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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
kottun bis kotze (Bd. 11, Sp. 1900 bis 1903)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) kottun, für kattun, auffallender weise schon im 14. jh., bei Walther v. Rheinau, wie mir Bech nachweist; da wird 31, 26 ff. neben flachs, wolle, bisse (byssus), phellor, sîden genannt: cottun în gestôʒen zwir (zweimal gefärbt?), mit fischblut rot gefärbt. danach ist das wort schon damals von den Niederlanden den Rhein hinauf gekommen.
 
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kotz, in flüchen, verhüllend für gotts, wie botz, potz 2, 279, grott Fromm. 4, 462, scheint aber erst neuer:

hu, Schweizer, kotz kreuz, zeuch von leder.
Weckherlin 526.

kotz wetter u. a. bei Grübel, kotz mord u. a. Schmidt westerw. id. 85, kotzôchel (gotts hagel) deutschböhm. Fromm. 2, 32, kotz maurnsapperment nürnb. 6, 265, vgl. Stöbers reiche sammlung ähnlicher flüche aus dem Elsasz das. 2, 501 ff.; dasz ich in die gehrt jungferer kotzjahmerlich verschameririert bin. Schwabe tintenf. 58, für gottsjämmerlich. ähnlich engl. by cock, bei gott, altengl. cocks bones.
 
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kotz, m.
1) auswurf, gekotztes, westerw. Schmidt 85, auf der Eifel Schmitz 227b (s. kotzen):

ein bach von kotz er do vergosz,
ein see von wst do von ihm flosz.
Wickgram kunst zu trinken (Freib. 1537) 3, L 1b.


2) der husten, westerw. u. a.; auch in Thüringen, Sachsen sagt man er hat den kotz, einen kurzen husten. bei Steinbach 1, 921 kotze fem.; vgl. mnd. snauekute catarrhus Dief. 106b. vergl. kätzen.
 
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kotz, f. iulus, die kotz oder wull an etlichen bäumen, ehe das sie die frucht geberen oder blen. Dasyp. 106c, kotz, zapfen, woll Frischlin nom. c. 19 (Dief. 311c), was sonst kätzchen, kätzlein. schwäb. auch kutzemulle n. und diesz in der kindersprache auch für katze. Schmid 323. also wie kutze ablautend zu katze? vergl. das gleichbed. kauz 4 und schwäbisch kotz f. stachelbeere Schmid 323.

[Bd. 11, Sp. 1901]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) kotz, f.? gramiae (augenbutter), augenzieger (käse), augenkotzen, butzen der augen. Dasypodius, im deutschen theil aber 'augenkootz', ausg. von 1587 augenkotz; augenkotzen Serranus k 5b. bei Dasyp. auch gramiosus, kotzaugig, kotzäugig. schwäb. gibt es ein kotz f., eiterbläschen auf der haut (Schmid 323. Schm. 2, 347), niederrh. köt f.; vgl. DWB köte geschwür, und koder, auch kätzlein 4.
 
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kotz, kutteln, eingeweide, s. kottfleisch am ende.
 
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kotze, f. husten, s. DWB kotz m.
 
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kotze , f. meretrix.
1,
a) so md. und oberd. seit dem 14. jh. bezeugt: wer da huset edder heimet eine uffenbare kotzen eder ichkein mensche daʒ der stat nicht erlich were ... stadtr. von Clingen v. j. 1353, Michelsen thür. rechtsdenkm. s. 197; lupa peke, kotze, huore, lupanar kotzenhus. Breslauer voc. von 1422 (mhd. wb. 1, 866b); Friczgis frauwe hat Peder Risteners frauwen geschulden hore und kocze. buszregister der grafsch. Büdingen 1475—82; die selbe hat die schefern ein alts koczgin (kotzchen) geschulden. das.; von huren weisz ich nicht dismal (die der erzbischof Albrecht gehabt hätte), on das seine c. h. der armen kotzen Else selige zu Magdeburg auch genomen das er doch ir nicht geben hat. Luther 6, 361b; er hett sich an ein kotzen gehengt. Aventin chron. 332a; am fressen und saufen fehlet es ihm ja nit. spielleute soll er gnug haben und das ganze (haus?) voll arge, frische kotzen, mit denen er herüm springen könte. interim 345.
b) auch von knaben die sich misbrauchen lassen: dann er will ein klein freud mit etlichen seinen kotzen haben. Bocc. (1535) 190b nr. 88, si vuole aliquanto sollarar con suoi zanzeri.
c) md. auch kotsche (vgl. DWB klatschen aus klatzen): Jerusalem die kotzsche oder hure. Mathes. Sar. 162b, in der schreibung wie klatzschen im 16. jh.
2) es diente zum schelten (vgl.kotzolt Haupts Neidh. s. 185).
a) in der merkwürdigen wendung aller kotzen (vgl. 1, 220):

