutzhut vor ( 850), und das gut hd. kutte liegt dem kotze I, 3 in sache und form so nahe, dasz ein hd. stamm kut neben kuz anzunehmen scheint. 2) die ursprüngliche verbreitung. a) wie es für früher sich auch als md. erwies (1, b), so war es noch früher auch nd., denn in der Freckenhorster heberolle erscheint einmal als abgabe I lakan, I cot ( kl. altnd. denkm. 135a), wol ein leinen und ein wollen tuch, wie nach dem Werdener heberegister zinspflichtige I kottum, II kottos gebẹn muszten (das.), nach dem trad. Fuld. 43, 11 xxviii Sclavi kozzos reddunt (andere das. pannos ex proprio lino, jenes alts. lakan); das ist alts. kot, wie hier altmd. koz oder kozzo in lat. form. b) ob es in den andern sprachen nd. lautstufe bestand? als spur davon kann ein isl. kot n. pectorale, thorax, en vest eller brystdug 1, 470b in frage kommen. das engl. coat rock scheint vielmehr aus dem franz. entlehnt, altengl. cote, coote 121, und daraus wieder gael. cota m. a coat, a petticoat. c) es geht nämlich auch durch die roman. sprachen (s. 1, 144): frz. cotte unterrock, altfrz. cote langes oberkleid (davon cotillon unterrock), prov. span. port. cota f. rock, waffenrock, panzer u. ä. (span. cotilla schnürbrust, an das isl. erinnernd), prov. auch cot m., it. cotta langer rock, kutte u. ä.; die Germanen werden das wort auf romanischen boden mitgebracht haben. es muszte bei ihnen ein gesamtname für oberkleid sein, da davon ein zeitwort für amicire überhaupt (s. II, 1, b) entstehen konnte; das war aber wol urspr. einfach ein stück wollenzeug, daher die bed. wollene decke u. ä. I, 2, die wolbemerkt ins rom. nicht mit übergieng. s. auch mlat. cota, cotta, cottus für rock bei Ducange (cottum, cotus für bettdecke), 'kottus kozzo' bei Graff und anz. 5, 232. 3) zur verwandtschaft. da in dem worte wahrscheinlich ein stück altgermanischer wollenweberei steckt, die bezeichnung aber wol von der art des gewebes, dem grob zottigen entnommen sein konnte (im gegensatz zur leinenweberei), so kommen gleichklingende wörter mit diesem begriffe als verwandt in frage: siebenb. verkôzen verwirren ( plan 24a), zips. kotzen wirres haar, nordenglisch cotted, cotty verwirrt, verflochten, cot wollabfall (Halliw.) und anderes, was unter katzen 2 zu finden ist. doch s. auch unter kötze am ende.
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