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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
kottler bis kotze (Bd. 11, Sp. 1900 bis 1901)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) kottler, m. kottler oder metzler, tutenarius. voc. theut. 1482 r 2b. 7b (in der gemma gemm. tucetarius, wurstmacher, s.tucetum, gehacktes fleisch, wurst Dief. 600c). der hausschlächter hiesz wol so, wie küter. s. DWB kuttel, DWB kuttler, auch kotter.
 
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kottler, m. der blauspecht, spechtmeise. Nemnich. wie er vom gebrauch des lehms beim nestbau der kleiber heiszt möchte auch diesz vielmehr kothler sein, s. DWB kötheln, DWB köthen.
 
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kottun, für kattun, auffallender weise schon im 14. jh., bei Walther v. Rheinau, wie mir Bech nachweist; da wird 31, 26 ff. neben flachs, wolle, bisse (byssus), phellor, sîden genannt: cottun în gestôʒen zwir (zweimal gefärbt?), mit fischblut rot gefärbt. danach ist das wort schon damals von den Niederlanden den Rhein hinauf gekommen.
 
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kotz, in flüchen, verhüllend für gotts, wie botz, potz 2, 279, grott Fromm. 4, 462, scheint aber erst neuer:

hu, Schweizer, kotz kreuz, zeuch von leder.
Weckherlin 526.

kotz wetter u. a. bei Grübel, kotz mord u. a. Schmidt westerw. id. 85, kotzôchel (gotts hagel) deutschböhm. Fromm. 2, 32, kotz maurnsapperment nürnb. 6, 265, vgl. Stöbers reiche sammlung ähnlicher flüche aus dem Elsasz das. 2, 501 ff.; dasz ich in die gehrt jungferer kotzjahmerlich verschameririert bin. Schwabe tintenf. 58, für gottsjämmerlich. ähnlich engl. by cock, bei gott, altengl. cocks bones.
 
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kotz, m.
1) auswurf, gekotztes, westerw. Schmidt 85, auf der Eifel Schmitz 227b (s. kotzen):

ein bach von kotz er do vergosz,
ein see von wst do von ihm flosz.
Wickgram kunst zu trinken (Freib. 1537) 3, L 1b.


2) der husten, westerw. u. a.; auch in Thüringen, Sachsen sagt man er hat den kotz, einen kurzen husten. bei Steinbach 1, 921 kotze fem.; vgl. mnd. snauekute catarrhus Dief. 106b. vergl. kätzen.
 
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kotz, f. iulus, die kotz oder wull an etlichen bäumen, ehe das sie die frucht geberen oder blen. Dasyp. 106c, kotz, zapfen, woll Frischlin nom. c. 19 (Dief. 311c), was sonst kätzchen, kätzlein. schwäb. auch kutzemulle n. und diesz in der kindersprache auch für katze. Schmid 323. also wie kutze ablautend zu katze? vergl. das gleichbed. kauz 4 und schwäbisch kotz f. stachelbeere Schmid 323.

[Bd. 11, Sp. 1901]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) kotz, f.? gramiae (augenbutter), augenzieger (käse), augenkotzen, butzen der augen. Dasypodius, im deutschen theil aber 'augenkootz', ausg. von 1587 augenkotz; augenkotzen Serranus k 5b. bei Dasyp. auch gramiosus, kotzaugig, kotzäugig. schwäb. gibt es ein kotz f., eiterbläschen auf der haut (Schmid 323. Schm. 2, 347), niederrh. köt f.; vgl. DWB köte geschwür, und koder, auch kätzlein 4.
 
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kotz, kutteln, eingeweide, s. kottfleisch am ende.
 
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kotze, f. husten, s. DWB kotz m.
 
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kotze , f. meretrix.
1,
a) so md. und oberd. seit dem 14. jh. bezeugt: wer da huset edder heimet eine uffenbare kotzen eder ichkein mensche daʒ der stat nicht erlich were ... stadtr. von Clingen v. j. 1353, Michelsen thür. rechtsdenkm. s. 197; lupa peke, kotze, huore, lupanar kotzenhus. Breslauer voc. von 1422 (mhd. wb. 1, 866b); Friczgis frauwe hat Peder Risteners frauwen geschulden hore und kocze. buszregister der grafsch. Büdingen 1475—82; die selbe hat die schefern ein alts koczgin (kotzchen) geschulden. das.; von huren weisz ich nicht dismal (die der erzbischof Albrecht gehabt hätte), on das seine c. h. der armen kotzen Else selige zu Magdeburg auch genomen das er doch ir nicht geben hat. Luther 6, 361b; er hett sich an ein kotzen gehengt. Aventin chron. 332a; am fressen und saufen fehlet es ihm ja nit. spielleute soll er gnug haben und das ganze (haus?) voll arge, frische kotzen, mit denen er herüm springen könte. interim 345.
b) auch von knaben die sich misbrauchen lassen: dann er will ein klein freud mit etlichen seinen kotzen haben. Bocc. (1535) 190b nr. 88, si vuole aliquanto sollarar con suoi zanzeri.
c) md. auch kotsche (vgl. DWB klatschen aus klatzen): Jerusalem die kotzsche oder hure. Mathes. Sar. 162b, in der schreibung wie klatzschen im 16. jh.
2) es diente zum schelten (vgl.kotzolt Haupts Neidh. s. 185).
a) in der merkwürdigen wendung aller kotzen (vgl. 1, 220):

halts maul, aller unendling kotzen!
H. Sachs 4, 3, 45a;

schlag her, bistu keck, aller kotzen! 3, 3, 8d,

in einer ausg. in dieser st. mit umlaut kötzen, was an kötsche schlumpe erinnert; aus der Ruhl gibt Regel 221 kötz f. als schimpfwort, lump, grobian.
b) in zusammensetzung, nicht nur in kotzensohn (s. d.), auch als bloszer kräftiger zusatz zu andern wörtern, wie phî des kotzenherren! Rothe dür. chron. s. 291 für schlechter herre, im zorn vom landgrafen Ludwig im munde des schmidts in der Ruhl (die stelle daher auch bei Spangenberg jagteufel 1560 R 4b), ähnlich scheltend altthür. kotzenschalc, kotzendanc, s. Bech Germ. 5, 241.
3) das wort musz alt sein.
a) es findet sich auch mnd., und zwar mit ungebrochnem vocal, cute meretrix Dief. 357c, und ebenso engl. dial. cut Hall. 288b.
b) diese aber finden einen anhalt in einem gleichklingenden namen der weibl. scham, mnd. kutte Dief. 163a, noch nd. kutt Danneil 121b, kutte Dähnert 263b, ostfr. kutte, küttje (kunte) Stürenburg 129b, auch nl. kutte, schwed. dial. kuta, kutta Rietz 365b, engl. cut Hall., altengl. kutte Stratm. 132; ziemlich einstimmend ist ein ahd. quiti vulva Graff 4, 650, das wieder nahe an goth. qviþus leib, mutterleib rührt. s. weiter kuttel.
c) beachtenswert ist übrigens, wie die berührung mit kotze gausape sich wiederholt in den lautlich ähnlichen fotze vulva und villus, und zotte, zote, s. 4, 44. 45.
 
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kotze, f. ein kriegszeug: zwei pöler und eine kotze. Gemeiner Regensb. chr. 2, 36; die strasz mit chotzen und antwerch besetzen. 49, v. j. 1343 (Schm. 2, 347). gleich katze 6, b.