halts maul, aller unendling kotzen!
H. Sachs 4, 3, 45a;

schlag her, bistu keck, aller kotzen! 3, 3, 8d,

in einer ausg. in dieser st. mit umlaut kötzen, was an kötsche schlumpe erinnert; aus der Ruhl gibt Regel 221 kötz f. als schimpfwort, lump, grobian.
b) in zusammensetzung, nicht nur in kotzensohn (s. d.), auch als bloszer kräftiger zusatz zu andern wörtern, wie phî des kotzenherren! Rothe dür. chron. s. 291 für schlechter herre, im zorn vom landgrafen Ludwig im munde des schmidts in der Ruhl (die stelle daher auch bei Spangenberg jagteufel 1560 R 4b), ähnlich scheltend altthür. kotzenschalc, kotzendanc, s. Bech Germ. 5, 241.
3) das wort musz alt sein.
a) es findet sich auch mnd., und zwar mit ungebrochnem vocal, cute meretrix Dief. 357c, und ebenso engl. dial. cut Hall. 288b.
b) diese aber finden einen anhalt in einem gleichklingenden namen der weibl. scham, mnd. kutte Dief. 163a, noch nd. kutt Danneil 121b, kutte Dähnert 263b, ostfr. kutte, küttje (kunte) Stürenburg 129b, auch nl. kutte, schwed. dial. kuta, kutta Rietz 365b, engl. cut Hall., altengl. kutte Stratm. 132; ziemlich einstimmend ist ein ahd. quiti vulva Graff 4, 650, das wieder nahe an goth. qviþus leib, mutterleib rührt. s. weiter kuttel.
c) beachtenswert ist übrigens, wie die berührung mit kotze gausape sich wiederholt in den lautlich ähnlichen fotze vulva und villus, und zotte, zote, s. 4, 44. 45.
 
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kotze, f. ein kriegszeug: zwei pöler und eine kotze. Gemeiner Regensb. chr. 2, 36; die strasz mit chotzen und antwerch besetzen. 49, v. j. 1343 (Schm. 2, 347). gleich katze 6, b.
 
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kotze, f. und m., grobes zottiges wollenzeug, auch decke oder kleid davon. mhd. kotze m., ahd. choz und chozzo m., chozza f. Graff 4, 539. nebenformen s. unter II, 1.
I. Gebrauch und bedeutung.
1) als zeug.
a) gausape, ein kotz, ein tch das auf beiden seiten gefotzet (zottig, lockig) ist, serg. Dasyp. 84c; pannus villosus, rauch, zottet tuch, vulgo kotze. Golius 1582 209 (anders 1588 229 und bei Chytr.); ein vierteil von einem englischen kotzen. Rulands handlungsbuch 14. vgl. kotzenmacher.
b) auch von filz, wie es scheint, nach 'kotz, filtrum' in einem voc. inc. teut. (Dief. 250b s. v. fulcrum), vgl. kotzhut.
2) stück davon, als decke u. dgl.; entlehnt poln. koc m.
a) als bettdecke u. ä., mhd. Haupt 8, 153 v. 280, lodex kotze voc. opt. 28a, voc. inc. teut. n 4a, voc. 1482 r 1b, culcitra kotz Dief. 161c, bei Dasyp. 366d kotz cento, teges, im voc. inc. teut. h 4a geferbte deck oder kocz, fulcrum, culcitra, im voc. th. 1482 pp 1a wullin kotz, lane owirra (?):

[Bd. 11, Sp. 1902]


dar zuo gib ich euch gestrak (zur aussteuer)
einn choczen und ein strosack,
und auch einen kittel frisch,
da mit ist sei (die braut) berait ze tisch
und auch ze pett nach unserm recht. ring 34, 27;

fuhren wir in groszem regen mit demselben über das land und bedeckten uns mit schlechten kotzen, die der baur mit sich genommen. Jucundiss. 185; wann die gans nit sovil der gten federn hergeb, würde mancher auf dem stro, ungerischen kotzen oder wälschen madranzen sein rh nemmen mszen. Melch. de Fabris von der martinsgans 1596 bl. 13; läuse aus ungerischen kotzen zu vertreiben. Colerus hausb. (1640) 221, ungr. kótz rosshaardecke, auch werg, entlehnt; körbe, kisten, wollene teppiche und kotzen der türkischen schiffsgesellschaft. Schubert reise 1, 387.
b) pferdedecke, gausape Comenius orb. p. 1, 157: so sol man das ross mit einer kotzen bedecken. Zechendorfer gebr. der ross 1, 1; lasz das pferd mit wüllenen kotzen fein warm zu decken. Uffenbach 2, 55; decke ihm (dem pferde) eine kotze oder einen sack .. über, dasz es fein wieder erwarmet. Colerus a. a. o. 263.
c) es heiszen aber später auch andere als wollene decken so, z. b. leinene: wans etwe ein stückl hausleinwed zu hemeden, hosenfuetter, kotzn und leilachern brauchn thetn. Schwabe tintenf. 40. von ziegen- und pferdehaaren: das ehrsame kotzenmacherhandwerk gerathet gänzlich in abschlag, weilen alle gais- und pferdhaare zur ausstaffierung deren parocken aufgekauft werden. Neiner tandelm. bei Schm. 2, 347.
d) es ist noch südd. in voller geltung, östr. Höfer 2, 150, bair. kotzen, kutzen m. in allen drei bed. Schm. 2, 347, schwäbisch kotz f. wolldecke und bedeckung überhaupt Schmid 323. mittel- und nordd. jetzt unbekannt, während doch Stieler, Schottel, Steinbach, Rädlein es noch haben, vgl. Ringwald unter 3.
3) als kleid, hauptsächlich mantel, als regenmantel, reisemantel, pilgerkleid, bei bauern und bettlern. so ahd. allein als lacerna, vestis fimbriata (zottig), birrus, paenula, mhd. z. b. Parz. 664, 27;

er nam ainen rauhen kotzen (als pilger), er legt in an den leib. Wolfdietrich bei
Haupt 4, 447;

ouch dede hei an darnâ (sich verkleidend)
einen alden (gedr. alda) kotz grâ,
der was des armen gewesen. Karlmeinet 259, 31,

also auch nrh. (noch jetzt?); sagum, ein filzrock, kriegskleid, kotz. Dasypodius 290c; ir (der alten Deutschen) kleid war ein schlechte kotz und enger kriegskittel. Frank Germ. chron. 5a;

seins kleids gewand von kamelhar
auf kotzen art gewirket war.
Ringwald ev. B 8b,

also damals auch bei nordd. schriftstellern; Wolf Dieterich (als pilger) reiszt unter seiner kotzen sein wehr heraus. Ayrer 219a; sie hängen die kotzen um. Chr. Weise freim. redner 329, schles. jetzt kutzen; der mantl ist mir lieber als ein alter kotzen der mausen (sich fasern?) thut. Abr. a S. Clara 1, 284. fränk. kotze m. oberrock, bei bauern. Frisch 1, 541a. vgl. kotzenkleid, kotzenmantel, kotzet, kotzengrob, kötzlein.
II. Nebenformen und verwandtschaft.
1) die formen.
a) zunächst ist wieder die vielseitige ausbildung als m. und f., stark und schwach zu beachten. das starke m. gehört z. b. dem Rheinlande an, denn die altmrh. gl. zu Heinr. summ. geben koz lacerna Germ. 9, 28, wie nrh. im Karlm. unter I, 3 kotz, oberrh. choz penula bei Graff aus einer Straszb. hs.
b) die nebenformen mit u werden echt sein (bair. unter 2, d, schles. unter 3), denn auch ahd. zeigt sich ungebrochner vocal in umbichuzî f. amictus, pichuzan und umbichuzan amicire Graff 4, 539, und so gibt noch Schröers voc. von 1420 s. 37a neben toga ein kocze togatus kuczt, eine übrigens md. quelle, womit bezeugt ist dasz die heutige beschränkung aufs oberd. nicht ursprünglich ist; auch in den md. Marienleg. 22, 151 ein praet. kuzte, legte als mantel um.
c) selbst mit umlaut kütze, bei Schm. 2, 347 aus Nürnberg als grobes oberkleid, 'der teufel hat ihn bei der kützen', schon mhd. (wb. 1, 866b); die form stimmt zu dem ahd. umbichuzî unter b. Stieler 1020 gibt auch kötze f., pl. kötzen, gausape, storea, stragulum villosum (neben kotz f.), vgl. lacerna ketz Dief. nov. gl. 225b. das urspr. u bezeugen wol aber auch mhd. kutzmentelîn Renner 241b (vgl. 228a kurze mentelîn, verschrieben?) und kutzhuot für caliendrum (Dief. nov. gl. 66b), das sonst mit filzhut glossiert wird (s. I, 1, b); vgl. DWB kotzhut und DWB kotzenmantel.
d) merkwürdig aber auch küte, bettdecke, oberrh.: wann die kellerin uns das bett soll machen, so msz sie gar eben

[Bd. 11, Sp. 1903]


lgen, das sie das underlilach rechts leg, das die nät gegen dem bett sei, und das oberlilach lätz mit der nät gegen der küten oder sergen, uf das uns die nät nit schnatten (schwielen) hinin in die hut trucken. Keisersb. post. 3, 40a. das altfranz. coute bettdecke kann es nicht sein, denn dem entspricht kolte (s. d.); aber serge wird wie hier gleich küte, so bei Dasypodius (u. I, 1, a), also auch in Straszburg, gleich kotze genannt, und ebenso kommt kuthut bei Keisersb. anscheinend gleich kutzhut vor (Scherz 850), und das gut hd. kutte liegt dem kotze I, 3 in sache und form so nahe, dasz ein hd. stamm kut neben kuz anzunehmen scheint.
2) die ursprüngliche verbreitung.
a) wie es für früher sich auch als md. erwies (1, b), so war es noch früher auch nd., denn in der Freckenhorster heberolle erscheint einmal als abgabe I lakan, I cot (Heyne kl. altnd. denkm. 135a), wol ein leinen und ein wollen tuch, wie nach dem Werdener heberegister zinspflichtige I kottum, II kottos gebẹn muszten (das.), nach dem trad. Fuld. 43, 11 xxviii Sclavi kozzos reddunt (andere das. pannos ex proprio lino, jenes alts. lakan); das ist alts. kot, wie hier altmd. koz oder kozzo in lat. form.
b) ob es in den andern sprachen nd. lautstufe bestand? als spur davon kann ein isl. kot n. pectorale, thorax, en vest eller brystdug Biörn 1, 470b in frage kommen. das engl. coat rock scheint vielmehr aus dem franz. entlehnt, altengl. cote, coote Stratm. 121, und daraus wieder gael. cota m. a coat, a petticoat.
c) es geht nämlich auch durch die roman. sprachen (s. Diez 1, 144): frz. cotte unterrock, altfrz. cote langes oberkleid (davon cotillon unterrock), prov. span. port. cota f. rock, waffenrock, panzer u. ä. (span. cotilla schnürbrust, an das isl. erinnernd), prov. auch cot m., it. cotta langer rock, kutte u. ä.; die Germanen werden das wort auf romanischen boden mitgebracht haben. es muszte bei ihnen ein gesamtname für oberkleid sein, da davon ein zeitwort für amicire überhaupt (s. II, 1, b) entstehen konnte; das war aber wol urspr. einfach ein stück wollenzeug, daher die bed. wollene decke u. ä. I, 2, die wolbemerkt ins rom. nicht mit übergieng. s. auch mlat. cota, cotta, cottus für rock bei Ducange (cottum, cotus für bettdecke), 'kottus kozzo' bei Graff und Mones anz. 5, 232.
3) zur verwandtschaft. da in dem worte wahrscheinlich ein stück altgermanischer wollenweberei steckt, die bezeichnung aber wol von der art des gewebes, dem grob zottigen entnommen sein konnte (im gegensatz zur leinenweberei), so kommen gleichklingende wörter mit diesem begriffe als verwandt in frage: siebenb. verkôzen verwirren (Haltrich plan 24a), zips. kotzen wirres haar, nordenglisch cotted, cotty verwirrt, verflochten, cot wollabfall (Halliw.) und anderes, was unter katzen 2 zu finden ist. doch s. auch unter kötze am ende.
 
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kotze, m. nordd. für kotsasse, eig. kotse, gekürzt aus nd. kotsete, wie ähnlich inste aus insete (insasze), Holsten aus Holtseten (mhd. Holzsæʒen); so z. b. brandenb., meckelnb., s. Frisch 1, 540c, der ein älteres kotzenstäde gleich kothstelle, köterei belegt. kotze auch baltische stud. 15, 75.